Till Hillbrechts Sommerhit

Gisela Feuz am Freitag, den 26. August 2016 um 6:46 Uhr

Bis Ende August präsentiert Ihnen KSB persönliche Sommerhits der Kultur-Prominenz. Heute mit einem Gastbeitrag von Till Hillbrecht, der in der Dampfzentrale für die Club-Anlässe zuständig ist, als  DJ Till/Tape elektronische Musik auflegt,  gerne auch solche produziert und ausserdem Klanginstallationen fabriziert.

Mein Sommer war unaufgeregt und gut. Und so verhält es sich auch mit meinem Sommerhit. Er ist von The Lines und heisst «The Landing». Er ist schon ein bisschen älter, zufälligerweise gleich alt wie ich. Das Internet meint, es sei New Wave, keine Ahnung, für mich klingt’s vor allem wie eine Schmusenummer für wenn niemand da ist zum Schmusen (und dann ist New Wave ja öfters mal das Richtige). Irgendwie klingt der Song aber auch so, wie er heisst: Angekommen halt, also nicht im Sinne von arriviert, sondern «bödelet» eben. Hat aber auch was balearisches: Sonnenbrille und Kater, eine kleine, grüne Plastikpalme und in der Hand einen Drink (Bloody Mary?) zur Überbrückung des Katers. Nur sonnengebräunte Haut passte nicht unbedingt dazu (und das ist bei New Wave ja prinzipiell so).

Ich hab’s übrigens ernst genommen: «The Landing» ist mein meistgespielter Song in diesem Sommer. Ich habe ihn letzthin an einer Party sogar zweimal aufgelegt. Über ihn gestolpert bin ich im Oldies Shop, da war noch saukalter Frühling und noch so gar nicht Zeit fürs Landen. Deswegen jetzt.

th In Action als DJ Till/Tape gibt’s Till Hillbrecht am 24. September im neu gewandeten Kapitel zu sehen und zu hören. Die nächste  Ausstellung läuft ab 30. September im Kulturesk, wo Till Hillbrecht als Teil von Greveniti Residency «etwas ausstellen wird, was man Installation nennen könnte», wie er es selber formuliert.

MY YOU MUSIC

Gisela Feuz am Donnerstag, den 25. August 2016 um 5:42 Uhr

Es sei unglaublich, was dieser Dimitri de Perrot für eine Sample-Sammlung habe. Riiiesig sei sie, Festplatten voll mit Alltagsgeschräuschen habe de Perrot in den letzten 20 Jahren angesammelt. Er muss es wissen, der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius, der voller Ehrfurcht und Enthusiasmus die Sample-Bibliothek des Dimitri de Perrot beschreibt, denn schliesslich hat sich Sartorius für das Stück Myousic in dessen Klang-Fundus bedient.

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Zwei Klang-Nerds vor dem Herrn: Dimitri de Perrot und Julian Sartorius

In Myousic stecken die drei Worte «My» «You» und «Music» drin, womit denn auch das Grundthema für de Perrots Stück veranschaulicht wird. «Mich interessiert die Frage, wo und wie Wahrnehmung stattfindet», sagt der Autodidakt. «Ist das Realität, was draussen passiert? Oder das, was in unserem Inneren abläuft? In diesem Sinne braucht es ja immer zwei, damit etwas Drittes passieren kann und genau das ist die Idee des Titels Myousic», sagt de Perrot.

Elementarer Bestandteil von Myousic ist denn auch das Publikum. Zu erwarten ist nicht ein Theaterstück im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr übernimmt der Klang das Erzählen. Dabei kommen einerseits 24 im Raum verteilte Lautsprecher zum Zuge, andererseits wird mittendrin Julian Sartorius am Schlagzeug sitzen und Akustisches und Samples aus de Perrots umfangreicher Klang-Bibliothek beisteuern. Weil das Ganze live passiert, kann Sartorius so auch auf das Publikum reagieren und dessen Verhalten spiegeln. Somit entsteht genau das, was de Perrot mit seiner Klanginstallation auch beabsichtigt: Aus zwei wird drei oder eben My You Music.

