Vogel im Aufwind

Frans am Montag, den 1. November 2004 um 19:44 Uhr

Nur zwei Teams spielten häufiger in der Champions League als der PSV Eindhoven (nämlich Manchester und Porto), und kein einziges Team hat es bisher gründlicher geschafft, in der Ersten Runde hängen zu bleiben als der PSV, nämlich sämtliche acht Mal. Nach dem erknorzten Sieg bei Rosenborg Trondheim (2:1) wittern sie in Eindhoven Morgenluft. Mit einem erneuten Sieg hätten es die Niederländer am Dienstag schon beinahe geschafft. Im Aufwind ist auch der Spieler mit Rückennummer 14, Johann Vogel. An der Medienkonferenz von vergangener Woche erhielt der Captain des Schweizer Nationalteams dickes Lob von PSV-Trainer Guus Hiddink, der ihn nicht nur als einer seiner taktisch besten Spieler rühmte, sondern eine Art Mentalitätswandel ausgemacht haben wollte: Vogel denke nun viel häufiger daran, möglichst schnell einen Stürmer anzuspielen, sagte Hiddink über den Spieler, der nicht nur in Eindhoven vielen als praktizierender Anhänger des Quer- und Rückpasses in Erinnerung ist. Beinahe scheint es, als erobere Vogel sogar die Herzen der PSV-Fans im (gedrosselten) Steigflug: Zum ersten Mal in dieser Saison empfahlen sie im Internet Vogel zur Aufstellung in der Startformation. Bislang hatte er es in 15 Spielen bloss ein einziges Mal auf die virtuelle Fan-Ersatzbank geschafft.

Der Aufschwung kommt bestimmt

Preisfrage

Dr. Eichenberger am Montag, den 1. November 2004 um 17:42 Uhr

Wann ist beim Fussball von einem Skandalklub die Rede? Dieser Frage geht der Journalist Dirk Schümer nach und versucht, eine Definition zu finden. Von einem Skandalklub, so schümer, ist dann zu sprechen, «wenn sich die Spieler rüpelhaft betragen. Oder wenn die Trainer kommen und gehen wie im Taubenschlag. Oder wenn eine verschwenderische Vereinsführung auf die Pleite zusteuert. Oder wenn Hooligans im Stadion den einen oder anderen Spielabbruch provozieren.» Die Preisfrage lautet: Von welchem Verein, der alle diese Kriterien locker erfüllt, ist die Rede? Ist es
a) Real Madrid?
b) AS Roma?
c) FC Basel?

Schrägschuss zur Cornerflagge

Frans am Montag, den 1. November 2004 um 13:35 Uhr

Die Fans von Twente Enschede taten beim Heimspiel gegen Vitesse Arnhem (1:4), was der Twente-Trainer erst mit Verspätung getan hatte: Sie stellten sich klar auf die Seite von Blaise N’Kufo, der vor einer Woche in Den Haag auf rassistische Sprechchöre mit einem zynischen Applaus reagiert hatte. Auf Spruchbändern orteten sie das Problem dort, wo es wohl eher liegt: Bei den rassistischen Fans von ADO Den Haag, bei Schiedsrichter Luinge und dem niederländischen Fussballverband KNVB.
Sportlich läuft es derzeit weder Twente (bloss 13. Platz) noch N’Kufo (4 Saisontore) rund. Die Gerüchte um einen Wechsel zu Ajax Amsterdam verstummen langsam, auch wenn Ajax bislang den Wunschtransfer von Dortmunds Jan Koller noch nicht hingekriegt hat (die für Koller gebotenen sechs Millionen Euro scheinen nicht genügt zu haben). In der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool wurden die Fähigkeiten des für 750’000 Euros zu kriegenden Schweizer Stürmers am Samstag nicht eben enthusiastisch beschrieben. Zwar sei es spektakulär, wenn einer ab und zu von der Mittellinie ins Lattenkreuz treffe. Ajax aber brauche eher einen Stürmer, der im Strafraum überzeuge. Und je näher er am Tor stehe, desto grösser sei die Chance, dass N’Kufo eine Cornerflagge treffe. Nun, auch das kann nicht jeder…

