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Haben Sie mal eine halbe Stunde?

Christian Zellweger am Freitag, den 29. August 2014 um 12:11 Uhr

Dann gehen Sie raus, solange es grad nicht regnet. Oder Sie bleiben drin, vor dem Computer. Dann können Sie sich diese zwei Dinge ansehen, völlig zusammenhangslos aus dem Internet gefischt:

1. Miranda July hatte eine Idee. Von fremden Menschen und wie sie sich begegnen. Quasi das Leitmotiv ihres Werkes. Bewährt ist: Sie hat daraus einen Film gemacht. Neu ist: Sie hat daraus ein App gemacht:

2. Teju Cole schrieb einen Text. Über das Schwarz-sein 2014 und 1953, über Leukerbad und was das Heute mit dem Früher und mit den Ereignissen in Ferguson zu tun hat. Auch er bleibt seinen Leitmotiven treu und verknüpft Hoch- und Popkultur, Politisches mit Persönlichem:
Black Body: Rereading James Baldwin’s “Stranger in the Village

Und falls Sie doch lieber rausgehen, machen Sie Halt in der Buchhandlung Ihrer Wahl und suchen Sie nach Julys No One Belongs Here More Than You und Coles Open City.

Her mit den Säulen!

Miko Hucko am Freitag, den 29. August 2014 um 10:43 Uhr

Sie haben uns neue Plakatstellen versprochen, die von der Stadt, damit Plakatierung nicht mehr nur im Weltformat durch grosse, finanzkräftige Kulturinstitutionen legal möglich ist. Toll! habe ich mir gedacht. Jetzt ist das Stadtgebiet ja ziemlich weitläufig und irgendwie haben wir beide nicht die selbe Idee, wo denn ein möglichst guter Ort für so eine offizielle legale Plakatstelle wäre.

Also beim unbefahrensten Kreisel im ganzen Breitenrain bestimmt nicht. Ich meine, weiter so! Mehr Plakatstellen! aber bitte an einem Ort, an dem auch Leute vorbeikommen. 

2014-08-29 09.55.43

Kultur-Skandal: Leiter der Kulturhäuser wissen nicht, wie man programmiert!

ksbnews am Mittwoch, den 27. August 2014 um 7:13 Uhr

(ksbn) Es ist ein bisher unbekannter Skandal von unerhörtem Ausmass: Führende Figuren in der Berner Kulturszene verschweigen seit Jahren ein eklatantes Loch in ihrem Bildungskatalog.

Gut informierte Kreise berichten: Die Personen an den Spitzen der kulturellen Flaggschiffe der Stadt wissen nicht, wie man ein Programm schreibt, heisst es aus der Dampfzentrale und von KonzertTheaterBern.

Doch diese Begebenheit macht auch vor kleineren Häusern nicht halt. Sowohl die Leitung des Tojo-Theaters als auch des Schlachthauses hätten bisher wohl noch nie eine Zeile programmiert, so die Aussagen von Insidern.

Etwas besser scheint es beispielsweise beim Literaturfest zu stehen: Mitglieder sollen jeweils damit angeben, den Videorecorder für die Übertragung des Bachmannpreises programmiert zu haben, sagen Kenner. «Aber seit wir wissen, wie es in der Szene steht, sind wir aber auch nicht mehr sicher, ob das nicht jeweils die Praktikanten übernommen haben.»

Die Konsequenzen dieser Enthüllungen für den Berner Kulturbetrieb sind noch nicht absehbar. Ob überhaupt etwas passiert, ist fraglich. «Hier zu reagieren, ist nicht meine Aufgabe. Es müsste zuerst ein Programm von den Künstlern kommen», liess Kultursekretärin Veronica Schaller verlauten.

Boui-Boui: Liebeserklärung an ein Festival

Milena Krstic am Dienstag, den 26. August 2014 um 5:51 Uhr

... und ein Nachtrag.
Es gibt unendlich viele Gründe dafür, Musikerin zu sein  (und mindestens so viele dagegen, aber dazu ein anderes Mal mehr). So kann es passieren, dass man an zuvor noch unbekannten Orten landet und die Aussicht beim nachmittäglichen Soundcheck diese hier sein kann:

Boui_Boui_KSB_3
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Kulturbeutel 35/14

Gisela Feuz am Montag, den 25. August 2014 um 5:31 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Machen Sie am Samstag einen Ausflug ins Oberland, genauer nach Schwanden bei Sigriswil. Dort geht die 15. Ausgabe des Openair Schwanden über die Bühne, und zwar gleich mit zwei Premieren: die Berner Truppe Unhold präsentiert zum ersten Mal in neuer Formation ihren atmosphärischen Metal-Noiserock und zudem wird die Doku zum 20-jährigen Bandbestehen von Uristier gezeigt, welche im Anschluss gleich auch noch selber in die Saiten greifen. Am Sonntag gehen Sie dann ins Rössli zu den Indie-Boys von Lonely the Brave, die zur Zeit auf der Insel ordentlich abgefeiert werden.

