Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Pieros Problem

Herr Shearer am Donnerstag den 21. Dezember 2017

Ein grosses Übel des Internet-Zeitalters: falsche Identitäten. Heute lernen Sie Jack O’Melly kennen.

Jack O’Melly seinerseits hat in den letzten Tagen die Lazio-Fans kennengelernt, und das war sicher keine sehr angenehme Erfahrung. Das liegt weniger daran, dass Herr O’Melly eine Bar betreibt, sondern damit, dass er auch noch als Schiedsrichter in der italienischen Serie A amtet. Vor allem aber damit, dass er unter seinem richtigen Namen Piero Giacomelli neulich den Match zwischen Lazio und Torino (ver)pfiff. Er schickte nicht nur Lazio-Stürmer Ciro Immobile nach der Hälfte der Partie überhart per roter Karte unter die Dusche, sondern unterschlug den Laziali auch noch einen klaren Penalty. Torino gewann im Stadio Olimpico mit 3:1.

Zuviel für die heissblütigen Tifosi aus Rom. Die überhäuften die Tripadvisor-Seite der Bar Giacomellis nicht nur mit Verrissen, sondern fanden eben auch noch die Facebook-Seite von diesem Jack O’Melly und konnten nachweisen, wer eigentlich hinter diesem Pseudonym steckt. Denn auf der fraglichen Seite wird sofort klar, für welchen Klub das Herz des Betreibers schlägt: auf dem Titelbild prangt Totti, dahinter ist in der Unschärfe Giacomelli zu erkennen. Kein Wunder, rauchen die Lazio-Fans nun vor Wut.

Seither hat der Referee spielfrei und zünftig Ärger mit dem Fussballverband. Der verbietet es den Unparteiischen ausdrücklich, sich unter falschem Namen in sozialen Medien herumzutreiben und dort sportlich Partei zu ergreifen. Damit nicht genug – nun folgt auch noch eine Sammelklage gegen Giacomelli und Marco Di Bello, den Video-Assistenten im fraglichen Spiel. Die Anwaltskanzlei Previti vertritt mehrere Lazio-Fans, die sich auf ihr Recht berufen wollen, ihre sportliche Leidenschaft ohne Beeinträchtigung durch illegale Tätigkeiten von Offiziellen ausleben zu dürfen.

Sehen Sie, genau wegen solchen Leuten ist es strikt verboten, die Beiträge in diesem Fachforum unter falschen Namen zu kommentieren.

Fotos: Alfredo Falcone (LaPresse) / iltempo.it

Ein harter Hund

Rrr am Samstag den 18. November 2017

Foul oder nicht Foul? Zum Glück gibts den Videobeweis.

Wie Sie sehen, wurde der fehlbare Akteur völlig zurecht des Platzes verwiesen, feierte später ein unverhofftes Comeback und wurde erneut vom Feld verbannt (ab 00:50).

Natürlich wollen Sie vor allem eins wissen, nämlich wie das Spiel in der dritthöchsten argentinischen Liga endete. Nun denn, Central Cordoba – das Team in Schwarzweiss – siegte 1:0 gegen Sportivo Las Parejas.

Torwarttölpel

Briger am Montag den 13. November 2017

Katars U19-Nationalelf qualifiziert sich trotz Fehlverhalten des eigenen Schlussmannes für die AFC-Meisterschaft 2018.

(Foto via dailymail.co.uk)

Letzte Woche fanden in Doha die Qualifikationsspiele der Gruppe C statt. Nachdem im Startspiel der Libanon vor 50 Zuschauern gegen den Irak mit 0:2 verlor, gewann Katar zwei Tage später vor 2’500 Zuschauern mit demselben Resultat gegen den Libanon. Nun stand das alles entscheidende dritte Qualifikationsspiel zwischen dem Irak und Katar auf dem Programm. Vor 3’100 Zuschauern im Grand Hamad Stadium in Doha, trennten sich die beiden Teams mit 1:1. Da aufgrund der unterschiedlichen Gruppengrössen nur die fünf besten Gruppenzweiten ans Turnier nach Indonesien im nächsten Herbst fahren durften, musste eine Entscheidung in Form eines Elfmeterschiessens her.

Nach vier Schützen führten die Katari mit 3:2, als Muntadhir Mohammed zum fünften Penalty für die Iraker antrat. Torwart Shehab Mamdouh parierte, die Freude bei den Jungen aus dem Emirat am persischen Golf kannte keine Grenzen. Doch einer hatte etwas dagegen, Schiedsrichter Aziz Asimov aus Usbekistan ahndete zu recht das zu frühe von der Linie springen des Torwarts. Dummerweise hatte der während des Spiels schon gelb gesehen und folglich durfte er jetzt mit warem Wasser duschen. Katars Kapitän Nasser Abdulsalam Al Alahrak musste für seinen Kollegen einspringen. Natürlich kam es, wie es kommen musste, Al Alahrak brachte irgendwie einen Fuss hinter den Ball und so war Katar Gruppensieger. Aber auch der Irak konnte sich freuen, als einer der fünf besten Gruppenzweiten fahren auch die Iraker nächsten Herbst nach Indonesien.
Sterng genommen, hätte auch dieser Penalty nochmals wiederholt werden müssen, denn der “Spielertorwart” trug noch sein Feldspielertrikot. Geniessen Sie nun nochmals die entscheidende Szene des Penaltyschiessens in Bewegtbildern:

Jung und fähig

Rrr am Freitag den 27. Oktober 2017

Karolina Bojars Leidenschaft für das Schiedsrichten wurde von ihrem Grossvater geerbt.

Eine junge und fähige Referee aus Krakau führt die Junioren oder regionalen Ligen bis in die Gegenwart. Alles daran, dass sowohl auf dem Feld als auch ausserhalb beeindruckt!

Anfangs die einzige Frau, wischte sie anscheinend die Trails ab, weil der Eintritt in die Industrie von immer mehr Vertretern des Geschlechts beschlossen wurde. Die 20-Jährige ist perfekt in der Umgebung gelegen und wird dank der Kenntnis der Regeln sogar als Referent für verschiedene Vorträge eingeladen.

Bojar war ein Champion von Junior-Junioren im Langlauf für dreitausend Meter. Heute studiert sie Jura an der Jagiellonen-Universität und unterstützt den FC Barcelona privat, sagen polski Media.

Werden wir sehen, dass sie das LOTTO Ekstraklasa Spiel führt? Wir wollen sie und wir wollen sie. Anschluss kann ihr Spektakel zum Vorhandensein beitragen.

Zur Optimierung unserer Kostenstruktur hat das Runde Leder eine Aussenstelle in Polen eröffnet. Die dort ansässigen Kollegen liefern künftig regelmässig spannende Beiträge zu attraktiven Preisen. Das entlastet unser Budget und gibt Ihnen wertvolle Einblicke in den osteuropäischen Fussball. Besten Dank für die Kenntnisnahme.

Pinkelpause

Briger am Montag den 23. Oktober 2017

Giovanni Liberti von Turris Calcio aus der italienischen Serie D hat Ärger am Hals.

Foto: www.vesuviolive.it

Der Spieler der Mannschaft aus Torre del Greco soll am 15. Oktober beim 3:3 seines Teams gegen Sarnese in Richtung der gegnerischen Fans uriniert haben. Dafür wurde Liberti nun für fünf Spiele gesperrt, in der Begründung des Sportgerichts heisst es “…per avere a gioco fermo, urinato in direzione della tribuna ospite, rivolgendo nell’occasione gesti osceni e triviali esibendo l’organo genitale”. Er hat also in Richtung der Gästefans uriniert und dabei unanständige Gesten mit seinem Genital vollführt oder so ähnlich.
Turris Präsident Antonio Colantonio wird dagegen Protest einlegen, denn es soll sich alles ganz anders zugetragen haben:

