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Züritipp · Das Magazin ·

Keiner schreit schöner als Wilhelm

Gisela Feuz am Donnerstag, den 2. Oktober 2014 um 5:27 Uhr

Auch wenn Sie nicht wissen, was der Wilhelmsschrei ist, so haben Sie ihn garantiert schon mal gehört, werte Leserinnen und Leser. Er erklingt regelmässig, wenn sich die Damenwelt mit Blasenentzündung aufs Klo begibt, aber vor allem auch in diversen Filmen. Aufgenommen wurde der Schrei ursprünglich für den Western «Die Teufelsbrigade» (1951) mit Gary Cooper. Darin stösst ein Mann diesen markdurchdringenden Schrei aus, als er beim Marsch durch die Everglades in Florida von einem Alligator gepackt und unter Wasser gezogen wird. Seit dieser Premiere ist der Schrei in mehr als 200 Filmen benutzt worden. Lustigerweise wurde er aber nicht nach dem originalen Schreier benannt, sondern nach einem Soldaten namens Wilhelm, der im Film «Der brennende Pfeil» (1953) von einem Indianerpfeil durchbohrt wird.

Der Schrei existiert in sechs verschiedenen Versionen. Wiederentdeckt hat ihn der Sound-Designer von Star Wars und zum Kult gemacht haben ihn unter anderem Regisseure wie Steven Spielberg oder Quention Tarantino, die ihn in ihren Filmen regelmässig verwenden. Wie ich gerade jetzt darauf komme? Ich habe eine *%(*/&*+%I Blasenenzündung und muss jetzt mal pinkeln gehen ............AAAAAAAH!

Alpsegen à la Noise

Gisela Feuz am Mittwoch, den 1. Oktober 2014 um 5:36 Uhr

Noise und uriges Bauernleben ist ja nun nicht etwas, was oft im gleichen Atemzug genannt wird. Ausser vielleicht, wenn jemand mal wieder Kuhglocken als Noise – also Lärm – bezeichnet und findet, diese gehörten abgeschaffen. Mit ihrem neusten Projekt Helios & Hess schlagen die beiden Berner Noise-Veteranen Von Wurstfinger and Strotter Inst. Aka Mike Reber und Christoph Hess nun aber eine Brücke zwischen ländlichem Brauchtum und moderner Klangfabrikation, haben sie auf «Lump» doch die beiden Begriffe «Reisläufer» und «Alpsegen» in eine Klanglandschaft übersetzt.

Der Alpsegen wird auch Betruf genannt und ist nichts anderes als ein Schutzgebet in Form eines Sprechgesanges, welches Senne in katholischen Teilen der Alpen allabentlich von den Hügeln und Bergen rufen. Als Reisläufer (mittelhochdeutsch «Reis» bedeutet in etwa Aufbruch, Fortbewegung, Reisen) werden spätmittelalterliche Schweizer Söldner bezeichnet, die bis ins 17. Jahrhundert im Dienste zahlreicher europäischer Herrscher standen. Für viele Familien der damaligen Zeit war das Reisläufertum eine der wenigen Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu sichern.

Helios & Hess vertonen mit ausschliesslich analogen Klangquellen und Feldaufnahmen diese beiden Aspekte der Schweizer Geschichte, manipulieren dabei in gewohnter Manier Plattenspieler und loopen, was das Zeug hält. Schauspieler Marcus Signer leiht zudem seine markante, sonore Stimme und intoniert zwei Alpsengen auf seine ganz persönliche Weise. So nehmen Helios & Hess die Zuhörerschaft mit auf eine Reise der etwas anderen Art durch Schweizer Traditionen: Die raue Natur und menschliche Gewalt wird hier in akustische Erdrutsche und Feuersbrünste übersetzt. Bei aller Intensität kommt den Herren Helios & Hess aber keinesfalls der Humor abhanden.

Helios & Hess taufen «Lump» am Freitag 3. Oktober im Dachstock Bern und zwar im Rahmen der 15 Jahre Everest Records Label Night. Mit von der Partie sind auch Chris Dubflow (ebenfalls Plattentaufe), Rotkeller, Digitalis und DJ LCP.

Wachliegen im Seeland

Miko Hucko am Dienstag, den 30. September 2014 um 7:43 Uhr

Regelmässige Leser_innen werden sich daran erinnern, dass ich letztens, als ich mich mit dem Urheberrecht befasst habe, aus Jux damit geschlossen habe, in Bälde seien auch Witze plagiierbar. Ganz so weit ist es zum Glück noch nicht, aber der Gerichtsfall um Urs Mannhart hat mir zu denken gegeben. Die nachfolgende Kurzgeschichte könnte auch ein Plagiat sein, weil ich mich bei einer Reportage von Brunnsteiner habe inspirieren lassen. Aber lesen, vergleichen und entscheiden Sie selbst!

