Sie scheint bright wie ein Diamond

Milena Krstic am Freitag, den 23. Februar 2018 um 9:48 Uhr

Heute Abend wird es in Bern einen Ort geben, an dem Poesie, Humor, Lust und Leidenschaft sich zu einem vergnüglichen Ganzen einen. Dafür verantwortlich ist die Jurasser Tänzerin Eugénie Rebetez.

Foto: zvg

Sie saugt die Zigarette aus, stülpt sich den Putzeimer über den Körper und verwandelt einen roten Teppich in eine Märchengestalt: Ja, so kann er auch gehen, der gute alte Tanz. Ich habe viele schon schwärmen gehört von dieser Frau, die mit dem Genre Tanz umgeht, als wäre er ein knautschiges Kissen, das sich herzlich drücken lässt. Sie knetet und gleitet und lacht und leidet, dass es für das Zuschauen eine Wonne ist.

Für ihr neues Solostück «Bienvenue» traumtänzert sich Eugénie Rebetez einem Fellini-Film gleich durch verschiedenste Stationen (Inszenierung: Martin Zimmermann), mal quasselt sie in einer Cocktailbar, mal putzt sie zu Rihannas «Diamonds» die Wohnung des Herrn Monsieur und mal enerviert sie sich, weil das Kind nicht vorwärts macht.

Ich hatte das Glück, mich gestern Abend in dieses Vergnügen stürzen zu dürfen. Man gleitet da irgendwie mit, fällt in einen Zustand zwischen Fakten und Fiktion und am Ende ist man verliebt in das Leben.

«Bienvenue» wird heute Abend noch einmal gezeigt. In der Dampfzentrale ab 20 Uhr.

Central Soul

Roland Fischer am Donnerstag, den 22. Februar 2018 um 12:42 Uhr

Ok, Schweizerdeutsch. Verbindet man jetzt nicht unbedingt mit Blackness. Und dann noch Schaffhauser Dialekt. Und dann kommt da diese tolle ostschweizer Band daher und bringt dem Soul ein bisschen Zurückhaltung bei. Weil man halt einfach nicht herzschmerzend röhren kann in hiesiger Sprache.

 

Nach dem formidablen Konzert von Min King gestern im Rössli muss man sagen: Das funktioniert tatsächlich allerbestens. In der Mottenkiste der Black Music wühlen, die besten Stücke rausholen und ein bisschen Schweizer Commitments spielen (und zwar sehr gekonnt, dabei aber auch sehr laid back). Also gar nicht viel anstellen mit diesen Soul- und Reggae-Erfolgsrezepten, ausser eben der Gesang: statt einem Drama-Organ vom Stil eines Otis Reading die sehr viel leisere Dringlichkeit von Philipp Albrecht. Um Liebi geht’s da zwar auch Immer wieder, um zwischenmenschliche Dramen aller Couleur, das Ganze aber ein wenig croonender, melancholischer, augenzwinkernder auch als bei den grossen Vorbildern. Soul für hier und heute. Und ein Konzert so stimmig aufhören, wenn es die Sicherung raushaut ausgerechnet bei der letzten Zugabe: sowieso ein kleiner Triumph.

Rauchen im Gebüsch

Anna Papst am Mittwoch, den 21. Februar 2018 um 5:44 Uhr

Theaterprobe unter freiem Himmel am Magdi Elnour Theater Festival

 

Als Ahmed Abdel Mohsen die mit ihm befreundete Filmerin Elvira Isenring 2016 einlud, einen Workshop am Magdi Elnour Theater Festival in Khartoum zu geben, wusste sie vom Sudan bloss, was man in der Zeitung las. Und das war wenig. Die internationalen Medien und ihre Leser*innen waren mit der sogenannten Flüchtlingskrise beschäftigt, das Land, in dem fünf Millionen Menschen am Existenzminimum leben, war vom Radar verschwunden.

Isenring beschloss, diese Wissenslücke aus eigener Kraft zu schliessen. Je mehr sie über die jüngere sudanesische Geschichte las, desto klarer wurde ihr, was in der Schweiz alles an uns vorbeigegangen ist. Dass das Land beispielsweise einen eigenen Arabischen Frühling erlebte, weiss hierzulande kaum jemand. Oder dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung knapp neunzehn Jahre beträgt.

