Tentakel und Tombola

Roland Fischer am Dienstag, den 31. Mai 2016 um 10:27 Uhr

Das wollte ich schon lang mal teilen, aber ehrlich gesagt hätte ich nicht erwartet, dass sich hier mal eine Gelegenheit bieten würde:

demandt gaoAber wo wenn nicht in einem Beitrag zum Grellen Keller? Sie ist und bleibt der unberechenbarste Gemischtwarenladen im Berner Kulturleben, die offene Bühne im Schlachthaus. Zum Saisonschluss gestern taten sich die Macherinnen zusammen mit dem Endroit Perdu, dem anderen offenen Schlachthaus-Format. Und starteten mit einer Musik-Tanz-Performance von Maria Demandt und Fhun Gao in den Abend, wo es um Körper und Ängste und Anemonen ging. Und eben am Rand auch mal um den diskret metaphorischen Charme der Tentakel.

Weiter ging’s auf ziemlich chaotische Weise mit Galgenhumor in Sachen Selbstoptimierung und Suizid, mit einem Vortrag voller künstlerischer Seltsamkeiten, mit einem verlosten Preisreigen und schliesslich mit bittersweeten und in tolle Songs gegossenen Erinnerungen aus Langenthal von unserer Milena Patagônia. Schön nach dem Motto: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt (ausser er hat Glück im Spiel).

Kulturbeutel 22/16

Milena Krstic am Montag, den 30. Mai 2016 um 5:43 Uhr

Die Krstic empfiehlt:
Als bekennender Timmermahn-Fan nimmts mich jetzt wunder, was der Herr Märchenerzähler draufhat, wenn er ein Theaterstück auf die Bühne bringt. Am Mittwoch läuft sein Stück «Der Blöffer» in der Heitere Fahne an.

Frau Feuz empfiehlt:
Am Mittwoch wird im Kino der Reitschule im Rahmen des Filmzyklus «get rich or die trying» Jury Bykows sozialrealistischer Streifen «Durak» gezeigt,  in welchem ein Klempner sich in einer dostojewski-kafkaesken Situation wiederfindet. Ab Freitag verhandelt das Theater-Ensemble Peng! Palast dann in «Bye Bye Babel – Eurotopia!» die Zukunft Europas auf der Bühne und im interaktiven Spiel, und zwar im Schlachthaus Theater.

Saskia Winkelmann empfiehlt:
Am Donnerstag fängt ja die Bad Bonn Kilbi an. Wer es irgendwie geschafft hat, ein Ticket zu ergattern, geht natürlich nach Düdingen und bleibt bis Sonntag Morgen. Andernfalls könnte man zum Beispiel am Samstag zum Klinker Klub in der Dampfzentrale gehen, wo Benjamin Brunn ein Live-Set spielen wird. Ah ja, und am Sonntag ist dann noch Flohmi in und um die Grosse Halle.

Fischer empfiehlt:
Wir haben unsere Neat ja zwar schon lange, aber nun gibt es im Stadttheater-Kubus doch nochmal einen grossen Bahnhof zur Gotthard-Eröffnung – gewissermassen ein alternativer Festakt: Am Samstag gibt es performative Liveberichterstattung aus Biasca und Erstfeld, literarische Festreden und allerlei mehr, von und mit Gesine Danckwart, Beatrice Fleischlin, Regula Stämpfli, Jürg Halter, Adolf Muschg, Elia Rediger, Schauplatz International und Jakob Tanner.

Herr Zellweger empfiehlt:
Natürlich, Düdingen bis Sonntag Morgen. Ansonsten könnte man gleich heute ins Schlachthaus zum Greller Keller/l’Endroit perdu um unter anderen unsere Frau Krstic a.k.a. Milena Patagonia live zu erleben.

