Archiv für die Kategorie ‘Tabu-Themen’

Fussballer sind Tiere (6)

Harvest am Mittwoch den 15. März 2017

Herzlich willkommen zur sechsten Folge unserer beliebten Serie „Fussballer sind Tiere“.

Fussballer werden oft wütend und ticken dann aus. Gründe für diese Wut sind entweder Frustration (über eigenes Versagen oder Fremdverschulden) oder Provokation. Als Beispiele dienen hier Taulant Xhaka, der frustriert ist über seine Auswechslung (also Fremdverschulden, nämlich des Trainers):

Und Cristiano Ronaldo, der sich vom Sevilla Spieler provoziert fühlt:

Beide Situationen lösen bei den Spielern Wut aus. Dabei reduziert sich die Aktivität in einem Teil des Gehirns direkt hinter der Stirn, dem sogenanten Frontalhirn, das auch für logisches-mitfühlendes Denken zuständig ist.

Dieser spezielle Teil des Frontalhirns der anteriore cinguläre Cortex (kurz ACC) ist eine Art Konfliktmanager und dafür zuständig, Probleme zu melden und zu lösen. Gleichzeitig kontrolliert und reguliert er unsere Reaktionen – eine verminderte Aktivität bedeutet also höhere Bereitschaft zu impulsivem Verhalten.
Gleichzeitig erhöht sich die Aktivität der Amygdala (dem Aggressions- und Alarm-Areal des Gehirns), die auch wegen ihrer Form Mandelkern genannt wird. Die Amygdala hat unter anderem die Funktion, Bedrohungen schnell zu erkennen und Abwehrreaktionen einzuleiten.

Diese Reaktionen können wir nur bedingt steuern und sie sind auch bei unseren Verwandten erkennbar. Vergleichen Sie die Reaktionen der Fussballer mit der eines frustrierten Kapuzineraffen, der statt einer Traube nur ein Stück Gurke erhält:

Mehr zum interessanten Experiment mit den Kapuzineraffen finden Sie hier.

Bröndby brönnt!

Lars Sohn am Mittwoch den 28. Dezember 2016

Oder kalte Flammen für heisse Herzen.

Zur Hölle mit dem Spiel um Pyro in den Stadien! Bei dieser schier endlosen Partie ist auch nach der gefühlt hundertsten Verlängerung keine Entscheidung in Sicht. Ultras fackeln lange, Sicherheitsbehörden nicht. Wieder und wieder.

Anders in Dänemark. Mitarbeiter von Bröndby Kopenhagen haben mit Spezialisten und Behörden neuartige römischen Kerzen entwickelt. Die laut dänischen Berichten beide Seiten zufriedenstellende Pyrotechnik brennt bei deutlich niedrigeren Temperaturen. So soll man mit der Hand problemlos durch die Flamme fahren können. Zudem ist das Produkt in verschiedenen, den Vereinsfarben entsprechenden Couleurs erhältlich (analog der Arbeit des Vatikans für Juventus).

Ab sofort gilt: Pyromanen aller Kurven, kühlt ab! Die dänischen Kaltkerzen können zwar nicht die gleiche Lumineszenz wie herkömmliche Produkte erreichen, aber was solls? Ob Pyro in spe nun weniger stinkt und Stuhl aussieht wissen wir derzeit noch nicht, sind aber für Neuigkeiten aus Dänemark stets Feuer und Flamme. Wer sein Schuldänisch noch einigermassen präsent hat, kann es hier anwenden.

Rundes Leder Meisterapfentkalender (15)

Briger am Donnerstag den 15. Dezember 2016

Endlich Meister mit dem Runden Leder. Der Fussballblog Ihres Vertrauens würdigt jeden Tag bis Weihnachten einen Club, der es verdient hat.


Heute: Tafea FC, Meister der Port Vila Football League auf Vanuatu von 1994-2008/09.


