Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Abu Fani an der Fahne

Rrr am Mittwoch den 5. Januar 2022

BREAKING NEWS: YB sagt wegen Corona das Trainingslager in Spanien ab

Erleben Sie nun die zwei langweiligsten Minuten Ihres Fussballfan-Lebens.

Maccabi Haifa (grünweiss) führt im israelischen Spitzenspiel gegen Maccabi Tel Aviv mit 3:2. Wir stehen tief in der Nachspielzeit, und nun lernen Sie Mohammad Abu Fani kennen. Der schafft es, mit regulärem Zeitspiel an der Cornerfahne volle zwei Minuten von der Uhr zu nehmen.

Zeitspiel kann der Schiedsrichter ja leider nur in einem Fall ahnden, wenn der Ball im Spiel ist: Wenn der Goalie den Ball länger als sechs Sekunden mit den Händen kontrolliert. Dann ist ein indirekter Freistoss fällig.

Maccabi Haifa gewann das Spiel (nach 0:2-Rückstand) mit 3:2 und bleibt im Meisterrennen, zwei Punkte hinter Leader Happoel Beer Sheva. Deutlich zurück liegt hingegen der 23-fache Meister Maccabi Tel Aviv mit nunmehr 15 Punkten Rückstand.

Komplexe Prognose

Rrr am Dienstag den 30. November 2021

Herzlich willkommen zum grossen Monats-Tippspiel!

Vier Heimspiele dürfen die Young Boys im Dezember austragen. Aber unter welchen Voraussetzungen? Raten Sie jetzt!

Formular ausdrucken, zutreffende Felder ankreuzen, abschicken an Rundes Leder Redaktion, JP Nsame Allee 1898, Bern. Erster Preis: Ein Gratis-Selbsttest. Zweiter Preis: Impfberatung bei Herrn der Ama. Dritter Preis: Einladung ans virtuelle Weihnachtsessens des Runden Leders.

Zu ihrer Inspiration noch ein Blick nach Europa: Geisterspiele in den Niederlanden, Österreich und Teilen Deutschlands (Ausweitung heute im Gespräch). 2G in Italien plus Möglichkeit von Zuschauerzahlbegrenzungen. Keine Einschränkungen in England.

Der Preis von Scheiss

Rrr am Donnerstag den 25. November 2021

Die UEFA verdonnert YB zu einer Geldstrafe, weil sie sich von den YB-Fans beleidigt fühlt.

Das berichtet Martin Endemann, Projektmanager bei der Vereinigung europäischen Fussballfans (FSE), auf Twitter: “Man liest nicht jeden Tag eine Urteilsbegründung, in der sich die UEFA und ein Champions-League-Verein über die tiefere semantische Bedeutung des Wortes Scheisse streiten.”

YB-Fans sangen während des Champions-League-Playoffs am 18. August gegen Ferencvaros zweimal “Scheiss UEFA” und sollen damit gegen Artikel 16, Absatz 2, Buchstabe e der Rechtspflegeverordnung verstossen haben. Vereine können demnach gebüsst werden, wenn ihre Fans “provokative, einer Sportveranstaltung unangemessene Botschaften” verbreiten.

YB wehrte sich gegen die Strafe: Erstens hätten die Fans nicht “Fuck UEFA” gesungen, wie dies die UEFA behauptet hatte, sondern “Scheiss UEFA”, “which means Shit UEFA”. “Shit” bedeute “Scheisse” und sei im Schweizerdeutschen nicht zwingend eine Beleidigung, sondern könnte auch Ausdruck von Enttäuschung sein.

Für diese Argumentation hatte die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer kein Gehör. Mit den “Scheiss UEFA”-Rufen würde keine Auseinandersetzung zu einem bestimmten Thema angestossen. So etwas gehöre sich einfach nicht an einem Champions-League-Match. YB wurde zu einer Strafe von 10’000 Euro verurteilt und bekam auch sonst noch allerhand aufgebrummt.