Tanz die Menschenrechte

Milena Krstic am Sonntag, den 29. Mai 2016 um 11:10 Uhr

Die Grosse Halle der Reitschule wird momentan von Karin Hermes und ihrer Kompanie hermesdance genutzt. Sie sieht Kultur als eine Art Waffe. Ein Augenschein vor Ort zeigt aber: Es geht alles ganz friedlich zu und her.

Da rascheln sie davon, die jungen Tänzerinnen der hermesdance Kompanie.

Da rascheln sie davon, die jungen Tänzerinnen der hermesdance Kompanie.

Nach dem Attentat in Paris verspürte sie das dringende Bedürfnis, «irgendetwas» zu tun. Das ist die Antwort der Wahlberner Choreografin und Tänzerin Karin Hermes, fragt man sie, wie sie auf die Idee gekommen ist, eine Veranstaltung ganz den Menschenrechten zu widmen.

Herausgekommen ist ein Hybrid aus Musik (Leitung: Ali Salvioni), Tanz und Literatur. Und als ich gestern am frühen Abend vor Ort war, bin ich gerade in eine Performance hineingeplatzt, in der Hermes’ junges Ensemble in Papier eingewickelt durch den Raum gerauscht ist, Tänzerin Alina Jaggi wie ein Schmetterling über den Steinboden schwebte und Sopranistin Tina Brcic von der Empore aus ein Ständchen sang. Im Hintergrund waren Transparente zu sehen, auf denen Parolen standen wie «Trinkwasser ist ein Menschenrecht».

Überhaupt erübrigt sich die Frage, weshalb jemand eine Veranstaltung den Menschenrechten widmen will, oder? Es schadet ja nichts, da immer mal wieder darauf aufmerksam zu machen, dass es die eigentlich noch gäbe.

Die Veranstaltung «Culture is a Weapon / Kultur ist eine Waffe» findet auch heute Sonntag statt. Ab 11 Uhr bis 16 Uhr in der Grossen Halle. Das Programm finden Sie hier. Eintritt: Erwachsene 20 Franken, Kinder 10 bis 16 Jahre 8 Franken.

#BernNotBrooklyn

Christian Zellweger am Sonntag, den 29. Mai 2016 um 5:00 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist nachts mächtig was los…

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SØS Gunver Ryberg am Freitag in der Dampfzentrale. Etwas grobkörnig, sagen Sie? Richtig! Aber genau so war die Musik von Frau Ryberg auch. Mal brachial, mal noisy, mal verhallt. Rave-Musik, die auch in der Dampfzentrale funktioniert, weil der Raumklang von grossen Industriehallen oder klapprigen Clubkellern schon integriert ist. Wunderbar! Lee Gamble war auch da. Aber für sein ganzes Set hats mir nach diesem Ryberg-Monster nicht mehr gereicht. (Ganz wie es Roger Ziegler prophezeihte: «LEE GAMBLE aus London ist zwar der Aufhänger dieses Abends, das prognostizierte Highlight ist aber SØS GUNVER RYBERG aus Dänemark.») Merci Dampfere, man wünschte dir ein grösseres Publikum.

Erlebten Sie eine wilde Nacht in Bern und haben per Zufall ein passendes Föteli dazu? Dann posten Sie es auf einer digitalen Plattform unter dem Hashtag #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück.

Neu auch Menus im Zeppelin (und neue Musik)

Roland Fischer am Samstag, den 28. Mai 2016 um 12:14 Uhr

Der Koch kann zwar nicht so viel, aber was er kann, das kann er gut. Und sowieso: Liegt nicht in der Einfachkeit die wahre Kunst?

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Musik gab’s gestern übirgens auch, vom umtriebigen Ensemble Proton. Bach und Neue Musik in der Quartierbar, ja das geht auch. Das geht sogar sehr gut, hat man sich sagen lassen, weil man zu spät war und das Konzert schon vorbei kurz nach neun. Das mit den Anfangszeiten müsste man vielleicht noch ein wenig anpassen, wenn man sich aus den klassischen Konzerthallen herauswagt.