Es ist schon komisch, was mit einer Leiche am Polarkreis im Sommer passiert. Innerst kürzester Zeit zerfällt und verfällt sie, so dass auch mein finnischer Kommissar nicht so recht weiss, was er damit eigentlich anfangen soll. Für eine Autopsie ist einfach zu wenig übrig geblieben. Nachdenklich zieht er an seiner Zigarette, atmet langsam und in kleinen Wölkchen aus. Er dreht sich zu mir um, streckt mir einen Kessel entgegen und deutet auf eine Waldlichtung in der Ferne: “Dort wachsen Beeren zuhauf. Magst du einige für unser Abendessen holen gehen? Aber pass auf, dass du nicht zu Nahe an die Häuser rankommst. Wer weiss, wie die Einwohner auf dich reagieren.” Ich nicke mundfaul. Vielleicht kann er beim Essen besser nachdenken. Scheissjob. Aber vielleicht will er auch nur seine Ruhe haben.

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Kulturbeutel 40/14

Gisela Feuz am Montag, den 29. September 2014 um 5:33 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Das Konzert von The Graveltones und The Lovers am Donnerstag im Rössli. Erstere sind ein englisch-australisches Duo und spielen ihren Garagen-Blues-Rock schön rumpelig und ungeschliffen. Zweitere kommen aus Biel und fabrizieren «cheesy Lovesongs» aber eben nicht einfach so, sodern à la punk.

Miko Hucko empfiehlt:
Einen Besuch im Tojo, wo ab Mittwoch eine sehr verlockend klingende Koproduktion aus Beirut gezeigt wird. In Collecting Home beschäftigt sich eine Frau mit den Fragen nach Freiheit und Heimat. Und was ich auch schon lange mal probieren wollte: Pub Quiz im Marta. Diesen Dienstag.

Fischer empfiehlt:
Einen wilden Wölfli-Abend in der Dampfzentrale. Am Freitag und Samstag wird dort in «Das Allmachtsrohr» geschaut und mit einem Musiktheater der 150. Geburtstag des ja doch unsterblichen Art brut-Künstlers gefeiert.

Die Krstic empfiehlt:
Bevor Ang Lee mit seinen Filmen «Brokeback Mountain» und «Life of Pi» berühmt wurde, hat er für eine Schularbeit «Die Geschichte der Nacht» analysiert, dieses Schwarzweiss-Wunderwerk des Bieler Filmemachers Clemens Klopfenstein. Dann, als Lee den Klopfenstein persönlich kennengelernt hat, soll er sich vor ihm auf die Knie geworfen haben. Clemens Klopfenstein wird im Oktober 70 Jahre alt – Anlass für das Kino Kunstmuseum, sein revolutionäres Schaffen mit einer Retrospektive zu würdigen. Das Spektakel dauert knapp einen Monat und startet am Donnerstag mit «Das Schweigen der Männer», einer Reisedokumentation mit dem jungen Polo Hofer in einer der Hauptrollen.

Herr Zellweger empfiehlt:
Drei Tage lang Dachstock: Am Mittwoch mit den Spass-Elektropoppern FM Belfast aus Island, am Donnerstag mit dem Ernst-Elektropopper S O H N aus England und am Freitag mit Elektronik von hier, an der Everest Label Night.

Willkommen im Fight Palast

Roland Fischer am Sonntag, den 28. September 2014 um 11:41 Uhr

Das Theater ist nicht vorbei, wenn man nach hause geht. Es gibt noch Hausaufgaben: «Ignoriere 3 Tage E-Mail oder Facebook.» So steht es auf einem Fresszettel, der mir von Dennis Schwabenland, dem Chef-Haudrauf von PENG! Palast noch in die Hand gedrückt wird, nachdem er sich über Publikumsgespräche im Allgemeinen und die Interpretations-Konsumhaltung mancher Theaterzuschauer im Speziellen echauffiert hat. «Wir servieren das doch nicht auf dem Silbertablett.» Wir sind zwar im Palast, aber Dienstpersonal gibt's hier keines. Dieses Theater muss man zu einem guten Teil selber machen.

