Archiv für die Kategorie ‘The Home of Football’

Grosszügiger Geordie

Briger am Montag den 8. August 2022

Allan Saint-Maximin tut es schon wieder.

Trikotverschenken war gestern, wie das Beispiel des französischen Linksaussen von Newcastle United zeigt. Als Fan Steve Dutton nach dem Sieg gegen Nottingham Forrest hinter einer Frankreich-Fahne mit der Aufschrift “10 Saint Maximin” zusammen mit seinem Sohn auf die Spieler wartete, tauchte der Franzose auf und überreichte dem überraschten Dutton eine Rolex.

Bereits letzte Saison schenkte Saint-Maximin Duttons Sohn ein Trikot und auch eine Uhr verschenkte er nicht zum ersten Mal. Im Dezember 2021, der erste Saisonsieg wurde gegen Burnley gerade Tatsache, da schenkte Saint-Maximin Fan Michael Urwin ebenfalls eine Uhr.

Und damit einen schönen Start in die Woche.

Englische Euphorie

Herr Winfried am Mittwoch den 27. Juli 2022

RL-Premiumleserin Frau Tifosa war schon wieder in Sheffield!

Diesmal lief an der Bramall Lane der EM-Halbfinal zwischen England und Schweden. Die Engländerinnen spielten sich in einen Rausch und gewannen 4:0. Gut, aber wie war das Spiel wirklich? Frau Tifosa klärt auf. Klicken Sie sich durch ihre Bildsammlung!

  • Fanzone vor dem Spiel: Die Stimmung ist bereits ausgelassen!

  • Mehr und mehr strömen her, die Schlange am Bierstand wächst.

  • Am Spiel: Wo ist die Kiss Cam? Da wollen zwei.

  • Zum Essen gibt's eine vegane Rolle. "Etwas trocken", findet Frau Tifosa.

  • Hier noch die Speisekarte von der unsere Informantin bestellte. Man beachte die CO2-Bilanz der Speisen.

Leider nicht auf einem Bild: das Mädchen auf dem Sitz hinter Frau Tifosa, mit einem überraschend mächtigen Stimmorgan ausgestattet. Hoffentlich gibt das keinen Tinnitus!

Und falls Sie sich fragen, wo das Bier bleibt: «Man durfte die Plörre nicht auf die Tribüne nehmen, das verdarb uns den Spass», so Frau Tifosa.

 

Geschichtsrevision

Briger am Montag den 20. Juni 2022

Crystal Palace ändert sein Logo.

Das alte Logo via Wikimedia

Seit Samstag ziert nämlich die Zahl 1861, statt 1905 das Logo der Eagles aus dem Londoner Süden. 1861 wurde von Cricketspielern ein Fussballclub gegründet. 1905 gründete dann die Crystal Palace Company die professionelle Abteilung. Der ursprüngliche Amateurverein nahm an den ersten Sitzungen der Football Association (FA) teil und nahm an der ersten Ausgabe des FA Cups 1872 Teil.

 

Historiker Peter Manning konnte nun dank Recherchen in neu digitalisierten Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert und Archivarbeit eine direkte Verbindung herstellen zwischen dem Amateurclub und dem professionellen Team und damit beweisen, was der Club schon vor zwei Jahren verkündet hatte: Crystal Palace ist nun der älteste noch existierende Verein des professionellen englischen Fussballs und somit wohl auch der Welt, ein Jahr älter als das 1862 gegründete Notts County.

Sie möchten Ihr historisches Wissen zum CPFC vertiefen? Bitte schön:

Tatwaffe Traktor

Rrr am Dienstag den 7. Juni 2022

Aus England wird uns ein verstörender Fall von Unfug im Stadion gemeldet.

Unbekannte Täter drangen am Wochenende ins Stadion von Plymouth Argyle ein, schalteten die Flutlichter ein, bemächtigten sich eines Traktors und zogen mit diesem ihre Runden auf dem Spielfeld.

