Archiv für die Kategorie ‘Südamerika’

Begeisternde Bewegungsabläufe

Rrr am Samstag den 12. September 2020

In der heutigen Kunstmatinee befassen wir uns mit klassischem Ballett.

Nichts für Männer? Falsch, sagt Edinson Cavani. Der ex-PSG-Star ist zurzeit vertragslos und nutzte die Gelegenheit, um in seiner Heimat Uruguay die Fussballschuhe gegen Balletschuhe zu tauschen. In der National Ballet School in Montevideo zog er sich Strumpfhosen an, um das Ballett für Buben und junge Männer populärer zu machenn. Cavani ist der Mann mit dem kleinen Buben auf dem Arm.

“Ich teile die Ansicht nicht, dass jeder Junge nur Fussball spielen soll”, sagte der 33-Jährige gegenüber Journalisten. “Ich glaube, dass Mädchen und Jungen die Freiheit haben müssen, ihr Glück in dem zu suchen, wofür sie sich am meisten begeistern, denn das ist der beste Weg, gut ausgebildet zu werden und Tag für Tag in einer festen Struktur zu wachsen.”

Die Zusammenarbeit mit professionellen Tänzern des Sodre, des uruguayischen Nationalballetts, begeisterte Cavani. “Die Erfahrung war unglaublich, die Tänzer führten mich in diese hohe Kunst ein. Ich bin voller Bewunderung. Tanz ist etwas Wunderbares.”

In Lateinamerika gibt es viel zu wenige männliche Tänzer, sei es fürs Ballett, den Tango oder zeitgenössischen Tanz. Cavani, der in Paris oft als Zuschauer im Ballett gesehen wurde, ermunterte Buben und junge Männer, über ihren Schatten zu springen. “Tanz ist eine Erfahrung genau wie Fussball, es geht darum, Bewegungsabläufe zu üben. Mit der Frage der Männlichkeit hat das nichts zu tun.”

Wo Cavani künftig Fussball spielt, ist noch offen. Um den Rekordtorjäger von PSG buhlen unter anderem Juventus und Atlético.

Opportuner Opferkult

Herr Winfried am Freitag den 12. Juni 2020

Alles, was man für ein Fussballspiel braucht, ist ein Ball (sei es aus Leder, Plastik, Socke oder sogar eine Kokosnuss). Und ein Opfer, das im Tor steht.

Neulich fand in einem kompetenten Fachblog eine lebhafte Diskussion über Torhüter statt. Nun präsentiert ein Start-Up aus Brasilien die neuste Innovation, um diese besondere Spezies zu fördern. Wir präsentieren feierlich die App: Finde deinen Torhüter!

Anno dazumal auf dem Pausenplatz war es ja in der Regel schwierig, einen Torhüter zu finden ziemlich einfach zu bestimmen, wer der arme Kerl ist: Der Jüngste musste als Goalie herhalten. Im Erwachsenenalter lassen sich das hingegen nur noch wenige gefallen – erst recht nicht im Mutterland des Joga-Bonito-Samba-Fussballs. Laut Experteneinschätzungen finden zwei opponierende Teams in 70% der Fälle keine(n), der ins Tor stehen will.

Also haben Eugen Braun und Samuel Toaldo (beides leidenschaftliche Torhüter) aus Curitiba eine wahrhaftige Win-Win-Situation für dieses ungelöste Problem geschaffen. Auf der App “Goleiro de aluguel” können Goalies ihre Stärken ausspielen – und erst noch Geld verdienen dabei. Für 90 Minuten kostet ein Torhüter nur 45 brasilianische Real (rund 8.50 Franken). 60 Prozent der Miete fliessen direkt an den Gemieteten! Grossartig, oder?

Links: die beiden Entrepreneure präsentieren Logo und Merchandise-Artikel. Rechts: Toaldo beim Fotoshooting. Bilder: © divulgação

Schon kurz nach der Lancierung haben sich laut den beiden Betreibern über 7000 Menschen bei “Goleiro de aluguel” registriert. Die App löst indes nicht nur das leidliche Goalie-Dilemma, ihr kommt auch eine soziale Bedeutung zu, die für echtes Unternehmertum heute unerlässlich ist: Ein Teil des Gewinns geht an Wohltätigkeitsorganisationen.

Der Weltfussball dankt.

Lässiger Lehrer

Val der Ama am Dienstag den 9. Juni 2020

Immer noch Homeschooling? Lassen Sie Spanisch lernen.

Es ist nicht einfach im England dieser Tage. Brexit, Johnson und dazu ein heftig wütendes Coronavirus, welches die meisten Kinder immer noch zur Heimarbeit zwingt. Die immer noch löbliche BBC unterstützt Schüler und Eltern seit Wochen mit Bitesize, einem täglich aktualisierten Angebot an Onlinelektionen verschiedenster Wissensbereiche aller Stufen.

Und aber wie! Zur Freude vieler Kinder, die unbedingt Spanisch lernen möchten oder auch müssen, wird ab Donnerstag Vertretungslehrer Sergio Agüero übernehmen. Er macht das empatisch und engagiert und der Selbsttest zeigt, dass in nur gerade einer einzigen Lektion die Zahlen von 1-12 prima rübergebracht werden. Ah, und dass sein Spanisch zwar südamerikanisch gefärbt ist, aber um Weiten besser verständlich, als sein Englisch ist. Auch wenn Sie nicht Spanisch sprechen.

Ab Donnerstag gehts los, für Europäer und Schweizer leider nur mit VPN.

Brasilianischer Boxenstopp

Rrr am Montag den 8. Juni 2020

Das historische Bild zum Wochenstart.

Montmeló, GP von Spanien, 25. Mai 1997: Ronaldo schenkt einem Fan ein Trikot.

Generöses Geständnis

Herr Winfried am Mittwoch den 11. März 2020

Cicinho ist kein anonymer Alkoholiker mehr.

Erinnern Sie sich noch an Cicero Cicinho? Der Rechtsverteidiger aus Brasilien spielte einst für Real Madrid und die AS Roma. An der WM 2006 figurierte Cicinho im Kader der “Seleçao” und kam dabei zweimal zum Einsatz. Das ist aus heutiger Sicht insofern erstaunlich, als er den Fitnessplan weniger strikt einhielt als andere. Auf diesem Foto posiert Cicinho möglicherweise mit einigen Bierchen intus.

Bild: Defensa Central

Inzwischen hat der heute 39-Jährige seine Karriere beendet. Und gibt zu, dass er in der Blütezeit seiner Karriere stark alkoholabhängig war. “Ich trank zehn Biere pro Tag”, sagt er etwa, und dies fast 20 Jahre lang. Süchtig sei er geworden, weil “sie mir sagten, das Bier sei so gut, also trank ich davon”.

Ausserdem rechnet Cicinho mit seinen früheren Kollegen im “weissen Ballett” ab.

Das war 2016. Laut eigenen Aussagen war er zum Zeitpunkt dieses Tweets aber wieder trocken. Seine Frau habe ihn überzeugt, mit dem Trinken aufzuhören und auf den richtigen Weg gebracht. Oh, und natürlich Gott, der sei auch ganz wichtig gewesen.

Überragender Übungsleiter

Val der Ama am Freitag den 28. Februar 2020

Jesus siegt.

Das ist Jorge Jesus und der hat mit Benfica und später auch Sporting drei Meistertitel und sechs Cupsiege feiern können. Seit Juni 2019 steht er bei Flamengo Rio de Janeiro an der Seitenlinie und auch dort sammelt er schöne Trophäen. So hat Flamengo vorgestern zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Recopa Sudamericana gewonnen, das südamerikanische Pendant zum UEFA Super Cup. Nach dem 2:2 im Hinspiel gegen Copa-Sudamericana-Sieger Independiente del Valle endete das Rückspiel mit 3:0 für den Copa-Libertadores-Sieger aus Brasilien.

Aufmerksame Leser haben mitgezählt: Die Recopa plus die Copa Libertadores, das sind zwei Titel für Jesus. Ah, und so ziemlich zeitgleich mit damals der Copa Libertadores hat Flamengo übrigens die Meisterschaft gewonnen. Und wenn wir grad aufzählen: Vor knapp zwei Wochen setzten sich die Rubro-Negro in der Supercopa do Brasil gegen Club Athletico Paranaense (3:0) durch und am 22. Februar dann der Gewinn der Taça Guanabara gegen den Boavista Sport Club (2:1).

Fünf Titel hat er also in den vergangenen knapp 8 Monaten geholt, der Jorge Jesus. Anzahl Niederlagen überhaupt mit Flamengo: 4. Gegen Emelec, Bahia, Santos und aber auch an der Klub WM gegen Liverpool.

(Bild: SofaScore Brazil/Twitter)

Foul oder Nicht-Foul?

Briger am Montag den 23. Dezember 2019

In unserer beliebten Rubrik schauen wir heute nach Argentinien.

Video via: @RGonzalezCBS

Beim Spiel zwischen Social Atletico Television (SAT) und La Union de Jaguel in der Liga Lujanense de Fútbol in der Provinz Buenos Aires geht Lucas Torres von SAT, sagen wir etwas übermotiviert zu Werke. Beim Stand von 1:4 wird das Spiel danach abgebrochen und Union zum Sieger erklärt.

Torres fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. 2016 hatte er einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis ins Gesicht geschlagen und musste anschliessend von vier Mann gebändigt werden. Damals wurde er für 24 Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Besondere Zahl

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 22. Oktober 2019

Schwulenfeindliches Brasilien: Niemand will die Rückennummer 24.

Jede mögliche Nummer wird bekanntlich von Fussballprofis begehrt, von 1 bis 99. In Brasilien ist die 24 die grosse Ausnahme, wie heimischen Medien berichten. In der obersten Liga trägt sie zurzeit nur einer von 600 Profis, Brenno Costa (unser Funkbild). Er ist der dritte Torwart im Kader von Gremio Porto Alegre.

