Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

In dubio pro reyo

Frans am Freitag den 19. November 2004

Im Zweifel zugunsten des Angeklagten – in dubio pro reo. Diesen rechtsstaatlichen Grundsatz wendete die Disziplinarkommission der SFL gemäss Medienberichten auf Alexandre Rey an und hob die drei Spielsperren auf, die ihm Disiziplinarrichter Studer wegen absichtlichen Handspiels – eine Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne! – aufgebrummt hatte. Die Kommission begutachtete nicht nur die TV-Bilder, sondern nahm eine “vollständige Beweisaufnahme” vor, die offenbar einen blossen Rey-Flex nicht ausschloss. Oder war Rey geschubst worden? Oder sagte Alexandre bloss “putain”? Oder leidet er gar an unfreywilligen Zuckungen? Im letzten Fall empfehlen wir die griechische Methode.
(Im Bild: Der Finger von Reys torgefährlicher Hand)

Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne

Frans am Mittwoch den 17. November 2004

In der zweiten Ausgabe unserer Rubrik zu Regeln und Recht widmen wir uns dem absichtlichen Handstor, genauer: dessen disziplinarischen Folgen. Ausgehend von den Fällen Neuville (Mönchengladbach) und Rey (Xamax) beleuchtet Fürsprecher und Notar Philippe Frésard – als Ersatzdisziplinarrichter der Swiss Football League ein Kenner der Materie – in seinem aktuellen wissenschaftlichen Beitrag die juristischen Hintergründe:
Erfolgt die Handbewegung – wie im Fall Rey – nicht reflexartig, so “liegt eine Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne vor”. Zur Untermauerung zitiert der Sachverständige aus dem Entscheid des DFB-Bundesgerichts in Sachen Neuville: “Eine solche Täuschung enthält in diesem Zusammenhang eine besonders erhebliche Verwerflichkeit. Die Tat geschieht mit Vorsatz, rücksichtslos, zum puren Eigennutz. Die damit einhergehende eklatante Wettbewerbsverzerrung wird bewusst und gewollt herbeigeführt. Es können die Entscheidung über Meisterschaft, Auf- oder Abstieg mit existenzvernichtenden Folgen davon abhängen.”
Schlagartig wird dem Leser vor Augen geführt, dass Fussball kein Spiel, sondern eine Tätigkeit von existenzieller Dimension ist. Leider äussert sich der etwas stark auf die beiden aktuellen Fälle fixierte Beitrag nicht zur auf der Hand liegenden Grundsatzfrage, ob wenigstens die Hand Gottes existenzvernichtend eingreifen dürfte, fussballrechtlich gesehen.
(Bild: Die harte Landung nach der existenziellen Täuschung)

Vom Ermessen des Juristen

Frans am Sonntag den 14. November 2004


Eine seinem Beruf angemessene Begründung liefert uns Schiedsrichter und Jurist Dr. Felix Brych dafür, dass er das Bundesligaspiel Bremen – Leverkusen (2:2) zum Erstaunen aller und zum Ärger der Bremer nach exakt 90 Minuten abgepfiffen hat, obwohl es zahlreiche Unterbrechungen gab:
“Es ist immer eine Ermessensentscheidung. Ich habe heute entschieden, dass wir nur 90 Minuten spielen.”

Was der deutsche Jurist spitzfindig und scheinbar unanfechtbar als pflichtgemässes Ermessen bemäntelt, bezeichnen wir in der ersten Folge unserer neuen Rubrik für Liebhaber von Regeln und Recht mit der rechtlich korrekten Terminologie: Willkür (umgangssprachliche Synonyme: Belieben, Gutdünken, Laune, Rücksichtslosigkeit, Eigenwilligkeit, Selbstherrlichkeit).

Ball geplatzt

Rrr am Montag den 8. November 2004

Konsternation im belgischen Louviere: War das nun ein reguläres Tor oder nicht? Ein kaputter Ball erregt die Gemüter…

Beim Volleyschuss von Anderlecht-Star Walter Baseggio platzte der Ball in der Luft – und landete dennoch im Tor. Mit letzter Kraft schaffte die erschlaffte Kugel den Weg ins Netz. Der Schiedsrichter anerkannte den Treffer, der Anderlecht einen 2:1-Sieg gegen Louviere bescherte. Der Gegner tobte. Jetzt liegt der Ball bei den Sportjuristen.

Bei diesem Schuss platzte der Ball.