Bayern auf dem Lande

Rrr am Dienstag, den 21. September 2004 um 11:04 Uhr

Heute ist ein grosser Tag für Osnabrück: Die Kicker aus der dritten deutschen Liga spielen im Cup gegen Bayern München und träumen vom grossen Coup – nicht zu Unrecht, denn bei den Gästen liegen acht Spieler darnieder (Kahn, Ballack, Kuffour, Santa Cruz, Sagnol, Scholl, Rau, Zickler).

Der Trainer von Osnabrück nennt sich Pele und will gegen Bayern “alles, nur nicht mauern”. Den Schlager aus der Provinz gibts live im ZDF ab 20.30 Uhr.

Es riecht ein bisschen

Rrr am Dienstag, den 21. September 2004 um 7:12 Uhr

Ein Tor der Woche, des Monats, vielleicht des Jahres!” – Raphael Wickys Treffer in Kaiserslautern sorgte bei der ARD für höchste Verzückung.

Aus 27 Metern haute der Walliser den Ball ins Netz – mit einer Geschwindigkeit von 121 km/h. Der HSV verlor das Spiel trotzdem, dafür wurde Wickys verschwitztes Trikot bei E-Bay gestern abend für stolze 403 Franken verkauft.

Zum Vergleich: Für ein ungewaschenes Oli-Kahn-Trikot zahlt man zurzeit schlappe 78 Franken – und dabei “riecht es noch ein bisschen und ein paar Grasflecken und Schmutzflecken sind ebenfalls auf dem Trikot”, wie der Anbieter stolz vermerkt.

Camachos Abgang

Rrr am Montag, den 20. September 2004 um 13:51 Uhr

“Ich kann nicht mehr. Ich bin alleine. Das Team steht nicht mehr hinter mir”:

Mit diesen Worten verabschiedete sich José Antonio Camacho heute mittag als Trainer von Real Madrid. Provisorischer Übungsleiter der müden Supertruppe wird Assistenzcoach García Remón; langfristig bemüht man sich um Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson oder den Argentinier Carlos Bianchi.

Wie auch immer – Camacho, der Mann mit den stets feuchten Achselhöhlen, kann endlich das machen, was seine Ex-Schützlinge Beckham, Ronaldo & Co sowieso am liebsten tun – Werbung. Ein renommierter Anbieter von Körperpflegeprodukten hat bereits einen Entwurf im Köcher.

Serie zur Serie A (13). Die Mitspieler: Reggina

Dr. Eichenberger am Montag, den 20. September 2004 um 13:50 Uhr

Reggina heisst der Club aus Reggio Calabria, der Stadt mit hoher Maffiadichte am Stiefel mit Blick über die Meeresenge nach Messina (siehe Folge 5). Reggina verbrachte sein Dasein vorwiegend in der Serie B. Jetzt erwartet man immerhin schon zum dritten Mal in Folge die Grossen der Serie A im heimischen Stadio Oreste Granillo. Mit dem neuen Trainer Walter Mazzarri – er schaffte letzte Saison mit Livorno den Aufstieg – und 19 neuen Spielern vorwiegend von B-Klubs soll erneut der Klassenerhalt erreicht werden. Prominentester Neuzuzug ist das 22jährige Stümertalent Marco Borriello, eine Leihgabe von Milan. Er soll zusammen mit Davide Dionigi (neu von Napoli) die Tore schiessen. Die Nummer 10 trägt bei Reggina kein Grieche, sonder der Japaner Shunsuke Nakamura. Der Spieler mit dem schönsten Namen bei Reggina ist aber einer, der seit dem Jahr 2000 beim Südklub unter Vertrag ist: der Brasilianer Mozart. Prognose: harter Kampf gegen den Abstieg.


Neu auf der Reggina-Bank: Walter Mazzarri (links) soll es richten.

Herumstreunende Hunde

Rrr am Montag, den 20. September 2004 um 9:49 Uhr

Fussballgott Diego Maradona hat sich mit gewohnt analytischer Präzision zur Krise bei Real Madrid geäussert. “Das ist doch bloss eine Bande herumstreunender Hunde”, sagte er in einem Interview über das Star-Ensemble. Das Spiel in Leverkusen sei eine Schande gewesen.

