Archiv für die Kategorie ‘Schalungstafeln’

Absoluter Ausverkauf

Val der Ama am Freitag den 15. November 2019

Spanien oder Italien – Hauptsache in Saudi-Arabien.

Der italienische Supercoppa fand im letzten Jahr in Saudi-Arabien statt und auch in diesem Jahr wird das Spiel zwischen Meister und Pokalsieger – Juventus Turin und Lazio Rom – dort ausgetragen.

Was den Italienern Riad, ist den Spaniern die Küstenstadt Dschidda und dort treten nächsten Januar der FC Barcelona, Real Madrid, der FC Valencia und Atletico Madrid in einer Art Miniturnier gegeneinander an. Spaniens Verband (RFEF) hat aber natürlich verantwortungsvoll verhandelt und so dürfen im Fall dann Frauen ins Stadion und erst noch gratis. Ah, und Geld gibts auch: 120 Mio. Euro über drei Jahre, weil die Austragungen 2012 und 2022, die hat man auch gleich nach Saudi Arabien vergeben.

Nach der Vergabe der Weltmeisterschaft nach Katar und dem recht schwachen Aufschrei von Medien und Fans danach, kann man die Haltung RFEF gut nachvollziehen: Wenn die Kohle stimmt, dann spielen auch so Menschenrechtsüberlegungen keine Rolle. Und klar: Bei 120 Millionen, da schaut man doch auch mal über Folter oder Todesstrafe hinweg.

Immerhin jetzt aber: Gestern gab der öffentlich-rechtliche spanische TV-Sender TVE bekannt, dass er kein Angebot für die Übertragung abgeben wird. “Wir glauben, dass wir nicht für die Rechte auf einen Supercup bieten dürfen, der in einem Land ausgetragen wird, in dem die Menschenrechte nicht geachtet werden”, sagte ein Sprecher des öffentlich-rechtlichen Fernsehens den Medien. Andere werden keine solchen Skrupel haben.

Kontroverse Konsequenz

Val der Ama am Mittwoch den 6. November 2019

Unerfreulich, der Fussball in Italien derzeit.

Und damit meinen wir nicht nur die rassistischen Vorfälle, die sich auch dieses Wochenende wieder abgespielt haben. Wobei doch, darum geht es auch. In der Liga, in der Gotteslästerung mit Spielsperren geandet wird, hat man dieses Wochenende mal wieder den Mario Balotelli mit Affenlauten und rassistischen Rufen beleidigt. Der Stürmer stoppt den Ball und will gehen, Mitspieler und Gegner überreden ihn aber zum Bleiben. Der gegnerische Trainer will nichts gehört haben, ja sogar Veronas Bürgermeister gibt sich taub.

Vielleicht aber auch haben Sie die Geschichte aus der norditalienischen Stadt Brianza gehört, die sich ebenfalls dieses Wochenende zugetragen hat. Dort hat bei einem Juniorspiel zwischen Aurora Desio und Sovicese eine Mutter ein zehnjähriges Kind als “Drecksneger” bezeichnet. Das Spiel wurde nicht abgebrochen, kommendes Wochenende aber, da wollen die Kinder beider Teams mit schwarz angemalten Gesichtern spielen.

Unsere Geschichte, die ist viel banaler, aber irgendwie halt trotzdem auch typisch. Am Samstag, da war unter anderem auch Ascoli gegen Venezia (1:1) in der Serie B. Und als dem Heimteam in der 68. Minute ein Penalty zugesprochen wird, kommt es zu einer ausführlichen Diskussion wer denn schiessen darf. Nikola Ninkovic darf nicht und fordert darauf vehement seine Auswechslung. Weder seine Mitspieler noch Trainer Zanetti können den Offensivspieler beruhigen und also wird vollzogen und Kollege Da Cruz trifft darauf zum 1:0.

Zanetti darauf: “Ich habe es mit Männern zu tun und nicht mit Kindern, und jeder trägt die Verantwortung dafür was er tut. Er hat nur an sich selbst und nicht an das Team gedacht.” Bei Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, ob und wie die Aktion des Spielers sanktioniert wird.

Fifas Verbeugung

Val der Ama am Donnerstag den 10. Oktober 2019

Natifans aufgepasst: Pfeifen während der eigenen Hymne kann teuer werden.

Sie haben es bestimmt mitbekommen: In Hongkong gibt es seit Wochen Demonstrationen gegen die kommunistische Volksrepublik China. China weitet seinen Einfluss laufend aus und die Einwohner Hongkongs fürchten um ihre Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Neulich, am 10. September, war das Qualifikationsspiel für die WM 2022 daheim gegen den Iran. Hongkong hat zwar ein eigenes Nationalteam, steht aber unter Chinas Souveränität und deshalb ertönte auch vor diesem Länderspiel die Nationalhymne Chinas, die gleichzeitig aber auch die Hymne von Hongkong ist. Die Zuschauer, die haben dabei gepfiffen, dem Spielfeld den Rücken zugekehrt und mit Plakaten demonstriert.

Gemäss Artikel 16 des FIFA-Disziplinarreglements ist das aber auch verboten (“disturbance during national anthems”), teilte die Fifa gestern mit und also hat man den Fussballverband von Hongkong mit einer Busse in der Höhe von 15.000 Schweizer Franken bestraft.

(Bild: AP)

Für den modernen Fan

Val der Ama am Donnerstag den 9. Mai 2019

Transparente malen? Fahnen schwingen? Wie retro.

Matchtage sind anstrengend, wie Sie wissen. Morgen früh auf, dann das Material bereitstellen, die Fahnen, die Stangen, die Banner, alle Tücher und Kartons falten oder auch rollen und kaum fertig, gehts schon auf ins Stadion zum Choreovorbereiten. Inklusive Spiel und dann alles liegen lassen kommen Sie so locker auf 10 Stunden und das in Ihrer Freizeit.

Schluss damit, haben sich die Clubverantwortlichen des englischen Vereins Manchester City gesagt. Mit einer eigentlich simplen aber total effizienten Errungenschaft fördert der Club die Work-Life-Balance seiner Fans: Digitale Banner. Flexibel, sauber, praktisch, schön. Und auch bequem, denn so müssen sich die Anhänger keine Parolen oder irgendwelche Sprüche zum Aufschreiben ausdenken,  erledigt auch der Club.

Premiere war am Montag gegen Leicester und so schön schaut das aus:

Flexible Flugpreise

Val der Ama am Donnerstag den 9. Mai 2019

Nicht das Wo ist entscheidend, es ist das Wann.

Liverpools Bürgermeister Steve Rotheram  bezeichnete EasyJets Preispolitik als “beschämend”.

Cool gekillt

Val der Ama am Freitag den 29. März 2019

Stellen Sie sich vor…

… Ihr Verein steht in der Tabelle ganz unten und dazu noch kurz vor Saisonende. Wichtige Partie, auswärts, es steht 0:0 und dann Penalty und Sie sind dran.

Panenka, oder?

 

Sie sahen ein Werk des kanadischen Nationalspielers Simeon Alexander Jackson.

Er ist Mittelstürmer von St. Mirren und gemäss seinem Trainer verantwortlich für die 1:0-Niederlage gegen den St. Johnstone FC diesen Mittwoch: “Warum er das zu diesem Zeitpunkt der Saison riskiert, weiss ich nicht”, tobte Oran Kearney. “Wenn wir im ersten Spiel der Saison 10 Minuten vor Schluss 3:0 vorne liegen und er sowas versucht, kann ich es akzeptieren. Aber dort wo wir stehen ist das verrückt. Er hat uns umgebracht (he killed us)!”

Wichtiger Widerstand

Val der Ama am Mittwoch den 2. Januar 2019

Aktivist d.A.* aus Bern kämpft gegen das heutige Tatzenderby.

d.A. campiert seit Wochen vor dem Stadion (Archivbild)

Nach dem Abpfiff der Partie SCL-SCB heute Abend, wird auch für d.A. Feierabend sein, er wird sein Camp vor dem Wankdorfstadion räumen. Seit dem 16.12. protestiert er dort gegen das so genannte Tatzenderby. Er hat Passanten angesprochen, Flugblätter verteilt, Lieder gesungen und jede Nacht vor dem Stadioneingang geschlafen.

D.A. ist ein Idealist, ein Kämpfer für eine bessere Welt. Deshalb plädiert er für «ein Stadion ohne Schabernack». Die heutige Randsportveranstaltung ist ihm deshalb ein Dorn im Auge. Es geht nicht unbedingt um einen Protest gegen Eishockey, betont er. Am richtigen Ort ist diese Sportart für ihn unter Umständen nicht zu 100% ein Tabuthema. Auch Berührungsängste hat er nicht. Sagt er. Er erzählt von einer Tramfahrt bis Endstation, damals vor zwei Jahren, zeigt ein Handyfoto, für das er beim Allmendstadion posiert hat. «Das war ein spezielles Erlebnis.»

