Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Spass in der Masse

Rrr am Donnerstag den 23. Juli 2020

Public Viewing in St. Gallen. Kein Problem, sagt die Polizei.

Weil maximal 1000 Menschen in den Kybun-Park dürfen, lud der Radiosender FM1Today gestern zum Public Viewing ins Espenmoos. Und die Fans kamen in Massen.

Vielleicht täuschen wir uns, aber es scheint ein wenig, als sei der Abstand von 1.50 Metern zwischen den einzelnen Personen nicht ganz konsequent eingehalten worden. Auch sind auf den ersten Blick nicht allzu viele Schutzmasken sichtbar.

Alles sei mit rechten Dingen zugegangen, beschwichtigt die Stadtpolizei St. Gallen auf Twitter. Nach ihrem Erkenntnisstand befanden sich nicht mehr als 1000 Leute im Stadion. Abstandsregeln und Masken seien gemäss Verordnung des Bundes nicht nötig, solange der Veranstalter die Kontaktdaten aller Anwesenden erfasse.

Die Polizei habe demnach keinen Handlungsbedarf erkannt: “Was erlaubt ist und was nicht, geben Gesetze oder Reglemente vor. Diese werden nicht durch die Polizei gemacht.”

Kaderlass mit Konsequenzen

Rrr am Samstag den 4. Juli 2020

Chiasso hängt mächtig durch.

Der Tabellenletzte der Challenge League verlor alle Spiele seit dem Restart. Und seit Mittwoch ist der Kader auch noch arg ausgedünnt: Die Tessiner liessen zum ordentlichen Vertragsende per Ende Juni acht Kicker ziehen, darunter die Stammspieler Bruno Martignoni, Rodrigo Pollero, Patrick Rossini und Giuseppe Aquaro.

Warum auch Geld ausgeben? In der Corona-Saison steigt sowieso niemand aus der Challenge League ab.

Chiasso scheint nicht mehr wettbewerbsfähig. Zu diesem Schluss kamen jedenfalls die grossen englischen Wettportale wie William Hill und Ladbrokes. Sie alle haben die Spiele mit Chiasso von ihren Listen gestrichen. Selbst Swiss Sporttip lässt keine Wetten mehr auf den FC Chiasso zu, wie der Corriere del Ticino berichtet.

Bei diesem Gegentor im Spiel gegen Stade Lausanne könnte man übrigens auch auf andere Gedanken gekommen, warum die Wettanbieter die Chiasso-Spiele gestrichen haben.

Gut und gerecht

Rrr am Samstag den 16. Mai 2020

Bundesliga ohne Fans: Gut für die Gäste. Und die Referees.

Professor Mikel Pitkin von der Universität Stockholm untersuchte 21 italiensche Geisterspiele aus dem Jahr 2007 – die Zuschauer mussten damals wegen Ausschreitungen draussen bleiben. Fazit: Die Schiedsrichter fühlten sich offensichtlich freier in ihren Entscheidungen und pfiffen ausgewogener, weil sie nicht ausgebuht, ausgepfiffen und bedrängt wurden. Unsere Kollegen von Science Direct haben die Studie aufgeschaltet.

Ein Team der University of Lancaster nahm die Saisons 2001-2007 der Premier League und der Bundesliga unter die Lupe. Fazit: Spieler der Gastmannschaft werden tendenziell härter bestraft, wenn sie dasselbe Foul begehen wie ein Spieler des Heimteams. Etwas gemindert wurde der Effekt in denjenigen deutschen Stadien, in denen die Zuschauer nicht direkt am Spielfeldrand sitzen können. Die Details finden Sie hier.

Bundesliga-Referee Daniel Siebert nennt noch einen anderen Grund: “Geisterspiele sind leichter zu pfeifen.” Unter anderem könne der Referee die Fouls hören. “Man hört den Fusskontakt, Schienbein an Schienbein oder Sohle an Sohle. Das erzeugt ganz bestimmte Geräusche. Und als Schiedsrichter habe ich ein geschultes Ohr dafür, welcher Kontakt regelwidrig und welcher noch im Rahmen eines fairen Zweikampfes ist.”

Bundesliga-Konferenz, live ab 15.30 Uhr.

Gratis im Fernsehen (auf Sky Sports News HD), unter anderem mit dem Ruhrpott-Derby Dortmund-Schalke. Aber klar, echte Fans schauen sich keine Geisterspiele an.

Auch die Redaktion des Runden Leders boykottiert die BuLi ohne Zuschauer.
“Also genau genommen schaue ich schon, aber heimlich”, sagt Herr Rrr. “Ich auch”, räuspert Herr Winfried. “Aber nur, um mich zu vergewissern, wie Stuhl Fussi ohne Fans ist.” Herr Maldini: “Ich schaue, wenn ich Zeit habe. Ich denke, ich habe schon Zeit.” Herr Briger: “Ha Ho He!” Herr der Ama: “Ich schaue nicht, Bremen spielt erst am Montag.” Herr Shearer: “Was macht ein Alki, wenn der Schnaps alle ist? Er greift zum Pinselreiniger. Prost.”