Herr Endemann weist auf den etwas schwammigen Artikel 16 hin und schlägt den YB-Fans vor, ihre Gesänge in Zukunft zu differenzieren. Straffrei wäre wohl “Scheiss UEFA, wir sind sehr enttäuscht über bestimmte Themen, wie CL Reform, Geldverteilung, Kollektivstrafen, Stehplatzverbot, lasst mal konstruktiv drüber reden!” Jetzt brauche es einfach noch eine passende Melodie.

Das ganze Urteil zum Geniessen gibts hier. Dringende Leseempfehlung.

Wichtiges Wort

Rrr am Dienstag den 9. November 2021

Montpellier hat ein Zauberwort. Sehr praktisch.

Canal+ strahlte am Wochenende einen Dokfilm über den Ligue-1-Klub aus und zeigte dabei eine Szene aus dem Heimspiel gegen Marseille (3:3) vom April. Montpelliers Junior Sambia wälzt sich nach einem groben Foul am Boden, der Physiotherapeut Olivier Megel eilt zu ihm.

Dann raunt ihm Junior Sambia das Zauberwort zu. Was für eins? “Na, das kennt jeder bei uns”, sagt Megel. “Es ist ein Wort aus dem Süden. Wenn es ein Spieler ausspricht, weiss ich, dass er nicht ernsthaft verletzt ist.”

Megel ist beruhigt und rät Junior Sambia, noch ein bisschen liegen zu bleiben und sich behandeln zu lassen. “Es ist ein kleines Spiel”, lacht der Physiotherapeut.

Marseilles Verteidiger Duje Caleta-Car sah für das Foul die rote Karte, OM musste die letzte halbe Stunde in Unterzahl spielen und kassierte in der Nachspielzeit noch den Ausgleichstreffer.

Rustikale Regelwidrigkeiten

Rrr am Mittwoch den 27. Oktober 2021

Wer hat das Zeug zum Schiedsrichter?

Machen Sie mit bei unserem grossen Eignungstest! Zuerst sammeln Sie sich innerlich, dann sehen Sie sich nachfolgende Szene genau einmal an und geben dann bekannt, wie viele Fouls Sie sahen. Bereit? Film ab!

Krasse Kurzarbeit

Rrr am Sonntag den 24. Oktober 2021

Er kam, sah und ging gleich wieder.

Der Arbeitstag von Jean Mota war gestern eher kurz.

Santos hatte den Offensivmann nach 44 Minuten eingewechselt, als Ersatz für den verletzten Camacho. Zwei Minuten später wurde er nach einem Notbremse-Foul vom Platz gestellt – zurecht, wie der Videobeweis im Internet zeigt.

Santos verlor das Spiel 0:2, und Jean Mota hat bald seinen Letzten beim Klub. Ab Januar spielt er bei Inter Miami. Dessen Besitzer David Beckham suchte einen Kicker, der etwas Farbe ins blasse Spiel seiner Mannschaft bringt.

Edis Exit

Rrr am Montag den 20. September 2021

Edi Gottlieb sieht Rot.

Gottlieb ist Innenverteidiger bei Hapoel Tel Aviv. Im Heimspiel gegen Maccabi Petah Tikva lief die 90. Minute, als ein Fan den Platz stürmte und einen Hapoel-Spieler von hinten attackierte. Kurz darauf brachte Gottlieb den Störenfried zur Strecke. (Bewegtbilder gibts hier.)

Der Ref zog den VAR bei – und stellte dann Gottlieb vom Platz. Der israelische Fussballverband hat inzwischen klar gemacht, dass das ein Fehlentscheid war. Trotzdem droht Gottlieb eine Sperre, denn rote Karten können in der israelischen Liga nicht nachträglich zurückgenommen werden.

Vom Platz verwiesen wurde natürlich auch der Fan. Mittlerweile sitzt er im Gefängnis. Nach Angaben der Strafvollzugsbehörde flucht er ständig und weigert sich, eine Maske zu tragen. Sein Anwalt sagte, er könne wegen dem vielen Fluchen nicht mit dem Mann kommunizieren.