Unsere Frau Krstic hat sich Myousic bereits in Luzern angeschaut. Mehr dazu hier. Sie möchten es ihr gleichtun und am Freitag 2. September in der Dampfzentrale mit von der Partie sein? Nichts einfach als das: KSB verlost Tickets für Myousic. Schreiben Sie einfach unten in die Kommentare, welches Ihr Lieblingsgeräusch ist und warum. Teilnahmeschluss morgen Freitag 12 Uhr.

Wann darf ich wie viele töten?

Gisela Feuz am Mittwoch, den 24. August 2016 um 16:15 Uhr

Wer wegen Mord an 164 Menschen vor Gericht steht, der gehört verurteilt. Darüber herrscht Konsens. Was aber, wenn mit der Tötung der 164 im Gegenzug 70’000 Menschen gerettet wurden? Dies die Ausgangslage im Stück «Terror» von Ferdinand von Schirach, welches zur Zeit im Theater an der Effingerstrasse in der Inszenierung von Stefan Meier gezeigt wird. Aufgezogen wie eine Gerichtsverhandlung wird die Zuschauerschaft zu Richtern gemacht, welche am Schluss des Stückes zu entscheiden haben, ob der Angeklagte verurteilt werden soll oder nicht.

Die Tat: Kampfpilot Lars Koch (Jeroen Engelsman) hat trotz anders lautendem Befehl ein Flugzeug mit 164 Passagieren abgeschossen. Dies tat er, weil sich ein Terrorist der Maschine bemächtigt hatte und beabsichtigte, diese in ein vollbesetztes Fussballstadion zu fliegen. Koch habe mit seiner Tat 70’000 Menschen das Leben gerettet, betont Verteidiger Biegler (Johannes-Paul Kindler) und zum Glück handle es sich beim Kampfpiloten um einen Menschen, der eben nicht nach Befehlen und abstrakten Vorstellungen handle, sondern das getan habe, was richtig gewesen sei.

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Der Kampfpilot im Kreuzverhör der Staatsanwältin

Er habe es für richtig befunden, wenige zu töten, um viele zu retten, erklärt denn auch der Angeklagte Koch im Kreuzverhör mit Staatsanwältin Nelson (Sinikka Schubert). Bloss: wie viele sind «wenig» und wie viele sind «viel»? Darf ich einen Menschen töten, wenn ich damit zwei andere rette? Oder darf ich einen Menschen erst dann töten, wenn ich damit 100 andere rette? Wie muss das Verhältnis sein und wer legt dieses fest? Wie die Staatsanwältin festhält, ist die Gesetzeslage diesbezüglich eindeutig: «Leben darf nicht mit Leben aufgewogen werden. Niemals. Auch nicht bei grossen Zahlen.»
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Tanzen, immer

Milena Krstic am Mittwoch, den 24. August 2016 um 11:19 Uhr

«Es isch so schön hie», sagt Küre und hat natürlich Recht.

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Die Schütz ist ein kleines Utopia, jetzt, da hier keine Autos parkieren, sondern zwei Bars und eine Bühne aufgestellt sind. Solstage heisst diese Bühne. Und das wird nicht so ausgesprochen, wie es geschrieben steht, sondern: Sol und dann Stage, wie halt auf Englisch für Bühne.

Die Solstage wird betreut von einem von Berns schönsten Kollektiven. Jeden Dienstag und Donnerstag wird gekocht und wer isst, legt einen Batzen in den Kollektentopf. Es gibt Konzerte, Literatur und «Monday Means Rap» (da haben sich übrigens auch schon Max und Moritz die Ehre gegeben).

Yesterday night meant Thai-Curry mit acht Kilogramm Reis und dann spielte Mory Samb mit seiner Truppe zum Tanz auf. «On doit danser», schreit einer ins Mikrofon und hat natürlich Recht. Man soll, nein, muss tanzen. Immer.

Die Solstage steht noch bis am 22. September. Das ganze Programm finden Sie hier.

Juri Mischlers Sommerhit

Mirko Schwab am Dienstag, den 23. August 2016 um 5:55 Uhr

Bis Ende August präsentiert Ihnen KSB persönliche Sommerhits der Kultur-Prominenz. Heute mit einem Gastbeitrag von Juri Mischler, dem Grossen von Iwan Petrowitsch, der wie kaum ein anderer Berner Texter den Spagat beherrscht zwischen angriffslustigem Trashtalk und abgründiger Poesie.