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Heute abend übrigens schon wieder tolle neue Musik im Zeppelin: das Trio Murmur mit Rea Dubach, Laura Schuler und Klas Nevrin.

Kultur allein Zuhause #9: Brüten und Füttern

Saskia Winkelmann am Freitag, den 27. Mai 2016 um 12:00 Uhr

Dieses Buch spielt grösstenteils in Bern: Der kurze, intensive Roman “Der Mauerläufer” der Amerikanerin Nell Zink.

“Der Mauerläufer”, Nell Zinks Erstling, ist ein dünnes dichtes Buch geworden, dessen Inhalt schnell zusammengefasst ist: Nach einem Autounfall ist bei Tiffany und Stephan nichts mehr wie vorher. Sie ist nicht mehr schwanger und er fängt einen Vogel. Ein Mauerläufer wird zum neuen Haustier der jungen Amerikanerin und des Hobbyornithologen, die erst zusammen in der Berner Altstadt, dann in Berlin wohnen.

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Die Autorin Nell Zink kommt aus Virgina und lebt seit Jahren in einer Kleinststadt in Brandenburg, wo sie bis jetzt nur für Freunde und sich selbst geschrieben hat. Nun legt sie mal eben so mit fünfzig ihren ersten Roman hin, den die Feuilletons (zu recht) einstimmig loben.

Es geht darin um die Liebe, um Umweltschutz, um Sex und Heimat – und es geht um Vögel. Mit einem Tempo führt Zink einen an der Seite von Tiff durch Bern, Berlin und den Balkan, durch eine Ehe, eine Affäre, durch Clubs, durch die Pampa in Sachsen-Anhalt, durchs Berner Oberland, durch Vogelsaffaris und Gefühlsachterbahnen. Das ist manchmal anstrengend, aber immer kurzweilig und sicher nie langweilig, auch wenn man sich nicht im geringsten für Vögel und Umweltschutz interessiert.

Menschenfrei Kultur geniessen in den eigenen vier Wänden. Tipps und Tricks von KSB. Diesmal: “Der Mauerläufer” von Nell Zink. Im März bei Rowohlt erschienen, 155 Seiten.

Postkarte vom Teufelsberg

Miko Hucko am Donnerstag, den 26. Mai 2016 um 12:39 Uhr

was für ein Berliner Mythos: aufgeschüttete Trümmer aus dem 2. Weltkrieg, Abhörstation der Amis und Engländer im kalten Krieg, dann alles rausgerissen bei der Wende, wilde Technoparties und Besetzungen in den 90ern; und scheint’s wollte sogar Master Lynch das Gelände kaufen.

Die einstige Grösse ist vor allem noch trockene Touristinnenattraktion: Heute bieten ein paar Zwischennutzer_innen billige Führungen über’s Gelände an, einige Sprayer_innen haben ganze Wände zugemalt, und irgendwie kommt dieses Gefühl auf, dass die gute Zeit der Besetzungen und der Alternativen gerade in Berlin sehr fest vorbei ist.

Aber dieses Bijou noch:

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von diesem Turm aus wurde in den 80ern wohl eine der ersten Email gesendet. wow yeah internet history. trotz allem Ausverkauf: der Besuch lohnt sich sehr, schon nur wegen der Aussicht.

Astronauten oder Tropen

Gisela Feuz am Mittwoch, den 25. Mai 2016 um 5:13 Uhr

Welch unsäglich bescheuerter Bandname. Aber was für ein fantastisch vernebelter Psychedelic-Schlepper uns diese Lord Kesseli & the Drums mit «Fade» beschert haben. Passend zum runtergebremsten Science-Fiction-Soundtrack schwebt und rotiert im Video denn auch ein illuster illustrierter Astronaut quer durchs Schwarz-Weiss-Weltall. Bezaubernd ist das. Fast so bezaubernd wie das Presseföteli von Lord Kesseli & the Drums. Die beiden Herren gehören übrigens normalerweise zur Entourage eines gewissen Herrn Stahlberger.