Der Tafea FC ist das, was der FC Basel noch mindestens bis ins Jahr 2024 nicht ist, nämlich Weltrekordhalter. 15 Meisterschaften am Stück gewann das Team, das seine Spiele wie alle Teams der Port Vila Football League in Port Vila, der Hauptstadt der schönen Pazifikinsel Vanuatu austrägt. Die Port Vila Football League, auch bekannt unter dem Namen Telecom Vanuatu League oder einfacher TVL Premier League, ist die beste Fussballiga auf Vanuatu. Nach 15 Meisterschaften in Folge wurde Tafea noch drei Mal Vizemeister in Folge, aber seit dem Titelgewinn 2009 sind es nun doch schon sieben Jahre ins Land gezogen. Seit dem letzten Triumph, gewann sechs Mal in Folge der Amicale FC die Meisterschaft und 2016 Erakor Golden Star. 2009, 2013 und 2014 gewann Tafea noch die VFF National Super League, das ist offenbar ein Wettbewerb der verschiedenen Fussballverbände Vanuatus, mit dem man sich einen Platz in der OFC-Championsleague sichern kann – 2001 wurde Tafea dort übrigens Vizemeister – aber die Port Vila Football League nimmt seit diesem Jahr nicht mehr an der National League teil. Tafea kann sich aber in der Champions Round der TVL an diesem Samstag noch für die nächste Champions League qualifizieren. Nach zwei von drei Runden haben alle Teams zwei Punkte, weshalb sich der Fussballverband Vanuatus offenbar genötigt sieht, ans Fairplay zu erinnern.

Zum Fussball in Vanuatu noch dies, in der Olympiaqualifikation 2016 gewann die Nationalmannschaft gegen Mikronesien mit 46:0, das zählt aber nicht als Weltrekord, weil es sich um U23-Teams gehandelt hat.

Ansonsten scheint es in Vanuatu ganz schön zu sein, wenn nicht gerade eine Naturkatastrophe oder der steigende Meeresspiegel die Existenz der Insel gefährden.

Rundes Leder Meisterapfentkalender (10)

Val der Ama am Samstag den 10. Dezember 2016

bild-2Endlich Meister mit dem Runden Leder.

Der Fussballblog Ihres Vertrauens würdigt jeden Tag bis Weihnachten einen Club, der es verdient hat.

Heute: FC Red Bull Salzburg, Meister 1994, 1995, 1997, 2007, 2009, 2010, 2012, 2014, 2015, 2016

Das Schönste am österreichischen Fussball sind die Vereinsnamen. Gut, jetzt nicht unbedingt Red Bull, weil das tönt ungefähr so, wie diese widerliche Brause auch schmeckt. Aber früher, da hiess eben dieser Verein auch mal SV Austria Salzburg und dann TSV Austria Salzburg, später kurz Gerngroß A. Salzburg, dann SV Sparkasse Austria Salzburg, von 1978 bis 1997 SV Casino Salzburg, bis 2005 SV Wüstenrot Salzburg und seit 2005 eben FC Red Bull Salzburg.

Der Verein wurde am 13. September 1933 im Hotel “Schwarzes Rössl” im Zuge der Auflösung der beiden Salzburger Stadtvereine FC Hertha (ggr. 1923) und FC Rapid (ggr. 1928) durch deren Mitglieder als “Sportvereinigung Austria Salzburg” offiziell gegründet. Ziemlich aussergewöhnlich, denn schliesslich fanden mit der “bürgerlichen” Hertha und dem “Arbeiterverein” Rapid Clubs zweier grundverschiedener Lager zusammen. Vereinsfarben wurden Violett und Weiss, weil neutral.

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Es folgten ein paar Saisons in unteren Ligen, ein Weltkrieg, wieder das Dümpeln in den Niederungen der Liga, zum 20-jährigen Bestehen aber gelang dem Team 1953 dann erstmals der Sprung in die höchste Liga.

Den ersten Meistertitel feierte man in Salzburg 1994 und gleichzeitig erreichte der Verein damals das Finale des UEFA-Cups, welches im Hin- und Rückspiel gegen Inter Mailand jeweils mit 0:1 verloren ging. Zwei weitere Meistertitel folgten in den Jahren 1995 und 1997.

Die grosse Zäsur dann am 6. April 2005, als die Red Bull GmbH die Salzburg Sport AG zu 100 % übernahm. Unter dem Motto “Keine Kompromisse. Das ist ein neuer Club. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv” änderten sich Name, Vereinsfarben, Strukturen und vor allem die Zuneigung der Fans. Die richtig Enttäuschten gründeten kurz darauf die SV Austria Salzburg neu.

Die neuen Strukturen und Dietrich Mateschitz’ Geld wirkten quasi sofort. Bereits 2007 feierte der FC Red Bull Salzburg den ersten Meistertitel, viele andere folgten darauf. Einzig die Qualifikation für die Champions League bleibt für die Bullen bislang ein unerfüllter Traum. Das und der Respekt der Fussballpuristen.

Ausländer rein!

Harvest am Mittwoch den 28. September 2016

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerWieso dümpelt Ihr Lieblingsclub fortwährend im Ligamittelfeld oder gar den Niederungen des Tabellenendes umher? Sicher wollen Sie etwas dagegen unternehmen. Neben einem vernünftigen Vereinsvorstand und einigermassen stabilen Strukturen gibt es vor allem eine Massnahme, das Ihren Club aus der Misere rausholen könnte.

Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht eine grosse Menge an demographischen Daten, da ist es oftmals schwer, die wirklich wichtigen und vor allem aussagekräftigen herauszufiltern. Wenn man sich die Mühe aber macht, können bahnbrechende Erkenntnisse daraus gewonnen werden. Wir wenden uns heute einer Minderheit zu, den Inländern ohne Schweizer Pass (also alle, die sich weder “Schweizer” noch “Eidgenossen” nennen können). Dabei wird deutlich, dass ein hoher Ausländeranteil in der städtischen Bevölkerung zu einem erfolgreichen Club führt.

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Der Ausreisser YB profitiert von oben genannten Strukturen, die den tiefen Ausländeranteil grösstenteils wettmachen.

Doch wieso ist das so?
Der Grund ist so einfach wie offensichtlich. Ausländer spielen besser Fussball! Das glauben Sie nicht? Seit es europäische Wettbewerbe gibt, haben diese immer ausländische Club gewonnen, die Schweizer haben es noch nicht mal je ins Finale geschafft. Die Sieger von Welt- und Europameisterschaften? Alles Ausländer!

Wenn Sie also Ihren Club wirklich weiterbringen wollen, setzen Sie sich für die Aufnahme von Ausländern in Ihrer Stadt ein. Ich verspreche Ihnen, Ihr Club wird längerfristig vorne mitmischen.

Warme Kugeln?

Harvest am Mittwoch den 21. September 2016

Einmal mehr konnten die YB-Fans jammern. Sie treffen im Achtelfinale auf einen Super League Club.

Und Basel? Natürlich nur gegen einen Club aus der Promotion League. YB habe immer die schwereren Lose als der FCB, hört man die Berner schimpfen. Doch ist das wahr? Das Runde Leder hat keine Mühen gescheut und die letzten zehn Jahre Cup ab dem Achtelfinale ausgewertet. Dabei wurden die Super League Clubs 2016/2017 und der FC Zürich berücksichtigt.

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Basel und Zürich sind die einzigen Clubs, die in dieser Zeit immer im Achtelfinale dabei waren. Beide trafen dabei zweimal auf einen Super League Club. YB musste drei von neun Malen gegen einen Höchstklassigen antreten. Deutlich härter traf es da Luzern, St.Gallen und Thun (St.Gallen und Thun je einmal, als sie selber in der Challenge League spielten), die bei ihren neun Teilnahmen je fünfmal auf einen Vertreter aus der höchsten Klasse spielen mussten.

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Im Viertelfinale wird es dann offensichtlicher, wie der FC Basel vom Losglück profitiert. Die Hälfte aller Spiele (als einzige Mannschaft zehn!) durfte Basel gegen Unterklassige austragen. Lausanne, das im Achtelfinale von Super League Vertretern verschont blieb, traf in allen seinen vier Teilnahmen am Viertelfinale auf einen eben solchen (einmal davon waren sie in der Challenge League).

halbNoch schlimmer sieht es im Halbfinale aus. Von den fünf Unterklassigen, die in den letzten zehn Jahren im Halbfinale standen, durfte der FC Basel gleich gegen drei spielen. Je einmal hatten dieses Glück Sion und St.Gallen.

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Im Finale dann spielte der FC Basel, wann immer ein Vertreter aus der Challenge League dabei war, gegen diesen. Allerdings hat das mit Losglück überhaupt nichts mehr zu tun.

Ob bei diesen Auslosungen alles mit rechten Dingen zu und her ging, können wir natürlich nicht beurteilen, entscheiden Sie selber.

Trümmliges Tattoo (IX)

Herr Maldini am Donnerstag den 4. August 2016

Es ist so eine Sache mit diesen Körperbemalungen.

processSicher ist es Ihnen neulich beim Coiffeur bei der People-Lektüre aufgefallen: Zlatan Ibrahimovic kommt ungewohnt daher, also optisch. Bis vor kurzem war sein Oberkörper – ganz so, wie es sich für einen erfolgreichen Fussballstar gehört – von Tattoos übersät. Doch plötzlich ist er fast ganz blank. Hat der selbsternannte Gott von Manchester etwa seine Kunstwerke weglasern lassen? Nein, nein, natürlich nicht, sagte er dem RL heute morgen am Telefon: “Ich hatte 15 ablösbare Tattoos, es waren die Namen von Menschen, die Hunger leiden. Diese Tattoos sind nun verschwunden, aber die Menschen sind noch da. Ich hoffe, dass ihr Leiden durch diese Aktion sichtbar wird.”

Bei genauem Hinschauen fällt allerdings auf, das Ibra plötzlich auch andere Kunstwerke auf seinem Körper fehlen. RL-Tattoo-Experte Herr Maldini sagt dazu: “Ich habe absolut keine Erklärung dafür.”

Zwei neue Tattoos hat hingegen Mark Clattenburg. Klar – der englische Schiedsrichter hat bereits jetzt ein grosses Jahr hinter sich, daran möchte er noch lange erinnert werden. RL-Tattoo-Experte Maldini: “Ein Tattoo sollte möglichst zeitlos sein. Clattenburg hat sich deshalb zwei Erinnerungen stechen lassen, die an Originalität und Stil kaum zu überbieten sind und die ihm auch in 20 Jahren noch gefallen werden.” Nach Ansicht des RL ist es allerdings wahrscheinlich, dass die Aktion für den Unparteiischen rechtliche Probleme mit der UEFA TM nach sich ziehen wird. Aber sehen Sie selbst:

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Gute Zeiten, schlechte Zeiten (III)

Harvest am Mittwoch den 1. Juni 2016

Der FC Zürich steigt ab und wird Cupsieger. Das erweckt Erinnerungen, denn wer hat’s erfunden? Der FC Luzern.

Im Jahr 1992 war der FC Luzern der erste Absteiger in der Geschichte des Schweizer Fussballs, der den Cup gewann. Und das, obwohl mit Semir Tuce der wohl beste Fussballer, der je im FCL-Dress spielte, im Kader stand. Darin fand man auch einen gewissen Martin Rueda oder Adrian Knup, doch ich greife vor.
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Bereits in der Qualifikationsrunde lief es nicht nach Wunsch und der FC Luzern rutschte aufgrund des um zwei Tore schlechteren Torverhältnisses (als AUSGERECHNET der FCZ, was für eine Geschichte!) in die Auf-/Abstiegsrunde. Dort bekamen sie es mit Grössen wie Chur, Schodfo, Chiasso und Bulle zu tun. Im letzten Spiel gegen Grenchen reichte ein Unentschieden, um den Klassenerhalt zu sichern. Doch trotz drückender Überlegenheit (25! Corner für Luzern) ging das Spiel mit 2-1 verloren. Tragische Figur war Adrian Knup, der zu allem Übel auch noch einen Penalty verschoss. Nach seiner Karriere meinte er, auf dieses Spiel angesprochen: “So einen unglücklichen Match hat es in meiner Karriere nie mehr gegeben.” Aufgestiegen sind in der Gruppe B übrigens Bulle und Chiasso und dem FC Luzern hat es nur wegen des schlechteren Torverhältnisses nicht gereicht.

BeatMutterPokalZehn Tage nach diesem schrecklichen Tag durfte der FC Luzern in Bern im Cupfinal gegen Lugano (AUSGERECHNET Lugano, was für eine Geschichte!) antreten. In der ersten Halbzeit war Lugano (mit Dario Zuffi) besser und ging verdient in Führung (36.), die Luzern noch vor der Pause ausglich. Das Spiel ging in die Verlängerung und Knup bekam doch noch so etwas wie einen versöhnlichen Abschluss (vor seinem Wechsel zum VfB Stuttgart). Mit seinen zwei Toren machte er den FC Luzern zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte zum Cupsieger. Im Sportalbum finden Sie auch noch die Zusammenfassung zum Spiel und interessante Interviews.

Klein Harvest war mit Vater, Grossvater, Onkel und Brüder Harvest angereist und zur Feier des Tages gab es im Zug nach Luzern ein Bier aus der Minibar. Nicht für Klein Harvest, der musste sich mit einem Süssgetränk begnügen.

TV lieber ohne Ruefer

Harvest am Mittwoch den 4. Mai 2016

Spiele die im sogenannten Free-TV übertragen werden, haben immer etwas Spezielles. Die Fussballer sind einem enormen Druck ausgesetzt, schliesslich schauen MillionenTausende von zu Hause zu. Mit Zeitlupe und so.

Nicht alle können damit gleich gut umgehen. Die Luzerner zum Beispiel werden vom Druck richtiggehend zermürbt und gewannen von den sieben bisherigen Spielen (aus logistischen Gründen konnte das Spiel vom Sonntag nicht berücksichtigt werden) nur eines, alle anderen gingen verloren. Am besten meistert diese ungemütliche Aufgabe der GC, der im Schnitt pro Fernsehspiel 2.4 Punkte holte. Ganz trist sieht es einmal mehr für den FC Thun aus, der nicht einen Punkt aus all seinen Spielen im Rampenlicht mitnehmen konnte.
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Fussballer sind Tiere (3)

Harvest am Mittwoch den 13. April 2016

Herzlich willkommen zur dritten Folge unserer beliebten Serie „Fussballer sind Tiere“.

Ältere Leser erinnern sich. Ein stadt kantons landesweit bekannter Sprachvirtuose, der so berührend Flugzeuge besingt, eine Nuss anhimmelt und sie mehr liebt als sich selbst, der dem Sonnenkönig huldigt und noch nie in seiner Heimat war, dieser Barde also hat in einem Anflug von Stammtischpolterei den Fussball als „Pussyzeug“ und Fussballer als „Pussys“ bezeichnet. Dieser wenig virtuose Erguss wurde in allen Medien diskutiert und ich will gar nicht mehr darauf eingehen, ob das Männerbild vom primitiven Schläger, das der Randsportfan gerne zeichnet, wirklich besser ist. Vielmehr stellt sich die Frage: Sind Fussballer wirklich Pussys?

Die weniger anglophilen Leser haben vielleicht gar nicht verstanden, worum die Diskussion geht, im englischen Sprachraum wird eine (weibliche) Hauskatze „Pussy“ genannt. Natürlich meinte Herr Huber das despektierlich, was ich nicht im Geringsten nachvollziehen kann. Unsere Hauskatze ist eine Unterart der afrikanischen Wildkatze (verwandt mit der hierzulande nicht mehr häufigen europäischen Wildkatze) und gehört der gleichen Familie an wie die prächtigen und stolzen Arten Löwe, Tiger und Puma. Auch wenn die Pussys ein kleiner und für Menschen grösstenteils harmloser Vertreter der Familie der Katzen sind, ist Herrn Hubers negative Konnotation den Hauskatzen gegenüber mehr als störend. Aber item.

