Falsches Chalet im Neufeld (2)

Dr. Eichenberger am Mittwoch, den 8. September 2004 um 1:00 Uhr


(ap)

Eine Handvoll DemonstrantInnen folgte gestern abend dem Aufruf der Schweizer Demokraten und versammelte sich um das falsche Chalet im Neufeldstadion. Sie protestierten gegen die Enttarnung des geheimen Gemeinderatsbunkers im eBund.ch und geisselten die Enthüller als «verantwortungslose Journalisten».

Insbesondere der Armee, die sich gegen die Enttarnungswelle von geheimen Bunkern kaum mehr zu wehren weiss, sprachen die Anwesenden ihre Solidarität aus. Einige wenige Gegendemonstranten mischten sich unter die Versammlung und schenkten ihr Herz der Pressefreiheit. Um 19.30 Uhr ertönte die Schweizer Nationalhymne, kurz darauf löste sich die Protestversammlung friedlich auf. (Bild: Keyston)

In Fahrt

Dr. Eichenberger am Dienstag, den 7. September 2004 um 17:52 Uhr


Wie gut der Ajax-Spieler Rafael van der Vaart  in Fahrt ist, meldet unser Holland-Korrespondent Frans van der Vaart aus Amsterdam. «Diesen Trick hat Hänzi oft probiert, aber nie hingekriegt…», weiss van der Vaart, der mit van der Vaart nicht verwandt ist. Danke Frans!

Serie zur Serie A (5). Die Neuen: Messina

Dr. Eichenberger am Dienstag, den 7. September 2004 um 16:00 Uhr

Messina ist für die Reisenden der erste Kontakt mit Sizilien, wenn sie mit der Fähre vom Festland auf die Insel fahren. Die meisten von ihnen reisen gleich weiter zu den Touristenorten Siracusa und Agrigento oder besuchen die Städte Palermo und Catania. Dass in Messina auch Fussball gespielt wird, ging 1965 vergessen, als der Club letztmals in der Serie A spielte. Nach mässigen Resultaten in der Serie B (14 und 16 Platz in den beiden letzten Jahren), profitierten die Gelb-Roten als Vierter von der Austockung der Serie A auf 20 Klubs. Einer der Protagonisten in Messina war letzte Saison Arturo Di Napoli (nicht zu verwechseln mit Patrick De Napoli), der 2003 von Palermo an die Ostküste wechselte und 19 Tore zum Aufsteig beitrug. Mit ihm und diversen Neueinkäufen soll unter dem bisherigen Trainer Bortolo Mutti der Klassenerhalt angestrebt werden. Von Partizan Belgrad kam der Stümer Ivica Iliev, und von Olympiakos Piräus (ein Grieche!) der Torhüter Dimitrios Eleftheropoulos (schreibe den Namen 10 mal fehlerfrei auf ein Blatt Papier!). Prognose: Abstiegsgefahr.

Gefeierter Held: Messina-Trainer Bortolo Mutti nach dem Aufstieg.

So spielt Deutschland

Rrr am Dienstag, den 7. September 2004 um 15:10 Uhr

Der TV-Tipp für morgen abend: Deutschland – Brasilien, 20.45 Uhr, ZDF. Deutschland spielt übrigens mit folgender Aufstellung:

(Quelle: Uni Leipzig)

Harry nicht in Basel

Dr. Eichenberger am Montag, den 6. September 2004 um 17:34 Uhr

Wie unser Sonderkorrespondent aus Basel meldete, wird Irland am Mittwoch auf seinen Topstürmer Roy Keane setzen (siehe unten). Ein Wermutstropfen aber bleibt im Irischen Whiskey hängen: Der gewürchtetste Ire (unser Bild) wird am Mittwoch leider fehlen: Harry Rowohlt schafft es nicht, die Reise nach Basel anzutreten. Er ist in einem Pub versumpft und muss ausgenüchtert werden. Rowohlt, 1996 zum «Ambassador of Irish Whiskey» ernannt, ist in jungen Jahren der berühmten Hamburger Verlegerfamilie vom Karren gefallen. Dank seiner Affinität zur Irischen Literatur und zu den hochprozentigen Irischen Gewässern, die er mit Vorliebe während einer Lesung Irischer Hörspiele trinkt, die in einem Irischen Pub spielen, wird Harry von den Iren längst als waschechter Ire betrachtet.

Keane in Basel

Rrr am Montag, den 6. September 2004 um 14:57 Uhr

Das freut uns jetzt natürlich: Irland kann am Mittwoch in Basel auf die Dienste von Roy Keane zählen: Sein Klub Manchester United hat ihn rechtzeitig fitgespritzt. Toll! Ein Spieler, den man immer wieder gerne sieht.