“Unglücklicherweise sehen wir uns einmal mehr mit einer Ungerechtigkeit konfrontiert. Unser Spieler Liberti hat überhaupt nicht getan, was ihm vorgeworfen wird. Dort wo sich die Spieler einlaufen, steht ein Brunnen in der Nähe der Mauer. Liberti, bereit für die Einwechslung trank dort und richtete sein Shirt, welches gemäss Regelwerk in den Hosen sein muss. Der Gastclub hat mir bestätigt, dass Liberti nichts dergleichen gemacht hat, was ihm vorgeworfen wird.”

Neue Spielsituationen

Dr. Rüdisühli am Samstag den 21. Oktober 2017

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Werter Dr. Rüdisühli, mich beschäftigte die Frage schon öfters in ähnlichen Situationen, beim 1:1 von Dynamo Kiew gegen YB tauchte sie wieder auf. Ich hab sie versucht darzustellen. Ich habe ein kurzes PDF gestaltet.

Kurz: Beim Querpass steht nr 70 von Kiew (Dieumerci Mbokani) nicht abseits. Er steht allerdings dort, weil er vorher im Abseits war, er kommt quasi aus dem Abseits … wird also beim Pass von 11 auf den Stürmer (der dann den Querpass spielt) eine neue Spielsituation? Ich glaube nicht aber ev. sind die Regeln da anders. UAwg, M.P., B.

Lieber Max, Sie greifen wichtige philosophische Fragestellungen auf, die jeden von uns angehen. Zum Beispiel: Kommen wir nicht alle manchmal aus dem Abseits? Und wenn ja, wie landeten wir eigentlich dort? Aber auch, und das denken wir doch alle, wenn wir am Montagmorgen im Tram auf dem Weg zur Arbeit sitzen: Ist das nun eine neue Spielsituation?

Sie glauben das eher nicht, aber Ihr Glaube ist das eine und das Regelwerk etwas anderes. Leider ist beides oft nicht deckungsgleich. Mit besten Grüssen, Dr. Rüdisühli

(PS: Ihre Frage wird auf Seite 209 unten des Spielregel-Buches der IFAB geklärt: kein Vergehen, da nur die erste Ballabgabe massgeblich, wo die Abseitsstellung nicht strafbar ist, weil “kein Gegner beeinflusst” wird. Das Ganze läuft unter dem irreführenden Titel “aus seiner Position einen Vorteil ziehen”. Nichtsdestotrotz: Vorausgesetzt, dass Torschütze Mbokani beim zweiten Zuspiel nicht vor dem Ball stand, lagen die finnischen Schiedsrichter bei dieser Situation richtig. So fiel übrigens auch Michi Freys 0:1 in Thun am letzten Sonntag, wo aber sein Passgeber seinerseits klar im ungeahndeten Abseits stand.)

Neulich in Indien

Rrr am Samstag den 21. Oktober 2017

Heute grosser Schiedsrichter-Tag im Runden Leder!

Teil 1 führt uns nach Indien. Wir wissen nicht genau, was vorgefallen ist, würden die Szene aber doch dahingehend interpretieren, dass sich die Spieler der einen Mannschaft mit einer Entscheidung des Schiedsrichters eher schwer tun. 

Oh Lord

Rrr am Donnerstag den 5. Oktober 2017

Vorsicht: Schwalben können Ihrer Gesundheit schaden.

Wenn Sies nicht glauben, fragen Sie Seydou Doumbia.

Doumbia trat letzte Woche mit Sporting Lissabon in der Champions League an. Gegner war der FC Barcelona. Nach 40 Minuten drang Doumbia in den Strafraum der Katalanen ein, wo er in unmittelbarer Nähe von Gérard Piqué zu Fall kam.

