Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Hausgemachte Handgreiflichkeiten

Herr Winfried am Mittwoch den 24. Juni 2020

Keine Fans, keine Gewalt mehr? Nicht mit mir, sagte sich Ahmet Agaoglu.

Die Anhängerinnen und Anhänger des türkischen Erstligisten Trabzonspor mögen es eher nicht zimperlich. Wehe, wer sie zu lange schräg anguckt. Das bewiesen sie auch schon mal bei einem Besuch in der Schweiz.

Das Coronavirus hat die Radaubrüder vorerst aus den Stadien verbannt. “Langweilig!”, dachte sich Trabzonspors Präsident Ahmet Agaoglu. Anlässlich des Auswärtsspiels bei Aytemiz Alanyaspor liess sich Herr Agaoglu derart provozieren, dass er seinen VIP-Sitz verliess und nach unten aufs Feld stürmte.

Agaoglu (ganz in weiss) verliert die Fassung.

Dem Vernehmen nach ging den Tätlichkeiten ein verbaler Streit zwischen Agaoglu und Alanyaspors Präsidenten Hasan Cavusoglu voraus. Nach dem späten Ausgleich habe Cavusoglu mitsamt seiner Entourage die Gegenseite heftig provoziert, ausserdem sprach Agaoglu von “Bildern, von irgendwelchen Sardellen”, die ihm immer wieder gezeigt wurden.

Cavusoglu spricht seinerseits ebenfalls von üblen Beleidigungen. Und er scheint den Grund für die Ausfälligkeiten seines Antipoden zu kennen: „Herr Ahmet Agaoglu roch so sehr nach Alkohol, mir wurde schlecht!“, sagte Cavusoglu nach dem Spiel live im türkischen Fernsehen.

Foul oder Nicht-Foul?

Briger am Montag den 23. Dezember 2019

In unserer beliebten Rubrik schauen wir heute nach Argentinien.

Video via: @RGonzalezCBS

Beim Spiel zwischen Social Atletico Television (SAT) und La Union de Jaguel in der Liga Lujanense de Fútbol in der Provinz Buenos Aires geht Lucas Torres von SAT, sagen wir etwas übermotiviert zu Werke. Beim Stand von 1:4 wird das Spiel danach abgebrochen und Union zum Sieger erklärt.

Torres fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. 2016 hatte er einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis ins Gesicht geschlagen und musste anschliessend von vier Mann gebändigt werden. Damals wurde er für 24 Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Tierische Trägodie

Briger am Montag den 11. November 2019

Heute lernen Sie Ivan Gazdek kennen.

Oben links: die Welt ist noch in Ordnung, oben rechts: Der letale Tritt.
Unten links: das Huhn fliegt, unten rechts: das Huhn fliegt immer noch. Foto via: @JurajVrdoljak

Der junge Mann spielt für das kroatische Team NK Jelengrad in der Sisak-Moslavina-County-Liga. Beim Spiel gegen Jasenovac wurde das Spielfeld zum wiederholten Male von ungebetenen Gästen heimgesucht – Hühnern von einem angrenzenden Bauernhof. Dies brachte Gazdek dermassen in Rage, dass er die Hühnern zu verscheuchen versuchte. Dabei trat er in Richtung der Hühner und traf ein rötliches Huhn dermassen unglücklich, dass das Ferdervieh den Ausflug auf das Spielfeld nicht überlebte. Gazdek entsorgte das tote Tier dann mit einem Wurf über die Spielfeldbegrenzung.

Der Schiedsrichter schickte ihn wegen unsprotlichen Verhaltens vorzeitig unter die Dusche. Gazdek gab nach dem Spiel geknickt zu Protokoll, dass die Hühner ständig aufs Feld rennen würden und ihre Hinterlassenschaften zu unhygienischen Zuständen führten. Er habe die Tiere wegjagen wollen und dann aus Versehen eins mit dem Fuss getroffen. Nach dem Spiel, dass sein Team trotz des Platzverweises mit 8:1 gewann, überreichte er der Besitzerin des verstorbenen Huhns einen Entschuldigungsbrief und kaufte ihr ein Neues.

