MMS aus Züri

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 17:09 Uhr

Was macht eigentlich so ein FC-Basel-Fan am Sonntag nachmittag?

Genau: Er fackelt in Zürich originelle Feuerwerkskörper ab und schickt es anschliessend seinen Lieben als MMS nach Basel.

Vom Spiel war leider nichts zu sehen. Macht gar nichts: FCZ-FCB (0:0) war mal wieder ein Langweiler erster Güte.

Mini-Golf

Rrr am Sonntag, den 31. Oktober 2004 um 10:30 Uhr

Freude im hohen Norden: Rosenborg Trondheim ist zum 13.Mal norwegischer Meister! Das freut auch uns Berner, denn einer der berühmtesten Söhne der Stadt ist der legendäre Mini Jakobsen, der in den 90er Jahren die YB-Fans verzückte. Der wieselflinke Stürmer ist sogar auf einem ZüriWest-Song verweigt (“Hütt hei sie wieder mau gwunne”).

Mini hing übrigens seine Fussballschuhe vor vier Jahren an den Nagel. Heute ist er unter anderem als rasender TV-Reporter unterwegs und vergnügt sich in der Freizeit auf dem Golfplatz. Unvergessen bleibt sein Kommentar zur Ausland-Karriere: “Ich habe 2 1/2 Jahre bei YB gespielt, 6 Monate bei Lierse und 53 Minuten bei Duisburg.” Alles Gute, Mini!

Willkommen im Bidu-Club!

Dr. Eichenberger am Samstag, den 30. Oktober 2004 um 9:31 Uhr

Der lethargische Eindruck, den Bidu Zaug während den YB-Spielen an der Seitenlinie vermittelt, täuscht. Der YB-Trainer ist an sich ein umtriebiger Mensch, der nach vorne schaut und an die Zukunft denkt. Schon fast rührend seine neuste Initiative. Er hat den sog. Bidu-Club gegründet. Ihr möchtet bestimmt wissen, was der Bidu-Club ist? Er richtet sich an alle Kids von 0-6 Jahren und bietet, wie Bidu verspricht, «viel Spiel und Spass mit tollen Bildern, Video-Clips, und leckeren Backrezepten und wertvollen Tipps und Informationen für die Eltern – z.B. wie die Gesundheit von Kinderfüssen gefördert werden kann.» Die Kids sollen sich «auf die Socken machen ins Abenteuer Leben». Das beste daran: die Mitgliedschaft im Bidu-Club ist ganz und gar kostenlos. Klar: da werden künftige YB-Stars schon ganz früh erfasst.

Vorsicht Bandenwerbung

Rrr am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 18:34 Uhr

Dieses unschöne Bild erreicht uns aus Italien: Domenico Giampà vom FC Messina rutschte ungebremst in eine Bandenwerbung, die seinen linken Oberschenkel sauber aufschlitzte. Die Wunde wurde mit 147 Stichen zugenäht, Giampà fällt zwei Monate aus.

Gab’s das nicht schon mal? Genau, 1981, der Fall Ewald Lienen: Der Stollen des Bremers Norbert Siegmann teilte Lienens Oberschenkelhaut in zwei Teile. Falls es jemanden tröstet: Siegmann ist längst in der Versenkung verschwunden, Lienen macht heute als Hannover-Trainer grosse Kasse.

Begrijpt U Nederlands?

Frans am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 15:37 Uhr

Zum Einstieg in den dritten Teil unserer kleinen N’Kufo-Serie müssen wir die indiskrete Frage nach Ihren Kenntnissen der niederländischen Sprache stellen. Sollten sie unterdurchschnittlich sein, so bleibt Ihnen der Einblick in die tiefen Abgründe der Seele des holländischen Fussballvolkes (bzw. eines Teils davon) erspart. Alle anderen können im weltweiten Netz tiefschürfende Diskussionen verschiedener Fans über die äusserst relevante Frage nachlesen, ob Herr N’Kufo nun vor seinem herzhaften Applaus Richtung Fan-Ecke beschimpft worden ist oder erst nachher. Sie können ebenfalls nachlesen, welche verbalen Nettigkeiten Richtung N’ Kufo skandiert wurden. Auf eine übersetzende Wiedergabe verzichten wir. Nicht nur wegen der Rassismus-Strafnorm.

Der FC Thun im Höhenrausch

Dr. Eichenberger am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 15:26 Uhr

Thun-Trainer Hanspeter Latour versucht alles, um am Sonntag auf dem Neufeld gegen die Young Boys eine motivierte Truppe auflaufen zu lassen. Zwecks mentaler Stärkung hat er seinen Spieler eine Diashow des Extrembergsteigers Thomas Ulrich gezeigt. «Auch wir haben nicht immer Boden unter den Füssen», sagte Latour. «Und auch wir brauchen Kraft, um uns festzuhalten. Sonst stürzen wir ab.» Anschliessend wurde das Gesehene in den Bergen umgesetzt. Unsere Bilder zeigen Andreas Gerber (links) und Mario Raimondi (unten) beim Üben des kraftfördernden Festhaltens. YB-Trainer Budi Zaugg zeigte sich von Latours Schachzug unbeeindruckt. Er liess seine Jungs wie immer in Schönbühl herumtraben.

