Wasserstand: Hoch

Clemens Kuratle am Mittwoch, den 12. Dezember 2018 um 12:02 Uhr

Man(n) schaut in die Röhre und versucht das Loch zu füllen. Nur wie?

Yup. Auf in neue Gewässer. Für die Kultur Statt für Bares, heisst’s bald bei uns. Und weil das Wasser so einigen Leuten im Kulturbetrieb bis zum Hals steht, ein paar Do’s für die endlos scheinende Konsumsaison. Weil Nachhaltigkeit auch hier gelebt werden muss.

  • Haltet eurer guten alten Stammkneipe, eurem Hang für den müden Dienstagabend, dem Kaffee für den verkaterten Sonntag und eurem Lieblingsclub die Treue. Hier trefft ihr zwar immer die gleichen Gesichter, aber da wird auch kontinuierlich geackert und da gilt’s Fixkosten zu berappen, die bei so einer Pop-Up Bar (oder einem Glühweinstand) nicht auftauchen. Die haben ja auch keine Nebensaison..
  • Trotzt der Kälte: Raus in die Stadt (Und dann wieder rein). Weil Kultur nur zusammen geht. Zum Beispiel heute ins Bee-Flat zu den Alt-Anarchos von The Ex, mit unfreundlichem Support von ennet dem Röschtigrabe. Danach ist man wieder wach.
  • Zu Weihnachten: CD’s, LP’s oder Konzertbesuche verschenken. Auch wenn alle Musiker grad stolz ihre Streams aus der ganzen Welt präsentieren, verdienen tun sie dabei nichts. Drum: Support Your Local Artists. Gerade in Nischen.. Unser Markt ist zu klein. Es braucht jeden Rappen.

Girls, Boys: Wir schieben. Per Ende Jahr zieht sich das bestehende KSB-Autorenteam in corpore aus den Tamedia-Strukturen zurück. Aber kein Grund zur Panik: Wir arbeiten fleissig an einem neuen Format und tauchen ab Februar 2019 wieder auf – striaght from the underground und nur mit den Besten, versteht sich. Lasst uns also in Kontakt bleiben! (Link zum Formular)

Ein Abschiedskuss?

Mirko Schwab am Mittwoch, den 12. Dezember 2018 um 0:03 Uhr

Wir unterbrechen für ein bisschen Werbung in eigener Sache.

 

 

 

 

 

 

Girls, Boys: Wir schieben. Per Ende Jahr zieht sich das bestehende KSB-Autorenteam in corpore aus den Tamedia-Strukturen zurück. Aber kein Grund zur Panik: Wir arbeiten fleissig an einem neuen Format und tauchen im Februar 2019 wieder auf – straight from the underground und nur mit den Besten, versteht sich. Lasst uns in Kontakt bleiben.

Kulturbeutel 50/18

Mirko Schwab am Montag, den 10. Dezember 2018 um 5:55 Uhr

Schwab empfiehlt:
«Hypnology» heisst der nächste Blitz aus dem Millieu – Mitchell Anderson, Natacha Donzé, Andreas Kalbermatter, Élie Lascaux, Mia Sanchez, Xu Zhen und Hannes Zulauf zeigen Werke. Hintendrein gibts wohlsortierte und weltläufige Elektronik  im Punto, all time fav S S S S, Petit Singe, Steiner et al. flackern auf im Stroboskop. Samstag der Fünfzehnte, Vernissage ab 18 Uhr, Musikprogramm ab 22 Uhr, Vorfreuen ab jetzt.

Die Ursi liegt nahe:
Schlendert mal in die Zoo Bar, am Donnerstag zum Bier und zu «Joe Vickers».
Im Sommer mähdrescht sich diese Type auf John Deers durch amerikanische Gen-Weizenfelder und im Winter verschifft er sich nach good ol’ europe, um in Spelunken gitarrenbehändigt von kaputten Träumen zu singen. Ab 21:00 Uhr gibt’s Lieder.

Fischer empfiehlt:
Bisschen Astronomie, frisch gezapft und entsprechend süffig? Kann man haben, im Reitschulkino, heute abend. Die lockere Wissenschaftsreihe Astronomy on Tap geht in die vierte Runde – und diesmal sogar mit einem rein weiblichen Line-Up. Auf dem Menu: Navigieren durchs All, extrasolare Planeten und eine Tour durch die interstellare Nachbarschaft. Prost.