Die ausgesprochen junge Bürger*innen lechzten nach Ausdruck und Austausch, so Isenring, weil das Land so lange isoliert gewesen sei und unter dem autoritären, streng islamistischen Regime von Präsident al-Baschir noch immer wenig Freiheiten erlaubt seien. Von den Freiheiten in der Kunst, die sich die sudanesischen Kulturschaffenden nehmen, handelt Isenrings Radio-Feature „The Black Elephant – Kultureller Widerstand im Sudan“. Bei ihrem Besuch im Sudan habe sie Leute kennengelernt, über die sie berichten wollte: Junge Künstler*innen, die aller Repression zum Trotz experimentelles Theater machen und mit Witz und Kunstfertigkeit den Alltag in einem Staat, in dem offiziell fast alles verboten ist, auf der Bühne widerspiegeln. Dass in einem Theaterstück am Festival etwa ein Schauspieler einen Betrunkenen darstellt, ist eine kleine Sensation, denn der Konsum von Alkohol ist illegal, Betrunkene darf es eigentlich nicht geben.

Bei Mehera Salim wusste Isenring gleich als sie sie zum ersten Mal sprechen hörte, dass sie im Radio-Feature zu Wort kommen muss. „Ihre Stimme, wie sie die Dinge erzählte – wie ein frischer Pausenapfel.“ Die junge Filmemacherin hat einschneidende Erfahrung mit dem repressiven Staat gemacht: Ihren Kurzfilm „Lust“ durfte sie an keinem Festival zeigen. Die behandelten Themen Liebe und Sexualität seien „eine Zumutung“, wurde ihr mitgeteilt. Dabei wird im Film kein sexueller Akt und keine Nacktheit gezeigt, es geht lediglich um zwei Menschen, die sich küssen wollen. Aber Küsse dürfen wie Betrunkenheit nicht von der Öffentlichkeit gesehen werden. Im Anschluss an ihr Gespräch versteckten sich die beiden Filmerinnen gemeinsam im Gebüsch – um zu rauchen.

Dass im Sudan überhaupt ein Theaterfestival stattfinden kann, führt der Theaterregisseur und Aktivist Maruan Omar, den Isenring ebenfalls befragt hat, darauf zurück, dass es einfach zu viele junge, ehrgeizige Menschen gibt, die sich kulturell engagieren. Die Regierung habe gemerkt, dass sie Kunst zulassen und der jungen Generation dieses Stück Freiheit gönnen müsse, weil sie sich sowieso nicht stoppen lasse. Es ist eine Stärke des Features, dass man alle Gesprächspartner*innen in ihrer Muttersprache reden hört. Isenring hat ganz bewusst darauf verzichtet, die Interviews auf Englisch zu führen. Sie wollte Khartoum einfangen, wie sie es erlebt hat, nicht in einer künstlichen, vermeintlich internationalen Sprache.

Ausserdem war es Isenring wichtig, auch die Rolle Europas zu thematisieren. Im Zuge der Flüchtlingskrise wurde ein EU-Nothilfe-Treuhandfonds für Afrika ins Leben gerufen, an dem sich auch die Schweiz beteiligt. Hilfsgelder werden jedoch nicht für Bildung und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung eingesetzt, sondern für die staatliche Grenzsicherung, damit keine Flüchtlinge über den Sudan nach Europa kommen. Die sudanesische Regierung sichert die Grenzen und damit ihre eigene Macht – finanziert von den Ländern, die vorgeben, die autokratische Herrschaft zu verurteilen.
Dass der Bericht, der von so weit her kommt, also direkt mit uns zu tun hat, wird wohl auch die Zuhörer*innen am SonOhr Festival leer schlucken lassen, wenn sie am Samstag im Kino Rex „The Black Elephant“ lauschen. Das Feature dauert fast eine Stunde. Eine Stunde, in der man miteinander im Kino sitzt, wobei die Leinwand schwarz bleibt, während der Film im Kopf abgeht.

 

“The Black Elephant- Kultureller Widerstand im Sudan” ist im Rahmen des SonOhr Festival am Samstag, 24. Februar um 18 Uhr im Kino Rex zu sehen.

«I hane Meinig, doch für ds Dänke si angeri da»

Milena Krstic am Dienstag, den 20. Februar 2018 um 8:59 Uhr

Von denen kann es kaum genug geben: von Beiträgen zu Nein zu No Billag. Gestern Abend hat mich per Whatsapp einer aus Bern erreicht: Rapper Nisu ist in die Rolle von Hr. Schweizer und MC Blochi geschlüpft und hat einen Protest-Hudigäggeler geschnitzt.