Zur Besinnung gekommen

Frans am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 12:34 Uhr

Bemerkenswerte Neuigkeiten in der wenig vorbildlichen Affäre um Blaise N’Kufo, gegen den wegen angeblicher Provokation der rassistischen Fans von ADO Den Haag eine Untersuchung läuft. Mittlerweile hat es offenbar N’ Kufos Trainer Rini Coolen (links im Bilde) auch gedämmert, dass es möglicherweise raffiniertere Methoden gibt, einen umworbenen Stürmer bei Laune zu halten, als ihm öffentlich und ohne Rücksprache grobianisch die Leviten zu lesen. Auf der Website von Twente Enschede zeigt Coolen plötzlich Verständnis für die Reaktion des mit Urwaldgeräuschen verhöhnten Stürmers. Nach einem Gespräch mit Blaise könne er dessen Reaktion nun nachvollziehen. Zwar sei N’Kufos Gang zum Fanblock nicht gescheit und gut gewesen. Er habe Blaise erklärt, dass man in den Niederlande probiere, die Probleme mit Fans anders zu lösen, und Blaise habe das völlig verstanden, tönt es väterlich. N’ Kufo stehe nun komplett zu Unrecht im Fokus der Kritik. Aha, that’s cool man!
Wir warten in der Zwischenzeit gespannt darauf, wie die Niederländer ihre Probleme mit den Fans ohne Klatschen und Grinsen lösen. Es könnte sein, dass wir lange warten.

Aus diesem Holz sind Weltmeister geschnitzt

Dr. Eichenberger am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 12:01 Uhr

Die Verantwortlichen der Deutschen Nationalmannschaft unternehmen alles, um 2006 ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken. Neuerdings schlägt Team-Manager OIiver Bierhoff vor, den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner als Berater anzuheuern. Die beiden sollen den Spielern beibringen, schneller zu werden und höher hinaus zu wollen. «Reinhold Messner hat 8000er bezwungen, der ist eine eindrucksvolle Person und kann den Spielern sagen, wie man grosse Aufgaben bewältigt», sagt Bierhoff über den 60-jährigen Extrem-Bergsteiger. Die geplante Einladung an Schumacher begründet der Europameister von 1996 mit den Worten: «Er weiss schliesslich, wie man Weltmeister wird.» Verblüffendes hat auch der Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor: er will einen Mentaltrainer verpflichten!!!! «Man kann das Konzentrationsvermögen, Stressverhalten, die Druckbewältigung oder die Körpersprache trainieren», hat Klinsmann herausgefunden und nennt gleich ein einleuchtendes Beispiel für seine gewagte Theorie: «Wenn ein Führungsspieler nach einem Gegentor den Kopf hängen lässt, gibt das sofort eine Kettenreaktion. Das sehen die anderen und lassen auch den Kopf hängen.» So ist das! Wir können die neuen Wege, die unser nördlicher Nachbar einzuschlagen im Begriffe ist, gelassen zur Kenntnis nehmen. Die Schweiz qualifiziert sich eh nicht für die Endrunde.

Vorbildliche Rassisten

Frans am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 0:18 Uhr

In dieser unanständigen Welt des egoistischen Fussballs ist man immer wieder froh für Interessenvertreter, welche das Gesamtwohl im Auge behalten. Rini Coolen, Trainer von Twente Enschede bewies nach dem gewonnenen Auswärtsspiel gegen Den Haag (0:1) solche Grösse: Absolut daneben habe sich sein Topstürmer nach dem Spiel verhalten. Seine Tat sei unter keinen Umständen zu rechtfertigen. Schliesslich habe sich das Publikum von ADO Den Haag vorbildlich betragen und habe eigentlich alles Lob der Welt verdient, wird Herr Coolen von Voetbal International zitiert. (“Het publiek had zich juist voorbeeldig gedragen en verdiende daarvoor alle lof.”)
In der Tat. Anders als zuvor gegen PSV Eindhoven musste das Spiel nicht wegen primitivster Sprechchöre abgebrochen werden. Bravo ADO! Einzig sensible Gemüter wie Rini Coolens Stümerstar mit Geburtsort Kinshasa konnten sich womöglich daran gestört haben, dass bei Ballbesitz N’ Kufo aus dem vorbildlichen ADO-Fanblock Urwaldgeräusche und Affenrufe zu hören waren.

