Archiv für die Kategorie ‘Rasensprenger’

Edle Runde

Rrr am Freitag den 9. September 2016

Die Champions League wird zur geschlossenen Veranstaltung der ewiggleichen Superreichen.

Die European Club Association (ECA) wird dominiert von Europas reichsten Klubs, Vorsitzender ist Bayern-Boss Rummenigge. Regelmässig droht sie der UEFA, dass die grossen Vereine die Champions League künftig boykottieren und stattdessen eine eigene Superliga gründen. Das versetzt die seit dem Platini-Skandal führungslose UEFA in Angst und Schrecken – weshalb sie immer neue Konzessionen macht.

Diese Woche konnte sich Rummenigge darüber freuen, dass die Champions League ab 2018 den vier grossen Ligen Spanien, England, Deutschland und Italien je 4 feste Startplätze garantiert. Das ist schön für die paar glücklichen Klubs, aber bitter für alle anderen: Sie sehen kaum noch Chancen auf die Honigtöpfe des Profifussballs.

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Protest kommt von den meisten europäischen Ligen, die sich im Verband EPFL zusammengeschlossen haben. Dort sind sogar die Bundesliga, La Liga und die Premier League dabei, ebenso zum Beispiel die Swiss Football League. Die Ligen teilt die Sorge, dass die Champions League die nationalen Wettbewerbe zerstört. Titelrennen gibt es in immer weniger Ländern.

pranglEPFL-Geschäftsführer Georg Pangl: “Die EPFL ist auf einen ausgeglichenen Wettbewerb bedacht. Mit dieser Reform wird die Kluft, die es seit 20 Jahren zwischen den grossen und den kleinen, ärmeren Klubs gibt, noch grösser. Die Mittelschicht im Fussball bricht komplett weg. 1995 gewann Ajax Amsterdam die Champions League, 1991 Roter Stern Belgrad den Pokal der Landesmeister, das wird vermutlich nie mehr passieren. Und auch die Berechenbarkeit wird grösser. Wenn Sie und ich jetzt aufschreiben, welche Klubs im Viertelfinale stehen werden, haben wir sehr wahrscheinlich sieben oder acht Richtige.“

Die “Süddeutsche Zeitung” fasst den Sachverhalt so zusammen: “Es könnte der Tag kommen, an dem sich die Leute freuen, wenn die Spitzenklubs endlich in ihrer Superliga verschwinden, und der Fussball vor der Haustür wieder spannend wird.”

Schwer gezeichnet

Herr Shearer am Donnerstag den 23. April 2015

Ein Wunder der Natur? Das Werk Ausserirdischer? Nein, nur die Folge übermässigen Alkoholkonsums.

Simplondorf

Die eigenartigen Zeichnungen auf dem Feld des FC Simplon Dorf sollen ganz einfach von nächtlichem Befahren desselben mit einem Automobil zu nachtschlafener Stunde herrühren. Gerüchten zufolgen soll sogar ein Mitglied des Klubs mit den sympathischen Farben der Urheber sein, nachdem er etwas zu tief ins Glas geschaut habe. Aber weder bei Verein noch bei der Gemeinde will man mit der Sprache rausrücken…

“Am 25.4.2015 starte wer inu Cup”, schreibt der Klub im lokalen Idiom auf seiner Homepage. Zum Glück auswärts, beim FC Moosalp-Törbel.

Vergasen

Herr Pelocorto am Montag den 9. März 2015

Der Fussball in Norddeutschland wird untergraben.

Besonders schlimm ist es im Bezirk Eimsbüttel im Norden Hamburgs. Dort wüteten die Talpae europaeae am stärksten. Das ist keine neue Hooligan-Gruppierung, sondern es handelt sich um diesen putzigen Kerl hier:

Spielfelder verschiedener Clubs sind in den spielfreien Wintermonaten massiv umgegraben worden, was Einsturz- und damit Verletzungsgefahr zur Folge hat. Die betroffenen Clubs haben jetzt zum Schrecken des Naturschutzbundes eine Ausnahmebewilligung erhalten, um die an sich geschützten Maulwürfe zu vergasen.

Ich bin gespannt, wie sich die Maulwürfe wehren …

FA-Cup heute Abend live am TV (in knapp 9 Stunden geht’s los)
Manchester United v Arsenal FC, 20:45 Uhr, EuroSport HD, BBC One HD
Beide Mannschaften haben diese Saison mit dem Meisterschaftstitel wohl nichts mehr zu tun; zu gross ist der Vorsprung Chelseas. Deshalb geht es bei den beiden Rekordhaltern (je 11 FA-Cup-Gewinne) heute Abend um sehr viel. Ich freue mich auf ein leidenschaftliches Spiel im Old Trafford, wo wir seit September 2006 auf einen Auswärtssieg warten.

