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Berner Beef: Baze schreibt ab!

Christian Zellweger am Montag, den 1. September 2014 um 11:40 Uhr

Seit kurzem ist das Video zu Baze' neuer Single online: I Bi heisst das Werk und soll angeblich eine Hommage an Peter Toshs I am that I am sein. Musikalisch mag das durchaus zutreffen. Doch die Titelzeile - das ist für den profunden Kenner der Berner Rapszene mehr als offensichtlich - ist geklaut. Aber schauen Sie selbst, im KSB-Videobeweis.

Hier Baze:

Und zum Direktvergleich der Track Drum bin I win I bi des Berner Erfolgsrappers MC Bösi Ouge von Ende 2011:

Wenn das kein Grund für MC Bösi Ouge ist, endlich mit einem Diss-Track nachzulegen!

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Und wer hat's als erster gemerkt? Natürlich der Ex-Chef.

Kulturbeutel 36/14

Gisela Feuz am Montag, den 1. September 2014 um 5:37 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Das Kulturzentrum PROGR feiert am Wochenende sein 10-jähriges Bestehen mit einem üppigen Fest: Von Literatur über Tanz, Performances, Fotografie, über allerlei Ausstellungen und Musik bis hin zu Mode wird in den ehrwürdigen Sandsteinmauern des ehemaligen Progymnasiums alles zum Zuge kommen, was das ganze Jahr über in den verschiedenen Ateliers produziert wird. Das ganze Programm gibts hier. Am Samstag würde sich zudem ein Besuch in der Soon Galerie lohnen, wo eine Doppelausstellung eröffent wird: Der valencianische Künstler VinZ zeigt seine Resultate einer satirischen Auseinandersetzung mit Werbeplakaten, währen der Berner Jared Muralt seine comic-inspirierten, phantastischen Szenarien zu Schau stellt.

Herr Zellweger empfiehlt:
Eine überaus elektronische Woche könnte so aussehen: Am Donnerstag an den heimlichen Hotspot an diesem Abend, den Club d'Essai in der Dampfzentrale. Am Freitag nach Düdingen ins Bad Bonn, wo der Freiburger Kunstraum Walriss, das Kunsthaus Langenthal gemeinsam mit dem Label Danse Noir und dem Bad Bonn einen Abend im Zeichen des Projekts Megarave/Metarave gestalten. Am Samstag dann wieder gemählicher im Botanischen Garten, wo das Les Digitales auch bei schlechtem Wetter stattfindet.

Fischer empfiehlt:
Ein doppeltes Lottchen aus der wienerischen Weltalm. In der Heiteren Fahne zeigt die Berner Theatergruppe nächstes Wochenende noch einmal ihren von Matto Kämpf adaptierten Kästner-Klassiker für junges Volk ab 8 Jahren.

Oliver Roth empfiehlt:
Wir hatten ja schon die Vorschau, aber weil sich die Organisation so ins Zeug legt, nochmals: Am Donnerstag und Freitag findet das Mad Scientist Festival statt. Besonders auf die «Science of Hangover» am Donnerstag im Club Bonsoir bin ich gespannt. Wer in wissenschaftlicher Weise etwas weniger verrückt weitermachen möchte, geht dann am Samstag an Die Nacht der Forschung an der Uni Bern. Wenn wir schon beim Thema sind: Das Stadtlabor von Donnerstag bis Sonntag findet auf der Schützenmattte statt. Verschiedene Gruppierungen setzten sich mit dem Platz vor der Reitschule auseinander. Etwas anders könnte es am Freitag und Samstag in dem Solo von Nils Amadeus-Lange auf der Bühne der DZ zu und her gehen.

Miko Hucko dachte eigentlich:
der Kulturbeutel sei schon übervoll. Aber da habe ich gesehen, dass an diesem Wochenende auch noch das Herzogstrassenfest ist, an dem unter anderem Stahlberger spielt! Also nehmen Sie sich am besten ab Mittwoch frei und entspannen Sie sich vorher.

