Archiv für die Kategorie ‘Wohin man geht’

Im müden Süden

Rrr am Montag den 17. Februar 2020

Unser Kolumnist, der Steckler Fräne, war wieder mal im Tessin.

“Ich habe ja die Frau am Samstag mit dem Vierlivier in die Makramee-Meditation im Verzascatal gefahren, und als ihr Kurs begann, da dachte ich, warum eigentlich mit ihr da im kalten Gästezimmer vom ehemaligen Kloster, da fahre ich doch lieber für einen Tag nach Lugano hinunter und mache mir ein gmüetlechs Wochenende mit dem Hene.

Der ist vor ein paar Jahren ausgewandert, also ins Tessin, gut, nicht ganz freiwillig, aber man konnte ja dann im abgekürzten Verfahren – der Staatsanwalt und er, die sind sich quasi einig geworden. Das sind heute die besten Freunde! Und jetzt macht er mit Versicherungen, dr Hene, Vollkasko für alles, Filiale in Agno, picobello, und item, er hatte schon etwas anderes los, aber Billette für Lugano-YB am Sonntag.

Glatte Sache, dachte ich, aber dann kam mir in den Sinn, dass die Makramee-Meditation der Frau, also die hat gesagt, 19 Uhr holst Du mich ab, und da war mir klar, Abpfiff 18 Uhr in Lugano, da kommst du nie in einer Stunde ins Verzascatal, weil vielleicht noch Wochenendverkehr und so. Der Hene ist dann alleine gegangen. Er heisst jetzt übrigens Enrico und hatte sicher huren Freude am Sieg der Luganer!

Jä nu, die anderen dürfen ja auch mal gewinnen, unsere sind sowieso ein bisschen erfolgsmüde. Lugano molto simpatico! Oder Luzern, die haben einen Lauf. Aber am liebsten schaue ich die St. Galler, die sind am Attraktivsten, also vom Spielen her, nicht vom Aussehen. He he! So also, dann wünsche ich Euch noch eine glatte Woche. Tschou zäme, Euer Fräne”

Starkes Signal

Val der Ama am Freitag den 14. Februar 2020

Refugees Welcome.

Fussball und Politik? Heikel. Sie kennen das Mantra: Sport hat mit Politik nichts zu tun und also besser Schnolze. Kaum ein Club will sich irgendwie oder -wo positionieren, weil potenziell könnte man so drum nämlich aktuelle oder künftige Sponsoren vertäuben. Die Berner Young Boys haben mit dem Regenbogenlogo unlängst einen schönen, wenn auch gar kurzen Schritt aus dem Schatten gewagt.

Der irische Erstliga-Verein Bohemian FC aus Dublin, der gibt sich dieser Tage richtig mutig. Der Club ist eine Kooperation mit Amnesty International eingegangen und neu steht auf dem Auswärtsshirt gross und deutlich “Refugees Welcome” und dazu das Symbol-Bild der flüchtenden Familie. Hinten am Kragen steht übrigens: “Love Football, Hate Racism”.

“Wir haben beschlossen, unser Trikot als Plattform anzubieten, um ein sehr reales und dringendes Thema im heutigen Irland hervorzuheben, nämlich die Direct Provision”, erklärt Vereinsboss Daniel Lambert. Die irischen Erstaufnahmeeinrichtungen (Direct Provison Centers) werden von Menschenrechtsorganisationen immer wieder der schlechten Lebensbedingungen und der langen Aufenthaltsdauer (im Schnitt 51 Monate) wegen kritisiert.

Und meinereiner hat eben einen zweiten Zweitclub gefunden.

 

Bahnbrechendes Bassin

Herr Maldini am Dienstag den 11. Februar 2020

Heute: Herr Hediger, Kultur und Geschichte in einem Beitrag.

Sie sehen den rekonvaleszenten Thuner Mittelfeldstar Dennis Hediger, wie er mit einem Teil seines Nachwuchses am Babyschwimmen im Kompetenz Wasser am Bollwerk in Bern teilnimmt.

Das Kompetenz Wasser folgte auf das Cinébad, das 2016 trotz genialem Konzept zur Überraschung sämtlicher Beobachterinnen und Beobachter schliessen musste.

