Blogs

Züritipp · Das Magazin ·

Wenn Fans Universen umbauen

Miko Hucko am Dienstag, den 16. September 2014 um 5:32 Uhr

Wer kennt das nicht - man hat die letze Staffel fertig (wahrscheinlich nächtelang im Binge-Modus durchgeschaut), man hat die letzte Seite gelesen, man hat sich auf der DVD sogar die Specials angeschaut. Und schon fühle ich mich wieder furchtbar alleine, eine tiefe Trauer befällt mich, weil ich Freund_innen verloren habe oder gar eine ganze Welt, von der ich gerne noch mehr erlebt hätte.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Gefühl umzugehen. So können wir das Schicksal unserer Held_innen selbst in die Hände nehmen und weiter spinnen: Fanfiction. Ich lese sie nur zu sehr ausgewählten Werken, und oft frustriert sie halt doch, weil sie weder sprachlich noch dramaturgisch ans Ursprungswerk herankommt.

Fanfiction kann aber auch ein Ort sein, um Bedürfnisse auszuspielen, die in den regulären Werken nicht vorkommen. So ist spätestens seit Dumbledores Coming-Out die queere Fangemeinde stark damit beschäftigt, den Hogwarts-Headcanon zu erweitern (Harry Potter ist auch das am meisten fangefictete (?) Universum auf fanfiction.net). Oder es entstehen Cross-Overs aus verschiedenen Geschichten, wie zB. aus den Fernsehserien Supernatural -Sherlock-Dr.Who das sogenannte SuperWhoLock, das gleich eine ganz eigenes Fandom hat entstehen lassen.

Aber Spass beiseite, ich möchte Ihnen nun gerne diese Perle zeigen. Eine US-Amerikanische Evangelikanerin hat Harry Potter umgeschrieben, damit ihre Kinder es lesen können, ohne von der bösen Magie negativ beeinflusst zu werden. Das nenne ich Engagement. Willkommen in der Hogwarts School of Prayers and Miracles. (Link zum ganzen Text hier)

"Hello, neighbor! I was wondering if you have been saved," Hagrid exclaimed brightly; and tipped his wide-brimmed, straw cowboy hat.

Aunt Petunia laughed a gravelly laugh; and leaned forward on her sturdy, practical boots. "Saved? Don't tell me you are you one of those Christians?"

Harry did not know what that word meant; but Hagrid's smile was the most peaceful smile he had ever seen. It made Harry feel warm and happy inside just seeing the glowing, radiant grin on the kind, friendly stranger's face. He wondered why Aunt Petunia and Uncle Vernon did not smile like that...

"Yes, I am," Hagrid replied kindly. "Are you?"

Aunt Petunia laughed again; and stuck her pointy, sharp nose up in the air. "We are too smart for that. Haven't you read Dawkins? God is dead! Dawkins proved that. Would you like us to educate you on the Dawkins?"

"What is a Christian?" Harry queried innocently; and scuffed his shoe on the shaggy, yellow carpet which had not been vacuumed in quite some time.

"Christians are people who want to be good," Hagrid explained wisely; and crouched down so he was on eye level with Harry. "We want to go to heaven after we die. Do you know what heaven is, Harry?"

Harry shook his head; and his big eyes were wide and curious.

"Heaven is a beautiful place where we can be with God."

 

Hotel zur fröhlichen Stunde – Zimmer des Tages: 17

Roland Fischer am Montag, den 15. September 2014 um 15:25 Uhr

Für die Dauer der Biennale Bern wird das Schlachthaus von verschiedenen Künstlern zu einem Hotel umfunktioniert. Der Kulturblog ihres Vertrauens geht diese Woche undercover und wirft jeden Tag einen indiskreten Blick in eines der Zimmer.

Das Hotel wurde als Motiv vielfach in der Kunst gespiegelt. Es ist ein Ort der Begegnung und des temporären Aufenthalts, wo Intimität auf Anonymität trifft. Das Kollektiv Bern nimmt es sich als Metapher vor: als Konstrukt, als sozialer, ökonomischer und ideeller Dienstleistungsbetrieb, als Sehnsuchtsort und Clash unterschiedlicher Lebensrealitäten. Welcome im Hotel zur fröhlichen Stunde, where «you can check out any time you like, but you can never leave».

Ein Projekt des Kollektiv Bern mit Blond & Gilles, les Lieux, IZA - Institut für zeitgenössische Analyse, Milieu, off center, Transform und Worms.