Bravo Brügge!

Val der Ama am Donnerstag den 2. April 2020

Der Club Brugge KV ist Belgischer Meister.

Meisterschaft abgebrochen, Club Brügge ist Meister. So hat der belgische Fussballverband eben entschieden. Es ist ja so: Gerade mal ein Spiel bevor es in diese ominösen Playoff gegangen wäre, musste die Meisterschaft unterbrochen werden und den damaligen Stand der Tabelle (1. Club Brugge (70 Punkte), 2. KAA Gent (55 ), 3. Charleroi (54), 4. Antwerpen (53), 5. Standard Lüttich (49)), den hat man heute für definitv erklärt.

Brügge und Gent dürfen sich also wahrscheinlich irgendwann in der Champions League versuchen und Charleroi, Antwerpen und Standard gehen dann wohl in die Qualifikation zur Europa League. Ob der Cupfinal zwischen Antwerpen und Brügge noch gespielt wird, hat man heute nicht entschieden. Ebenfalls noch offen ist, wer denn wie, warum und ob überhaupt ab- oder aufsteigen wird. Eine Arbeitsgruppe klärt weiter ab.

(Bild: Photo News)

Zeidlers Zorn

Rrr am Montag den 24. Februar 2020

Was sagen eigentlich die beiden Trainer zur 99. Minute in St. Gallen?

Peter Zeidler, Trainer FCSG:

“Unsere Aufgabe ist es nicht, Schiedsrichterleistungen zu kommentieren. Deshalb mach ichs nicht. Ich machs wirklich nicht.

(Weil ich schätze Herrn Bieri, ich kenn ihn gar nicht gut, aber als Mensch mit seiner Ausstrahlung, als guten Schiedsrichter – eine Sache muss man mir in den nächsten Stunden, und bis morgen geb ich uns allen noch Zeit, erklären: Wie irgendein – der ist glaubich auch Schiedsrichter – der Herr Schärer aus Zürich, der hat uns letzte Woche glaubich gepfiffen, aus Zürich da einfach da anruft, oder keine Ahnung wie die das machen, und sagt: Wiederhol den. Okay, kann er machen, aber ich frage mich, aber da müssen wir die Regularien durchschauen: Warum schaut denn Herr Bieri des nicht nochmals an? Diese Frage – und ich lass mich gerne eines besseren belehren, vielleicht weiss ichs auch nicht richtig, aber wenn er das nochmals angeschaut hätte, dann gibt es glaubs keine zwei Entscheidungen. Aber Herr Bieri hat die Situation nicht nochmals angeschaut. Hat sich auf Herrn Schärer verlassen. Des sollt man nicht immer tun im Leben.)

Aber nochmals: Kein Kommentar.”

Gerardo Seoane, Trainer YB:

“Wenn Sie meine Meinung wissen wollen, die ist nicht gut, weil die ist mit gelbschwarzer Brille. Und die kommt sowieso gelbschwarz raus, also von dem her lassen wirs sein.”

(Aus der Pressekonferenz nach dem Spiel)

Dok mit Pfiff

Rrr am Dienstag den 4. Februar 2020

Was Sie schon immer über Schiedsrichter wissen wollten.

Vor allem: Was sprechen sie mit den Spielern? Und was diskutieren sie so über Funk mit Assistenten und VAR?

Die ARD klärt auf. Der Sender heftete sich an die Fersen von Deniz Aytekin, den auch in Bern bekannten Referee (er pfiff 2018 das Heimspiel der Young Boys gegen Manchester United). In der Doksendung “Karten, Pfiffe, fette Bässe” ist zu hören und sehen, wie Aytekin auf dem Platz mit Bundesliga-Profis kommuniziert, wie er sich fit hält und wie er sich nach dem Spiel mit Funktionären der Verlierermannschaft austauscht.

“Karten, Pfiffe, fette Bässe” wird um 23.30 Uhr ausgestrahlt. Dann sind Sie sowieso noch vor dem Fernseher und gucken ARD, denn das Erste zeigt zuvor DFB-Pokal (Achtelfinal Werder-Dortmund live, danach Zusammenfassungen von Lautern-Düsseldorf, Frankfurt-Leipzig und Schalke-Hertha).

Dumm gelaufen (XXXII)

Rrr am Dienstag den 21. Januar 2020

Der Trottel des Tages kommt aus Ägypten.

Er heisst Ahmad Hassan und spielt bei Wadi Dagla.