Miko Hucko empfiehlt:
Hüpfen und Sterben! Es ist endlich wieder Spielzeit. Diese wird in der Dampfzentrale  samstags mit u.a. Skip&Die eingetantzt, und im Tojo Theater werden wir am Freitag von Nanomia zu Hause willkommen geheissen.

Die Krstic empfiehlt:
Es geschah an der Bad Bonn Kilbi, Ausgabe 2013: Die finale Festival-Nacht, morgens um zwei Uhr, die meisten hatten ihre Zelte bereits abgebrochen. Es war saukalt, ausgeharrt haben wenige, aber dann erschien diese Cata Pirata in ihren Hotpants, die feinen Härchen auf den Oberschenkeln vor Kälte aufgerichtet, und ja, dann legten sie los, diese Skip & Die. Die Kälte, Müdigkeit ... Alles verflogen, vertanzt.  Wird es auch Ihre Lieblings-Live-Band? Auschecken. Am Samstag. In der Dampfzentrale. 

Fischer empfiehlt:
Am Freitag hinunter in das schöne Backsteinhaus bei der Dampfzentrale, ans Filmhausfest. Von 17 - 19 Uhr in die offenen Ateliers und dann bis spät in die Nacht mit Bar, Essen, Musik.

Oliver Roth empfiehlt:
Wer gerne einen Ausflug macht: In Basel startet die neue Spielzeit im Tanz und Theater am Mittwoch mit dem Theaterfestival Basel. In der Kaserne, dem Theater Basel und dem ROXY gibt es viele Produktionen zu sehen. Meine Tipps: Miet Warlops farbiges Spektakel «Mystery Magnet» am 28. und 29.8. im ROXY und Christian Rizzos herzlicher Männertanz «D'après une histoire vraie» am SA 30.8. im Theater Basel.

Vielseitig aber trocken

Gisela Feuz am Sonntag, den 24. August 2014 um 12:37 Uhr

Die gestrige Affiche beim Abschlussabend des 5. Berner Literaturfests wäre perfekt gewesen, um das verknöcherte und geriatrische Image, welches Literatur bei vielen vor allem jungen Menschen leider nach wie vor hat, zu verbessern. Wäre. Jawohl, Konjunktiv, denn richtig in Fahrt kommen wollte das rauschende Fest nicht.

Den durchaus vergnüglichen Einstieg machte gestern im Kornhausforum Michael Fehr, der zu Piano-Klängen von Avantgarde-Komponist Simon Ho in kurzen zum Teil dadaistisch anmutenden Geschichten die grossen Welt-Themen abhandelte. Dass der grossgewachsene Fehr dabei von Heiserkeit geplagt war, tat dem Vortrag keinen Abbruch, sondern verlieh dem Ganzen eine durchaus sympathisch raue und verruchte Note.

Was folgte, war ein Gespräch rund um Pedro Lenz' Erfolgsgeschichte «Der Goalie bin ig» und dessen Übersetzungen, wobei der Autor selber, drei Übersetzer und eine Übersetzerin vor Ort waren: Donal McLaughlin (Schottisch), Nathalie Kehrli und Daniel Rothenbühler (Französisch) und Raphael Urweider (Hochdeutsch). Wie Lenz richtig bemerkte, sei übersetzten eben nicht einfach nur übersetzen, sondern eine Neuschöpfung und so war es denn auch spannend zu hören, welche Probleme sich bei der Findung für die Sprache des Goalies in den unterschiedlichen Zungen ergeben hatten. Eine lebendigere und dynamischere Moderation und ein anderes Setting hätten der Gesprächsrunde allerdings gut getan.

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Urweider, Lenz, McLaughlin, Kehrli und Rothenbühler

Was zudem überaus schmerzlich vermisst wurde, war eine Bar, an der man sich in der Pause des doch langen Abends hätte gütlich tun können. Heilandzack, ein Abschlussabend einer Jubiläumsausgabe ohne Bar! Dort hätten doch genau der Austausch und die Begegnungen stattfinden können, welche Literatur zu etwas Lebendigem machen. So lauschte man dann halt nüchtern im nach wie vor äusserst nüchternen Setting den Vorträgen der Autören, die da sind: Lorenz Langenegger, Urs Mannhart und Christoph Simon, bevor das Spoken-Word-Kammermusik-Duo Fitzgerald & Rimini zum Abschluss neues Material vom kommenden Album «Grand Tour» präsentierte.

