Archiv für die Kategorie ‘Der schwarze Kontinent’

Ballspiele im Löwengebirge

Briger am Montag den 9. Dezember 2019

Der Fussball kehrt zurück nach Sierra Leone.

Die 13 Teilnehmer der sierraleonischen Fussballmeisterschaft 2019
Screenshot wikipedia

Gut, eigentlich begann der Ligaalltag im westafrikanischen Land schon im März 2019 wieder. Nur fand die Saison ohne Unterstützung durch den nationalen Verband SLFA statt. Am 4. Dezember 2019 startete dann erstmals wieder eine von der SLFA anerkannte Liga. Mit dabei – im Gegensatz zu letzter Saison – ist nun auch wieder der FC Johansen, benannt nach der Besitzerin und SLFA-Präsidentin Isha Johansen. Diese bezeichnete die Austragung der Meisterschaft als illegal.

FC Johansen. Bild via: cocorioko.net

Die letzte Saison, die erste nach dem Ausbruch der Ebola-Epidemie 2014, wurde von den East End Lions aus Freetown gewonnen und fand statt, obwohl Sierra Leone von der FIFA vom internationalen Fussball suspendiert worden war. Johansen und der Generalsekretär der SFLA, Christopher Kamara, waren nämlich von der nationalen Antikorruptionskommission suspendiert worden. Dies wertete die FIFA als unerlaubte Einmischung der Politik in den Fussball. Im Mai wurde den beiden erlaubt ihre Amtsgeschäfte wieder aufzunehmen, woraufhin die FIFA im Juni die Suspendierung aufhob.

Isha Johansen (rechts) am FIFA-Hauptsitz zusammen mit einem älteren Herrn.
Bild via: fifa.com

Mit der Rückkehr von des FC Johansen nehmen nun wieder 14 Mannschaften am Ligabetrieb teil. Am ersten Spieltag der neuen Saison spielte Johansen gegen Mighty Blackpool 1:1. Lieblingsteam der Leder-Redaktion sind aber klar die Anti Drugs Strikers aus Newtown.

Katar-Boykott

Briger am Montag den 2. Dezember 2019

Ein afrikanischer Super Cup in Katar? Nicht mit Christian Gross’ Ex-Verein Zamalek.

Mortada Mansour. Bild via: kingfut.com

Dies gab zumindest Mortada Mansour, Präsident Zamaleks, zu Protokoll. Als Gewinner des Confederation Cup sollte Zamalek im Februar 2020 gegen den Champions League Sieger, Espérance Tunis, in Katar antreten. Letzte Woche gab Mansour zu Protokoll: “Wir sind zwei afrikanische Teams, wieso sollten wir in Asien spielen?” So weit, so sympathisch.

Den wahren Grund für den Boykott schob der Präsident dann aber gleich hinterher: “Ich verstehe nicht, wieso die CAF will, dass wir den Super Cup in einem Land austragen, dass ein Feind Ägyptens ist. Wir haben beschlossen, nicht nach Katar zu reisen und sind sehr enttäuscht, dass die Verantwortlichen von Espérance dem Spiel zugestimmt haben.” Ägypten schloss sich 2017 Saudi-Arabien, Bahrain, den Arabischen Emiraten und weiteren Staaten an, welche Katar wegen Terrorismusunterstützung boykottieren. Rein fussballerisch scheint der Boykott aber inzwischen gelockert worden zu sein. Traten Saudia-Arabien und die Emirate bereits zum Asiencup Anfang Jahr an, nehmen sie aktuell auch am Golf Cup teil.

Betreffend des afrikanischen Super Cups liegt der Ball nun bei der ägyptischen Regierung. Sollte diese nämlich aufhören Katar zu boykottieren oder den Club bitten anzutreten, dann scheint die geografische Lage Katars plötzlich kein Hinderungsgrund mehr zu sein.

Attraktive Auswahl

Rrr am Mittwoch den 4. September 2019

Wie kommt man eigentlich zu so einem Pokal?

Ganz einfach. Man gewinnt irgendeinen Wettbewerb, so wie YB. Oder man reist nach Harare (Simbabwe) und deckt sich in einem chinesischen Einkaufszentrum ein – so wie unser Afrika-Korrespondent Lars L.

Wie, Sie brauchen es mit gelben Schleifen? Bitte sehr.

Road to Cairo

Briger am Dienstag den 11. Juni 2019

Was viele gar nicht wissen, auch in der europäischen Fussballsommerpause wird gespielt. In Ägypten findet ab 21. Juni der 32. Africa Cup statt.