Er sei, so Gazdek, überdies ein Tierfreund. Nach eigenen Angaben besitzt er einen Hund, zwei Katzen und einen Papagei – dieser ist allerdings vor kurzem verstorben.

Ausdrücklicher Austritt

Herr Maldini am Dienstag den 13. August 2019

Peter Lohmeyer ist sauer. Und zwar richtig. 

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef im Fussballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V., steht seit Anfang August und seinem Referat am “Tag des Handwerks” im Abseits. Der Fleischproduzent hatte in Paderborn zum Thema “Unternehmertum mit Verantwortung” referiert und dabei rassistische Aussagen gemacht. Danach hatte sich Tönnies entschuldigt, sein Amt als Aufsichtratschef lässt er zur Strafe für ganze drei Monate ruhen.

Für Peter Lohmeyer (rechts im Bild) reicht das nicht. Der Schauspieler – er spielte in der vorletzten Bestatter-Staffel den Sektenführer Mankovsky, Sie kennen ihn eventuell auch aus dem sensationellen Film “Das Wunder von Bern” – tritt aus seinem Lieblingsverein aus. “Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger in Frage gestellt, und das macht mich sauer – und traurig!”, sagte Lohmeyer im Interview mit dem Magazin 11 Freunde.

Unzufrieden sind auch die Schalker Fans. Sie zeigten Tönnies vor dem Anpfiff der Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim SV Drochtersen/Assel die Rote Karte”.

Foto: spiegel.de.

Dutzendweise Platzverweise

Herr Shearer am Mittwoch den 3. April 2019

…Hundert an der Zahl, nämlich.

Foto: Goal.com

Besondere Ehre für Manchester Uniteds Ashley Young gestern im Auswärtsspiel in Wolverhampton: der rote Karton, den ihm Schiedsrichter Mike Dean entgegenstreckte, war ein ganz besonderer. Dean hält damit nämlich neu den Rekord für den Unparteiischen, der in der Premier League die meisten Platzverweise ausgesprochen hat.

In dieser Saison ist Dean bereits auf neun roten Karten in 23 Spielen, sein ärgster Verfolger ist Michael Oliver, der die Arschkarte sechs mal zückte. Sein erstes Spiel pfiff Mike Dean am 9. September 2000, als Leicester City auf Southampton traf (1:0)., dort zog er allerdings noch nicht einmal eine gelbe Karte. Seither sind 476 weitere Partien in Englands höchster Spielklasse dazugekommen. Und eben diese hundert Spieler, die vorzeitig unter die Dusche gestellt wurden. Herzliche Gratulation!

Verklickt

Briger am Montag den 18. März 2019

Passen Sie auf, wo Sie auf Instagram hinklicken.

Foto via Foot Mercato

Adrien Rabiot verdient sein Geld beim PSG, aber er spielt momentan nicht mehr, denn er wurde suspendiert.
Bereits länger schwelt der Konflikt zwischen Thomas Tuchel und seinem Spieler. Nun hat Rabiot einen Instagram-Post von Patrice Evra geliked. Der frühere Spieler des Erzrivalen Marseille freut sich darin über das Weiterkommen seines Ex-Clubs Manchester United in Paris.

Zudem wurde Rabiot nach dem Ausscheiden des PSG auch noch in einem Nachtclub gesehen. Letztmals zu einem Kurzeinsatz kam er im Dezember gegen Belgrad (7 Minuten), danach gehörte er nicht einmal mehr zum Kader. Ein Transfer im Winter zu Barcelona zerschlug sich, da der PSG ihn nicht ablösefrei ziehen lassen wollte.

Bis Ende Monat bleibt Rabiot suspendiert, in dieser Zeit darf er das Trainingsgelände nicht betreten. Danach muss er sich mit seinen Vorgesetzten zusammensetzen und es wird über seine Zukunft entschieden.