Leser fragen – wir antworten

Rrr am Montag, den 1. November 2004 um 12:31 Uhr

Aus unserem Leserkreis erreicht uns folgende Anfrage:

Liebes Weblog, gestern spielte ich gegen Thun und schoss auch ein Tor. Trotzdem habe ich heute schlechte Presse: Mein Gegenspieler Hodzic wirft mir vor, ich hätte ihn mehrmals als “Scheiss-Jugo” bezeichnet. Ich glaube, die ganze Geschichte ist schlecht für mein Image. Was soll ich nur tun? (S. Ch., Muri)

Lieber Stéphane, das sieht sogar nach einem schwerwiegenden Image-Problem aus. Für solche Fälle ist bei uns in der Schweiz Herr Pierre Benoit zuständig, der nicht-sprechende Mediensprecher des Fussballverbandes. Er hat ja schon dem Alex Frei weitergeholfen in dieser leidigen Spuck-Affäre. Also, Stéphane, fass dir ein Herz und ruf diese Nummer an: 031 950 81 11, Pierre verlangen. Der rückt dich dann ins rechte Licht. Toi toi toi!

Nullnummer in Zürich

Dr. Eichenberger am Montag, den 1. November 2004 um 7:55 Uhr

Die in allen Stadien gern gesehenen Basler beeindruckten auch gestern in Zürich mit einem äusserst selbstbewussten Auftritt. Von Anfang an ergriffen die Gäste resolut die Initiative und drängten die Züricher in die Verteidigung. Dabei erwiesen sich die Basler als das konditionell bessere Team, konnten sie doch die angeschlagene Pace bis weit nach Spielschluss durchhalten. Ein schmeichelhaftes Unentschieden für die Züricher!

Einwaller & Haselsberger

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 21:05 Uhr

Irritierte YB-Fans bombardieren uns heute abend mit Mails: Was war das für ein seltsamer Schiedsrichter, der unseren Thomas Häberli vom Platz stellte? Wir klären auf: Es ist Herr Einwaller aus Österreich.

Herr Einwaller darf gelegentlich in der Schweiz pfeifen, im Gegenzug schicken wir jeweils Urs Meier nach Österreich. Zwischenbilanz des Austauschs: Meier ist in Wien etwa so beliebt wie Einwaller in Bern.

Thomas Einwaller hat übrigens auch eine Lebensabschnittsgefährtin, das ist Monika Haselsberger, Österreichs einzige Olympionikin im Luftdruckgewehrschiessen. Und die schiesst ziemlich scharf, wie nachstehende Bilder eindrucksvoll belegen:

Das Traumpaar

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 20:53 Uhr

Das ist das neue Traumpaar des spanischen Fussballs: Michael Owen und Ronaldo führen Real Madrid mit ihren Toren aus der Krise. Beim 2:0 gegen Getafe traf Owen zum vierten Mal in Folge, der Assist kam einmal mehr von Ronaldo. Das zweite Tor besorgte der Brasilianer dann im Alleingang.

Schwerarbeit auf dem Neufeld

Dr. Eichenberger am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 17:51 Uhr

Neben dem Spielfeld verrichten anerkannte Fachleute Sonntag für Sonntag still und heimlich nicht zu unterschätzende Arbeit. Unserem Fotografen ist es gelungen, beim Spiel YB – Thun (2:1) zwei Beispiele einzufangen:


Der Thuner Stadtpräsident Hansueli von Allmen (mitte) wagte den Gang ins
Neufeld-Stadion nur in Begleitung seiner persönlichen Therapeuten. Dr. Kathrin Gerber (links) und Dr. Christian Barmettler vom Thuner Gesundheitsdienst hatten vor allem in der zweiten Halbzeit, als Thun auf den Ausgleich drängte, alle Hände voll zu thun, um den Stapi am Betreten des Feldes zu hindern.