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Aber von vorn: «Also. Da ist 'n Typ.» So beginnen die drei immer wieder. Dann folgt die Nacherzählung des «Fight Club»-Plots, den kennt man. Der Film ist Dreh- und Angelpunkt des Stücks, aber natürlich: der «Fight Palast» ist nicht der «Fight Club». Es geht irgendwie um dasselbe aber auf irgendwie andere Weise. Und eigentlich ist hier schon die erste Abreibung fällig, noch bevor die drei überhaupt angefangen haben: Einen Film wie «Fight Club» auf die Bühne holen - hey, PENG! Palast, noch ganz bei Trost? Das kann doch nur schiefgehen - dieses Überwältigungskino imitieren? diesen Endneunziger-Zeitgeist-Existentialismus nachbuchstabieren, fünfzehn Jahre später?

Also: ist das nun ein «Fight Club» auf der diskursiven Metaebene? Wollen sich die drei einfach Prügel abholen vom Publikum und von der Theaterpolizei? Also, Dennis, nimm das: Intensität thematisieren und Intensität erreichen, das sind zwei paar Schuhe. Fincher wusste das, darum hat er seinen Film gnadenlos auf Effekt getrimmt (klar, man kann das auch philosophische Effekthascherei nennen, aber funktioniert hat's nun mal ganz gut).

Aber nein, so einfach ist's wohl nicht. Denn gerade im Schiefgehen (bzw. im Nichterfüllen unserer Erwartungshaltung) liegt der Witz dieses Theaterabends. Tatsächlich ist FIGHT! Palast ein Recherchestück, thematisiert wird der zwecklose Versuch des Nacherlebens des Films (wer kennt den Impuls nicht) mit den Mitteln eines durchaus mittelländischen (und somit mittelmässig abenteuerlichen) Kickboxtrainings. Und immer wieder auch die Frage, ob ein Leben als freie Theaterschaffende nicht an sich ein ewiger Fight Club ist. Klar, gekämpft wurde dann auch noch. Aber das war dann eigentlich (und konsequenterweise) Nebensache.

PS: Ah, die Hausaufgaben. Gibt's Prügel, wenn ich die nicht mache?

Mehrfach segregiert: «I apologize for breaking up your perfect home»

Oliver Roth am Donnerstag, den 25. September 2014 um 11:20 Uhr

Rumziehen und Musik hören

Mit dem Mixtape «Shyne Coldchain II» von Vince Staples durch die Länggasse in Bern

Ich spaziere am Mittag durch die Strassen, steuere auf den Sandwich-Laden in der Ecke Fabrik-Länggasse zu und hole mir das dicke Thunsandwich mit Gurken. Die geloopten Engelchöre hauen mir fast die Kopfhörer vom Kopf. Die Stimme räuspert sich:

«Yeah. Back and blacker than ever.»

Ich gehe schmatzend vorbei an massenweise herumziehenden, Rucksack mit Büchern und Lunchpaketen tragenden, jungen Menschen. Sie sind wieder da. Eine eher hohe aber akzentuierte Stimme erzählt über einen gesampelten Vocal-Beat Geschichten und zeigt mir Bilder. Zum Beispiel von einem Jungen, der jemanden umbringen will, weil er gesehen hat, wie sein Vater das selbe tut. Manchmal verfallen die Raps in krächzende Töne, die im im Hals stecken bleiben.

«Breaking all the written rules / 
Breaking the tradition of that inner-city raising fools»

«I apologize for breaking up your perfect home»

segregation

Der Beat klingt trocken, wie damals «NY State of Mind» von Nas, mit diesem sich im Kreis drehenden, ins unendliche fliessenden Ton. Die Lieder sind kaum länger als drei Minuten, voller Energie und bestehen aus dichter, verschachtelter, zugänglicher Sprache. An meiner Ecke, wo früher das Bettenland war, wohnen jetzt auch neue Leute. Sie pflanzen vor ihrem Haus Gemüse an, haben eine Seilbahn gebaut und spielen auf der Strasse Fussball. Auf der anderen Seite wurde ein altes Geschäft zu einer glänzenden Wohnung umgebaut. Darin ist ein Ehepaar eingezogen, das ich nie sehe, immer die Vorhänge zugezogen hat und einen BMW fährt.

«Homie, I ain't humble, I deserve this shit. [...] So fuck you, fuck you, fuck you and fuck you.»

