Archiv für die Kategorie ‘Weisheiten’

Schweizer vor Ausländern

Harvest am Mittwoch den 18. Januar 2017

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerNach den Festtagen lag ich vollgefressen und träge auf dem Sofa und liess meine Gedanken schweifen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die ersten Plätze der Super League alle von Schweizer Clubs belegt sind. Kann es sein, dass Schweizer einfach besser sind als Ausländer? Die Daten lassen keine Zweifel zu, wie Sie der folgenden Tabelle entnehmen können.

Schweizer sind besser als Ausländer. Doch wieso ist das so? Ich wollte mit Spezialisten darüber sprechen und habe mich mit Politikern aus verschiedenen Lagern unterhalten. Wobei, unterhalten habe ich mich eigentlich nur mit einem anonym bleiben wollenden Exponenten der grössten Volkspartei, der Rest hat mich mit Schimpf und Schande zum Teufel gejagt und einen Rassisten genannt. Von diesem Exponenten allerdings erhielt ich eine konstruktive Erklärung:
„Die Schweizer sind rechtschaffen, schon als Kind lernen sie, sich durchzubeissen und auf eigenen Beinen zu stehen. Schweizer hängen am Abend nicht am Bahnhof rum und trinken Bier, sie glotzen nicht jeder Frau nach und machen primitive Sprüche. Schweizer wissen, was es braucht, um sein Leben selber zu meistern und nicht den Staat dafür zahlen zu lassen. Schweizer übernehmen Verantwortung für ihr Leben und wissen, wie sie ihre Ziele erreichen können.“

Bauernsohn bei Bayern

Rrr am Samstag den 24. Dezember 2016

Natürlich kann er Kühe melken.

Das macht Carlo Ancelotti heute im Interview mit der Süddeutschen deutlich. Der Bayern-Trainer äussert nicht nur über seine Kindheit als Bauernsohn in Norditalien, sondern auch über …

… die Bedeutung des Fussballs: “Liedholm (Ancelottis Trainer in Rom) vertrat die Auffassung, dass Fussball von allen unwichtigen Dingen die wichtigste sei. Und ich glaube, er hatte recht. Der Fussball mag viele Menschen beschäftigen, aber er bleibt am Ende doch ein Spiel. Manchmal nimmt man den Fussball zu wichtig, als ginge es um Leben und Tod, als wäre so ein Spiel wie eine Schlacht. Das finde ich übertrieben.”

… der moderne Fussball: “Für mich ist das Hauptmerkmal des modernen Fussballs, dass vor allem sehr viel gespielt wird. Es gibt schlicht zu viele Spiele. Und ich glaube, dass es mit dem Wachstum noch eine ganze Weile weitergehen wird. Aber die wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigen schon jetzt die Qualität, weil wir eben immer öfter auf den Platz müssen. Da besteht mittelfristig das Risiko, dass bei sinkender Qualität auch das Interesse nachlässt. Der Fussball könnte sich sozusagen selber fressen. Er wird zu sehr ausgepresst. Weniger Spiele, mehr Qualität, da müssen wir hin.”

… Smartphones: “Durch die sozialen Medien ist die Arbeit für einen Trainer schwierig geworden. Es gibt da dieses Phänomen, das ich ,die Einsamkeit des Smartphones’ nenne. Die Spieler isolieren sich damit. Deshalb vermeide ich inzwischen längere Trainingslager oder Klausur-Einheiten. Wenn die Spieler zu Hause sind, müssen sie mit ihren Frauen und Kindern reden. In Klausur hängen manche drei Stunden am Bildschirm. Als ich noch Fußballer war, gab es im Trainingslager den intensivsten Austausch. Wir spielten Karten, Tischfußball, Tischtennis, vor allem redeten wir miteinander. Jetzt wird fast nur noch beim gemeinsamen Essen geredet.”

… seine Ex-Spieler Ibrahimovic und CR7: “Es gibt den Ibrahimovic und den Ronaldo auf dem Platz, und dann gibt es diese Männer als Personen. Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun. Seitdem Fernsehkameras jede Bewegung, jedes Mienenspiel auf dem Platz einfangen, sind Fussballer in der Tat wie Schauspieler.

Haltlose Unterstellungen

Rrr am Montag den 7. November 2016

Wirrkopf Walter analysiert das Wochenende.

walter“Die Bombe platzte gestern kurz vor dem Anpfiff: Tomislav P., der Abwehrchef eines bekannten Schweizer Super-League-Klubs, wurde aus “disziplinarischen Gründen” auf die Tribüne verbannt (SRF2 berichtete).