Bis 2010 war in den Räumlichkeiten das Cinema Star mit der allseits beliebten Ciné-Bar zuhause. Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Zuvor hatte das Kino Cosmos geheissen. Dieses war 1997 auf das Actualis gefolgt, das Ihnen ebenfalls noch ein Begriff sein dürfte.

Billet bitte!

Herr Winfried am Mittwoch den 5. Februar 2020

BREAKING NEWS: Verletzungshexe aus dem Winterschlaf erwacht – Jordan Lotomba fällt mehrere Wochen aus

In Tunesien kann die Suche nach Fussball-Tickets zum Spiessrutenlauf werden.

Herr Aboubakar, Lehrer aus der Berner Länggasse, war neulich beim Spiel der afrikanischen CAF Champions League zwischen Espérance Tunis und Raja Casablanca.

Das ist Herr Aboubakar, wir haben ihn nach seiner Heimkehr getroffen.

“Ich wusste, dass das Spiel ausverkauft sein würde. Online waren noch einige Tickets verfügbar – die konnte ich aber nicht bestellen, weil meine Kreditkarte von den tunesischen Servern abgewiesen wurde. Also reiste ich halt ohne Eintrittskarte an. Irgendwo im Internet habe ich gelesen, es gebe vor Ort Guichets, um die letzten begehrten Karten zu ergattern.

Vor dem Stade Olympique de Menzah standen ganz viele Leute, also stand ich mal zu ihnen. Das dauerte eine Weile, dann fand ich heraus, dass die Menge nicht auf den Fussball, sondern auf Tickets für den afrikanischen Handball-Cupfinal warteten. Für mein Champions-League-Spiel fand ich keine offizielle Verkaufsstelle.

Nächster Halt: Hotel-Reception. Der Pförtner rief einen Freund an, der ans Spiel ging. Dieser Freund sagte, da müsse ich mein Glück wohl auf dem Schwarzmarkt versuchen. Gesagt, getan. Beim Stadion angekommen versuchte ich, einem Mittdreissiger sein Ticket (Wert: 20 Dinar) für 100 Dinar abzukaufen. Das sind umgerechnet etwa 35 Franken. Er lehnte ab, zu sehr freute er sich auf das Spiel. Aber Hilfe, die konnte er anbieten. Es gebe da nämlich Polizisten (ja, Polizisten!), die noch Tickets haben. “Warte hier kurz”, sagte er und nahm meine 100 Dinar. Einen Europäer abzocken Lektion 1 eigentlich, aber ich musste die 35 Stutz riskieren. Mein Hoffnungsträger steuerte einen Polizisten an und kam mit meinem Ticket zurück.

Anstatt die Karte digital zu entwerten, werden sie am Eingang zerrissen – oder eingesteckt, und draussen erneut verhökert. Auch mein Billet wanderte in eine Jackentasche und fand vermutlich einen weiteren Besitzer. Aber Hauptsache ich war drin.

Warum nur das halbe Stadion geöffnet war? Fragen Sie mich nur das nicht! Denn die zugänglichen Sektoren waren (logischerweise bei dem Eintrittsprozedere) hoffnungslos überfüllt. Das Spiel begann mit starken Choreos beider Fanlager, vereinzelten Pyros und viel Gesang. Am Ende stand es 2:2. Um zurück in die Stadt zu gelangen, wartete ich etwa eine halbe Stunde, bis ich mit viel Glück ein Taxi erhaschte. Denn öffentlichen Verkehr gibt es keinen.” (Bilder: Herr Aboubakar)

     

Ausserordentliche Auszeit

Val der Ama am Dienstag den 28. Januar 2020

Unser Berufsberater Bernhard Beyeler löst auch die schwierigsten Fälle.

“Liebe Leser, in den letzten 25 Jahren konnte ich unzähligen Menschen bei der beruflichen Neuorientierung helfen. Mein Motto: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang!

Heute wollen wir uns mit dem Sabbatical befassen und dies ganz konkret anhand eines Beispiels.  Der ehemalige kolumbianische Fussball-Nationalspieler Jhon Viáfara ist 41 Jahre alt. Er hat über 30 Länderspiele bestritten und war von 2006 bis 2008 für den FC Portsmouth und den FC Southampton aktiv. Und aktuell nimmt er sich eine Auszeit.

