Archiv für die Kategorie ‘Tulpensöhne’

Stubentiger im Stadion

Rrr am Sonntag den 14. April 2013

Tierchaoten, schon wieder! Hört denn das nie auf?

Ältere Leser erinnern sich: Marder in Thun, Bienen in Brasilien, Hühner in England und jetzt auch noch eine Katze in Holland.

Laut Beobachtern war es die beste Szene in der torlosen ersten Halbzeit von Heracles vs Groningen. Das Spiel endete 0:2.

Extrafahrt mit Edgar

Herr Shearer am Donnerstag den 21. März 2013

Was macht eigentlich Edgar Davids?

Er ist Spielertrainer in der Provinz, etwa so wie Gennaro Gattuso. Beim Londoner Viertligisten Barnet FC führt der frühere Groundhopper (Ajax, Milan, Juve, Barcelona et al) das Zepter. Seit dem letzten Wochenende hat der Holländer einen dicken Stein im Brett bei den Anhängern. Die Mannschaft befand sich auf der Rückfahrt von der Auswärtsniederlage bei Accrington Stanley, als Davids auffiel, dass am Autobahnrand der Fanbus gestrandet war. Sofort erhielt der Chauffeur den Auftrag, bei der nächsten Raststätte anzuhalten, die Mannschaft auszuladen und die gestrandeten Anhänger abholen zu gehen.

“Es war das mindeste, was ich für die Fans tun konnte. Sonst hätten Sie da in der Kälte warten müssen. Kurz nachdem wir bei ihnen ankamen, fing es auch noch zu regnen an”, gab Edgar Davids dem Daily Telegraph zu Protokoll. Damit nicht genug: Davids beauftragte seine Spieler auch noch, an der Raststätte  Kaffee für die 36 Fans zu organisieren. Das taten die auch brav, aber erst, nachdem sie sich ihre Bäuche in einem Hamburgerladen vollgeschlagen hatten. Schlussendlich traf dann auch ein Ersatzbus ein, um die Busbrüchigen nach London zu bringen.

Barnets Anhänger waren begreiflicherweise begeistert von der Hilfe. Einer postete im Forum der “Bees”: “Du kannst diese Plastik-Premier League noch so verfolgen – aber so ein Erlebnis hast Du nur bei Barnet!”

Danish Dynamite mit Eisdusche

Frans am Sonntag den 20. Januar 2013

Nach dem Glasbruch in Eindhoven der Eisregen in Amsterdam: Für den heutigen Klassiker gegen Feyenoord wurde so sehr geheizt, dass es in der Schlussphase für die ersten Reihen eine Dusche vom Stadiondach gab.

Nicht beeinträchtigt wurde das perfekt sitzende Haupthaar von Feyenoord-Stürmer Graziano Clooney Pellè. Das war aber auch die einzige positive Meldung für den Tabellenvierten aus Rotterdam, der nach einer guten Vorrunde mit breiter Brust nach Amsterdam gefahren war.

Ajax (mit vier Dänen in der Startaufstellung) siegte verdient mit 3:0. Überragender Mann war Doppeltorschütze Viktor Fischer, inferior hingegen Feyenoords Nationalverteidiger Joris Mathijsen (mit einem haarsträubenden Schnitzer beim 2:0).

Langsam drängt sich die Vermutung auf, dass die Dänen besser angreifen können als die Holländer verteidigen.

Friday, bloody Friday

Frans am Samstag den 19. Januar 2013

CAF Afrika-Cup 2013: Eröffnungsspiel um 17:00 Uhr: Südafrika v Kapverden live auf Eurosport HD und ITV 4/HD

Blutiger Freitag für Nationalspieler Erik Pieters: Er und seine Kollegen vom PSV Eindhoven kickten wie blutige Anfänger und lagen gegen Aussenseiter Zwolle 1:3 zurück. Frustriert attackierte er einen Gegenspieler mittels Blutgrätsche. Dann sah er rot und schritt auf dem Weg in die Kabine zum Materialtest.

Herr Pieters zog sich beim Glasbruch im Philips Stadion eine ernsthafte Armverletzung zu und wurde ins Spital transportiert. Die nächtliche Operation verlief erfolgreich. Wie viele Wochen er ausfallen wird, ist noch offen. PSV-Trainer Dick Advocaat schloss eine interne Bestrafung nicht aus. Als Fachmann für vorbildliches Verhalten auf und neben dem Spielfeld äusserte Kapitän Mark van Bommel hingegen Verständnis, zumal die rote Karte zu streng gewesen sei.