(Foto: pafc.co.uk)

Gut, den Rasen konnten sie nicht beschädigten. Denn die Stadionbetreiber sind gerade daran, den Untergrund neu zu präparieren. Das ist bekanntlich eine heikle Angelegenheit, und so richtete der Traktor beträchtlichen Schäden am Boden an, wie der League-One-Klub auf seiner Website beklagt.

Jetzt aber schlechte Nachrichten für die Vandalen: Nach Angaben des Vereins gibt es jede Menge Video-Aufnahmen. Die örtliche Polizei ist daran, diese zu sichten. Zugleich erliess sie einen Zeugenaufruf. Wer über Informationen verfügt, welche der Aufklärung des Verbrechens dienlich sein könnten, möge sich unter Angabe der Fallreferenznummer CR/048962/22 an die Devon and Cornwall Police wenden. Am besten telefonisch. Oder Sie gehen vorbei. Oder Sie schreiben ein Mail an feedback@pafc.co.uk. Eine Belohnung für sachdienliche Informationen wurde in Aussicht gestellt.

Prickelnde Pariser Partie

Rrr am Samstag den 28. Mai 2022

Unser Champions-League-Experte stimmt Sie auf den heutigen Final ein.

Liebe Freundinnen und Freunde des runden Leders, Sie erkennen es mit einem Blick: Auf dem Bild fehlt etwas. Richtig, es ist der vierzehnte Henkelpott. Ich hätte ihn mit dem Photoshop einbauen können, aber ich möchte den Ereignissen nicht vorgreifen.

Die Affiche heute abend (21.00, 3+, TF1, ZDF, blue) könnte faszinierender nicht sein. Auf der einen Seite die Mannschaft, die im Lauf dieser Spielzeit unsere Herzen erobert hat mit ihrem leidenschaftlichen Fussball, heroisch geschlagenen und gewonnenen Schlachten, auf der anderen Seite der FC Liverpool.

Wem Sie die Daumen drücken, ist Ihnen unbenommen – fiebern Sie mit unserem Leser Herr Sergeant Pepper und seinen Reds, oder halten Sie es mit mir und den Blancos. Möge der Bessere gewinnen!

“Mein Gefühl sagt mir, es gibt einen Sieg”, sagt der Schriftsteller Javier Marías, Autor des wunderschönen Buchs “Corazón tan blanco” (1992). Wenn dem so ist, werde ich Sie rechtzeitig informieren, was genau am Sonntagabend auf der Plaza de Cibeles geplant ist.”

Glücksfrisur

Briger am Montag den 9. Mai 2022

Gareth Ainsworth hat die Haare schön.

Bild via The Irish Times, Foto älteren Datums

Der Trainer der Wycombe Wanderers wurde im Februar, das Team war eben auf Platz 9 abgerutscht von zwei seiner Spieler, Dreadlock-Träger, angefragt, ob er sich, falls das Team die Playoffs erreicht, Dreadlocks machen lässt. Knapp drei Monate später steht das Team tatsächlich in den Playoffs und gewann am Donnerstag das Heimspiel gegen die MK Dons mit 2:0, trotz der 0:1-Niederlage auswärts gestern, steht das Team nun im Playoff-Final.

Ainsworth hat sein Wort zum Teil gehalten. Zwar könne er aus seinen Haaren keine Dreadlocks machen, aber zumindest Zöpfchen und diese will er während der Playoffs behalten.

Der 48-jährige ist inzwischen 12 Jahre im Club, seit 10 Jahren ist er Cheftrainer, blieb aber zwischen 2012 und 2018 noch als Spieler registriert. Er führte den Club von der League Two in die Championship und klopft nun erneut an der Tür zur zweithöchsten Spielklasse. Der Mann, der im Alter von sechs Jahren Saisonabonnement bei den Blackburn Rovers, dem Team seiner Geburtsstadt, wurde, kann nicht nur Fussball, sondern auch Musik. Wegen seiner Rockstar-Attitüde wird er “Wild Thing” gerufen. Er trat unter anderem mit folgenden Bands auf: APA, Dog Chewed the Handle, Road to Eden und The Cold Blooded Hearts.

Bartons Party

Rrr am Sonntag den 8. Mai 2022

Möchten Sie ein Wunder erleben? Herzlich willkommen in Bristol.

