Keinzigartiges Lexikon: Folge 34

Gisela Feuz am Dienstag, den 22. August 2017 um 7:08 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Die Kleinmutter
Eine Kleinmutter ist im Unterschied zu einer Großmutter nicht nur die Mutter ihres Kindes, sondern auch dessen Tochter. Bei abgelegenen Naturvölkern, bei denen Inzest unvermeidlich ist, etwa bei den Bündnern, gibt es viele Kleinmütter. Oft sind sie sich dessen aber nicht bewusst, da die Komplexität der Verwandtschaft die Intelligenz des Volks, etwa jene der Bündner, übersteigt. Aber auch in modernen Familienmodellen gibt es Kleinmütter: Heiratet eine Frau ihren Stiefgroßvater, ist sie gleichzeitig Tochter und Stiefmutter ihrer Mutter, womit die Enkeltochter zur Enkelmutter wird. Anders ist es, wenn eine Frau eine Leihmutterschaft für ihre Großmutter übernimmt. Das Kind ist dann zugleich Tochter und Großtante der Frau und damit deren Kleintante.


Die Stiefschwiegerkleinmutter ist die Schwippschwägertante zweiten Grades des Urenkelvaters in spe.

Nächste Woche: Umbringeln

Kulturbeutel 34/17

Urs Rihs am Montag, den 21. August 2017 um 5:43 Uhr

Der Urs empfiehlt:
Karl Müllers Sause in der alten Schlosserei an der Murtenstrasse. Dort trifft sich am Freitag und Samstag die städtische Kaffeehausszene auf ein musikalisches Stelldichein. Discoides von ALL XS, Waveiges von I MADE YOU A TAPE, Fransiges von ARTLU BUBBLE & THE DEAD ANIMAL GANG, Flirrendes von den YANGBOY$  and many more – bildhübsches Line-up, chapeau!

Frau Feuz empfiehlt:
ebenfalls am Freitag zu feiern, wenn auch in der härteren Variante, als unser Herr Rihs es im Visier hat: Im ISC bedankt sich die langjährige gute Seele Ürsu mit der «Oberaargauer Night» bzw. einer Abschieds-Sause, die sich gewaschen hat. Am Start sind O.M.S., Little Toe, The Great Light of Slow und Chelsea Deadbeat Combo.

Fischer empfiehlt:
Einen Kunstausflug nach Biel. Da gibt es am Donnerstag Abend nämlich erstens ein Gespräch mit der Künstlerin der aktuellen Ausstellung, Rachel Lumsden, und zweitens die Vernissage von Sugar Politics or MUzooUM Exhibit #1, einer Ausstellung zu Formen des (künstlerischen) Protests und der Rolle des öffentlichen Raums

Mirko Schwab empfiehlt:
Nachdem mich Frau Feuz um 08:33 mit den einfühlsamen Worten «ROCKBOY! Nachbeuteln, aber dalli!» aus dem Rockboy-Regenerationsschlaf gerissen hat – was für die Dünnhäutigkeit: Bei Babelsprech im Botanischen Ga präsentieren Nachwuchsautor*innen Lyrik aus dem Atelier. Hoffentlich und wahrscheinlich mehr als Blümchenpoesie. Fehr moderiert. Mittwoch und Donnerstag ab 18 Uhr.

 

 

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag, den 20. August 2017 um 0:35 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel wenn Captn Snack am NEUstadt-lab auf Deck gesichtet wird!

SüsswassermatrosInnen aufgepasst! Der wirkliche Tätschmeister auf der Schütz ist momentan eigentlich Captn Snack, auch wenn er alle Verantwortung von sich weist. Bei guter Laune frittiert er in seiner Kombüse pfeifend Gemüse und Fisch und bietet seine starke Schulter zum Heulen an. Aber das Wetter dreht bei ihm auch schnell mal auf Nordwind. Wer also nicht aufpasst, kriegt eins gepaddelt und wer nicht spurt, der wird zum Plankenschrubben verdonnert.
Gerüchteweise ist Captn Snack zudem anaerob verflixt gut trainiert und kann deshalb beunruhigend lange unter Wasser bleiben – nehmt euch also beim Aareschwumm auf Höhe Blutturm in Acht, seinen Pranken entkommt niemand so schnell…

Erlebten Sie eine wilde Nacht in Bern und haben per Zufall ein passendes Föteli dazu? Dann posten Sie es auf einer digitalen Plattform unter dem Hashtag #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück.

