Angesexter Electropop

Gisela Feuz am Freitag, den 9. Dezember 2016 um 15:04 Uhr

Hat Ihnen heute schon jemand gesagt, dass Sie sexy seien? Nicht?! Skandal. Dann gucken Sie jetzt auf der Stelle das neue Video von Fiji, polieren ihr Ego und lernen dabei auch noch gleich ein bisschen Französisch. Deux …. ähem …. Fliegen? …. voleuses à une coup, oder so. Also eigentlich drei, weil das Video von Mag Design bietet ja auch gleich eine prima Zeitreise dank Neonfarben- und Rubik-Würfel-Ästhetik, die an irgendeine Bonusrunde eines Computergames erinnert (Mario Kart? Super Mario? Wipe Out??) und verdrängte Erinnerungen an diese gerillten Gartenschlauch-Instrumente wach werden lässt, die man schwingen konnte und die dann einen Ton erzeugten. Also die, die nach den Hula-Dings-Ringen kamen. Wie «schlechtes Gedächtnis»?! Wissen Sie etwa noch, was Sie in den 90ern getrieben haben? Mein Beileid.

Farbenfroh und angesext ist im Übrigen auch das neuste Erzeugnis aus dem Hause Tim & Puma Mimi. Eines Tages sei eine Anfrage in den Band-Briefkasten geflattert, so die Legende, ob man nicht einen Song kreieren wolle für einen Animationsfilm, in welchem ein Bäckerslehrling sich ausgiebig mit dem Kneten von Teig befasst. Man wollte. Herausgekommen ist ein Animationsfilm namens «Ivan’s Need» zu Deutsch: «Ivan knetet sich in Ekstase», der landauf landab an Filmfestivals gezeigt wird. Und ausserdem haben die Macher von «Ivan’s Need» (Veronica L. Montaño, Manuela Leuenberger, Lukas Suter) mit Szenen aus ihrem Animationsfilm nun auch ein hübsches Musikvideo für Tim & Puma Mimis «Dupi Dough» zusammengestiefelt.

Caspar David Autobahn

Gisela Feuz am Donnerstag, den 8. Dezember 2016 um 5:21 Uhr

cdf2KSB aktualisiert für Sie die Klassiker aus der Geschichte der Malerei. Heute: Kaspar David Friedrichs «Kreidefelsen auf Rügen»

Nirgends ist Bern urbaner als zwischen den Pfeilern der Autobahnbrücke im Gebiet Breitsch und Wankdorf. Und wenn einem dort Vieltönner über den Kopf hinwegdonnern und der Boden dabei leicht vibriert, dürfte man wohl ähnlich beeindruckt sein, wie dies der Wanderer auf Rügen war.

Welche Gewaltigkeit!

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Hände in die Luft…

Christian Zellweger am Mittwoch, den 7. Dezember 2016 um 11:43 Uhr

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Boris sind in der Stadt. Respektive: waren, gestern. Das «Drink more beeeer!» von Bassist/Gitarrist Takeshi (Doppelhals!) lief an diesem nebligen Dienstagabend im eher halb als dreiviertel gefüllten Dachstock zwar etwas ins Leere, aber das machte nichts. Die die da waren wussten: Es ist richtig, da zu sein. Nicht nur, aber auch im Andenken an Sandro Wiedmer.

Arigato, Atsuo-san, Takeshi-san, Wata-san!

Als sänge einem

Mirko Schwab am Mittwoch, den 7. Dezember 2016 um 5:55 Uhr

Die Popgruppe East Sister aus Basel macht alles richtig. Doch lassen Sie sich von der Niedlichkeit nicht täuschen. Eindrücke von der ersten EP «Colourblind».

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Irgendwo zwischen spät und früh sitze ich auf einem Parkettboden oder liege auf einer Matratze, als ich es zum ersten mal mit East Sister zu tun bekomme. Ich beobachte den Rauch zweier Zigaretten, wie er sich nach der Decke hochschraubt und von einem kühlen Luftstoss zerzaust wird, den man dem Schnauf zuliebe ins Zimmer gelassen hatte. Im Laufwerk dreht sich «Colourblind». Achtzehnminutenlang, bevor die Platte endet, wie sie begonnen hat: mit einer gebrochenen, brüchigen Holzgitarrenfigur.

