Archiv für die Kategorie ‘Randregionen’

Aus in Armenien

Rrr am Dienstag den 22. September 2020

Traurige Dinge aus aller Welt. Heute: Fola Esch.

Der luxemburgische Meister reiste in der Qualifikation zur Europa League nach Armenien. Ab der 43. Minute spielte Fola Esch in Überzahl und hatte das Spiel im Griff, in der 81. Minute gelang den Luxemburgern das 1:3.

Das war auch der Stand in der 90. Minute. Dann aber pfiff der Referee einen Foulelfmeter für Ararat Armenia – 2:3. In der letzten Sekunde der Nachspielzeit gabs nochmals einen Elfmeter – 3:3. In der 116. Minute machten die Armenier den Sack zu und schickten Fola Esch ins Tal der Tränen.

Trainer Sébastien Grandjean: “Ich kann es immer noch nicht glauben. Nach dem 1:3 wechselte ich extra einen Verteidiger für einen Stürmer ein, aber genützt hat es nichts. Das war das verrückteste Spiel meiner Karriere, so etwas möchte ich nie wieder erleben. Uns gehen mindestens 300.000 Euro flöten.”

Wir spüren es ganz deutlich, Sie möchten nun Bewegtbilder sehen.

Guillaume bei den Wallisern

Rrr am Samstag den 5. September 2020

Ex-YB-Star Hoarau sorgt jetzt in Sion für die Musik.

Gestern abend vergnügte sich der Franzose in der Bar le Mocambo und unterhielt die Menschen in der Altstadt von Sion mit einem spontanen Konzert – wie üblich mit seinen Kumpels.

Die Aufnahmen nähren die Gerüchte, wonach sich Hoarau dem FC Sion anschliessen könnte. Tagsüber vergnügte sich der Franzose in den Walliser Alpen, wie er selber auf Instagram dokumentierte.

Etwas später wurde er in Martigny gesichtet (wo bekanntlich Sion-Präsident Christian Constantin sein Büro hat) – und später dann eben in der Altstadt von Sion, wo er sich auch um die Getränkenachschub für seine Freunde kümmerte (unser Funkbild rechts / Video und Foto zvg).

Sion-Präsident Christian Constantin hat mehrmals deutlich gemacht, dass er an einem Transfer interessiert ist. Hoarau würde perfekt in sein neues Geschäftsmodell passen, das er am Freitag in der Westschweizer Presse erläuterte: Konzerte und Fussball im Tourbillon, alles am selben Nachmittag. “Und am Schluss gibts Raclette.”

Wir wünschen Guillaume Hoarau für seine weitere Karriere alles Gute.

Nigerianischer Meistertrainer

Briger am Montag den 24. August 2020

Heute lernen Sie Ndubuisi Egbo kennen.

Foto via kick442.com

Der 47-jährige amtete seit 2014 als Torwarttrainer des KF Tirana in Albanien, bei dem der frühere Nationaltorwart Nigerias zwischen 2001 und 2004 selbst Spieler war. Als Tirana, Rekordmeister des Landes, nach 13 Runden nur auf Platz 8 der Tabelle lag und sich bei zwar nur sechs Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze in Abstiegsnot befand – erst 2017 war der Verein erstmals abgestiegen – entschieden sich die Vereinsbosse, ihren Torwartrainer mal bis Ende Monat als Trainer einzusetzen. Drei Spiele und einen Punkteschnitt von drei später, unter anderem wurde erstmals nach sechs Jahren der grosse Rivale KF Partizani bezwungen.

Egbo durfte bleiben und schrieb Geschichte. Als erster afrikanischer Trainer gelang es ihm, mit einem europäischen Team die Meisterschaft zu gewinnen. Sein Punkteschnitt blieb in den folgenden 22 Partien mit 2.32 Punkten im Schnitt beachtlich. Egbo ist damit auch der erste afrikanische Coach, der es geschafft hat, ein Team in die Champions-League-Qualifikation zu coachen. Nach einem 2:0 Auswärtssieg bei Dinamo Tiflis wartet dort morgen Dienstag in Tirana nun YBs letztjähriger Playoff-Gegner Roter Stern Belgrad.

Egbo, der seit 2001 in Albanien weilt, unterbrochen von drei Jahren beim ägyptischen Club El-Masry, hat eine Erklärung für seinen Erfolg. Es sei dies auf seinen Glauben zurückzuführen: “Es war die Situation, die mich gewählt hat, ich war nicht diejenige. Es war die perfekte Zeit für Gott. Er bereitete sie vor und sagte: ‘Es ist jetzt deine Zeit, sie zu ergreifen. Ich werde dich benutzen, um Wunder zu vollbringen.'”