Ich sitz irgendwo in Züri in einer Zwischennutzung. Um mich gut angezogene, hübsche Menschen. Wir trinken Prosecco und Vodka, sprechen über Tinder, Gucci Mane oder den ICF. Eine einsame, verstrahlte Seele annektiert das Aux-Kabel, es tönen Hits aus den Lautsprechern. Man diskutiert über Major Lazers Synths; Popkultur ist eine ernste Sache. Dann Sia «Cheap Thrills». Ich liebe es. Multimillionäre singen vom Wochenende, vom Spass ohne Geld, von Dekadenz und Make-Up. Besonders freut mich, dass man Sean Paul, den Hitgaranten der Nullerjahre wieder ausgegraben hat. «Bada bang bang, U worth more dan diamonds, more dan gold». Was für ein wunderbar blödes Leben.

JMJuri Mischlers Stammband liegt zurzeit auf Eis. Im Hintergrund werkelt er aber bereits an neuen Projekten, liest nebenbei chinesische Literatur und haut auch bald mal für ein paar Monate ab ins Reich der Mitte.

Kulturbeutel 34/16

Gisela Feuz am Montag, den 22. August 2016 um 5:56 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Heute Abend wird im Rahmen der Musikfilmreihe «Song & Dance Men» in der Cinématte «Heaven adores you» gezeigt, ein Porträt über das bewegte und allzu kurze Leben des amerikanischen Singer-Songwriters Elliott Smith. Am Donnerstag trifft sich dann der Berner Rassismus Stammtisch zum zweiten Mal und veranstaltet im Melting Pot im Progr ein Kanaken-Tribunal.

Fischer empfiehlt:
Nicht mehr bloss wo sondern nun auch noch was zur Hölle: Im Bad Bonn gibt’s ein neues Performance-Festival, ein toller Reigen voller unbekannter Namen von nah und fern. Neugier wird belohnt (bestimmt)! Und wem Performance Wurst ist der geht am Freitag halt stattdessen in den Löscher.

Sarah  E. empfiehlt:
Tanzen, tanzen, mit und ohne, beidem oder keinem, hauptsache Sie schwingen das Bein oder die Arme, das Haar und den Bauch am Lesbischschwultransqueerentanzspaziergang. Und es kräht die Katerin zum Kätzerich und from the rooftop die Spatzen, wir sind alle Wesen!

Mirko Schwab empfiehlt:
Das weilende Durchdietagetreiben, inklusiv&exklusiv, deins&meins, da&dort.

Die Krstic empfiehlt:
sich die neuste Produktion von Compagnie Trottvoir anzusehen. «Überall Niemand» heisst die und ist ein «theatralisch-artistisches Stück». Ich übersetze das mal frei mit: ArtistInnen, die einerseits Höchstleistungskörperarbeit betreiben und Wert legen auf eine gute Geschichte im eigenen Stück. Es geht um Gemeinschaft, um eine gemeinsame Stimme und dazu gibt es das grosse Spektakel. Donnerstag (20:00) und Freitag (16:00 & 20:00) auf der Solstage der Schütz, und am Samstag (20:00) dann in der Grossen Halle im Rahmen des UNA.

Herr Zellweger empfiehlt:
Unter die Laube: Am Dienstag vor dem Marta mit Here Hare Here.

#BernNotBrooklyn (2)

Mirko Schwab am Sonntag, den 21. August 2016 um 18:41 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los.

Photo: Jasmin Christen

Photo: Jasmin Christen

Tags darauf am Sonntagsschwof.

Erlebten Sie eine wilde Nacht einen brooklynesken Sonntag in Bern und haben per Zufall ein passendes Föteli dazu? Dann posten Sie es auf einer digitalen Plattform unter dem Hashtag #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es (manchmal) pünktlich zum Katerfrühstück zur Abenddämmerung.

#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag, den 21. August 2016 um 10:59 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los.

les digitales

Regen? Fertig Sommer? Ach was, Plachen spannen und weitermachen. Geht noch gut, geht noch lang. Im Boga wurde gestern jedenfalls locker in die Nacht getanzt, an den Digitales. Und von oben frickelte und prasselte es immer mal wieder gemütlich in die Bässe hinein.

