40 Jahre Johan

Frans am Montag, den 15. November 2004 um 22:44 Uhr

Freunde des wahren Fussballs gedenken heute eines 40jährigen Jubiläums: Am 15. November 1964 absolvierte der knapp 17jährige Johannes Hendrikus Cruyff (oder Cruijff – oder wie immer) in Groningen sein erstes Meisterschaftsspiel und schoss sein erstes von 266 Toren für Ajax Amsterdam (später folgten u.a. noch 85 für Barcelona).

Die fussballerischen Qualitäten der Nummer 14 sind Legende (u.a. Wahl zu Europas Fussballer des Jahrhunderts). Nicht geringer zu würdigen sind aber seine erfolgreichen Versuche, die niederländische Alltagssprache um geflügelte Worte zu bereichern (“Jeder Nachteil hat seinen Vorteil” und viele andere mehr).

Erstaunlicherweise hat Johan auch die spanische Sprache um innovative Redewendungen ergänzt. In Barcelona und anderswo unvergessen ist sein Ausspruch “En un momento dado” – eine wörtliche Übersetzung aus dem holländischen. Der gleichnamige Dokumentarfilm lockte dieses Jahr viel Publikum in die holländischen Kinos.
Mit gutem Grund ist Johan in Holland Kult. Eigentlich unverständlich daher, dass er in der heutigen Wahl des bedeutendsten Niederländers aller Zeiten zwar Randfiguren wie Rembrandt und Van Gogh spielend hinter sich gelassen hat, aber von einigen toten Politikern überholt worden ist. Johan wird es verschmerzen, denn seit 30 Jahren (WM-Final, München) weiss er: Es sind nicht immer die Besten, die gewinnen.

Die mogeln, die Griechen

Dr. Eichenberger am Montag, den 15. November 2004 um 18:18 Uhr

Griechenland hat sich mit gefälschten Defizit-Zahlen in die Euro-Zone gemogelt. Statt der 2001 nach Brüssel gemeldeten 1,8 Prozent, lag das Defizitder der Griechen bei satten 3,4 Prozent. Zum Start der gemeinsamen Währung wäre Griechenland also nicht reif für den Eintritt in die Währungsunion gewesen und hätte eigentlich draussen bleiben müssen. Der griechische Finanzminister Giorgos Alogokoufis hat die Mogelei heute bestätigt. Damit dürfte der Bewerbung der Griechen für die Fussball-EM 2012 vorzeitig die Luft ausgegangen sein.


Der griechische Finanzminister Giorgos Alogokoufis beerdigt die EM-Träume.

Junge, komm bald rüber

Frans am Montag, den 15. November 2004 um 17:45 Uhr

1993 spielte er noch für YB, nun hat er D.C. United aus Washington zum Major League Soccer-Titel gecoacht. Unsere Gratulationen gehen über den Grossen Teich zu Peter Nowak.

Wer nun auf den üblichen abschätzigen Spruch über Stellenwert und Qualität des US-Fussballs wartet, wird enttäuscht. Die USA sind in der FIFA-Weltrangliste weit vorne plaziert und haben nicht wenige Talente im Land. Im Gespräch mit dem “Tages-Anzeiger” lobte Nowak im März 2000 DaMarcus Beasley, damals 17 Jahre alt. (“Der ist schnell, clever – der wird gut.”) Heute spielt Beasley in Eindhoven, und zwar häufiger als Johan Vonlanthen.

Bei D.C. United spielt jetzt ein noch Jüngerer: Freddy Adu, 15, gebürtiger Ghanese und Auslöser eines veritablen Medienhypes: Er soll ein Mozart sein, ein Pele, ein “Wunderkind” und ein “Jahrhunderttalent, welches den amerikanischen Fussball retten” soll (wovor?)

Wir freuen uns, Peter Nowak an der Eröffnung des Stade de Suisse wieder zu sehen (die YB-Leitung wird ihn fraglos einladen) – natürlich mit Adu im Schlepptau. Freddy, komm bald rüber!