Das Gefühl von Intimität, Nähe, Wärme – es ist wie ein Schermen vor der daran mangelnden Welt über das ganze Album gespannt. Aber solcherlei Wohligkeit stirbt schnell den Tod des Belanglosen. Oder der Überzuckerung oder woran sonst so verleidet, was uns im Hitradio als Befindlichkeitsmusik entgegengeschmettert wird. Auf «Colourblind» ist nichts zu befürchten. Der darauf ausgeführte Perfektionspop ist eben auch im Timing perfekt, die schöne schiefe Note kommt bestimmt und in Drums, Lines und Sounds hocken die kleinen lustvollen Fallen.

Zum Beispiel «Code», der zweite Song aus fünf. Er verbindet das unschuldige Lächeln mit dieser cleveren Listlust. Laura Schenks Retroorgel aus dem Repertoir kanadisch-amerikanischen Indipops kommt vertraut. Oder Lorraine Dinkels warm und klar formulierte Gesangslinien, die spätestens in Doppelstimmigkeit und Kombination mit der Schlagzeugerei zum ersten unwiderstehlichen Popmoment der Platte führen. Davon gibt es reichlich mehr und auch in balladeskem Register, sie beleuchten den handwerklich-kompositorischen Plan hinter East Sister und der vordergründig bodenständigen Songschreibe.

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Mit Seidl auf Safari

Gisela Feuz am Dienstag, den 6. Dezember 2016 um 5:39 Uhr

Er hat es wieder getan. Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl hat sich einmal mehr an die Fersen von Landsleuten geheftet und begleitet diese wie bereits in einem Teil seiner Trilogie «Liebe, Glaube, Hoffnung» nach Afrika. Allerdings stehen dieses Mal nicht liebesbedürftige Damen im Zentrum, sondern Jäger und Jägerinnen. «Safari» heisst Seidels neuster Streich und wie es der Titel bereits ankündigt, stehen Touristen im Zentrum, die nach Südafrika reisen, um dort für viel Geld Grosswild erlegen zu dürfen. Ein Gnu: 615 Euro, ein Wasserbock: 1400 Euro pro Abschuss – das Töten wilder Tiere als käufliche Ware.

Es ist ein Markenzeichen des 64-jährigen Regisseurs Seidl, dass in seinen stilisierten Dokumentation nicht immer ganz klar ist, wer jetzt hier tatsächlich authentisch agiert und wer Schauspieler ist. Diese Komponente fällt in «Safari» weg, oder spielt zumindest eine weniger grosse Rolle. Die vierköpfige Familie, welche da mit Gewehren im Anschlag durch die afrikanische Steppe pirscht, scheint echt zu sein. Tiere kommen im Film erst spät ins Bild (mal abgesehen von ausgestopften Varianten), wodurch denn auch diese seltsame Distanziertheit und Sterilität von Grosswildjagd hervorgehoben wird. «Das Stück» (so bezeichnen Jäger ein Tier) wird aus grosser Distanz ins Visier genommen, nach dem Erlegen – «Waidmannsheil!» – hübsch fürs Foto drapiert und dann den Einheimischen zum Ausnehmen überlassen.

Ulrich Seidl ist ein Meister darin, Unwohlsein bei der Zuschauerschaft auszulösen. In «Safari» entsteht dieses Unwohlsein vor Allem dadurch, dass es sich bei den Grosswildjägern und -jägerinnen um durchaus intelligente Menschen handelt, welche ihre Gefühle beim Akt des Tötens genau zu beschreiben vermögen und auch Ehrfurcht für Tiere zu empfinden scheinen. Verstehen tut man sie deswegen trotzdem nicht. Im Gegenteil: Umso barbarischer wirkt das Treiben, zumal beim letzten Aufbäumen einer Giraffe in ihrem Todeskampf die Kamera voll draufhält. Das ist schwer zu ertragen.