Erlebten Sie eine wilde Nacht in Bern und haben per Zufall ein passendes Föteli dazu? Dann posten Sie es auf einer digitalen Plattform unter dem Hashtag #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es (manchmal) pünktlich zum Katerfrühstück.

Robert Butlers Sommerhit

Gisela Feuz am Freitag, den 19. August 2016 um 6:17 Uhr

Bis Ende August präsentiert Ihnen KSB persönliche Sommerhits der Kultur-Prominenz. Heute mit Robert Butler aka. dem König der Unterhosen Pantichrist, seines Zeichens DJ, Frontmann der Garagen-Rock-Combo The Shit, Künstler, Siebdrucker und Grafiker bei «Mister Butler». Der gebürtige Kalifornier lebt seit Jahrzehnten in Bern, sein Deutsch ist aber alles andere als the shit, drum wollte er seinen Text lieber in Englisch verfassen. Eine Übersetzung finden Sie bei am Ende des Artikels.

Summers… they come and go, and so do the soundtracks that attach themselves to those sunny memories. I do love it when a summer hit can transcend time, stretch into another dimension and warm you up even on the coldest of winter nights. Picking a summer hit for this year wasn’t easy. Mostly because I couldn’t help but think of all the amazing summer hits of recent years. So my choice isn’t because of the lyrical content, or the rhythm and melody. In fact, if one would take the lyrics seriously as a recipe of destruction they would probably end up in the hospital or psychiatric clinic. No, I picked this because every time I hear this song it warms me up, it even makes my soul sweat. Plus there is no video to distract your listening experience. So if you’ll have a listen, I highly recommend turning the volume up as loud as possible and enjoy my FEEL GOOD HIT OF THE SUMMER.

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Robert Butler und seine The Shit sind live zu sehen am 27. August am  Open Air Schwanden und zwar zusammen mit Chelsea Deadbeat Combo, Uristier und Captain Control.

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Lerns anders

Mirko Schwab am Donnerstag, den 18. August 2016 um 12:07 Uhr

Zwei Takte den Atem anhalten, Gitarre rein, Drop. Über den betörenden Rave-Pop der Zürcher Formation Len Sander.

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Len Sander: Direktheit auf Distanz.

Die Grosse Halle ist ein traditionell problematischer Ort für Konzerte. Das grosse Hallen ist ein traditionelles Problem solcher Hallen. Das chronisch zu wenige Publikum verirrt, wie verbrösmelt im gefrässigen, finsteren Schlund, auf der Suche nach dem süssen Quadratmeter, der etwas Orientierung in der Soundsuppe verspricht. Aber anders diese Tage. Die Enthusiastinnen und Enthusiasten vom UNA-Festival haben mit viel baulichem Geschick Struktur in die öde Weite gezimmert und eine trotzdem grosszügige Konzertbühne darin eingebettet. Darauf hat sich das Zürcher Quintett Len Sander eingerichtet und den Mittwochabend verneint.

Dem Szene-Lamento nämlich, die Wochenenden würden zusehends der Ein-Mensch-Digitalisierung überlassen, die die wahren Handwerker der Popmusik an die Wochenperipherie drängten, lakonisch in die Werktage zurückweisen würden, diesem Gemurr trotzt die Gruppe Len Sander, wissend, dass der Samstagabend bereit ist für sie. Es ist dieser stolze Trotz, der sie von musikalisch ähnlich gelagerten Projekten, Acts oder gar Schall gewordenen Selfies unterscheidet.

Trotz, die verspielte Elektro-Futuristik, die manipulativen Sägezahnbässe und die scharf geschossenen Beats auf zehn Hände und Füsse zu verteilen. Trotz, einen Karrenvoll Sachen mühsam mitzuschleppen für jedes Konzert. Trotz,  die von den Projekten, Acts und Schall gewordenen Selfies gedumpten Gagen zu dividieren in fünf mal nichts. Und der Einsatz lohnt. Ökonomische Prinzipien klingen zum Glück auch heute noch schlechter als Verschwendung.

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