Service auf Serbisch

Herr Winfried am Mittwoch den 19. August 2020

Kein Zugang zum Stadion – kein Problem! Ein Fernglas reicht vollkommen.

In Serbien sind nach wie vor überhaupt keine Zuschauer an Fussballspielen erlaubt. Also keine im Stadion – was ausserhalb geschieht, zählt eher nicht zum Schutzkonzept der Liga. Das haben findige Funktionäre des Erstligisten Sloboda Užice bemerkt.

Zunächst zur Ausgangslage: Užice ist eine Kleinstadt im Westen Serbiens, nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Der örtliche FK spielt im Gradski Stadion, dieses fasst 12’000 Zuschauer. Ein Tribünendach gibt es nur auf der einen Längsseite. Sehen Sie selbst:

Bild: zvg

Das Stadion ist sozusagen coronakonform gebaut. Im Hintergrund erkennen Sie einige Gebäude, von deren Dächern oder auch oberen Stockwerken das Spiel ganz passabel mitverfolgt werden kann. Wer sich betreffend der idealen Position unsicher ist, kann auch ganz einfach den Club selbst fragen. Der FK Sloboda Užice hat dafür gesorgt, dass alle Bescheid wissen.

Das Stadion Wankdorf, Heimstätte der berühmten Young Boys, ist für Zaungäste weniger prädestiniert.

Wenn Sie trotzdem Ideen haben, um das Champions-League-Qualispiel gegen Slovan Bratislava oder Klaksvik live und bildschirmfrei zu verfolgen, teilen Sie uns diese mit!

Aufschlussreiche Antworten

Herr Winfried am Montag den 3. August 2020

Matthias Hüppi blickt im RL-Exklusivinterview voraus auf das Spiel heute Abend im Berner Wankdorf.

St. Gallens Präsident möchte das letzte Spiel der Saison gegen YB unbedingt gewinnen. Mehr zu seiner Prognose erfahren Sie direkt im Video. Film ab!

Produktion: H46 Films

Marseilles magischer Megafon-Mann

Herr Shearer am Donnerstag den 30. Juli 2020

Heute schauen wir in die Röhre.

Foto: Alain Sauvan

Weil wir haben da einen Filmtip. Praktischerweise müssen Sie dafür nicht einmal ins Kino, abendfüllend ist der Streifen mit einer guten halben Stunde Dauer auch nicht. Sie könnten also auch jetzt gerade, wo Sie doch sicher immer noch in Ihrem Büro daheim sind…

Vor zwanzig Jahren, am 28. Juli, starb in Marseille Patrice de Peretti, bekannt unter seinem Spitz- und Künstlernamen Depé. Alles über dessen kurzes, aber sehr bewegtes Leben als Capo im Stade Vélodrome und im Umfeld des grossen OM von Anfang der Neunzigerjahre lesen Sie in diesem langen und lehrreichen Artikel bei unseren Kollegen von SoFoot (allerdings auf französisch, mais ça vous fait certainement du bien). Ältere Leserinnen und Leser mögen sich vielleicht noch erinnern: früher waren bei Fussballspielen auch Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt, und bei den ganz heissblütigen sorgte ein Capo als Vorsänger dafür, dass die Anfeuerungen und Gesänge koordiniert durchs Stadion schallten. Hach, das waren Zeiten… Jetzt aber Film ab!

Das grosse Rechnen

Rrr am Samstag den 25. Juli 2020

Wer wird Meister? Vieles ist möglich!

Das Runde Leder zeigt Ihnen, wer unter welchen Umständen den Titel holt.

Der FC Basel wird Meister, wenn er die verbleibenden drei Spiele gewinnt, YB noch maximal einen Punkt holt und St. Gallen höchstens sechs.

Beispiel: YB remisiert gegen Luzern und unterliegt dann Sion und St. Gallen. Die Ostschweizer gewinnen gegen YB und Xamax, verlieren aber wie immer gegen den FCZ. Basel schlägt Lugano, Thun und Luzern. In der Schlussrangliste haben alle drei Titelanwärter 68 Punkte, Basel aber das beste Torverhältnis. Herzl Gratul!

Der FC St. Gallen kann es auch noch schaffen. Er muss einfach die nächsten beiden Spiele gewinnen und zugleich hoffen, dass YB gegen Luzern oder Sion verliert. Dann reicht St. Gallen ein Sieg in der Finalissima in Bern.