Heute: Nr. 17, eingerichtet vom IZA

 17

Das modellhafte Zimmer vom IZA ist Spiegel ästhetischer, kultureller und technischer Dimensionen des Hotels: Viele Schriftsteller der Literaturgeschichte schrieben ihre Romane in Hotelzimmern und auch die Nr. 17 wird während der Biennale Bern zur literarischen Produktionsstätte: Emanuel Bundi ist am Pult und schreibt und schreibt und schreibt. Neben ihm laufen an ausgewählten Abenden Videos von Till Velten, die sich um Service-Personal-Schulungen und Hausdienerinnen drehen oder man kann sich durch das Hotelfilmprogramm der Künstlergruppe WORMS zappen, das über Zeitgeschehnisse und Kulturpolitik aufklärt. Irgendwo im Hotelzimmer findet sich ein originaler Meldezettel eines anonymen Gastes aus Abu Dhabi – das ist dann Konzeptkunst. Achtung, nicht verpassen: Am Mittwochabend grosser Workshop: «How to make a bed» (ab 18 Uhr) sowie Contest: «Who makes a bed the fastest». Zum Festivalschluss am Samstag zelebriert das IZA dann im Rahmen einer Gala mit Buchvernissage die frischen Texte von Emanuel Bundi.

 17 innen

Kulturbeutel 38/14

Gisela Feuz am Montag, den 15. September 2014 um 5:37 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Gehen Sie heute Abend in die Cinématte, denn dort wird «Mistaken for Strangers» gezeigt, die Geschichte zweiter ungleicher Brüder, der eine Leadsänger der Indie-Band The National, der andere Amateur-Horrorfilmer und Heavy-Metal-Fan. Am Dienstag spielt dann in der Rössli Bar die Psychedelic-Space-Rock-Truppe White Hills.

Miko Hucko empfiehlt:
Unbedingt!!! Symphony of a missing room schauen gehen, eine magische (knapp am Kitsch vorbei und darum umso grossartiger) Reise, auf die Sie sich noch bis Freitag im Kunstmuseum Bern begeben können.

Die Krstic empfiehlt:
Ich sage «Poetry Slam» und sehe vor meinem geistigen Auge, wie Sie die Nase rümpfen. Das Konzept (wortgewandter Mensch liest eigenen Text vor und wenn er/sie gewinnt, gibts eine Flasche Whisky) hat lange funktioniert, ist aber mittlerweile chly dürä. Thuns umtriebigster Slam-Poet Remo Rickenbacher hat das Ganze nun aufgemöbelt und «Talk 3600» genannt: Jede Ausgabe steht unter einem Motto und eingeladen sind nicht nur Poeten, sondern auch andere Menschen. Start ist am Donnerstag im Café/Bar Mokka unter dem Motto «Dr Summer isch vrbii». Die Gäste: Slammer/Musiker Laurin Buser, Berner Rapper Dezmond Dez und Chef-Bademeister des Strandbad Thun, Jean-Pierre von Gunten.

Herr Zellweger empfiehlt:
Gehen Sie diese Woche mal ins Unterland. Wohin genau kann ich Ihnen nicht sagen, der Start von «Surround – Unterland» liegt beim Zentrum Paul Klee, die Soundinstallation ist Teil des Biennale-Programms – und soll sich sehr lohnen, sagen solche, die bereits mehr wissen.

Oliver Roth empfiehlt:
Ich war bereits dort, worauf Herr Zellweger hinweist. Und ich sage Ihnen mit allem Nachdruck: Gehen Sie da hin!

Live aus der Dampfzentrale: Die Kunstallmend

Christian Zellweger am Samstag, den 13. September 2014 um 6:15 Uhr

Die Biennale ist in der Stadt. Ein Künstlergruppe hat sich letzten Donnerstag im Kesselhaus in der Dampfzentrale eingenistet, um bis Sonntagabend die Kunstallmend zu gestalten. Die Damen und Herren schreiben uns:

«Im April 2014 kam eine Gruppe Kunstschaffender in der Dampfzentrale zusammen, um ihre Kunst als Allmend, also als Allgemeingut, zu begreifen und als solche zu bewirtschaften. Dafür gaben sie sich Regeln wie «Beiträge sind allgemeine Ressource der Allmend. Namen sind irrelevant». Die Gruppe traf mehrmals zusammen und versuchte ökonomische Strukturen aus künstlerischer Perspektive zu betrachten. Während der Bern Biennale wird die Kunst-Allmend «Dampfzentrale» für drei Tage zur öffentlichen Versuchsanordnung und macht dabei Zuschauende zwangsläufig zu potentiellen Allmendern. Was dabei rauskommt ist ungewiss – das Resultat wird aber mit allen geteilt.»