JJ empfiehlt:
Lara Stoll zeigt am Mittwoch im Gaskessel ihren Langspielfilm «Das Höllentor von Zürich». Der lowbudget Psychothriller erzählt die berührende Geschichte einer Poetry Slammerin, die mit dem Finger im Abfluss einer Zürcher Badewanne stecken bleibt.

Kassettenliebe

Urs Rihs am Samstag, den 8. Dezember 2018 um 8:20 Uhr

Ferrophil geht auch fremd, abseits der Schiene – dafür auf Magnetband gespult. Je mehr Eisenanteile (Fe) desto bandgesättigter, desto fett und warm im Klang. Tonbänder, ich spreche von der Kompaktkassette und ihren Vorzügen. Type I, II, III und IV, qualitativ zunehmend metallpulverbeschichtet in numerisch aufsteigender Folge, und rauschreduzierter. Nerdtalk-Alarm?

Eine kleine Gilde erfreut sich noch immer des Zeremoniells. Musikstücke veröffentlichen auf Tape.
Was für Steroid-Indie-Bands auf ihrem schändlichen Weg weiss der Teufel wohin als Werbegimmick missbraucht wird, trägt im Untergrund den Heiligenschein einer vasa sacra, eines heiligen Geräts oder Gegenstands – Die Kompaktkassette schöpft Geist aus ihrem Vermächtnis als hyperdemokratisches Medium, gewachsen in den 80ern mitsamt einem ganzen Industriezweig.
Die intuitive Handhabe, ihre Erschwinglichkeit und vor allem das Novum der individuellen Gestaltbarkeit – als Mixtape – prädestinierte sie als Katalysator der Popkultur und als Petrischale des Untergrunds.

Auch in unserem Städtchen wird gerne und mit viel Leidenschaft an Magnetband rumgebastelt, darauf gemixt und kompiliert. Releast auf obskuren Labels häufig und mit ständig wechselnden Alias der Künstler*innen. Damit ein entnebelnder Blick schwerfällt und viel eher auf die Schleier- beziehungsweise Schutzfunktion einer Subkultur verwiesen wird. Als Blende vor dem Hauptstrom und als Würgereflex gegen den damit einherschwimmenden Selbstdarstellungsdrang überschärfter und somit quasi-pornografischer Qualität.

Kassetten bergen Dignität.
Heute Samstag erscheint «Soul Tape One» von «Azul Loose Ties», im Selbstvertrieb versteht sich, auf seinem eigenen Label «Underground Soul». Ein bedachter House-Head, welcher am Ufer des Wohlensees in einer Scheune an analogen Synthesizer rumtastet und dem Herzen guttut. Nicht nur als DJ und Produzent, sondern auch als Freund.

Das lokale Kassettenschaffen – eine kleine Auswahl, ohne Anspurch auf Vollständigkeit, versteht sich. Check the linx if you hungry for.

Rauchfrei schlechte Laune

Ilona Steiger am Freitag, den 7. Dezember 2018 um 13:11 Uhr

Für KulturStattBern zeichnet Ilona Steiger aka rauchfrei93 als Gastillustratorin wöchentlich Shortstorys aus dem urbanen Untergrund und von der Sandsteinoberfläche.

Reviews, anyone?

Clemens Kuratle am Donnerstag, den 6. Dezember 2018 um 13:48 Uhr

Liebe Berner Bands,

Ich mag keine Videoreviews schreiben. Ich hab Bock auf Alben oder zumindest EPs. Musik in einer Länge in der man auch mal einnicken kann, anstatt dass man sich im Anschluss gleich noch die nächste Folge von Last Week Tonight reinzieht. Also schiesst mal los. Nicht in unseren KSB-Messenger sondern direkt an mich. You’ll find me!

Somewhere on the road im grossen Kanton.

Unser Autor ist wieder mal auf Tour, diesmal im Deutschen und da fehlt manchmal die Inspiration fürs Schreiben. Helft ihm aus dem Loch mit guter, neuer Mucke!

Global Warning!