Trotzdem: Das Tatzenderby propagiere verzerrte Formen von Sport, kritisiert er. Es werde einerseits versucht, Eishockey als attraktiven Leistungssport zu verkaufen und andererseits wird die Sportart als etwas Normales, in einem Fussballstadion jederzeit Verfügbares dargestellt. «Das ist doch einfach nur krank!»

Bereits vor 12 Jahren organisierte d.A anlässlich des ersten Tatzenderbys gemeinsam mit Kollegen einen Stand vor dem Wankdorfstadion. «Wir verteilten gebastelte Fussbälle, nicht «handgestrickte» sondern schöne, mit einem ermutigenden YB-Logo drauf. Nun habe ich das Thema erneut aufgreifen müssen, weil ich will, dass so ein Spiel an so einem Ort nicht mehr stattfindet», sagt er. Als Fussballfan sei ihm wichtig, bei einem schwierigen Thema Stellung zu nehmen, auch wenn man dann als Purist wahrgenommen werde.

Nun, das Spiel findet statt, für d.A aber längst kein Grund aufzugeben. Er werde auch nach der heutigen Partie für saubere Fussballstadien einstehen, denn eines sei gewiss: «Die kommen wieder, ihr werdets sehen.»

*Name der Red. bekannt

Razzia bei Ronaldinho

Val der Ama am Freitag den 23. November 2018

Ronaldo de Assis Moreira hat Probleme mit der brasilianischen Staatsanwaltschaft.

Es hat schon Spass gemacht, die Karriere des Ronaldinho Gaúcho zu verfolgen. Also zumindest so lange, bis er sich für die Politik zu interessieren begann und sich mit weiteren brasilianischen Weltmeistern von 2002, Mittelfeldspieler Rivaldo, und Rechtsverteidiger Cafú, vor den Karren des Faschisten Jair Bolsonaro spannen liess.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat dem Ronaldinho am Mittwoch einige Luxusautos, Gemälde, Fernseher und andere Wertgegenstände beschlagnahmt. Bereits zuvor war der Pass des 38-Jährigen eingezogen worden.

Der Grund? Neulich berichteten spanische Medien, das brasilianische Finanzamt habe bei einer Durchsuchung von Ronaldinhos Konti noch 25 Reais gefunden, das entspricht ein paar Franken. Und also sollen Ronaldinho und sein Bruder mit der Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von ungefähr zwei Millionen Franken in Verzug geraten sein, zu der sie vor drei Jahren verurteilt worden waren. Die beiden hatten ohne Genehmigung eine Zuckermühle mit einer Angelplattform und einem Pier errichten lassen. In einem Naturschutzgebiet.

Das Positive zum Schluss. Die Beamten haben unter anderem auch dieses Machwerk da mitgenommen:

Rex a gogo

Rrr am Montag den 4. Juni 2018

Fussballfreie Woche? Ganz im Gegenteil!

Im Kino Rex steigt ab Donnerstag das dreitägige “Match Cut”-Festival. Russland! WM! YB! Es gibt viel zu diskutieren und zu schauen.

Donnerstag: Die Todeself und El otro Futbol. Freitag: The Worker’s Cup und Substitute. Samstag: Meisterträume.

Die YB-Nacht des Runden Leders beginnt also am Samstag um 22 Uhr, sie steht unter dem Motto “1986-2018, ich war dabei.” Zuerst ein bisschen Geblaber vom Alten, dann ab etwa 22.40 Uhr nochmals YB-Luzern in voller Länge, ohne Kommentator, mit der Original-Stadiondröhung.

Das Programmheft können Sie sich im Internet herunterladen. – Eîntrittspreise: Podien gratis, einzelne Filme 14.-, Abendpass 20.-, Match-Cut-Pass für alle drei Tage für 50.- Wir freuen uns auf Sie!

Weltmeisterschaft ohne Meister

Rrr am Mittwoch den 30. Mai 2018

Die Nati fährt erstmals ohne einen Spieler des amtierenden Schweizermeisters an eine WM.

Die Berner Young Boys holten souverän den Titel, doch das hat Nationaltrainer Vladimir Petkovic nicht beeindruckt. Er berief keinen einzigen YB-Spieler ins vorläufige Aufgebot.

2014 stellte der Schweizermeister (Basel) immerhin drei Spieler (Sommer, Stocker, Schär), ebenso 2010 (Basel mit Huggel, Shaqiri, Frei). 2006 war der FCZ Meister und schickte zwei Spieler (Dzemaili, Margairaz) an die WM. 1994 entsandte Meister Servette sogar vier Spieler (Pascolo, Ohrel, Egli, Grassi). An den Weltmeisterschaften 1934-1966, an denen sich die Schweiz beteiligte, war das Meisterteam stets bestens vertreten.

Damit nicht genug des gelbschwarzen Ärgers: Nur einmal in der langen Geschichte des Fussballs war kein einziger YB-Spieler im Schweizer WM-Kader. Das war im Jahr des Herrn 1934. Seither waren stets Young Boys an einer Weltmeisterschaft dabei, und Sie können sie sicher noch alle auswendig aufzählen.

Richtig. 1938 Paul Aebi, 1950 Willy Steffen und Roger Quinche, 1950 Walter Eich, 1954 Marcel Flückiger, Heinz Bigler, Charles Casali und Geni Meier, 1962 Heinz Schneiter und Geni Meier, 1966 Hansruedi Fuhrer und Heinz Schneiter, 1994 Georges Bregy, 2006 Hakan Yakin, 2010 Marco Wölfli und 2014 Steve von Bergen.

Rundes Leder Superquiz!
Rufen Sie nicht mehr an, das Quiz wurde bereits entschieden. Vier Spieler an der WM 2018 haben wenigstens YB-Vergangenheit, nämlich Bürki, Zakaria, Mvogo und Kubo. Der Sieger urs.zurbu hält dieses herrliche RL-Shirt in der Grösse S. Herzliche Gratulation!

Ein Lied für Vladi

Rrr am Mittwoch den 23. Mai 2018

Wir unterbrechen unser Programm für einige Takte Musik.

Les Wheels singen für Sie den kritischen WM-Song “Und jetzt rollt dr Ball”. Film ab!

Dunkler bitte

Val der Ama am Dienstag den 19. Dezember 2017

Alexander Meier-Anderegg wirds langsam zu bunt.

Immer wieder erstaunlich, was die Schweizer Medien so beschäftigt, wenn es in der Theorie um Fussball geht. In der Praxis hofft SRF dann zum Beispiel auf Quote mit einem Film über einen schwulen Schiedsrichter. Das erregt natürlich auch den Boulevard, der sich seit neun Tagen die Finger über Pascal Erlachner wund schreibt und die einzig interessante Frage immer noch nicht beantwortet hat: So what?

Ich behaupte: 99 Prozent aller Fussballfans ist es heutzutage egal, ob ein Referee schwul ist, bisexuell oder eine Transe, er soll einfach möglichst wenig Fehlentscheidungen treffen und die Spiele möglichst gut leiten.

Den allermeisten Fussballfans – von ein paar Ewiggestrigen abgesehen – ist es auch egal, welche Hautfarbe die Spieler ihres Klubs haben. Hauptsache, sie bilden zusammen eine starke, harmonische Mannschaft. So wie zurzeit der Tabellenführer YB. Deren Fans haben wohl gar nicht bemerkt, welche Spieler im Videoclip der Kampagne «YBelieve» auftreten und welche nicht. Ist ja auch egal.

Ganz anders sieht das die NZZ. Da hat ein Journalist herausgefunden, dass einzig Von Bergen, Mbabu, Bertone, Sulejmani, Benito und Hoarau auf Youtube für Jahresabos werben dürfen. YB, das sei derzeit aber Assalé, Nsame, Sanogo, Nuhu, Lotomba und Ngamaleu: “tendenziell frankofon, unberechenbar, schnell, dunkelhäutig, bärenstark.” Fazit: YB übergehe seine Black Power!

So ein NZZ-Journalist kommt natürlich gratis ins Wankdorf, deshalb kann er nicht wissen, dass zum Beispiel Lotomba durchaus Bestandteil der YBelieve-Kampagne ist. Und dass YB die Video-Protagonisten vielleicht gar nicht nach Hautfarbe ausgewählt hat, sondern einfach nach Verfügbarkeit. Oder nach Kamera-Eignung.

Spielt auch alles gar keine Rolle. Sorgen macht mir eigentlich nur die NZZ. Bevor die finanziell angeschlagene alte Tante das Zeitliche segnet, sollte sie sich vielleicht doch Gedanken zum eigenen Qualitätsmanagement machen und intern diskutieren, warum Steve von Bergen zu wenig frankofon sein soll, Sulejmani zu berechenbar, Benito zu schwach und Mbabu zu wenig dunkelhäutig. Und in welcher Schublade Lotomba und Wüthrich versorgt werden sollen – nach den Kategorien der NZZ kommen zwei in Frage, entweder Dunkelhäutig oder Schweizer. In welche Schublade der NZZ-Artikel vom Montag gehört, ist mir hingegen klar.”