Etwas kniffliger wirds für die Ostschweizer, wenn YB einmal gewinnt und einmal Unentschieden spielt. Vorausgesetzt, dass beide Titelanwärter stets mit nur einem Tor Differenz siegen, muss der FCSG die Finalissima mit 9:0 gewinnen, damit wir ein herzhaftes Herzl Gratul in die Ostschweiz schicken können.

Die Young Boys haben ebenfalls Titelchancen. Schon am Wochenende werden sie Meister, wenn sie Luzern schlagen und St. Gallen den FCZ nicht bezwingt. In jedem Fall reichen YB 5 Punkte aus den letzten 3 Spielen für den Titel, faktisch braucht es sogar nur 4 Punkte (wegen des Torverhältnisses).

Wer es gerne noch ein bisschen exotisch hat: Die Young Boys könnten auch Meister werden, ohne in den letzten drei Spielen ein einziges Tor zu schiessen. 0:0 gegen Luzern, 0:0 gegen Sion, 0:0 gegen St. Gallen – herzl Gratul!

Koronas Krise

Herr Winfried am Mittwoch den 22. Juli 2020

Mann von Bord: Ein Absteiger sucht seinen Besitzer.

Wo ist Dirk Hundsdörfer? Das fragen sich gerade einige Fans in Südpolen. Der deutsche Unternehmer ist Mehrheitsaktionär des polnischen Fussballvereins Korona Kielce. Doch darauf hat Hundsdörfer offenbar nicht mehr so grosse Lust. Kürzlich stieg das Team nach über 10 Jahren aus der obersten Liga des Landes, der Ekstraklasa, ab – und Hundsdörfer machte sich aus dem Staub. Der Stadtrat von Kielce, selbst mit 30 Prozent am Verein beteiligt, wollte vor wenigen Tagen mit Hundsdörfer an einer Sitzung gemeinsam die Zukunft besprechen.

Existenz von Korona infrage gestellt

Doch dazu kam es nicht, wie aus einem Schreiben aus Fankreisen hervorgeht. “Jetzt besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass Korona aufgrund von Ignoranz, Nachlässigkeit und eklatanten Lügen des Eigentümers und des Vorstands unter der Leitung von Krzysztof Zając nicht mehr existieren wird”, heisst es in der Mitteilung.

Hundsdörfers derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Zeugen werden gebeten, sich bei Korona Kielces Fanclub zu melden. Sehen Sie nun, wie der Mann zuletzt aussah.

Foto: Krzysztof Krogulec

Falls Sie Hinweise haben, lieber aber nicht direkt mit Korona in Verbindung treten möchten, dürfen Sie sich gerne an die Redaktion des Runden Leders wenden. Wir vermitteln dann – selbstverständlich unter Einhalten des Quellenschutzes – zwischen Ihnen und Kielce.

Rundes Leder Tippspiel (XV)

Rrr am Mittwoch den 8. Juli 2020

Schon wieder ein Heimspiel für YB.

Zum 15. Mal in dieser Super-League-Saison sind die Young Boys die Gastgeber; sie blicken zurück auf 12 Siege und 2 Unentschieden (gegen Servette und Basel). Mit einem Sieg gegen Thun können die Gelbschwarzen den Druck auf Leader St. Gallen hochhalten.

Die Gäste aus dem Oberland hoffen auf Punktezuwachs. Im Wankdorf gelang ihnen das zuletzt im August 2017.

Und wer holt sich die Geisterwurst des Tages? Verraten Sie uns Ihre renommierte Prognose bis 18.14 Uhr, indem Sie in den Kommentaren folgende Frage richtig beantworten:

Wer trifft zu welchem Schlussresultat?

Das Spiel wird um 18.15 Uhr angepfiffen, der sehr gute Pay-TV-Sender Teleclub überträgt live. Toi toi toi!

LIVE AB 13.00 UHR: Rundes Leder Schnapschat

Touch statt Tor

Herr Maldini am Dienstag den 30. Juni 2020

Benfica läufts beschissen.

Dabei begann doch alles so gut: 18 Siege und nur eine Niederlage in den ersten 19 Ligaspielen der Saison 2019/20. Danach kam der 8. Februar und das 2:3 gegen Porto. Seither: Corona-Pause, davor und danach lauter Unentschieden und Niederlagen, nur noch zwei Siege und letzte Woche schliesslich der Verlust der Leaderposition. Gestern unterlagen die Scharlachroten beim Tabellensechzehnten CS Marítimo 0:2. Ärgerlich, weil Torchancen waren durchaus vorhanden (ein Klick bewegt das Bild):

Amir Abedzadeh (Marítimo GK) amazing late save vs. Benfica from r/soccer

Immerhin: Bald soll alles besser werden. Mauricio Pochettino könnte der nächste Trainer heissen, Gespräche finden bereits statt.

