Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Vorsicht, bissiger Stürmer!

Frau B am Dienstag den 24. Oktober 2006

Jermaine Defoe hat auf dem Fussballplatz einen Gegenspieler gebissen.

Der Zwischenfall passierte am Sonntag während des Premier-League-Matches Tottenham Hotspur gegen West Ham United. Defoe verübte dieses spezielle Revanche-Foul am Argentinier Javier Mascherano.

Der Tottenham-Stürmer sah für seine Attacke Gelb. Normalerweise schützt ihn dies vor allfälligen weiteren Strafen, denn was der Schiedsrichter geahndet hat, wird nicht nachträglich neu bewertet. Der Sprecher des englischen Fussballverbandes teilte zwar gestern mit, dass die FA diesen Fall als «aussergewöhnlich» einstufe und eine Intervention durchaus in Betracht ziehe, entschied sich aber dann doch dafür, keine weiteren Sanktionen auszusprechen.

Er habe ein bisschen übertrieben, räumte der Sünder ein, fand aber, der Angelegenheit werde eine viel zu grosse Bedeutung beigemessen. «Der Schiedsrichter stand direkt neben mir. Wenn seine Meinung gewesen wäre, ich hätte etwas Schlimmes getan, hätte er mich vom Platz gestellt.»

Kontrollverlust

Frau B am Mittwoch den 18. Oktober 2006

Liverpool und Everton haben nach einem Spiel zwischen ihren Reserveteams Bussen erhalten.

Das Derby fand am 10. Oktober im Halton Stadium statt. Es ging so lange gut, bis Liverpool-Keeper Jerzy Dudek die Nerven verlor, nachdem ihn der gegnerische Stürmer Victor Anichebe wiederholt provoziert hatte. Das Ganze endete in einem Tumult, in welchen Spieler beider Mannschaften involviert waren. Dudek wurde des Feldes verwiesen. Kurz darauf schoss Everton den 2:1-Siegtreffer.

Der 33-jährige Pole erhielt zuerst die übliche Sperre von drei Spielen für die Rote Karte. Nun hat aber der englische Fussballverband heute entschieden, dass Dudek sich zudem ungebührlich verhalten habe, weil er das Spielfeld nicht unmittelbar nach dem Platzverweis verliess. Das bedeutet eine zusätzliche Sperre für zwei Spiele. Ausserdem erhalten beide Clubs Bussen (Everton rund £20’000, Liverpool rund £10’000), weil sie es unterliessen, ihre Spieler zu kontrollieren. Bis zum 1. November haben die Beteiligten Zeit, Stellung zu nehmen.

Falls die Football Association die Sperre Dudeks durchsetzt, wird Liverpool für längere Zeit nur ein Ersatztorhüter zur Verfügung stehen (David Martin). Die beiden anderen (Scott Carson und Chris Kirkland) sind ausgeliehen und können frühestens im Januar zurückbeordert werden.

You’re not singing any more …

Frau B am Dienstag den 17. Oktober 2006

Ein Popduo wurde am letzten Samstag während seines Auftritts in der Halbzeitpause im Stadion verhaftet.

Die singenden Zwillinge durften in der Pause des Derbys zwischen Sheffield Wednesday und Barnsley ihre neue Single zum Besten geben. Francine und Nicola Gleadall haben eine Coverversion des Slade-Hits ‹Cum on Feel the Noize› aus dem Jahr 1970 aufgenommen.

Nicht alle der 28’687 Zuschauer waren von der Tatsache begeistert, dass die beiden 18-Jährigen aus Sheffield stammen. Die Auswärtsfans begannen sie schon auszubuhen und zu beleidigen, als der Stadionsprecher die eineiigen Zwillinge ankündigte. Das liessen die Mädchen nicht auf sich sitzen. Eine der Schwestern gab den rüden Fans durchs Mikrofon die Obszönitäten zurück, während die andere ihnen zwei Finger zeigte (das bedeutet auf gut Deutsch so viel wie ‹fuck off!›).

Natürlich wurden die Popzwillinge verhaftet und abgeführt. «Zwei 18-jährige einheimische Entertainerinnen wurden während eines Championship-Matches in Sheffield von der Polizei verhaftet. Beide erhielten Bussen von £80 wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses», erklärte eine Sprecherin der South Yorkshire Police.

Das Spiel ging ohne weitere Zwischenfälle zu Ende. Sheffield gewann 2:1.

Das dreckige Dutzend

Frans am Montag den 16. Oktober 2006

Die französische Zeitschrift So Foot erfreut uns mit einer ausführlichen Darstellung der zwölf angeblich unsaubersten Fussballspieler. Selbstverständlich fehlen Spieler aus Ländern der wahren Fussballkunst wie Brasilien. Oder der Schweiz.

Die wissenschaftlich fundierte Auflistung ergibt ein Team von zwölf Namen:

Die Verteidger Thatcher, Boulahrouz, Materazzi (untermauert durch graphologische Analysen) und Heinze.