Wie das so aussieht, können Sie in Ihrem Lieblingsblog live verfolgen. Heute Samstag ab 15.00 und bis 23.00 Uhr, morgen Sonntag ab 12.00 Uhr bis 20.00 Uhr.

weisse Männer in schwarzer Kleidung

Miko Hucko am Freitag, den 12. September 2014 um 11:42 Uhr

Ja, diese Musiker, sie müssen nur auf die Bühne kommen und schon explodiert der Saal in Erwartungsapplaus. Ein Wunder sind wir nicht alle noch aufgestanden um unseren klangvollen Göttern rechtmässig zu huldigen.Vielleicht hat das andere Gründe, jaja. Jedenfalls war der Turbinensaal der Dampfzentrale zum ersten Mal seit langem bis auf den letzten Platz besetzt. Ist das Berner Publikum einfach festivalgeil? Biennale-Eröffnungsabend.

vienn

Nach einem für Vegetarier_innen recht unspannenden Apéro gab's mehr oder weniger schwungvolle Reden, an denen der Abteilung Kulturelles abwechslungsweise gedankt und Vorwürfe gemacht wurden wegen (auch hier!) geplanter Fusion der Biennale mit dem Musikfestival.

Dann die Show: Everyday von Christian Marclay und Ensemble, eine «musikalisch-visuelle Performance» aus dem Jahr 2011. 5 Musiker improvisieren zu zusammengeschnittenen Videoclips aus den unterschiedlichsten Filmen. Die ersten zehn Minuten war ich gebannt, weil immer nur Türklingeln und Gucklöcher und klopfende Menschen zu sehen und die unterschiedlichsten Eröffnungsgeräusche in diese Richtung zu hören waren. Ein assoziatives Prinzip war zu spüren, das sich fortziehen sollte. Ich habe nichts gegen Assoziationen, aber mit der Zeit wurde es extrem repetitiv, anstrengend und unspannend. Inhaltliche Anforderungen fehlten, eine Dramaturgie war nicht zu erkennen.

Ich war (wirklich) kurz davor einzunicken, was auch an meinem ungünstigen Sitzplatz gleich unter der Lüftung gelegen haben mag - und dann kam ein Knaller: Marschmusik! Eine ganze Blasmusiktruppe dreht eine Runde durch den Turbinensaal. Was für ein Höhepunkt, was für ein Abschluss. Aber Show ging noch on und plämperte sanft aus, indem einige Bilder vom Anfang wiederholt wurden.

Der Abend war aber noch nicht vorbei, denn wie heisst es so schön: Nach dem Apero ist vor dem Apero. Im Kesselhaus öffnete die Kunst-Allmend ihre Tore / Türe. Erstaunlich, wie klein dieser Raum wirkt, wenn man ihn mit Arbeitsmaterial füllt. So richtig bin ich in die Allmend noch nicht reingekommen, aber das war ja auch ein Pre-Opening. Ich gehe die Damen und Herren am Samstag Nachmittag mal noch richtig besuchen, sie haben nämlich durchgehend geöffnet.

Fabio, Andreas und Daniel

Christian Zellweger am Freitag, den 12. September 2014 um 5:00 Uhr

Sie wollten schon immer mal wissen, wie das so läuft in dieser Musikindustrie? Also: Da geht der Berner Filmer und Musiker Fabio Friedli als Pablo Nouvelle in die weite Welt hinaus. Die Briten vom Indie-Label Black Butter Records finden das super und veröffentlichen seine Werke.

Dazu veranstalten Sie einen Remix-Wettbewerb. Und wer genau schaffts, «out of hundreds of entries», unter die drei besten Tracks? Na klar, Filewile - aus Bern. So geht das, in der Musikindustrie. Vetterliwirtschaft? In diesem Fall wohl eher einfach gute Arbeit.

They praise it!

Oliver Roth am Donnerstag, den 11. September 2014 um 12:19 Uhr

Die kurze Abwesenheit in Bern und der Arbeitsaufenthalt an der Weichselstrasse in Berlin wurden durch eine kurze Huldigung unterbrochen. Wir konnten nicht davor Halt machen, auf das Medienereignis gebührend einzugehen. Das neuste «Bigger, than bigger» lässt auch unseren Altar erstrahlen. Wie der Rest der Welt, knien wir nieder.

I am groot

Miko Hucko am Donnerstag, den 11. September 2014 um 5:33 Uhr

Ich liebe Science Fiction. Wirklich. Sowohl in Buch- als auch in Film- oder welcher Form auch immer, Theater ist da leider eher selten vertreten. Und so nehme ich ab und zu Kinobesuche in Kauf - war das schon immer so teuer? - von denen ich weiss, dass sie mit Unzulänglichkeiten gespickt sein werden. Ich habe mir also Guardians of the Galaxy angesehen, eine Komödie, die mit allen Mitteln Hollywoods und des Sci-Fi kokettiert. Wie es sich für einen guten lustigen Film gehört, ist auch eine Portion Selbstironie dabei.

