Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Rot gegen die Regierung

Rrr am Samstag den 20. April 2019

Wir schalten um nach Khartoum.

“Ein Demonstrant zeigt der aktuellen militärischen Übergangsregierung die rote Karte”, schreibt uns dazu unser Afrika-Korrespondent Lars L. “Der Becher ist ein Symbol für die Regierung. Drauf steht: Entfernen!”

Unser Funkbild stammt vom gestrigen Tag. Herr Lars L schaute nachher noch kurz beim Freitagsgebet vorbei.

Ältere Leser erinnern sich an Herrn Lars L als legendären Quizmaster und zwischenzeitlichen Betreuer der Mittwochsserie “Die Frage der Woche”. Später tingelte er mit seinen Meerschweinchen über die Jahrmärkte, ehe er nach Afrika auswanderte und damit den Erfolg des BSC Young Boys begründete: Seit Lars weg ist, holt YB Titel um Titel. In dem Sinn weiterhin alles Gute im Ausland, lieber Herr Lars!

Dutzendweise Platzverweise

Herr Shearer am Mittwoch den 3. April 2019

…Hundert an der Zahl, nämlich.

Foto: Goal.com

Besondere Ehre für Manchester Uniteds Ashley Young gestern im Auswärtsspiel in Wolverhampton: der rote Karton, den ihm Schiedsrichter Mike Dean entgegenstreckte, war ein ganz besonderer. Dean hält damit nämlich neu den Rekord für den Unparteiischen, der in der Premier League die meisten Platzverweise ausgesprochen hat.

In dieser Saison ist Dean bereits auf neun roten Karten in 23 Spielen, sein ärgster Verfolger ist Michael Oliver, der die Arschkarte sechs mal zückte. Sein erstes Spiel pfiff Mike Dean am 9. September 2000, als Leicester City auf Southampton traf (1:0)., dort zog er allerdings noch nicht einmal eine gelbe Karte. Seither sind 476 weitere Partien in Englands höchster Spielklasse dazugekommen. Und eben diese hundert Spieler, die vorzeitig unter die Dusche gestellt wurden. Herzliche Gratulation!

Moderne Mittel

Rrr am Samstag den 30. März 2019

Rundes Leder Zeitmaschine: Heute reisen wir nach 1976 und entdecken den Video Assistant Referee.

Immer wieder sorgen strittige Schiedsrichter-Entscheidungen für Unruhe. Zwei Ingenieure aus Frankreich wollen Abhilfe schaffen: Sie schlagen vor, drei Sachkundige in Glaskabinen am Spielfeldrand unterzubringen. Erkennen zwei von ihnen unabhängig auf Foul, wird das Urteil vom Stadionspeaker verkündet – fertig.

Also fertig mit den Endlos-Diskussionen. Aber wird Fussball so wirklich gerechter? Vielleicht bräuchte es auch elektronische Hilfsmittel, um beispielsweise das Wembley-Tor von 1966 schlüssig zu beurteilen … oder gibts dann ewig Unterbrüche, um Spielszenen nachzuprüfen? Und was kostet das alles überhaupt?

Lesen Sie doch selber! (Spiegel vom 1. November 1976)

Die ganze Varheit

Rrr am Sonntag den 24. März 2019

Der Video Assistent Referee setzt sich weltweit durch.

Gut so, denn umstrittene Szenen gibt es natürlich überall. Da ist man froh, wenn man schnell einen Blick auf den Monitor werfen kann.

Alter!

Herr Shearer am Donnerstag den 20. Dezember 2018

Indiens Fussballverband suspendiert Gourav Mukhi.

Eine vielversprechende Karriere hat einen Dämpfer erhalten: Indiens jüngster Torschütze in der höchsten Liga soll etwas geschummelt haben. Als er letzten Oktober für seinen Klub Jamshedpur FC sein Profidebüt beim 2:2 gegen Bengaluru gab und auch gleich noch den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, soll er gar nicht erst 16 Jahre gewesen sein, sondern gute zwölf Jahre älter. Als Rundes Leder-Leser hätten Sie das anhand des gepflegten Schnauzes natürlich sofort bemerkt, so ein prächtiges Teil trägt kein Teenager.

Aber keine Angst, Mukhi ist nicht der einzige, der im indischen Fussball an übertriebenem Jugendwahn leidet. Bereits 2015 wurde er zusammen mit vier anderen Teamkollegen seiner damaligen U15-Mannschaft aus Jharkand für das Trainingslager der U17-Nationalmannschaft aufgeboten, und schon dort mussten die fünf zugeben, dass sie dafür zu alt seien.