Morgens um halb drei in Bern

Miko Hucko am Samstag, den 30. August 2014 um 9:58 Uhr

...wird immer noch tapfer Adolf Wölfli gelesen. Ist das jetzt diese Mediterranisierung?

woelfli

150 Wölfli hat noch mehr Wahnsinn im Programm bis Sonntag.

Haben Sie mal eine halbe Stunde?

Christian Zellweger am Freitag, den 29. August 2014 um 12:11 Uhr

Dann gehen Sie raus, solange es grad nicht regnet. Oder Sie bleiben drin, vor dem Computer. Dann können Sie sich diese zwei Dinge ansehen, völlig zusammenhangslos aus dem Internet gefischt:

1. Miranda July hatte eine Idee. Von fremden Menschen und wie sie sich begegnen. Quasi das Leitmotiv ihres Werkes. Bewährt ist: Sie hat daraus einen Film gemacht. Neu ist: Sie hat daraus ein App gemacht:

2. Teju Cole schrieb einen Text. Über das Schwarz-sein 2014 und 1953, über Leukerbad und was das Heute mit dem Früher und mit den Ereignissen in Ferguson zu tun hat. Auch er bleibt seinen Leitmotiven treu und verknüpft Hoch- und Popkultur, Politisches mit Persönlichem:
Black Body: Rereading James Baldwin’s “Stranger in the Village

Und falls Sie doch lieber rausgehen, machen Sie Halt in der Buchhandlung Ihrer Wahl und suchen Sie nach Julys No One Belongs Here More Than You und Coles Open City.

Her mit den Säulen!

Miko Hucko am Freitag, den 29. August 2014 um 10:43 Uhr

Sie haben uns neue Plakatstellen versprochen, die von der Stadt, damit Plakatierung nicht mehr nur im Weltformat durch grosse, finanzkräftige Kulturinstitutionen legal möglich ist. Toll! habe ich mir gedacht. Jetzt ist das Stadtgebiet ja ziemlich weitläufig und irgendwie haben wir beide nicht die selbe Idee, wo denn ein möglichst guter Ort für so eine offizielle legale Plakatstelle wäre.

Also beim unbefahrensten Kreisel im ganzen Breitenrain bestimmt nicht. Ich meine, weiter so! Mehr Plakatstellen! aber bitte an einem Ort, an dem auch Leute vorbeikommen. 

2014-08-29 09.55.43

Kultur-Skandal: Leiter der Kulturhäuser wissen nicht, wie man programmiert!

ksbnews am Mittwoch, den 27. August 2014 um 7:13 Uhr

(ksbn) Es ist ein bisher unbekannter Skandal von unerhörtem Ausmass: Führende Figuren in der Berner Kulturszene verschweigen seit Jahren ein eklatantes Loch in ihrem Bildungskatalog.

Gut informierte Kreise berichten: Die Personen an den Spitzen der kulturellen Flaggschiffe der Stadt wissen nicht, wie man ein Programm schreibt, heisst es aus der Dampfzentrale und von KonzertTheaterBern.

Doch diese Begebenheit macht auch vor kleineren Häusern nicht halt. Sowohl die Leitung des Tojo-Theaters als auch des Schlachthauses hätten bisher wohl noch nie eine Zeile programmiert, so die Aussagen von Insidern.

Etwas besser scheint es beispielsweise beim Literaturfest zu stehen: Mitglieder sollen jeweils damit angeben, den Videorecorder für die Übertragung des Bachmannpreises programmiert zu haben, sagen Kenner. «Aber seit wir wissen, wie es in der Szene steht, sind wir aber auch nicht mehr sicher, ob das nicht jeweils die Praktikanten übernommen haben.»

Die Konsequenzen dieser Enthüllungen für den Berner Kulturbetrieb sind noch nicht absehbar. Ob überhaupt etwas passiert, ist fraglich. «Hier zu reagieren, ist nicht meine Aufgabe. Es müsste zuerst ein Programm von den Künstlern kommen», liess Kultursekretärin Veronica Schaller verlauten.