Captn Snack – der wirkliche Hüter des Neustadt-labs – gesichtet auf dem UNA-Achterdeck. Eigentlich ein lieber Kerl, aber wehe wenn losgelassen…

 

Plötzlich diese Unübersichtlichkeit

Roland Fischer am Samstag, den 19. August 2017 um 16:10 Uhr

Was für ein Aufmarsch im Kirchenfeld: Das Museum für Kommunikation hat gesendet und da draussen sind offenbar sehr viele Leute auf Empfang gegangen. Und finden sich derzeit scharenweise im Museum ein, um einen ersten Eindruck von der neuen Dauerausstellung zu bekommen.

Und wenn dieser Eindruck nicht täuscht, dann wagt das Museum da einiges mit dieser Ausstellung, die gar nicht erst versucht, das Thema «Kommunikation» auf einen simplen Nenner zu bringen. Man fühlt sich zuweilen ein wenig wie in einem Browserfenster, in dem ein paar Tabs zu viele offen sind, so dass die Informationsverarbeitung nicht mehr ganz reibungslos verläuft. Aber vielleicht ist das Durcheinander auch einfach den Besuchermassen geschuldet und den hunderten Kommunikationskanälen, auf denen da gleichzeitig parliert wird.

Also vielleicht besser gleich aufs Dach, wo die älteste Kommunikationstechnologie überhaupt praktiziert wird:

Vor allem Alkohol dient seit jeher als Treibstoff zwischenmenschlicher Beziehungen. “Der Wein enthüllt Verborgenes”, sagte der griechische Philosoph Eratosthenes im 3. Jahrhundert vor Christus. So veranstalteten die Griechen große Festgelage und schöpften beim symposion (altgriechisch für “gemeinsames Trinken”) Wein aus einem großen Kessel.

Da lassen sich dann bestimmt auch folgende Studienergebnisse verifizieren – dem neuen MfK seien insofern noch so einige golden moments gwünscht:

Amerikanische Forscher studierten das Gesprächsverhalten von 720 Teilnehmern, die in Vierergruppen unterschiedliche Drinks konsumieren und sich dabei unterhalten sollten. Diejenigen, die ein alkoholisches Getränk bekamen, redeten mehr miteinander und lächelten sich häufiger an – die Forscher sprechen von “goldenen Momenten” – als die Vergleichsgruppen mit alkoholfreien Drinks.

Letzte Runde №1: Albert Einstein

Mirko Schwab am Freitag, den 18. August 2017 um 12:17 Uhr

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade …
Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Letzte Runde!
Heute mit Albert Einstein
.

«Und deshalb ist es gut, dass du einmal stirbst» hat er ihm gesagt und ein selbstgerechtes Lächeln hinterhergereicht. Der andere, schon deutlich ältere der beiden Feisten, die sie da sassen und Stangen tranken und Stangen rauchten, sagte darauf nichts. Auch ich fand es recht frech. «Doch, lueg», setzte er nach, «du hast jetzt vielleicht noch deine Ressentiments gegenüber den Neuen, genauso, wie deine Eltern damals, als die Tschinggen raufgekommen sind.» Vom Gesprächsthema verdrossen bemühte ich mich um schnelles Rauchen. «Aber deine Eltern, die sind jetzt tot» raunte er schnörkellos «und den Ernesto, weisst, der von Bethlehem, den findest du ja auch einen Geraden.» Und genauso gehe es dann der nächsten Generation mit den Neuen. Und eben deshalb sei es gut, sagte er, «dass du einmal stirbst.» Also doch: Ein Satz von kühner Weisheit.

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«Voi ma non poi»

Gisela Feuz am Donnerstag, den 17. August 2017 um 7:18 Uhr

Alle sind sie parat für die grosse Show, die Zirkusband schmetter gutgelaunt eine lüpfige Nummer über die Brache, bloss einer verschanzt sich ängstlich hinter dem Vorhang und will so gar nicht ins Rampenlicht. Angst spielen liege ihm, sagt Ivan Georgiev. Der 32-jährige Schauspieler und Teatro-Dimitri-Absolvent ist dieses Jahr das erste Mal mit dem Zirkus Chnopf  unterwegs, der zur Zeit auf der Warmbächlibrache gastiert und dort sein neustes Programm «Panik» zeigt. Angst spielen kann er tatsächlich, ist es doch nicht nur für Kinder höchst amüsant, Georgiev dabei zuzuschauen, wie er den furchtsamen Clown mimt, dessen Angstattacken ihn in allerlei missliche Lagen manöverieren. (Kostprobe gibts hier.)