Zurzeit weilt er in den USA, wahrscheinlich in einem Gefängnis im Bundesstaat Texas. Dorthin ist er eben aus dem Heimatland ausgeliefert worden. Dem ehemaligen Mittelfeldspieler wird vorgeworfen, als Mitglied des berüchtigten Drogenkartells “Cal del Golfo” zweieinhalb Tonnen Kokain im Wert von 30 Millionen Franken in die Vereinigten Staaten geschmuggelt zu haben. Viáfara beteuert seine Unschuld.

Ob zwischen zwei Lebensphasen, vor einer neuen Ausbildung oder einem Positionswechsel: Mittlerweile erfreut sich das Konzept vom Sabbatical auch in der Schweiz an immer mehr Beliebtheit. Neben Angestellten des öffentlichen Dienstes entscheiden sich auch Arbeitnehmer der freien Wirtschaft dazu, ein Sabbatjahr einzulegen, um sich eine Pause zu gönnen. Dies funktioniert in der Regel, indem Arbeitnehmende durch Lohnverzicht, Überstunden oder ein Langzeitkonto vorab einen Freizeitanspruch aufbauen, der anschliessend im Sabbatjahr „abgefeiert“ wird.

Aber aufgepasst, es gibt ein paar Dinge zu beachten! Wenn Sie auch eine Auszeit planen, dann sollten Sie vorbereitend frühzeitig mit den Ämtern Kontakt aufnehmen, um administrative Fragen zu Steuern, Pensionskasse oder AHV zu klären. Weiter sollten Sie schon frühzeitig den Wiedereinstieg in die Berufswelt regeln. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie planen, nach Ihrem Sabbatjahr den Arbeitgeber zu wechseln und sich neu bewerben wollen. Erklären Sie am besten, wieso Sie die Auszeit gebraucht haben und welche Ziele Sie erreicht haben. Wenn Sie die paar Dinge beachten, kann ein Sabbatical eine sehr lohnende Erfahrung sein.”

(Bild: Agencia EFE/imago images)

Vorzeigbarer Vorteil

Herr Maldini am Dienstag den 21. Januar 2020

Unser Kolumnist Fräne Steckler war gestern an der SFL Award Night.

“Tschou zäme, hie isch wieder mau dr Fräne! Also, es ist ja so, dass der Schwager meiner Frau, der Sämi aus Wolhusen, er arbeitet aber in Emmen, die produzieren dort irgendeinen Seifenspender für die Stadiontoiletten, und deshalb hatte Sämi ein Ticket zu viel für diesen Anlass da gestern. Dort parlierte ich dann auch noch ein wenig mit Tanner Hebu von der Toyota-Garage, aber das ist ein anderes Thema.

Item, dieser Anlass da gestern Abend war recht unterhaltsam, der Höhepunkt war zweifellos das Stehapéro am Anfang, auch wenn dieses “Suschi” oder wie es heisst, diese Häppchen da aus China – Sie kennen sie sicher – nirgends hinreichten. Zum Glück hatte ich noch ein Sandwich von Margrit in der linken Tschopeninnentasche.

Später dann wurden noch irgendwelche Preise vergeben, das interessierte mich weniger. Bevor ich ins Bett ging hat mir Pescheli, unser Lehrling, noch eine Nachricht geschrieben. Er ärgerte sich, dass im Team des Jahres Omlin vom FCB im Tor steht und nicht der von den YB.

Ich habe mir dann ein paar Gedanken gemacht – das ist jetzt also sicher dieser Basel-Bonus, über den Tanner Hebu immer lamentiert. Überlegt euch das mal selber.

 

Und, was meint Ihr? Tschou zäme, öie Fräne.”

Flotter Fünfer

Rrr am Sonntag den 5. Januar 2020

Immer noch Winterpause! Zum Glück gibts Kino.

Das Kino Rex in Bern begleitet das Theaterprojekt FIFA mit fünf Fussifilmen. Den Auftakt macht morgen Abend der Klassiker United Passions. Sepp Blatter liess für 30 Millionen Franken die Geschichte der FIFA verfilmen.

Ältere Leser erinnern sich: Der Film lief schon einmal in der Schweiz, Anfang 2018, ebenfalls im Rex. Die zahlreich erschienenen Rundeslederleser äusserten sich damals durchgehend begeistert bis irritiert, teils auch konsterniert, mitunter deprimiert und auch enthusiastisch.

RL-Leser Herr Alleswisser hatte alle Gefühle gleichzeitig: “… ich war entsetzt, dass im WM Final von 1950 der Uru-Goalie doch tatsächlich kurzarm spielt!! Was für eine postfaktische Fake-News-Darstellung. Obwohl die später im Film gezeigten Citroën DS und SM, Jaguar MK ll und Renault Alpine cinematische Höhepunkte waren, fand ich dann begreiflicherweise keinen vertieften Zugang mehr zu diesem FIFA-Meisterwerk.”

Item. Wer “United Passions” noch nicht gesehen hat: Morgen um 20.15 Uhr bietet sich die vielleicht letzte Chance! Die Einführung in die Materie erfolgt übrigens durch den beliebten RL-Chefredakteur Herr Rrr.

Weitere Highlights in der Rex-Serie: die Groteske Diamantino (Dienstag 14), die Hommage an Weltfussballer Zidane (Donnerstag 23), das Porträt eines Ersatzspielers (Substitute, 28) und als Reprise Diego Maradona (Freitag 17).

Ruandische Rauchtöpfe

Herr Winfried am Mittwoch den 25. Dezember 2019

Am heutigen Weihnachtstag unternehmen wir wieder einmal einen Ausflug in die Ferne.

Es ist der «Classique» Ruandas. Wenn in der Hauptstadt Kigali der APR FC (Armée Patriotique Rwandaise Football Club) und Rayon Sports aufeinander treffen, dann steht das Land still. Schon Stunden vor dem Spiel sind Kigalis Strassen verstopft, man kommt kaum mehr vorwärts. Am vergangenen Samstag war es wieder so weit. Und auch sportlich präsentierte sich die Ausgangslage brisant: Erster (APR) gegen Zweiter (Rayon Sports).

Das Stade Régional de Nyamirambo, eigentlich die Heimstätte des APR FC, war der Liga offenbar zu klein. Das Derby fand wegen des grossen Andrangs im Nationalstadion Amahoro statt. Kapazität laut Wikipedia: 15’000 bis 30’000 Plätze.

Per Zufall konnte die vor Ort tätige Schweizer Ärztin Frau Dr. Squirrel Eintrittskarten für das Spiel der Spiele ergattern. Im Gespräch mit der RL-Redaktion berichtet sie von dem berauschenden Erlebnis.

«Die Tickets hatten wir über einen Gartenzaun gekauft. Für umgerechnet 11 Franken durften wir auf den VIP-Plätzen sitzen. VIP bedeutet hier schlicht, dass die Sitzplätze überdacht sind. Verpflegung gab es quasi keine. Aus der Ferne beobachteten wir einen Mann, der Bier und Wasser verkaufte. Aber es wäre uns niemals möglich gewesen, bis zu ihm zu gelangen. Zu viele Leute! Also assen und tranken wir halt nichts. Wir waren übrigens fast die einzigen Frauen im Stadion. Das Verhältnis Männer-Frauen war wohl bei 50:1.»

Und jetzt zum Spiel. Wie war es denn?

«Ich bin ja keine Sportjournalistin, aber das Spiel war hervorragend. Zuerst kamen die Pässe und Flanken nicht an, dann wurde es immer besser. APR führte zur Pause 1:0, in der zweiten Halbzeit erzielten sie zuerst einen Abseitstreffer, ehe sie regulär auf 2:0 erhöhten. Trotz einer Roten Karte schien mir APR klar überlegen. Nach dem Spiel stürmten ganz viele Menschen das Spielfeld.»

Pyros gab es auch. Das schien aber niemanden zu stören. Sehen Sie unten selbst!

Foto und Video: Frau Dr. Squirrel

Anderswo kriegt man dafür Rayonverbot.