Im Mittelfeld wirken die beiden Dänen Gravesen und Tofting, Van Bommel vom sympathischen Deutschen Meister sowie ein Kartenkönig namens Cyril Rool.

Den Zweimannsturm bilden Di Canio (offenbar primär wegen seines Duce Vita) und Rooney.

Es bleiben allerdings Zweifel, ob die Finsterlinge tatsächlich in Bestbesetzung aufgestellt worden sind. Verrät die Nominierung des Ersatzverteidigers eine gewisse Provinzialität, so zeugt jene des längst pensionierten Torhüters weniger von einem seriösen Scouting auf den internationalen Fussballplätzen als von einem schweren Fall von Elefantengedächtnis.

Dafür haben sie den Coach vergessen.

Überreaktion

Frau B am Montag den 2. Oktober 2006

Joey Barton von Manchester City zeigte sich am Samstag gegen Everton nicht von seiner besten Seite.

Aber auch die Everton-Fans verhielten sich nicht gerade fair. «Where’s your brother gone?», sangen sie und meinten damit Bartons Halbbruder, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt.

Als Micah Richards für ManCity in der 94. Minute das 1:1 erzielte, konnte sich Barton nicht mehr zurückhalten: Nachdem er mit den eigenen Fans gefeiert hatte, ging er zu den Everton-Fans im ‹Park End›, spuckte auf den Boden und zeigte ihnen den blanken Hintern.

Nun hat der Mittelfeldspieler, der wahrlich kein unbeschriebenes Blatt ist, wenn es um Disziplinverstösse geht, eine Untersuchung des Fussballverbandes sowie eine Befragung der Merseyside Police am Hals.

2004 wurde Barton nach einem unschönen Zwischenfall an Weihnachten beinahe entlassen. Sieben Monate später wurde er während der Saisonvorbereitung in Thailand nach Hause geschickt, weil er sich in einer Bar mit einem Everton-Fan geprügelt hatte. Anschliessend musste sich Barton auf Anweisung von Coach Stuart Pearce eine Aggressions-Therapie unterziehen.

Rot gegen Trikot-Sponsor

Frau B am Freitag den 15. September 2006

Die Spieler von Stambridge United dürfen ihre neuen Shirts nicht mehr tragen.

Der Grund für die Verbannung ist der Werbe-Aufdruck des neuen Sponsors Chris Turner. Turner ist Autor und hat kürzlich ein Buch mit Fussball-Liedern und Reimen veröffentlicht. Als Titel trägt die Sammlung einen alten Spruch, mit welchem Fans in England gerne den Schiedsrichter beleidigen: «The Referee’s a Wanker» (Der Schiedsrichter ist ein Wichser).

Der Sprecher der ‹Baliston Essex Olympian League› – wo Stambridge in der Division Two spielt (das ist circa 12. Liga) – empfahl den Clubverantwortlichen, den Entscheid zu akzeptieren. «Zu anstössig», war das Verdikt. «Das ist absurd», meinte Chris Turner. «Das Shirt ist Teil eines Sponsorship-Deals und bestimmt nicht als Beleidigung gemeint. Den Gesang hört man doch auf jedem Fussball-Platz im ganzen Land.»

Der Unbelehrbare

Frau B am Sonntag den 6. August 2006

Wayne Rooney sah bereits wieder Rot – in einem Testspiel.

Nur 34 Tage waren nach seinem Platzverweis an der Weltmeisterschaft vergangen, und schon wieder wurde der ‹Red Devil› vom Platz gestellt. Manchester United spielt in Amsterdam ein Vorbereitungs-Turnier, und im Match gegen Porto vom Freitagabend stiess Rooney einem Verteidiger absichtlich den Ellbogen ins Gesicht. Und das ausgerechnet unter den Augen des neuen England-Coaches Steve McClaren, den der Stürmer gebeten hatte, ihn nach dem Rücktritt von David Beckham zum Captain der ‹Three Lions› zu machen.

Aber es kam noch schlimmer für ManU. Paul Scholes sah Gelb-Rot und wurde ebenfalls des Feldes verwiesen. Und das richtig dicke Ende könnte noch folgen: Falls der Schiedsrichter des Spiels die Vorfälle in seinem Bericht erwähnt, ist der holländische Fussball-Verband berechtigt, diese an seine englischen Kollegen weiterzuleiten. Und dies könnte für beide Spieler eine Strafe in der Form einer Sperre für drei Spiele bedeuten. Keiner schöner Ausblick auf den Beginn der Meisterschaft.

Die Miss-Wahl

Rrr am Dienstag den 1. August 2006

Es wird immer schlimmer mit diesen Franzosen!

Aber schauen Sie selbst.

Ausverkauft

Frau B am Montag den 5. Juni 2006

Der paraguayische Fussball-Verband steht unter dem Verdacht, WM-Tickets an Schwarzhändler verkauft zu haben.