Ich denke daran, wie in der Strasse, in der ich gehe, am Donnerstag Abend die einzelnen Party-Kolonnen mit je circa zehn Leuten johlend Richtung Innenstadt ziehen und am Sonntag in derselben Strasse sich die jungen Eltern darüber unterhalten, in welchem Restaurant es die besten Kindersitzchen gibt und dass es eigentlich auch ein Ronorp für Kinder geben sollte!

«They let the monkey out of the cage, he got a gun / he got a book, he got a brain, you better run»

«Little black boy shooting down the avenue»

Zwei Dinge

Christian Zellweger am Donnerstag, den 25. September 2014 um 5:05 Uhr

...mit auf den Arbeitsweg:
Fai Baba hat mit seiner Band ein neues Album aufgenommen. Und klingt wie Mac DeMarco:

Element of Crime haben ein neues Album aufgenommen. Und klingen souverän, aber nicht mehr so spannend wie auch schon:

(Und: Sven Regener mag offenbar Microsoft Office nicht).

Bonus: Warum Iggy Pop Justin Bieber für die Zukunft des Rock'n'Roll hält.

der Kreis soll sich schliessen

Miko Hucko am Mittwoch, den 24. September 2014 um 6:03 Uhr

The Circle. So der Romantitel und so auch gleich der Name der Firma, um die es darin geht, ein Supergooglefacebookapple quasi. Und nein, The Circle ist nicht das 1984 oder das brave new world des 21. Jahrhunderts, so sehr das auch einschlägige Kritiken behaupten möchten. Das liegt weniger an der Thematik (zu der komme ich gleich) als an der ziemlich plumpen und vorhersehbaren Storyline, die nur im Mittelteil wahrhaftig mitzureissen mag.

Die junge Mae kommt also zum Circle, frisch angestellt - und sieht sich der völligen Transparenz ausgeliefert, die sie nur positiv wahrnimmt: Alle ihre Daten werden für alle Mitarbeitenden zugänglich in einer grossen Cloud abgespeichert. Keine Geheimnisse mehr. Sprüche wie Privacy is Theft (vage Erinnerungen an War is Peace? Na?) beginnen sich im Buch zu entfalten, ein geheimnisvoller Mann taucht auf, und so weiter, ich will Ihnen das Ende ja nicht vermiesen.

Eigentlich hochbrisant: Die Arbeitswelt in den gefeierten Grossunternehmen des Silicon Valley einerseits und anderseits die Frage nach Privatsphäre. Oder vielleicht eher Anonymität? In unserer heutigen digitalen Welt gehen beide ineinander über, was Vor- oder Nachteile haben kann, wie ich auf diesem Blog oft schon feststellen musste. Es ist ein bisschen wie mit der geheimen Abstimmung, die dazu führt, dass Leute das Abstimmen, was sie wirklich denken, und nicht das, was sie in einer halböffentlichen Umfrage von sich geben. Die Anonymität kann Pulszähler der Politik sein, der Stimmung, weil durch sie Menschen eine Stimme erhalten, die sie sonst nicht hätten. Das kann auch bedrohend sein, aber nur dann, wenn die Anonymität ungleich verteilt ist: Ich, die ich diesen Text schreiben, muss dazu stehen, allfällige Kommentierende nicht.

Ist es also Privatsphäre (im Moment noch positiv konnotiert und als schützenswert verstanden) oder Anonymität, wenn ich unter falschem username ein statement von mir gebe? Die Frage ist auch: Vor wem will ich anonym bleiben? Vor dem Staat? Vor den Firmen? Vor meinen Mitbürger_innen oder nur vor denen, die nicht meiner Meinung sind? - Aber vielleicht läuft das ja in naher Zukunft, wie dystopisch in The Circle beschrieben, sowieso alles auf dasselbe hinaus.

Die Dame auf der 50er-Note

Gisela Feuz am Dienstag, den 23. September 2014 um 5:57 Uhr

Haben Sie im 2010 zu denjenigen Kritikern gehört, welche den Baldachin, also die Stahl-Glaskonstruktion beim Berner Bahnhof, potthässlich fanden? Falls ja, machen Sie doch einmal einen Ausflug nach Aarau, dann wissen Sie: Es hätte auch übler kommen können. «Wie ein Blütenfächer spannt sich das transparente, im Zentrum offene Dach über den Platz», steht da im Projektbeschrieb. Der Klotz erschien der Schreiberin aber wenig blümlich, sondern vielmehr als Mischung aus Alpamare-Rutschbahn und klobigem Ufo. Architektur ist fürwahr Geschmacksache.