Ziemlich gewitzt. Und natürlich verdient das Ding einen Ehrenplatz in der Vitrine der Nein zu No Billag Botschaften.

Clip ab und ja, äbe, man kann es nicht genug oft sagen: Abstimmen gehen, Darlings.

KHRUANGBIN …

Urs Rihs am Dienstag, den 20. Februar 2018 um 2:58 Uhr

… oder warum Zurückhaltung und Verheissung Artverwandte sind

Raum vor der Bühne im Bonn hatte keine_r mehr, der Hype hatte seinen Dienst erwiesen, trotz Montag war proppenvoll und von überallher war nach Sound-Mekka Düdingen gepilgert worden.
KHRUANBIN, die Unaussprechlichen, das üppig-psychedelisch-versatzstückte Trio aus ursprünglich Texas – aber der Rest zur Band steht gut schon hier.

In Hipster-enigmatisch vielleicht aber noch so: Worldsound-Synkretismus, da klingt natürlich alles mit, was in den letzten Jahren diesbezüglich Welle machte.
Tamikrest, Paradise Bangkok, Spurenelemente von Habibi Funk Records und was weiss ich sonst noch alles an funky-oriental-Psychedelia, zugespickt von einer prallen Ladung Oldschool Rhythm and Blues aus den godfuckin’ U. S. of A. alles – Shuggie Otis hier, Johnny «Guitar» Watson da, dass es eine Freude ist.

Den speziellen Kick vollbringt KHRUANBIN aber mittels ihrer fast schon überbeherrschten Herangehe, dieser synthetisch anmutenden Leidenschaftslosigkeit. Die Stücke alle ataraktisch und seidenfein gespielt.
Der Bass federt hypnotisch per derb heruntergezupften Saiten dumpf aus dem Fendie, die Cymbals aus dem Handgelenk getaktet wolkig leicht darüber und die Gitarre setzt nur sporadisch exotische Akzente. Neu tönt an sich nichts, aber die Art und Weise. Verlangen steigert das – ungemein – nach weniger Grobschlächtigem, nach mehr Zartem, nach leichten Berührungen statt festen Griffen. Ein irgendwie tantrisches Konzept.

Und somit wird dieser Sound gerade wegen seiner exzellenten Zurückhaltung zu eben nichts Geringerem als einer Verheissung – Verheissung auf Besserung und darum funktioniert diese Band so gut, sie befriedigt eine offenbare Sehnsucht, aber Achtung!
Die Sehnsucht baut ihrerseits auf dem Plan des Vorurteils und des Ressentiments und das wiederum steht auf gefährlichstem Grund – dem der verkappten Wut.

Die Scheibe von KHRUANGBIN – Musik mit exotisch-psychedelischen Versatzstücken spielt immer auch verstärkt mit Sehnsüchten und die stehehen immer auch auf brüchigem Boden.

Kulturbeutel 08/18

Milena Krstic am Montag, den 19. Februar 2018 um 5:19 Uhr

Die Krstic empfiehlt:
Chum, mir goe ids #wwwonderland, dort gibts Influencer, Hacker und Shitstorms, kurzum: Das Internet! Endlich gibt es das auch in real, ohne, dass ich auf einen Bildschirm glotzen muss. Möglich macht es das Kollektiv Orlowska/Perlstein/Kläy, das sich nach «Ritalina» mit einem neuen Theaterstück für Kinder zurückmeldet. Für Kinder? Jep. Und ich geht trotzdem hin. Am Samstag ist Premiere, 16 Uhr im Schlachthaus. 

Fischer empfiehlt:
Eine tolle Filmklassiker-Woche im Lichtspiel: Zuerst am Mittwoch Rashomon (mit einführendem Vortrag vom Filmhistoriker Fred van der Koij) und dann am Donnerstag gleich noch Das Kabinett des Dr. Caligari, einer der grossen Gruselfilme des Kinos, der schon beinahe hundert Jahre auf dem Buckel hat.

Der Urs empfiehlt:
Das neue heisse Ding über welches in der Gosse schon seit Monaten getuschelt wird, heute Abend live auf der Bühne im Bonn: KHRUANGBIN – klingt wie Opiumrauchen mit Fela Kuti , Barış Manço und Gil Scott Heron, irgendwo in einer Absteige in Bangkok.
Und natürlich auch wie der Soundtrack für dein schon viel zu lange in der Projektschublade liegendes B-Movie-Drehbuch.

