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Züritipp · Das Magazin ·

Ergonomisch korrekte Grazie

Milena Krstic am Sonntag, den 21. September 2014 um 14:41 Uhr

Die Sneakers der Tänzer erzeugen Quietschgeräusche, da ist ein mandalaähnliches Ding auf schwarzem Grund gezeichnet und der Dirigent bringt den Flügel in Bewegung, der dann vom Pianisten bespielt wird. Kurz ringen Tänzer und Pianist um den Sitzplatz hinter dem Intsrument, aber wirklich nur ganz kurz.

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Ein interessantes Spektakel bot sich gestern dem Biennale-Publikum in der Dampfzentrale. Das war auch zu erwarten, schliesslich war die von Anne Teresa De Keersmaeker gegründete Tanzkompanie Rosas zu Besuch. Wenn Sie nicht vom Fach sind, werden Sie ihren Namen kaum zuordnen können – wer sich aber in der Tanzszene auskennt, war gestern Abend wahrscheinlich dabei (und bei dem leuchten jetzt wohl die Augen). Für alle anderen: De Keersmaeker ist die Choreographin, von der sich Beyoncé grosszügig «inspirieren» liess.

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Hotel zur fröhlichen Stunde – Zimmer des Tages: Schluss

Roland Fischer am Samstag, den 20. September 2014 um 12:08 Uhr

Für die Dauer der Biennale Bern wird das Schlachthaus von verschiedenen Künstlern des Kollektivs Bern zu einem Hotel umfunktioniert. Der Kulturblog ihres Vertrauens geht diese Woche undercover und wirft jeden Tag einen indiskreten Blick in eines der Zimmer.

Heute: die dezenten Accessoires, designt von Dominic Michel und in Auftrag gegeben von der Galerie Milieu

Dominic Michel lotet in Zusammenarbeit mit Vinzenz Meyner (Galerie/Artspace Milieu) die Grenzen zwischen angewandter Gestaltung eines Hotel-Erscheinungsbildes und fragmentierter, hypertextlicher Narration aus. Die Gestaltung tritt auf unterschiedlichem Hotelinventar in Erscheinung und referenziert das Chateau Marmont, ein von Legenden umranktes Hotel in West Hollywood, welches seit jeher von Filmstars frequentiert wird. Das Inventar umfasst einen Song, Gläser, Handtücher, Seifen, Visitenkarten, Bodylotion und weitere Objekte. Diese tauchen während der Biennale als Gebrauchsgegenstände auf und bilden als Requisiten in Kombination mit eigens verfasste Scripts die Grundlage zu den filmisch festgehaltenen Anekdoten aus dem Alltag im Hotel zur fröhlichen Stunde: Ab Anfangs Oktober auf www.hotelzurfroehlichenstunde.ch.

Kopfkino im Raum-Zeit-Kontinuum

Oliver Roth am Freitag, den 19. September 2014 um 11:19 Uhr

Von einem Taxi wird man abgeholt, mit Material ausgerüstet und seinem Schicksal überlassen. So beginnt die Soundinstallation «Unterland» der Künstlergruppe Surround (Séverine Urwyler, Lukas Sander) im Rahmen der Biennale Bern. Was einen nachher erwartet, ist keine Geisterbahn, aber eine alle Sinne reizende, im besten Sinne herausfordernde und anregende Installation der seltenen Art.

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Foto: Loulou D'Aki

Zuviel soll nicht verraten sein, aber wer sich durch die neblige Installation bewegt, merkt schnell: Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet! Überall wächst und gedeiht etwas und ständig ist man dabei, neue Kleinigkeiten zu entdecken. Wenn man denn überhaupt etwas sehen kann. Mit der eingeschränkten Sicht spielt die Installation genauso, wie mit dem überall gleichmässig im Raum verteilten Sound (Christian Berkes). Die akustischen Reize sind an die spezielle Architektur der Räumlichkeiten angepasst und ergeben zusammen mit den eigenen Bewegungen im Raum eine sich ständig verändernde Sound-Kulisse ab.

Darüber, was man hört, kann man allerdings nicht entscheiden. Von den akustischen Eindrücken wird man überrumpelt. Sie lassen erschrecken, Vorsicht wahren, einen ausgeliefert und klein wirken. Erst mit der allmählichen Erkundung des Raums nimmt auch die Musik an Lautstärke ab – kleine Verschiebungen ergeben sich – und das Gehör gewöhnt sich an die dumpfen Klänge.