Der Eine oder die Andere würde dies nun natürlich auch von moderner Kunst behaupten. Solche wird zur Zeit im Aargauer Kunsthaus gezeigt, gibt es dort doch über 300 Exponate der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) zu sehen. Die Dame, welche uns von jeder 50er-Note kritisch beäugt, war zeitlebens im Schatten ihres Gatten Hans Arp gestanden, seines Zeichens einer der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus und Dadaismus in Literatur und Bildender Kunst. Umso schöner ist es, dass in der Ausstellung in Aarau nun endlich auch das Schaffen dieser aussergewöhnlichen Frau gewürdigt wird, denn diese war in ihrem Wirken äusserst vielfältig, beschäftigte sie sich doch mit Design, Malerei, Textilien, Zeichnungen, Plastiken, Architektur, Tanz und Szenografie.

taeuber-arp

Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arpt, Heute ist Morgen» bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und Vorgehensweise dieser Künstlerin zu erkunden. So finden sich im Aargauer Kunsthaus frühe textile Arbeiten, in denen sich die Vorlieben von Taueber-Arp für Abstraktion und Ornamentik zeigen, Ölgemälden mit reduzierten geometrischen Formen, Alltagsgegenstände wie Hutständer, bei denen der Gebrauchscharakter zusehends in den Hintergrund und der Kunstcharakter in den Vordergrund tritt, schlichte Möbeln, eine Vielzahl an Zeichnungen, Reliefs und und und. Vergnüglich fidel sind dabei vor allem die Marionetten-Figuren, welche Taueber-Arp für das Stück «König Hirsch» schuf, und damit auch Pionierarbeit leistete bei der Entstehung des Schweizerischen Marionetten-Theaters. Pionierarbeit leistete sie allerdings nicht nur in diesem Bereich, sondern Taueber-Arp gehörte auch zu denjenigen Personen, welche die künstlerische Bildsprache der Moderne nachhaltig prägte und dabei keine Berührungsängste zeigte vor Materialen jeglicher Natur. Was sie wohl zum Dach über dem Aargauer Bahnhofsplatz gesagt hätte?

Die Ausstellung «Sophie Taueber-Arp, Heute ist Morgen» ist noch bis am 16. November 2014 im Aargauer Kunsthaus zu sehen.

Kulturbeutel 39/14

Miko Hucko am Montag, den 22. September 2014 um 5:22 Uhr

Miko Hucko empfiehlt:
Sich prügeln gehen!! oder zumindest anderen dabei zuschauen, wenn FIGHT! Palast gespielt wird. Ab Freitag im Schlachthaus Theater. Nein nein, das Stück hat bestimmt nix mit dem Film zu tun. Hihi. Seife. Hihi.

Fischer empfiehlt:
Donnerwetter, Kinowetter! Zum Glück laufen grad einige gute Filme im normalen Programm, und dazu noch tolle alte Rollen im Kino Kunstmuseum. Zum Beispiel Woody Allens unverwüstliche Annie Hall am Dienstag oder filmische Propaganda rund um den Ersten Weltkrieg heute, Freitag und Samstag.

Die Krstic empfiehlt:
Musik, die den Herren preist (sog. Worship-Music) findet selten den Weg ins Feuilleton. Dann kam David Eugene Edwards mit seiner Band Wovenhand und singt in Country-Gothic-Manier davon, wie der Mensch auf Erden sein Glück gar nicht finden könne, sondern erst im Himmel zur Höchstform auflaufe. Das findet nicht nur das Feuilleton spannend, sondern auch ein Magazin wie Christianity Today. Am Samstag tritt der fiebrige Wanderprediger im Fri-Son auf.  Und ... Wie haben Sies mit der Religion?

Herr Zellweger empfiehlt:
Die ewig untoten Dead Brothers sind wieder unterwegs. Am Donnerstag in der Dampfzentrale, mit Ex-KSB-Blogger Resli Burri. Wem es am selben Abend eher elektronisch zu Mute ist, geht ins Bad Bonn, wo Merz gemeinsam mit Julian Sartorius und dem «pakistanisch-new-yorkischen Multiinstrumentalisten Shahzad Ismaily» ein Ein-Song-Konzert gibt und trifft dort auch die Sängerin der Isländer von Múm, Gyda Valtisdottir.

Frau Feuz empfiehlt:
Am Sonntag spielen auf dem Waisenhausplatz 15 Teams von Surprise Strassensport um den Schweizermeister-Titel. Anpfiff ist um 11Uhr, das Spiel der Surprise-Nationalmannschaft gegen die Cervelat-Prominenz-Allstars beginnt um 13.30 Uhr.