Archiv für die Kategorie ‘Randregionen’

Was macht eigentlich…

Herr Winfried am Mittwoch den 27. Mai 2020

… Shi Jun?

Shi Jun, 2006.

Natürlich Fussball spielen und Tore schiessen, wo denken Sie denn hin? Beim heute 37-jährigen Mittelstürmer aus China verhält es sich wie beim Wein, je älter… Sie wissen schon. In der letzten Saison erzielte Shi für das Team HB Olle Elite in 30 Spielen 18 Tore in der Chinese League Two.

Gedächtnisstarke Leserinnen und Leser erinnern sich: Shi Jun spielte von 2005 bis 2008 für die Young Boys. In der Super League gelangen ihm vier Tore in 48 Spielen, darunter eines auswärts gegen den FC Basel.

Jetzt scheint Herr Jun genug zu haben von den ollen Elitären, er schliesst sich im goldenen Herbst seiner Karriere Yunnan Kunlu an. Dort wird er im Qujing Culture and Sports Park Stadium vor bis zu 30’000 Zuschauerinnen und Zuschauern auflaufen können. Trainiert wird das Team vom erfahrenen Serben Milan Jelic. Dieser trainierte vor Kunlu auch schon Al-Hazm in Saudi-Arabien, Ittihad Kalba in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sowie in China das Reserveteam von Qingdao Jonoon.

Das kann nur gut kommen. Alles Gute, Shi Jun!

Und falls Sie noch nicht wissen, was Sie heute Abend kochen sollen, erinnern wir Sie gern an das altbewährte Premiumrezept Shi Jun Huhn.

Zwickauer digitaler Sonderzug

Briger am Montag den 11. Mai 2020

Die Fans des FSV Zwickau fahren gerade im digitalen Sonderzug durch die eigene Geschichte.

Der FSV Zwickau ist chronisch knapp bei Kasse und kann sich deshalb keine gute Aufarbeitung der eigenen Geschichte und schon gar kein Museum leisten. Die aktiven Fans haben sich deshalb entschlossen, eine Aktion auf die Beine zu stellen. Entwickelt wurde der digitale Sonderzug durch die Vereinsgeschichte – der eigentlich am letzen Spieltag der aktuellen Saison in echt nach Mannheim hätte fahren sollen.

Mit den Worten

Kein Fußball mehr? Keine Auswärtsfahrten mehr? Kein Sonderzug nach Mannheim? Wir verraten Euch: Da ist ein Licht am Ende des Tunnels! Packt eure Schals und Fahnen ein, schnappt euch Bier, Klopapier und einen Mundschutz, schmiert ne Bemme und kommt mit auf eine lange Reise!

wird für die Aktion geworben, die man hier mitverfolgen kann.

Die ganze Aktion kann im Internet gratis verfolgt werden, noch besser ist aber eine Spende in Form einer erworbenen Fahrkarte (inkl. Kulturgroschen wie zu DDR-Zeiten). Das Stück zu 1.75 €, da Zwickau am 14. Juni 1975 das Finale des FDGB-Pokal gegen Dynamo Dresden und unter dem Namen BSG Sachsenring den dritten und bislang letzten Pokalsieg der Vereinsgeschichte erreichte.

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Koreanisches Konzept

Herr Winfried am Mittwoch den 6. Mai 2020

Fussballfans aus aller Welt blicken Ende Woche nach Fernost.

Wie auf den Färöer Inseln (ältere Leserinnen und Leser erinnern sich) rollt der Ball bald auch in Südkorea wieder. Diesen Freitagabend ist es soweit: Saisonstart! Die Jeonbuk Motors treffen auf die Suwon Bluewings. Zwar wurde in kleinen Fussballländern wie Weissrussland oder Turkmenistan durchgehend weitergespielt. Aber das Level in Südkorea, das sei schon ein anderes Paar Schuhe, weiss die englische Zeitung “Guardian”.

Um auch wirklich alle gesundheitlichen Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen, musste Ligapräsident Kwon Oh-Gap ein Sicherheitskonzept vorlegen. Dieses sieht unter anderem eine besonders ausgeklügelte Aufstellung bei den Trinkflaschen vor. Und die Spieler, die können es kaum erwarten, endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Sehen Sie selbst!

Bilder: Newscom; Jung Jae-hoon/FA Photos

Links: Bevor es losgeht, tasten sich die beiden Mannschaften erstmal ab. Das heisst, ohne Körperkontakt natürlich.

Unten: Jeder Spieler hat seine Vorlieben, was die Verpflegung während des Wettkampfs angeht.

Die Trainer werden Masken tragen, während sie Anweisungen geben; auf das Handshake zu Beginn wird verzichtet. Weiter hat der koreanische Verband wichtige Verhaltensregeln für die Spieler erlassen: Exzessives Rotzen oder Auf-den-Boden-spucken ist verboten, ebenso Gespräche aus ungenügender Entfernung.

Dann steht der K-League-Saison aber nichts mehr im Weg!

Fussball in Podcasts

Briger am Montag den 27. April 2020

Auch diesen Montag gibt’s wieder was auf die Ohren.

Nach Musik am letzten Montag geht es heute um Fussball in Podcasts. Für Sie haben wir drei (schon etwas ältere) Beispiele ausgewählt.

Rückpass: Ein Podcast zur Geschichte des Fussballs.

Bei diesem Spinoff des Zeitsprung-Podcasts von Richard Hemmer und Daniel Meßner sind bislang fünf Folgen erschienen, die letzte vor knapp zwei Jahren zum Fussballländerspiel zwischen der Sowjetunion und der BRD 1955.

Hörfehler. Podcast zu Fußballhistorie und Kultur.

Hier lassen wir den Betreiber mal selbst sprechen (resp. wir kopieren den Beschrieb vom Internetauftritt hier rein):

Der Hörfehler ist ein Interview-Podcast

Der Hörfehler Podcast ist Ende 2015 gestartet. Das Konzept war denkbar einfach. Leute vors Mikrofon ziehen und mit ihnen über Fußball oder Punkrock sprechen. Dabei kristallisierte sich mehr und mehr das Interesse an Vereinsgeschichte, Spielstätten und Fanszene heraus. Der Fußball wurde mehr und mehr der Schwerpunkt. Die wenigen Folgen Punkrock gehören sicherlich zu den Highlights und erfreuen sich immer noch sehr großer Beliebtheit. Trotzdem zeigte sich mehr und mehr das die beiden Themen oberflächlich zwar hervorragend zueinander passen, aber inhaltlich doch zu weit auseinander liegen. Weshalb der Fokus mittlerweile komplett auf Fußballgeschichte und Kultur liegt.

Dabei sieht das Konzept vor das jede Folge einen Schwerpunkt auf einen bestimmten Verein hat. Vorzugsweise „abgestürzte“ oder in Vergessenheit geratene Traditionsvereine. Roter Faden durch die Sendung sind Historie, Spielstätten und Fanszene. Die Gäste sind meist Autoren, Historiker, Journalisten, Blogger oder selbst Podcaster.

In der letzten Folge ging es um die Geschichte des SK Bar Kochba Leipzig, Themen waren aber u.a. auch schon die Fanszene in Indonesien und es gibt auch Schweiz-Bezug. So gab es schon Gespräche mit Florian Raz über den
FC Basel, mit Saro Pepe vom FCZ-Museum über den FCZ und mit Allesfahrer Tomi Wunder über den FC St. Gallen.

Am letzten Montag starete zudem der Sport-Frei-Podcast zum ostdeutschen Fussball.

Neues vom Ballaballa-Balkan.

Der letzte hier vorgestellte Podcast ist wiederum kein Fussballpodcast. Aber der “Kroate” Daniel Majić, früher Frankfurter Rundschau, heute Hessenschau, und der “serbische Faschist, Tschetnik, Kommunist oder Vaterlandsverräter” Krsto Lazerević, auch er Journalist, haben sich bereits vor etwas mehr als zwei Jahren mit dem Fussball in Ex-Jugoslawien auseinander gesetzt. Sie hören Geschichten über das erste Fussballspiel nach Titos Tod, einem der letzten Spiele vor dem Krieg, über die durchaus “sympathischen” Fans aus Zagreb und Belgrad, über Franjo Tudjmans Verbindung zu Partizan Belgrad oder wie, resp. warum es Sinisa Mihajlovics Onkel geschafft hat, dem Krieg in Vukovar zu entkommen. Und wenn Sie am Ende nicht wissen, warum Hajduk Split der beste Club Kroatiens ist, haben Sie nicht aufgepasst. Während der WM 2018 gab es zudem auch noch eine Extra-Folge, bei der auch die Schweizer Nati nicht zu kurz kommt.

Kennen auch Sie Geschichtspodcasts, in denen es um Fussball geht oder sonst hörenswerte Podcasts mit Fussballezug? Dann tun Sie dies in den Kommentaren kund.

Schwerwiegende Schummelei

Herr Winfried am Mittwoch den 15. April 2020

Gestatten: Das ist Hanchao Yu.

Herr Yu, Fussballer von Beruf, ist ein freundlicher Zeitgenosse. Öffentlich Aufsehen erregen tut er eher ungern. Deshalb versuchte er ohne viel Trara, einen schicken Geländewagen zu klauen dem Nummernschild seines Autos den entscheidenden Kniff zu verpassen. Gerüchten zufolge, um sich im Strassenverkehr der Stadt Guangzhou Vorteile zu verschaffen. Dumm nur, dass er dabei gefilmt wurde.

Herr Yu ersetzte das E durch ein F. Seinem Arbeitgeber, dem Fussballverein Guangzhou Evergrande Taobao, missfiel das offenbar. Seit gestern ist Hanchao Yu vereinslos. Ob Trainer Fabio Cannavaro in die Entscheidung involviert war, ist nicht überliefert.

Yu absolvierte 59 Länderspiele für China und erzielte neun Tore. Mit 33 befindet er sich im besten Fussballalter. Ob er was für GC sein könnte? Fragen und die Antworten dazu liefert der Grasshopper Club gleich selbst:

Fantastische Fussballfanforderung

Herr Maldini am Dienstag den 14. April 2020

Normalerweise geben sie sich aufs Dach, doch die Corona-Krise bringt sogar die Ultras zusammen.

Fussballligen aller Welt überlegen sich, wie es weitergehen soll. Ein angeblich realistisches Szenario: Geisterspiele. Das passt freilich nicht allen.

In Frankreich taten sich deshalb 45 Ultra-Gruppierungen verschiedenster Clubs zusammen und wurden mit einem Schreiben beim nationalen Verband vorstellig. Pariser, Liller, Nanter, Saint-Etienner, Orléaner, Renner, Metzer, Brester und so weiter.

Fussball sei keine Fernseh-Show, die um jeden Preis hinter verschlossenen Türen nur für die TV-Anstalten stattfinden müsse, so das Kollektiv. Die komplette Botschaft können Sie nachfolgend in voller Länge lesen, sofern Sie der französischen Sprache mächtig sind:

Und weil aktuell Solidarität gefragt ist, fordert das Ultra-Kollektiv auch, dass den Clubs die 600’000 €, die diese in der laufenden Saison aufgrund unerlaubten Abfeuerns von Pyros bisher an Bussen bezahlen mussten, zurückerstattet werden.

Fussball aus dem Archiv (III)

Briger am Freitag den 10. April 2020

Sie erinnern sich, früher war mal Fussball.

Der vorläufige Abschluss dieser Oster-Mini-Serie bringt uns an diesem Karfreitag noch einmal Lesestoff für ein verlängertes Wochenende. Wir blicken ins heutige Polen, Slowenien und Rumänien.

Wir starten mit einer Nachricht, aus einer Zeit, in der Fussball noch in den Kinderschuhen steckte und kommen dann zu zwei Spielberichten, die auch über den FCRL so hätten geschrieben werden können.

Wir starten in Hermanstadt in Siebenbürgen. Wobei dies nicht ganz korrekt ist, denn berichtet wird über eine neue Sonntagnachmittagsbeschäftigung im fast 1.500 Kilometer entfernten Berlin. In Hermanstadt/Sibiu/Nagyszeben/Hermestett (je nach ihrer sprachlichen Präferenz; der rumänische Präsident Klaus Iohannis stammt übrigens aus der Stadt) erschien von 1874 bis 1941 das “Siebenbürgisch-Deutsche Tagblatt: allgemeine Volkszeitung für das Deutschtum in Rumänien”. Und in dieser Zeitung wusste man am 20. September 1891 folgendes über die Berliner Begeisterung für den neuartigen Fussballsport zu berichten (dabei war die Hertha noch nicht mal gegründet):

Quelle: Siebenbürgisch-Deutsches Tabglatt: allgemeine Volkszeitung für das Deutschtum in Rumänien, 20. September 1891 via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

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Fertig Fussball

Herr Maldini am Dienstag den 31. März 2020

Jetzt hat es die Ersten gelupft.

MŠK Žilina ist der FCB der Slowakei: Der erfolgreichste und beliebteste Fussballclub seines Landes im aktuellen Jahrhundert, ja Jahrtausend. Meister 2002, 2003, 2004, 2007, 2010, 2012 und 2017 und immer gut für eine Fussball-Reise.

Doch MŠK Žilina ist nicht mehr. Der Club wird liquidiert.

Photo: stadionwelt.de

Die Verantwortlichen begründen den Schritt mit den dringend benötigten Transfererlösen, die im Sommer ausbleiben werden. Mit den Löhnen der Angestellten, die sie nicht mehr lange bezahlen können. Und mit der fehlenden Bereitschaft der Spieler, auf Gehälter zu verzichten.

Das ist jetzt auch etwas blöd für die Spieler selber, weil die haben keinen Verein mehr und werden wohl so leicht keinen neuen finden. Den Club-Besitzenden blieb aber offenbar nichts anderes übrig: Per 1. April ist Schluss. Sie schliessen aber nicht aus, dass der Verein irgendwann aufersteht.

War MŠK Žilina nur der Anfang? Was hat das alles für den Schweizer Fussball zu bedeuten? Und erst für den FCB? Wir wissen es nicht.

Chaos auf Martinique

Briger am Montag den 24. Februar 2020

Der Fussball auf Martinique hat ein Gewaltproblem.

Am 20. Januar beschloss der Ligaverband auf Martinique, dass der Spielbetrieb für zwei Wochen zu ruhen habe. Zumindest die drei Regionalligen der Männer (R1-R3), Frauen und Junioren und Futsalspieler waren nicht betroffen.

Angefangen hat alles mit dem Spiel Club Franciscain und Club Colonial in der 1. Liga (R1) am 11. Januar. Der 25-jährige Damien Rosa, hauptamtlich Polizist, beschloss nach der Partie, bis Ende Saison nicht mehr zu pfeifen.

„Ich wurde von einer Flasche am Kopf getroffen, auf mein Auto, in dem meine Frau sass, wurden Steine geworfen. Meine Angehörigen wurden in aller Öffentlichkeit belästigt und bedroht.“ Kollegen zeigten sich solidarisch und beschlossen zu streiken.

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Böser Beisser

Herr Shearer am Donnerstag den 20. Februar 2020

Facharzt Dr. Abdi Almen-Lafti referiert über aktuelle Themen. Heute: Verletzungen im Intimbereich.

“Sie haben es sicherlich mitbekommen: vor einigen Monaten kam es in der französischen Provinz zu einer dritten Halbzeit der besonderen Art. Nach einem Match zwischen dem SC Terville under AS Soetrich im Département Moselle lieferten sich einige Spieler ein Techtelmechtel auf dem Parkplatz, in dessen Verlauf ein Spieler der Gastmannschaft in seinen Penis gebissen wurde.

Bild: Getty Images

Man kann jetzt über solche Vorkommnisse vorzüglich Herrenwitze klopfen, sollte aber die Schwere des Vorfalls nicht unterschätzen. Immerhin wurde im vorliegenden Fall der Beisser für fünf Jahre von den Fussballplätzen verbannt.

Ich konnte kurz mit einem befreundeten Urologen sprechen, und er hat meine Einschätzungen bestätigt: mit äusseren Penisverletzungen ist nicht zu spassen! Wir Fachleute sprechen bei Biss- oder auch Schnittwunden von einer Penisablederung, wobei durch die starke Durchblutung dieses Körperteils eben offene, stark blutende Wunden entstehen können. Wichtig ist – auch diese Expertise teilt mein Kollege ausdrücklich – die sofortige Desinfektion (nichts geht über das gute alte Merfen Orange!) der Wunde und ein blutstillender Verband. Logisch auch, dass man solche Verletzungen sofort einem Fachmann zeigen sollte.

Der Patient in unserem Fallbeispiel war aufgrund des Vorfalls übrigens fünf Tage arbeitsunfähig. Was man in so einem Fall in der SUVA-Meldung korrekterweise ankreuzen muss, habe ich bei einem ehemaligen Kommilitonen, der neuerdings für eine grosse Versicherung arbeitet, angefragt. Seine Antwort ist leider noch ausstehend.

Hopp dr Bäse, Ihr Dr. Abdi Almen-Lafti!”

Klasse Kleider

Rrr am Freitag den 7. Februar 2020

Aus unserer Serie “Prominente bekennen sich zu YB”.

Ausgefuchste Abseitsfalle

Herr Shearer am Donnerstag den 16. Januar 2020

Wo wird eigentlich überhaupt noch Fussball gespielt?

Ach ja, in Indien natürlich! Dort ist es immer schön warm und drum braucht es auch keine Winterpause. Leider steckt der Sport noch in den Kinderschuhen und noch sind nicht allen alle Regeln geläufig. Ein schwieriges Thema scheint nach wie vor die Abseits-Regel zu sein, wie diese Szene aus der Nachspielzeit zwischen Kolkata und den Kerala-Blasters zeigt. Auf dem Bild sehen Sie den Moment der Ballabgabe, den vollen Genuss liefern Ihnen die Bewegtbilder.

Wieso der Schiedsrichter das Ausgleichstor für den Heimklub nicht anerkannte? Wir können das leider auch nicht schlüssig nachvollziehen.