Da fragt man sich natürlich spontan: Was genau für disziplinarische Gründe? Der betroffene Verein wollte dazu nichts sagen. Und hat damit hundertprozentig richtig gehandelt.

777Freunde, ich sage es immer wieder: In Krisensituationen ist bei der Kommunikation grösste Vorsicht geboten. Nur allzu rasch schiessen Gerüchte ins Kraut, die niemand hören will: Ging es um nächtliche Alkoholexzesse, geilen Gruppensex, kranken Sektenwahn? Ist der Hintergrund das berüchtigte Rotlicht-Milieu, waren Drogen im Spiel, ist der Fall vielleicht sogar nur die Spitze des Eisbergs? Das sind natürlich alles völlig haltlose Unterstellungen, auch mit Waffenschiebereien und Menschenhandel hat das garantiert nichts zu tun, aber schaffen Sie das aus der Welt, wenn es erst einmal im Internet steht.

Deshalb, völlig richtig: Keine näheren Angaben, sagte sich der FC Luzern, wir schreiben “disziplinarische Gründe” aufs Matchblatt, das muss reichen. Wahrscheinlich hatte Herr Puljic am Freitag einfach Kopfweh und kam deshalb zu spät ins Training, aber das muss man ja nicht gleich an die grosse Glocke hängen. Na egal, ich gehe jetzt wieder Kormorane jagen, im Fischerhäuschen eine Seventies-Disco im pinky Netzshirt feiern in der Restwassermenge von Mühleberg Dynamitfischen.

Töff-Toms Tipps

Herr Maldini am Freitag den 28. Oktober 2016

Den heutigen Beitrag beginnen wir mit Werbung.

Das war Töff-Tom. Töff-Tom setzt nur auf das beste Equipment. Leider nimmt es Töff-Toms Sponsor, ein Wettanbieter, nicht immer so genau. Obiger Werbespot gib es im Free-TV zu sehen, oder eben im Internet. Ist Ihnen etwas aufgefallen?

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Messi und Hund

Herr Maldini am Freitag den 23. September 2016

Wir starten tierisch in den Tag.

Erinnern Sie sich an Turner & Hooch mit Tom Hanks? Ich auch nicht. Wohl aber kennen Sie noch den einen Hauptdarsteller: Hooch, die Dogge!

Die Bordeauxdogge ist eine französische Hunderasse und gehört zu den ältesten Frankreichs. Sie wird auf die Saupacker (sogenannte Sauhunde) des 14. Jahrhunderts zurückgeführt, die damals zur Jagd auf Wildschweine dienten. Die Dogge kann bis zu 70 cm gross werden und das männliche Exemplar über 50 Kilogramm schwer. Heute ist sie nicht mehr Jagdhund, sondern Wachhund, Schutzhund und Familienhund. Genau deshalb bekam Lionel Messi von seiner Freundin Antonella Roccuzzo ein solches Schnüggeli geschenkt:

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Trinken mit Onkel Sepp

Rrr am Dienstag den 9. August 2016

Blatters süsse Rache: Product Placement für Kronenbourg.

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Jahrelang war Sepp Blatter eng mit dem Bierkonzern Anheuser-Busch verbandelt. Die US-Brauer sponserten die FIFA-Weltmeisterschaften mit Millionen. Blatter und Budweiser, das passte zusammen wie Yin und Jang.

Tempi passati! Beim Hausbesuch des ZDF lüftete der gefallene FIFA-Präsident das Geheimnis: Er trinkt gar kein Budweiser, bei ihm steht Kronenbourg aus Frankreich im Kühlschrank. “Ich trinke es zusammen mit Sprite”, sagte Blatter im Interview mit Dunja Hayali.

99Darf Sepp das? Wir konnten kurz mit dem Bierbeauftragten des Runden Leders sprechen, Herrn Natischer. Dieser nimmt wie folgt Stellung:

“Kronenbourg trinkt der Bierkenner wirklich erst nach Monaten in der Wüste, respektive vielleicht noch nach einem YB-Heimspiel. Sprite ins K’bourg ist ok: Sprite ist selber sehr anspruchslos. Aber wer Panaché trinkt, mag eigentlich kein Bier. Ich empfehle Onkel Sepp deshalb eine Limonade.”