Mehr Bildmaterial entnehmen Sie gerne der Berichterstattung unserer Kollegen von Kigali Today.

Fies-fröhliches Phrasenfestival

Rrr am Freitag den 20. Dezember 2019

Winterpause – die ideale Zeit für einen Theaterbesuch!

In Bern läuft seit gestern FIFA – Glaube, Liebe, Korruption. Und, wie ists? Herr Rrr hat das Angebot für Sie ausgetestet.

Anreise. Die Vidmar-Hallen erreichen Sie bequem mit dem 10er oder 17er (einfach aussteigen, wenn die urban aussehenden Passagiere den Bus verlassen. Die anderen sind Könizer auf dem Nachhauseweg.) Die Vidmar-Hallen liegen gleich vorne links, also einfach um die Ecke, dann rechts, wobei – ach, folgen Sie einfach den anderen Ausgestiegenen.

Verpflegung. Das Premiere Bier stammt von der Brauerei Felsenau und kostet 5.- (33 cl). Für denselben Preis kriegt man auch ein Amber Bier. Achtung: Würste muss man selber mitnehmen, vor Ort gibt es keine!

Einlass. Pyro im Theater – ein Tabu? Keine Ahnung. Jedenfalls gibts beim Eingang keinerlei Körpervisitationen. Securitymässig läuft alles recht chillig ab, im Vergleich zum Wankdorf. Apropos Wankdorf, schöne Überraschung beim Eingang.

Das Stück. 2×60 Minuten, dazwischen Pause. Gespielt wird auf Kunstrasen minderer Qualität (nix YB), rund herum sitzt Publikum. Das Heimteam nimmt sofort das Heft in die Hand und geht dorthin wo es weh tut. Zu den Höhepunkten der ersten Halbzeit gehört eine Sepp-Blatter-Phrasencollage, die wortgetreue Wiedergabe von Teilen von Herbert Zimmermanns WM-Final-Reportage 1954 und eine sehr schöne Hommage an den höchsten Berner Feiertag (28. April). Alles sehr erfreulich, besonders wenn man bedenkt, was für teils obskure Berater den Machern des Stücks zur Seite standen.

Nach der Pause geht die Leichtigkeit des Stücks ein bisschen verloren. Sehr schön zwar die Hommage an den CR7-Penalty im CL-Final 2016 und die Bubenträume eines kleinen Bosniers aus Zagorice, aber dazu kommen mehrere gut abgehangene Korruptionsstorys von Horst Dassler bis Gianni Infantino, juristisch wasserdicht aufbereitet, aber eher schwerfällig serviert.

Die Bilanz. “Mir persönlich fehlte ein Flitzer”, sagt Herr Rrr. “Aber sonst kamen eigentlich sämtliche Aspekte des modernen Profifussballs irgendwie vor.” Wir können Ihnen den Besuch dieses kurzweiligen und lehrreichen Stücks bedenkenlos empfehlen. Genau genommen: Sie müssen da unbedingt hin!

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

  • Foto: Janosch Abel

Orient ohne Tore

Herr Winfried am Mittwoch den 18. Dezember 2019

Auf Besuch bei den «O’s» im Osten Londons.

Unweit des Olympiastadions liegt das Matchroom Stadium, hübsch eingebettet ins Quartier Leyton. Dort, an der Brisbane Road, ist der famose Leyton Orient FC zuhause. Die «O’s» spielen in der Football League Two, der vierthöchsten Spielklasse. Höher war man in der Vereinsgeschichte nur einmal, zwischen 2006 und 2009 klassiert. Da spielte Orient drittklassig.

Gegner an diesem hübschen Tag war Bradford City. Die Gäste brachten als Kaderberühmtheit den früheren englischen U21-Nationalspieler James Vaughan mit. Vaughan wusste im Spiel weniger durch offensive Power als mit passabler Provokationslust zu glänzen. Nach einer Rangelei kriegte der Stürmer die 7. Gelbe Karte der Saison gezeigt. Auf der Heimtribüne wurde er deswegen als «Affe» beschimpft. Mein Sitznachbar Herr Collins meinte, das habe nicht zwingend mit der Hautfarbe zu tun. In London würden Leute aus dem Norden Englands gern als «Northern Monkey» beschimpft.