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Postkarte aus Berlin

Gisela Feuz am Montag, den 5. Dezember 2016 um 12:02 Uhr

Liebe KSB-Leserschaft
Fahr ich doch jetzt auch mal hin, in dieses Berlin, von dem immer alle reden, hat sie sich gedacht, die olle Feuz. Wettertechnisch ist es ja wie bei uns, bloss wird’s ein bisschen früher finster. Dank der Kälte ist die grosse Menge an Hundekacke auf den Trottoirs gefroren und drum kann man diese lustig durch die Gegend kicken, anstatt sie am Ende eines Spaziergang mühselig aus den Rillen der Schuhsohlen puhlen zu müssen. Bloss das mit diesem Checkpoint hab ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Herzlichst,
Ihre Frau Feuz

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Kulturbeutel 49/16

Gisela Feuz am Montag, den 5. Dezember 2016 um 5:30 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Am Donnerstag batteln sich im legendären Sternensaal in Bümpliz VertreterInnen der neuen Musik. Anstatt mit Fäusten gehen die TeilnehmerInnen mit Tönen und Klängen aufeinander los. Am Freitag und Samstag können dann beim Artsouk in der Turnhalle Erzeugnisse lokaler Kunstschaffenden gekauft oder ersteigert werden.

Die Krstic empfiehlt:
Am Kap
ist ein feines Trio aus Bern, das bassig unaufgeregten Elektronika-Pop zimmert. Am Freitag tauft die Band ihr neues Album in der Dampfzentrale. «Vorband» ist der im Westen von Bern beheimatete Donnie Darksome, ein Kind des Hauses Darksome Production Collective. Ab 21 Uhr.

Mirko Schwab empfiehlt:
Es gibt diesen zweifelhaften Schlag sensibler Folkpop-Punker à la Frank Turner – und auf dem Spektrum von «knapp Grosse Schanze-tauglich» bis «macht auch im Stadion Laune» ist Rob Lynch aus dem Vereinigten Kingdom am guten Ende zu verorten. Und noch besser als im Stadion klingt sowas jeweils im Rössli an einem Sonntagabend. Diesen Sonntagabend.

Der Urs empfiehlt:
Ui, Asche über mein Nachbeutler-Haupt, ging nach der ersten Runde Scopa K.O. gestern ! Aber nichtsdestotrotz, nächsten Freitag ist das Programm klar: PHIL HAYES & THE TREES, Im Café Kairo. Wunderbar eingängig-schrammelige Riffs gepaart mit konzeptuell floskelhaften Texten, frischer Post-Pop-Punk aus Zürich, vom Feinsten.

Türöffnung für den Kairo-Keller ist am Freitag ab 21:00 Uhr, Konzert geht um halb zehn los.

Herr Zellweger empfiehlt:
Frau Feuz hat es ja vor zwei Wochen schon mal empfohlen, es soll an dieser Stelle doch nochmals erwähnt werden: Am Dienstag kommen Boris vorbei nach Bern, in den Dachstock. Zum zehnjährigen Jubiläum ihres Albums «Pink» sind sie auf Tour, ebendieses wieder aufzuführen.

# BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag, den 4. Dezember 2016 um 8:39 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los. So werden bei Konzerten von bee-flat im Progr zum Beispiel Koffer auf die Bühne getragen…

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…denen dann grazile, und schampar behände und biegsame Damen entsteigen…

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…um das zu tun, was behände und biegsame Damen halt so tun: Glasscherben anzünden, drauftreten, sich genüsslich darin rollen und dabei eine Kippe rauchen. Oh lala, Madame Lalla Morte. Da haben Sie mit Ihrem «Cabaret Dangereux» dem Pierre Omer bei der Plattentaufe mit seiner Swing Revue aber kurz mal die Show gestohlen.

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Posten Sie Ihr Foto auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es manchmal sogar pünktlich zum Katerfrühstück.

Dr.Ghetto & MC FIRLEFANZ splitter-brained im Raum

Urs Rihs am Samstag, den 3. Dezember 2016 um 12:25 Uhr

Eigentlich war ja an dieser Stelle ein Haiku zum Dub Topia von heute Samstag im Dachstock geplant: Etwas halb Geschriebenes – lag da – wurde in die Tonne getreten.

Denn, durch den Raum treibend erreichten mich plötzlich die Frequenzen von MC FIrLEfANZ & Dr GHETTo, welche die in meinem Hirn feuerwerkähnlich blinkenden Eindrücke dieser Woche zu sortieren begannen. Am Donnerstag hatten erst Stunden selbst Wellen produzieren im Studio 2 am Randweg auf dem Programm gestanden, bevor der Funk Bastard mit seinem Brain&Device den Dancefloor im Ross zum glühen brachte. Eingeladen war Red Greg, East London Selector- und Dj Legende, einzige Regel, da ein Gentleman in da house: Be Nice! Boogie, Funk, House, Rare-Grooves – goddam – selten so gehört. Die Szene am Start: junge, nicht mehr so junge, ältere boys, girls und alle schlicht on fire! Dank an alle hier. Dann der Freitag in der Garage nach wenig Schlaf, Auspuff bauen mit Onkel für den alten Schweden – ganzen Tag Dämpfe von Kitt und bunten Sprays, abends vernebelt am Buffet und der Fritteuse. Danach Beni getroffen und den Weg in den Raum gefunden, Ghettoblaster Party und die Offenbarung…

dR. GhEtto mit verschleppt unzugänglichen Beats ab Tape und MC FIrleFanz mit acid-flow-Raps und angenähtem Backpiece auf dem Jeansgilet – contemporary-WARRIORS-style! Die versplitterte Szenerie am Terrassenweg formiert sich zu einer Crowd, welche in den Sog der beiden gerät, Ordnung kehrt ein, auch in meinem Kopf. Da passiert was, der «Bern-Hip-Hop-Moment» des Jahres, für den Urs mindestens. Hin und weg… You don’t believe me? Check that stuff on WWW.GHETTOBLASTER.CH

mc FirlefANz: «Das isch big city Rapstyle!»

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Scherben, Toilette, Kerze – for the hope – und das Tape “THE LUNATIC LIFELINES OF FIRLEFANZ” produced by dR.GhETtO! Big city rap style…

Dada, Afrika, Ultraschall

Milena Krstic am Samstag, den 3. Dezember 2016 um 9:25 Uhr

Das Bone Festival für Aktionskunst findet dieses Jahr zum 19. Mal statt. Dabei geht es um Dadaismus, Afrika und Ultraschall. Kleiner Bericht aus dem Festival-Bauch heraus, wo die Krstic als Mensch für alles unterwegs war.

«Isch das öppen en Aemmitaler?», fragt einer der Herren im Funktions-Gilet. Er und seine Kollegen treten gerade aus dem Rathaus heraus. Und während sie über die Bemerkung des Gilet-Mannes lachen, werfen sie noch einmal einen Blick auf Performance-Künstler Va-Bene Elikem Fiatsi, der gerade – in Olivenöl eingesalbt, mit Ketten behängt und in roten Schuhen – über die Berner Altstadt Pflastersteine stöckelt und einen Stuhl hinter sich herschleppt. Es ist ein wunderbar obskures Bild für einen Mittwochnachmittag, verstörend, und die vorbeieilenden Eltern mit Kindern gucken, dass sie sich schnellstmöglich aus dem Staub machen.

Bone ist aber auch, wenn Frieder Butzmann im Strobolicht zu tanzen beginnt und seiner Powerpoint-Präsentation damit eine neue Dimension verleiht.

 

Und Bone ist, wenn 23 Menschen mit Megafonen bestückt durch die Altstadt wandeln, ganz sachte für Rückkoppelungen sorgen und so ein veritables Neue-Musik-Ensemble zustande kommt.

Nachdem ich an diesem Tag zwei Schaufeln und ein Ultraschall-Gerät auftreiben musste (gar nicht so einfach), bin ich abends Teil dieser Megaphon-Performance namens Setting #3 des Berner Künstlers Marcel Zaes und verschwinde in der Anonymität von dunkler Kleidung, Nacht und den Klackgeräuschen, die so ein Megaphon macht, wenn man nur kurz auf den Knopf drückt.

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Foto: Corinne Futterlieb für Bone.

Falls Sie die Sache mit dem Ultraschall näher interessiert: Künstlerin Makita zeigt heute Samstag um 19 Uhr eine Arbeit beim Kindlifresser-Brunnen und wird, ultrabeschallend, das Thema «Massive Menopause» verhandeln. Bone läuft noch bis am Montag. Zum Programm.

Lesen Sie auch den Bericht der Kulturredaktorin unseres Mutterschiffes.

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