Der Mozart-Pele-Wunder-Jahrhundert-Champion

Gonzalez’ Geschoss

Rrr am Montag, den 15. November 2004 um 9:44 Uhr

Das Tor des Wochenendes stammt aus Spanien: Antonio Jose Gonzalez von CD Numancia erzielte es mit einem sensationellen Treffer aus rund 70 Metern, der seinem Team den zweiten Saisonsieg (2:1 gegen Sevilla) bescherte:

Gipfel in Barcelona

Rrr am Montag, den 15. November 2004 um 9:25 Uhr

Zidane und Ronaldo schauen optimistisch nach vorn: Sie sind gerüstet für das Gipfeltreffen Barcelona – Real Madrid vom nächsten Samstag. Bester Mann beim 6:1 gegen Albacete am Sonntag war Ronaldo mit zwei Toren und einem Assist.

Barcelona ist dagegen im dümmsten Moment in eine Krise geschlittert: 1:2-Niederlage bei Betis Sevilla. Jetzt flattern sie wieder, die Nerven.

Vom Ermessen des Juristen

Frans am Sonntag, den 14. November 2004 um 20:24 Uhr


Eine seinem Beruf angemessene Begründung liefert uns Schiedsrichter und Jurist Dr. Felix Brych dafür, dass er das Bundesligaspiel Bremen – Leverkusen (2:2) zum Erstaunen aller und zum Ärger der Bremer nach exakt 90 Minuten abgepfiffen hat, obwohl es zahlreiche Unterbrechungen gab:
“Es ist immer eine Ermessensentscheidung. Ich habe heute entschieden, dass wir nur 90 Minuten spielen.”

Was der deutsche Jurist spitzfindig und scheinbar unanfechtbar als pflichtgemässes Ermessen bemäntelt, bezeichnen wir in der ersten Folge unserer neuen Rubrik für Liebhaber von Regeln und Recht mit der rechtlich korrekten Terminologie: Willkür (umgangssprachliche Synonyme: Belieben, Gutdünken, Laune, Rücksichtslosigkeit, Eigenwilligkeit, Selbstherrlichkeit).

Der neue YB-Trainer

Rrr am Sonntag, den 14. November 2004 um 18:28 Uhr

Noch immer ist offen, wer im Frühling neuer YB-Trainer wird. Auf der Pressetribüne haben wir am Sonntag folgenden heissen Kandidaten ausgemacht:

Gilbert Gress bestritt auf Anfrage, dass er zu Verhandlungen nach Bern gekommen sei. Seine Ausrede: Er betrachte als Sion-Trainer den nächsten Gegner im Cup (nächsten Samstag 17.30 Uhr im Tourbillon). Lachhaft! Wir bleiben dran, Herr Gress.

Basler Bildschirmschoner

Rrr am Sonntag, den 14. November 2004 um 18:11 Uhr

Na, liebe Basel-Fans, wie wärs mal wieder mit einem neuen Bildschirmschoner?

Gratis und franko könnt Ihr hier diesen hübschen Screenshot herunterladen …


… und euch bei jedem Aufstarten des Computers fragen, was genau schief ging beim 0:1 in Schaffhausen. Viel Spass!

Unser Experte

Rrr am Sonntag, den 14. November 2004 um 16:46 Uhr

Zweimal wurde YB in den letzten Wochen vom Schiedsrichter benachteiligt – bei Häberlis Platzverweis gegen Thun und beim verweigerten Handspenalty in Basel. Jetzt ist genug! “Zum Runden Leder” hat ab sofort einen eigenen Schiedsrichter-Inspizienten, der die Leistungen der YB-Refs unparteiisch und unbarmherzig unter die Lupe nimmt.

Unser Experte ist Lukas Lehmann, ein sympathischer Mittvierziger, der sich als Schiedsrichter bei den F-Junioren seine Sporen abverdient hat. Lehmann kennt das Regelwerk auswendig und ist stets korrekt gekleidet.

Also, Herr Lehmann, wie war Schiedsrichter Leuba am Sonntag bei YB-Aarau?