Übrigens, wenn wir schon bei Hopfen und Malz sind: Auch Bierliebhaber können Spitzensport treiben, wie britische Medien berichten.

Vergessener Brauch

Rrr am Sonntag den 7. August 2016

Torjubel mit Botschaft auf dem Unterhemd.

33Das war bis 2014 weit verbreitet. Dann verschärfte die FIFA den Strafrahmen. Heute ist der Brauch praktisch verschwunden.

22Schade eigentlich, fanden Craig Oldham und Rick Banks. Die beiden Typodesigner haben den torjubelnden Unterhemden ein wunderschönes Buch gewidmet, “I Belong To Jesus”. Die Worte, die der tiefgläubige Kaká einst zur Schau trug.

Viele Geschichten werden erzählt, auch die von Balotelli (“Why always me?”). Von Wayne Rooney (“Once a Blue, Always a Blue”, kurz darauf wechselte er von Everton zu ManUtd) und von Doncasters Stürmer Billy Sharp: “That’s for you son”, einen Gruss an den Sohn, der zwei Tage nach der Geburt gestorben war.

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Die meisten Sünder sahen Gelb. Auch Haris Seferovic von Eintracht Frankfurt. Er gedachte der Studentin Tugce Albayra, die wegen ihres Muts sterben musste. Anthony Ujah widmete als Köln-Spieler ein Tor dem asthmakranken Afroamerikaner Eric Garner, der bei seiner Festnahme von Polizisten zu Tode gewürgt wurde. “Cant’t breathe”, rief er verzweifelt, das schrieb Ujah auf sein Unterhemd. Lionel Messi gratulierte seiner Mutter zum Geburtstag.

Die betexteten Unterhemden sind Geschichte, der Trend geht hin zum Tattoo. Botschaften sind manchmal auch dabei, leider nicht auf die Schnelle erkenntlich. Aber egal: Schöne Videos und den Link zum Buch “I Belong To Jesus” gibt es im Internet.

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23 Versager

Rrr am Samstag den 16. Juli 2016

Weinen wegen Fussball? Nein danke, sagt Vicente del Bosque.

Del Bosque als spanischer Nationaltrainer und als Spieler von Real Madrid.Im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” von heute Samstag blickt del Bosque zurück auf seine acht Jahre als spanischer Nationaltrainer. Spanien wurde mit ihm Weltmeister 2010 und Europameister 2012. Vor zwei Jahren gabs das Vorrunden-Aus an der WM. An die EM 2016 erinnert er sich so:

“Nach den ersten beiden Spielen gegen Tschechien und die Türkei hatten wir das Gefühl, viele Herzen zurückerobert zu haben. Ich weiss noch, wie ich nach dem Türkei-Spiel ein Radioprogramm hörte, das der Nationalelf meist sehr kritisch gegenüberstand. Sogar da hiess es: Wir haben die beste Nationalelf, wir werden die EM gewinnen, es gibt kein Team, das besser ist als wir. Als wir dann gegen Kroatien in letzter Minute verloren, wechselte alles wieder ins Negative. Dieser Extremismus! Entweder musst du das klebrigste Lob ertragen, oder das totale Gegenteil. Wie sehr ich mir wünschen würde, dass die Menschen die Dinge sportlich nehmen würden.”

Siege und Niederlagen müsste man einfach nur akzeptieren, findet del Bosque.”Was an Unsportlichkeit von bestimmten Medien vermittelt wird, ist schlimm für die jungen Leute. Die Medien glauben, dass nur der Sieg zählt. Vor der EM sagte jemand im Radio, wir hätten die Pflicht, zu siegen. Die Pflicht! Wir haben die Pflicht, alles zu tun, um zu siegen. Aber doch nicht die Pflicht, zu siegen! Oder neulich wieder, da hörte ich im Radio Bewunderung für die Italiener: ,Mit welchem Patriotismus sie auf die Niederlage reagiert haben! Wie viele Tränen sie vergossen haben!'”

Auch den spanischen Spielern habe es wehgetan zu verlieren. “Aber müssen wir weinen, um zu zeigen, dass wir die Nationalmannschaft, unser Land, den Fussball lieben? Ernsthaft? Das ergibt doch keinen Sinn. Man muss doch nicht weinen wegen einer Niederlage! Das ist Sport! Niederlagen sind einfach Teil des Spiels. Als ich bei der EM-Auslosung in Paris war und wir Trainer für ein Foto posierten, dachte ich: Nur einer von uns wird siegen, die anderen 23 werden ertragen müssen, dass man sie Versager nennt.”