Die Bristol Rovers brauchten gestern ein 7:0, um in die dritthöchste englische Liga aufzusteigen. Sie siegten 7:0. Platzsturm!

Vor der letzten Runde hatten noch fünf Teams die Chance, den dritten Platz in der League Two zu erreichen. Die besten Karten hatten Northampton und die Bristol Rovers. Northampton gewann sein Heimspiel, und so war aufgrund des Torverhältnisses klar, dass die Rovers gegen das Schlusslicht aus Scunthorpe sieben Tore brauchten. Was sie auch schafften.

Trainer der Rovers ist seit Anfang Saison der legendäre Joey Barton. Im August 2021 sorgte er für Heiterkeit, als er trotz schwachem Start ankündigte, sein Team werde Ende Saison aufsteigen. Kurz danach beschäftigten ihn zwei Gerichtsverfahren, anschliessend suchte der Sportchef des Vereins das Weite. An Weihnachten war das Team auf Platz 17.

Danach ging es steil nach oben, auch weil Joey Barton das Team an den entscheidenden Stellen verstärkte – unter anderem holte er den 38-jährigen Ex-Kollegen Glenn Whelan, der nun im Mittelfeld die Fäden zog. Zudem lieh er im Januar Elliot Anderson von Newcastle aus. Dieser schoss gestern das alles entscheidende siebte Tor. “Barton ist ein Genie!” schwärmte der jordanische Besitzer des Vereins.

Lohnenswerte Lohnarbeit

Herr Winfried am Mittwoch den 6. April 2022

Diese Bewerbung war die wertvollste in der Karriere des jungen Mannes.

Am Wochenende war mal wieder “Old Firm” und so geschichtsträchtig die Derbys in der schottischen Fussballhauptstadt Glasgow sind, schreiben sie auch stets schöne Geschichten.

So wie des jungen Mannes, der mutmasslich Calan Clark heisst. Calan ist Anhänger des Celtic FC, verpasste es aber leider, ein Ticket für den Gästesektor im Ibrox Stadium zu ergattern. Doch Calan, der Fuchs, hatte eine Idee: Er bewarb sich bei den Glasgow Rangers als Imbissbudenverkäufer – und erhielt den Zuschlag. Kurz nachdem er seine Schicht um 9 Uhr morgens angetreten hatte, versteckte er sich im Kabäuschen. Als dann am Nachmittag die Celtic-Fans ins Stadion gelassen wurden, suchte Calan rasch das Weite. Wohl dank seiner Staff-Kleidung gelangte er in den Gästesektor und sah von dort aus, wie seine Mannschaft das Derby 2:1 gewann.

  • Zettel zum Glück.

  • Langes Ausharren. Und erst noch mit Maske!

  • Made it! Calan im Gästesektor des Ibrox.

Die Geschichte dokumentierte der junge Mann auf Twitter, wo er bereits mehr als 560 Follower:innen hat.

Totale Tristesse

Rrr am Montag den 28. März 2022

Paul Pogba ist traurig.

“Es ist schwierig, diese Saison zu beschreiben. Wir hatten einen Trainerwechsel, wir hatten viele Verletzungen, und jetzt ist erst März, aber es gibt keinen Titel mehr zu gewinnen. Das ist alles schwierig”, klagte Pogba gegenüber Medien.

Aufheiterung findet Pogba einzig im Nationalteam, wie er berichtet. Das gebe ihm ein bisschen Abwechslung.

Nun wünschen wir Herrn Pogba noch einen angenehmen Saisonausklang und alles Gute für die neue Spielzeit. Wo er die verbringen wird? Das sei noch offen, sagte er in dem Interview. Dass er von Manchester United ablösefrei zu PSG wechselt, wollte er nicht ausschliessen. In Paris kann er immerhin jedes Jahr Meister werden.

Eine Geschichte aus der Geschichte

Val der Ama am Donnerstag den 17. März 2022

Gestern grosses Jubiläum.

