Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Andorranische Abseitsfalle

Rrr am Sonntag den 8. September 2019

Wir schalten kurz um nach Istanbul.

50 Minuten sind gespielt, es steht 0:0, die Türkei beisst sich am Fussballzwerg Andorra die Zähne aus.

Jetzt ein Freistoss der Türken von links! Andorra will eine besonders gewiefte Abseitsfalle stellen, indem sämtliche Spieler schnell herausrücken. Allerdings pfeift Schiedsrichter Robertson kein Abseits – und so stehen plötzlich fünf Türken frei vor dem Tor. Das 1:0? Film ab!

Schöner Lupfer von Söyüncü, muss man sagen. Aber eben.

Erlöst wurden die Türken erst in der 89. Minute durch Ozan Tufan. Der 1:0-Minisieg ersparte ihnen die komplette Blamage vor eigenem Publikum.

Kiss & Go

Herr Shearer am Donnerstag den 29. August 2019

Schiedsrichter sind Spielverderber.

Ein weiteres Opfer der pingeligen Besserwisser wurde am letzten Wochenende der Brasilianer Wanderson, der für den bulgarischen Klub Ludogorets Razgrad spielt. Gegen Slavia Sofia hatte er nach seinem Treffer zum 1:0 nur noch seine Freundin im Sinn. Wie romantisch! Dem Unparteiischen hingegen muss etwas nicht gepasst haben – er gab den Treffer nicht. Und während Wanderson also seine Geliebte küsste, ging das Spiel schon wieder in die andere Richtung weiter. Aber schauen Sie selbst!

Vielleicht hätte ein VAR helfen können. Wir jedenfalls können beim besten Gewissen kein Offside erkennen.

Verschiedene Varianten

Rrr am Sonntag den 28. Juli 2019

Neue Regel – grosse Auswirkungen? In der Schweiz bislang nicht.

Die FIFA hat auf die neue Saison eine ganze Reihe von Regeländerungen in Kraft gesetzt. Eine davon dreht sich um den Abstoss: Neu muss der Ball den Sechzehner nicht mehr verlassen, bevor ein Mitspieler ihn annehmen darf.

Die neue Regel hat sich bei Tests an Juniorenturnieren und in Brasilien offensichtlich bewährt, jedenfalls gilt sie nun weltweit. Das Ziel ist klar: Der Spielfluss soll gefördert werden. Ein Standard weniger, eine spielnahe Situation mehr.

Den Ball einfach noch vorne schlagen ist natürlich weiter erlaubt. Technisch versierte Teams haben aber mehr Möglichkeiten für den gepflegten Spielaufbau, schreibt der Blog Cavanis Friseur.

Die grossen europäischen Teams experimentieren zurzeit in den Testspielen, wie sie die Regeländerung möglichst gut umsetzen. Ein Paradebeispiel erreicht uns von Inter Mailand:

Gut, als gegnerische Mannschaft kann man nun natürlich versuchen, den Gegner früh zu attackieren und den ruhigen Spielaufbau zu verhindern. Je höher man steht, desto grösser ist allerdings das Risiko, das der gegnerische Goalie mit einem weiten Ball die halbe Mannschaft überspielt. Ein Beispiel aus dem Testspiel Manchester City vs West Ham von letzter Woche.

“Vermutlich wird die vermeintlich kleine Änderung die Fussballspiele mehr verändern als erwartet”, schreibt der deutsche Fussballautor Christoph Biermann.

In der Super League blieb die neue Regel bislang ohne Auswirkung, auch bei YB-Servette. Nun gut, das kann sich ja noch ändern.

Gute Gespräche

Rrr am Samstag den 27. Juli 2019

Endlich! Der Referee kommuniziert mit den Zuschauern.

Der VAR ist eine tolle Sache, da sind sich natürlich alle einig. Aber er ist immer noch verbesserungsfähig, findet der niederländische Fussballverband. Die VAR-Bilder sollen künftig über die Stadionscreens flimmern (wie das schon bei der letzten WM der Fall war).

Mehr noch: Ab den Cup-Viertelfinals sollen die Schiedsrichter zum Mikrofon greifen und dem Publikum genau erklären, warum sie einen Entscheid aufgrund des Video Assistant Referees änderten. “Die Zuschauer im Stadien sollen nachvollziehen können, warum was entschieden wurde”, sagt der Generalsekretär des Verbandes, Gijs de Jong, gegenüber niederländischen Medien.