Lehmann: “Schwache Darbietung, Note 4 auf einer Skala 1-7. Der Penalty für Aarau war zwar korrekt, doch zuvor blieb ein übles Strafraum-Foul an Chappi ungeahndet. YB wurde immer wieder benachteiligt. Der Elfmeter in der 94.Minute für YB war deshalb ein klarer Kompensationsentscheid, wie ihn das Regelwerk auf Seite 127, Absatz 4, vorschreibt. Alles in allem: Kein Heimschiedsrichter, leider!”

Ronald McDonald

Frans am Sonntag, den 14. November 2004 um 16:11 Uhr

Vor der 100. Auflage des Klassikers Ajax AmsterdamFeyenoord Rotterdam (Schlussstand 1:1 nach Toren von Rosales und Kuijt) liessen sich die beiden Trainer Koeman und Gullit für eine publizitätsträchtige Geste gewinnen.

Ronald und Ruud, die das meist verbissene Derby als Spieler sechsmal erlebt hatten, machten vor Spielbeginn Werbung für die Kinderhilfe Ronald McDonald.

Ein gewisser symbolischer Gehalt ist der indirekten Werbeaktion für den wohltätigen Fastfoodkonzern nicht abzusprechen. War das Derby früher ein spielerischer Leckerbissen, so ist es dieser Tage zwar noch intensiv, aber selten etwas für absolute Fussball-Feinschmecker. Damit dies so bleiben möge, sassen verschiedene Vertreter finanzkräftiger ausländischer Clubs (z.B. Chelsea) auf der Tribüne. Es gilt vorzubereiten, was in den letzten Jahren immer getan wurde: Die besten Fussballer aus der holländischen Liga wegkaufen (z.B. den Ajax-Brasilianer Maxwell, der mit Juve in Verbindung gebracht wird, und den Rotterdam-Stürmer Kalou).

Andere Spieler – wie das Ajax-Talent Van der Vaart – machen zwar ab und zu ganz hübsche Dinge mit dem Ball, sind aber wegen erhöhten Fettgehalts für internationale Ansprüche wohl zu träge. Van der Vaart hat vor einigen Monaten angekündigt, künftig einen weiten Bogen um die verlockenden Fastfood-Lokale zu machen. Die sympathische Werbeaktion des ebenfalls leicht rundlichen Ronald wird ihn darin bestärkt haben.

Bitte: Nicht stören!

Frans am Sonntag, den 14. November 2004 um 11:22 Uhr

Es würde ihn “nicht stören”, dereinst einmal ein Aufgebot für die Nationalmannschaft zu erhalten, wird Xamax-Stürmer Mobulu M’Futi in der heutigen
NZZ am Sonntag zitiert. Weil M’Futi auch nach 14 Jahren in der Schweiz bloss einen N-Ausweis (für Asylsuchende ohne rechtskräftigen Entscheid) hat, musste er die Grenze für das UEFA-Cup-Spiel in Auxerre illegal überqueren.
Sollten sie ihn in innert nützlicher Frist einbürgen, Köbi ihn für die Nati aufbieten und Mobulu im Nationaldress tun, was er jeweils gegen YB macht (die Abwehr überfordern): Es würde uns nicht stören.

Der doppelte Löwenkönig

Frans am Sonntag, den 14. November 2004 um 2:10 Uhr

Fussballfreunde aller Welt rätseln, wieso die Deutschen vom Bundesadler auf den Löwen (bzw. das Maskottchen Goleo) gekommen sind. Eine Huldigung an England? Kamerun? Züri?
Wir tippen eher auf die hoch geschätzten königlichen Nachbarn in den orangen Leibchen an der deutschen Westgrenze.

Einer der zahllosen holländischen Fussballsöldner hat sich auch im Club für den Löwen entschieden: Arjen Robben (20; transferiert für 18 Mio. Euros) stürmt am linken Flügel für Chelsea und schiesst dort Tor um Tor, zuletzt beim Auswärtssieg in Fulham.

Robben aspiriert auf den Titel des doppelten Löwenkönigs und reagiert als Spezialist auf den Goleo nicht anders als wir Normalsterblichen: Zum Brüllen geistreich!