Bis die Funktionäre des indischen ein Urteil gefällt haben, darf Mukhi weder für sein Team in der Super League noch für eine nationale Auswahl spielen. Von wegen, man ist immer so alt, wie man sich fühlt…

Valencia verlangt Videoref

Rrr am Donnerstag den 29. November 2018

Marcelino hadert mit dem Schiedsrichter.

Also dem Schiedsrichter von ManUtd-YB. Doktor Felix Brych, der in der 91. Minute das Hands von Marouane Fellaini vor dessen Siegestor übersah.

Das Tor katapultierte Valencia aus der Champions League.

“Wenn dem Tor ein Hands vorausging, ist das für uns ärgerlich”, sagte Valencia-Trainer Marcelino gegenüber spanischen und italienischen Medien. “Ja, es war schwer zu sehen, aber auf diesem Niveau sind eben auch Details wichtig. Es ist schon erstaunlich, dass es in der Champions League keinen Videoreferee gibt. Wobei, das ist für uns kein Trost. Wir wollen nicht jammern, wir müssen uns auf selber schauen.”

Weiter geht es für Valencia am Samstag mit dem Gastspiel bei Real Madrid.

Verband mit harter Hand

Herr Maldini am Dienstag den 20. November 2018

Ein Schiedsrichter wird gesperrt – das passt nicht allen.

Sie haben es sicher mitgekriegt: Vor kurzem vergass der Schiedsrichter David McNamara die Münze, die über das Anstossrecht zwischen Manchester City und dem FC Reading hätte bestimmen sollen. Kurzerhand entschied er sich, die Auslosung mit einer Runde Schere, Stein, Papier vorzunehmen.

Foto: Sports India Show

Der Schiedsrichterverband rügte McNamara, er habe sich unprofessionell verhalten, der britische Fussballverband sperrte ihn gar für drei Wochen. Im Fussballregelbuch bei Regel 8 steht schliesslich, dass der Gewinner der Platzwahl anhand eines Münzwurfs ausgelost werden muss.

Wie auch immer: McNamara wurde von einer Welle der Solidarität erfasst. Der Unparteiische Ryan Hampson sagte am Wochenende gegenüber der BBC, dass viele an McNamara gedacht hätten. “Wir wollen Solidarität mit ihm zeigen.” Hampson pfiff am Sonntag in Lancashire einen Non-League-Match. “Ohne dass ich die Geschichte erwähnt hatte, kamen vier Spieler zu mir und fragten mich, ob wir die Auslosung nicht mit Schere, Stein, Papier vornehmen könnten.”

Sie finden auch, dass David McNamara zu unrecht bestraft wurde? Tun sie ihre Solidarität in der Kommentarspalte kund, das Runde Leder druckt sie anschliessend aus und schickt sie per Post nach England.

Offside oder nicht?

Briger am Montag den 8. Oktober 2018

Nein, liebe Basler, Zürcher, Luzerner, es geht nicht um YB und die Schiedsrichterentscheidungen vom Samstag.

Nein, es geht um Europa League, genauer das Spiel einer Mannschaft aus Glasgow gegen Rapid Wien. Das Team aus Glasgow, welches letzlich mit 3:1 gewann, sieht sich beim 1:0 durch Rapid vom Linienrichter betrogen. Von unserem Glasgow-Sonderkorrespondenten, erhielten wir belastendes Material zugestellt. Aber schauen Sie selbst:

Foto: express.co.uk

Rätselhaftes Phänomen

Rrr am Sonntag den 7. Oktober 2018

Übersinnliche Dinge spielen sich im Wankdorf ab!

Merken Sie sich das Transparent in blau/weisss/rot, das die Luzerner Fans im Gästesektor aufgehängt haben (“Nein zum VAR”). Es handelt sich um einen Protest gegen die geplante Einführung des Videobeweises in der Super League.

So, und jetzt schauen wir uns die nächsten Sekunden im Bewegtbild an.

Haben Sies gemerkt? Kaum hat Luzern das dritte Tor erzielt, beginnt sich das Transparent wie von Geisterhand vom Stadiongitter zu lösen. Wir zoomen etwas näher:

Wir haben im Moment keine Erklärung für das Phänomen, werden das Material aber Erich von Däniken zur Begutachtung zustellen. Wir haben übrigens auch keine Erklärung dafür, dass der Schiedsrichter das Tor überhaupt anerkannte – Eleke stand zuvor deutlich im Abseits.

