Archiv für die Kategorie ‘Wohin man geht’

Frappanter Fahrplan

Herr Shearer am Donnerstag den 17. Juni 2021

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Lieber Dr. Rüdisühli,

ich weile seit letzter Woche in Baku und bin auch dabei, wenn die Nati nächsten Sonntag eine Reaktion auf das Debakel (das kann man doch schon so sagen, oder?) gegen die Türkei zeigen wird. Jetzt hat mich aber gerade mein Schwager angerufen, der ist irgendwie an zwei Tickets gekommen für den Achtelfinal am Sonntag darauf in Sevilla. Nach Baku gereist bin ich aus ökologischen Gründen per Autostopp, Fliegen kommt für micht nicht in Frage. Deshalb brauche ich dringend Ihre fachkundige Expertise – kann ich es schaffen, innert einer Woche mit dem öffentlichen Verkehr von Aserbeidschan nach Spanien zu reisen?

Um eine sehr rasche Antwort wird gebeten, K.G.“

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Aparte Karte

Rrr am Samstag den 5. Juni 2021

Nur noch sechsmal schlafen bis zur EM.

Wir verkürzen uns die Wartezeit mit dieser fantastischen Weltkarte, die ein computeraffiner Fussballfan in seiner Freizeit auf Google Maps erstellt hat. Sie dokumentiert die Geburtsorte sämtlicher Spieler, die für die EURO 2020 aufgeboten sind. Es handelt sich also um Basisinformationen, die für das richtige Verständnis der anstehenden Spiele unerlässlich ist.

Was, Sie sehen fast nichts?

Ach so, Sie müssen natürlich auf diesen Link drücken. Sehr gut, jetzt können Sie die Karte beinahe beliebig vergrössern und eingehend studieren.

Wir gehen davon aus, dass Sie alle Geburtsorte in spätestens drei Tagen auswendig können. Herr Rrr wird ab Dienstag ausgewählte Leser*innen daheim besuchen und das Wissen stichprobenartig abfragen.

Übungsblatt für Fortgeschrittene

In der Schweiz geboren wurde auch ein Spieler, der nicht für die Schweiz spielt, Wie heisst er und welche Farbe hat sein Trikot?

Eine Nation tritt mit Spielern an, die mehrheitlich im Ausland geboren sind. Welche Nation ist das?

Wie wieviele Kilometer müsste Haris Seferovic zurücklegen, wenn er von seinem Geburtsort nach Baku zu Fuss gehen möchte?

Wie war das Wetter gestern um 21 Uhr im Geburtsort von Boban Nikolov?

Klabus Klubhaus

Val der Ama am Freitag den 28. Mai 2021

Good News von guten Taten.

Cox’s Bazar liegt im Süden von Bangladesch, unmittelbar an der Grenze zu Myanmar. Die Stadt ist bekannt für ihre schönen Strände und das völlig überfüllte Flüchtlingscamp, welches sich über eine Fläche von mehr als 3000 Hektar erstreckt. In dieser Gegend leben fast eine Million Rohingya-Flüchtlinge – meist in Zelten oder Bambusbaracken.

Und dort will die niederländische Organisation Klabu (“Club” auf Suaheli) ein Sportzentrum errichten, wie sie es bereits in einem Flüchtlingscamp in Kenya gemacht hat. Konket werden dort Clubhäuser betrieben, welche Kleidung, Sportgeräte und Spiele verleihen. Die Container sind solarbetrieben, haben TV, Wlan und Platz zum Reden. Ein Safe Space.

Die Geschichte hat durchaus Aktualität, denn gestern verkündete Klabu, dass sie für das Projekt in Bangladesch zwei interessante Partner gefunden haben: Einerseits das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen und andererseits den französischen Fussballclub Paris Saint-Germain. Gut fürs Image, gut fürs Merchandising, aber halt trotzdem auch guter Zweck.

Stupende Strecke

Herr Shearer am Montag den 24. Mai 2021

Wie geht es eigentlich dem Fussballplatz, über den die Dampfbahn fährt?

Foto: TJ TATRAN ČIERNY BALOG

Bereits vor fünfeinhalb Jahren berichteten wir in unserem Fussballfachblog über die Spielstätte des TJ Tatran in der Slowakei; seither erreichen uns immer wieder Zuschriften, näher auf diesen fussballerischen und eisenbahntechnischen Spezialfall einzugehen, denn wo gibt es das schon, dass die Eisenbahn durchs Stadion fährt?

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Wiederum mit Publikum

Rrr am Dienstag den 18. Mai 2021

BREAKING NEWS: Jordan Siebatcheu unterschreibt bei YB bis 2024.

Neuer Trend: Fussball vor richtig vielen Zuschauern!

Zum Saisonende dürfen vielenorts wieder Tausende Fans in die Stadion strömen. Union Berlin etwa darf am kommenden Samstag 2000 Fans in der Alten Försterei begrüssen. In England dürfen die Stadien sogar wieder bis zu einem Viertel gefüllt werden. Den Cupfinal im Wembley sahen am Wochenende 21.000 Leute.