Roland Fischer am Mittwoch, den 5. Dezember 2018 um 11:34 Uhr

Just in: Norient Filmfestival is back! Nach einem Jahr Pause macht man gleich ein wenig auf Shnit, mit bereits drei Austragungsorten, die hier nicht Playgrounds oder sowas heissen müssen: Bern, St. Gallen, Lausanne. Auch in Bern wird expandiert, neben der guten alten Homebase in der Reitschule geht es ins City Pub und ins Jugendzentrum newgraffiti. Mut zur urbanistischen Lücke!

Beim Programm setzt man auf den bewährten Spagat: Breitformat über Musik einerseits, breitformatige Musik andererseits. Am zweiten Januar-Wochenende gibt es neben tollen Filmen also auch jede Menge Live-Acts und DJs zwischen kroatischem Folk, Politperformance, Klangexperimenten, UK Funky House und Reggaetón. Zur Eröffnung wartet das kleine feine Festival gleich mit einem Knüller auf: «Matangi/Maya/M.I.A.» über das englisch-tamilische Pop-Chamäleon M.I.A. Ein Film, der seine Spannung «aus dem unauflöslichen Widerspruch zwischen Selbstinszenierung und Politik, zwischen dem buntgefiederten Popstar und der Aktivistin» hole, meinte die FAZ. Schaut man sich an.

Kulturbeutel 49/18

Mirko Schwab am Montag, den 3. Dezember 2018 um 5:55 Uhr

Schwab empfiehlt:
Kunst, kontemporär, in die Welt gestellt von zwei Typen mit den schönen Namen Floyd Grimm und Lukas Hirschhofer, ausgestellt in der Junkere 11 – oder aufgehängt, projiziert, installiert – how knows, auch der Veranstaltungsbeschrieb gibt sich bedeckt. Zur Wochenmitte also ein Geschenk.

Die Ursi empfiehlt:
ELEKTROBOPACEK
im Radio am Dienstag – geflüchtet einst aus Laboratorien sowjetischer Technokraten, hat sich der lötkolbengefolterte Cyborg in seinem Berner Exil dem maschinellen Soul verschrieben und spielt sich nun auf analogen Synthesizer den Blues von der binären Seele – Nachrichtendiensttipp!
(Entweder en vrai zu bestaunen im Abyssinia Social Club oder live auf radio-bollwerk.ch ab 19:00 Uhr)

JJ empfiehlt:
Fuck, es ist schon wieder Dezember, aber egal, wie jeden anderen Monat auch gibts am Achten Session im Schwobhaus. Dieses Mal es geht um Literatur: Lina Maria Sommer, Emanuel Bundi und unser Boy Schwab lesen Texte, es gibt Wein und Kunsti-Talk, aber getunet auf unangestrengt.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag, den 2. Dezember 2018 um 13:43 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, trotzdem ist schwer was los in der Stadt. Festivals und Feste, Konzerte und Zelte, ich hör immer nur Zelte. Liederliches, undurchsichtiges Treiben, fadenscheinige Zusammenhänge – Untergrund und hie und da spitzelt er an die Oberfläche. Wie der schwindende Eisberg. «Etwas Licht für die Sache bitte!»
es werde Licht –

Am Mittwoch bei Kerzenschein sass man beisammen zu selbstgemachtem Ingwerlikör, goldversetztem, weil man sich sonst nichts gönnt. Wegen sieben Jahre Kapitel und so und dazu noch schnell Klarheit erlangen, über das Raclette- und Zirkuszelt auf der anderen Strassenseite. Viel wurde ja kolportiert: «Da läuft ja nicht wirklich was und die Leute haben sich übernommen.»
Fakt ist, hier schleift sich gerade ein frischer Bewegungsablauf in die urbane Grosshirnrinde ein und zwar praktisch ohne Geld – «das Zelt war ein Glückstreffer und praktisch jede Schraube wurde von Freund*innen oder selbst reingedreht, das war ein Husarenstück an Engagement und eine Visitenkarte der Szene sondergleichen!», sagt mir Dino während wir zwei selbstgedrehte Zigaretten rauchen.

Man glaubt also dran im Schützenhaus, das Raclette ist gut angeschmolzen und das Kulturkonzept, das Sorgenkind, wird sich finden – kam Zelt kommt Rat und hoffentlich auch etwas Geld, bis dahin geht der Kollekten-Teufel um für Dargebotenes. Und darum greift in die löcherigen Taschen!

