Archiv für die Kategorie ‘European Must-have-drunk-theres’

Io credo risorgerò

Harvest am Mittwoch den 6. Dezember 2017

Zum Fussball ins nahe Venetien.

Herr Harvest besuchte für Sie das Spiel Hellas Verona – FC Bologna.

Anreise

Verona erreichen Sie bequem mit der Bahn in etwa 5h 30min. Nach knapp drei Stunden sind Sie ab Bern bereits in Mailand, wo Sie umsteigen und nach weiteren 75min im Hauptbahnhof “Verona Porta Nuova” einfahren. Die Züge aus der Schweiz sind normalerweise pünktlich in Mailand, wenn Sie allerdings einen Regionalzug ab Domodossola besteigen (weil der Schnellzug mal wieder ausgebucht ist oder aus schierer Geldnot), rechnen Sie genügend Umsteigezeit mit ein.

Stadt

Die Etsch (italienisch “Adige” und damit Namensgeber für das Alto Adige, auf deutsch “Südtirol”) umfliesst die Altstadt in einer Weise, die Bernern ein leises Heimatgefühl bescheren wird, nur ohne die unseligen Höhenunterschiede. In der Altstadt finden sich einige schöne, alte Gebäude und wenn man sich von der überlaufenen und kaum von anderen Städten unterscheidbaren Hauptgasse mit den grossen Modeketten entfernt, entfaltet sie auch ihren Charme.
Hauptattraktionen sind die Arena und Julias Balkon. Vor der Arena können Sie lustige Fotos mit als Gladiatoren verkleideten Menschen schiessen und in ihr grossartige und stimmungsvolle Konzerte besuchen. Im Sommer verschreibt sie sich für mehrere Wochen der Oper, dessen Besuch ein besonders schönes Erlebnis sein soll. Julias Balkon (wer die Geschichte nicht kennt, kann sie hier nachlesen) soll gemäss Vermarktung ein außergewöhnlich romantischer Ort sein. In Tat und Wahrheit allerdings entpuppt sich der Innenhof unter dem Balkon als überfüllter Touristenkäfig, in dem die Menschen eine lange Schlange bilden, um einer Statue an die Brust zu fassen. Weiterer romantischer Höhepunkt sind die vielen Liebesbotschaften, die mit gebrauchten Kaugummis an die Wand geklebt werden.

Club

Hellas Verona ist neben Chievo Verona einer von zwei Clubs aus Verona, die in der Serie A spielen (zwei Clubs gibt es auch in Genua, Turin, Mailand und Rom). Gegründet wurde er 1903 und seinen grössten Erfolg feierte er 1985 mit dem Meistertitel. Danach fiel er allerdings bis in die Serie C und stieg erst 2011 wieder in die zweithöchste Spielklasse auf. Seit 2013 spielt Hellas wieder in der Serie A.
Neben bekannten Spielern wie Valon Behrami und Mario Frick spielten auch unbekanntere wie Javier Saviola, Luca Toni, Filippo Inzaghi oder Thomas Berthold für den Verein.

Stadion

Das “Stadio Marcantonio Bentegodi” fasst knapp 40’000 Zuschauer und dient sowohl Hellas als auch Chievo als Heimstätte. Die Nähe zum Bahnhof und zur Altstadt macht es gut zu Fuss erreichbar. Für das Ticket gibt es drei verschiedene Preiskategorien, abgestuft nach Attraktivität des Gegners. Einlass wird Ihnen (wie überall in Italien) nur gewährt, wenn Sie einen gültigen, mit Foto bestückten Ausweis zur Hand haben. Herr Harvest zahlte 23 Euro, die weibliche Begleitung nur 15. Die sexistische Preisgestaltung ermöglicht es dem Club dafür, auf Mittel wie “Ladies Nights” zu verzichten. Die Tickets ermöglichten den Zutritt zum höchstgelegensten Sektor am Seitenrand des Spielfelds. Mit dieser Distanz störte dann auch die Leichtathletikbahn nicht weiter.

  • Auf dem Weg zum Stadion

  • Vor dem Stadion gibt es tolle Fanartikel aus China...

  • ...und diverse Essensstände

  • Herr Harvest trinkt Bier und isst Pommes für 5 Euro

  • Stadion zur Linken (oben Bologna Fans)

  • Stadion in der Mitte

  • Stadion zur Rechten (oben Hellas Fans)

  • Verpflegungsstand im Stadion

  • In der Pause wird auf der Bande diversen Leuten gratuliert

  • Herr Harvest geniesst das Spiel im kalten Verona

  • Spiel zu Ende

  • Weit und breit keine Bologneser, doch die Polizei sperrt die Strasse und alle drängen sich durch ein kleines Schlupfloch

Verpflegung

Im Stadion ist die Verpflegung eher dürftig (immerhin Vin brulé und Snacks), dafür können Sie sich vor dem Spiel an einem der vielen Stände den Bauch voll schlagen. Herr Harvest begnügte sich mit einer Portion Pommes Frites und einem Birra Moretti (4dl, zusammen 5 Euro). Je nach Lust und Laune finden Sie aber auch Essen mit toten Tieren und die üblichen Biere von noch grösseren Brauereien.

Spiel

Das Niveau des Spiels verlangte Herrn Harvest keine grosse Anpassung ab, was aufgrund der Ausgangslage (beide Teams verloren die letzten vier Spiele) auch nicht zu erwarten war. Bei der Durchsage der Mannschaftsaufstellungen wurden der Trainer und etwas weniger intensiv die Nummer 93 von Hellas schamlos ausgebuht. Bereits nach dreieinhalb Minuten und zwei haarsträubenden Fehlern wurde klar, wieso auch der linke Aussenverteidiger (93) nicht allzu viele Sympathien geniesst. Die rosa Gazzetta wird am nächsten Tag schreiben, dass Fares (93) zwar das 1-0 mit einer schönen Flanke assistierte, doch 26 Fehlpässe spielte.
Hellas geht zweimal in Führung (1-0 und 2-1), verliert dann aber trotzdem mit 2-3. Am Ende schlugen zwei Bologneser die Zeit dann noch mit Krämpfen tot, um das Spiel nicht noch aus den Händen zu geben. Das Spiel war vom Niveau her vergleichbar mit den letzten beiden Partien zwischen GC und Lugano, doch um Weiten unterhaltsamer. Bemerkenswert war auch ein Unterbruch von etwa zwei Minuten, weil niemand bereit war das heruntergefallene Fähnchen wieder auf den Pfosten beim Ecken zu stülpen.

Fazit

Ein Spielbesuch in Verona lohnt sich allemal. Vor allem, wenn vorher und/oder nachher noch Zeit für die Besichtigung der Stadt bleibt. Auch das Stadion bietet viel mehr als nur Fussball, so erfreute sich die Begleitung von Herrn Harvest deutlich mehr an den Felsenschwalben, die im Stadion brüten oder zumindest den Winter dort verbringen.

Junge Junge

Val der Ama am Donnerstag den 30. November 2017

Wir werden alt, die Spieler immer jünger.

Jetzt hat doch der Connor Byrne am Montag tatsächlich sein Debut in der ersten Mannschaft gegeben. Richtig, wir meinen den 14-Jährigen Juniorentorhüter des Glenavon FC, also des aktuellen Tabellendritten der NIFL Premiership, das ist die oberste Liga Nordirlands.

Hier noch ein Vergleich: Der Teenie ist ungefähr 21 Jahre jünger als zum Beispiel Goaliekollege Marco Wölfli.

Athen, 2017

Herr Maldini am Montag den 29. Mai 2017

BREAKING NEWS: der dritte Aufsteiger in die Premier League 2017/18 heisst Huddersfield Town!

Gelbschwarzer Cupsieg

Lars: L am Samstag den 27. Mai 2017

In Bulgarien war am Mittwoch Cupfinal – die Richtigen haben gewonnen.


Es ist eine Geschichte, wie sie nur der Cup schreiben kann: Serienmeister Ludogorez Rasgrad, das Basel Bulgariens, trat gegen die sympathische Truppe des PFK Botew Plowdiw an. Und verlor.

Das Spiel kurz zusammengefasst: Botew spielte statischen Fussball mit langen Bällen in die Spitze, die nicht ankamen, worauf alle Spieler die Hände verwarfen und die Zuschauer auch. Ludogorez war spielerisch besser, vermochte sich jedoch im Strafraum nicht durchzusetzen. Botew gewann mit 2:1. Dann gab es noch eine rote Karte, bevor im Stadion ein Song von Queen gespielt wurde.

Mit einem Klick gelangen Sie zur Slideshow.

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Grenzerfahrung bei Ilja

Herr Shearer am Donnerstag den 9. März 2017

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!

Manchmal muss man einfach ein bisschen Distanz vom Fussball gewinnen. Dazu fährt man am besten natürlich – zum Fussball! Vor Jahren bereits hatte eine Delegation dieses Fachblogs eine Reise ins schöne Mömpelgard geplant, welche damals leider aufgrund kurzfristiger Spielplanänderungen nicht zustande kam.

Aber eben, es ist ja nicht weit zum FC Sochaux-Montbéliard! Mit dem Auto schafft man die Strecke von Bern aus in gut zwei Stunden. Dabei darf man auf der Transjurane tatsächlich durch 25 Tunnels fahren. Etwas gemütlicher und bei mehr Tageslicht geht es per Zug: mit Umsteigen in Basel, Mulhouse und Belfort dauert die Reise gute drei Stunden. Der kürzeste Weg per Bahn würde eigentlich über Biel und Porrentruy führen, aber in Delle ist derzeit noch Schluss mit Gleisen. Wer aber sein Velo einlädt, hat vom französischen Grenzstädtchen aus nur noch gute flache 20 Kilometer zu radeln.

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Billiger Betreuer

Val der Ama am Donnerstag den 19. Januar 2017

John Clarkson machts umsonst.

Der Club Deportivo Tudelano ist ein spanischer Fussballverein in Navarra und dort spielt er immerhin in der Segunda División B. Selbstverständlich hat der Verein finanzielle Probleme und dazu Ärger mit den Steuerbehörden. Und weil es sportlich auch nicht grad super läuft (aktuell Rang 9 in einer 20er-Liga) kommt das Angebot eines englischen Geschäftsmanns ganz gelegen.

John Clarkson, den Sie da auf dem Bild oben sehen, will nämlich Trainer des Vereins werden und hat sich dazu einen ganz interessanten Deal überlegt. Der 60-Jährige verzichtet auf einen Lohn und will stattdessen selbst Geld in den Club investieren: £50,000 in der ersten Saison und £100,000 im Jahr darauf.

Win-Win, meint Clubpräsident Jesus Miranda: “Die Fans denken vielleicht, dies sei eine Art extravagantes Hobby für Clarkson, aber er ist ein richtiger Trainer mit Erfahrung und Diplomen. Er bezahlt Geld für ein Sportprojekt, er wird den Club nicht übernehmen. Er wird uns bei der Sponsorensuche und bei der Schuldentilgung unterstützen.”

Auch interessant: Wenn der neue Übungsleiter mit dem Club aufsteigt, kriegt er das investierte Geld zurück. Nur dann.

Kurzweil bei Curzon

Herr Shearer am Donnerstag den 19. Januar 2017

Wie schaut der englische Fussball ohne Mou und Pep, ohne Transfer-Fantastilliarden, ohne Milliardärsbesitzer und weltweite Fernsehverträge aus?

Kommen Sie mit, wir gehen zum Curzon Ashton FC in die National League North, die sechsthöchste Liga Englands. Curzon spielte letzten Montag gegen den Worcester City FC (1:1).

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Magerkost in Marousi

Herr Shearer am Donnerstag den 1. Dezember 2016

Was tun, wenn man gerade schon mal in Athen ist? Gelbschwarz schauen, natürlich!

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Den für abwegige Expeditionen zuständigen Redakteur dieses Fachorgans verschlug es letze Woche zusammen mit einer kleinen feinen Reisegesellschaft in die griechische Hauptstadt. Nach dem zwar guten, aber resultatmässig ungenügenden Auftritt der berühmten Berner Young Boys wurde erst einmal den kulturellen und kulinarischen Höhepunkten Athens gefrönt, bevor am Samstag Abend Konsens herrschte, dass man sich leicht unterfussballt fühle und so ein gemütlicher Match eine feine Sache wäre.

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Heisse Kurven in Genua

Herr Shearer am Montag den 24. Oktober 2016

Knallige Sache: das Genueser Stadtderby.

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Letzten Samstag traf die UC Sampdoria im gemeinsam bespielten Stadion Luigi Ferraris auf den viel älteren Genoa CFC. In einer über weiten Strecken attraktiven und spannenden Partie behielt das nominelle Heimteam mit einem 2:1-Sieg schlussendlich die Oberhand. Den kuriosen Höhepunkt setzte übrigens die Torlinientechnologie: in der 39. Minute setzt Sampdorias Silvestre den Ball an die Unterkante der Latte, von wo er vor die Linie zurückprallt. Die Uhr des Unparteiischen beginnt darauf zu vibrieren, obwohl es eindeutig kein Tor war. Diese Szene führt dann zu einer etwa zweiminütigen Spielunterbrechung bezwecks Absprachen zwischen den involvierten Offiziellen und allgemeiner Verwunderung im Publikum über deren Grund. Vor der Pause verschiesst Quagliarella zwar noch einen Penalty, das Spiel entscheidet sich aber kurz nach Wiederanpfiff durch ein Eigentor von Genoas Izzo. Gegen Schluss wirft der CFC alles nach vorne, die sich daraus ergebenden Konterchancen lässt die Sampd aber in teils fahrlässiger Art und Weise liegen. So bleibt die Partie zunindest bis am Schluss eine von der packenderen Sorte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schäbiges Stoke

Briger am Dienstag den 11. Oktober 2016

Ein Mal mehr, Herr Power tischt uns uralte Geschichten aus dem Mutterland des Fussballs auf. Diesmal aus Xherdan Shaqiris Wahlheimat Stoke.

“Nach dem lautstarken Auftritt der YB-Fans im Goodison Park damals in der Europa League ging die Reise am Samstag weiter nach Stoke.

Anreise
Mit dem Zug ist Stoke von Liverpool aus bequem erreichbar. Der Bahnhof ist für die Grösse der Stadt relativ klein und liegt mitten im Zentrum, welches wie z.B. auch in Leeds oder Sheffield nicht gerade ästhetisch ist. Das Stadion liegt für den Autofahrer bequem an der Autobahn Ein- und Ausfahrt. An einem grässlicheren Ort kann man wohl ein Stadion nicht bauen.
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Neulich in Nottingham

Dr. Rüdisühli am Mittwoch den 5. Oktober 2016

Wie Herr Power in einem Pub beim City Ground das Glück fand.

Von unserem Sonderkorrespondenten Max Power

maxp“Viele ältere Leser könnten sich wohl noch daran erinnern, hätten sie seither nicht so viel getrunken: Vor nicht einmal zwei Jahren, da waren die berühmten Berner Young Boys zu Gast in England. Auch Ihr Sonderkorrespondent genoss damals die herrlichen Vorgärten im schönen Liverpool.

Am Vorabend des grossen Spiels im Goodison Park fand eine Vollrunde in der Championship statt. Im City Ground in Nottingham traf das traditionsreiche Nottingham Forrest auf das (mittlerweile erstklassige) Bournemouth. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Auf dem kurzen Fussmarsch vom Stadtzentrum zum Stadion kommt man zuerst am Stadion von Notts County vorbei.

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Beide Stadien sind nur durch einen Fluss voneinander getrennt.

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Im Pub direkt beim Stadion waren die meisten Tische vorreserviert. Als wir uns an einen setzten und dann jene Gruppe kam, welche den Tisch reserviert hatten, wollten wir uns entschuldigend verabschieden. Dies war jedoch nicht möglich…

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Mit Ach und Krach zum Kasach (V und Schluss)

Dr. Rüdisühli am Donnerstag den 29. September 2016

Das ging aber rassig! Unser Sonderkorrespondent Herr Shearer ass Kartoffelsuppe mit Kurt und ist nach fünfeinhalb Tagen Reise in Astana eingetroffen.

astana_logo_320_3„Liebe Freunde des eurasischen Fussballs, ich melde mich zum letzten Mal aus dem Zug; Juri und Igor sind letzte Nacht in Ufa wieder ausgestiegen, dafür ist ein junger Kerl aus Karaganda neu im Abteil. Als er sein Gepäck unter der Sitzbank versorgen wollte und diese deshalb hochklappte, kam ein grosser Kessel Honig zum Vorschein. Das Schlafwagenpersonal treibt offenbar nebenbei noch etwas Import-Business.

Morgens wurde ich dann auch noch in ihr Abteil zum Tee eingeladen und mit einer Flasche kasachischen Wodkas der Marke Parlament beschenkt. Dafür musste ich zum wiederholten Male über Löhne und Lebenshaltungskosten Auskunft geben. Wussten Sie übrigens, dass der Bruder des einen „Provodnik“ (Schlafwagenbegleiters) Fussballprofi ist und beim Zweitligisten Kairat Almaty die Nummer sieben trägt? Sehen Sie, da war ich auch ein bisschen überrascht. Er zeigte mir dann ein Bild seines Bruders, und ab sofort ist Kairat meine Lieblingsmannschaft in der zweithöchsten kasachischen Liga, weil auch Gelb-Schwarz.

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Etwas später werde ich wieder ins vorderste Abteil gerufen; kaum habe ich mich gesetzt, stellt man mir schon eine Schüssel Suppe auf den Tisch. Auch mein kasachischer Abteilgenosse isst mit. Die Begleiter haben in ihrem Abteil eine Kochplatte, und heute haben Sie eben Suppe gekocht, mit Kartoffeln, Nüdelchen – und Kurt! Kurt ist eine Art Frischkäse aus Stutenmilch, er gibt dem ganzen einen angenehm säuerlichen Geschmack. Und Dill darf natürlich auch nicht fehlen, viel Dill schwimmt da in der weissen Brühe. Es schmeckt lecker und macht satt. Ich werde mich für die grosszügige Gastfreundschaft mit einem Kilo Schoggi und YB-Feuerzeugen zu revanchieren versuchen.

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