Seine besten Freunde sind übrigens der Norweger Alf Inge Haaland (Bild links, dank einem künstlichen Kniegelenk sollte er dereinst wieder schmerzfrei gehen können) und der Portugiese Vitor Baia (rechts, die Stollenabdrücke im Rücken lassen nach einem halben Jahr langsam nach).

Tja, und diese Rippe gehörte wohl einem Arsenal-Spieler.

Falsches Chalet im Neufeld!

Dr. Eichenberger am Montag, den 6. September 2004 um 7:35 Uhr

Exklusiv!! Allenthalben werden im Land geheime Regierungsbunker enttarnt und von mutigen Journalisten in den Medien veröffentlicht. Zu Hunderten sind heimliche Bunker in der ganzen Schweiz verteilt, getarnt als Wohnhäuser, Ställe oder Schuppen. Gebaut wurden sie ab 1941 bis zum Ende des Kalten Krieges im Geiste des «Réduits» im Auftrag der Schweizer Armee. «Falsche Chalets» heisst die Ausstellung des Fotografen Christian Schwager, die die getarnten Bunker dokumentiert. Die Armee kann die Enttarnungswelle nicht mehr stoppen. Vor wenigen Tagen musste das Militärgericht den Journalisten Urs Paul Engeler freisprechen, der einen geheimen Bunker des Berner Regierungsrates auffliegen liess.

Recherchen des eBund haben nun Brisantes zu Tage gefördert: Auch im Berner Stadion Neufeld befindet sich ein geheimer Bunker, vesteckt im Chalet neben der alten Holztribüne; er dient dem Berner Gemeinderat als Zufluchtsort. Im Chalet, wurde uns bisher weisgemacht, wohne der Platzwart mit seiner Familie. Doch der logiert nur zum Schein im Neufeld, seine Wohnung befindet sich im Gäbelbach, wie YB-Platzchef Bernard Beyeler widerwillig bestätigte.

Den Sitzplatzabonnenten im Neufeld ist seit längerem aufgefallen, dass die Gemeinderatsmitglieder Alex Tschäppät und Edith Olibet, die an fast jedem YB-Heimspiel gesichtet werden, ihre Plätze jeweils einige Minuten vor dem Pausenpfiff verlassen. Tschäppät gab auf Anfrage unumwunden zu, dass sich die beiden Magistraten jeweils zu einer kurzen Lagebesprechung in «ihrem» Bunker zu treffen pflegen. Dies dürfe man nach dem Engeler-Urteil ruhig zugeben, meinte der ehemalige Gerichtspräsident und zukünftige Stapi jovial. In welchem Jahr der Gemeinderat das Chalet zum Bunker umbauen liess, konnte noch nicht eruiert werden. Geheim bleicht auch, wie oft der Gemeinderat den Bunker für heimliche Sitzungen benutzt. Weder Tschäppät noch der städtische Pressedienst liessen sich in die Karten schauen. Auch Hans Häusler, alt-Pressesprecher und Spezi von Klaus Baumgartner, gab sich bedeckt. Nur eines gab der Freizeitkolumnist des Berner Bär zu Protokoll: «Ich bin froh, dass die Sache endlich ausgekommen ist. Die ewige Geheimnistuerei wurde für alle zu einer Riesenbelastung.» Noch ist die Sache nicht ausgestanden. Catherine Weber vom Grünen Bündnis will am Donnerstag im Stadtrat eine persönliche Erklärung abgeben. Ihre Partei wird die Einsetzung einer PUK beantragen.

Aufgeflogen: In diesem Chalet im Stadion Neufeld verbirgt sich der Gemeinderatsbunker.

Tumulte in Riga

Rrr am Montag, den 6. September 2004 um 1:42 Uhr

Da staunt der Portugiese: In Lettland sind die Flitzer weiblich! Das Zwischenspiel in Riga dauerte sieben (!) Minuten, das Publikum war begeistert. (Foto: “Jornal Record”)