Der Schiedsrichter beurteilte das als grobe Unsportlichkeit und zeigte dem Ivorer die gelbe Karte. Die Fernsehbilder geben ihm recht: Schwalbe.

So weit, so schlimm. Doch dummerweise verletzte sich Doumbia bei der Szene auch noch, er musste ausgewechselt worden. Und nun zeigt sich: Die Verletzungspause beträgt zwei Monate. Das hat der ivorischen Nationaltrainer Marc Wilmots der BBC verraten. Doumbia erlittt einen Sehnenriss.

Doumbia spielte zwar früher für die Young Boys, aber auch für den FC Basel.

(Foto: thesun.co.uk)

Turbulenzen um den Torwart

Rrr am Mittwoch den 4. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu unserem beliebten Wochenquiz.

Heutige Frage: Erlaubt oder verboten?

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Wer zuerst die richtige Antwort inklusive korrekter Begründung gemäss IFAB-Regelwerk liefert, gewinnt einen wunderschönen Preis.

Auflösung spätestens um 10.00 Uhr. Toi toi toi!

Eiskalter Eismann

Rrr am Sonntag den 17. September 2017

Wir schalten um nach Jena.

Zwei Drittliga-Aufsteiger treffen aufeinander: Carl Zeiss Jena und Meppen. 0:2 steht es nach gut 56 Minuten, als sich diese Szene ereignet.

Meppen verlor danach den Faden. Das Spiel endete 2:2.

Torschütze Sören Eismann: “Natürlich kann ich den Ärger verstehen. Ich habe nicht richtig gesehen, dass einer lag.”

Jenas Trainer Mark Zimmermann: “Ich bin nicht darauf stolz, was in der 57. Minute passiert ist. Das hat natürlich das Spiel beeinflusst.”

Meppens Trainer Christian Neidhardt: Die Situation lasse ich einfach mal so stehen, denn ich glaube, mir fehlen dazu die Worte. Wir können dabei in den Spiegel schauen, Jena muss das für sich ausmachen.”

Ein Mann sieht rot

Rrr am Montag den 7. August 2017

Das historische Bild zum Wochenstart.

14. Juni 1974: Der Chilene Carlos Caszely sieht die erste rote Karte der Fussballgeschichte.

Der türkische Schiedsrichter Doğan Babacan zog sie nach diesem Foul an Berti Vogts. Deutschland gewann das WM-Vorrundenspiel gegen Chile mit 3:0.

Platzverweise gab es schon früher, doch wurden sie mündlich ausgesprochen. Gelbe und rote Karten gab es erst ab 1970.

In seiner Heimat ist Carlos Caszely unvergessen, aber nicht wegen der roten Karte. Er hatte sich bei einem Empfang geweigert, dem chilenischen Militärdiktator Pinochet die Hand zu schütteln. Später zog er als Profi nach Spanien.

Den Preis für sein Verhalten zahlte Caszelys Mutter: Sie wurde von der Militärjunta gefoltert.

(Fotos: shaber3.com und Solofutbol.cl)

Superpuff im Supercup

Rrr am Sonntag den 6. August 2017

Der moderne Fussball wird immer verwirrender.

Holländischer Supercup, Vitesse gegen Feyenoord: Es steht 0:1, als Vitesse-Stürmer Tim Matavz im Strafraum zu Fall kommt. Der Schiedsrichter lässt weiterspielen.

Feyenoord kontert und trifft zum vermeintlichen 0:2. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Schiedsrichter Danny Makkelie: “Mein Assistent hat mir erst signalisiert, dass das Konter-Tor Abseits war, also habe ich das zurückgenommen. In der Zwischenzeit hat mich der Videoschiedsrichter darauf hingewiesen, dass es in der Szene davor auf der anderen Seite einen Kontakt gab.”

Makkelie entschied also auf Penalty für Vitesse – der führte zum 1:1. Am Schluss jubelte dann doch Feyenoord: Dank einem Sieg im Penaltyschiessen.