“Die wussten gar nicht, wo sie überhaupt sind und was sie zu tun haben. Roberto Carlos war lächerlich, Beckham wartete vergeblich auf eine Eingebung, und alle anderen ersehnten nur den Schlusspfiff herbei. Das ist doch kein Fussball!”

Maradona fliegt heute nach Kuba und wird dort in der geschlossenen Psychiatrie einen weiteren Drogenentzug in Angriff nehmen.

De razendsnelle Johan

Dr. Eichenberger am Sonntag, den 19. September 2004 um 17:07 Uhr

Goed nieuws aus den Niederlanden: Johan Vonlanthen darf auch wieder einmal voetballen. Seine ersten neun Minuten Spielzeit gönnte ihm PSV Eindhovens Trainer am Samstagabend im fünften Meisterschaftsspiel, auswärts gegen NEC Nijmegen (Endstand 3:0 für PSV). Johan zeigte unbernische Qualitäten, war pfeilschnell, traf einmal den Pfosten und dann auch noch das Tor:


Danach durfte er mit voller Backe und geschwellter Brust für den örtlichen Elektronikkonzern werben:


A propos Johan. Auch Vonlanthens Namensvetter Vogel durfte wieder einmal mittun. Gemäss Matchbericht auf der PSV Homepage stand der (sonst seit Jahren legendär unauffällige und von den Journalisten mit Freuden gescholtene) Vogel zwanzig Minuten vor Spielende sogar am Schluss eines rasend schnell vorgetragenen PSV-Konters: «Met nog twintig minuten op de klok een razendsnelle counter van PSV. Vogel kon alleen op de Nijmeegse doelman afgaan…» Das Ende des Angriffs war so, wie wir es von Johan V. dem Älteren erwarten. Vogel ging auf den doelman (Goalie) zu – und scheiterte («…maar hij faalde in de afronding»). (Frans van der Vaart)

Ich muss leider draussen bleiben

Dr. Eichenberger am Sonntag, den 19. September 2004 um 10:17 Uhr


So hat sich Wayne Rooney seinen Wechsel zu ManU nicht vorgestellt …

Real im freien Fall

Rrr am Sonntag, den 19. September 2004 um 7:36 Uhr

Der spanische Rekordmeister Real Madrid ist weiterhin untergalaktisch unterwegs: Drei Tage nach dem Debakel von Leverkusen verlor das Team auch bei Espanyol Barcelona.

Unsere schöne Grafik zeigt nochmals die schönsten Momente des jüngsten Dramas: Goalie Casillas verletzt sich schon vor dem Spiel, sein Ersatz Cesar hält zwei Penaltys und verletzt sich anschliessend selber, Ronaldo verschiesst kläglich einen Penalty, die Abwehrspieler Samuel und Salgado werden vom Platz gestellt und Raul darf 90 Minuten nur zusehen.

Der doppelte Maksimovic

Rrr am Samstag, den 18. September 2004 um 0:21 Uhr

Der doppelte Maksimovic stiftet Verwirrung in der Journalistenszene. Die Zürcher Medien feierten beim 6:0-Cupsieg gegen Martigny diesen Mann hier:

Die Berner Presse sah es anders:

Ja was jetzt? Boban oder Srdjan? Sind es Zwillinge? Oder Klone? Eine knallharte Nachfrage bei YB-Pressechef Stefan Stauffiger hat folgenden Sachverhalt ergeben:

Srdjan Maksimovic ist ein 17-jähriger Serbe, der auf diese Saison von Roter Stern Belgrad kam, die Rückennummer 23 erhielt und noch nicht in der 1. Mannschaft eingesetzt wurde.

Der Mann der Stunde ist hingegen Boban Maksimovic, vor zwei Jahren U-17-Europameister mit der Schweiz, ein YB-Junior, Top-Talent, Nummer 25. Möglicherweise auch der neue Liebling der weiblichen YB-Fans unter 15.

