Zur Besinnung gekommen

Frans am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 12:34 Uhr

Bemerkenswerte Neuigkeiten in der wenig vorbildlichen Affäre um Blaise N’Kufo, gegen den wegen angeblicher Provokation der rassistischen Fans von ADO Den Haag eine Untersuchung läuft. Mittlerweile hat es offenbar N’ Kufos Trainer Rini Coolen (links im Bilde) auch gedämmert, dass es möglicherweise raffiniertere Methoden gibt, einen umworbenen Stürmer bei Laune zu halten, als ihm öffentlich und ohne Rücksprache grobianisch die Leviten zu lesen. Auf der Website von Twente Enschede zeigt Coolen plötzlich Verständnis für die Reaktion des mit Urwaldgeräuschen verhöhnten Stürmers. Nach einem Gespräch mit Blaise könne er dessen Reaktion nun nachvollziehen. Zwar sei N’Kufos Gang zum Fanblock nicht gescheit und gut gewesen. Er habe Blaise erklärt, dass man in den Niederlande probiere, die Probleme mit Fans anders zu lösen, und Blaise habe das völlig verstanden, tönt es väterlich. N’ Kufo stehe nun komplett zu Unrecht im Fokus der Kritik. Aha, that’s cool man!
Wir warten in der Zwischenzeit gespannt darauf, wie die Niederländer ihre Probleme mit den Fans ohne Klatschen und Grinsen lösen. Es könnte sein, dass wir lange warten.

Aus diesem Holz sind Weltmeister geschnitzt

Dr. Eichenberger am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 12:01 Uhr

Die Verantwortlichen der Deutschen Nationalmannschaft unternehmen alles, um 2006 ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken. Neuerdings schlägt Team-Manager OIiver Bierhoff vor, den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner als Berater anzuheuern. Die beiden sollen den Spielern beibringen, schneller zu werden und höher hinaus zu wollen. «Reinhold Messner hat 8000er bezwungen, der ist eine eindrucksvolle Person und kann den Spielern sagen, wie man grosse Aufgaben bewältigt», sagt Bierhoff über den 60-jährigen Extrem-Bergsteiger. Die geplante Einladung an Schumacher begründet der Europameister von 1996 mit den Worten: «Er weiss schliesslich, wie man Weltmeister wird.» Verblüffendes hat auch der Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor: er will einen Mentaltrainer verpflichten!!!! «Man kann das Konzentrationsvermögen, Stressverhalten, die Druckbewältigung oder die Körpersprache trainieren», hat Klinsmann herausgefunden und nennt gleich ein einleuchtendes Beispiel für seine gewagte Theorie: «Wenn ein Führungsspieler nach einem Gegentor den Kopf hängen lässt, gibt das sofort eine Kettenreaktion. Das sehen die anderen und lassen auch den Kopf hängen.» So ist das! Wir können die neuen Wege, die unser nördlicher Nachbar einzuschlagen im Begriffe ist, gelassen zur Kenntnis nehmen. Die Schweiz qualifiziert sich eh nicht für die Endrunde.

Vorbildliche Rassisten

Frans am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 0:18 Uhr

In dieser unanständigen Welt des egoistischen Fussballs ist man immer wieder froh für Interessenvertreter, welche das Gesamtwohl im Auge behalten. Rini Coolen, Trainer von Twente Enschede bewies nach dem gewonnenen Auswärtsspiel gegen Den Haag (0:1) solche Grösse: Absolut daneben habe sich sein Topstürmer nach dem Spiel verhalten. Seine Tat sei unter keinen Umständen zu rechtfertigen. Schliesslich habe sich das Publikum von ADO Den Haag vorbildlich betragen und habe eigentlich alles Lob der Welt verdient, wird Herr Coolen von Voetbal International zitiert. (“Het publiek had zich juist voorbeeldig gedragen en verdiende daarvoor alle lof.”)
In der Tat. Anders als zuvor gegen PSV Eindhoven musste das Spiel nicht wegen primitivster Sprechchöre abgebrochen werden. Bravo ADO! Einzig sensible Gemüter wie Rini Coolens Stümerstar mit Geburtsort Kinshasa konnten sich womöglich daran gestört haben, dass bei Ballbesitz N’ Kufo aus dem vorbildlichen ADO-Fanblock Urwaldgeräusche und Affenrufe zu hören waren.

Blaise N’Kufo lachte gemäss Medienberichten trotzdem bzw. deswegen, ging nach dem Spiel zum vorbildlichen Fanblock, applaudierte den Rassisten demonstrativ und grinste, so breit er konnte. Schiedsrichter Luinge – auch er attestierte dem Anhang von ADO Respekt und vorbildliches Betragen – konnte des Schweizers Provokation zu seinem eigenen Bedauern nicht mit einer gelben Karte bestrafen, wie er den Medien mitteilte. Er hat aber brav rapportiert, und der Niederländische Fussballverband hat eine Untersuchung eröffnet gegen den Mann mit dem Schweizer Pass, den sein eigener Trainer öffentlich der unverzeihlichen Aktion bezichtigt hat. Wetten, dass Blaise N’Kufo nicht mehr lange für Twente Enschede und dessen vorbildlichen Trainer Rini Coolen spielt?

