Archiv für die Kategorie ‘Südamerika’

Foul oder Nicht-Foul?

Briger am Montag den 23. Dezember 2019

In unserer beliebten Rubrik schauen wir heute nach Argentinien.

Video via: @RGonzalezCBS

Beim Spiel zwischen Social Atletico Television (SAT) und La Union de Jaguel in der Liga Lujanense de Fútbol in der Provinz Buenos Aires geht Lucas Torres von SAT, sagen wir etwas übermotiviert zu Werke. Beim Stand von 1:4 wird das Spiel danach abgebrochen und Union zum Sieger erklärt.

Torres fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. 2016 hatte er einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis ins Gesicht geschlagen und musste anschliessend von vier Mann gebändigt werden. Damals wurde er für 24 Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Besondere Zahl

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 22. Oktober 2019

Schwulenfeindliches Brasilien: Niemand will die Rückennummer 24.

Jede mögliche Nummer wird bekanntlich von Fussballprofis begehrt, von 1 bis 99. In Brasilien ist die 24 die grosse Ausnahme, wie heimischen Medien berichten. In der obersten Liga trägt sie zurzeit nur einer von 600 Profis, Brenno Costa (unser Funkbild). Er ist der dritte Torwart im Kader von Gremio Porto Alegre.

In der Geschichte der Nationalmannschaft gab es überhaupt noch nie einen Spieler mit der Nummer 24. Brasilianer bringen die Zahl in Verbindung mit Homosexualität – und die ist ja im Männerfussball nach wie vor ein Tabuthema.

Die Sache kommt übrigens vom über 100 Jahre alten Tier-Glücksspiel Jogo do Bicho, wie unser Fachmann für Brasilien-Fragen, Herr Toshinho, auf Anfrage erklärte. Die Nummer 24 steht für den Hirsch, veado, was auch “Schwuler” bedeutet. Das Reh heisst im Portugiesischen ebenfalls einfach veado. Und hier kommt ein zweiter Erklärungsstrang ins Spiel: In den 1920er-Jahren soll ein Polizist in Rio damit beauftragt gewesen sein, Schwule, die im Stadtzentrum herumlungerten, einzubuchten. Als ihm dies nicht gelang, sagte er, sie seien wie Rehe geflüchtet. Diese Wendung fand seinen Weg über einen Zeitungsartikel in den Volksmund.

Brenno Costa ist das alles egal. “Ich bekam die Nummer 24, und ich habe damit keine Probleme”, sagt er. Übrigens sind die brasilianischen Teams in der Copa Libertadores gezwungen, die 24 zu vergeben, da sie dort ihr Kader von 1 bis 30 durchnummerieren müssen. Meistens kriegt dann der dritte Goalie die 24. Pro forma.

Stinkender Stoff

Herr Maldini am Dienstag den 22. Oktober 2019

Der Esporte Clube Bahia spielt in einem neuen Outfit.

Und zwar in einem öligen. Der Grund: Seit Wochen verdreckt eine mysteriöse Ölpest die Traumstrände Brasiliens. Ölklumpen und sogar Ölteppiche mit mehreren Metern Durchmesser verschmutzen ganze Küstenabschnitte.

Mit dem Trikot protestiert der Esporte Clube Bahia gegen die Untätigkeit der Regierung. Die staatlichen Umweltbehörden leiden unter den ihr verordneten Sparmassnahmen, so dass bei der Aufklärung der halbstaatliche Konzern Petrobras in die Bresche springen muss. Dieser stellte fest, dass es sich bei sämtlichen Proben um dieselbe Ölsorte handelte, nämlich um solche mit “venezolanischer DNA”.

Weil es der sympathische brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nicht so gut kann mit dem nicht minder entzückenden venezolanischen Regierungschef Nicolás Maduro, vermuten manche, dass Venezuela hinter der öligen Angelegenheit steckt.

Item. “Öliges Trikot?”, denken Sie jetzt sicher, “Kommt mir bekannt vor!”

Aber natürlich.

Auf engem Raum

Rrr am Dienstag den 1. Oktober 2019

Liga des Tages: Die Primera B in Chile.

Da ist alles recht nahe beinander in der zweithöchsten Liga des Landes – aber schauen Sie selber.

Ein beachtlicher Teil der bisherigen Spiele endeten übrigens 1:1 (oder Heinz Einz, wie wir Fachkräfte sagen).

Weniger spannend sind da die europäischen Wettbewerbe, die sich auch diese Woche weitgehend hinter der Bezahlschranke abspielen. Es gibt aber ein paar löbliche Ausnahmen.

Europacup im TV.
Dienstag. Champions League: Real Madrid-Brügge (18.55, Teleclub Zoom). Rest um 21.00 Uhr auf Teleclub Pay.
Mittwoch. Champions League: Barcelona-Inter (21.00, SRF2, RTS2, RSI2). Rest auf Teleclub Pay.
Donnerstag. Europa League: Young Boys-Glasgow Rangers (19.00, SRF2 etc). Arsenal-Standard Lüttich (21.00, Teleclub Zoom). Guimaraes-Frnkfurt (21.00, Nitro). Rest auf Teleclub Pay.

Büetzerbuebe mit Bällen

Rrr am Montag den 9. September 2019

Das historische Bild zum Wochenstart.

Córdoba, 1976. Der argentinische Erstligist Club Atlético Talleres posiert fürs Mannschaftsfoto.

Richtig, das ist das legendäre Team unter anderem mit Luduena, Alderete, Valencia, Willington, Ocano, Bravo, Bocanelli, Oviedo, Quiroga, Astudillo, Fachetti, Cabrera, Binello, Rivadero und Avalleneda.

Katastrophaler Klärungsversuch

Briger am Montag den 12. August 2019

Wir unterbrechen unsere Sendung und schauen kurz nach Chile.

Die Szene stammt aus der 2. chilenischen Liga aus dem Spiel Club Deportivo Corporación Arturo Fernández Vial aus Concepción gegen Club Deportes Recoleta aus Santiago. Der Unglücksrabe heisst Cristóbal Parry. Die weiteren Treffer zum 3:1-Auswärtssieg von Deportes Recoleta erzielten Diego Cuellar und Jorge Uribe. Für das Heimteam erzielte Milton Alegre ein Tor auf der richtigen Seite.

Arnd Zeiglers Kacktor-Rubrik hat damit an diesem Wochenende schon zwei ernsthafte Bewerbungen erhalten:

Jeder kennt die Frage, niemand die Antwort (60)

Herr Maldini am Dienstag den 6. August 2019

Verwirrung total in Südamerika!

Wenn in der höchsten bolivianischen Liga der Club Always Ready auf den Club Bolívar trifft, ist Spannung garantiert. Das war auch am Wochenende der Fall, obwohl sich in dieser Partie die Zuschauenden etwas gedulden mussten.

Das Spiel war ein Lehrstück für all jene, die gerne in der 85. Minute das Stadion verlassen: Das erste Tor fiel nämlich erst in der 86. Minute und dem Führungstreffer von Bolívar. Das war es aber noch nicht: In der 95. Minute kam es zu einer strittigen Szene (Bewegtbild hier, entschuldigen Sie bitte die schlechte Ausleuchtung der Szene). Nach Konsultation des VAR entschied der Schiedsrichter Raul Orosco auf Penalty (unser Funkbild). Darauf folgten minutenlange Diskussionen, William Ferreira setzte den Elfmeter schliesslich in der 17. Minute der Nachspielzeit an den Pfosten. Das Schlussresultat folglich: 0-1.

Foto: Screenshot.

Zurück blieb vor allem eine Frage: Weshalb hatte sich Orosco auf den VAR berufen? Er ist in der bolivianischen Liga noch gar nicht zugelassen.

Respektable Rasur

Rrr am Samstag den 3. August 2019

BREAKING NEWS: Ali Camara fällt monatelang aus: Schienbein-Bruch im Training. Gute Besserung, Ali!

Kein Geld für ein Trikot? Kein Problem!

Guilherme Pimentel ist Gaststudent an der Universität von Belo Horizonte. Freunde luden den 25-Jährigen zum Fussball an, doch leider hatte Guilherme kein Trikot von Atlético Mineiro.

So lieh sich der angehende Ingenieur eine Tondeuse und rasierte das schwarzweiss gestreifte Trikot auf den Oberkörper. Eine tolle Idee. In den sozialen Medien Südamerikas wird der Brasilianer seither als Stilikone gefeiert.

“Na ja, ich habs nicht zum ersten Mal gemacht”, berichtete Guilherme unseren Kollegen von Globo Esporte. “Für ein Familienfest habe ich mir schon mal das S von Superman auf die Brust rasiert.”

Atlético Mineiro gewann das Heimspiel gegen Botafogo 2:0 und hat damit die Viertelfinals der Copa Sudamericana erreicht.

Kein Gemecker wegen Becker

Rrr am Mittwoch den 10. Juli 2019

BREAKING NEWS: Fabian Lustenberger ist neuer YB-Captain

Ein Goalie als Weltfussballer?

Warum nicht – Alisson Becker hätte es jedenfalls verdient, finden viele. Der Brasilianer gewann diese Saison die Champions League und die Copa America, ausserdem wurde er zum besten Torhüter von Champions League, Copa und Premier League gekürt.

Zum Schluss der Saison blieb er überdies in neun Stück am Spielen unbezwungen. Die Serie begann mit dem legendären 4:0 gegen Barca im CL-Halbfinal, darauf folgte das 2:0 gegen Wolverhampton, das 2:0 im CL-Final gegen Spurs und die Copa-Spiele gegen Honduras (7:0), Bolivien (3:0), Venezuela (0:0), Peru (5:0), Paraguay (0:0 nV) und Argentinien (2:0). Erst im Endspiel wurde Becker wieder bezwungen – allerdings vom Elfmeterpunkt.

Erst einmal hat ein Torhüter den Ballon d’Or gewonnen. Ältere Leser erinnern sich: Das war 1963, als der Russe Lew Jaschin die Trophäe entgegennehmen durfte. Der letzte Goalie, der wenigstens in die Nähe der Auszeichnung kam, war Manuel Neuer (Dritter im Jahr 2014).

Der Goalie-Beauftragte des Runden Leders, Herr Alleswisser, nimmt wie folgt Stellung: “Die Wahl von Herrn A. Becker hat meinen Segen. Es ist sowieso völlig rätselhaft, warum in den letzten 30 Jahren nicht mindestens zehnmal ein Goalie gewonnen hat. Und wenn ich schon mal etwas sagen darf: Der wahre Skandal ist, dass in der CL, PL etc jeweils der beste Torhüter gewählt wird. Das gehört abgeschafft! Denn dieser Titel dient als Alibi, um bei der viel wichtigeren Wahl des ‘Weltfussballers’ die Goalies ruhigzustellen und schamlos zu übergehen. Jetzt rege ich mich schon wieder auf!”

Mahlzeit von Messi

Rrr am Mittwoch den 10. Juli 2019

BREAKING NEWS: Leistenbeschwerden! Christian Fassnacht fällt drei Wochen aus

Der bekannte Fussballspieler aus Argentinien ernährt Obdachlose.

Lionel Messi besitzt in seiner Heimatstadt das Familienrestaurant VIP, und das verköstigt zwei Wochen lang kostenlos Arme. Täglich von 19 bis 21 Uhr wird warmes Essen serviert, und es gibt auch zu trinken. “Kaffee und Rotwein inbegriffen”, wie Ariel Almada, der Geschäftsführer des Restaurants, versichert. “Die wirtschaftliche Situation in Argentinien ist hart, es braucht Unterstützung für die Ärmsten”, liess sich Messi verlauten.

Erst im Februar hatte er für Schlagzeilen gesorgt, als seine philanthropische Stiftung 200’000 Euro für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in Kenia spendete. Mit dem Geld wird laut Medienberichten mehreren tausend Schulkindern der Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht.

“Er ist so ein wunderbarer Mensch, er gibt uns jeden Tag einen neuen Grund, ihn zu lieben”, schreibt ein Fan-Account auf Twitter.

(Fotos: TripAdvisor)

Kleine Konfusion

Rrr am Dienstag den 25. Juni 2019

Ein Gockel fällt vom Sockel.

Fragen Sie nicht, was uns dieser Platzstürmer mit seiner Verkleidung sagen möchte – wir wissen es nicht.

Der Chilene Gonzalo Jara wusste es auch nicht, er stoppte den Eindringling an der Copa America mit einem rustikalen Foul. Was wiederum den Uruguayer Luis Suarez bewog, beim Schiedsrichter eine gelbe Karte gegen Jara einzufordern. Dafür sah der Referee keinen Grund. Er liess es auch zu, dass Suarez’ Gegenspieler im Strafraum einen Ball mit der Hand abwehrte, worauf Suarez einen Penalty forderte. Nun gut, der Gegenspieler war der Goalie der Chilenen.

Es ist offenbar auch in Südamerika verdammt heiss.

Problematischer Panenka

Val der Ama am Freitag den 26. April 2019

Ja, schon wieder ein Beitrag dazu.

Seit dem 20. Juni 1976 und damals dem Final der Europameisterschaft kennen wir diese Penaltyvariante, bei der der Schütze gut, der Torhüter nicht so gut ausschaut. So viel Coolness hat Antonin Panenka unsterblich gemacht und war eine Inspiration für zum Beispiel Sergio Ramos oder auch Andrea Pirlo. Unlängst hat Lionel Messi eine Weiterentwicklung präsentiert.

Blöd dann, wenns in die Hose geht. Neulich anlässlich der Copa Sudamericana und zwar bei Independiente Campo Grande aus Paraguay gegen La Equidad aus Kolumbien war es mal wieder soweit: Beide Teams mussten ins Penaltyschiessen und schliesslich dann auch Brendix Parra von Independiente und der eben mit einem Panenka und ganz deutlich ein Fehlversuch.

Parra wurde so zum doppelten Loser: Ausgeschieden einerseits und entlassen dann kurze Zeit später andererseits. Präsident Eriberto Gamarra: “Wir haben uns dazu entscheiden, weil sein Penaltyschuss unverantwortlich war.” Parra betrübt: “Es ist nicht einfach für mich aber das Leben geht weiter.”