Wichtiger Wechsel

Herr Shearer am Freitag den 26. Juni 2020

Was tun mit einem nutzlosen Denkmalsockel?

Foto: Reuters / Antwerp TV

Leopold II. regierte Belgien von 1865 bis 1909. Unter seiner Führung wurde im Kongo ein Kolonialregime errichtet, das als eines der gewalttätigsten in der Geschichte gilt. Im Zuge der Black Live Matters-Demonstrationen wurde nun auch in Belgien vielerorts die Forderung laut, die Geschichte aufzuarbeiten und die Denkmäler für die Verantwortlichen dieser Ungerechtigkeiten abzumontieren. So geschehen in Ekeren: in diesem Ortsteil von Antwerpen musste der steinerne Leopold kürzlich seinen Standplatz verlassen, nachdem es von Protestierenden mit Farbe beworfen und angezündet worden ist. Zurückkehren soll die Figur nach ihrer Restaurierung aber nicht, sondern stattdessen in einem Museum eine neue Heimat finden.

Also, was tun mit dem frei gewordenen Standort? Marteen Bastiaensen hatte da eine Idee und lancierte so eine Online-Petition. Sein Vorschlag: eine Statue für den belgischen Nationalspieler Toby Alderweireld. Sie kennen den womöglich von den Tottenham Hotspurs, wohl eher aber daher, dass er in seinem Ligadebüt damals in der Eredivisie bei Ajax Amsterdam für einen gewissen Miralem Sulejmani eingewechselt wurde. Aber wir wollen nicht abschweifen. Die Petition von Bastiaensen – als Jux gedacht – ging viral und wurde bereits 1249 mal unterschrieben. Auf die Frage, ob Alderweireld der bessere Mensch als dieser Leopold sei, meint Bastiaensen:“Ich denke, im Gegensatz zu Leopold hat Toby niemals jemanden gekillt, ausser vielleicht ein paar gegnerische Stürmer. Er ist ein Gentleman. Ich bin sicher, in hundert Jahren wird man Toby immer noch als Supertypen sehen”.

Immerhin, Ehrenbürger von Ekeren ist Alderweireld bereits. Und der Korrektheit halber wollen wir anmerken, dass ja auch König Leopold damals niemanden umgebracht hat, weil er ja gar nie selber im Kongo war. Das sagt übrigens auch Prinz Laurent von Belgien, der Bruder des amtierenden Königs Philippe. Manche lernen es einfach nie.

Hausgemachte Handgreiflichkeiten

Herr Winfried am Mittwoch den 24. Juni 2020

Keine Fans, keine Gewalt mehr? Nicht mit mir, sagte sich Ahmet Agaoglu.

Die Anhängerinnen und Anhänger des türkischen Erstligisten Trabzonspor mögen es eher nicht zimperlich. Wehe, wer sie zu lange schräg anguckt. Das bewiesen sie auch schon mal bei einem Besuch in der Schweiz.

Das Coronavirus hat die Radaubrüder vorerst aus den Stadien verbannt. “Langweilig!”, dachte sich Trabzonspors Präsident Ahmet Agaoglu. Anlässlich des Auswärtsspiels bei Aytemiz Alanyaspor liess sich Herr Agaoglu derart provozieren, dass er seinen VIP-Sitz verliess und nach unten aufs Feld stürmte.

Agaoglu (ganz in weiss) verliert die Fassung.

Dem Vernehmen nach ging den Tätlichkeiten ein verbaler Streit zwischen Agaoglu und Alanyaspors Präsidenten Hasan Cavusoglu voraus. Nach dem späten Ausgleich habe Cavusoglu mitsamt seiner Entourage die Gegenseite heftig provoziert, ausserdem sprach Agaoglu von “Bildern, von irgendwelchen Sardellen”, die ihm immer wieder gezeigt wurden.

Cavusoglu spricht seinerseits ebenfalls von üblen Beleidigungen. Und er scheint den Grund für die Ausfälligkeiten seines Antipoden zu kennen: „Herr Ahmet Agaoglu roch so sehr nach Alkohol, mir wurde schlecht!“, sagte Cavusoglu nach dem Spiel live im türkischen Fernsehen.