Archiv für die Kategorie ‘FIFA’

Der geile Goleo

Rrr am Dienstag den 23. November 2004

Aufregung beim Deutschen Fussball-Bund: Wer im Internet nach dem WM-Maskottchen Goleo sucht, kann auf illustre Seiten stossen. Der DFB hat es nämlich versäumt, die Domains zu schützen. Unter “Goleo” bekommt man es jetzt mit Münzhändlern und Bürosoftware zu tun.

“Unter der österreichischen Endung .at landet man gar bei einem Sex-Club”, stellte die “Berliner Zeitung” entsetzt fest.

Wir vom Weblog begaben uns sofort ins Internet, um diesem schrecklichen Verdacht nachzugehen. Unerschrocken tippten wir www.goleo.at ein, machten uns bereits aufs Schlimmste gefasst, richtig obszöne, feuchte, verschärfte Gruppensex-Szenen auf dem Bauernhof und so Sachen, und was sehen wir? Na ja, probiert’s selber.

Der DFB ist im übrigen ein Heuchler-Klub: Sein geiler Goleo hat ja nicht einmal ein Höschen an.

Who cares but the Germans?

Frans am Montag den 22. November 2004

Einem brandaktuellen und hochbrisanten Thema widmet sich der Autor Alex Feuerherdt in seinen ellenlangen, Online publizierten Betrachtungen zum Mythos “Wembley-Tor”, welches die Engländer bekanntlich im WM-Final 1966 schossen. Wir stehen hier vor einem der seltenen Glücksfälle, in denen ein Beitrag voll und ganz hält, was sein Titel verspricht: “Who cares but the Germans?”

Positive Ausstrahlung

Frans am Freitag den 19. November 2004

Das Wort hat Herr Blatter, Generalsekretär der FIFA: “Rassismus und Diskriminierung haben in unserem Sport keinen Platz. Die Welt von heute ist von Konflikten geprägt, die auf Rassismus und Diskriminierung zurückzuführen sind. Der Fussball verfügt über eine positive Ausstrahlung, die zur Bekämpfung dieser Übel genutzt werden muss.”
Sepp sprach im Anschluss an das Freundschaftsspiel zwischen Spanien und England vom vergangenen Mittwoch.
Dem positiven Beispiel ihres weisen Nationaltrainers Luis Aragonés folgend – er hat nämlich ganz viele, liebe schwarze Freunde, die er im Gegensatz zu Thierry Henry nicht beschimpft – spornte das lustige Publikum im Stadion Bernabeu gerade die farbigen Spieler von England an: Bei jeder Ballberührung gab es aufmunterndes Affengebrüll und heitere Gesänge (“Hüpfe, wenn du kein verdammter Neger bist”). Was wäre diese konfliktträchtige Welt ohne Sepp, den Fussball und seine positive Ausstrahlung?


Die hüpfenden Enkel der lieben Kolonisten

Yassir

Frans am Donnerstag den 18. November 2004

Die Fussballnationalmannschaft von Palästina erinnert uns und Alain Sutter auf ihrem Gruppenbild vor dem Länderspiel gegen Irak (1:4) an die vor allem von Fussballfunktionären immer wieder verkündete Grundregel, dass Sport und Politik säuberlich zu trennen sind:

Der fliegende Holländer

Dr. Eichenberger am Mittwoch den 17. November 2004


China fährt definitiv nicht an die Fussball-WM 2006. In einem dramatischen Fernduell mit Kuwait verpasste die Truppe von Trainer Arie Haan trotz Sieg die entscheidende Qualifikationsrunde. Wenn auch nur knapp: Während China Hongkong mit 7:0 deklassierte, feierten die Kuwaitis gegen Malaysia einen 6:1-Triumph. Bei Punktgleichheit (je 15), Gleichheit im direkten Vergleich und gleicher Tordifferenz (+13) setzte sich Kuwait auf Grund der Anzahl der erzielten Treffer (15:2) gegenüber China (14:1) durch. Das fehlene Tor dürfte dem Niederländer Arie Haan nun den Kopf kosten. Seit Tagen läuft nämlich in der Chinesischen Presse eine Kampagne gegen den Holländer, wie die FaZ berichtete. Das nationale Sportbüro fasste schon vor dem entscheidenden Spiel den einstimmigen Beschluss, dass Haan für die missliche Lage die Hauptverantwortung trage. In den Medien kursierte eine Zehn-Punkte-Anklageschrift, worin Haans Trainerfähigkeit in Zweifel gezogen werden: Seine Methoden seien ziellos, seine Taktik veraltet und konservativ, er sei kommunikationsunfähig, gehe schlecht mit den chinesischen Spielern und Trainerkollegen um, habe unbegründetes Selbstbewusstsein und verfolge eine fragwürdige Personalpolitik. Genügt das für eine Entlassung?


Trotz militärischer Unterstützung nur ein müder 7:0 Sieg.

Wir Deutschen

Frans am Mittwoch den 17. November 2004

Heute in der “Schweizer” WM-Qualifikations-Gruppe 4: Das Spiel Zypern – Israel. Das interessiert auch im Ausland brennend. Wir lesen auf der spezialisierten Website belgiumsoccer.be: “Groep 4: Bij winst kan Israël zich aan de top van deze groep vestigen naast Frankrijk en Duitsland.”
Schneller als wir es uns je erträumen konnten, profitieren wir und Köbi davon, dass Klinsmann trikotmässig rot sieht. Endlich hält uns jemand für einen dreifachen Weltmeister. Wenn auch nur in Luxemburg…


Murat Yakin ist ganz heiss auf das heutige Spiel gegen Kamerun

Rettet Berni!

Rrr am Dienstag den 16. November 2004

Die Wahl von Goleo zum offiziellen Maskottchen der WM 2006 erregt noch immer die Gemüter.

Besonders gross ist die Enttäuschung im Lager der Aktion Rettet Berni. Die Organisation kämpfte für ein Comeback des EM-Maskottchens von 1988.

Aber mal ehrlich, diesen zwangslustigen Hasen will auch niemand sehen, oder?

Der doppelte Löwenkönig

Frans am Sonntag den 14. November 2004

Fussballfreunde aller Welt rätseln, wieso die Deutschen vom Bundesadler auf den Löwen (bzw. das Maskottchen Goleo) gekommen sind. Eine Huldigung an England? Kamerun? Züri?
Wir tippen eher auf die hoch geschätzten königlichen Nachbarn in den orangen Leibchen an der deutschen Westgrenze.

Einer der zahllosen holländischen Fussballsöldner hat sich auch im Club für den Löwen entschieden: Arjen Robben (20; transferiert für 18 Mio. Euros) stürmt am linken Flügel für Chelsea und schiesst dort Tor um Tor, zuletzt beim Auswärtssieg in Fulham.

Robben aspiriert auf den Titel des doppelten Löwenkönigs und reagiert als Spezialist auf den Goleo nicht anders als wir Normalsterblichen: Zum Brüllen geistreich!

Der lustige Goleo

Rrr am Samstag den 13. November 2004


Pelé (links) und Beckenbauer (rechts) präsentieren in der TV-Sendung “Wetten, dass…” das offizielle Maskottchen der WM 2006: Es ist Goleo, ein lustiger Löwe. Die Idee ist wirklich extrem lustig, da kam noch nie jemand drauf, so einen Löwen als WM-Maskottchen zu nehmen.

Gut, den Engländern kam es schon in den Sinn. 1966. Aber das ist ja lange her, nicht?

Aus diesem Holz sind Weltmeister geschnitzt

Dr. Eichenberger am Freitag den 29. Oktober 2004

Die Verantwortlichen der Deutschen Nationalmannschaft unternehmen alles, um 2006 ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken. Neuerdings schlägt Team-Manager OIiver Bierhoff vor, den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner als Berater anzuheuern. Die beiden sollen den Spielern beibringen, schneller zu werden und höher hinaus zu wollen. «Reinhold Messner hat 8000er bezwungen, der ist eine eindrucksvolle Person und kann den Spielern sagen, wie man grosse Aufgaben bewältigt», sagt Bierhoff über den 60-jährigen Extrem-Bergsteiger. Die geplante Einladung an Schumacher begründet der Europameister von 1996 mit den Worten: «Er weiss schliesslich, wie man Weltmeister wird.» Verblüffendes hat auch der Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor: er will einen Mentaltrainer verpflichten!!!! «Man kann das Konzentrationsvermögen, Stressverhalten, die Druckbewältigung oder die Körpersprache trainieren», hat Klinsmann herausgefunden und nennt gleich ein einleuchtendes Beispiel für seine gewagte Theorie: «Wenn ein Führungsspieler nach einem Gegentor den Kopf hängen lässt, gibt das sofort eine Kettenreaktion. Das sehen die anderen und lassen auch den Kopf hängen.» So ist das! Wir können die neuen Wege, die unser nördlicher Nachbar einzuschlagen im Begriffe ist, gelassen zur Kenntnis nehmen. Die Schweiz qualifiziert sich eh nicht für die Endrunde.

Fuck you? Fuck off!

Frans am Donnerstag den 28. Oktober 2004

Wir alle haben ab und zu unsere originellen Ausreden: So etwa Bill Clinton. Er rauchte Marihuana, aber er inhalierte nicht. Oder Alex Frei: Er sagte “Putain”, aber er bespuckte Gerrard nicht. Und so auch Belgiens Nationalspieler Eric Deflandre. Er sprach beim Länderspiel in Spanien (9. Oktober) mit Schiedsrichter Nielsen, aber er sprach nicht englisch. Denn Deflandre ist der Sprache Shakespeares (oder Rooneys) gar nicht mächtig. Ergo konnte er Herrn Nielsen auch nicht mit “Fuck you!” beschimpft haben.

Da nicht alle unsere originellen Ausreden gleich glaubwürdig sind, wechseln wir mitunter unsere Versionen. So auch Eric Deflandre. Er bekannte sich zum “Fuck off!”, nicht aber zum “Fuck you!” Dies sei eine wesentliche Nuance, dozierte der plötzlich des englischen Idioms und seinen Kraftausdrücken in allen Feinheiten mächtige Deflandre der belgischen Presse. Für die Finessen des Frühenglisch ist die FIFA taub. Sie sanktioniert die gelb-rote Karte mit nicht weniger als drei Spielsperren. Deflandre will sich wehren.
Übertrumpft wird er übrigens von Nati-Kollege Bart Goor (mit seinem Clubteam Feyenoord Rotterdam im Dezember beim FC Basel zu Gast). Der kriegt nach dem Spanien-Spiel fünf Sperren. Er gab keine englischen Finessen von sich, kommunizierte jedoch in einer noch universelleren Sprache. Er gab es zu, aber…

Aber er wollte gar nicht treffen, denn sein Opponent stand viel zu weit weg (“Maar nooit met de bedoeling om hem te raken, daarvoor stond ik ook veel te ver.”)


In sicherer Distanz: Goor und Xavi

Goalie-Foul

Rrr am Freitag den 15. Oktober 2004

Mit englischen Torhütern ist nicht zu spassen – diese Erfahrung machte am Mittwoch ein junger Aserbaidschane, der beim WM-Ausscheidungsspiel gegen England einen Ausflug aufs Feld wagte.

Goalie Paul Robinson tat zunächst so, als ob er dem Unbekannten ausweiche. Dann fuhr er im richtigen Moment sein Bein nach hinten aus und brachte den Eindringling mit dieser unerwarteten Grätsche zu Fall.

Anschliessend hielt Robinson den armen Fan im Schwitzkasten, bis die Ordner angerannt kamen.

Ein klassisches Goalie-Foul, möchte man meinen!