Teure Tat

Herr Maldini am Dienstag den 12. März 2019

Überlegen Sie sich das mit dem Platzsturm nochmals.

Denn die Konsequenzen können unangenehm sein. 14 Tage Gefängnis (oder je nach Quelle 14 Wochen), eine Zahlung von 100 Pfund als Genugtuung plus eine Busse, ein zehnjähriges landesweites Stadionverbot und ein lebenslanger Bann von ihrem Lieblingsclub beispielsweise. Zumindest, wenn Sie einem Spieler von hinten einen Faustschlag verpassen.

Sein Mandant könne sich nicht erklären, was ihn geritten habe, sagte Vaughn Whistance, der Anwalt des Übeltäters P. M., gestern. M. hatte Aston Villas Captain Jack Grealish in der 10. Minute der Partie attackiert, der Spieler stürzte zu Boden, blieb unverletzt und erzielte in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer. Der Birmingham City FC entschuldigte sich nach der 0:1-Niederlage beim Grealish und dessen Club.

Erhebliche Entgleisung

Rrr am Dienstag den 12. Februar 2019

BREAKING NEWS: YB einen Monat ohne Guillaume Hoarau

Doofer DJ! City entschuldigt sich bei Chelsea.

6:0 demütigte Manchester City am Sonntag die Gäste aus Chelsea. Und kaum hatte der Referee das Spiel abgepfiffen, dröhnte One Step Beyond von Madness aus den Boxen des Etihad Stadiums.

Total daneben, denn der Song gehört (wie Ska-Musik generell) zum Kulturerbe der Chelsea-Fans. Der Klub spielt ihn daheim nach besonders wichtigen Siegen, am liebsten in der Champions League. Madness-Frontmann Graham “Suggs” McPherson und Drummer Dan “Woody” Woodgate sind glühende Chelsea-Fans.

City bemerkte den Fauxpas übrigens rasch, der DJ wurde genötigt, einen anderen Song zu spielen (“Love Will Tear Us Apart” von Joy Division). Nichtsdestotrotz entschuldigte sich der Verein mittlerweile bei Chelsea für die Entgleisung.

Geniessen Sie nun, wie mad es an der Stamford Bridge tönt, wenn Chelsea einen Triumph feiert (hier am 18. April 2012 nach dem Sieg über Barcelona)

Kamaras Kalamitäten

Val der Ama am Freitag den 25. Januar 2019

Er wollte doch nur reden.

Das ist der Aboubakar Kamara aus Frankreich. Oder AK-47, wie er sich gerne nennt. Und es ist nicht ganz einfach mit ihm. In der Altjahrswoche, zum Beispiel, da gabs einen Penalty gegen Huddersfield und da packte sich der Fulham-Stürmer einfach den Ball und trat anstelle von Standardschütze Aleksandar Mitrović zum Elfer an. Und verschoss. Trainer Ranieri kommentierte die Szene darauf wie folgt: “Ich wollte ihn umbringen. Es ist unglaublich, was er tat. Er hat mich nicht respektiert, den Klub nicht respektiert, seine Mitspieler nicht respektiert und die Fans auch nicht.”

Ein guter Grund, sich mit dem Verein über die sportliche Zukunft zu unterhalten, wird sich der 23-Jährige gesagt haben und also schaute er am Montagabend mal kurz auf dem Trainingsgelände vorbei. Nun, das Gespräch scheint definitiv eskaliert zu sein, weil nur kurze Zeit später schaute die Polizei vorbei und verhaftete den Franzosen aufgrund des Verdachts der Körperverletzung.

Kamara hat ab sofort massig Zeit für Penaltytraining, denn Fulham veröffentlichte kurze Zeit nach dem Vorfall folgendes Statement: Der Club dankt der Metropolitan Police für das rasche Handeln. Das verhaftete Subjekt (Kamara) ist auf unbestimmte Zeit von allen Clubaktivitäten ausgeschlossen.”