Blaise N’Kufo lachte gemäss Medienberichten trotzdem bzw. deswegen, ging nach dem Spiel zum vorbildlichen Fanblock, applaudierte den Rassisten demonstrativ und grinste, so breit er konnte. Schiedsrichter Luinge – auch er attestierte dem Anhang von ADO Respekt und vorbildliches Betragen – konnte des Schweizers Provokation zu seinem eigenen Bedauern nicht mit einer gelben Karte bestrafen, wie er den Medien mitteilte. Er hat aber brav rapportiert, und der Niederländische Fussballverband hat eine Untersuchung eröffnet gegen den Mann mit dem Schweizer Pass, den sein eigener Trainer öffentlich der unverzeihlichen Aktion bezichtigt hat. Wetten, dass Blaise N’Kufo nicht mehr lange für Twente Enschede und dessen vorbildlichen Trainer Rini Coolen spielt?

Es darf nicht gelacht werden (Bild: Voetbal International)

Das Comeback des Jahres

Dr. Eichenberger am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 16:30 Uhr

Das ist Dr. Socrates. Älteren Weblog-LeserInnen vergeht dieser Name heute noch wie Butter auf der Zunge. Socrates war in den 80-er Jahren ein begnadeter Spieler im Dienste der brasilianischen Nationalmannschaft. Unvergessen das Spiel an der WM 1982 in Spanien zwischen Brasilien und Italien: Die Azzurri gewannen das Zwischenrundenspiel 2:3, die Torfolge lautete: 0:1 Rossi (5.), 1:1 Socrates (12.), 1:2 Rossi (25.), 2:2 Falcao (68.), 2:3 Rossi (74.). Warum wir dies erzählen? Nun, Socrates, heute 50 Jahre alt, will wieder die Fussballschuhe schnüren. Er hat beim englischen Club Garforth Town einen Monatsvertrag unterschrieben und wird erstmals im Meisterschaftsspiel der Northern Counties East League, Division One, gegen Tadcaster Albion auflaufen. Simon Clifford, der Besitzer von Garforth Town, betont, Socrates gehe es nicht ums Geld, er werde nämlich überhaupt nichts verdienen. Nächste Saison will der umtriebige Clifford auch die brasilianischen Legenden Careca und Zico anheuern. Sie alle brennen darauf, gegen illustre Gegner wie Gedling Town, Lincoln Moorlands, Staveley Miners Welfare, die Winterton Rangers oder gar die Pontefract Collieries antreten zu dürfen.

Bye Bye Barça

Rrr am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 14:10 Uhr

Geld schiesst keine Tore: Diese schmerzliche Erfahrung hat der FC Barcelona einmal mehr gemacht. Der schwerreiche Klub, der seit 1999 keinen Blumentopf mehr gewonnen hat, blamierte sich im spanischen Cup bis auf die Knochen.

Das Starensemble – Wert des Kaders: 212 Millionen Euro – verlor beim katalanischen Drittligisten Atletico Gramanet mit 0:1. Ein satter Rechtsschuss von der Strafraumgrenze reichte den Amateuren, um das grosse Barça zu bodigen.

Auch Valencia und Saragossa sind bereits ausgeschieden. Die Ehre der Grossen rettete mal wieder Real Madrid – trotz Abwesenheit der grossen Stars reichte es zum 2:1-Sieg bei Leganes.

Fuck you? Fuck off!

Frans am Donnerstag, den 28. Oktober 2004 um 11:14 Uhr

Wir alle haben ab und zu unsere originellen Ausreden: So etwa Bill Clinton. Er rauchte Marihuana, aber er inhalierte nicht. Oder Alex Frei: Er sagte “Putain”, aber er bespuckte Gerrard nicht. Und so auch Belgiens Nationalspieler Eric Deflandre. Er sprach beim Länderspiel in Spanien (9. Oktober) mit Schiedsrichter Nielsen, aber er sprach nicht englisch. Denn Deflandre ist der Sprache Shakespeares (oder Rooneys) gar nicht mächtig. Ergo konnte er Herrn Nielsen auch nicht mit “Fuck you!” beschimpft haben.

Da nicht alle unsere originellen Ausreden gleich glaubwürdig sind, wechseln wir mitunter unsere Versionen. So auch Eric Deflandre. Er bekannte sich zum “Fuck off!”, nicht aber zum “Fuck you!” Dies sei eine wesentliche Nuance, dozierte der plötzlich des englischen Idioms und seinen Kraftausdrücken in allen Feinheiten mächtige Deflandre der belgischen Presse. Für die Finessen des Frühenglisch ist die FIFA taub. Sie sanktioniert die gelb-rote Karte mit nicht weniger als drei Spielsperren. Deflandre will sich wehren.
Übertrumpft wird er übrigens von Nati-Kollege Bart Goor (mit seinem Clubteam Feyenoord Rotterdam im Dezember beim FC Basel zu Gast). Der kriegt nach dem Spanien-Spiel fünf Sperren. Er gab keine englischen Finessen von sich, kommunizierte jedoch in einer noch universelleren Sprache. Er gab es zu, aber…

Aber er wollte gar nicht treffen, denn sein Opponent stand viel zu weit weg (“Maar nooit met de bedoeling om hem te raken, daarvoor stond ik ook veel te ver.”)


In sicherer Distanz: Goor und Xavi