Vieles war gestern Abend gut. Zum Beispiel der Versuch die Bandbreite von literarischem Schaffen zu zeigen, indem nicht nur traditionell gelesen wurde, sondern auch Duos auftraten, die einen stark rhythmisierten musikalischen Gebrauch von Sprache ausloten. Schön wäre gewesen, wenn sich diese Experimentierfreude auch in der Präsentation, im Ablauf des Abends und in der Raumgestaltung manifestiert hätte. So war die ganze Angelegenheit dann doch eher auf der trockenen Seite. Und zwar nicht nur in den Kehlen.

Godspeed Postmoderne

Miko Hucko am Samstag, den 23. August 2014 um 5:47 Uhr

vernissage

Die Tomatensuppe explodiert! Es wurde ja auch Zeit, sie hat uns 50 Jahre lang geplagt mit ihrer dezidierten Nicht-Aussage. Mit ihrem Konsumentendasein. Mit ihrer Reproduzierbarkeit.

Sowohl Titel - Rhizom und Raster -  als auch die weiteren Bilder dieser Serie, die massgeblich aus Portäts besteht, lassen sich als Abgesang auf die Postmoderne lesen. Das Material ist simpel und roh, fast schon altmodisch: Russ, Klebestreifen, Karton. Je nachdem, wie nahe oder fern man sich von den Bildern positioniert, ergeben sie sinnvolle Ganze oder zerschossener, zerklüfteter Müll. Ob man das Raster sehen will oder nicht, diesen Fokus muss ich als Betrachtende auch selbst legen. Durch diesen selbst zu wählenden Fokus wird die Wahlfreiheit des Auges, des Blickwinkels an die Betrachenden zurück gegeben und die schwarz-weissen Bilder werden dreidimensional und belebt.

Motivisch arbeitet sich Johannes Lortz an Ikonen der Postmoderne ab, von Rosa Luxemburg bis Lou Reed, bekannte Abzüge von ihnen werden hier nicht reproduziert oder nachgemalt, sondern ausgebrannt und abgewandelt. Die Kenntlichkeit bleibt nur knapp erhalten - und trotzdem behält dieser Versuch in Antimalerei eine eindrückliche Ausstrahlung. Damit ich weiss, wem ich hier genau tschüss sagen muss.

Die Ausstellung Rhizom und Raster ist noch bis zum 11. September im Kunst- und Denkraum artundweise zu betrachten.

Der kleine im grossen Tierpark

Gisela Feuz am Freitag, den 22. August 2014 um 11:37 Uhr

Man könnte sich ja durchaus die Frage stellen, wieso ehrenwerte Kultur im trivialen Tierpark stattfinde, bemerkte gestern Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli, bei seiner einleitenden Rede zur nachfolgenden Literaturlesung vor dem Bärengehege im Berner Tierpark. Ein hochgestochener philosophischer Exkurs sei ja nun aber fürwahr nicht von Nöten, um diese Frage zu beantworten, führte Schildger weiter aus, «denn wo bitteschön sonst soll ein Werk mit dem Titel 'Der kleine Tierpark' präsentiert werden?» Wo er recht hat, hat er recht, der Herr Direktor, zumal die Bärenanlage im Dählhölzli eine wirklich fulminante Kulisse lieferte für die Lesung aus Robert Walsers Tiergeschichten.

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In Walsers «Der kleine Tierpark» haben Lucas Marco Gisi und Reto Sorg, beide vom Robert Walser-Zentrum, Tiergeschichten des rätselhaften deutschschweizer Autors zusammengestellt und herausgegeben. Gestern Abend las Schauspieler Stefan Suske seine Lieblingstiergeschichten aus dieser «bestialischen» Anthologie, wobei ihm die realen Bären im Dählhölzli zeitweise die Show stahlen mit ihren tapsigen Sprints durchs Gehege und mehr oder weniger eleganten Badeausflügen.