Alles Ansichtssache

Rrr am Sonntag den 19. September 2021

Obacht! Bilder können täuschen.

Und Filme auch. Wir schalten um in die zweithöchste englische Liga, wo Luton Town gegen Swansea City spielt. Der Herr in Rot ist Henri Lansbury, ex-Arsenal-Hoffnung und nun bei Lutown unter Vertrag.

Bevor Sie nun vorschnell einen Platzverweis gegen Lansbury fordern, beachten Sie bitte noch diese Perspektive

Wie Sie sehen, wollte Lansbury bloss einen Freistoss rasch ausführen. Der Herr in Weiss, Ryan Manning von Swansea, verhinderte das – ob bewusst oder unbewusst, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wie auch immer, der Ref zeigte beiden Spielern Gelb.

Die Szene ereignete sich übrigens in der 28. Minute, Luton führte zu diesem Zeitpunkt 3:0. Am Schluss stand es 3:3.

Positive Partizipation

Val der Ama am Donnerstag den 9. September 2021

Es gibt wirkungsvolle Alternativen zum Dauersupport.

Sie haben gestern vor dem Knüller von Belfast die Liga Portugal 3-Partie zwischen Caldas SC und Oliveira Hospital verfolgt? Gute Wahl. In der zweiten Halbzeit der Partie ereignete sich eine Szene, die beweist, dass die Zuschauer manchmal tatsächlich einen Unterschied machen können.

Beim Stand von 1:1 und interessanterweise bereits in der 53. Minute tat der Goalie von Oliveira Hospital das, was Goalies sehr gerne machen, wenn sie auf Zeit spielen wollen. Sie wissen schon: Rumstehen, die Kleider richten, die Mitspieler irgendwohin beordern etc. Die Zuschauer pfiffen aber nicht, sondern zählten lautstark die Zeitspielsekunden. Bei 20 zeigte der Schiedsrichter Gelb. Caldas SC gewann die Partie mit 3:1.

Guis Gebot

Rrr am Sonntag den 22. August 2021

Das Wort zum Sonntag spricht Guillaume Hoarau.

Keine Sorge, es dauert nur drei Sekunden.

Andere äusserten sich ausführlich zu den Tumulten nach dem Abpfiff von FCSG-Sion, zum Beispiel Serey Die in seinem bereits legendären Auftritt während des Interviews mit Nicolas Lüchinger. Mit dem Vorwurf, St. Galler Fans hätten Sions Goalie Timothy Fayulu rassistisch beschimpft, wird sich nun die Liga befassen müssen. Das fordert jedenfalls der FC Sion auf Twitter.

Sions Trainer Marco Walker sagte an der Pressekonferenz: “Ich hatte mit den Tumulten nichts zu tun, weil ich dort war, wo ein Trainer hingehört: Auf der Bank. Aber beim Thema Rassismus gilt es, eine klare Linie zu ziehen.” St. Gallens Trainer Peter Zeidler: “Ich kann nur sagen: Wenn ein Klub für den Kampf gegen Rassismus steht, dann der FC St.Gallen.”

St. Gallens Präsident Matthias Hüppi hat sich noch nicht zu Wort gemeldet. Er machte aber schon im Sommer 2020 klar, dass “Rassismus und Diskriminierung beim FC St. Gallen nicht den kleinsten Platz haben”. Damals hatte die Liga den Verein gebüsst, weil ein Fan einen Zürcher Spieler rassistisch beschimpft hatte.

Monströs misslungene Metaphorik

Frau Götti am Mittwoch den 26. Mai 2021

BREAKING NEWS: Schweizer Stadien dürfen ab 20. August wieder gefüllt werden

Ilse v. Mueller-Fridnau begrüßt Sie zu Sprechstunde Nummer IV.

