Archiv für die Kategorie ‘Randregionen’

Plattentellerduelle (6)

Herr Noz am Samstag den 3. Juli 2021

Herzlich willkommen, es ist wieder Plattentellerduell, heute schon die sechste Folge: Tschechien gegen Dänemark.

Tschechien bietet den legendären Big-Band-Leiter Karel Vlach und den Unterhaltungstausendsassa Viktor Sodoma auf, um gemeinsam mit einigen Prager Fussballlegenden das Stück «Zelenà je tràva» zum Besten zu geben. Das Lied ist von 1972, Sie erkennen es unschwer als Kopie, und ja, Sie haben recht: Tschechien war damals noch mit der Slowakei verheiratet, deshalb nutzen wir bitte diesen Moment für eine Gesamtreflexion über die Notwendigkeit des Nationalen an sich. Denn grün ist das Gras und die Hoffnung.

 

Dänemark setzt überraschend dennoch auf Marschmusik. Peter Sørensen am Gesang wird vom Stævnets Orkester begleitet. Den Titel «Hip Hurra for Danmarks El’ve» von 1960 brauchen wir zum Glück nicht zu übersetzen. Ja, Marschmusik, warum auch nicht, die vermag möglicherweise auch in diesem vorgeblich progressiven Königreich die Reihen zu schliessen.

 

(Mit diesem Plattentellerduell beschliessen wir die heitere Serie, nicht ohne noch ein letztes Mal der sehr wertvollen Fundgrube 45football.com zu huldigen.)

Einfältiger Enkeltrick

Herr Shearer am Donnerstag den 3. Juni 2021

Traurige Geschichten aus aller Welt, heute aus der Walachei in Rumänien.

Bild: Metropola TV

Wie Sie sicher mitbekommen haben, konnte Dacia Unirea Brăila grad kürzlich den Aufstieg in die zweithöchste Liga feiern, dies dank eines Treffers in der 88. Minute gegen Oțelul Galați. Die Freude über den sportlichen Erfolg könnte allerdings leicht getrübt werden, denn Trainer Florentin Petre (nicht verwandt oder verschwärgert mit einem spanischen Grossklub-Besitzer) enthüllte gegenüber Metropola TV unschöne Fakten:

“Für das Spiel gegen Rădăuți hatten wir kein Geld für die Reise. Der Präsident stahl dafür 10’000 Lei (etwa 2’200 Franken) von seiner Grossmutter. Wir hoffen, dass es ihr gut geht. Das Geld hatte sie für ihre Beerdigung angespart”.

Gute Neuigkeiten sind immerhin, dass Trainer Petre beim Klub bleibt und mit ihm auch sein Sohn Patrick, der Top-Torschütze der dritten rumänischen Division. Die Grossmutter war derweilen für kein Statement erreichbar.

Saleh Chihadeh

Briger am Montag den 31. Mai 2021

Richtig, der palästinensische Nationalstürmer des FC Thun war gesucht.

Und dies hängt mit dem heutigen Preis zusammen. Herr all white darf sich nämlich über ein unterschriebenes FC-Thun-Trikot des 26-jährigen (daher die Anzahl Fragen) aus der Abstiegssaison 2019/20 freuen. Herr Chihadeh hat gerade seine torreichste Saison im Profifussball hinter sich (11 Treffer). Der im Oberwallis aufgewachsene und wohnhafte Stürmer, der es inzwischen auf 14 Super-League Partien für Thun (2 Tore, eins davon gegen YB) und 69 ChL-Partien für Kriens und Thun (19 Tore) bringt, besitzt in Brig einen Barber-Shop, bei dem sich Herr Briger ab und zu den Bart stutzen lässt, aber dies ist eine andere Geschichte.

  • Das Trikot von vorne...

  • und von hinten.

  • Herrn Chihadehs Friseurladen in Brig.

Alle, die wegen der Lösungen hier sind (ein Klick erhöht erneut das Vergnügen):

Melden Sie sich unter briger ät gmx punkt ch, Herr all white.

Gabunische Geburtswehen

Herr Shearer am Donnerstag den 27. Mai 2021

Sékou Sanogos Teamkollege muss sich erklären.

Foto: africatopsports.com

Eigentlich war es ja ein gutes Jahr für Guélor Kanga, Mittelfeldspieler beim zumindest in Serbien teilweise beliebten Verein Roter Stern Belgrad; die Meisterschaft holte man sich mit einer unglaublichen Leichtigkeit – ungeschlagen, nur sechs Punkte liegen gelassen und sagenhafte 13 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten grossen Rivalen Partizan. Und in der Nationalmannschaft Gabuns spielt er auch, zusammen mit dem grossen Star Pierre-Emerick Aubameyang. Schon 46 mal wurde er aufgeboten, sein Land in internationalen Partien zu vertreten, auch neulich wieder, in der Qualifikation zum Afrika-Cup.

Jetzt gibt es aber etwas Konfusion um seine Person, denn vielleicht ist Guélor Kanga gar nicht Guélor Kanga. Und er ist möglicherweise gar nicht Gabuner, sondern Kongolese, und dann ist da auch noch das Rätsel um sein Geburtsdatum. Der Fussballverband der Demokratischen Republik Kongo (FECOFA)  hat der Conféderation Africaine de Football (CAF), brisante Unterlagen vorgelegt. In Wahrheit sei der Spieler am 5. Oktober 1985 in Kinshasa unter dem Namen Kiaku Kiaku Kiangani geboren worden, und nicht am 1. September 1990 in Oyem (Gabun). Der Vorwurf lautet, dass Kanga die gabunische Nationalität mit gefälschten Dokumenten erlangt habe, als er damals zu GBI in der zweiten gabunesischen Division gekommen sei.

Die Gabuner Seite ist nun aufgefordert, die Echtheit der Geburtsurkunde von Kanga zu beweisen. Und zu erklären, wie dieselbe Mutter, die 1986 vier Monate nach der Geburt von Kiaku Kiaku Kiangani verstorben ist, 1990 in Kinshasa Guélor Kanga gebären konnte. Sollten sich die Vorwürfe der Dokumentenfälschung als wahr beweisen könnte das Forfait-Niederlagen für Gabun und folglich Auswirkungen auf das Teilnehmerfeld des nächsten Afrika-Cups haben. Dieser wurde infolge bekannter globaler Umstände um ein Jahr verschoben und soll nun Anfang 2022 in Kamerun stattfinden. Sie sehen, es ist kompliziert. Sachdienliche Hinweise, welche zur Klärung des Falls beitragen, nimmt die CAF gerne entgegen.

Wanderlust mit Weitsicht

Herr Winfried am Mittwoch den 26. Mai 2021

Vorbereitung auf die Barrage: Heute mit Sandro Theler.

Sions Trainer Marco Walker tat, was er tun musste: Seine Spieler hatten über Pfingsten frei. “Den Kopf ordentlich lüften” sollten sie, nach dem berauschenden 4:0 gegen Basel. Wie lässt sich das im beschaulichen Bergkanton Wallis besser tun, als – genau – mit Bergluft?

Aussenverteidiger Sandro Theler (“die Schwalbe”) hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und im Saastal einige Höhenmeter zu Fuss zurückgelegt. Das würde er natürlich nie ohne sein Fernglas tun – wer kennt’s nicht?

Bild via Instagram

Stupende Strecke

Herr Shearer am Montag den 24. Mai 2021

Wie geht es eigentlich dem Fussballplatz, über den die Dampfbahn fährt?

Foto: TJ TATRAN ČIERNY BALOG

Bereits vor fünfeinhalb Jahren berichteten wir in unserem Fussballfachblog über die Spielstätte des TJ Tatran in der Slowakei; seither erreichen uns immer wieder Zuschriften, näher auf diesen fussballerischen und eisenbahntechnischen Spezialfall einzugehen, denn wo gibt es das schon, dass die Eisenbahn durchs Stadion fährt?

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Die aktuelle Schlusstabelle …

Rrr am Montag den 24. Mai 2021

… heute aus Österreich, zweite Bundesliga:

Und wer steigt denn nun in die Bundesliga auf?

Zunächst niemand. Denn der FC Blau Weiss Linz verzichtet auf seinen Platz in der höchsten Spielklasse, weil er zuerst ein neues Stadion bauen will. Und der FC Liefering ist als Farmteam von Red Bull Salzburg grundsätzlich nicht aufstiegsberechtigt.

Von der Bundesliga träumen darf nur der Drittplatzierte Klagenfurt. Der muss aber zuerst die Barrage gegen den Bundesliga-Letzten St. Pölten gewinnen.

Akute Abstiegssorgen

Herr Maldini am Dienstag den 11. Mai 2021

Sie finden den Abstiegskampf in der Super League (das Original) spannend? Das ist Ihr gutes Recht!

Immerhin leiden mit Sion, Vaduz, St. Gallen und dem Spitzenclub aus Zürich noch vier Teams unter akuten Abstiegssorgen. In Tunesien aber ist das Rennen noch ein Birebitzeli enger. Vor dem letzten Spieltag präsentiert sich die Tabelle der Ligue 1 so:

Nicht mehr zu helfen ist JS Kairouan, wobei ein Klassenerhalt eine etwas gar grosse Belohnung wäre für die drei Unentschieden. Für die Vereine auf den Rängen 7-13 hingegen ist noch alles möglich. Schwierig wird es für Bizertin (spielt gegen Ben Guerdane), Métlaoui (es wartet Serienmeister Tunis), Olympique de Béjà (ESS heisst hier der Gegner) und Monastir (muss eine Lösung gegen Soliman finden).

Kairouan wiederum könnte noch Tataouine mit ins Verderben reissen, denn auch der Zweitletzte muss runter ins Championnat de Tunisie de football de deuxième division, wie eine Recherche dieses Mediums ergab.

Auswärtstermin auf Sachalin

Herr Shearer am Donnerstag den 6. Mai 2021

Ein richtiger Ultra ist überall mit dabei!

Ob die Sonne scheint, ob’s stürmt, ob’s schneit – das ist ihm ganz egal. Wenn Sokol spielt, das ist ein Hit, ja das ist maximal! Und darum liess sich ein Mitglied der Ultragruppe West Wing, die ergebene Anhänger von Sokol Saratov sind, nicht von einer Reise über total 16’000 Kilometer abhalten.

Bild: Twitter (@footynews129)

Sein Team hatte nämlich ein Auswärtsspiel auf Sachalin zu bestreiten, der Insel im Pazifik, bei der sich Russland und Japan nicht ganz einig über die Besitzverhältnisse sind. Aber das tut hier nichts zur Sache, denn der anonyme Fan nahm diese Reise auf sich, um im Spartak Stadion seine Lieblinge anzufeuern. Der Lohn war mässig, gegen den Tabellen-Vierzehnten PFK Juschno-Sachalinks schaute nur ein mageres 1:1 raus. Sokol orientiert sich ansonsten eher nach oben und steht derzeit auf Platz fünf.

Unbekannt bleibt derweil, mit welchem Verkehrsmittel die Reise getätigt wurde. Zeit muss man in jedem Fall mitbringen für die neunzig Minuten Vergnügen im Stadion: Das Fachportal Rome2Rio errechnet mit dem Flugzeug eine Reisezeit pro Weg von etwa 15 Stunden, aber Flugzeuge sind bekannterweise nicht gut für die Umwelt. Per Zug und mit der Fähre geht es auch ziemlich rassig vorwärts, nur gerade drei Tage und sechs Stunden werden angegeben. Angesichts der prächtigen Landschaften, welche sich da zwischen Wolga und Ostsibirien auftun, vergeht die Zeit auch wie im Flug.

Ob es noch länger geht, fragen Sie? Aber natürlich. Die aktuell längste Auswärtsreise in den russischen Profiligen führt von Kaliningrad nach Wladiwostok – oder umgekehrt.

Bescheidene Begeisterung

Herr Winfried am Mittwoch den 5. Mai 2021

Das historische Bild zur Wochenmitte kommt eurozentristisch gesprochen aus östlicher Himmelsrichtung.

Bild via Twitter / für Grossansicht, klicken Sie bitte ins Bild

Sie sehen das Siegerteam des sowjetischen Cupfinals 1968 (gespielt wurde am 8. November), Torpedo Moskau. Im Final gab es ein 1:0 gegen Pachtakor Taschkent (Torschütze: Juri Sawtschenko). Danach wurde natürlich ordentlich gefeiert.

Regionalfussball – Illyrische Impressionen

Briger am Mittwoch den 21. April 2021

BREAKING NEWS: YB-Captain Lustenberger fällt lange aus – Neu wieder 100 Zuschauer im Wankdorf

Heute: 8001 Burrel

Unsere berühmte Regionalfussballserie erwacht aus dem Winterschlaf und widmet sich in den kommenden Ausgaben einem Land in Südosteuropa: Albanien. Heute nimmt Sie ein A++++++-Leser mit zum Klubi i Futbollit Burreli. Der Zweitligist gewann die diesjährige Gruppe A der zweithöchsten albanischen Liga, liegt aber nach zwei Runden der Aufstiegsplayoffs nur auf Rang 2. Noch bleiben dem Club aus der 10’000 Einwohner-Stadt nördlich von Tirana noch vier Runden, um an Dinamo Tirana vorbeizuziehen. Möglich wäre auch der Aufstieg in einem Playoff-Spiel gegen den Zweiten der Aufstiegsplayoff-Gruppe B. Aber Sie möchten jetzt bestimmt endlich Bilder sehen.

  • Die Heimstätte des K.F. Burreli: Das 2'500 Plätze Bijou Liri-Ballabani

  • Schöne Wandmalereien

  • Oh nein, hier ist heute kein Durchkommen

  • Bilder gibt's also nur aus der Ferne.

  • Doch Moment, die lokale VIP-Tribüne! Ein paar Treppen und ein freundlicher Bewohner später....

  • ....steht unser Aussenkorrespondent auf einem Balkon im mittelalbanischen Bergland

  • So ein Ausflug, der macht hungrig.

Schampar schöne Schnippeleien

Herr Winfried am Mittwoch den 21. April 2021

Die “European Super League” droht Nein, jetzt nicht.

Im Sekundentakt flippern Neuigkeiten zu diesem europäischen Grosstheater herein. Ein Rücktritt folgt auf den andern. Echte Funkbilder und weniger echte Fotomontagen – wohin man blickt im World Wide Web, es dreht sich alles immer schneller um dieses Ding der Unfassbarkeit. Lassen Sie uns kurz innehalten.

Guten Morgen. Es ist Zeit für einen Moment der Kontemplation. Suchen Sie sich ein ruhiges, genehmes Plätzchen (falls Sie zur Arbeit jeweils pendeln und jetzt gerade dort sind, warten Sie noch rasch mit Weiterlesen), machen Sie es sich gemütlich. Und nach einem tiefen Atemzug: Film ab!

Wenn es Ihnen gefällt, können Sie das Filmchen gern auch mehrfach ansehen. Wenn Sie nicht mehr mögen, schwenken wir nun noch in einen anderen potenziellen Zuschauermarkt der “Super League” Erdteil. Schliessen Sie Ihre Meditation mit diesem hübschen Freistoss ab.

Bedankt. Für weitere Beiträge an die mentale Gesundheit empfehlen wir Ihnen die klassischen RL-Meditationsrunden, mit ausführlicheren Tipps zur Findung der inneren Mitte. Beispielsweise hier. Oder da. Alternativ gern auch dort.