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Aus der Realität entführt

Christian Zellweger am Freitag, den 19. September 2014 um 6:00 Uhr

Eins gleich vorweg: Für Menschen mit Vertrauensproblemen ist diese Führung durchs Kunstmuseum Bern nicht gemacht, denn auf Hören und Sehen kann man sich bei «Symphony Of A Missing Room» nicht verlassen. Alle was einen auf dem mal rasanten, mal ganz sachten Rundgang durch das Museum führt, sind ein paar unsichtbare Hände und eine luzide Stimme, die sich über die in ebendiesem Museum aufgenommenen Geräusche aus dem Kopfhörer legt.

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Die Augen werden bald nach dem Eintritt ins Museum von einer undurchsichtigen weissen Brille verdeckt, nur noch hell und dunkel lassen sich unterscheiden. Wer den Anweisungen folgt, die Augen in den richtigen Momenten schliesst und geschlossen hält, sieht nie, wer genau hier als Guide und Helfer amtet, wer einen in schnellen Schritten und weiten Bögen durch die Räume (oder ists immer derselbe Raum?) führt, vor Wände stellt oder in den Lift geleitet – das Werk fordert buchstäblich blindes Vertrauen.

Sobald man sich darauf eingelassen hat, beginnt aber die Magie zu wirken: Evoziert durch Bewegung, Licht und Geräusche betritt man neue, nur im eigenen Kopf sichtbare Räume, Hallen, Gärten, mögliche Versionen, vergessene Varianten oder zukünftige Formen des Museumsraumes, durch den man eben noch offenen Auges spazierte. Die inneren Bilder vermischen sich mit der wort- und gestenlosen Kommunikation mit den führenden Händen – ein Realitätsverlust durch eine Augmented Reality fast ohne Technik und ganz ohne LCD-Bildschirme: wunderbar.

«Symphony Of A Missing Room» von Lundahl & Seitl, Kunstmuseum Bern, im Rahmen der Biennale. Noch heute Freitag, 11.00, 12.00, 13.00 und 15.00, 16.00 Uhr.

«Der Bund» vs. Biennale

Christian Zellweger am Donnerstag, den 18. September 2014 um 18:25 Uhr

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Heute, 17.00 Uhr, Redaktion «Der Bund»: Die Tagesverantwortlichen der Ressorts versammeln sich um den Sitzungstisch, um ein letztes Mal gemeinsam die Zeitung von morgen zu besprechen. Je später der Abend, desto schneller drehen sich die Räder einer Redaktion, so wirklich Zeit hat eigentlich niemand.

Genau der richtige Moment für Sarah Vanhee und ihre Biennale-Performance «Lecture for Every One». Keine Vergnügungsveranstaltung, sondern eine politische Aktion sei ihr Eindringen in institutionalisierte Situationen, wo Menschen zusammenkommen um etwas zu erschaffen oder besprechen (also eben: Sitzungen), sagt sie. Und so trägt sie ungerührt von skeptischen Blicken ihren Text vor, ihren Versuch «to address people collectively in ways other than laws and regulations, simplistic political messages, mainstream media and advertisements».

Von Begegnungen mit Taxifahrern erzählt sie, von sinnentlerten Konnotationen zum Wort «together», von ihren inneren Widersprüchen, dem Leben im System und vom System selbst: «We don't need a catastrophe we are the catastrophe».

Zuvor hatte sie schon Sitzungen bei der Kantonalbank, im Inselspital, bei der Erziehungsdirektion oder eine Tanzstunde geentert. Viele Leute hätten positiv auf sie reagiert, sagt die Künstlerin nach der Aktion auf dem Gang – auch beim Bund liess man die Intervention mindestens über sich ergehen, war verblüfft oder angenehm überrascht über den unerwarteten Bruch.

Heute um 20.00 Uhr berichten die beiden Performerinnen im Theater vis-a-vis von ihren Erfahrungen mit dem Projekt in Bern.

Fantoche on Tour

Roland Fischer am Donnerstag, den 18. September 2014 um 13:59 Uhr

Das Animationsfilmfestival (und persönliche Highlight im Festivalkalender) Fantoche geht mit den besten Filmen dieses Jahres wieder mal auf Schweizer Reise. Morgen macht es Halt in der Cinématte - ein Besuch ist sehr empfohlen!