Wie jedes Jahr lotet der Zirkus Chnopf, diese familiäre farbenfrohe Zirkus-Institution, die bereits seit 27 Jahren mit ihren Wohnwagen durch die Lande tingelt, in seiner künstlerischen Arbeit ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema aus. Spielerisch und mit viel Humor wird dieses Mal die Frage aufgegriffen, wie es mit den unterschiedlichen Arten von Ängsten umzugehen gilt, wie diese in Frustratrion oder Wut umschlagen können, und wie verletzlich eine Seele doch wird, wenn die zugehörige Person stets nur scheitert.

Die Geschichte rund um den ängstlichen Clown und die schöne Seiltänzerin wird mit Hilfe von Artistik, Theater und viel Live-Musik erzählt. Diabolos und Menschen fliegen ungefähr gleich hoch durch die Luft, vergnüglich überspitzte Balzkämpfe erinnern an Wrestling-Einlagen und mit viel Slapstick wird genüsslich absurde Komik erzeugt. Dabei reicht den insgesamt 10 Artist*innen (davon 5 Jungartist*innen mit Jahregang 1997 oder jünger) oftmals der eigene Körper als Mittel zum Ausdruck.

Die Atmosphäre, welche der alternative Kleinzirkus Chnopf auf der Warmbächlibrache kreiert, ist charmant, behaglich und ungezwungen. Ausserdem dürfte ein Besuch im Chnopf auch um einiges günstiger ausfallen, als einer beim grossen Bruder auf der Allmend – beim Chnopf wird am Ende der Vorstellung Hutgeld gesammelt. Allerdings dürfte nach der Begutachtung von «Panik» dem einen oder anderen Elternteil die eigene Jungmannschaft ordentlich in den Ohren liegen, dass jetzt unbedingt und auf der Stelle ein Trampolin angeschafft werden müsse. In diesem Fall halten sie es doch mit dem ängstlichen Clown und sagen sie ganz einfach «voi ma non poi»*.

Der Zirkus Chnopf  ist noch am Freitag 19:30 (mit Konzert von Los Hermanos Perdidos), Samstag 16:30 und 19:30 und Sonntag 16:30 auf der Warmbächlibrache zu sehen.

*Bevor Sie die Sprachpolizei verständigen:  Ihm sei sehr wohl bewusst, dass es eigentlich «voglio man non posso» heissen würde, sagte der ängstliche Clown alias Ivan Georgiev. Aber was klingt besser, he? Eben.

 

Preise, Preise!

Roland Fischer am Mittwoch, den 16. August 2017 um 11:52 Uhr

Das Sommerloch wird gerade gut gestopft mit allerlei Kulturpreis-Entscheiden. Der KSB-Newsdienst fasst mal kurz zusammen:

Die Stadt Bern schickt zwei junge Künstlerinnen nach New York, ausgewählt wurden die bildende Künstlerin und Grafikerin Tamara Janes und die Filmschaffende Nicole Pfister. (Genderbonus: check.)

Derweil hat der Kanton seine Musikpreise vergeben, und zwar an Baze (Basil Anliker), an den DJ und Produzenten Deetron (Sam Geiser), den Klarinettisten Ernesto Molinari sowie die Violinistin Meret Lüthi, Mitbegründerin des Ensembles Les Passions de l’Âme. (Genderbonus: nicht getroffen. Immerhin bekommt die grad sehr umtriebige Rea Dubach noch einen kleinen «Coup de coeur».)

Und dann ist auch noch ein Ex-Berner auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Jonas Lüscher ist mit «Kraft» vertreten, daneben für die Schweiz noch der in Genf lebende Deutsche Christoph Höhtker. (Insgesamt 20 Autoren sind auf der Longlist, davon 7 Frauen – Genderbonus: wieder knapp verfehlt).