Der Vorzeigefussballer mit dem Akronym CR7 vom europäischen Vorzeigeverein Real Madrid beispielsweise hat sein charakteristisches Rumgestehe vor einem Freistoss bei einer Katze abgeschaut.

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Ja zum Eishockey

Herr Maldini am Freitag den 1. April 2016

Leitartikel Der Fussball hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Zum Glück gibt es das Eishockey.

Sie kennen das, vor allem als Fan der Young Boys: Es ist März, und in der Meisterschaft herrscht längst tote Hose. In diesem Fall haben Sie sogar Glück, manchmal ist die Spannung schon im Dezember weg. Der FC Basel längst über alle Berge, YB mal wieder über die eigenen Füsse gestolpert. Und dies nach vollmundigen Zielsetzungen vor dem Saisonstart.

Und was macht der Verein auf der anderen Seite der Papiermühlestrasse zur selben Zeit? Er kämpft um den Titel. Spannung pur bis zum Schluss! Sie sagen jetzt bestimmt, dass es beim SCB die fünfzig Runden davor um nichts gegangen sei. Stimmt nicht. Was war das für eine Saison. Die Sache mit Kobasew und all den anderen Verletzten, Bührer musste die Karriere beenden, dann wurde Boucher entlassen, und mit Leuenberger verloren sie im Januar sieben Mal in Folge. Klubnegativrekord! Wie er die Mannschaft zusammenhielt, wie die Mutzen die Playoffs zwei Runden vor Ende der Regular Season noch gerade schafften und dann zum Sturmlauf ansetzten – diese Geschichte liest sich wie ein Märchen.

Herr Maldini nach dem Hockeyplausch mit Expertin Annette Fetscherin.

Herr Maldini nach dem Hockeyplausch mit Teleclub-Expertin Annette Fetscherin.

Ich habe mir diese Saison ein paar Spiele des SCB angeschaut. Und liess mich sofort überzeugen. Wer im Tempel auf der Allmend keine Gänsehaut kriegt, wenn die 17’031 Zuschauer ihre Helden anfeuern, der hat wirklich ein Problem. Verglichen dazu kommt die Atmosphäre im ab und zu halbgefüllten “Stade de Suisse” (was für ein blasierter Name) in etwa der einer Beerdigung gleich.

Maldini studiert ein Hockey-Spiel.

Herr Maldini (oben rechts), umgeben von Fans, studiert ein Hockey-Spiel.

Natürlich habe ich mich kürzlich auch selber auf das Eis gewagt. Zugegeben, es ist nicht einfach, sich auf Schlittschuhen fortzubewegen. Das praktische für die weniger guten Läufer ist, dass man stets einen Stock dabei hat, der die Fortbewegung erleichtert und bei der Balance hilft. Auch das Anziehen der Ausrüstung braucht seine Zeit, aber glauben Sie mir, es ist es wert, sich umfassend zu schützen. Es geht hart zur Sache, nicht wie beim Spiel mit dem runden Leder. Sich nach einem Foul minutenlang auf dem Eis wälzen, bei einer vermeintlichen Berührung einfach abheben oder bei strittigen Entscheiden geschlossen auf den Schiedsrichter einreden: Gibt es beim Eishockey nicht. Dort gibt es den Videobeweis – der Fussball wird darüber noch Jahre diskutieren. Schwalbenkönige werden im Eishockey übrigens im Nachhinein mit einer Busse vom Himmel geholt. Und über Fehlentscheide muss nicht diskutiert werden, weil es keine gibt.

Dann kommt noch die Sache mit dem Puck. Ständig höre ich diese Ausrede. Kaufen Sie sich eine Brille, wenn Sie ihn nicht sehen! So einfach ist das. Und damit das zum Schluss noch gesagt ist: Der SCB braucht keine Rihs-Brüder im Hintergrund, damit der Laden nicht untergeht. Er hat CEO-Gott Marc Lüthi, der keinen Franken ausgibt, ohne ihn vorher verdient zu haben. Er muss das auch, weil er nicht einfach schnell ein paar Milliönchen mit irgendwelchen internationalen Spielen generieren kann. Auch deswegen bleibt die Liga ausgeglichen. Im Eishockey gibt es übrigens eine Champions League, doch dort steht der sportliche Aspekt im Vordergrund.