Gezeigt wird auch das wagemutige Wunderwerk «Through the Hawthorn» der Engländerinnen Anna Benner, Pia Borg und Gemma Burditt. Ein dokumentarischer Kurzfilm über einen schizophrenen Teenager, über Medikamente, gesellschaftliche Zwänge und eine Mutter, die in dem ganzen Durcheinander ihren Platz sucht - auch auf der Leinwand.

Hotel zur fröhlichen Stunde – Örtchen des Tages: beim stillen

Roland Fischer am Mittwoch, den 17. September 2014 um 12:35 Uhr

Für die Dauer der Biennale Bern wird das Schlachthaus von verschiedenen Künstlern des Kollektivs Bern zu einem Hotel umfunktioniert. Der Kulturblog ihres Vertrauens geht diese Woche undercover und wirft jeden Tag einen indiskreten Blick in eines der Zimmer.

Heute: Hinten rechts, bei den Toiletten, eingerichtet und verwaltet von Transform

Die Idee Hotel lässt sich als eine Form von Theater lesen, wo Leute zusammenkommen, die einerseits da arbeiten, andererseits Gäste sind. Beide Seiten spielen im Moment ihres Zusammentreffens ihre definierte Rolle (Gast/Dienstleistende). Damit das Hotel als Dienstleistungsbetrieb funktioniert, bedarf es einer vielfältigen und ausgeklügelten Arbeitskette vielteiliger Jobs. Diese Seite des Hotels aufzuzeigen und zu akzentuieren interessiert Transform. Dabei soll eine der tiefsten Ränge der gastronomischen Hierarchie in den Blickfeld kommen: Die Aufsicht der Toiletten.

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Jeden Tag der Biennale Bern wird Transform einen prominenten WC-Angestellten stellen. Dieser wird vor den Türen sitzen mit den üblichen Utensilien von Klopapier, billigen Parfüms, Hygieneartikel und natürlich einer Schale für Trinkgeld. Zu jeder Stunde macht der Angestellte eine Runde und kontrolliert/putzt gegebenenfalls die Schüssel und Spiegel. Neben dem gesamten Verein von Transform nimmt auch die eine oder andere Lokalprominenz den Platz ein - und setzt damit ein Statement für diesen Job. Der anonymen Putzkraft soll mit dieser Intervention ein Gesicht gegeben werden und der Status und die Stellung dieser Arbeitskraft zumindest beleuchtet werden.

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Schon wieder frei

Christian Zellweger am Mittwoch, den 17. September 2014 um 10:03 Uhr

Heute wieder mal ein Seitenblick ins Internet: Es gibt ja viel Nützliches auf Twitter. Und dann gibt es die scheinbar sinnlosen Automatenaccounts. Einer davon ist @wiederfrei. Unermüdlich listet der Feed von «Wieder frei» verwaiste Schweizer Webadressen auf. Das scheint stupide. Bei näherer Betrachtung entwickelt diese endlose Liste eine eigene Poesie. Eine Fundgrube an Unerfolgs-Geschichten, von gescheiterten Idealisten und müden Kämpfern.

So scheint es in letzter Zeit gerade den Jodler-Clubs nicht so gut zu gehen:

Musik scheint allgemein keinen einfachen Stand zu haben:

Auch die Clubszene leidet:

Im Toggenburg scheint nicht viel los zu sein:

Leben und sterben im Thurgau...vielleicht doch nicht:

Spannend auch, was sich wohl hinter diesem Projekt versteckt hielt:

Und dann ist auch diese Adresse wieder frei:


Nicht vergessen – vor allem nicht, die Domainrechnung zu bezahlen.

Hotel zur fröhlichen Stunde – Zimmer des Tages: 2

Roland Fischer am Dienstag, den 16. September 2014 um 12:19 Uhr

Für die Dauer der Biennale Bern wird das Schlachthaus von verschiedenen Künstlern des Kollektivs Bern zu einem Hotel umfunktioniert. Der Kulturblog ihres Vertrauens geht diese Woche undercover und wirft jeden Tag einen indiskreten Blick in eines der Zimmer.