Item, jetzt noch die Fotos: Links Boban, rechts Srdjan
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Serie zur Serie A (12). Die Mitspieler: Parma

Dr. Eichenberger am Freitag, den 17. September 2004 um 17:40 Uhr

Der AC Parma war einst ein stolzer Klub, spielte einen schönen Fussball und gewann einiges: 1992, 1999 und 2002 den Italienischen Cup, 1993 den Cup der Cupsieger, 1995 und 1999 den Uefa-Cup, kurz: Der Verein machte beste Propaganda für seine Stadt. Finanziell am Leben erhalten wurde Parma vom Nahrungsmittelgiganten Parmalat und der Familie Tanzi. Von Parmalat und den Tanzis war in den letzen Monaten vor allem auf den Wirtschaftsseiten der Gazzetten zu lesen: Das Loch, das der weitverzweigte Parmalat-Konzern aufweist, hat so viele Nullen, dass einem schwindlig wird. Der Fall der AC Parma weist viele Parallelen zum Niedergang von Lazio Rom auf. Und tatsächlich waren die Präsidenten der beiden Klubs eng miteinander verbandelt. Die Tanzis und Lazio-Besitzer Sergio Cragnotti waren in den 90er Jahren mit einem regen Spielertausch beschäftigt. Angefangen hat alles mit dem Transfer von Giuseppe Signori, den Cragnotti im Sommer 1995 für 25 Milliarden Lire an die Tanzis nach Parma verkaufen wollte. Der Handel scheiterte aber am heftigen Protest der Lazio-Fans. Stattgefunden haben die Wechsel von Juan Sebastian Veron und Nestor Sensi von Parma nach Lazio (1999), letzterer im Tausch mit Dino Baggio. 2000 wechselte der argentinische Stürmer Hernan Crespo von Parma zu Lazio. Sein Transferwert betrug damals 110 Milliarden Lire, in den Bilanzen von Tanzi erschienen aber nur 35 Milliarden, dafür erhielt Parma die Lazio-Spieler Almeyda und Sergio Conceicao. Bereits 1998 wechselte Diego Fuser von Lazio nach Parma, der Portugiese Fernando Coute spielte in beiden Vereinen. Die Transfers zwischen den beiden Vereinen resp. deren bankrott gegangenen Besitzerfirmen sind mittlerweilen Gegenstand von richterlichen Untersuchungen.
Zur Gegenwart: Ende Saison hat Parma zahlreiche Abgänge zu verkraften. Geblieben ist Alberto Gilardino, der Shootingstar der letzten Saison, mit 23 Toren zweitbester Torschütze der Serie A. Er verdient jetzt bei Parma 1 Million Euro pro Jahr. Trappatoni nahm den Jungstürmer im Juni trotz bestechender Form nicht mit zur EM nach Portugal – das Ergebnis ist bekannt. Einen Wechsel gab es auf der Trainerbank: Silvio Baldini, von Palermo mitten in der letzten Saison entlassen, ersetzt Cesare Prandelli, der bei der AS Roma für wenige Tage Fabio Capello ersetzte. In letzter Minute ging Parma noch ein grosser Fisch ins Netz: Massimo Maccarone kehrt nach zwei Jahren bei Middlesbrough nach Bella Italia zurück. Woher das Geld für Gehälter und Transfers kommt? Behhh! Prognose: Zukunft ungewiss.

Wave Of Glory

Rrr am Freitag, den 17. September 2004 um 8:02 Uhr

Zum Start des Schweizer Cups, jetzt Swisscom-Cup, teilt uns der Fussballverband mit, dass der alte verbeulte Pokal (links) endgültig ausgedient hat.

Das neue Teil (rechts) stammt von den voll krassen Luzerner Designern Hug & Dorfmüller design group und heisst nicht etwa “Pokal” oder “Cup” oder “Erwin” – nein, er heisst “Wave of Glory”. Der Fussballverband sagt, das symbolisiere den Aufbruch des Schweizer Fussballs. Das ist doch super! Der Wave of Glory passt doch auch super zur Super League!

Nebst dem Swisscom-Cup haben Hug & Dorfmüller design group übrigens auch noch folgende super Produkte designt: Die neue Männerpflegelinie «mens care» von der Migros, Relaunch der internationalen Hairstylingmarke «taft» und Corporate Communication für das Bundesamt für Kommunikation.

Versteckte Fouls (2)

Rrr am Donnerstag, den 16. September 2004 um 20:39 Uhr

Der böse Pinguin hat in unserer Leserschaft einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es ist tatsächlich unglaublich, das Foul blieb ungeahndet.

Unsere Freunde vom Fussball-Fanbedarf Vuichard/Allenbach machen uns darauf aufmerksam, dass dieser böse Pinguin leider kein Einzelfall ist. Er hat einen Bruder:

Hier! (mpg, 701 kb)