Es darf nicht gelacht werden (Bild: Voetbal International)

Das Comeback des Jahres

Dr. Eichenberger am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 16:30 Uhr

Das ist Dr. Socrates. Älteren Weblog-LeserInnen vergeht dieser Name heute noch wie Butter auf der Zunge. Socrates war in den 80-er Jahren ein begnadeter Spieler im Dienste der brasilianischen Nationalmannschaft. Unvergessen das Spiel an der WM 1982 in Spanien zwischen Brasilien und Italien: Die Azzurri gewannen das Zwischenrundenspiel 2:3, die Torfolge lautete: 0:1 Rossi (5.), 1:1 Socrates (12.), 1:2 Rossi (25.), 2:2 Falcao (68.), 2:3 Rossi (74.). Warum wir dies erzählen? Nun, Socrates, heute 50 Jahre alt, will wieder die Fussballschuhe schnüren. Er hat beim englischen Club Garforth Town einen Monatsvertrag unterschrieben und wird erstmals im Meisterschaftsspiel der Northern Counties East League, Division One, gegen Tadcaster Albion auflaufen. Simon Clifford, der Besitzer von Garforth Town, betont, Socrates gehe es nicht ums Geld, er werde nämlich überhaupt nichts verdienen. Nächste Saison will der umtriebige Clifford auch die brasilianischen Legenden Careca und Zico anheuern. Sie alle brennen darauf, gegen illustre Gegner wie Gedling Town, Lincoln Moorlands, Staveley Miners Welfare, die Winterton Rangers oder gar die Pontefract Collieries antreten zu dürfen.

Bye Bye Barça

Rrr am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 14:10 Uhr

Geld schiesst keine Tore: Diese schmerzliche Erfahrung hat der FC Barcelona einmal mehr gemacht. Der schwerreiche Klub, der seit 1999 keinen Blumentopf mehr gewonnen hat, blamierte sich im spanischen Cup bis auf die Knochen.

Das Starensemble – Wert des Kaders: 212 Millionen Euro – verlor beim katalanischen Drittligisten Atletico Gramanet mit 0:1. Ein satter Rechtsschuss von der Strafraumgrenze reichte den Amateuren, um das grosse Barça zu bodigen.

Auch Valencia und Saragossa sind bereits ausgeschieden. Die Ehre der Grossen rettete mal wieder Real Madrid – trotz Abwesenheit der grossen Stars reichte es zum 2:1-Sieg bei Leganes.

Fuck you? Fuck off!

Frans am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 11:14 Uhr

Wir alle haben ab und zu unsere originellen Ausreden: So etwa Bill Clinton. Er rauchte Marihuana, aber er inhalierte nicht. Oder Alex Frei: Er sagte “Putain”, aber er bespuckte Gerrard nicht. Und so auch Belgiens Nationalspieler Eric Deflandre. Er sprach beim Länderspiel in Spanien (9. Oktober) mit Schiedsrichter Nielsen, aber er sprach nicht englisch. Denn Deflandre ist der Sprache Shakespeares (oder Rooneys) gar nicht mächtig. Ergo konnte er Herrn Nielsen auch nicht mit “Fuck you!” beschimpft haben.

Da nicht alle unsere originellen Ausreden gleich glaubwürdig sind, wechseln wir mitunter unsere Versionen. So auch Eric Deflandre. Er bekannte sich zum “Fuck off!”, nicht aber zum “Fuck you!” Dies sei eine wesentliche Nuance, dozierte der plötzlich des englischen Idioms und seinen Kraftausdrücken in allen Feinheiten mächtige Deflandre der belgischen Presse. Für die Finessen des Frühenglisch ist die FIFA taub. Sie sanktioniert die gelb-rote Karte mit nicht weniger als drei Spielsperren. Deflandre will sich wehren.
Übertrumpft wird er übrigens von Nati-Kollege Bart Goor (mit seinem Clubteam Feyenoord Rotterdam im Dezember beim FC Basel zu Gast). Der kriegt nach dem Spanien-Spiel fünf Sperren. Er gab keine englischen Finessen von sich, kommunizierte jedoch in einer noch universelleren Sprache. Er gab es zu, aber…

Aber er wollte gar nicht treffen, denn sein Opponent stand viel zu weit weg (“Maar nooit met de bedoeling om hem te raken, daarvoor stond ik ook veel te ver.”)


In sicherer Distanz: Goor und Xavi

Latour kommt

Rrr am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 10:00 Uhr

Das Warten hat ein Ende – am Sonntag steigt das Berner Derby! YB freut sich auf den Sieg über Thun und natürlich speziell auf den Oberländer Übungsleiter Hanspeter Latour.

Auf vielseitigen Wunsch stellen wir bei dieser Gelegenheit das folgende legendäre Tondokument ins Netz: Latour wechselt Gil ein (mp3, 1 MB).