Der harte Gummi hat dem runden Leder in der Stadt Bern längst den Rang abgelaufen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Fussball zur Randsportart wird. Ich bin mir sicher, die Zukunft gehört dem Eishockey. Vielleicht treffe ich den einen oder anderen von Ihnen bald an der Meisterfeier auf dem Bundesplatz, über die wir hier natürlich ausführlich berichten werden. Erwachen Sie aus Ihren Träumen!

Grund zur Panik

Herr Shearer am Donnerstag den 31. März 2016

Manche Menschen haben komische Hobbies. Sie sammeln Zigarrenbanderolen, züchten Nacktschnecken oder interessieren sich für die Schweizer Fussballnationalmannschaft. In diesem Zusammenang erreicht uns soeben diese dringende Anfrage:

Sehr geehrter Herr Dr. Rüdisühli, das darf doch nicht wahr sein! Jetzt haben diese Nulpen innert ein paar Tagen gegen zwei Zwergstaaten verloren. Jetzt mal ehrlich: so müssen wir im Sommer schon gar nicht nach Frankreich fahren, oder? Auch ausgewiesene Experten sind übrigens meiner Meinung, kommen Sie mir also nicht mit irgendwelchen zweckoptimistischen Allgemeinplätzen! Mit sportlichen Grüssen, Ihr Heinz N. aus T.

“Lieber Heinz, keine Angst, ich teile Ihre Meinung vollkommen. Die Statistik gibt uns beiden dabei in grössten Teilen Recht. Seien wir mal ehrlich – an eine Europameisterschaft fährt man einzig und allein, um sie zu gewinnen. Sonst bucht man besser gleich zwei Wochen an einem schönen Sandstrand. Und nun fragen wir die Statistik, ob es möglich ist, mit einer solch schlechten Bilanz am Schluss einen Pokal zu stemmen. Lassen Sie mich die Antwort mit  Radio Eriwan geben: im Prinzip ja. Aber halt eben wirklich nur im Prinzip. Wie sieht denn die Bilanz der letzten acht Europameister in den Vorbereitungsspielen auf das Turnier aus? Wir haben die Testspiele der letzten acht Europameister ausgewertet, welche diese im Jahr des Titelgewinnens ausgetragen haben.

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Nun, wie Sie sehen, hat nur Griechenland im Jahr des Titels zwei Vorbereitunsspiele verloren. Falls also noch ein leichter Ruck durch die Mannschaft geht und die Verteidigung in sämtlichen Spielen einigermassen dicht hält, besteht theoretisch noch eine Chance. Aber wenn man es sich noch einmal durch den Kopf gehen lässt, dann muss man leider sagen: so etwas wie den Sieg der Griechen damals wollen selbst die härtestgesottenen Landi-Fans nicht noch einmal miterleben müssen. Ich empfehle Ihnen deshalb dringend, die Geranienkisten vorläufig noch nicht mit Papierfähnchen zu schmücken und nicht zuviele Aktions-Schweinssteaks im Tiefkühler einzulagern. Warten Sie auf alle Fälle noch die zwei letzten Testspiele ab (am 28.5. in Genf gegen Belgien, am 3.6. in Lugano gegen Moldawien). Sollte das A-Team des SFV auch diese beiden Begegnungen nicht siegreich gestalten können, halte ich es für möglich, dass der Blick den Vertrag von Vladimir Petkovik vorzeitig auflöst. Aber wir wollen ja jetzt noch nicht den Teufel an die Wand malen. Ich wünsche Ihnen und allen anderen Menschen mit diesem speziellen Interessengebiet auf alle Fälle einen schönen Sommer. Hopp Schwiiz, Ihr Dr. Rüdisühli