Und nun noch einige Takte Musik.

Foul oder nicht Foul?

Briger am Montag den 30. Juli 2018

Von irgendwo fliegt ein Luxemburger her.

Der frühere FC Salzburg-Bezwinger Düdelingen traf in der CL-Quali auf MOL Vidi FC. Die Ungarn gewannen 2:1, Bryan Melisse von Düdelingen die Auszeichnung “Tackling des Jahres”.

Wunderliche WM-Wanderlegende

Rrr am Mittwoch den 20. Juni 2018

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Sehr geehrter Dr. Rüdisühli, beim Torjubel der Portugiesen nach dem 3:3 ist mir etwas aufgefallen. Neun Feldspieler feierten ausserhalb des Spielfeldes den Treffer von Cristiano Ronaldo, nur Pepe blieb auf dem Spielfeld. Es gibt ein Zuschauervideo, das zeigt, das sich auch Pepe zur Spielertraube gesellen wollte, aber auf den Platz zurückgeschickt wurde.

Genau dasselbe war bei den Australiern zu beobachten – und auch bei den Engländern. Beim Torjubel blieb immer ein einziger Feldpieler auf dem Platz. Warum? P. M., B.

Lieber Peter, durchs Internet geistert das Gerücht einer neuen FIFA-Weisung, wonach mindestens ein Feldspieler der jubelnden Mannschaft auf dem Platz bleiben müsse. Sonst dürfe der Schiedsrichter das Spiel wieder freigeben – und die gegnerische Mannschaft käme zu einem billigen Treffer.

Das ist Unsinn. An der WM gelten die Regeln des International Football Association Board (IFAB). “Für jeden Anstoss gilt: Alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoss ausführt, befinden sich in der eigenen Spielfeldhälfte.” Vorher kann der Referee gar nicht anpfeifen.

Was Portugiesen, Australier und Engländer mit ihrem Verhalten genau bezwecken, entzieht sich unserer Kenntnis. Klar ist nur eins: Gefahr würde ihnen erst drohen, wenn sie alle in der eigenen Platzhälfte jubeln würden. Denn dann kann der Schiedsrichter das Spiel tatsächlich freigeben.

Auf diese Weise kam ja die U16 von Gibraltar im April 2015 gegen Mazedonien zum schnellen Ausgleich, Sie erinnern sich sicher. Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli

Korrekt korsieren

Herr Shearer am Donnerstag den 14. Juni 2018

Es folgt eine dringend nötige Mitteilung der Kantonspolizei.

“Bald ist es wieder soweit: nach ausgedehnten, als Public Viewing verhamlosten Botéllons steigen sogenannte Fussballfans in ihre illegal getunten Autos und begehen Vergehen gegen das Strassenverkehrsgestz (SR 741.01).  Diese Autokorsos will niemand, schon gar nicht wir von der Polizei. Wir haben deshalb einen Leitfaden erstellt, der Ihnen klipp und klar sagt, was geht und was nicht. Das Dokument dürfte für Menschen, die sich für Autotuning und Siegerkorsos interessieren, allerdings etwas textlastig sein. Deshalb seien hier kurz die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Plastikfähnchen am Auto: ja, diese trümmligen Teile zum in der Scheibe einklemmen von der Tanke dürfen Sie.
  • Fahne aus dem Auto halten: und damit Fussgänger und Velos abräumen? Sicher nicht!
  • Autokorso: ist eigentlich natürlich verboten, aber diese Fussballfans dürfen ja trotzdem immer alles. Belästigen Sie niemanden und bleiben Sie innerorts, dann müssen wir leider ein Auge zudrücken.
  • Easy aus dem Auto lehnen: Nein! Bei- und Mitfahrer sitzen schön brav auf ihren Plätzen und beachten die Anschnallpflicht.

Sie haben immer noch Fragen? Dann schauen Sie sich dieses sehr zielgruppengerechte Video an. Soviel anders ist die Gesetzeslage schliesslich auch in Deutschland nicht.

Und sollten Ihnen jetzt die Lust auf unnötiges Herumfahren immer noch nicht vergangen sein, dann beachten Sie bitte, dass so ein Autokorso keine ungefährliche Sache ist.

Die Kantonspolizei wünscht Ihnen trotzdem eine schöne Weltmeisterschaft. Beste Grüsse, Ihr Wachtmeister Schärer.”