Ali Ansarian geht nicht zu Milan

Frans am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 9:04 Uhr

Ali Ansarian wechselt nicht von Perspolis zur AC Milan. Der Spieler, welcher gemäss Medienberichten mit seinem Pferdeschwanz im Derby gegen Esteghla (Endstand übrigens: 0:0) die weltweit beachtete Kontroverse um die korrekte Haartracht auf iranischen Fussballfeldern entfacht hatte, kommentierte die Haltung von Milan-Präsident Berlusconi nach der Lektüre einschlägiger Medienberichte auf seiner Website wie folgt:

Ein Klick auf die Zunge bringt den Pferdeschwanz zum Flattern

Pirlo bleibt bei Milan

Dr. Eichenberger am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 8:10 Uhr

Der Transfer des Milan-Spielers Andrea Pirlo in den Iran ist gescheitert. Die Verträge waren schon unterschrieben, die Medien aufgeboten. Irans Fussball-Funktionär Ali Pur verhinderte jedoch in letzter Minuten den Wechsel Pirlos nach Teheran mit dem Argument, Fussballer mit langen Haaren würden die islamische Kultur untergraben und müssten daher mit Strafen rechnen. Diese Spieler seien schlechte Vorbilder für die Jugend und erzeugten bei Stadionbesuchern und Fernsehzuschauern negative Aufmerksamkeit. Pirlo weigerte sich, den Gang zum Frisör anzutreten und bleibt nun in Mailand. Milan-Präsident Berlusconi hat sich zwar auch schon ausfällig über die Haarpracht seiner Spiele geäussert, insbesondere zu jener von Gattuso. Eine Sperre hat er bislang aber (noch) nicht angeordnet.

Das Trikot war schon bereit: Andrea Pirlo

Britische Pizza

Frans am Mittwoch, den 27. Oktober 2004 um 22:52 Uhr

Es war keine Tomatensuppe, es war eine Pizza. Diese brisante Exklusiv-Enthüllung präsentiert das englische Fachblatt The Sun der geneigten Leserschaft. Gelandet ist sie nach dem Spiel Manchester United – Arsenal auf dem Anzug von United-Trainer Alex Ferguson, und geschmissen hat sie angeblich Arsenal-Verteidiger Ashley Cole. Die fliegende Pizza war die Rache dafür, dass Cole auf dem Rasen vom fliegenden Holländer einen rüden Tritt ans Schienbein gekriegt hatte. Oder so. Grund genug jedenfalls für eine kulinarische Kampagne, diesmal in konstruktiver Zusammenarbeit mit Pizza Hut. Dort neu im Sortiment:«The Flaming Fergie»; und – zu Ehren des Arsenal-Trainers – «The Wenger Wobbler», einzulösen mit einem Gutschein, den Sie leider nur in der Sun-Printausgabe finden: «To order your pizza simply present one of the coupons printed in The Sun newspaper at any Pizza Hut restaurant — plus £6.69, of course.»
Wir und Urs Meier wissen: Die Kunst des Medienfeldzugs beherrschen sie auf der Insel in Perfektion. Jene des Pizzamachens nicht unbedingt.

Auf Sand gebaut?

Dr. Eichenberger am Mittwoch, den 27. Oktober 2004 um 18:31 Uhr

Nachdem es dem BSC Young Boys nicht gelungen war, in der Stadt Bern geeignete Trainingsmöglichkeiten zu finden, wollen die Gelb-Schwarzen ihre Zelte definitiv in Schönbühl aufschlagen. Der Ort für die neue Heimat ist schon gefunden: im Sand, und der gehört der Schweizer Armee. Im Endausbau sollen dort fünf Fussballfelder entstehen, die offenbar gut beleuchtet sind, wenn wir die Pläne richtig studieren. Eine erste Einheit soll schon im Sommer 2005 bezugsbereit sein. Unklar bleibt, auf welchem Feld YB seine Meisterschaftsspiele austragen will und was aus dem fast fertigen Wankdorf-Stadion wird: Hat die Firma Marazzi dieses auf Sand gebaut?

Gut gemacht, Ruud!

Dr. Eichenberger am Mittwoch, den 27. Oktober 2004 um 16:05 Uhr

Früher, als wir noch brave Schulbuben waren, fanden wir gelegentlich Ausreden, wie wir uns eine Auszeit vom verhassten Unterricht erschwindeln konnten. Wir manipulierten geschickt den Fiebermesser oder spielten glaubhaft eine plötzliche Magenverstimmung vor. Was aber macht ein Profifussballer, wenn er sich eine Auszeit von der ewigen Aufdemgrünenrasenherumrennerei nehmen will? Ganz einfach: er provoziert eine Spielsperre. Dieses Vorhaben wäre Ruud van Nistelrooy, dem holländischen Topstürmer bei Manchester United, beinahe misslungen. Sein rüder Angriff auf das Schienbein von Arsenal-Spieler Ashley Cole (unser Bild) wurde nämlich vom Schiedsrichter glatt übersehen. Zum Glück für ihn gibt es auf der Insel den Fernsehbeweis. Dank diesem sahen sich die Herren des englischen Verband doch noch genötigt, den Holländer für drei Spiele zu sperren. Viel Spass auf der Tribüne, Ruud!