Pausen-Tsunami

Lars Sohn am Freitag den 20. Juni 2014

Die Berliner Wasserbetriebe stossen an ihre Grenzen.

Ältere Leser erinnern sich: Dr. Rüdisühli hat im Runden Leder neulich das Pausenverhalten der Leserschaft erforscht. Dabei haben einzelne schwerstsüchtige Fussballfans öffentlich zugegeben, dass sie während dem Match lieber die Beine zusammendrücken, als eine entscheidende Szene zu verpassen.

Mit diesem Phänomen hat auch unser nördlicher Nachbar zu kämpfen. Messungen in der Hauptstadt haben ergeben, dass jeweils kurz nach dem Pausenpfiff eine neuerliche Flut droht. Wir wünschen den Berlinern fürs morgige Spiel gegen Ghana deshalb besten Fluss aus allen Rohren.

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Ich wage gar nicht daran zu denken, was passieren wird, wenn Herr Rrr seine Notdurft nun auch noch bei den Deuschen während den Spielpausen verrichtet.

Wo ist Volkan?

Val der Ama am Mittwoch den 12. März 2014

Einfach weg.

Volkan

Was Sie bereits wissen: Die Spitzenpartie in der türkischen Fußball-Liga zwischen Trabzonspor und Tabellenführer Fenerbahçe Istanbul ist am Montagabend beim Stand von 1:0 für die Gäste aus Istanbul abgebrochen worden, nachdem Fans Petarden, Steine, Messer und aber auch eine Türklinke auf das Feld geworfen hatten.

Was Sie wahrscheinlich noch nicht wissen: Von Volkan Demirel, dem Goalie von Fenerbahçe, fehlt seither jede Spur.

Konsequentes Durchgreifen

Rrr am Sonntag den 9. Februar 2014

Der Kanton Bern sagt Ja zum Anti-Fussballfan-Konkordat.

20140209-111552.jpgDie Stimmberechtigten haben die Vorlage deutlich angenommen, wie die Trendrechnung des Regionaljournals Bern von Radio SRF zeigt. Demnach sagten rund 80 Prozent Ja zum Konkordat, das nach den Versprechungen der Befürworter ein konsequentes Durchgreifen gegen Randalierer ermöglicht, während es nach Meinung der Gegner sämtliche Fussballfans in Sippenhaft nimmt.

In Bern darf damit schon bald Herr Nause die Spielregeln für YB-Heimspiele aufstellen. Die Bestimmungen des Konkordats sollen auf die kommende Saison hin umgesetzt werden.

Gelackmeierte Gartenfreunde

Herr Shearer am Dienstag den 28. Mai 2013

AKTUELL: YB bestätigt Transfer von FCZ-Mittelfeldspieler Milan Gajic

Ein neuer Trend erobert die Grossstädte – Urban Gardening!

Sie haben sicher auch schon davon gehört, denn derzeit kommt man einfach nicht um diesen Trend rum, der langsam auch zu uns und weiter in Richtung Süden rüberschwappt! Allerorten werden Stadtbrachen zu Gärten umfunktioniert, auf der ganzen Welt zeigen umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger den Lebensmittelmultis und der Landwirtschaftsindustrie den Stinkefinger. Sie setzen auf selbst gezogenes Gemüse von der eigenen Dachterasse oder aus dem nächsten Verkehrskreisel.

Auch Rom wird grüner. An diesem Wochenende schliesslich sollte es soweit sein und der ganz grosse Coup folgen: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der “ewigen Stadt” wollten die monotone und komplett unproduktive Rasenfläche des Stadio Olimpico in fruchtbare Gartenbeete umwandeln. Dieser Schluss muss auf jeden Fall aus dem Bild unten gezogen werden. Es zeigt die zahlreichen Gartenwerkzeuge, welche die Römer Polizei den Besuchern des Cupfinals von vorgestern Abend am Eingang abgenommen hat.

Statt gegärtnert wurde anschliessend halt trotzdem wieder Fussball gespielt. Ein in Bern bestens bekannter Trainer konnte trotz allem reiche Ernte einfahren, wie Leser dieses Fachorgans ja bereits wissen.

Das Uritonnoir Urinal

Val der Ama am Donnerstag den 25. April 2013

Erleichterung in Bern. Aber anders.

Nur noch ein paar Mal schlafen, dann ist wieder Cupfinal in Bern. Und dann kommen ein paar Zürcher und sehr viele Basler. Basler in Bern? Sie erinnern sich: Fanmarsch, Saubannerzug, wildes Urinieren und dann Titelfeier. Ein Problem kann neu gelöst werden und damit Hoffnung für Berns arme Vorgartenbesitzer, weil die Festivalindustrie präsentiert die ideale Lösung gegen Harnsäure am falschen Ort: Der Uritonnoir.