Mit 2:0 Stimmen bei 10 Enthaltungen empfiehlt die Redaktion dieses Fachblogs dem PSV Qualitätsware aus dem Oberaargau und wünscht Herrn Pieters (an dem angeblich Newcastle seit langem interessiert ist) gute Besserung. Dies gilt grundsätzlich auch für Herrn van Bommel, doch ist letzterer womöglich therapieresistent.

Beste Wünsche

Rrr am Donnerstag den 27. Dezember 2012

Post von Mark van Bommel.

Das niederländische Raubein zeigt Humor – zum neuen Jahr verschickte er seinen Freunden eine Gelbe Karte mit den besten Wünschen. So jedenfalls berichtet es das führende brasilianische Sportportal Globoesporte.

Bei genauerem Nachdenken kamen wir zum Schluss, dass es schon erstaunlich ist: Die Meldung stammt aus Brasilien und wurde von dort aus in halb Europa verbreitet, erreicht dank dem Runden Leder nun auch den deutschen Sprachraum – tauchte aber in Holland selber bislang kaum auf.

Wie auch immer: Van Bommel hat diese Saison beim PSV Eindhoven 7 Verwarnungen in 13 Spielen kassiert, wurde aber noch nie vom Platz gestellt. Den schlechten Ruf hat er in seiner Zeit bei Barça, Bayern und Milan zementiert; auch das Runde Leder hat ihn wiederholt gewürdigt.

Respect (II)

Frans am Dienstag den 18. Dezember 2012

Was tut der gewiefte Schiedsrichter, wenn ihn ein Trainer auf ein vermeintliches Foul hinweist? Er ignoriert das Geschwätz. Nicht so Serdar Gözübüyük aus Haarlem.

Schiedsrichter Gözübüyük, jüngster und gemäss verschiedenen Wahlen auch bester Schiri der niederländischen Eredivisie schritt am Sonntag während der Partie Groningen – VVV Venlo zur Seitenlinie.

Der Schiedsrichter zeigte dem verdatterten Trainer Maaskant des FC Groningen, nein, keine Karte.

Sondern dies:

Für diese Aktion gab es Lob und verbale Haue.
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Respekt

Frans am Sonntag den 9. Dezember 2012

SCHWEIZER CUP auf RL3:
Wil-YB 4:3 nV Endstand (2. Mouangue, 13. Audino, 26. Holenstein, 64. Frey, 78. Christian Schneuwly, 92. Farnerud, 114. Bozic)
Köniz-FCZ 1:5 Endstand (Tchouga / 2x Chiumiento, 2x Gavranovic, Mariani)

Dieses Wochenende auf allen Fussballfeldern in Holland: Eine Schweigeminute für Linienrichter Richard Nieuwenhuizen.


In der Amsterdam ArenA erschien der Text “Zonder respect geen Voetbal” (Ohne Respekt kein Fussball). Ajax-Trainer Frank De Boer sagte:

“Die Fussballjunioren wollen nicht nur die selbe Farbe der Fussballschuhe wie meine Spieler, sie kopieren auch ihr Verhalten.”

Zyniker werden sagen, solche Statements seien warme Luft ohne jede praktische Konsequenz. Wie so oft sprintete auch gestern Gaby Jallo von Willem II nach einem diskutablen Fahnenschwingen entrüstet Richtung Linienrichter.

Auf halben Weg kam Lichtsteiner Jallo zur Besinnung. Er hob entschuldigend seine Hände und akzeptierte den Entscheid. Respekt.

18 Jahr, blondes Haar

Frans am Sonntag den 2. Dezember 2012

A star is born: Der 18 Jahre junge Däne Viktor Fischer war beim hochklassigen Spitzenkampf zwischen Ajax und PSV der Mann des Spiels. Ein Zufall war das nicht.

Bis 2011 kickte Fischer für den FC Midtjylland. Dann entschied er sich für eine Ausbildung bei Ajax Amsterdam. Sie hat Früchte getragen: Fischer erzielte am Samstag beim Spitzenspiel (holländisch: Topper) den dritten Treffer im Stil eines abgebrühten Torjägers. Noch bemerkenswerter war aber seine Vorarbeit zum zweiten Ajax-Tor. Film ab.