Jammern auf Vorrat

Rrr am Donnerstag den 7. Juli 2016

Frankreich Deutschland! Unser Kolumnist schreibt sich schon warm.

jetztmal1“Deutschland jammert, Deutschland leidet! Gegen Frankreich fehlen heute abend gleich drei Schlüsselspieler: Hummels, Khedira, Gomez. Einer ist gesperrt, zwei sind verletzt. Das Wehklagen im Blätterwald und im Umfeld des Teams nimmt kein Ende.

Zuerst mal das, liebe Freunde: Ausreden bitte erst nach dem Spiel. Falls es denn verloren geht.

Dann: Der Fall Hummels. Der Bayern-Spieler fing sich zwei Gelbe ein, deshalb ist er gesperrt. Total daneben, plötzlich. Also die Regeln seien total daneben. Nun, ich habe mich extra noch einmal bei der UEFA erkundigt: Die Regeln gelten nicht nur für Deutschland, sondern für alle Länder. Im Halbfinal gesperrt waren auch zwei Waliser und ein Portugiese. Hat jemand geklagt? Na also.

Und dann Khedira und Gomez. Irgendwie kommt mir das Wehklagen über Verletzte bekannt vor. Ah, genau: Bayern München 2015! Da musste die lange Verletztenliste herhalten als Entschuldigung für das Ausscheiden in der Champions League. Trainer Guardiola gab dem Vereinsarzt Müller-Wohlfahrt die Schuld, die Spieler nicht rechtzeitig fit gekriegt zu haben – und mobbte den legendären Mediziner weg. Was passierte? Ein Jahr später, im Frühling 2016, hatte Bayern keine nennenswerten Verletzten. Ausgeschieden sind sie trotzdem. Wegen Griezman.

Wer ist eigentlich der Vertrauensarzt des DFB-Teams? Herr Müller-Wohlfahrt. Das ist jetzt natürlich reiner Zufall. Sowieso, ich sage immer: Finger weg von billiger Polemik vor solch schicksalshaften Begegnungen wie Frankreich-Deutschland. Die grösste Gefahr der Deutschen, so bemerkten mehrere Zeitungen, ist sowieso nicht die Verletztenliste, sondern die rutschige Unterlage in Marseille. Auch so eine Ausrede auf Vorrat.

Hochachtungsvoll, Ihr Alexander Meier-Anderegg”

Zahlen, bitte

Rrr am Dienstag den 5. Juli 2016

Wie immer am EM-freien Dienstag: Faszinierende Statistiken.

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Allgemein bekannt ist, dass der Pole Krychowiak an dieser EM am meisten gefoult wurde, nämlich 18-mal, gefolgt von seinem Landsmann Lewandowski (16) und dem Kroaten Srna (15). Viele wissen auch, das der isländische Vorklatscher Gunarsson die meisten Fouls beging (14), gefolgt vom italienischen Penaltyversager Pellè (13) und dem Spanier Morata (12). Dass Cristiano Ronaldo am öftesten den Abschluss suchte (36), gefolgt vom Klubkollegen Bale und dem Belgier De Bruyne (21), wird kaum jemand überraschen. Aber wussten Sie auch, dass der Waliser Bale der Dribbelkönig ist, da er sich schon 34-mal im Eins-gegen-Eins durchsetzte, gefolgt von Hazard (Belgien, 32) und Coman (Frankreich, 20)? Und ist Ihnen klar, dass keiner so viele erfolgreiche Pässe spielte wie Toni Kroos (509), gefolgt von Granit Xhaka (369), der dazu nur vier Spiele brauchte, und Jerome Boateng (355)? Und wer hat eigentlich die meisten Chancen vorbereitet? Es ist der Belgier De Bruyne (23), noch vor dem Franzosen Payet (21) und dem Deutschen Özil (17). Das ist doch viel interessanter als zum Beispiel die Bilanz der notorischen Freistoss-Schützen: Cristiano probierte es schon 10-mal, der Ungare Dzsudzsak und der Waliser Bale je 5-mal.

Und dann noch dies: England hat in den letzten zwölf Monaten alle vier Halbfinalisten der EURO 2016 bezwungen. Deutschland, Frankreich, Portugal und natürlich auch Wales.

Da sehen Sie einmal, wie wertvoll all diese Statistiken sind.

Inakzeptables Island

Rrr am Sonntag den 3. Juli 2016

Vor dem letzten Viertelfinal: Unser Kolumnist meldet Bedenken an.