Und so funktionierts: Sie suchen einen beliebigen Strohballen auf einer beliebigen Wiese. Dann entfernen Sie die weisse Plastikhülle (dort wo SVP draufsteht) und transportieren das Ding in das gerade gefährdete Quartiersträssli. Nun einfach so ein Uritonnoir reindrücken, die Fanschaft schiffen lassen und fertig. Nach Abreise der Cupsieger lässt man den Ballen einfach stehen und 6 bis 12 Monate später hat man dann prima Kompost. Hier der Beweis:

Ob die Installation auch bei Dicksodenrasen taugt, konnten wir leider nicht eruieren.

Auf den Punkt gebracht

Herr Pelocorto am Donnerstag den 16. August 2012

Wie geht es eigentlich dem Elfmeterpunkt der Fortuna Düsseldorf?

Sie erinnern sich sicher noch an das unterhaltsame Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Das Spiel war eigentlich noch im Gange, als ein Fortuna-Fan kurzerhand den Elfmeterpunkt behändigte (ab 0:25).

Dem Elfmeterpunkt gehe es gut, er gedeihe auf seinem Balkon, informierte der Besitzer gestern die Medien. Überhaupt habe ihm das gute Stück Glück gebracht, tags darauf sei nämlich seine Frau zum zweiten Mal schwanger geworden.

Falls es ein Mädchen wird, heisst sie sicher ‹Fortuna›, vermute ich. Und einen Jungen würde ich ‹Dick Soden› taufen.

Falkenauge

Herr Pelocorto am Samstag den 14. Juli 2012

TLT – die Torlinientechnologie kommt. Das wurde aber auch höchste Zeit!

Endlich haben sich die zwei besten Systeme durchgesetzt; Hawk-Eye und GoalRef sind von der FIFA akzeptiert worden und werden bald eingesetzt. Zu Ihrer Information kurz das Wichtigste zu den Systemen:

Hawk-Eye
Mehrere Hochgeschwindigkeitskameras filmen den Ball aus verschiedenen Perspektiven, ein Computersystem berechnet aus den Bildinformationen die Lage des Balles im Raum und sendet dem Schiedsrichter per Funk ein Signal, sobald der Ball hinter der Linie ist.
Vorteil: An Ball und Tor muss nichts gebastelt werden.
Nachteil: Wenn weniger als 25% des Balles sichtbar ist, funktioniert das System nicht. Wenn also Wölfli den Ball aus Gashis Gewaltschuss unter sich begräbt und mit dem Ball ins Tor rutscht, dann gibt es kein Tor für die Hoppers.

GoalRef
Im Torgehäuse beziehungsweise über der Torlinie wird ein Magnetfeld erzeugt und im Fussball eingearbeitete Chip oder Pads generieren ein Signal, sobald der Ball das Magnetfeld durchquert. Ein Funksignal geht dann zum Schiedsrichter.
Vorteil: Der Ball muss nicht sichtbar sein, das Magnetfeld funktioniert auch im “Fall Wölfli” von oben. Das System ist deutlich billiger.
Nachteil: Es braucht spezielle Bälle.

Aber die interessanten Fragen stelle sich erst jetzt!

Welches ist jetzt das bessere System?
Für Hawk-Eye spricht die Tennis-Erfahrung. Das System funktioniert gut und man könnte als Erweiterung gleich die Bilder der Toraufnahmen im Stadion und im Fernsehen zeigen. Dann wären alle Fragen geklärt. Vom technischen Blickwinkel her überzeugt mich GoalRef mehr, Hawk-Eye böte dafür mehr Spektakel, wenn die Bilder sofort allen Zuschauern im Stadion und zuhause gezeigt würden.

Wie kann ich das System lahmlegen zu Gunsten meines Teams positiv beeinflussen?
Vielleicht blendet jemand die Kameras? Oder man stolpert versehentlich über das Stromkabel des Hauptrechners? Plötzlich liegt ein zweiter Ball im Tor? Oder jemand funkt mit seinem Walkie-Talkie zwischen System und Schiedsrichter. Vielleicht stört ein fremder Sender das Funksignal? Oder der Störsender verbiegt ein wenig das Magnetfeld? Oder das hoffentlich verschlüsselte Signal zwischen Rechner und Empfangsgerät beim Schiedsrichter gerät durcheinander?

Es bleiben noch einige Fragen offen für die letzten Tests!

Heilige Erde

Herr Shearer am Samstag den 17. März 2012

Die Anhänger von San Lorenzo wollen ihr Stadion zurück.