Dass jeder Zuschauer einzeln sagen darf, was er von der Entscheidung hält, ist bislang nicht vorgesehen. Im Sinne einer ausgereiften Diskussionskultur wäre das aber sicher eine weitere unbedingt prüfenswerte Massnahme, finden wir.

Eindrückliche Expertise

Rrr am Montag den 22. Juli 2019

Der VAR hat seine Feuertaufe in Bern bestanden!

Genau einmal kam der Video Assistant Referee gestern zum Einsatz – als Servette nach 20 Minuten das Foul eines YB-Spielers nach einem Genfer Corner monierte. Schiedsrichter Jacottet nahm Rücksprache mit dem VAR und entschied dann auf Weiterspielen.

Gut gut – aber wer war eigentlich der VAR? Wir können heute das Geheimnis lüften: Es war unser Redakteur Herr Shearer, der kurzerhand die Funkverbindung nach Volketswil gekappt hatte und die Szene von der Tribüne aus zweitbeurteilte. Kompetent wie immer, darf man sagen.

“Ich habe den Job spontan übernommen, im Sinne der Qualitätssicherung”, sagte Herr Shearer nach dem Spiel gegenüber Reportern. “Als Experte kann ich solche Szenen rasch und schlüssig beurteilen, vor allem solche im YB-Strafraum. Ich mache das gerne auch bei den weiteren Heimspielen, wenn mich der SFL anfragt. Mit dem Schreiben des Matchberichts fürs Runde Leder bin ich ja eh nicht ausgelastet, und so kann ich mich noch ein bisschen nützlich machen. Hopp YB!”

Rot gegen die Regierung

Rrr am Samstag den 20. April 2019

Wir schalten um nach Khartoum.

“Ein Demonstrant zeigt der aktuellen militärischen Übergangsregierung die rote Karte”, schreibt uns dazu unser Afrika-Korrespondent Lars L. “Der Becher ist ein Symbol für die Regierung. Drauf steht: Entfernen!”

Unser Funkbild stammt vom gestrigen Tag. Herr Lars L schaute nachher noch kurz beim Freitagsgebet vorbei.

Ältere Leser erinnern sich an Herrn Lars L als legendären Quizmaster und zwischenzeitlichen Betreuer der Mittwochsserie “Die Frage der Woche”. Später tingelte er mit seinen Meerschweinchen über die Jahrmärkte, ehe er nach Afrika auswanderte und damit den Erfolg des BSC Young Boys begründete: Seit Lars weg ist, holt YB Titel um Titel. In dem Sinn weiterhin alles Gute im Ausland, lieber Herr Lars!

Dutzendweise Platzverweise

Herr Shearer am Mittwoch den 3. April 2019

…Hundert an der Zahl, nämlich.

Foto: Goal.com

Besondere Ehre für Manchester Uniteds Ashley Young gestern im Auswärtsspiel in Wolverhampton: der rote Karton, den ihm Schiedsrichter Mike Dean entgegenstreckte, war ein ganz besonderer. Dean hält damit nämlich neu den Rekord für den Unparteiischen, der in der Premier League die meisten Platzverweise ausgesprochen hat.

In dieser Saison ist Dean bereits auf neun roten Karten in 23 Spielen, sein ärgster Verfolger ist Michael Oliver, der die Arschkarte sechs mal zückte. Sein erstes Spiel pfiff Mike Dean am 9. September 2000, als Leicester City auf Southampton traf (1:0)., dort zog er allerdings noch nicht einmal eine gelbe Karte. Seither sind 476 weitere Partien in Englands höchster Spielklasse dazugekommen. Und eben diese hundert Spieler, die vorzeitig unter die Dusche gestellt wurden. Herzliche Gratulation!

Moderne Mittel

Rrr am Samstag den 30. März 2019

Rundes Leder Zeitmaschine: Heute reisen wir nach 1976 und entdecken den Video Assistant Referee.

Immer wieder sorgen strittige Schiedsrichter-Entscheidungen für Unruhe. Zwei Ingenieure aus Frankreich wollen Abhilfe schaffen: Sie schlagen vor, drei Sachkundige in Glaskabinen am Spielfeldrand unterzubringen. Erkennen zwei von ihnen unabhängig auf Foul, wird das Urteil vom Stadionspeaker verkündet – fertig.

Also fertig mit den Endlos-Diskussionen. Aber wird Fussball so wirklich gerechter? Vielleicht bräuchte es auch elektronische Hilfsmittel, um beispielsweise das Wembley-Tor von 1966 schlüssig zu beurteilen … oder gibts dann ewig Unterbrüche, um Spielszenen nachzuprüfen? Und was kostet das alles überhaupt?