Sein Teamkollege schloss einen Konter mit einem gekonnten Lupfer über den Torwart ab. Der Ball wäre regelkonform ins Tor geflogen, hätte sich Ahmed Hassan nicht bemüssigt gefühlt, das runde Leder kurz vor Überqueren der Torlinie noch kräftig zu treten und so das Tor für sich zu reklamieren. Dumm nur: Hassan stand, anders als der Kollega, im Abseits.

Tröstlich, dass Wadi Degla gegen Aswan FC trotzdem 3:1 gewann.

Ausgefuchste Abseitsfalle

Herr Shearer am Donnerstag den 16. Januar 2020

Wo wird eigentlich überhaupt noch Fussball gespielt?

Ach ja, in Indien natürlich! Dort ist es immer schön warm und drum braucht es auch keine Winterpause. Leider steckt der Sport noch in den Kinderschuhen und noch sind nicht allen alle Regeln geläufig. Ein schwieriges Thema scheint nach wie vor die Abseits-Regel zu sein, wie diese Szene aus der Nachspielzeit zwischen Kolkata und den Kerala-Blasters zeigt. Auf dem Bild sehen Sie den Moment der Ballabgabe, den vollen Genuss liefern Ihnen die Bewegtbilder.

Wieso der Schiedsrichter das Ausgleichstor für den Heimklub nicht anerkannte? Wir können das leider auch nicht schlüssig nachvollziehen.

Rassige Rechenaufgaben

Herr Shearer am Donnerstag den 9. Januar 2020

Den Satz des Thales kennen Sie ja, und bei Pythagoras können Sie auch auf Anhieb sagen, wo der gespielt hat.

Oder steht es mit um Ihr Mathematikwissen etwa auch nicht besser als bei uns auf der Redaktion? Richtig rechnen ist für eine zunehmende Zahl von Schülerinnen und Schülern ein Problem, auch in Frankreich. Der Stoff ist aber auch trocken wie Baguette von vorgestern und überhaupt nicht sexy. Eine Lehrerin aus dem Grossraum Paris weiss, wie sie Ihre Schützlingen abholen kann – mit Fussball geht einfach alles einfacher!

Bereits vor über drei Jahren hat sie damit angefangen, ab und zu stellt sie die Aufgaben auch ihrer Followerschaft auf Twitter. Zwischendurch lässt sie leider etwas die nötige Seriosität vermissen, zum Beispiel bei solchen Aufgaben:

Bildquellen: Twitter

 

Handliche Erläuterungen

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 29. Oktober 2019

Hands oder nicht Hands?

Eine endlose Debatte, VAR hin oder her. Dabei hat die deutsche “Zeit” kürzlich Abhilfe geschaffen und alle kniffligen Fragen beantwortet.

Lernen Sie nun beiliegende Erläuterungen auswendig, dann haben Sie es künftig komplett im Griff.

(Die RL-Redaktion führt heute abend zwischen 18 und 21 Uhr Hausbesuche bei zufällig ausgewählten Leserinnen und Leser durch und fragt die Regeln stichprobenartig ab.)

Juves Juristenfutter

Rrr am Mittwoch den 2. Oktober 2019

Juventus Turin kämpft noch immer um den Meistertitel von 2006.

Ältere Leser erinnern sich: Juventus Turin holte damals den Scudetto. Im Zuge des Calciopoli-Skandals um Manager Luciano Moggi wurde er der Titel der alten Dame abgesprochen und Inter Mailand zuerkannt. Das hat Juve bis heute nicht akzeptiert.

Jetzt sind die Turiner erneut beim Nationalen Olympischen Komitee (CONI) vorstellig geworden, wie italienische Medien berichten. Es ist der 30. Versuch, den Titel am grünen Tisch zurückzuholen. Beim CONI waren sie schon vor Jahren, beschritten dann den zivilen Rechtsweg und sind nun wieder beim Sportgericht gelandet. Eines der Argumente ist, dass auch Inter seinerzeit an Absprachen beteiligt gewesen sei.

Fast ein bisschen vergessen geht daneben der Kampf um den Meistertitel 2019/20. Juventus trifft am kommenden Sonntag auswärts auf Inter.

Andorranische Abseitsfalle

Rrr am Sonntag den 8. September 2019

Wir schalten kurz um nach Istanbul.

50 Minuten sind gespielt, es steht 0:0, die Türkei beisst sich am Fussballzwerg Andorra die Zähne aus.

Jetzt ein Freistoss der Türken von links! Andorra will eine besonders gewiefte Abseitsfalle stellen, indem sämtliche Spieler schnell herausrücken. Allerdings pfeift Schiedsrichter Robertson kein Abseits – und so stehen plötzlich fünf Türken frei vor dem Tor. Das 1:0? Film ab!

Schöner Lupfer von Söyüncü, muss man sagen. Aber eben.

Erlöst wurden die Türken erst in der 89. Minute durch Ozan Tufan. Der 1:0-Minisieg ersparte ihnen die komplette Blamage vor eigenem Publikum.