Boui-Boui: Liebeserklärung an ein Festival

Milena Krstic am Dienstag, den 26. August 2014 um 5:51 Uhr

... und ein Nachtrag.
Es gibt unendlich viele Gründe dafür, Musikerin zu sein  (und mindestens so viele dagegen, aber dazu ein anderes Mal mehr). So kann es passieren, dass man an zuvor noch unbekannten Orten landet und die Aussicht beim nachmittäglichen Soundcheck diese hier sein kann:

Boui_Boui_KSB_3
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Kulturbeutel 35/14

Gisela Feuz am Montag, den 25. August 2014 um 5:31 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Machen Sie am Samstag einen Ausflug ins Oberland, genauer nach Schwanden bei Sigriswil. Dort geht die 15. Ausgabe des Openair Schwanden über die Bühne, und zwar gleich mit zwei Premieren: die Berner Truppe Unhold präsentiert zum ersten Mal in neuer Formation ihren atmosphärischen Metal-Noiserock und zudem wird die Doku zum 20-jährigen Bandbestehen von Uristier gezeigt, welche im Anschluss gleich auch noch selber in die Saiten greifen. Am Sonntag gehen Sie dann ins Rössli zu den Indie-Boys von Lonely the Brave, die zur Zeit auf der Insel ordentlich abgefeiert werden.

Miko Hucko empfiehlt:
Hüpfen und Sterben! Es ist endlich wieder Spielzeit. Diese wird in der Dampfzentrale  samstags mit u.a. Skip&Die eingetantzt, und im Tojo Theater werden wir am Freitag von Nanomia zu Hause willkommen geheissen.

Die Krstic empfiehlt:
Es geschah an der Bad Bonn Kilbi, Ausgabe 2013: Die finale Festival-Nacht, morgens um zwei Uhr, die meisten hatten ihre Zelte bereits abgebrochen. Es war saukalt, ausgeharrt haben wenige, aber dann erschien diese Cata Pirata in ihren Hotpants, die feinen Härchen auf den Oberschenkeln vor Kälte aufgerichtet, und ja, dann legten sie los, diese Skip & Die. Die Kälte, Müdigkeit ... Alles verflogen, vertanzt.  Wird es auch Ihre Lieblings-Live-Band? Auschecken. Am Samstag. In der Dampfzentrale. 

Fischer empfiehlt:
Am Freitag hinunter in das schöne Backsteinhaus bei der Dampfzentrale, ans Filmhausfest. Von 17 - 19 Uhr in die offenen Ateliers und dann bis spät in die Nacht mit Bar, Essen, Musik.

Oliver Roth empfiehlt:
Wer gerne einen Ausflug macht: In Basel startet die neue Spielzeit im Tanz und Theater am Mittwoch mit dem Theaterfestival Basel. In der Kaserne, dem Theater Basel und dem ROXY gibt es viele Produktionen zu sehen. Meine Tipps: Miet Warlops farbiges Spektakel «Mystery Magnet» am 28. und 29.8. im ROXY und Christian Rizzos herzlicher Männertanz «D'après une histoire vraie» am SA 30.8. im Theater Basel.

Vielseitig aber trocken

Gisela Feuz am Sonntag, den 24. August 2014 um 12:37 Uhr

Die gestrige Affiche beim Abschlussabend des 5. Berner Literaturfests wäre perfekt gewesen, um das verknöcherte und geriatrische Image, welches Literatur bei vielen vor allem jungen Menschen leider nach wie vor hat, zu verbessern. Wäre. Jawohl, Konjunktiv, denn richtig in Fahrt kommen wollte das rauschende Fest nicht.

Den durchaus vergnüglichen Einstieg machte gestern im Kornhausforum Michael Fehr, der zu Piano-Klängen von Avantgarde-Komponist Simon Ho in kurzen zum Teil dadaistisch anmutenden Geschichten die grossen Welt-Themen abhandelte. Dass der grossgewachsene Fehr dabei von Heiserkeit geplagt war, tat dem Vortrag keinen Abbruch, sondern verlieh dem Ganzen eine durchaus sympathisch raue und verruchte Note.