Foto via eNCA

Erstmals nehmen 24 Mannschaften teil und es wird auch nicht mehr im Januar, sondern im Juni/Juli gespielt, dies um mehr europäische Vereine dazu zu bewegen, ihre Spieler freizugeben. Eigentlich hätte das ganze in Kamerun stattfinden sollen, im letzten November wurde Kamrerun das Turnier aber wegen “massiver Verzögerungen bei den Vorbereitungen entzogen.” Dabei liess sich der hochrangige Funktionär Happi Dieudonné noch kurz davor in der “L’Équipe” wie folgt zitieren: »Ich kann Ihnen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass unser Land bereit sein wird, das Turnier auszutragen.« Nun also aber Ägypten und weil erstmals 24 Mannschaften, auch drei Erstteilnehmer, nämlich Burundi, Madagaskar und Mauretanien.

In Burundi freuten sich die Fans nach dem entscheidenden Spiel gegen Gabun im März übrigens so:

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Rot gegen die Regierung

Rrr am Samstag den 20. April 2019

Wir schalten um nach Khartoum.

“Ein Demonstrant zeigt der aktuellen militärischen Übergangsregierung die rote Karte”, schreibt uns dazu unser Afrika-Korrespondent Lars L. “Der Becher ist ein Symbol für die Regierung. Drauf steht: Entfernen!”

Unser Funkbild stammt vom gestrigen Tag. Herr Lars L schaute nachher noch kurz beim Freitagsgebet vorbei.

Ältere Leser erinnern sich an Herrn Lars L als legendären Quizmaster und zwischenzeitlichen Betreuer der Mittwochsserie “Die Frage der Woche”. Später tingelte er mit seinen Meerschweinchen über die Jahrmärkte, ehe er nach Afrika auswanderte und damit den Erfolg des BSC Young Boys begründete: Seit Lars weg ist, holt YB Titel um Titel. In dem Sinn weiterhin alles Gute im Ausland, lieber Herr Lars!

Lost in Luzern

Rrr am Donnerstag den 7. März 2019

Unser Kolumnist war gestern in der Swissporarena.

“Tschou zäme, hie isch wieder mal dr Fräne! Also, es war ja so, dass mich der Schwager meiner Frau ins Stadion eingeladen hat, der Sämi wohnt ja in Wolhusen, aber er arbeitet in Emmen, die produzieren da irgendeinen Seifenspender für die Stadiontoiletten, und deshalb hatte er Freibilette. Da ging ich halt mit, dem Schwager zlieb, der noch gross herumproletete von wegen super FCL, und ich dachte, der sieht dann noch, wo Bartli den Most holt.

Aber hey, das war jetzt putznüt, was unsere Youngboys gezeigt haben! Eine Frechheit war das, von hinten bis vorne, settigs Umeschtogle, das war ja zum Fremdschämen! Ihr müsst jetzt nicht erschrecken, aber das wird dann noch knapp mit den 19 Punkten am Schluss, wenn die so weiter umepajasse.

Jä nu, dem Schwager gönne ich es, und der Tscherry ist selber schuld, der hat ja noch füdlefalsch ausgewechselt, sah doch jeder. Man hätte den Mambimbi bringen sollen! Im Halbfinal helfe ich den Luzernern, im Final dann den Thunern, und am Schluss feiere ich mit den Zürchern, Hauptsache es gibt immer öppis z güügele, gäuit. Auso de, tschou zäme, Euer Steckler Fräne!”

Somalia international

Briger am Montag den 11. Februar 2019

Der Fussball kehrt zurück ans Horn von Afrika.

Banadir Stadion (via wikimedia)

Die somalische Fussballföderation (SFF) hat bekannt gegeben, dass das U20-Nationalteam am 16. Februar ein Freundschaftsspiel gegen die U20 von Eritrea austragen soll. Das Spiel im Benadir Stadion von Mogadischu wäre das erste internationale Fussballspiel in Somalia seit 1988.
Das letzte Spiel war ein Qualifikationsspiel zu den olympischen Spielen 1988 gegen Mauritius. Ende der 1980er-Jahre brach ein Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert. Seit 1991 existiert keine wirksam funktionierende Zentralregierung mehr. In der Folge trug Somalia seine Spiele hauptsächlich in Djibouti oder Äthiopien aus. Abdiqani Said Arab, Präsident der SFF, möchte in naher Zukunft auch den CECAFA-Cup austragen, das sind die Ost- und Zentralafrikameisterschaften.
Zunächst sollen nun Teams aus der Region eingeladen werden, wobei sicher auch eine Rolle spielt, dass Arab auch als Vize-Präsident der CECAFA fungiert. Später sollen dann auch andere Teams eingeladen werden. Pläne für internationale Spiele bestehen schon länger. 2015 wurde in Mogadischu ein Kunstrasen verlegt und 2017 nach über 30 Jahren wieder Ligafussball gespielt. Allerdings auch 2017 verkündete Arab bereits, dass der internationale Fussball 2018 nach Somalia zurückkehren werde.