Kommen wir zu den relevanten Fakten dieser Begegnung. Das Halbzeitmenü sah Folgendes vor:

  • Traditionelles Pale Ale im Plastikbecher, 4.40£. Für Stadionbier-in-Grossbritannien-Verhältnisse eine sehr genehme, allerdings überteuerte Flüssigkost
  • Traditionelle Steak Pie mit Mashed Potatoes an Kräuterschleimsauce, 4.50£. Nicht übel, ausser die Sauce.

Die zweite Halbzeit war ähnlich spektakulär wie die erste. Leyton Orient verpasste in der Schlussphase mehrfach den Siegestreffer. Winfrieds Wettkonto hätte sich über ein Törchen gefreut. Weil sich Bradfords Krieger aber in jeden Schuss warfen und Orients Haudegen das Eckige nicht treffen mochten, endete die Begegnung vor gut 6’000 Zuschauenden 0:0. Die Londoner bleiben vorerst in den unteren Tabellenregionen.

Kunst auf Kunstrasen

Rrr am Samstag den 14. Dezember 2019

Der WM-Pokal kommt nach Bern!

Eine Frau macht sich auf ihm breit, eventuell eine Schwedin? Von den Hosen her. Andererseits St. Galler Stutzen. Nein, wahrscheinlich Werder Bremen.

Hinter der Bremer Schwedin aus St. Gallen hat sich eine fleischgewordene Litfasssäule aufgebaut. Vorne liegt ein Typ in Veston und Kickerhose. Das runde Leder ist aus Plastik, gelbschwarz, auf dem Kunstrasen liegen ein paar Nötli.

Es ist alles recht seltsam, aber Moment, es ist Kultur! Konzert Theater Bern zeigt ab dem 19. Dezember “FIFA – Glaube, Liebe, Korruption”. Ein Projekt von Regisseur Christoph Frick, der “mit seinem spielfreudigen Ensemble den Versuch unternimmt, die FIFA, diesen Giganten des globalen Geschäfts, auszuhebeln”. So steht es jedenfalls im Pressetext. Tiki taka, ding dang dong!

“FIFA – Glaube, Liebe, Korruption” läuft bis Ende Mai in den Vidmarhallen, Tickets können Sie im Internet bestellen. Eine Besprechung des Stücks finden Sie nächsten Samstag im Fachforum Ihres Herzens.

Rahmenprogramm im Kino Rex. Das Kino an der Schwanengasse begleitet das FIFA-Theaterprojekt im Januar mit einer Auswahl an Fussballfilmen: United Passions, mit einer Einführung von Herr Rrr (Fussballblog Zum Runden Leder), Diamantino, Diego Maradona, Zidane – un portrait du 21e siècle & Substitute.

Wind, Winfried und Weihnachtsmarkt

Rrr am Dienstag den 10. Dezember 2019

Rangers-YB, nur noch zweimal schlafen!

Was bisher geschah: Jungreporter Winfried landete am Sonntag sicher in Edinburgh, ging kurz Zigaretten holen und tauchte erst heute vormittag wieder auf.

Wahnsinn, was er schon alles erlebt hat! “Es hat enorm viele Schotten hier”, berichtete er uns heute am Telefon. “Edinburgh ist toll. Und auch windig. Ich habe jetzt andere Hosen an als vorher.” Vielen Dank für die Information, Herr Winfried. Gut, dass Sie vor dem RL-Praktikum die Journalistenschule in Luzern besucht haben.

Der zweite RL-Sonderkorrespondent, Herr Shearer, hat derweil Newcastle erreicht (mit dem Zug nach Amsterdam, mit dem Velo ans Meer, mit dem Schiff nach England, Sie erinnern sich). Dort besuchte er heute den Weihnachtsmarkt. “Als am Stand mit dem Selbstgebastelten eines örtlichen Behindertenheims WHAM! aus dem Kleinlautsprecher schepperten, musste ich spontan weinen. Last Christmas, I gave you my heart, schöner kann man es nicht sagen. Geschichten, wie Sie nur Weihnachten schreiben kann!”

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