Frau Feuz empfiehlt:
Von Freitag bis Sonntag geht das sonOhr Radio und Podcast Festival über die Bühne: Im Kino REX Bern gibts zum Thema «Reality Check» Arbeiten aus der nationalen und internationalen Audio- und Podcastszene zu hören. Zudem prämiert eine Jury die besten Schweizer Hörstücke des Jahres. Ausserdem feiert Freitag und Samstag in der Reitschule das alternative Kulturradio RaBe seine alljährliche Sause, mit dabei unter anderem King Khan & The Shrines, The Jackets, Scratch Bandits Crew, DJ Vadim und vielen anderen.

Schwab empfiehlt:
«Wegen Beutel: schreibt doch mindestens amigs kurz den Tag / die Tage hin, wann die Sause über die Bühne geht, die Herren. So ein Minimum an harten Fakten mags schon vertragen.» Wie Recht sie hat, die Frau Feuz. Man sollte halt auch nicht restbesoffen irgendwas in die Welt hinausposaunen. Also straight: Mittwoch, 20 Uhr GMT+1, Min King im Ross. Die Seelenmusik ist back in town – und das im Schaffhauserdialekt! The fuck yéah!

Kulturstattgen

Roland Fischer am Donnerstag, den 15. Februar 2018 um 12:29 Uhr

Liebe KSB-Gemeinde, wir müssen jetzt sehr stark sein. Weil Houston, we have a pretty obvious Problem. Allerdings wissen wir nicht genau, in welchem Detail der Teufel steckt, das macht die Sache nicht eben einfacher. Und vielleicht sind wir auch noch selber schuld. Vielleicht.

#Wetoo

Wäre ja auch kein schlechter App-Name. Aber es geht um ganz andere Disruptionen, nämlich um ungute Zustände gesellschaftlicher Art und ihre womögliche Überwindung. Und die Freiheit der Kunst. Und metaphorische Schützengräben. Und das Zerfleischen des Zerfleischens und das Entschuldigen des Entschuldigens. So etwa könnte man den gestrigen Gränni-Abend BRÜSTEBEINEARSCHGESICHT zusammenfassen. Wem das jetzt nicht wirklich weiterhilft: So ging es den Beteiligten gestern auch. Und sie waren auch noch selber schuld. Vielleicht.

Auf der Bühne die halbe KSB-Belegschaft und dazu noch Emanuel Elia Bundi,
Marguerite Meyer und Geneva Moser. Jessica Jurassica war für den digitalen Kommentar zuständig, Lisa Christ war allzu moderat. Die vorgetragenen Kurztexte dafür disparat. Assoziation und Analyse. Mal sehr luzid und mal nicht sehr lustig.

defensives Fotokonzept (Recht am eigenen Bild: auch noch ein Streitpunkt gestern)

Dann Rauchpause (unser Schwab hatte endlich seinen Skandal), dann Diskussion. Irgendwann stand dann mal die Frage nach dem Gesprächs-Geschlechterverhältnis im Raum – geht das Thema vielleicht nur die Frauen an? Der KSB-Veteran erinnert sich noch an Zeiten, als wetoo über Frauenquoten stritten beim Rekrutieren (how 20th century). Aber um Gleichberechtigung ging es gestern ja nicht, sondern um offensichtlichere Missbräuche der Machtstrukturen. Oder ist das etwa dasselbe Problem? Schliesslich wollte man ja nicht über Einzelfälle, sondern über das grosse Ganze reden. Bis zu dem Moment wenigstens, als ein emotionales Votum aus dem Publikum forderte, man solle endlich aufhören, die Vorschläge abzuklemmen, was man denn konkret in Momenten des Machtmissbrauchs tun könne. Mann selbst hätte da gern erwidert: Doch bitte, abklemmen (man darf auch gern ein freundlicheres Wort copypasten – unweigerlich wurde Sprache übrigens noch zu einem weiteren Kampfplatz, als wäre die Sachlage nicht schon unübersichtlich genug), schliesslich war zu einem literarischen Abend geladen worden und nicht zu einem Wie-helfe-ich-mir-selbst-und-damit-auch-der-Welt-Workshop. Freiheit der Kunst eben und ihre Aufgabe bei unübersichtlichen Sachlagen. Aber da war man wohl selber schuld.