Psychologisch betreut wurden auch die verletzten YB-Spieler Patrick De Napoli (rechts) und Marco Wölfli (mitte). Dr. Peter Rüdisühli von der Psychologischen Abteilung bei YB versorgte die verletzten Spieler auf der Tribühne während des Spiels mit Getränken und guter Laune. Nach dem Schlusspfiff atmeten Betreute wie Betreuer sichtlich erleichtert auf. Ein arbeitsreicher Tag ging zu Ende.

MMS aus Züri

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 17:09 Uhr

Was macht eigentlich so ein FC-Basel-Fan am Sonntag nachmittag?

Genau: Er fackelt in Zürich originelle Feuerwerkskörper ab und schickt es anschliessend seinen Lieben als MMS nach Basel.

Vom Spiel war leider nichts zu sehen. Macht gar nichts: FCZ-FCB (0:0) war mal wieder ein Langweiler erster Güte.

Mini-Golf

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 10:30 Uhr

Freude im hohen Norden: Rosenborg Trondheim ist zum 13.Mal norwegischer Meister! Das freut auch uns Berner, denn einer der berühmtesten Söhne der Stadt ist der legendäre Mini Jakobsen, der in den 90er Jahren die YB-Fans verzückte. Der wieselflinke Stürmer ist sogar auf einem ZüriWest-Song verweigt (“Hütt hei sie wieder mau gwunne”).

Mini hing übrigens seine Fussballschuhe vor vier Jahren an den Nagel. Heute ist er unter anderem als rasender TV-Reporter unterwegs und vergnügt sich in der Freizeit auf dem Golfplatz. Unvergessen bleibt sein Kommentar zur Ausland-Karriere: “Ich habe 2 1/2 Jahre bei YB gespielt, 6 Monate bei Lierse und 53 Minuten bei Duisburg.” Alles Gute, Mini!

Willkommen im Bidu-Club!

Dr. Eichenberger am Samstag, den 30. Oktober 2004 um 9:31 Uhr

Der lethargische Eindruck, den Bidu Zaug während den YB-Spielen an der Seitenlinie vermittelt, täuscht. Der YB-Trainer ist an sich ein umtriebiger Mensch, der nach vorne schaut und an die Zukunft denkt. Schon fast rührend seine neuste Initiative. Er hat den sog. Bidu-Club gegründet. Ihr möchtet bestimmt wissen, was der Bidu-Club ist? Er richtet sich an alle Kids von 0-6 Jahren und bietet, wie Bidu verspricht, «viel Spiel und Spass mit tollen Bildern, Video-Clips, und leckeren Backrezepten und wertvollen Tipps und Informationen für die Eltern – z.B. wie die Gesundheit von Kinderfüssen gefördert werden kann.» Die Kids sollen sich «auf die Socken machen ins Abenteuer Leben». Das beste daran: die Mitgliedschaft im Bidu-Club ist ganz und gar kostenlos. Klar: da werden künftige YB-Stars schon ganz früh erfasst.

Vorsicht Bandenwerbung

Rrr am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 18:34 Uhr

Dieses unschöne Bild erreicht uns aus Italien: Domenico Giampà vom FC Messina rutschte ungebremst in eine Bandenwerbung, die seinen linken Oberschenkel sauber aufschlitzte. Die Wunde wurde mit 147 Stichen zugenäht, Giampà fällt zwei Monate aus.

Gab’s das nicht schon mal? Genau, 1981, der Fall Ewald Lienen: Der Stollen des Bremers Norbert Siegmann teilte Lienens Oberschenkelhaut in zwei Teile. Falls es jemanden tröstet: Siegmann ist längst in der Versenkung verschwunden, Lienen macht heute als Hannover-Trainer grosse Kasse.