Drei Tage später und drei Strassen weiter oben, sitz ich früh morgens, bei queer einfallenden Sonnenstrahlen und sturmer Rübe – weil nachts zuvor ein Kollektiv und sein Raum am Terrassenweg 25 Jahre feierten und man sich zu Cumbia kräftig mit Champagner begoss, Applaus! – in der Turnhalle zu einer Tasse Kaffee und schau mir ein «Warm-up» des Bone21-Performance-Art-Festival an, aber blick irgendwie nicht ganz durch. Das Programmheft überfordert meine Synapsen und ich stolpere in vier Sätzen gefühlt zwanzigmal über das Wort Performance. Schau mir dann, dumm wie zuvor, lieber das zerstreute Treiben auf der Bühne an. Da würfelt sich was, zwischen Soundcheck, Jamsession und Theater. Verstörend beruhigend schön– ich such das Weite.

Sonne, Progr-Innenhof, Bone21 und Kaffee – der gute Morgen am Samstag war das.

Und lande, wie so oft dabei – in einem Auto voller grosser Herzen und aufgeschaltetem Fernscheinwerfern, vom Turbo getrieben über Feldwege – im BadBonn:
Feldermelder spielt hundert Dialekte Bass und trotzdem Esperanto – Phasen überlagern sich und plötzlich ist das Kopfnicken neben dem Takt, unmerklich schleicht sich das Leitmetrum von Mitten auf Tiefen. Transistoren rauschen, es knistert und ballert, flächige Drones, Breaks und vieles improvisiert und assoziiert und trotzdem alles aus einem verdammten Guss, dass es gar dem Haxan Cloak kalt den Rücken hinunterlaufen müsst’ – Therapiestunde!
Danach, mit geweiteten Pupillen, erwarten wir sehnsüchtig das elegische Zeremoniell von Lord Kesseli und seinen Drums. Sandelholzrauch füllt unsere Kapillaren und wir stehen wie trockene Schwämme vor der Bühne, bereit die neuen Stücke in uns aufzusaugen, dass es uns den Teufel austreibe. Leider bleiben die Tieftöne aus – hat sie Feldi vergriffen? – und das Konzert verreckt technisch ab. Wie Kinder vor einer rohrkrepierten Tischbombe sehen wir uns an und trauern, im Wissen darum aber, dass Lord Kesselis Nummern Sprengladungen an Dynamik bleiben und nächstes Mal explodieren sie, ganz bestimmt.

Geblendet vom neonröhrenhelldurchfluteten Nebel im Haus treten wir den Rückzug an, genug gesehen, es ist Sonntag und wir wünschen uns den Kopf unter die Daunendecke.
Am Abend spielt «Esben and the Witch» im Rössli –
falls sich wer die Lichter noch gänzlich ausknipsen lassen möchte.

Bild mit Ton: Gagle mit Hari

Mirko Schwab am Freitag, den 30. November 2018 um 5:55 Uhr

KSB stellt in der Rubrik «Bild mit Ton» wöchentlich ein audiovisuelles Ausrufezeichen aus dem Berner Untergrund vor. (Bei rückläufigem Merkur sind Abweichungen vorbehalten, ebenso bei schlechter Laune oder gutem oder schlechtem Wetter.) Diese Woche mit King Pepe.

«Love is strong – Liebi isch sträng» konstatiert der König. Ansonsten gibt es hier erfreulich wenig fadenscheinige Wahrheiten abzuholen und eher Schulterzucken vor der Welt. King Pepe stolpert über die Reeperbahn und mag nicht schlafen. Morgen fällt halt aus, bleibt heute und bleibt ein Wirrnis.

Gäbe es ein Urban Dictionary auf Berndeutsch, so stünde vielleicht darin:


Gagle
(Verb) Varianten: Umegagle, Vergagle
«När sy mer no bim H. ir Wohnig ga gagle.»
«U de sy si y däm Pärkli umegaglet bis am Mittag.»

Meist in Kombination mit Drogenkonsum (insbesondere Stimulanzien) zelebriertes Auslassen einer Nacht, mehr oder weniger privates Nachglühen nach einem Streifzug durch die Stadt. Vorgetragen mit einem grosszügigen Gestus des laisser faire o. who gives a fuck.