Zehntausende Fans des Club Atletico San Lorenzo de Almagro haben Freitag vor einer Woche auf der Plaza del Mayo in Buenos Aires mit einer Demonstration ihr altes Stadion, den Gasómetro, zurückgefordert; wo dieses bis ans Ende der Siebzigerjahre gestanden hatte, betreibt die franzöische Warenhauskette Carrefour inzwischen einen Supermarkt. Seit 1993 trägt der Verein seine Heimspiele im Estadio Pedro Bidegain im Stadtteil Nueva Pompeya aus.

Die “Azulgrana” oder “Krähen”, wie sich die Anhänger selbst nennen, fordern nun aber ihr altes Stadion am ursprünglichen Standort zurück. 1979 ordnete der damalige Bürgermeister von Buenos Aires unter dem Druck der regierenden Militärjunta unter dem Vorwand städtebaulicher Notwendidgkeit quasi die Enteignung des Grundstücks an. Der wahre Grund dürfte aber gewesen sein, dass der Diktatur die grosse Anhängerschaft gefährlich erschien. Die geplanten baulichen Massnahmen wurden schlussendlich nie durchgeführt, und in den Achtzigerjahren übernahm Carrefour auf offenbar dubiosen Wegen das Gelände. Seit 2007 fordern die Supporter der in der höchsten argentinischen Liga spielenden Mannschaft die Aufdeckung der Machenschaften, die sie um ihre Heimat gebracht hat. So soll Carrefour von Anfang an mit der Junta unter einer Decke gesteckt haben, als die damalige Klubführung unter Androhung von Repressalien zum Verkauf des Stadions zu einem sehr tiefen Preis bewegt worden sei. Zwei Phantomgesellschaften sollen den Boden anschliessend von der Regierung erworben und an Carrefour weiterverkauft haben.

Bereits vor einigen Wochen kam es zum Aufmarsch von mehreren Zehntausend “Cuervos” vor der französischen Botschaft; auf diesem Video sehen Sie nicht etwa den Fanmarsch der FC Basel-Fans durch die Berner Innenstadt, sondern die eingangs erwähnte Demonstration im Herzen Buenos Aires’.

Falls Sie nun korrekt reagieren und Carrefour boykottieren wollen, müssen Sie dafür allerdings ins Ausland fahren: die Kette hat sich 2007 aus dem Schweizer Markt zurückgezogen.

Rohrkrepierer

Herr Pelocorto am Samstag den 5. November 2011

«Unglaubliche Provokation von GC-Goalie Bürki»

So titelte eine Schweizer Zeitung am 1. November. Diese unglaubliche Provokation entpuppte sich meiner Meinung nach als unglückliche Äusserung unseres Torhüters beim Interview mit dem Jugendsender Joiz Mitte Oktober. Ein Fussballer, der erklärt, dass “Schlegle” zum Fussball gehört und der nichts gegen Pyros hat? Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien!

Bürki wusste wohl nicht mehr, wie ihm geschah und musste zu Kreuze kriechen. Das Interview, das auch auf der GC-Website aufgeschaltet war, wurde sofort entfernt und der GC veröffentlichte eine Entschuldigung Bürkis.

Ich fand das Ganze eine sehr ärgerliche Geschichte, die vor allem eines zeigt: Beim Thema Fussball und Gewalt haben einige Medien das Augenmass verloren. Anstelle die sicher unüberlegten Äusserungen des 20-jährigen Bürkis richtig einzuordnen, wird er medial in den Senkel gestellt und in die Liste der Beispiele eingereiht, die zeigen sollen, dass es mit dem Fussball abwärts geht. So weit die mediale Realität – mit meiner Realität hat sie wenig zu tun.

Immer mehr Leute besuchen Fussballspiele, die Anzahl der Gewalttaten in Schweizer Stadien hingegen ist leicht rückläufig, wie der Beobachter zusammen mit dem Bundesamt für Statistik ermittelt hat. Eine Gewaltwelle sieht anders aus.

Wie uns diese mediale Realität prägt, habe ich diese Woche bei Verwandten erlebt, Frau B und ich waren bei einem gut 70-jährigen Paar zu einen Nachtessen eingeladen. Ein herrlich fussballfreier Abend, bis wir unvermittelt gefragt wurden, ob wir uns denn noch an Spiele getrauen, sie wüssten ja um unser Interesse für den Fussball, aber die Gewalt im Schweizer Fussball, das sei ja ziemlich schlimm. Wir haben unsere Eindrücke geschildert und für mehr Nüchternheit und Augenmass plädiert. Mein frommer Wunsch ist es, dass die Medien beim Thema Fussball und Gewalt generell etwas unaufgeregter zur Sache gehen, etwas mehr Fakten zusammentragen und etwas weniger mediale Rauchbomben zünden.