In meinem letzten literarischen Auswurf in diesem Fachorgan hatte ich Ihnen die Analyse einer lexikalischen Monstrosität in der Welt des Fussballes versprochen. Sollten Sie sich darauf gar ein wenig gefreut haben, muss ich Sie leider enttäuschen.

Nicht dass ich Ihnen jetzt das Versprochene vorenthalten würde. Jedoch handelt es sich bei diesem um etwas in höchsten Maße Unerfreuliches. Aber henu. «Es hilft alles nichts, wir müssen ran», sagte meine alte Deutschlehrerin jeweils, bevor sie uns nach den langen Ferien wieder zum Konjugieren schickte.

Wir befassen uns heute mit der Wendung «Spielermaterial», meist benutzt oder besser missbraucht im Problemkreis eines von einem Verein zu einem andern übertragenen Fußballspielers. Dass eine solche Wendung höchst problematisch und verletzend ist, illustriert zum Beispiel Folgendes.

Ausgehend von dem Begriff könnte ich ausführlich über die zunehmende Verdinglichung, Entmenschlichung und Materialisierung dieser unserer Welt referieren. Ich halte diese Ausführungen jedoch für unnötig und beschränke mich statt ihrer in aller Kürze auf den Hinweis darauf, woher der Begriff stammt und wodurch er völlig zu Recht in Ungnade fiel.

Er taucht zum ersten Male auf bei dem großen Dichter Theodor Fontane (ausgerechnet bei ihm, wie schrecklich!). Und zwar im Jahre 1852 in seinem Bericht «Ein Sommer in London» in einem militärischen Kontext: «Der englische Soldat, als rohes Menschenmaterial noch immer unvergleichlich (…)» Zu beruhigen vermag nur, dass der begnadete Meister der sprachlichen feinen Klinge und des Wortwitzes einen derartigen Begriff nur mit doppeltem Boden gebrauchen würde.
Karl Marx wählte die Wortfügung einige Male in «Das Kapital» (1867) – natürlich in kritischem Sinne. Später im Ersten Weltkrieg war oft von den vielen Verlusten an «Kriegs- und Menschenmaterial» die Rede.
Und – jetzt kommt das Monströse – Adolf Hitler benutzte den Ausdruck mehrfach in seinem politischen Grundlagenwerk «Mein Kampf». Im Zweiten Weltkrieg wurden KZ-Häftlinge, die nicht zu Arbeitszwecken einzusetzen waren, als «unbrauchbares Menschenmaterial» bezeichnet.

Kurzum:
Der Begriff hat eine absolut abscheuliche Ausprägung und ist unbedingt zu vermeiden. In seiner Monstrosität sprengt er beinah den Rahmen eines schiefen Bildes.

Haben aber Sie eine dahingehende Frage? So wenden Sie sich ohne Scheu an mich via meinen geschätzten Kollega Dr. Rüdisühli.

Seien Sie auch dieses Mal auf Freundlichste gegrüßt von Ihrer Ilse v. Mueller-Fridnau

Wahlhelfer wider Willen

Val der Ama am Donnerstag den 29. April 2021

Lästige Demokratie.

Den Marcelo kennen Sie noch. Er spielt seit 2007 bei Real Madrid und hat seinen Job als Linksverteidiger schon recht ansprechend interpretiert. Marcelo gestaltet mit und ist im Mittelfeld, wie auch im Sturm meist anspielbar. Allerdings wird halt auch er nicht jünger und so kam es, dass er diese Woche zum ersten Mal seit knapp drei Jahren wieder mal in der K.-o.-Phase der Champions League randurfte.

Fraglich aber, ob er auch nächste Woche gegen Chelsea mit dabei sein kann. Weil Marcelo besitzt seit 2011 auch die spanische Staatsbürgerschaft und nun wurde er doch just für die Madrider Stadtratswahl als Wahlhelfer ausgelost. Die findet übrigens einen Tag vor dem Rückspiel statt.

Immerhin, für den gemeinnützigen Dienst winkt ihm eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 65 Euro.

(Bild: Sergio Perez/Reuters)