Es gab einiges zu lachen, ziemlich viel Action und einen bestandenen Bechdeltest. Nicht schlecht. Andererseits ist mir auch eine gewisse Faulheit auf Seiten der Filmemacher_innen aufgefallen: 1. im Notfall greifen sie auf die zuvor ironisierten Muster zurück und 2. Alle Spezies ausser Groot sind ungemein Humanoid und langweilig. Sie unterscheiden sich vom weissen Mann (der einzige Mensch) höchstens durch andere Hautfarben, Nasen- und Augenstellungen. Was durchaus eine schwierige Aussage in sich birgt, wenn man dies konsequent zu Ende denkt. Sonst ist das Worlbuilding ziemlich dicht und gelungen, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich hier auf ein ganzes Marvel-Universum bezogen werden kann.

Und dann das Ende. Wenigstens keine Romantik. Aber nachdem den ganzen Film hindurch der Teambildungsaspekt, das Treffen gemeinsamer Entscheidungen und das Einstehen füreinander im Vordergrund standen, wird Mr. Hauptfigur mit der letzten Einstellung zum Anführer des sympathisch-verliererischen Grüppchens ernannt.

Apropos Comicverfilmungen: Der nächste grosse Wurf gehört dann für einmal wieder DC. Sie wollen im Frühjahr 2016 mit Batman vs. Superman auftrumpfen. Ich freue mich jetzt schon auf dieses wahrscheinliche Desaster.

Destilliertes Morsen

Gisela Feuz am Mittwoch, den 10. September 2014 um 9:27 Uhr

Waren sie früher in der Pfadi und haben da Morsen gelernt? So was lernt man doch in der Pfadi, nicht? Jedenfalls wären genau in diesem Moment Kenntnisse im Bereich kurz-lang-lang-kurz-lang-pause-kurz-kurz (falls ich Sie gerade beschimpft haben sollte, wäre das unabsichtlich geschehen) äusserst hilfreich, um den Beginn des neuen Videos von Destilacija entschlüsseln zu können.  Also nichts wie mit Kugelschreiber und einem Stück Papier vor den Compi gesetzt und Video gestartet. Das Wetter ist eh sch....lecht, aus dem Fenster schauen brauchen Sie also nicht und der Chef guckt bestimmt auch grad nicht. Und sonst behaupten Sie einfach, sie würden sich für den Kriegsfall rüsten. Man weiss ja nie.

Wer als erstes die Morsezeichen am Anfang entschlüsselt, gewinnt das Akkordeon von Mario Batkovic. Das ist ein Witz. Aber ein Destilacija-Album können Sie gewinnen. Video ab:

Kulturbeutel 37/14

Miko Hucko am Montag, den 8. September 2014 um 5:35 Uhr

Miko Hucko empfiehlt:
Eine etwas ruhigere Woche. Dafür kann mensch ab Donnerstag ins Tojo Theater, wo Schiffbruch der  halbberner Autorin Rebecca Höhener gezeigt wird. Ah wart, doch nix mit ruhig: Es ist Zeit für die Biennale Bern! Besonders gespannt bin ich auf Symphony of a missing Room, eine ziemlich spezielle Führung durchs Kunstmuseum. Oder auf Striche durch Rechnungen von Tim Zulauf. Oder ganz allgemein auf all die Zwischen_Räume.

Frau Feuz empfiehlt:
Das Konzert von Forks am Donnerstag im Rössli: Das Waadtländer Vierergespann spielt repetitiven Psych-Space-Rock. Des Weiteren geht am Samstag das ISC Rockout im Ringgenpärkli über die Bühne, wo The New Cool, Blind Butcher, Matto Rules und Pablo Nouvelle mittun werden.

Oliver Roth empfiehlt:
An der schon erwähnten Biennale sollte man sich fast alles anschauen. Und am Samstag sollte man in die Eiger Brasserie Essen gehen und sich dazu das Volca Massaker Orchester anhören.

Fischer empfiehlt:
Wellness-Kunst im Schlachthaus im Rahmen der Biennale. Das Hyperactivity Revival Therapy Center HRTC kuriert - versprechen jedenfalls die Macher Blond & Gilles - Symptome wie Chaos, Übermut, Manie, Überreizung und Realitätsverlust und versucht mittels neu entwickelten Therapien kognitive Dissonanzen ins Gleichgewicht zu bringen - und das alles erst noch gratis. Von Freitag bis Sonntag im Hotel zur fröhlichen Stunde.