Heute: Nr. 2, das Zweibettzimmer, eingerichtet von off-center, mit Arbeiten von Nicolas Delaroche, Kyra Tabea Balderer, Sylvain Baumann

Zimmer 2

«Schluss, Amen und Lichter löschen»
Das Zweibettzimmer bieten eine Unterkunft zwischen Ausstellungsraum und Hotelzimmer. Das Zimmer stellt eine besondere Situation her, zwischen Intimität und Anonymität, Innen- und Aussenraum. Dies beeinflusst wiederum die Wahrnehmung des Projekts durch die Besucher. Im Gegenzug für die Übernachtung schreiben die Gäste eine Rezension ins Gästebuch: «man wünscht diesen wackeren Kreateuren weiterhin solch präzise Schöpfungen» ... «ein Wunder in Bern»... «irgendwie finde ich diese Lampe auf dem Tisch 'wuescht', aber irgendwie hat sie noch was.»  .... «Super surreal!»

Das Zimmer Nr. 2 ist begehrt - und leider bereits bis Ende der Biennale ausgebucht.

Zimmer 2

Wenn Fans Universen umbauen

Miko Hucko am Dienstag, den 16. September 2014 um 5:32 Uhr

Wer kennt das nicht - man hat die letze Staffel fertig (wahrscheinlich nächtelang im Binge-Modus durchgeschaut), man hat die letzte Seite gelesen, man hat sich auf der DVD sogar die Specials angeschaut. Und schon fühle ich mich wieder furchtbar alleine, eine tiefe Trauer befällt mich, weil ich Freund_innen verloren habe oder gar eine ganze Welt, von der ich gerne noch mehr erlebt hätte.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Gefühl umzugehen. So können wir das Schicksal unserer Held_innen selbst in die Hände nehmen und weiter spinnen: Fanfiction. Ich lese sie nur zu sehr ausgewählten Werken, und oft frustriert sie halt doch, weil sie weder sprachlich noch dramaturgisch ans Ursprungswerk herankommt.

Fanfiction kann aber auch ein Ort sein, um Bedürfnisse auszuspielen, die in den regulären Werken nicht vorkommen. So ist spätestens seit Dumbledores Coming-Out die queere Fangemeinde stark damit beschäftigt, den Hogwarts-Headcanon zu erweitern (Harry Potter ist auch das am meisten fangefictete (?) Universum auf fanfiction.net). Oder es entstehen Cross-Overs aus verschiedenen Geschichten, wie zB. aus den Fernsehserien Supernatural -Sherlock-Dr.Who das sogenannte SuperWhoLock, das gleich eine ganz eigenes Fandom hat entstehen lassen.

Aber Spass beiseite, ich möchte Ihnen nun gerne diese Perle zeigen. Eine US-Amerikanische Evangelikanerin hat Harry Potter umgeschrieben, damit ihre Kinder es lesen können, ohne von der bösen Magie negativ beeinflusst zu werden. Das nenne ich Engagement. Willkommen in der Hogwarts School of Prayers and Miracles. (Link zum ganzen Text hier)

"Hello, neighbor! I was wondering if you have been saved," Hagrid exclaimed brightly; and tipped his wide-brimmed, straw cowboy hat.

Aunt Petunia laughed a gravelly laugh; and leaned forward on her sturdy, practical boots. "Saved? Don't tell me you are you one of those Christians?"

Harry did not know what that word meant; but Hagrid's smile was the most peaceful smile he had ever seen. It made Harry feel warm and happy inside just seeing the glowing, radiant grin on the kind, friendly stranger's face. He wondered why Aunt Petunia and Uncle Vernon did not smile like that...

"Yes, I am," Hagrid replied kindly. "Are you?"

Aunt Petunia laughed again; and stuck her pointy, sharp nose up in the air. "We are too smart for that. Haven't you read Dawkins? God is dead! Dawkins proved that. Would you like us to educate you on the Dawkins?"

"What is a Christian?" Harry queried innocently; and scuffed his shoe on the shaggy, yellow carpet which had not been vacuumed in quite some time.

"Christians are people who want to be good," Hagrid explained wisely; and crouched down so he was on eye level with Harry. "We want to go to heaven after we die. Do you know what heaven is, Harry?"

Harry shook his head; and his big eyes were wide and curious.

"Heaven is a beautiful place where we can be with God."