Die internationalen Medien schmeissen bereits mit Superlativen (“Danish wonderkid“) und die Clubs der grossen Ligen wohl bald auch mit Millionen. So geht das.

König Jari und seine Kinder

Frans am Freitag den 16. November 2012

Ehre, wem Ehre gebührt. Amsterdam zelebriert seinen finnischen König und dessen 1’595 Nachfahren.

Dieses Weekend geht der Dokumentarstreifen “Kuningas Litmanen” in holländische Premiere (Trailer ab). König Jari ist nicht nur in seiner Heimatstadt eine lebende Legende.

Litmanen (1995 CL-Sieger mit Ajax) hat auch in Amsterdam bleibende Spuren hinterlassen, und zwar in 1’594facher Ausführung:

Was aber tun Sie als schwangere Ajax-Supporterin, wenn Ihr Gatte Feyenoord unterstützt? Dann ist Ihr Sohn unweigerlich ein Kompromisskandidat:

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Gute Zeiten, beste Zeiten

Frans am Mittwoch den 24. Oktober 2012

Dass wir dies noch erleben dürfen: Bernard Thurnheer erinnert an die besten Zeiten.

“Ajax gewinnt 3:1 und erinnert an seine besten Zeiten.”

Die Redaktion dieses Fachblogs meint mit 2:0 Stimmen bei 9 Enthaltungen, dass am Schweizerischen Farbfernsehen schon lange nichts Erfreulicheres zu hören war.

Holzfuss für Holland

Frans am Donnerstag den 11. Oktober 2012

Endlich: Douglas Franco Teixeira darf das holländische Nationaltrikot überstreifen. Vielleicht.

Der gebürtige Brasilianer stiess 2007 zu Twente Enschede, schaffte 2010 den holländischen Meistertitel und 2011 das Einbürgerungsexamen, worauf die unvermeidliche Strafe (Verlust der brasilianischen Nationalität) folgte.

Angesichts der grauenhaften Qualität der niederländischen Abwehr war eigentlich damit zu rechnen, dass der Innenverteidiger bei der nächstbesten Gelegenheit in Oranje auflaufen würde. Bondscoach Louis van Gaal berücksichtigte den seit September spielberechtigten Hünen für die ersten beiden WM-Quali-Partien aber nicht. Für das schwere Heimspiel gegen Andorra steht Douglas nun aber im definitiven Aufgebot.

Sollte Douglas zum Einsatz kommen, wäre er offenbar der erste eingebürgerte Spieler im holländischen Kolonialteam Nationalteam. Für unsere Freunde von Voetbal International war das Grund genug, ein wenig mit dem Fotoshop rumzufummeln – und Last but not least schöne Erinnerungen zu wecken an die kulturell immer wieder fruchtbare deutsch-niederländische Freundschaft.

Müde Berner

Frans am Samstag den 22. September 2012

Gegen Liverpools Nummer 11 sah Scott Sutter am Donnerstag nicht immer blendend aus. Das ist weder peinlich noch überraschend. Oussama Assaidi ist keine Nachwuchshoffnung, sondern einer der besten Flügelstürmer der Niederlande.

Niederlande? Im Matchprogramm standen lediglich die Buchstaben “MOR” – für Marokko Morocco. Assaidi trägt zwar das Nationaldress seines Geburtslands, hätte aber wie Ibrahim Afellay oder Khalid Boulahrouz für Oranje spielen dürfen.

Assaidi kam mit 4 Jahren von Beni-Boughafer nach Amsterdam, kickte dort auf Hinterhöfen und spielte anschliessend nie für Ajax Amsterdam. Spätestens nachdem Assaidi als Spieler von Heerenveen im Dezember 2010 den damaligen Meister Twente Enschede beim 6:2-Heimsieg quasi im Alleingang erlegt hatte (3 Tore, 2 Assists, 1 herausgeholter Penalty), war zwar auch Ajax interessiert. Der angestrebte Transfer zu Assaidis Traumclub kam aber nicht zu Stande, angeblich auch wegen überrissener Gehaltsforderungen.

Im August schnappte Liverpool für eine Transfersumme von 3,8 Mio Euro zu. Gegen YB überzeugte Assaidi nicht nur mit starken Dribblings. Er zeigte sich auch als Meister der prägnanten Analyse:

“At the beginning, we played well. After they came back, in the second half, they were tired and we made two good goals and won the game.”