Das gibt einen Vorgeschmack auf die EURO in elf europäischen Städten. Überall werden Fans im Stadion sein, Budapest lässt sogar ein volles Stadion mit 61’000 Zuschauern zu. Anderswo liegt die geplante Auslastung tiefer, auch an den Schweizer Spielorten Rom (25 Prozent bzw 16’000 Fans) und Baku (50 Prozent / 31’000 Fans).

Die Bedingungen für den Stadion-Einlass sind unterschiedlich. Meistens brauchts einen negativen Test, ein Impfzertifikat oder den Nachweis einer überwundenen Corona-Infektion.

Überall gilt Maskenpflicht in und um das Stadion sowie ein 30-Minuten-Zeitfenster, um ins Stadion zu gelangen. Man sollte stets auf seinem Sitzplatz bleiben, auch in der Halbzeit. Zulässig ist höchstens eine Pinkelpause. Händeschütteln, Umarmungen, High Fives und “enger Kontakt zu anderen” sind tunlichst zu vermeiden, so die UEFA.

Nun wünschen wir Ihnen eine schöne Europameisterschaft.

Traktortourismus

Herr Noz am Mittwoch den 12. Mai 2021

Traktoren und Fussball: A match made in heaven.

Die Fans des niederländischen Zweitligisten De Graafschap (də ˈɣraːfsxɑp) aus dem beschaulichen Doetinchem (‘dʊtɪŋxʏm) haben sich offenkundig an eine legendäre Serie in diesem Fachblog erinnert, denn anlässlich des wichtigen Auswärtsspiels letzte Woche gegen die Ajax-Reserven ist der Mannschaftsbus von rund 150 vorfreudigen Traktoren eskortiert worden. Das Bildmaterial dazu liefert der lokale Twitterakont.

Es hat dann leider nur halbwegs genützt, aber immerhin resultierte in Amsterdam ein 1:1. 

Heute Abend entscheidet sich zuhause gegen Helmond, ob «De Superboeren» direkt in die Eredivisie aufsteigen dürfen oder doch noch in die Bauernbarrage müssen.

Dumm gelaufen (XXVII)

Rrr am Dienstag den 11. Mai 2021

BREAKING NEWS: Machtkampf beim FC Basel beendet – David Degen ist der neue starke Mann

Neu im Runden Leder: Der abgeschlossene Fotoroman.

Heute aus Uruguay.

In den Hauptrollen: Diego Polenta und Santiago Romero von Nacional Montevideo. Santiago Romeros Nase wurde später operativ gerichtet.

Akute Abstiegssorgen

Herr Maldini am Dienstag den 11. Mai 2021

Sie finden den Abstiegskampf in der Super League (das Original) spannend? Das ist Ihr gutes Recht!

Immerhin leiden mit Sion, Vaduz, St. Gallen und dem Spitzenclub aus Zürich noch vier Teams unter akuten Abstiegssorgen. In Tunesien aber ist das Rennen noch ein Birebitzeli enger. Vor dem letzten Spieltag präsentiert sich die Tabelle der Ligue 1 so:

Nicht mehr zu helfen ist JS Kairouan, wobei ein Klassenerhalt eine etwas gar grosse Belohnung wäre für die drei Unentschieden. Für die Vereine auf den Rängen 7-13 hingegen ist noch alles möglich. Schwierig wird es für Bizertin (spielt gegen Ben Guerdane), Métlaoui (es wartet Serienmeister Tunis), Olympique de Béjà (ESS heisst hier der Gegner) und Monastir (muss eine Lösung gegen Soliman finden).

Kairouan wiederum könnte noch Tataouine mit ins Verderben reissen, denn auch der Zweitletzte muss runter ins Championnat de Tunisie de football de deuxième division, wie eine Recherche dieses Mediums ergab.

Persistentes Punktesammeln

Herr Noz am Samstag den 8. Mai 2021

Das Championnat neigt sich seinem ersehnten Ende zu, und die Young Boys sammeln weiterhin fleissig Punkte.

Bild: Keystone

Der Charakter der Begegnung liess sich lange nicht bestimmen. YB bemühte sich, Basel hielt recht aufsässig dagegen. Die von mehrfachen Nickligkeiten geprägte Partie verlief phasenweise animiert, zuweilen fahrig, punktuell gar harzig.

Der Treffer von Fassnacht (71.) war nachgerade sinnbildlich für das bis zu diesem Zeitpunkt Gebotene: Irgendwie landete der Ball hinter Lindner im Tor, aber keiner im Stadion vermochte genau zu erklären wie. Dann aber schien der Knoten gelöst: Gleich im Anschluss erhöhte Martins nach einer sehenswerten Kombination das Skore auf 2:0 (72.). Dieser Spielstand blieb bis zuletzt bestehen.

Ihnen und Ihren Lieben ein schönes Wochenende.

Regionalfussball – Illyrische Impressionen (2)

Briger am Montag den 26. April 2021

Teil 2 unserer Serie über albanische Fussballplätze.