(Bild: Getty)

Kicker auf der Ka-We-De

Rrr am Samstag den 19. Januar 2019

Heute vor 68 Jahren.

Die Trouvaille haben wir von unseren Zürcher Freunden zugespielt erhalten. Die Young Boys bestätigten auf Anfrage, dass die erste Mannschaft vor Jahrzehnten wiederholt aufs Glatteis geführt wurde. Wie das Spiel vom 19. Januar 1951 endete, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Nichtsdestotrotz zeigen wir dem BSC YB nachträglich eine klare gelbe Karte wegen übelst Randsport.

Ein Einzelfall? Leider nicht. Der FCZ spielte früher gerne gegen den EHC Arosa, und auch am Rheinknie grassierte in den 1950er-Jahren der Unfug: “EHC Basel – FC Basel fand jeweils vor ausverkauftem Haus statt”, schreibt unser Lieblings-Baslerjourni, der olle Herr Razinger. Im Gundeli habe es kaum mehr Parkplätze gegeben. “NationalZeitung und Basler Nachrichten mit je 2/3-Seite Matchbericht.”

Im Fall des FCZ war der Grund der Eishockeyspiele ein einfacher, wie das FCZ Museum schreibt. “In den 1950er- und 1960er-Jahren verbrachte der FC Zürich sein Winter-Trainingslager meist in Davos oder Arosa. Gespielt wurde dann halt Eishockey oder Schneefussball. Dann und wann gab es sogar Testspiele des FCZ gegen den EHC Arosa.” In diesem Sinn: Film ab!

Trainingslager FCZ 1961 from FCZ Museum on Vimeo.

Raben frassen Rasen

Rrr am Samstag den 15. Dezember 2018

Achtung Achtung: Das Spiel zwischen dem Bonner SC und dem TV Herkenrath fällt heute aus.

Schuld daran ist nicht etwa der Winter, sondern die Raben, die den Rasen zerpickt haben. Das Sport- und Bäderamt der Stadt Bonn sperrte den Platz nach einer Begehung am Freitag.

“Momentan ist der Rasen wegen der niedrigen Temperaturen gefroren, deshalb können die Löcher nicht einfach beseitigt werden”, sagte eine Sprecherin des Presseamtes. “Sobald der Rasen aufgetaut ist, werden die Löcher beseitigt, dann wird der Platz wieder für den Spielbetrieb freigegeben.”

Ein neuer Termin für das Spiel gegen Herkenrath steht noch nicht fest.

Razzia bei Ronaldinho

Val der Ama am Freitag den 23. November 2018

Ronaldo de Assis Moreira hat Probleme mit der brasilianischen Staatsanwaltschaft.

Es hat schon Spass gemacht, die Karriere des Ronaldinho Gaúcho zu verfolgen. Also zumindest so lange, bis er sich für die Politik zu interessieren begann und sich mit weiteren brasilianischen Weltmeistern von 2002, Mittelfeldspieler Rivaldo, und Rechtsverteidiger Cafú, vor den Karren des Faschisten Jair Bolsonaro spannen liess.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat dem Ronaldinho am Mittwoch einige Luxusautos, Gemälde, Fernseher und andere Wertgegenstände beschlagnahmt. Bereits zuvor war der Pass des 38-Jährigen eingezogen worden.

Der Grund? Neulich berichteten spanische Medien, das brasilianische Finanzamt habe bei einer Durchsuchung von Ronaldinhos Konti noch 25 Reais gefunden, das entspricht ein paar Franken. Und also sollen Ronaldinho und sein Bruder mit der Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von ungefähr zwei Millionen Franken in Verzug geraten sein, zu der sie vor drei Jahren verurteilt worden waren. Die beiden hatten ohne Genehmigung eine Zuckermühle mit einer Angelplattform und einem Pier errichten lassen. In einem Naturschutzgebiet.

Das Positive zum Schluss. Die Beamten haben unter anderem auch dieses Machwerk da mitgenommen: