Archiv für die Kategorie ‘Randregionen’

Gekicke im Garten des Guru

Frau Tifosa am Dienstag den 21. März 2023

BREAKING NEWS: ‪YB-Goalie Von Ballmoos fällt weitere sechs bis neun Monate aus

Vorletztes Wochenende zog es mich in den Süden. 

In den Süden heisst leider nicht Sonne, Strand und Palmen, sondern Gravesend (England). Die Kleinstadt in der Region Kent, mit dem Schnellzug etwa fünfundzwanzig Minuten vom Londoner Stadtzentrum entfernt, war früher einmal ein wichtiger Handelspunkt an der Themse. Heute gibt es in Gravesend nicht mehr besonders viel zu sehen: Eine Einkaufsstrasse, ein paar Pubs, eine Statue Pocahontas und vor allem den grössten Sikh Tempel Europas. 

Weshalb ich all dies in einem Fussballfachblog erzähle? Ganz einfach: Neben diesem Tempel hat es einen grossen Fussballplatz, auf dem der Guru Nanak FC kickt. Der FC wurde 1965 von Studenten mit Wurzeln im Punjab gegründet und wuchs mit der Zeit immer mehr.

  • Willkommen beim Guru Nanak Football Club!

  • Bier gibt es hier nicht, es ist aus religiösen Gründen sogar strengstens verboten.

  • Es spielte Gelb gegen Ge... ehm Grün.

  • Es war etwas frisch. Das Warm-Up erfolgte deshalb auch im Mantel.

  • Der Trainer gab während des ganzen Spiels alles!

  • Wirkliche Torchancen waren aber in der ersten Halbzeit Mangelware.

Heute hat er eine grosse und preisgekrönte Junioren-, Juniorinnen- und auch Frauenfussballabteilung, bei der Menschen aller Religionen und Kulturen gemeinsam Fussball spielen. Als ich in Gravesend zu Besuch war, spielten die Frauen gerade ein Meisterschaftsspiel. 

Wie das Spiel ausgegangen ist, fragen Sie? Ich weiss es nicht, denn zur Halbzeit beim Stand von 0:0 musste ich wieder gehen, um den Zug zurück in den hohen Norden zu erwischen. 

Sensationelle Saldi

Herr Shearer am Donnerstag den 16. März 2023

Messi? Ronaldo? Arme Schlucker!

EPA/MATTEO BAZZI

Heute lernen Sie Faiq Bolkiah kennen, falls Ihnen der Name noch nichts sagt oder Sie sich nicht mehr an diesen Beitrag erinnern können.  Bolkiah spielt inzwischen in Thailand beim Chonburi FC und hat in 14 Partien schon zwei Tore gemacht. Das Fachportal Transfermarkt schätzt, dass Sie etwa 200’000 Euro überweisen müssten, falls Sie ihn gern kaufen würden.

Aber eigentlich hätte der bruneiische Nationalspieler (sechs Spiele, ein Tor) es nach wie vor nicht nötig, seine Jugend mit dem runden Leder zu verschwenden. Denn auch so ist er weiterhin der reichste Fussballspieler der Welt, deutlich vor den Millionären des Weltfussballs. Faiq ist eben auch Sohn, und sein Papi ist Jefri Bolkiah, der Prinz von Brunei. Der ehemalige Leicester- und Chelsea-Junior soll gut und gerne elf Milliarden Dollar schwer sein.

Dahinter folgt eine Überraschung: den zweiten Platz belegt Mathieu Flamini (unser Bild), der auch gute zehn Milliarden schwer sein soll. Ein bisschen etwas sicher auch vom Gekicke, das meiste aber dank seiner Beteiligung am Biochemie-Unternehmen GF Chemicals. Sie sehen, es braucht gar kein exorbitantes Talent. Es reicht, in die richtige Familie geboren zu werden oder geschickt zu inverstieren. Denken Sie immer daran!

Endlich erfolglos

Herr Shearer am Donnerstag den 9. März 2023

Verlierer, wohin man schaut.

Jetzt hat es auch noch Swift Hesperange erwischt. Der Tabellenführer der höchsten luxemburgischen Liga zog letzten Sonntag gegen Union Titus Pétange die erste Saisonniederlage ein und ist somit die letzte Mannschaft aller höchsten europäischen Ligen, welche in der Meisterschaft nicht mehr ungeschlagen ist. Zuvor holte das Überraschungsteam in 18 Spielen 16 Siege und zwei Unentschieden. Mit dieser doch eindrücklichen Bilanz steht der Verein aus Hesperingen, wie der Ort an der Alzette auf deutsch heisst, nach wie vor mit zwei Punkten Vorsprung auf den langjährigen Ligadominator aus Düdelingen auf dem ersten Platz der Tabelle. Nach dem Cupsieg 1990 darf Swift also weiter auf den nächsten grossen Triumph und den ersten Meisterschaftsgewinn  hoffen. Elf Runden bleiben noch, wir drücken die Daumen!

Bevor Sie fragen: zwischen dem ersten Spiel und der ersten Pleite vergingen in diesem Fall 210 Tage. Zum Vergleich: bei den sehr berühmten Berner Young Boys lagen zwischen dem ersten Spieltag (4:0 daheim gegen den FCZ) und der ersten Niederlage (auswärts 1:2 in St.Gallen) nur gerade 50 Tage.

Gastarbeiterfussball

Briger am Dienstag den 21. Februar 2023

Aus unserer Serie Hörempfehlungen.

Heute: “Die Jugoliga – Gastarbeiterfussball im Abseits” vom Ballaballabalkan-Podcast.

In der aktuellen Zwischenfolge des Podcasts spricht Krsto Lazarević mit dem Tübinger Historiker Luka Babić über die von 1971 bis 1992 bestehende “Jugoliga”. Diese Liga, der Name ist eine Selbstbezeichnung, war ein Wettbewerb ausschliesslich für Teams jugoslawischer Gastarbeiter. Die Teams waren in den Württembergischen Fussballverband (WFV) eingegliedert, durften aber nicht am Spielbetrieb der “deutschen” Mannschaften teilnehmen. 1968 nach Abschluss des Anwerbeabkommens zwischen der BRD und Jugoslawien kamen 700.000 Jugoslawen nach Deutschland, allein 200.000 nach Baden-Württemberg. Viele davon spielten in ihrer Freizeit Fussball und so entstanden Teams, deren Namen aus Industriezweigen entlehnt wurden wie Metalac (Metallarbeiter) Stuttgart-Zuffenhausen oder die in Verbindung mit sozialistischen Schlagwörtern wie Polet (Aufschwung) Ravensburg oder bekannten Vereinen wie Hajduk Schwenningen standen.

Dass sich die “Jugoliga” 1992 auflöste hatte mehrere Gründe. Spieler wurden zu alt, um regelmässig Fussball zu spielen, die Jugend spielte lieber mit deutschen Freunden, die Politik drängte den WFV dazu, die Segregation der “Jugoteams” aufzuheben, so durfte ab 1991 am regulären Spielbetrieb teilgenommen werden. Und nicht zu letzt trug der Jugoslawienkrieg das Seine dazu bei, zusammen mit dem Land ging auch die Liga unter. Alles weitere erfahren Sie in diesem Artikel von Luka Babić, der Facebookseite Jugoliga u Baden Württembergu von Gojko Čizmić oder beim Hören der Podcastfolge.

Explosive Erkenntnis

Herr Winfried am Mittwoch den 15. Februar 2023

Aufruhr in Moldawien!

Kürzlich erreichte die Redaktion diese Depesche: Fans von Partizan Belgrad dürfen nicht mehr nach Moldawien einreisen. Das möchten sie aber tun, weil ihr Team dort morgen in der Conference League auf Sheriff Tiraspol trifft.

Und damit wird es politisch. Serben (pro-russisch regiert) wollen nach Moldawien (pro-westlich regiert). Soweit tolerierbar.

Nun aber das: Der moldawische Geheimdienst soll Informationen über einen geplanten Putsch erhalten haben, bei dem die Belgrader Fans mitwirken sollten – indem sie Unruhen starten, damit die Dinge dann ihren Lauf nehmen können. Konkret sollten sich pro-russische Separatisten unter die “Grobari”, also die Gästefans, mischen. Dem hat die Regierung in Chisinau nun also den Riegel geschoben. Sagt jedenfalls der freie Journalist Emanuel Roşu.

Was Fussball und Politik wieder miteinander zu tun haben! Das Spiel wird nach unseren Informationen aber stattfinden.

Trotteliger Torwart

Briger am Freitag den 10. Februar 2023

Wir schalten nach Rumänien.

Und zwar zum Spiel zwischen FCV Farul Constanța und Universitatea Craiova, der Gästetorwart hatte – sagen wir mal – nicht seinen besten Tag.

Constanța gewann 2:1 und damit ist die von Georghe Hagi trainierte Elf zurück an der Tabellenspitze, einen Punkt vor Cluj.

Lässige Loge

Herr Winfried am Mittwoch den 8. Februar 2023

Von dieser Aussicht träumen alle Fussballfans!

Willkommen in Ungarn, genauer in der Stadt Győr. Im Nordosten von Ungarns sechstgrösster Stadt steht der ETO Park, das Zuhause des ortsansässigen Győr ETO FC. Gleich daneben steht ein Hotel.

Vom Hotelrestaurant aus hat man eine erstklassige Sicht auf das Spielfeld. Wer die volle Dröhnung möchte, kann sich sogar nach draussen auf einen Balkon begeben. Laut Informationen eines internationalen Reporterteams, das sich auf einen Serviceangestellten des Hotels bezieht, kostet der Eintritt damit nichts.

Als die Reporter vor Ort waren, durften sie die exklusive Loge nur für kurze Zeit sehen. Später, für das Spiel, war der Raum ausgebucht. Nicht von Fussballbegeisterten, sondern für einen Anlass namens «Secret Tips for Women».

Insgesamt fasst das Stadion 15’000 Plätze, wobei Zuschauende derzeit nur in Genuss von zweitklassigen Fussball kommen. Győr liegt in der zweithöchsten ungarischen Liga momentan auf Platz 10.

Ausser heute, heute trifft Győr im Cup-Achtelfinal auf Debrecen, dessen Heimstätte der Autor dieser Zeilen von einer Auswärtsreise mit den berühmten Young Boys im August 2014 her kennt.

 

Rurales Real

Herr Winfried am Mittwoch den 1. Februar 2023

Heute lernen Sie den Real Estelí FC kennen.

Sie haben es bestimmt sofort gewusst: Wir befinden uns in Zentralamerika, genauer im Nordwesten Nicaraguas. Estelí, Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos, hat gut 107’000 Einwohner:innen und liegt auf gut 800 Meter über Meer in hügeliger Umgebung.

Die Stadt ist ein Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum, besonders bedeutend ist die Tabakindustrie, und da im Speziellen die Zigarrenproduktion. Estelí unterhält überdies Partnerschaften mit Stavanger (Norwegen), Sheffield (England) und Bielefeld (Deutschland), womit wir endlich beim Fussball wären.

Real Estelí ist amtierender Landesmeister. Im Final-Rückspiel schlugen die Rotweissen den Walter Ferretti F.C. aus der Hauptstadt Managua. Unsere Reporterin vor Ort hat das Stadion besucht.

  • Reals ganzer Stolz: besonders jetzt gern zur Schau gestellt.

  • Annäherung ans Stadion: Das Estadio Independencia (5'000 Plätze)

  • Innensicht - in Nicaragua spielt Kunstrasen offenbar auch eine grosse Rolle. Leider fand beim Besuch gerade kein Spiel statt...

  • ... dafür immerhin eine Trainingseinheit der Academia.

  • Das Ambiente lässt sich sehen: Blick ins hügelige Hinterland.

  • Das Logo am Boden vor den Logen.

  • Blick auf die Bar wo auch gerade nicht in Betrieb war.

Schon morgen Donnerstag (2.2.) könnte Estelí ein nächstes Mal in Feierlaune geraten. Real Estelí trifft im Cupfinal auf Walter Ferretti.

Oléolé Oliven

Frau Tifosa am Dienstag den 31. Januar 2023

Palermo hat am Sonntag auswärts in Ascoli Piceno sein Spiel 2:1 gewonnen. 

Eigentlich hätte dieses Spiel aber am Samstag stattfinden sollen. Da das Charterflugzeug kurz nach dem Start am Freitagabend bockig tat kaputt ging, der Pilot umdrehen und in Palermo notlanden musste, wurde das Spiel kurzfristig um 24 Stunden auf den Sonntag verschoben. 

Screenshot Instagram: palermoofficial

Die Spieler aus Palermo waren natürlich sehr froh, dass sie nach der schlaflosen Nacht (das Ziel hatten sie erst um 6:30 in der früh erreicht) nicht am gleichen Tag spielen mussten. Für die 222 angereisten Auswärtsfans war die ganze Angelegenheit aber etwas doof, denn sie mussten jetzt entweder einen Tag länger in Ascoli bleiben oder vor dem Abpfiff wieder zurück in den Süden reisen. 

Das tat allen Beteiligten sehr leid, der Präsident des FC Palermo bedankte sich deshalb persönlich bei den mitgereisten Fans. Zusätzlich wurden die mitgefahrenen Fans reichlich beschenkt: Gegen das Vorweisen des Matchtickets können die 222 Tifosi gratis ein Trikot im Fanshop abholen gehen. Auch Ascoli Piceno zeigte sich grosszügig und verteilte in der Halbzeitpause jedem Gästefan ein Paket voller Oliven, der lokalen Spezialität. 

Als Dankeschön für die Oliven hingen die Palermitaner ein Banner mit dem Text “Buone le olive ma u sfinciun è megghiu” auf der Tribüne auf. Vom Sizilianischen ins Deutsche übersetzt heisst dies so viel wie “Die Oliven sind schon gut, aber der Sfincione ist besser.”

Diese Geschichte bestätigt wieder einmal meine Theorie, dass es in Italien nur etwas wichtigeres als Fussball gibt: Essen.

Furchtbarer Fährenfahrplan

Briger am Montag den 30. Januar 2023

Manchmal gehen Fans zu früh nach Hause.

Natürlich ist dieses schändliche Verhalten zu verachten, denn man bleibt seiner Elf schliesslich treu bis zum Schluss, um sie zumindest noch mit einem gellenden Pfeifkonzert und gestreckten Fäusten in die Kabine zu verabschieden, wie dieses Wochenende auch ein erboster Fabian Frei festgehalten hat, der sich furchtbar darüber enerviert hat, dass nicht alle seine Team-Kollegen den Gang in die Kurve nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Luzern angetreten haben.

Dass Fans das Stadion nach einem eigenen Treffer in Scharen verlassen, ist eher selten, ist aber gestern Sonntag auf Korsika passiert. Unmittelbar nach Alexandre Lacazettes 2:0 ist der Gästeblock mehr oder weniger geschlossen aufgebrochen. Die letzte Fähre Richtung Festland wartet nicht und auch Fussballfans werden heute wieder auf der Arbeit erwartet.

Mögen Ihnen Ihre Fahrpläne heute gewogen sein und damit einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Variante für VIP

Herr Winfried am Mittwoch den 25. Januar 2023

Willkommen beim 1. MAV Wiener Neustädter SC.

Wir befinden uns im östlichen Österreich, entgegen logischer Schlussfolgerungen aber nicht in unmittelbarer Umgebung der Hauptstadt. “Wiener Neustadt” liegt rund 50 Kilometer südlich von Wien, gehört zum Bundesland Niederösterreich, und hat einen Fussballclub in Österreichs dritthöchster Spielklasse.

Der Fusionsverein befand sich einst im steilen Aufstieg in Richtung Bundesliga, blieb dort dann sechs Saisons, und stieg 2015 wieder ab. Mehrere Sponsoren-, Präsidenten- und Logowechsel prägen die noch junge Clubgeschichte. Aber das ist jetzt nur zweitrangig. Viel wichtiger ist das Stadion, das «Teddybären- und Plüschstadion».

Das Stadion hat Platz für rund 4’000 Gäste. Zuschauen können noch einige wenige mehr, aber nur wenn auf der benachbarten Wasserrutsche grad kein Andrang herrscht.

Bild via Zwitscher

 

Korso kontrolliert

Herr Maldini am Dienstag den 24. Januar 2023

Passen Sie auf beim Feiern.

Jedenfalls in Jinja, Uganda. Dort wurden gestern nämlich acht Arsenal-Fans verhaftet, weil sie den Sieg ihres Clubs gegen Manchester United vom Sonntagabend zelebriert hatten.

“One fan was carrying a symbolic trophy which they had bought at a store.” Bild: DALL·E 2.

Die Fans waren am Montagmorgen in einem Korso von fünf Autos unterwegs, als sie die Polizei anhielt. Einer der Fans hatte einen in einem örtlichen Geschäft käuflich erworbenen Pokal bei sich.

Die Polizei erklärte, diese Fans hätten keine Genehmigung für die Prozession gehabt, was einen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung darstelle. James Mubi, Polizeichef und selbst bekennender Arsenal-Fan, erklärte, er frage sich, warum die Fans feierten, obwohl erst die Hälfte der Spiele der Saison absolviert sei.

“Ich weiss nicht, was wir falsch gemacht haben, wir feierten einfach unseren Sieg über Manchester United”,  sagte Arsenal-Fan Baker Kasule gegenüber der lokalen Zeitung Daily Monitor, die in der Rundes-Leder-Bibliothek stets tagesaktuell aufliegt.

Herr Mubi weiss es: “Was würde passieren, wenn es zu einer Auseinandersetzung mit rivalisierenden Fans käme?” Er wies zudem die Vermutung zurück, dass der Vorfall mit der häufigen Verhaftung von Mitgliedern einer Oppositionspartei zusammenhängt, die ebenfalls rot trägt.