Serie zur Serie A (4). Die Neuen: Livorno

Dr. Eichenberger am Sonntag, den 5. September 2004 um 21:19 Uhr

Livorno ist nicht gerade jener Name, der den Freunden des gepflegten Fussballs auf der Zunge vergeht. Schon eher ein Begriff ist das wenige Kilometer nördlich gelegene Pisa, dessen Mannschaft zu Zeiten, als Maradona bei Napoli mit dem Ball jonglierte, in der Serie A spielte. Der schiefe Turm zu Pisa wurde inzwischen mit viel Bauaufwand stabilisiert, nicht aber Pisa’s Fussballer: der Verein dümpelt in den Niederungen der C1 herum. Item, die Hafenstadt Livorno kann tourismusmässig mit Pisa zwar nicht mithalten, Livorno Calcio aber machte in den letzten Jahren eine fulminante Karriere, die an das Wunder von Castel di Sangro erinnert: die Squadra schaffte 2002 den Aufsteig von der C1 in die Serie B und jetzt, nach einem guten Jahr in der Serie B, den Sprung in die Serie A. Dabei behaupten die Statistiken, Livorno habe 1949 bereits einmal in der höchsten Liga gespielt. Am Aufstieg massgeblich beteiligt waren die Stümer Igor Protti (38) und Christiano Lucarelli (trägt die Nr. 99). Protti, trotz seines Vornahmens ein gebürtiger Riminianer, spielte bei Bari, Lazio und Napoli in der Serie A und schiesst seine Tore seit 1999 für Livorno. Der gebürtige Livorneser Lucarelli wurde letzte Saison von Torino an Livorno ausgeliehen und will seine Karriere in seiner Heimatstadt beenden. Die Bemühungen der Toskaner um ihren geliebten Sohn sind nachvollziehbar: Lucarelli und Protti waren letzte Saison zusammen für 53 Tore verantwortlich. Soviel brachten bei YB nicht einmal Chapuisat und der Brasilianer, dessen Name mir gerade entfallen ist, zustande. Prognose: Abstiegsgefahr.

Portugiesische Zustände: Livorno-Fans feiern den Aufstieg in die Serie A.

Das neue Sturmduo

Rrr am Sonntag, den 5. September 2004 um 10:39 Uhr

Deutschland, wir kommen! Nach dem 6:0 über die Färöer-Inseln ist bei der Schweizer Nati wieder alles in Butter.

Unser Funkbild aus Basel: Rey (links) umarmt nach dem 4:0 seinen Sturmpartner Vonlanthen (rechts). Der Pass kam übrigens von Benoit (halbrechts verdeckt).

Serie zur Serie A (3). Die Neuen: Fiorentina

Dr. Eichenberger am Sonntag, den 5. September 2004 um 8:29 Uhr

Wer über Fiorentina Bescheid wissen möchte, muss Wirtschaftsfachmann sein. Wie es der Verein geschafft hat, nach der Pleite, in die ihn sein Besitzer Vittorio Cecchi Gori geritten hat, schon wieder bei den Grossen mitzuspielen (Fiorentina gewann als 6. der Serie B das Ausscheidungsspiel gegen Perugia, den viertletzten der Serie A), ist höchst undurchsichtig. Cecchi Gori, Filmproduzent und Abgeordneter der Partito Popolare, kaufte den Verein 1990, stieg später in das Fernsehgeschäft ein und erwarb die Sender Telemontecarlo, Videomusic und TMC2. Er verstand sich, politisch und fussballmässig, stets als Gegenspieler seines Feindes Sivlio Berlusconi. Just diesem musste er 2001 aber den Lieblingsspieler der Fans, Rui Costa, verkaufen, eine Transaktion, die nicht mehr verhindern konnte, dass der Klub und Checci Goris Imperium bankrott gingen. Fiorentina wurde in die C2 degradiert und machte nach einer Neugründung unter dem Name Florentina Viola einen Neuanfang. Präsidiert wurde die Florentina Viola interimistisch von keinem geringerem als dem linken Sindaco von Firenze, Leonardo Domenici. Der unglückliche Checchi Gori brachte als Präsident immerhin manch illustren Spieler nach Florenz, daruner Batistuta (ihn kaufte er 1991, er blieb 9 Jahre in Florenz), Brian Laudrup, Effenberg, Toldo, Baiano, Baggio, Rui Costa, Heinrich, Edmundo, Oliveira, Torricelli, Mijatovic, Chiesa, Nuno Gomes. Und Angelo Di Livio: der frühere Juve- und 40fache Nati-Spieler kickt seit 1999 in Florenz, machte alle Tiefen des Vereins mit und ist zur Symbolfigur der Violetten geworden. Am direkten Aufstiegen von der C2 in die Serie A mitbeteiligt war auch der Stürmer Christian Riganò (23 Tore letztes Jahr in der Serie B), der sich nun mit 30 Jahren erstmals im Schaufenster der Serie A präsentieren darf. Verstärkt hat sich der Club, der sich heute ACF Fiorentina nennt, mit dem Japaner Nakata (von Bologna), dem Nigerianer Chris Obodo (von Perugia), dem Däne Martin Jorgensen (von Udinese), dem Internationalen Fabrizio Miccoli (von Juve) und dem ausgeliehenen Stürmer Javier Portillo (von Real Madrid). Neu in violett kleidet sich auch der Tscheche Tomas Ujfalusi, 26jähriger Mittelverteidiger vom HSV, der von sich behauptet, stärker zu sein als Nesta. Schnösel! Für all die Neuzuzüge waren im Verein plötzlich wieder über 17 Millionen Euro vorhanden. Ihren Griechen übrigens haben die Florentiner gekauft, als dies noch nicht so in Mode war: Zisis Vryzas kam 2003 von Perugia. Prognose: gesichertes Mittelfeld.