Von den 3’300 Karten, welche Paraguay für das Eröffnungsspiel gegen England erhalten hat, sind mindestens 1’500 ‹verschwunden›. Jedenfalls haben sich die vier Reisebüros in Asuncion, welche für den Verkauf der Tickets ausgewählt wurden, bitter beklagt: Für die Spiele Paraguays gegen Schweden sowie Trinidad und Tobago erhielten sie 200-300 Eintrittskarten – für das England-Match bloss deren 40.

Während es in Paraguay kaum Tickets zu kaufen gibt, kann man sie in Europa einigermassen leicht erwerben – allerdings zu horrenden Preisen. Eine Mailänder Agentur bietet beispielsweise ein Hotel-Ticket-Package für €940 an.

Der paraguayische Fussballverband hat auf Anfrage der Reisebüros im eigenen Land erklärt, die Tickets seien ausverkauft.

Dure bi Rot!

xirah am Mittwoch den 31. Mai 2006

Ricardo QuaresmaBei Ricardo Quaresma sind die Sicherungen durchgebrannt. Nach dem Aus bei der Viertelfinalrunde an der U-21 Europameisterschaft schimpfte José Silva (Fan) auf Quaresma ein, er spiele ja gar nicht und sei zu nichts zu gebrauchen. Nach der Nichtnomination für die WM durch Big Phil Scolari und dem schlechten Abschneiden seiner Mannschaft war das offenbar zu viel für Quaresma und er verpasste Silva einen gehörigen Faustschlag. Zum Glück waren Polizei und andere Sicherheitskräfte vor Ort und griffen sofort ein, sonst hätte sich das ganze laut Augenzeugen zu einer veritablen Schlägerei ausgeweitet.

Nun hat Luís Coutinho, Silvas Anwalt, Klage eingereicht, nicht etwa, weil sein Klient körperlichen Schaden genommen hat, sondern weil es nicht angehe, dass Quaresma bei der Polizei das Unschuldslamm gemimt habe. Sein Klient haben seelische Verletzungen davongetragen und das müsse anerkannt werden. Jetzt, wo die Selecção Sub 21 aus dem Turnier ausgeschieden sei, könnten die rechtlichen Schritte der Mannschaft auch nicht mehr schaden.

Da bleibt doch zu hoffen, dass es die grossen Portugiesen zumindest vom Verhalten her besser machen in Deutschland. Die Chancen stehen nicht schlecht; Abel Xavier ist ja zwangspensioniert.

Schlechte Gewinner

Frau B am Dienstag den 4. April 2006

Zwei Spieler von Swansea City haben den Gewinn der Football Trophy League auf sehr unfeine Art gefeiert.

Am Sonntag holte sich Swansea die Trophäe, um welche nur Clubs aus der Football League kämpfen (ohne Premier League). Im Millennium Stadium in Cardiff schlug Swansea seinen Finalgegner Carlisle 2:1. Stürmer Lee Trundle und Verteidiger Alan Tate wussten anschliessend nichts Besseres zu tun, als ihren Triumph mit einer Flagge sowie einem T-Shirt mit beleidigendem Aufdruck zu feiern.

Ziel der Attacke der beiden Swansea-Spieler war aber nicht etwa Carlisle, sondern Erzrivale Cardiff. Die beiden Clubs aus Südwales – die nur vierzig Meilen voneinander entfernt zu Hause sind – verbindet eine lange Tradition tiefer Feindschaft. (Sie spielen in der englischen Liga, weil in Wales ein vernünftiges Liga-System fehlt.)

Die Clubführung von Swansea hat sich mittlerweile bei Cardiff für die Beleidigungen entschuldigt. Sowohl der Verein als auch die beiden Spieler müssen mit einer Strafe des walisischen Fussballverbandes rechnen.

Den beiden Übeltätern steht zudem eine polizeiliche Untersuchung des Vorfalls bevor.

Handspiel

Frau B am Dienstag den 28. März 2006

Didier Drogba hat in einem Interview zugegeben, dass er einer Schwalbe hin und wieder nicht abgeneigt sei.

Das Interview fand am Samstag nach dem Spiel Chelsea gegen Manchester City statt. Drogba hatte beide Treffer zum 2:0-Sieg der ‚Blues’ erzielt. Dem zweiten Tor ging ein klares Handspiel voraus. Dieses hatte der Schiedsrichter jedoch nicht bemerkt, und das Tor zählte – nicht wie letzte Woche gegen Fulham, als der Spieler von der Elfenbeinküste das Gleiche probiert hatte.

Drogba gab nicht nur das Handspiel zu, sondern auch, dass er ab und zu versuche, den Schiedsrichter mit einer Schwalbe hinters Licht zu führen. Noch während des Interviews verneinte er die Tatsache wieder, und später erschien auf der Chelsea-Homepage ein Statement, in dem er seine Aussage ‚berichtigte’.

Der englische Fussballverband hat noch nicht entschieden, ob er gegen Drogba aktiv werden soll.

Zum Thema Handspiel meinte der Stürmer übrigens wörtlich: „Yes, it was a handball, but that’s part of the game.“ Nein, Herr Drogba, ist es nicht.