Was folgte, war ein Gespräch rund um Pedro Lenz' Erfolgsgeschichte «Der Goalie bin ig» und dessen Übersetzungen, wobei der Autor selber, drei Übersetzer und eine Übersetzerin vor Ort waren: Donal McLaughlin (Schottisch), Nathalie Kehrli und Daniel Rothenbühler (Französisch) und Raphael Urweider (Hochdeutsch). Wie Lenz richtig bemerkte, sei übersetzten eben nicht einfach nur übersetzen, sondern eine Neuschöpfung und so war es denn auch spannend zu hören, welche Probleme sich bei der Findung für die Sprache des Goalies in den unterschiedlichen Zungen ergeben hatten. Eine lebendigere und dynamischere Moderation und ein anderes Setting hätten der Gesprächsrunde allerdings gut getan.

Foto Kopie

Urweider, Lenz, McLaughlin, Kehrli und Rothenbühler

Was zudem überaus schmerzlich vermisst wurde, war eine Bar, an der man sich in der Pause des doch langen Abends hätte gütlich tun können. Heilandzack, ein Abschlussabend einer Jubiläumsausgabe ohne Bar! Dort hätten doch genau der Austausch und die Begegnungen stattfinden können, welche Literatur zu etwas Lebendigem machen. So lauschte man dann halt nüchtern im nach wie vor äusserst nüchternen Setting den Vorträgen der Autören, die da sind: Lorenz Langenegger, Urs Mannhart und Christoph Simon, bevor das Spoken-Word-Kammermusik-Duo Fitzgerald & Rimini zum Abschluss neues Material vom kommenden Album «Grand Tour» präsentierte.

Vieles war gestern Abend gut. Zum Beispiel der Versuch die Bandbreite von literarischem Schaffen zu zeigen, indem nicht nur traditionell gelesen wurde, sondern auch Duos auftraten, die einen stark rhythmisierten musikalischen Gebrauch von Sprache ausloten. Schön wäre gewesen, wenn sich diese Experimentierfreude auch in der Präsentation, im Ablauf des Abends und in der Raumgestaltung manifestiert hätte. So war die ganze Angelegenheit dann doch eher auf der trockenen Seite. Und zwar nicht nur in den Kehlen.

Godspeed Postmoderne

Miko Hucko am Samstag, den 23. August 2014 um 5:47 Uhr

vernissage

Die Tomatensuppe explodiert! Es wurde ja auch Zeit, sie hat uns 50 Jahre lang geplagt mit ihrer dezidierten Nicht-Aussage. Mit ihrem Konsumentendasein. Mit ihrer Reproduzierbarkeit.

Sowohl Titel - Rhizom und Raster -  als auch die weiteren Bilder dieser Serie, die massgeblich aus Portäts besteht, lassen sich als Abgesang auf die Postmoderne lesen. Das Material ist simpel und roh, fast schon altmodisch: Russ, Klebestreifen, Karton. Je nachdem, wie nahe oder fern man sich von den Bildern positioniert, ergeben sie sinnvolle Ganze oder zerschossener, zerklüfteter Müll. Ob man das Raster sehen will oder nicht, diesen Fokus muss ich als Betrachtende auch selbst legen. Durch diesen selbst zu wählenden Fokus wird die Wahlfreiheit des Auges, des Blickwinkels an die Betrachenden zurück gegeben und die schwarz-weissen Bilder werden dreidimensional und belebt.

Motivisch arbeitet sich Johannes Lortz an Ikonen der Postmoderne ab, von Rosa Luxemburg bis Lou Reed, bekannte Abzüge von ihnen werden hier nicht reproduziert oder nachgemalt, sondern ausgebrannt und abgewandelt. Die Kenntlichkeit bleibt nur knapp erhalten - und trotzdem behält dieser Versuch in Antimalerei eine eindrückliche Ausstrahlung. Damit ich weiss, wem ich hier genau tschüss sagen muss.

Die Ausstellung Rhizom und Raster ist noch bis zum 11. September im Kunst- und Denkraum artundweise zu betrachten.