Spuckt grosse Töne: Tomas Ujfalus (links) neben Trainer Mondonico.

Serie zur Serie A (2). Die Neuen: Cagliari

Dr. Eichenberger am Samstag, den 4. September 2004 um 14:02 Uhr

Die blau/roten Tenus von Cagliari Calcio ähneln jenen des FC Barcelona oder des FC Basel. Aber auf Sardinien ist alles ganz anders. Cagliari pendelt regelmässig nicht nur zwischen der Insel und dem Festland, sondern zwischen der Serie A und der Serie B. Die glorreiche Vergangenheit liegt weit zurück: 1970 wurde Cagliari mit dem grossen Gigi Riva Meister, was die ganze Insel in Ekstase versetzte.


An Cagliari haben wir Schweizer besonders gute Erinnerungen. Vor unserem Auge sehen wir, als wäre es gestern gewesen, wie am 14. Oktober 1992 im Stadion Sant’Elio der italienische Torhüter Marchegiani in der 22. Minute beschloss, unseren Stürmer Chapuisat zu umdribbeln. Das ging bekanntlich schief und die Schweiz führte 0:2, nachdem Ohrel schon zum 0:1 getroffen hatte. Roberto Baggio (83.) und Eranio (90.) retteten Italien kurz vor Schluss vor der Blamage. Das Rückspiel gewann die Schweiz im Wankdorf 1:0 (Tor durch Hottiger) und fuhr mit Trainer Roy Hodgson an die WM in die USA. Im gleichen Stadion schnupperte der GC-Spieler Ramon Vega in der Saison 1996/97 während 14 Spielen für Cagliari Serie-A-Luft, bevor er sein Zelt in Tottenham aufbaute. Bref, das denkwürdige Stadion Sant’Elia im sonnigen Cagliari wurde gänzlich ohne schattenspendendes Dach gebaut. Dafür war im Verein lange Feuer unter selbigem. Die Frage, die die Fans nach dem Wiederaufstieg, auf den sie vier Jahre gewartet haben, in Rage brachte, lautete: bleibt Gianfranco Zola oder nicht? Gegen den 38jährigen, der seine ersten Bälle 1984 beim sardischen Verein Nuorese in der C2 trat, bevor er zu einer glanzvollen Karriere aufbrach (Napoli an der Seite von Maradona, Parma, Chelsea, ein Stammplatz in der Nationalmannschaft) und wesentlich am Aufsteig von Cagliari beteiligt war (13 Tore in der letzten Saison) – gegen ihn stellte sich der Präsident Massimo Cellino, der dem Spieler vorwarf, ein zu hohes Gehalt zu fordern und verkündete, er plane die neue Saison ohne Zola. Cagliaria in der Serie A ohne Zola: das war zuviel für die Fans: sie streikten bei der ersten Zusammenkunft der neuen Mannschaft. Die Entwarnung kam Ende Juli, als sich die Parteien doch noch auf einen neuen Vertrag einigen konnten. Für Aufsehen sorgte der Präsident schon kurz nach dem Wiederaufsteig, als er seinen neuen Trainer vorstellte: den unbekannten Daniele Arrigoni, letzte Saison beim Serie C-Klub Frosinone und zuvor je ein Jahr in Sizilien in der Serie B bei Messina und Palermo beschäftigt. Star bei Cagliari ist der Stürmer David Suazo, der 1999 auf die Insel kam – 19 Tore letzte Saison. Treffsicher zeigte sich auch Mauro Esposito: 17 Tore. Spuren hinterlassen hat bei Cagliari die EM in Portugal. Neu soll der Grieche Katergiannakis bei den Sarden das Tor hüten. Ihnen, den Griechen, werden wir in dieser Serie noch einige Male begegnen. Prognose: Abstiegsgefährdet.

Gianfranco Zola bleibt ein Sarde