Und wenn wir schon bei bezaubernd sind, dann müsste auch unbedingt auf dieses Video-Schmuckstück hier verwiesen werden. GaBlé mögens farbenfroh und detailverliebt und sind offenbar auch Rollstuhlrennen und Ufo-Entführungen nicht abgeneigt.

GaBlé spielen heute Abend bei bee-flat im Progr und Lord Kesseli & the Drums am Samstag im Punto. Und weil wir heute die Spendierhosen anhaben, verlost KSB für beide Konzerte Tickets! Man schicke uns eine Mail und gebe an, ob man lieber zu den Astronauten oder in die Tropen möchte.

Vielleicht hätte er es besser an der HKB versucht?

Roland Fischer am Dienstag, den 24. Mai 2016 um 11:42 Uhr

Herrlicher Hoax! Einsteins Schlussfolgerungen seien «somewhat radical» und insgesamt «more artistic than actual physics». So schnöde soll die Uni Bern den späteren Physiksuperstar abgelehnt haben. Aber nun ja, man schaue sich das Papier mal ein wenig genauer an:

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Tatsächlich wurde Einsteins Antrag auf Habilitation 1907 an der Berner Universität zunächst abgelehnt (allerdings wohl kaum in feinstem Englisch), erst im folgenden Jahr war er damit erfolgreich und ab 1908 lehrte er dann drei Semester lang theoretische Physik, bevor er an die Uni Zürich weiterzog.

Kulturbeutel 21/16

Saskia Winkelmann am Montag, den 23. Mai 2016 um 5:05 Uhr

Saskia Winkelmann empfiehlt:
Auf dem Weg zum Electronic Circuit mit Lee Gamble in der Dampfzentrale kann man am Freitag auch gleich in der ZAR Bar vorbeischauen, die wird nämlich vier!

Frau Feuz empfiehlt:
Am Donnerstag wird im Breitsch-Träff bei Philosophie.ch über die Schönheit im Allgemeinen und die Schönheit von Berner_innen im Spezifischen diskutiert. Danach gehen Sie ins Rössli, dort sind nämlich die Alternative-Noiser Disco Doom zu Gast. Am Samstag trinken sie dann bei Mostar Sevdah Reunion im Graffiti einen, zwei, drei Slivovitz oder Sie entscheiden sich für Räucherstäbchen und besuchen gleichentags die Ostschweizer Indie-Psychedeliker Lord Kesseli & the Drums im Punto.

Die Krstic empfiehlt:
Am Donnerstag eröffnet in der Stadtgalerie und im Grand Palais die Ausstellung «Bromance and Sisterhood». An beiden Orten stellen fünf ehemalige Studenten der Fondation de l’Ecole Cantonale d’Art du Valais (ECAV) (ja, im Wallis gibt es eine Schule für Gestaltung und die soll toll sein) ihre Skulpturen aus.

Herr Zellweger empfiehlt:
Vieles ist schon gesagt, Lee Gamble möcht ich nicht verpassen. Dann könnte man noch den für diesen Blog nicht ganz unwichtigen Herrn Gnos als Booker des Kairos verabschieden, er hat sich zum Schluss die Pussywarmers eingeladen, und zwar am Freitag. Und am Sonntag wär dann wieder Zentralmarkt, rund um die Dampfzentrale.

Fischer empfiehlt:
Wer kennt Pachinko? Der Lärm der Metallkugelspielsalons in Tokio ist ohrenbetäubend. Ganz passend also für eine wilde Musiktheaterperformance, am Samstag ian der HKB. Oder aber ins Schlachthaus und schauen was passiert, wenn sich die Performerin Caroline Schenk selber eine Retrospektive schenkt.

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