Keinzigartiges Lexikon: Folge 33

Gisela Feuz am Dienstag, den 15. August 2017 um 6:47 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Der Fremdbrötler
Der Fremdbrötler hat erkannt, dass jeder Eigenbrötler dringend sozialisiert werden sollte. Er weiß, dass Einzelgänger lediglich vorgeben, gern allein zu sein, in Wahrheit aber sehr unter ihrer Einsamkeit leiden. Liest etwa jemand im Zug gebannt in einem Buch, befreit der Fremdbrötler ihn auf feinfühlige Weise von dieser asozialen Haltung, indem er in das Buch schielt, einzelne Sätze kommentiert und es zu zufälligen Berührungen kommen lässt. Manche Einzelgänger behaupten, sich grade nicht unterhalten zu wollen – für den Fremdbrötler ein Zeichen dafür, dass sie schlechte Laune haben und dringend über ihre Probleme reden sollten. Wenn jemand etwas länger braucht, um ins Gespräch zu kommen, verdreifacht der Fremdbrötler rücksichtsvoll seine Redezeit.

Bei besonders schüchternen Menschen signalisieren Fremdbrötler ihre Kommunikationsbereitschaft durch permanentes Anstarren.

Nächste Woche: Die Kleinmutter

Kulturbeutel 33/17

Gisela Feuz am Montag, den 14. August 2017 um 6:13 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Ab Mittwoch gastiert der Zirkus Chnopf auf der Warmbächlibrache, Freitag und Samstag wird der Kocherpark von Helden aus der heimischen DJ-Zunft in eine Stadtoase verwandelt und am Samstag ist nicht nur Säbeli Bum im Lorrainebad, sondern Heissassa und Rambazamba im ganzen Quartier: Lorraine-Chilbi.

Mirko Schwab empfiehlt:
sich an der Neustadt laben; montags heissts Rap, dienstags gibts Gitarren, am Mittwoch ist das Wort und der Donnerstag hält Avantgarde und Hochschulpop bereit.

Der Urs empfiehlt:
Eine Zeitreise, aber ohne DeLorean DMC-12 – sündhaft teuer die Mühle mittlerweile! Nein, nein, viel einfacher: MAD CADDIES posaunen am Mittwoch schliesslich im ISC. Und die Jungs aus Kalifornien blasen uns mit ihrem Ska-Punk Sound gedacht direkt zurück an den Rand der Halfpipe – als man noch stabile Knochen hatte, intakte Bänder und dabei ein Schachbrettmuster auf dem Dakine trug.
Bosstones, Reel Big Fish und eben, die Caddies – two thousand something teenage O.S.T quasi, wer fühlt mit?
Ach, und wenn wir die Nostalgie aus dem Fell geschüttelt haben, am Samstag sicher mit Frau Feuz an die Lorrainechilbi. Eins schnappen dort, auch schon am Nami und mit Kinderwagen möglich.

Fischer empfiehlt:
Zum Abschluss noch einmal auf die Allmend, zu Magic Almond. Unsere an Hamburg verlorene Miko Hucko kommt zu Besuch, zum Kochen, Cocktailmixen und zum urbanen Spielen.

#BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag, den 13. August 2017 um 16:16 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel wenn im dritten UG einer Industriehalle im Warmbächliareal der Trailer zu einem neuen Film gedreht wird.

Dass der Film «Heidiland» so rein gar nichts mit Swissness am Hut hat, macht spätestens der Untertitel klar: «They fucked with the wrong Heidi». Entsprungen ist das rabiate Heide der Phantasie des Berner Filmregisseurs Johannes Hartmann, der für seine derbe Heimatfilmparodie keinen geringeren als Tero Kaukomaa («Iron Sky», ja genau, Nazis auf dem Mond und so) und Valentin Greutert («One Way Trip 3D») an Bord holen konnte. Eine dystopische Horror-Angelegenheit solls werden, dieses Heidliland, in welcher sich die Schweiz hinter dicken Grenzmauern vor der Aussenwelt verschanzt hat, und eine Miliz-Armee dafür sorgt, dass niemand ins vermeintliche Paradies gerät, der die falschen Fragen stellt.

Und das Heidi? Die tritt Vertretern dieser Miliz-Armee so richtig in die Eier. Und in diverse andere Körperteile, und zwar bis das Kunstblut nur so spritzt. Es mache schon ziemlich viel Spass so viele Typen in Nazi-Uniformen zu verdreschen, sagt Schauspielerin Jessy Moravec, und grinst breit. Noch breiter grinst Special-Effect-Mann Daniel Steffen, der wahrscheinlich mehrer Badewannen Kunstblut angerührt hat für den dreitägigen Teaser-Dreh. Für die Produktion des eigentlichen Filmes, die im besten Fall nächstes Jahr beginnt, wird Steffen dann wohl einen Tanklaster anmieten müssen.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück. Oder auch ein bisschen später.