Lesen Sie doch selber! (Spiegel vom 1. November 1976)

Die ganze Varheit

Rrr am Sonntag den 24. März 2019

Der Video Assistent Referee setzt sich weltweit durch.

Gut so, denn umstrittene Szenen gibt es natürlich überall. Da ist man froh, wenn man schnell einen Blick auf den Monitor werfen kann.

Alter!

Herr Shearer am Donnerstag den 20. Dezember 2018

Indiens Fussballverband suspendiert Gourav Mukhi.

Eine vielversprechende Karriere hat einen Dämpfer erhalten: Indiens jüngster Torschütze in der höchsten Liga soll etwas geschummelt haben. Als er letzten Oktober für seinen Klub Jamshedpur FC sein Profidebüt beim 2:2 gegen Bengaluru gab und auch gleich noch den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, soll er gar nicht erst 16 Jahre gewesen sein, sondern gute zwölf Jahre älter. Als Rundes Leder-Leser hätten Sie das anhand des gepflegten Schnauzes natürlich sofort bemerkt, so ein prächtiges Teil trägt kein Teenager.

Aber keine Angst, Mukhi ist nicht der einzige, der im indischen Fussball an übertriebenem Jugendwahn leidet. Bereits 2015 wurde er zusammen mit vier anderen Teamkollegen seiner damaligen U15-Mannschaft aus Jharkand für das Trainingslager der U17-Nationalmannschaft aufgeboten, und schon dort mussten die fünf zugeben, dass sie dafür zu alt seien.

Bis die Funktionäre des indischen ein Urteil gefällt haben, darf Mukhi weder für sein Team in der Super League noch für eine nationale Auswahl spielen. Von wegen, man ist immer so alt, wie man sich fühlt…

Valencia verlangt Videoref

Rrr am Donnerstag den 29. November 2018

Marcelino hadert mit dem Schiedsrichter.

Also dem Schiedsrichter von ManUtd-YB. Doktor Felix Brych, der in der 91. Minute das Hands von Marouane Fellaini vor dessen Siegestor übersah.

Das Tor katapultierte Valencia aus der Champions League.

“Wenn dem Tor ein Hands vorausging, ist das für uns ärgerlich”, sagte Valencia-Trainer Marcelino gegenüber spanischen und italienischen Medien. “Ja, es war schwer zu sehen, aber auf diesem Niveau sind eben auch Details wichtig. Es ist schon erstaunlich, dass es in der Champions League keinen Videoreferee gibt. Wobei, das ist für uns kein Trost. Wir wollen nicht jammern, wir müssen uns auf selber schauen.”

Weiter geht es für Valencia am Samstag mit dem Gastspiel bei Real Madrid.

Verband mit harter Hand

Herr Maldini am Dienstag den 20. November 2018

Ein Schiedsrichter wird gesperrt – das passt nicht allen.

Sie haben es sicher mitgekriegt: Vor kurzem vergass der Schiedsrichter David McNamara die Münze, die über das Anstossrecht zwischen Manchester City und dem FC Reading hätte bestimmen sollen. Kurzerhand entschied er sich, die Auslosung mit einer Runde Schere, Stein, Papier vorzunehmen.

Foto: Sports India Show

Der Schiedsrichterverband rügte McNamara, er habe sich unprofessionell verhalten, der britische Fussballverband sperrte ihn gar für drei Wochen. Im Fussballregelbuch bei Regel 8 steht schliesslich, dass der Gewinner der Platzwahl anhand eines Münzwurfs ausgelost werden muss.

Wie auch immer: McNamara wurde von einer Welle der Solidarität erfasst. Der Unparteiische Ryan Hampson sagte am Wochenende gegenüber der BBC, dass viele an McNamara gedacht hätten. “Wir wollen Solidarität mit ihm zeigen.” Hampson pfiff am Sonntag in Lancashire einen Non-League-Match. “Ohne dass ich die Geschichte erwähnt hatte, kamen vier Spieler zu mir und fragten mich, ob wir die Auslosung nicht mit Schere, Stein, Papier vornehmen könnten.”

Sie finden auch, dass David McNamara zu unrecht bestraft wurde? Tun sie ihre Solidarität in der Kommentarspalte kund, das Runde Leder druckt sie anschliessend aus und schickt sie per Post nach England.