Robert Walsers Tiergeschichten sind vergnüglich und lustig, dann aber auch überraschend menschlich. So lässt sich von der liederlichen Lerche, dem strammen Kuckuck und der listigen Maus stets auch auf das Kalb in uns schliessen und wenn der verliebte Storch dem grimmigen Stachelschwein seine Liebe gesteht und bittere Tränen, ja Niagarafälle, vergiesst ob der groben Verachtung des Schweins im Stachelmantel, dann leiden und lachen wir gleichermassen. Walsers Texte fanden gestern grossen Anklang, zumal Suske diesen auch den nötigen (tierischen) Ernst zu verleihen wusst. Derweilen flitzten und hüpften die Spatzen durch die Bärenanlage und kümmerten sich herzlich wenig um die zahlreich aufmarschierte Zuhörerschaft, sondern dachten vielleicht allerhöchstens: «Ist doch für die Katz.»

Robert Walser: Der kleine Tierpark. Insel Verlag, Berlin 2014.

Die Lesung fand im Rahmen des 5. Berner Literaturfests statt, welches noch bis am Sonntag 24. August an verschiedensten Orten in der Stadt Bern und ausserhalb durchgeführt wird. Zum ganzen Programm gehts hier.

Musik für amerikanische Polizisten: Hands Up, Don’t Shoot

Oliver Roth am Freitag, den 22. August 2014 um 5:30 Uhr

Rumziehen und Musik hören.

Mit dem Album "Lese Majesty" von Shabazz Palaces im Zug von Bern nach Basel.

Ich steige in den Zug und nippe an meiner Flasche Orangensaft. Der Beat setzt ein und der Zug rollt los. Untermauert von sphärischem Wummen aus dem Outerspace lehne ich mich zurück und sehe die leeren Strassen Berns verschwinden.

Meet us there / We throwing cocktails at the Führer

Schnell wechseln die kurzen Lieder ihre energiegeladenen Klänge: Disco, Gil-Scott Heron, Black Panters, Blues, Jazz und World sind eine Rakete, die in den Himmel schiesst. In Olten kreuzt mein Zug einen anderen. Ich sehe nebenan im Fenster eine weisse Frau die gelangweilt eine Zeitung liest und in der Nase bohrt. Von dem Bild in der Zeitung schauen mich wütende afroamerikanische Bürger an.

Blackness is abstracted and protracted by the purest

Ich streife an zersiedelten mittelländischen Dörfern vorbei und sehe ein Quartier mit neugebauten eckigen Bauhaus-Häusern. Ich denke, dort wohnt vielleicht André Corboz.

It's black-ephilic and petalistic catastrophic hymns

I scream and yell like Samuel L / I’m often on like Chaka Khan

Als ich Basel aussteige bin ich wieder auf dem Boden gelandet und schaue etwas kritisch die Waffen der Polizisten an, die vor dem Bahnhof stehen.

Bitch boy, pistol aimin' /
Black star, minds are schemin'
/ Fulfill all our dreamin'
/ That's what's up this evenin'

Shabazz Palaces "Forerunner Foray"

Shabazz Palaces "They Come In Gold"

 

das bisschen Mut

Miko Hucko am Donnerstag, den 21. August 2014 um 5:32 Uhr

a propos heisser Kultursommer: kleinmikohucko war gestern in Zürich, dem grossen, und schon am Bahnhof leicht überfordert. Schliesslich hat sie es dann doch geschafft und ist auf der Landiwiese gelandet: Theaterspektakel!

Ich war vorher noch nie da, und was mich wirklich überwältigt hat, waren weder die Grösse, technischen Aufbauten, vielen Leute noch die Seesicht. Es war das Hand-in-Hand von sogenannter Hochkultur (oder, wie kürzlich im Rahmen der RKK-Debatte zu hören war, der urbanen und zeitgenössichen), Volksfest und Strassenkunst. Der lebendige Beweis quasi dafür, dass diese Dinge sich nicht widersprechen müssen, ist nur eine Zugstunde entfernt.

Zudem ist die Landiwiese keineswegs zentral gelegen, klar ist Zürich grösser als Bern, aber das liegt auch daran, dass alles Richtung Zentrum drängt, statt sich auszubreiten. Das KTB zum Beispiel ist vor der Vidmar schon wieder etwas zurückgeschreckt, dabei können mutige Verlagerungen durchaus erfolgreich sein, wie das Festivalzentrum des diesjährigen AUAWIRLEBEN gezeigt hat. Auch die Heitere Fahne kann hier als positives Beispiel angeführt werden.

Alles in allem wünsche ich mir nach diesem kurzen Ausflug von der Berner Kulturszene mehr Mut zur Durchmischung und Ausbreitung.

speki

Das Stück, das ich dort gesehen habe, war leider dann nicht so gut. Man kann ja nicht gleich alles haben an einem Abend.