Frohes Fest

Lars: L am Montag den 17. Dezember 2018

BREAKING NEWS: #weiw! YB kürt Hashtag des Jahres – Anspielzeiten für die Runden 19 bis 27 jetzt bekannt

Das historische Bild zum Wochenstart.

Äthiopien, 1962: Nationalspieler feiern den vierten Gewinn des Afrikacups.

Leulseged Bekele gibt den Rhythmus an auf dem Akkordeonkasten. Seine Frau erinnert sich, dass die Freude riesig war: «Viele Leute veranstalteten Feste bei sich zu Hause, um den Sieg unseres Teams zu feiern.» Das Kaiserreich Abessinien hatte die Vereinigte Arabische Republik (Ägypten und Tunesien) 4:2 n.V. besiegt. Angeblich hielt die Festfreude während eines ganzen Monats an.

Das Bild findet sich im soeben erschienen Bildband «Vintage Addis Ababa», Ayaana Verlag. Das Buch ist in einer Zürcher Buchhandlung und auf Amazon erhältlich. Weitere Bilder gibts im Internet.

Out of Africa

Lars: L am Freitag den 29. Juni 2018

Aus aktuellem Anlass meldet sich Krisenkorrespondent Lars: L zu Wort:

«Liebe Freunde des wilden, ungestümen Fussballs,

Zum ersten Mal seit 1982 ist kein afrikanisches Team an einer WM-Endrunde vertreten. Der Fussball hier steckt in einer tiefen Krise. Und was macht die Afrikanische Union? Sie trifft sich zum Thema Korruption. Gibt es denn tatsächlich keine dringlicheren Probleme? 

Doch eigentlich ist dem Ausscheiden der Afrikaner auch Positives abzugewinnen.

Erstens: der durchschnittliche Afrikaner war 1982 (Mugabe ist soeben zum Premierminister gewählt worden) noch gar nicht auf der Welt. Insofern ist es für viele eine ganz neue Erfahrung. Vielleicht ist es sogar gut, wenn nach 36 Jahren für einmal nicht das Füllhorn über Afrika ausgeschüttet wird.

Zweitens: Mit England, Frankreich und vor allem Belgien sind Länder dabei, die dem Schwarzen Kontinent viel gegeben haben. Was also liegt näher, als nun diese tollen Truppen zu unterstützen? Oder wieso nicht gleich präventiv für die Schweiz fanen? Gell, Wale…

Drittens: Wie schon der weise Onkel und Stammesführer Sepp sagte: ‘Afrika ist laut, es ist voll Energie, Rhythmus, Musik, Tanz, Trommeln. Das ist Afrika, wir müssen dies so annehmen.’ Es ist also gut möglich, dass viele Afrikaner vor lauter Lärm noch gar nicht mitbekommen haben, dass sie eliminiert worden sind.

Optimismus ist angesagt, das entspricht total der hiesigen Mentalität. Und morgen ist auch wieder ein Tag.

Kakwesi Bunga Zulu Natal!

Ihr Lars: L»

Fantastische Aussicht

Lars: L am Sonntag den 24. Juni 2018

Das Runde Leder testet Public Viewings. Heute: Mövenpick, Nairobi.

Wo: Mövenpick-Hotel, Nairobi, Kenia. La Mesa Tapas Bar im 14. Stock. Das Hotel wurde unlängst neu eröffnet.

Was: Die Tapas Bar «La Mesa» im 15. Stock des Luxushotels bietet eine fantastische Aussicht über die Hauptstadt. Das Spiel wird auf einer Grossleinwand und einem halben Dutzend Bildschirmen gezeigt. Das Lokal ist geräumig, mit viel Holz ausgestattet und zweistöckig. Es bietet Platz für über hundert Fussballfans. Alle Auslandschweizer wurden via Botschaft eingeladen für die Spiele der Schweiz.

Wann: Wenn die Schweizer spielen, also jeweils um 21 Uhr. Eventuell sonst auch. Gegen Brasilien hatten sich rund ein Dutzend Leute in den Räumen verteilt. Die Aussicht über die nächtliche Hauptstadt ist fantastisch.

Essen und trinken: Das Bier kostet rund 4.50 Franken. Das ist etwa soviel, wie der Wächter am Tor in neun Stunden verdient. Rund ein Dutzend Personen arbeit im Service und wartet sehnlichst auf ein Handzeichen, um ein weiteres Bier zu bringen. Gegessen wird bei diesen Preisen nicht. Rauchen Dürfen Sie auf der Treppe draussen. Von dort sehen Sie das Spiel durchs Fenster oder eine fantastische Aussicht über die Hauptstadt.

Gesamteindruck: Wenn Sie beim Public Viewing nicht gestört werden wollen, ist dies Ihr Lokal! Sie kriegen ein eigenes Sofa. Der TV-Kommentar ist in Englisch. Die Aussicht über die Hauptstadt fantastisch. 2 von 10 Punkten, dank der Eiswürfel im Pissoir.

Musik, Tanz, Trommeln

Rrr am Montag den 30. April 2018

YB ist Meister! Wir haben Stimmen aus aller Welt.

Ältere Leser erinnern sich an Herrn Lars L. Unser langjähriger Quizmaster und Fachredaktor übernahm vor knapp einem Jahr einen unserer attraktivsten Jobs: Er wurde unserer Afrika-Korrespondent.

In Kenia fieberte er mit, als sich die Young Boys einmal mehr den Titel schnappten. Aber was bedeutet das für Afrika im Allgemeinen, Kenia im Besonderen? Wir erreichten Herrn Lars L heute nachmittag am Telefon. Entschuldigen Sie das Knistern in der Leitung, die Verbindung war etwas wackelig.

Herr Lars, YB ist vorgestern Meister geworden. Wie ist die Stimmung in Nairobi?

Hallo Herr Rrr, in Nairobi ist nur allzu oft Bombenstimmung. Und natürlich nimmt man es hier sehr genau wahr, wenn ein Team mit der zweiten Hälfte des Stadtnamens auf dem Shirt auftritt. Die Stimmung in der Stadt war gestern abend also toll, wie ich aus sicheren Quellen erfahren habe. Afrika ist laut, es ist voll Energie, Rhythmus, Musik, Tanz, Trommeln. Ich wollte mir aber mein eigenes Bild machen und bin auf die grösste Müllhalde der Stadt …

Um weggeworfene FCB-Fanartikel zu finden?

Wie? Nein, einfach, weil man das als Reporter hier mal gemacht haben muss. Sieht doch souverän aus, nicht?

Besonders der offene Hemdknopf. Aber zurück zum Thema… gab es denn ein Public Viewing in der Stadt, oder wie haben Sie das Spiel verfolgt?

Sind Sie wahnsinnig? Auch auf die Müllhalde bin ich nur mit Polizeischutz. In die Stadt fahre ich gar nicht, dafür habe ich meine Leute. Ich habe das Spiel gemütlich im Büro mit meinem Gärtner Harrison verfolgt. Und danach alleine auf meiner Dachterrasse noch etwas weitergefeiert.

Was bedeutet der Titel für den kenianischen Fussball?

Wird in Kenia Fussball gespielt? Ich dachte, das sind alles nur Langstreckenläufer.

Besten Dank für dieses spannende Gespräch, Herr Lars L, und weiterhin alles Gu … hallo? Sind Sie noch da, Herr Lars? Hallo?

Selbstvertrauenstärkender Barbier

Briger am Montag den 12. März 2018

BREAKING NEWS: Liga beschliesst Neuansetzung von FCB-FCZ – “Basel ohne Schuld

Nikky Okyere: Der Mann, dem (afrikanische) Premier-League-Stars ihre Haare anvertrauen.

Foto via: www.ghanaweb.com

Nikky Okyere stammt aus Ghana und betreibt in South London den Coiffeur-Salon Slick Rick. Spieler wie Wilfried Zaha, Bakary Sako, Jordan Ibe, das ghanaische Nationalteam oder Avram Grant vertrauen ihre Frisuren dem 34-jährigen an. Begonnen hat alles mit dem nigeriaischen Internationalen Yakubu Aiyegbeni. Nach dem dieser in Okyeres Salon auftaucht, standen die Premier League-Stars plötzlich Schlange. Bei einigen, wie Zaha und Sako macht Okyere inzwischen bereits Hausbesuche. Denn für Zaha beispielsweise gehört es inzwischen zur Spielvorbereitung. “Ich brauche einen guten Schnitt”, so Zaha gegenüber der BBC. “Es ist gut für mein Selbstvertrauen und alles, wissen Sie was ich meine? Friseure sind sehr wichtig für mich.” Auch Sako bestätigt, dass Fussballer generell etwas eitel sind: “In fast jedem Spiel komme ich im Fernsehen und im Fernsehen will man doch einfach gut aussehen.”

Die Kurzdokumentation mit Zaha und Sako sehen Sie hier: