Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Grossartige Grüsse

Herr Maldini am Dienstag den 5. Oktober 2021

Passen Sie auf, was Sie bestellen!

Während des Wahlkampfs in Deutschland erhielt die rechtsextreme und rechtspopulistische Partei “Alternative für Deutschland” ein sehr, sehr gutes Angebot: Die Firma Flyerservice Hahn bot ihr an, ihre sehr, sehr vielen Flyer (5 Millionen Stück) zu sehr, sehr attraktiven Konditionen unter die Leute zu bringen.

Der AfD kam das zupass, sie schickte also ihre Flyer in ein bundesweites Netzwerk von Logistikzentren des Flyerservice Hahn. Leider wurden diese sehr, sehr vielen Flyer (72 Tonnen Material) anschliessend nie verteilt. Die Partei fand das etwas mühsam, weil es war ja Wahlkampf.

Beim Flyerservice Hahn handelte es sich nämlich um eine vom Künstlerkollektiv “Zentrum für Politische Schönheit” gegründete Firma. Eine Firma ohne richtige Adresse, Handelsregistereintrag oder Steuernummer. Hätte man merken können. Trotzdem ist die Kundin des Flyerservice Hahn natürlich jetzt sehr unzufrieden.

Was das alles mit Fussball zu tun hat? Am Wochenende grüsste der sehr, sehr sympathische Tabellenführer der 2. Bundesliga:

Quelle: Twitter.

PS: Hier können Sie helfen.

In einer früheren Version hiess es, der Flyerservice Hahn habe die Flyer auch gedruckt. Das stimmt natürlich nicht.

Thailand tanzt

Herr Winfried am Donnerstag den 26. August 2021

Die Spieler des thailändischen Spitzenvereins Buriram United sind polyvalent einsetzbar.

Ihnen ist nach der Sternenliga-Qualifikation des BSC Young Boys noch immer zum Tanzen zumute?

Bittesehr. Und Ton einschalten!

Die RL-Redaktion wollte das löbliche Leibchen natürlich sofort erstehen, was aber offenbar noch nicht möglich ist. Im offiziellen Fanshop sind lediglich ältere Modelle erhältlich, zum reduzierten Preis. Die wurden aber gemäss Recherchen nicht derart originell angepriesen.

Übrigens: Falls Sie das neue Stück dann beizeiten käuflich erwerben möchten, haben Sie eine einmalige Auswahl für den Aufdruck auf dem Rücken. Im Kader von Buriram United stehen aktuell 37 Akteure. Christian Barthélémy beide Constantins wären direkt neidisch!

Leichtes Los

Briger am Montag den 16. August 2021

Futebol Clube Paços de Ferreira kennt Tottenhams notorische Erfolgsschwäche.

Der Club aus der Nähe von Porto empfängt am Donnerstag in der Europa Conference League den Club aus dem Norden Londons. Nun, zu sagen, dass sich der 5. der abgelaufenen portugiesischen Liga gross vor dem Premier League Club fürchten würde, ist übertriben. Aber sehen Sie selbst, wie “Os Castores” (die Biber), das Spiel auf Twitter ankünden:


via @fcpf

Ob sich die Biber zum zweiten Mal in der Vereinsgesichte für eine Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs qualifizieren, wird sich nächste Woche zeigen. Beim ersten EL-Gruppen-Auftritt 2013/14 holten die Portugiesen immerhin drei Untentschieden, schieden aber hinter Fiorentina und Dnipro Dnipropetrowsk klar aus.

Patente Panini-Plagiate (II)

Herr Shearer am Donnerstag den 1. Juli 2021

Wir sind immer noch begeistert.

Bereits vor gut drei Jahren, anlässlich einer Fussballweltmeisterschaft, haben wir Ihnen die beiden wunderbaren Kleberkritzler Sian und Alex vorgestellt. Die beiden haben fröhlich weitergezeichnet und unzählige Spieler mit ihrem unnachahmlich wunderbar dilettantischen Stil verewigt. Gerade jetzt wieder sind sie sehr produktiv, denn die EM bietet auch abseits des Feldes immer wieder schöne Szenen.

Und so unterwandern die zwei weiter fröhlich das Geschäftsmodell des italienischen Sammelalbum-Tycoons Panini. Ihre Werke können Sie sich übrigens auch für daheim gönnen, zum Beispiel als schick bebilderte Tassen.

Wir spüren es ganz deutlich, Sie möchten mehr von diesen schönen Bildern sehen. Das volle Programm haben Sie drüben bei Twitter, für die Kinder gibt es auch Instagram.

 

Plattentellerduelle (4)

Herr Noz am Mittwoch den 23. Juni 2021

Heute wird es sehr schwierig. Und aber auch sehr schön. In der vierten Folge der «Plattentellerduelle» trifft nämlich Schweden auf Polen.

Der schwedische Beitrag «Vi hänger me’» von 1958 stammt aus der Feder von Stikkan Anderson, dem späteren ABBA-Manager. Gesungen wird das Stück vom tragisch-genialen Lennart ‘Nacka’ Skoglund. Nacka war zu seiner Zeit einer der besten linken Stürmer Europas, er verlor aber wegen seiner Alkoholkrankheit zunehmend den Boden unter seinen goldenen Füssen und verstarb viel zu früh. (Wenn Sie besser gerüstet sein wollen, finden Sie z.B. hier Unterstützung.)

 

Polen versucht musikalisch mitzuhalten mit Andrzej Dąbrowskis souliger Nummer «A ty się bracie niedenerwuj» von 1974. Der Titel bedeutet übersetzt ungefähr «Lass gut sein, Bruder», aber wir lügten, würden wir behaupten, unsere Polnischkenntnisse seien sonderlich wasserdicht. Was wir indes ganz wasserdicht erkennen ist der kompetente Einsatz eines einsatzfreudigen Bläsersatzes. Voilà.

 

(Die Songs sind auch in dieser Folge der verblüffenden Seite 45football.com entnommen.)

Hinweis der Redaktion: Das Runde Leder ist heute von 18 bis 3.30 Uhr unbedient. Die Redaktion befindet sich auf einem Weiterbildungsseminar. Besten Dank für die Kenntnisnahme.

Oha Lätz (MCMXVI)

Herr Maldini am Dienstag den 22. Juni 2021

Wer erkennt die Unterschiede?

Oben die Redaktion des Runden Leders vor sehr langer Zeit, unten die Nationalmannschaft von Wales vor der Partie gegen die Türkei an der Europameisterschaft 2020 im Jahr 2021.

Bildquellen: RL-Archiv/Instagram.

Plattentellerduelle (2)

Herr Noz am Dienstag den 15. Juni 2021

Willkommen zur bereits zweiten Folge der beliebten Serie «Plattentellerduelle». Heute trifft Ungarn auf Portugal.

Die ungarische Delegation schickt das gewöhnungsbedürftige, aber durchaus gefällige Stück «Hajrá» aus dem Jahr 1982 ins Rennen. Das von den beiden ehemaligen Nationalspielern András Töröcsik und Tibor Nyilasi recht freihändig interpretierte Lied klingt wie das uneheliche Kind von My Sharona und Prins Póló. Aber überzeugen Sie sich selbst.

 

Aus Portugal erreichen uns derweil ungewohnt fröhliche Töne. Nichts mit tristeza und melancholischem Fado, nein, in dem eingängigen Stück «Selecção de todos nós» (Tozé Brito, 1984) wird ein gerüttelt Mass an Zuversicht verströmt. Wir können es alle spüren: Dieses Team will das Turnier erneut gewinnen.

 

Nun denn. Möge das Duell ein Ergebnis zeitigen.

(Songmaterial via 45football.com)

Plattentellerduelle (1)

Herr Noz am Samstag den 12. Juni 2021

BREAKING NEWS: Heinz Einz in Baku – Schweiz und Wales trennen sich unentschieden

Willkommen zur ersten Folge der bereits jetzt schon legendären «Plattentellerduelle», wo Fussballsongs gegeneinander antreten. Heute: Wales gegen die Schweiz.

Wales hat den lüpfigen Titel «The Dragon’s Army» aus dem Jahr 1985 eingereicht, das mit einer zeitgeisttypischen Synthi-Melodie auftrumpft. Mutig mutig. Das Lied möchte insgeheim von Rod Stewart sein, aber es reicht doch irgendwie nicht ganz. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Ui ui.

 

Für die Schweiz treten an die Ganglords mit ihrem Stück «Penalty Goal» von 2008. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Ui ui. Die älteren Leute kennen diese Ganglords übrigens noch von früher, zum Beispiel vom Stop-F/A-18-Benefiz-Doppelalbum. Lassen Sie also bitte jetzt geregelt die Knie bouncen und chillen Sie Ihre Basis. Hopp de Bäse.

 

(Das Songmaterial zu diesem Beitrag haben wir übrigens der sehr gut kuratierten Seite 45football.com entnommen. Danke, sehr gut kuratierte Seite 45football.com!)

Muntere Musik

Briger am Montag den 7. Juni 2021

Zum Wochenstart, ein paar Takte Musik.

Der französische Rapper Vald (bürgerlich Valentin Le Du) hat letzte Woche den Song “footballeur”, gedreht im Stade de la Licorne in Amiens, präsentiert. In diesem Stück träumt er davon, als Spieler des FC Échelon, sein Label heisst Echelon Records, die “Super Mega League” gegen Real Madrid zu gewinnen. Leider sieht Vald dann im Finale beim Stand von 1:6 die rote Karte.

Zuvor schaltete das Team bereits Juventus und die Bayern aus und wer genau hinsieht, wird auch noch eine Szene der jüngeren Fussballgeschichte sehen. Welche das ist, erfahren Sie, wenn Sie nach dem Video auf “Diesen Beitrag weiterlesen” klicken.

Musik ab:

Diesen Beitrag weiterlesen »

Rot-Gelb-Grüner Reggae-Gott-Gedenkstoff

Herr Winfried am Mittwoch den 28. April 2021

Ajax Amsterdams neues “Ausweichtrikot” ist ziemlich gelungen.

Wenn die Pandemie nicht wäre, dann wäre YB gegen Ajax Amsterdam wohl trotzdem aus dem Europacup ausgeschieden. Bestimmt aber hätten Tausende Gästefans die holländische Hauptstadt bevölkert und beräuchert, für das grünkrautaffine Berner Fussballpublikum wäre Amsterdam eine durchaus beliebte Destination gewesen. Hätte, wäre, item.

Die Rastafari-Bewegung und ihre Lieblingspflanze ist in den Niederlanden auch sonst bedeutsam. Zum Beispiel in der Fanszene von Ajax Amsterdam. Diese besingt gerne und oft Bob Marleys “Three Little Birds” – gerne auch gemeinsam mit dessen Sohn. Das dritte Trikot der Amsterdamer für die Saison 2021/2022 ist eine Hommage an die verstorbene Reggae-Legende.

Die drei kleinen Vögelein übrigens, die hocken den Spielern auf den hinteren Schulterblättern. Nun braucht Ajax noch dafür zu sorgen, dass Heim- und Auswärtstrikot möglichst gleich aussehen, damit das “Ausweichtrikot” auch regelmässig getragen wird.

Akzeptable Alternative

Herr Noz am Samstag den 24. April 2021

Sie finden die Musikgruppe “Queen” grundsätzlich in Ordnung, aber vom einschlägigen Meisterlied haben Sie mittlerweile wirklich die Nase gestrichen voll? Dann geht es Ihnen gleich wie Kulturkorrespondent Noz.

Auf der Suche nach etwas Linderung sind wir auf die wunderliche Hipster-Combo Øzwald gestossen, die sich nicht zuletzt mit gefälligen Cover-Versionen verdient macht. Øzwalds nachgespielte Version des unsäglichen Queen-Klassikers halten wir denn auch für eine akzeptable Alternative. Sie ist zudem auch filmisch ausserordentlich gelungen, Text-Bild-Schere Hilfsausdruck!!!

Der Rest von Øzwalds musikalischem Schaffen klingt ein wenig so, als hätte ein selbstlernender Entschleunigungsalgorithmus die Hälfte der Tonspur von Cake auf subtile Weise rückwärts durch eine leere Spieldosenfabrik geschwummpt, dann aber sehr kundig und souverän einen Beatle-esken Gesang darüberquadröselt. Genauer können wir es leider auch nicht bestimmen. Hören Sie doch einfach mal selber rein.

Luzide Lektüre

Herr Noz am Dienstag den 20. April 2021

Zur Abwechslung mal was Lesenswertes aus Basel.

Auch farblich gelungen

Der unlängst zu Unrecht verstorbene Grüne Politiker und Rechtsanwalt Daniel Vischer (1950–2017) hat Memoiren hinterlassen, die nun bei der löblichen Edition 8 als Buch erscheinen.

Das umfangreiche Werk versammelt präzis analysierte Episoden der jüngeren Schweizer Politik, persönliche Erinnerungen an den Basler ‘Daig’ und allerhand anderweitig gesellschaftlich Relevantes (stets nach dem einschlägigen Motto ‘parteiisch, aber fair’). Einige Promis werden dabei durchaus in den wohl verdienten Senkel gestellt, aber es handelt sich nicht eigentlich um fiese Tacklings oder Blutgrätschen.

Fussball? Richtig, um den geht es regelmässig auch, denn Vischer war nicht nur ein animal politique, sondern verstand auch was vom Runden Leder. Was für linke Politiker ja nun nicht gerade selbstverständlich ist. (Aber Sie wissen: Ein anderer grüner Daniel hatte sich kürzlich auch schon bereits als Fussballchecker geoutet.) Ja, der Vischer wäre womöglich gar einer fürs Radio Gelbschwarz gewesen, denn eigentlich habe er Fussballreporter werden wollen, sich dann aber leider nie getraut.

Das Buch ist rhetorisches Tiki-Taka – filigrane Technik, präzise Querpässe, solide Defensive –, wobei Vischer zuweilen etwas anachronistisch den Libero gibt. Dafür wird endlich mal Luhmann rehabilitiert. Und die 80er-Bewegung. Und sogar der Fall DD wird kurz angeschnitten (allerdings derjenige von 1968).

Daniel Vischer: Eckdaten. Linke Politik und rechter Fussball. Zürich 2021. 328 Seiten. 24 Franken