Es ging dann aber doch noch um Kultur: Um Skripts im Umgang miteinander, wie es einmal schön genannt wurde auf dem Podium. Tief eingeschriebene Skripts, aber eben: geschrieben, nicht geprägt. Die kann man also umschreiben, im Prinzip. Warum sie sich trotzdem so eisern halten: Das wäre auch eine interessante Frage gewesen. Und auch ein bisschen Psychoanalyse hätte nicht geschadet und die Frage, warum uns dieses Problem bloss so fertig macht. Von wegen klare Verhältnisse – in der Filterbubble wurde munter gestritten. Mitunter fühlte es sich so an, als wäre der einzige gemeinsame Nenner, dass man vom selben Gegner bös in die Mangel genommen wird. Eben: Wetoo. Wir müssen bessere Lieder singen. Und hoffen dass möglichst viele einstimmen. Wobei: Ich persönlich habe nie gern im Chor gesungen.

Bern auf Probe: Literatur gehört auf die Bühne!

Anna Papst am Mittwoch, den 14. Februar 2018 um 7:20 Uhr

Ursina Greuel las 2014 in der Zeitschrift Theater der Zeit ein Interview mit Melinda Nadj Abonji. Die Autorin äusserte sich darin nach einer unglücklichen Uraufführung ihres inzwischen unter dem Titel „Schildkrötensoldat“ erschienen Romans wie folgt: „Literatur, die literarische Sprache erscheint mir geradezu unvereinbar mit dem Theater zu sein, das ich als Ort der Überbelichtung empfinde, der ohne Tricks und (mediale) Effekte nicht mehr auskommt.“ Dieser Satz provozierte die Regisseurin Ursina Greuel, die auch den Stücktext gelesen und Gefallen daran gefunden hatte, so sehr, dass sie Kontakt zu Nadj Abonji aufnahm. Die beiden Frauen lernten sich kennen und die Regisseurin wollte der Autorin gerne beweisen, dass ihr Roman und die Bühne sehr wohl zusammenpassen. Nadj Abonji war sehr zurückhaltend, ihr war die Lust auf Theater zeitweilig vergangen und auch die Arbeit am Roman wollte sie vorerst beiseite legen. Greuel wartete, bis drei Jahre später der Roman beendet und die Lust auf eine szenische Umsetzung zurückgekehrt war.

“Dumm wie Brot” scheint Zoli seinen groben Mitmenschen. Er schweigt – und bäckt. “Soldat Kertész!” ist ab 22. Februar im Schlachthaus Theater zu sehen.

Es ist kein Zufall, dass sich Greuel herausgefordert sah, zu beweisen, dass zeitgenössisches Theater und literarische Sprache miteinander einher gehen können. Seit dem Ende ihres Studiums beschäftigt sich die Regisseurin mit Stücken, bei denen die Sprache im Zentrum steht. Wenn sämtliche Effekte, „Verzierungen“, wie sie es nennt, wegfallen, bleiben nur die Schauspieler*innen und die Sprache übrig. Das reiche, um Theater zu machen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Spass mit Schund

Gisela Feuz am Dienstag, den 13. Februar 2018 um 6:28 Uhr

Man solle doch bitte beim Verlassen des Saales ein paar Löffel mitnehmen, weil jetzt komme dann das normale Kinopublikum. Die Ansage des Kultmoviegang-Chefs am Sonntag nach der Vorführung von The Room im Ciné Club Bern machte deutlich: bei den Screenings dieser Gang ist alles ein bisschen anders.

Während bei gewöhnlichen Filmvorführungen jeder Mucks und jedes Rascheln mit der Popcorntüte mit einem giftigen Seitenblick quittiert wird, ist bei den Screenings der Kulturmoviegang explizit mitmachen gefragt. So fliegen am Sonntag haufenweise Plastiklöffel und aufblasbare Rugbybälle durch die Luft, Dialoge werden mitgesprochen und Charaktere bei deren Auftritten euphorisch begrüsst. Es wird gesungen, gejohlt, kommentiert und vor Allem sehr viel gelacht. Anders lässt sich The Room auch kaum ertragen, denn dieser gehört definitiv zum Schlechtesten, was die Filmwelt je gesehen hat. Plot? Jenseits. Schauspielerische Leistungen? Unter aller Sau. Dialoge? Sinnbefreit. Logik? Vergessen Sie’s.