In der Geschichte der Nationalmannschaft gab es überhaupt noch nie einen Spieler mit der Nummer 24. Brasilianer bringen die Zahl in Verbindung mit Homosexualität – und die ist ja im Männerfussball nach wie vor ein Tabuthema.

Die Sache kommt übrigens vom über 100 Jahre alten Tier-Glücksspiel Jogo do Bicho, wie unser Fachmann für Brasilien-Fragen, Herr Toshinho, auf Anfrage erklärte. Die Nummer 24 steht für den Hirsch, veado, was auch “Schwuler” bedeutet. Das Reh heisst im Portugiesischen ebenfalls einfach veado. Und hier kommt ein zweiter Erklärungsstrang ins Spiel: In den 1920er-Jahren soll ein Polizist in Rio damit beauftragt gewesen sein, Schwule, die im Stadtzentrum herumlungerten, einzubuchten. Als ihm dies nicht gelang, sagte er, sie seien wie Rehe geflüchtet. Diese Wendung fand seinen Weg über einen Zeitungsartikel in den Volksmund.

Brenno Costa ist das alles egal. “Ich bekam die Nummer 24, und ich habe damit keine Probleme”, sagt er. Übrigens sind die brasilianischen Teams in der Copa Libertadores gezwungen, die 24 zu vergeben, da sie dort ihr Kader von 1 bis 30 durchnummerieren müssen. Meistens kriegt dann der dritte Goalie die 24. Pro forma.

Stinkender Stoff

Herr Maldini am Dienstag den 22. Oktober 2019

Der Esporte Clube Bahia spielt in einem neuen Outfit.

Und zwar in einem öligen. Der Grund: Seit Wochen verdreckt eine mysteriöse Ölpest die Traumstrände Brasiliens. Ölklumpen und sogar Ölteppiche mit mehreren Metern Durchmesser verschmutzen ganze Küstenabschnitte.

Mit dem Trikot protestiert der Esporte Clube Bahia gegen die Untätigkeit der Regierung. Die staatlichen Umweltbehörden leiden unter den ihr verordneten Sparmassnahmen, so dass bei der Aufklärung der halbstaatliche Konzern Petrobras in die Bresche springen muss. Dieser stellte fest, dass es sich bei sämtlichen Proben um dieselbe Ölsorte handelte, nämlich um solche mit “venezolanischer DNA”.

Weil es der sympathische brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nicht so gut kann mit dem nicht minder entzückenden venezolanischen Regierungschef Nicolás Maduro, vermuten manche, dass Venezuela hinter der öligen Angelegenheit steckt.

Item. “Öliges Trikot?”, denken Sie jetzt sicher, “Kommt mir bekannt vor!”

Aber natürlich.

Auf engem Raum

Rrr am Dienstag den 1. Oktober 2019

Liga des Tages: Die Primera B in Chile.

Da ist alles recht nahe beinander in der zweithöchsten Liga des Landes – aber schauen Sie selber.

Ein beachtlicher Teil der bisherigen Spiele endeten übrigens 1:1 (oder Heinz Einz, wie wir Fachkräfte sagen).

Weniger spannend sind da die europäischen Wettbewerbe, die sich auch diese Woche weitgehend hinter der Bezahlschranke abspielen. Es gibt aber ein paar löbliche Ausnahmen.

Europacup im TV.
Dienstag. Champions League: Real Madrid-Brügge (18.55, Teleclub Zoom). Rest um 21.00 Uhr auf Teleclub Pay.
Mittwoch. Champions League: Barcelona-Inter (21.00, SRF2, RTS2, RSI2). Rest auf Teleclub Pay.
Donnerstag. Europa League: Young Boys-Glasgow Rangers (19.00, SRF2 etc). Arsenal-Standard Lüttich (21.00, Teleclub Zoom). Guimaraes-Frnkfurt (21.00, Nitro). Rest auf Teleclub Pay.

Büetzerbuebe mit Bällen

Rrr am Montag den 9. September 2019

Das historische Bild zum Wochenstart.

Córdoba, 1976. Der argentinische Erstligist Club Atlético Talleres posiert fürs Mannschaftsfoto.

Richtig, das ist das legendäre Team unter anderem mit Luduena, Alderete, Valencia, Willington, Ocano, Bravo, Bocanelli, Oviedo, Quiroga, Astudillo, Fachetti, Cabrera, Binello, Rivadero und Avalleneda.

Katastrophaler Klärungsversuch

Briger am Montag den 12. August 2019

Wir unterbrechen unsere Sendung und schauen kurz nach Chile.

Die Szene stammt aus der 2. chilenischen Liga aus dem Spiel Club Deportivo Corporación Arturo Fernández Vial aus Concepción gegen Club Deportes Recoleta aus Santiago. Der Unglücksrabe heisst Cristóbal Parry. Die weiteren Treffer zum 3:1-Auswärtssieg von Deportes Recoleta erzielten Diego Cuellar und Jorge Uribe. Für das Heimteam erzielte Milton Alegre ein Tor auf der richtigen Seite.

Arnd Zeiglers Kacktor-Rubrik hat damit an diesem Wochenende schon zwei ernsthafte Bewerbungen erhalten: