Archiv für die Kategorie ‘FIFA’

Aus diesem Holz sind Weltmeister geschnitzt

Dr. Eichenberger am Freitag den 29. Oktober 2004

Die Verantwortlichen der Deutschen Nationalmannschaft unternehmen alles, um 2006 ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken. Neuerdings schlägt Team-Manager OIiver Bierhoff vor, den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner als Berater anzuheuern. Die beiden sollen den Spielern beibringen, schneller zu werden und höher hinaus zu wollen. «Reinhold Messner hat 8000er bezwungen, der ist eine eindrucksvolle Person und kann den Spielern sagen, wie man grosse Aufgaben bewältigt», sagt Bierhoff über den 60-jährigen Extrem-Bergsteiger. Die geplante Einladung an Schumacher begründet der Europameister von 1996 mit den Worten: «Er weiss schliesslich, wie man Weltmeister wird.» Verblüffendes hat auch der Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor: er will einen Mentaltrainer verpflichten!!!! «Man kann das Konzentrationsvermögen, Stressverhalten, die Druckbewältigung oder die Körpersprache trainieren», hat Klinsmann herausgefunden und nennt gleich ein einleuchtendes Beispiel für seine gewagte Theorie: «Wenn ein Führungsspieler nach einem Gegentor den Kopf hängen lässt, gibt das sofort eine Kettenreaktion. Das sehen die anderen und lassen auch den Kopf hängen.» So ist das! Wir können die neuen Wege, die unser nördlicher Nachbar einzuschlagen im Begriffe ist, gelassen zur Kenntnis nehmen. Die Schweiz qualifiziert sich eh nicht für die Endrunde.

Fuck you? Fuck off!

Frans am Donnerstag den 28. Oktober 2004

Wir alle haben ab und zu unsere originellen Ausreden: So etwa Bill Clinton. Er rauchte Marihuana, aber er inhalierte nicht. Oder Alex Frei: Er sagte “Putain”, aber er bespuckte Gerrard nicht. Und so auch Belgiens Nationalspieler Eric Deflandre. Er sprach beim Länderspiel in Spanien (9. Oktober) mit Schiedsrichter Nielsen, aber er sprach nicht englisch. Denn Deflandre ist der Sprache Shakespeares (oder Rooneys) gar nicht mächtig. Ergo konnte er Herrn Nielsen auch nicht mit “Fuck you!” beschimpft haben.

Da nicht alle unsere originellen Ausreden gleich glaubwürdig sind, wechseln wir mitunter unsere Versionen. So auch Eric Deflandre. Er bekannte sich zum “Fuck off!”, nicht aber zum “Fuck you!” Dies sei eine wesentliche Nuance, dozierte der plötzlich des englischen Idioms und seinen Kraftausdrücken in allen Feinheiten mächtige Deflandre der belgischen Presse. Für die Finessen des Frühenglisch ist die FIFA taub. Sie sanktioniert die gelb-rote Karte mit nicht weniger als drei Spielsperren. Deflandre will sich wehren.
Übertrumpft wird er übrigens von Nati-Kollege Bart Goor (mit seinem Clubteam Feyenoord Rotterdam im Dezember beim FC Basel zu Gast). Der kriegt nach dem Spanien-Spiel fünf Sperren. Er gab keine englischen Finessen von sich, kommunizierte jedoch in einer noch universelleren Sprache. Er gab es zu, aber…

Aber er wollte gar nicht treffen, denn sein Opponent stand viel zu weit weg (“Maar nooit met de bedoeling om hem te raken, daarvoor stond ik ook veel te ver.”)


In sicherer Distanz: Goor und Xavi

Goalie-Foul

Rrr am Freitag den 15. Oktober 2004

Mit englischen Torhütern ist nicht zu spassen – diese Erfahrung machte am Mittwoch ein junger Aserbaidschane, der beim WM-Ausscheidungsspiel gegen England einen Ausflug aufs Feld wagte.

Goalie Paul Robinson tat zunächst so, als ob er dem Unbekannten ausweiche. Dann fuhr er im richtigen Moment sein Bein nach hinten aus und brachte den Eindringling mit dieser unerwarteten Grätsche zu Fall.

Anschliessend hielt Robinson den armen Fan im Schwitzkasten, bis die Ordner angerannt kamen.

Ein klassisches Goalie-Foul, möchte man meinen!

¡Esto non es futbol!

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 14. Oktober 2004

Mit Entsetzen nahm Spanien von der duerfigen Leistung der Seinen im Auswaertsspiel in Litauen Kenntnis. “Das ist nicht Fussball”, empoert sich die Sportzeitung “as”, “das ist Fernsehmuell!” Dabei hat der Nationaltrainre Luis Aragones alles versucht, seine Mannen zu motivieren. Seinen Mittelfeldspieler Reyes schrie er letzte Woche im Trainingscamp vor versammelter Journalistenschar an: “Du bist besser als dieser Scheiss-Neger!” Er meinte damit Reyes Teamkollegen bei Arsenal, Thierry Henry. Das kam dem franzoesischen Natispieler ziemlich spanisch vor. Nicht aber den Chefs beim spanischen Fussballverband. Konsequenzen hatte die rassistische Entgleisung fuer Aragones naemlich keine. Die spinnen, die Spanier! (Von unserem Spanienkorrespondenten Pedro Peppe)

Ein Australier in Europa

Rrr am Donnerstag den 14. Oktober 2004

Das ist der 31-jährige Schiedsrichter Mark Shield, der erste Australier, der WM-Ausscheidungsspiele in Europa pfeifen durfte. Das Resultat ist verheerend.

Beim Spiel Nordirland-Österreich übersah Shield eine Reihe brutaler Fouls und ermöglichte den Nordiren in der 94.Minute das 3:3, weil er einem Österreicher die Rückkehr auf den Rasen verweigerte. “Dieser Australier hat in Europa nichts verloren”, tobte Österreichs Trainer Hans Krankl. “Das war zeitweise Rugby, nicht Fussball.”

Mark Shield? Kennen wir diesen Namen nicht von irgendwo? Genau! Das war der Mann, der bei Israel-Schweiz am Samstag ein brutales Foul an Tranquillo Barnetta ungeahndet liess. Barnetta liegt jetzt mit Kreuzbandriss im Spital und fällt den Rest der Saison aus.

Ein Fall für Ogi

Rrr am Sonntag den 10. Oktober 2004

Adolf Ogi soll beim Fussballverband aufräumen und die Fussball-EM 2008 retten: Diese unglaublich originelle Idee präsentiert uns die SonntagsZeitung.

Ogi gibt sich zurückhaltend. “Falls eine Anfrage für eine solche Funktion käme, würde ich mir das genau überlegen”, sagte er der Zeitung.

Ach was! Adolf ist auf den Job spitz wie Anton und übt schon heimlich in seinem UNO-Büro geeignete Posen, wie unser Exklusiv-Bild zeigt. Er kann es sogar mit zwei Bällen gleichzeitig!

Voll fit in Venezuela

Rrr am Sonntag den 10. Oktober 2004

Das sorgt für neuen Ärger bei Real: In Madrid klagt Superstar Ronaldo seit Wochen über muskuläre Probleme und verzichtet deshalb aufs Fussballspielen – beim WM-Spiel Venezuela – Brasilien in der vergangenen Nacht zeigte er sich dagegen in Hochform und steuerte zwei Tore zum 5:2-Sieg bei.

Vielleicht gehen ihm in Spanien einfach die Galaktischen auf die Nerven? Zieh weiter, Fussballengel!

Rudelbildung mit Urs Meier

Rrr am Donnerstag den 9. September 2004

Vizeweltmeister Deutschland ist auf der Suche nach neuartigen Trainingsformen – auch im Freundschaftsspiel gegen Brasilien: Unter der kundigen Leitung des Schweizer Top-Referees Urs Meier (Würenlos) probten Klinsmanns Kicker gestern abend die Rudelbildung im Torraum.

Das Spiel endete übrigens 1:1, aber das interessiert eigentlich niemanden.

Teutonen auf Gummitwist

Rrr am Mittwoch den 8. September 2004

Mit neuartigen Trainingsmethoden will Deutschland heute den Weltmeister schlagen: Vor dem Spiel gegen Brasilien mussten Klinsmanns Kicker mit Gummi-Bändern gefesselt über den Rasen hüpfen.

Erfunden hat das ein US-Fitnesstrainer, der die hüftsteifen Teutonen auf Vordermann bringen will.

Sollte der Erfolg ausbleiben, könnte man es eventuell noch mit Blinder Kuh oder Sackhüpfen probieren.

(Fotos: DSF, Bild)

Erhellendes von Heller

Dr. Eichenberger am Freitag den 3. September 2004

Der Wiener Multimediakünstler und bekennender Sporthasser André Heller soll an der WM 2006 ein Kulturprogramm für 30 Millionen Euro kuratieren. Dass wir uns schon jetzt darauf freuen dürfen, zeigt sein Interview im Spiegel Ein Bonmot daraus: «Ich fand es mutig, einen nicht gerade pflegeleichten, exzentrischen Ausländer wie mich zu nehmen, von dem jeder weiss, dass ihn die Gesellschaft einer anmutigen, wohlriechenden Dame mehr interessiert als elf verschwitzte, Trikot tragende Mannsbilder.»

Unser Bild: André Heller, bis zur Unkenntlichkeit verkleidet als YB-Fan, im Zug von Wien nach Berlin. (Foto: Pinarello)