Heute besuchen wir zunächst das Air Albania Stadium (Arena Kombëtare) in Tirana. Das Stadion wurde offiziell mit dem Länderspiel Albanien gegen Frankreich im November 2019 eröffnet. Es fasst 22’000 Plätze und neben Spielen der Nationalmannschaft findet auch das Pokalfinale in diesem Stadion statt. Daneben sollen auch Konzerte stattfinden.

Unser Fotograf gelangte auf abenteurlichen Wegen, via TV-Kabel über das sich noch in Bau befindende Stadion ins Innere. Um dann festzustellen, dass der Haupteingang offen war. Geniessen Sie hier nun einige Impressionen.

Für unseren nächsten Platz reiste unser Reporter 100 km weiter in den Süden nach Fier. Der dortige KF Apolonia ist 2020 wieder in die Kategoria Superiore aufgestiegen. Nach der 0:1-Niederlage gegen Bylis Ballsh am Wochenende liegt Apolonia nun sieben Runden vor Schluss abgeschlagen am Tabellenende (14 Punkte Rückstand auf Rang 7 und 12 Punkte auf Rang 8 (Barrageplatz)). Der zukünftige Zweitligist spielt im Stadiumi Loni Papuçiu, welches 6’000 Plätze fasst.

  • So sieht es im Innern aus.

  • Der Rasen wird beleuchtet

  • Schweizer nach rechts

  • Die Farben könnten besser gewählt werden

  • Es war grad Training

  • Eine Tribüne, fast wie in Naters.

  • Das Wetter ist gut...

  • ...ideal, um danach noch ein bisschen auf dem Hometrainer zu schwitzen.

Frauenfreies Fernsehvergnügen

Val der Ama am Donnerstag den 15. April 2021

Kevin Grossenbacher ist vorsichtig geworden.

Wie Sie wahrscheinlich bemerken, habe ich auf Rat meiner WG-Kollegin einige Stellen geschwärzt. Lia-Cheyenne studiert im elften Semester vergleichende Kommunikationswissenschaften und weiss deshalb, dass autoritäre Regimes nur schlecht mit kritischer Berichterstattung umgehen können. Da ich als Blogger in der Öffentlichkeit stehe, ist es ein steter Spagat zwischen freier Meinungsäusserung und Angst vor Repressionen.

“Die gynophoben, radikalfundamentalisten Zensoren des staatsmanipulierten iranischen Fernsehens haben ihren bevormundeten Zuschauern eine schon fast absonderlich modifizierte Version des Spiels Tottenham vs Manchester Utd. gezeigt.

Die anachronistisch-lächerliche Methodik ist bekannt: Um den Fussballinteressierten die nackten Knie der Linienrichterin Sian Massey-Ellis nicht zumuten zu müssen, sind von den Eiferern um die hundert Spielszenen ausgeblendet worden . SMH. Ein misogynistischer Skandal sondergleichen.. Anstelle der Unparteiischen zeigte man gleichsam desinformationsexzessiv Bilder des Stadions oder der Umgebung. Eine ridiküle Farce.

Aus gut informierten Kanälen im Netz weiss Lia-Cheyenne: Menschrechtsorganisationen werden systematisch schikaniert und haben das Vorgehen des Staatsfernsehens heftig, aber wohl wieder wirkungslos kritisiert und werden nun wohl mit Sanktionen rechnen müssen.

PS. Die Originalversion meines Textes sende ich Ihnen gerne über Threema.

Flinker Friedensflitzer

Rrr am Samstag den 10. April 2021

Heute lernen Sie Olmo García Guerrero kennen.

Herr García demonstriert seit Jahren für den Weltfrieden und gegen den Klimawandel, und zwar nackt. Das tat der 37-Jährige schon auf Friedhöfen und in Kathedralen, auf den Skipisten der Sierra Nevada und an vielen anderen fotogenen Orten. Allein im vergangenen Jahr wurde er deswegen 15-mal festgenommen. Olmo Garcia lebt in Granada, weshalb ihn die spanische Presse “El hombre desnudo de Granada” nennt.

Vielleicht hätte man sich vor dem Europa-League-Viertelfinal gegen Manchester United fragen sollen, wo eigentlich der Nackte von Granada steckt. Nun, er steckte 14 Stunden lang unter einer dieser riesigen Planen, mit denen zurzeit in vielen Stadien leere Sitzreihen überdeckt werden. Morgens um 7 Uhr hatte er den Sicherheitsdienst des Stadions überlistet und es ins Innere des Estadio Nuevo Los Carmenes geschafft, wie spanische Medien berichten.

Abends um 21.05 Uhr hatte er seinen grossen Auftritt. In der sechsten Minute erzwang er einen kurzen Spielunterbruch, um für den Weltfrieden und gegen den Klimawandel zu demonstrieren.

Die Polizei nahm ihn umgehend in Gewahrsam. “Er war nackt und trug nicht einmal eine Maske”, konstatierte die Presse. Mittlerweile ist Olmo García Guerrero wieder auf freiem Fuss, und Sie werden sich ab heute bis zum Ende der Pandemie beim Anblick jeder Abdeckplane fragen, ob sich darunter eventuell der Nackte von Granada versteckt.