Kevin“Bereits vor mehr als zwei Jahren habe ich auf vegane Ernährung umgestellt. Dies erlaubt mir eine nachhaltige Lebensweise ganz allgemein, aber auch eine differenzierte Sicht auf so nebensächliche Dinge wie etwa der Fussball. 

Beispiel EM: Alle Welt fänt für die Isländer, auch bei uns im linksalternativen EM-Projekt mit Schwarzweiss-Röhrenfernsehern in der Lorraine. Ich kann mich dieser reflexartigen Verehrung eines Underdogs  nicht anschliessen. 

Denn: Island ist nach wie vor eine Walfang-Nation, bringt Jahr für Jahr Hunderte der Meeressäuger um, verwandelt ganze Küstenstriche in regelrechte Todeszonen mit blutrot gefärbtem Wasser.  Das Fleisch essen die Isländer nicht etwa selber, sondern exportieren es teuer nach Japan. Und diese Mannschaft soll man unterstützen? Hallo????

Leider ist der heutige Gegner auch keine Alternative. Ein Land, das gestopfte Gänselebern und frittierte Froschschenkel als herausragendes Kulturerbe betrachtet, gehört möglichst rasch ausgeschieden, zudem auch wegen Marine Le Pen.

Sowieso ist die ganze EM  ein nationalistisch verbrämtes Konstrukt, das ich ablehne, weshalb ich heute Abend ganz klar ein Zeichen setze und Island-Frankreich nicht schauen werde. Ich muss sowieso wieder einmal Ma und Pa in Muri besuchen. Vencemeros, Freunde, und bis bald!” 

Schwierige Schwätzer

Val der Ama am Dienstag den 28. Juni 2016

Unser Kolumnist wird nicht traurig sein, wenn die EM vorbei ist.

„Nicht wegen der Euro an sich, ganz im Gegenteil. Ich bin mit der Qualität der bisherigen Spiele grösstenteils zufrieden. Vor allem die starken EM-Debütanten sorgten für frischen Wind: Gleich vier von fünf überstanden die Vorrunde. Die Gruppensiege von Wales und Kroatien (nicht England, nicht Spanien) sorgten dafür, dass es zwei komplett unterschiedlich starke Tableaus in der K.o.-Runde gibt: Das der Favoriten (der rechte Tableau-Baum) und das der vermeintlichen Aussenseiter (der linke Tableau-Baum) – das verspricht doch noch die eine oder andere erfreuliche Affiche!

Was ich jedoch kaum mehr ertrage, ist das Theater drum rum. Wetten, dass heute alle einen Expertenkommentar zu Island von sich geben? Mitarbeitende, die sich das ganze Jahr über dezidiert nicht für Fussball interessieren, diskutieren nun in den Pausen über Spiele und Spieler und langweilen mit Allgemeinplätzen, die Sie Alain Sutter (Schnittstellen!) oder Sascha Ruefer (Qualität!) oder dem Blick (Shaqiri!) nachplappern. Besonders mühsam auch diejenigen, die mit Verweis aufs firmeninterne Tippspiel damit kokettieren, dass ausgerechnet ich als grosser Fussballliebhaber in der hinteren Hälfte der Rangliste fungiere. Hätten Fussballkenner wirklich prophetische Fähigkeiten, wären die Karibikinseln voll mit ihnen.

Und dann dieses Public Viewing, zu welchem ich letzte Woche gezwungen worden bin! Was gibt es mühsameres, als eine überfüllte Beiz mit gut gelaunten und meist verkleideten Festhütten? Bereits eine Stunde vor Spielbeginn sind alle Plätze mit Blick auf den TV besetzt und also setzt man sich hinten an die Wand und unmittelbar nach dem Anpfiff steht dann immer wieder einer aus irgendeinem Grund vor dem Bild. Und der laute Nachbar hat zwar zu jeder Szene eine abschliessende Meinung, vermag aber vor lauter Mitteilungsbedürfnis oder Social Media kaum dem Spiel beizuwohnen.

Ich ziehe mich also zurück und geniesse einsam. Und freue mich auf den baldigen Meisterschaftsbeginn und damit auf den Fussballalltag, wenn die “ich interessiere mich nicht so für Fussball aber die EM oder WM schaue ich mir gerne an”-Leute endlich wieder die Klappe halten.

Hochachtungsvoll
Ihr Alexander Meier-Anderegg“