Es gehört zum Konzept der Kultmoviegang, dass diese Filme zeigt, die einem normalerweise Instant-Augenkrebs bescheren. Im Kollektiv ist der Spass am Schund gross, weil richtig schlechte Filme sind halt auch schampar unterhaltsam. Selber davon überzeugen können Sie sich in Bälde bei Predator, Hands of Steel, Top Gun, For Y’ur Hight Only oder Street Fighter *winsel*.

Mit The Disaster Artist läuft zur Zeit ein Film im regulären Kinoprogramm, welcher die Entstehung von The Room nacherzählt. Nachdem Tommy Wiseau als Schauspieler nur Absagen einfuhr, entschied er sich, seinen eigenen Film zu drehen. Wiseau fungierte dabei als Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Schauspieler. Sein Film The Room erlangte Kultstatus, zumal er von Kritikern zum schlechtesten Streifen aller Zeit ernannt wurde. 

Kulturbeutel 07/18

Milena Krstic am Montag, den 12. Februar 2018 um 5:33 Uhr

Die Krstic zitiert:
«Sag mir nicht, du kannst nicht singen». So heisst der Spielfilm der Berner Schauspielerin Sabine Timoteo. Es ist ihr erstes Werk als Regisseurin und feiert am Samstag, um 11 Uhr, Premiere im Kino Rex. Es geht um Claire und Carla, um Tod und Wiedergeburt. Am Sonntag wird der Streifen noch einmal gezeigt, um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Trailer habe ich keinen gefunden, aber die Filmstill-Fotos lassen auf einen poetischen, sorgfältig produzierten Film schliessen. Ich bin gespannt.

Schwab wirtschaftet mit den Cousinen und Cousins:
Die KSB-Gang rückt teilweise aus zum literarischen Diskussionsplausch im Gränni! Emanuel Bundi, Marguerite Meyer, Geneva Moser, Anna Papst, Bongoboi Urs und ich lesen Texte und reden uns um Kopf u. Kragen. Jessica Jurassica und Lisa Christ moderieren. Es geht um Sexismus. «Lass über diesdas reden, über #metoo, das Patriarchat, schlechten Sex und gute Vorbilder. Über Macht, Ntre und Nrtr, deine Mutter und wie wir leben wollen. Sechs Gäste von den Extrempolen des genderfluiden Kontinuums bringen Selbstgeschriebenes, dann wird diskutiert. Es gibt Wein.»

Vielleicht sollte ich mal noch einen Text schreiben.

Fischer empfiehlt:
Ein undogmatischer Dogmatiker: Trummer hat sich feste Regeln auferlegt beim Schreiben seines neuen Albums, um sie live dann doch wieder über den Haufen zu werfen. Davon überzeugen kann man sich an der Plattentaufe in der Dampfzentrale, am Samstag.

Der Urs wirtschaftet höchstens mit Vetterli empfiehlt:
Veranstalten ist immer auch mal hart und aber auch hart prätentiös und meistens je aufgeblasener, desto kleiner der Eigenfinanzierungsgrad. Darum gilt gerade diesen Bühnen Respekt, welche auch mal richtig was auf eigene Pelle riskieren.
Zum Beispiel der schon im Lenz zu stehen scheinenden INTERNATIONALE SPARDRUCK CLUB, reisst er doch kurzerhand in einer stinknormalen Februarwoche ein dreitägiges, internationales Festival an. Mit Namen wie: PEACH PIT, GUS DAPPERTON, EGOPUSHER, TRIO HEINZ HERBERT, MAVI PHOENIX und ÚLFUR ÚLFUR. Von Röhrenjeans über Wollpulli bis hin zu Hoodie alles vertreten – und ich zieh meinen filzigen Bogart.

Frau Feuz empfiehlt:
Am Samstag sind in der Turnhalle des Progr die Icon Poeten am Start. Das Spiel funktioniert so, dass jeweils drei Minuten Zeit zur Verfügung stehen, um mit fünf zufällig gewürfelten Icons eine Geschichte zusammenzustifeln. Das ist lustig, für die Beteiligten allerdings auch ordeli adrenalinig. Frau Feuz weiss es, die tut nämlich mit zusammen mit Patti Basler, Raphael Urweider und Paul Steinmann. Am Anschluss pilgern Sie dann ins Punto hinauf, dort bieten J&L Defer musikalischen Eskapismus in Form von feingliedrig-experimentellem Frickel-Rock.