Gestern vor genau 150 Jahren sahen ungefähr 2.000 Zuschauer, wie 22 Amateure auf einem Cricketfeld Fussball spielten und wurden dabei Zeugen, wie die Wanderers die Royal Engineers (oben auf dem Bild) im allerersten FA-Cup-Final mit 1:0 besiegten. Vor der Einführung des FA Cups 1872 gab es in England keine regelmässigen Wettbewerbsspiele.

Das Endspiel von 1872 wurde im Kennington Oval ausgetragen, wo 1870 auch das erste internationale Fussballspiel zwischen England und Schottland stattfand. Das Publikum im Oval galt übrigens als “mondän” und setzte sich aus der wohlhabenden und gehobenen Mittelschicht zusammen. Aber ebenso auf dem Feld: Die meisten Spieler des ersten Finals hatten das Spiel in öffentlichen Eliteschulen und an der Universität erlernt.

In den frühen 1870er Jahren war es nicht ungewöhnlich, dass Mannschaften mit sechs oder sieben Stürmern antraten und so auch in diesem Spiel: Beide Teams spielten in einer 2-2-6-Formation. Wichtig waren individuelle Dribblings. Experten meinen aber durchaus, dass die Royal Engineers die erste Mannschaft waren, die ein Passspiel entwickelte, und zwar etwa zur Zeit des ersten FA-Cup-Finales.

Die Wanderers wurden leider 1887 aufgelöst, da viele Spieler abwanderten, um für einige der neueren Vereine zu spielen, die im ganzen Land entstanden. Im Jahr 2009 wurde der Verein dann wiederbelebt und dümpelt heute in einer Liga ganz unten rum. Die Engineers, die gibt es immer noch. Weitere Informationen finden Sie in diesem sehr lesenswerten Text.

(Titelreferenz: https://www.geschichte.fm/)

Veritabler Weltrekord

Val der Ama am Freitag den 11. März 2022

Die können recht lange in diesem England.

Am Mittwochabend haben sich Washington und die Bedlington Terriers einen spannenden Kampf um das Weiterkommen im Ernest Armstrong Memorial Cup geliefert. Die 40 Zuschauer erlebten in den 90 Minuten ein dramatisches 3:3-Unentschieden.

Darauf dann ein Penaltyschiessen und Kompliment an beide Teams, die nur insgesamt fünf der 54 Elfmeter verschossen. Am Ende war es Washington, das sich durchsetzte, als nämlich Lucas Gamblin zum 25:24-Sieg für seine Mannschaft verwandelte. Weltrekord.

Der bisherige Rekord wurde 2005 in einem namibischen Pokalspiel aufgestellt, als KK Palace die Civics mit 17:16 besiegte. Damals reichten 48 Penalties.

Respektabler Rückhalt

Rrr am Montag den 7. März 2022

Das historische Bild zum Wochenstart.

Sheffields Meistergoalie William Foulke, um 1898.

Foulke brachte schon in jungen Jahren 110 Kilogramm auf die Waage, wie Wikipedia weiss. Zunächst war er Cricketspieler; 1894 wechselte er die Sportart und wurde Goalie. Laut Zeitzeugen war er weit gewandter als man es vermuten könnte. Zudem kam ihm die Körperfülle durchaus entgegen: Goalies waren zu jener Zeit noch Freiwild, die gegnerischen Spieler durften sie ungestraft anspringen und schubsen. Foulke blieb standhaft.

Mit Sheffield holte er 1898 das Double und 1902 nochmals den FA-Pokal. Für eine Ablösesumme von 20 Pfund wechselte er später zu Chelsea. Am Ende seiner Karriere soll er 140 Kilogramm gewogen haben.

“Who ate all the pies?” riefen ihm die gegnerischen Fans regelmässig zu. Der bis heute bekannte Schlachtruf wurde eigens für ihn erfunden. Foulke kümmerte es nicht: “I don’t mind what they call me as long as they don’t call me late for my lunch.”

Nach seiner Aktivzeit hatte Foulke kein Glück im Leben. Er fand keine Arbeit, verarmte und starb 1916 im Alter von 42 Jahren in einem Sheffielder Pflegeheim.