Archiv für die Kategorie ‘Serie A’

Serie zur Serie A (16). Die Mitspieler: Udinese

Dr. Eichenberger am Samstag den 25. September 2004

Dass Herren in schwarz/weiss gestreiften Trikots nicht aus Turin sein müssen, wissen wir seit dem Besuch in Siena (Folge 15). Auch der Verein aus Udinese trägt Schwarz-Weiss. Udinese Calcio ist – trotz vereinzelten Abstechern in die Serie B – ein solider Dauergast der Serie A und regelmässiger Uefa-Cup-Teilnehmer. Einen Titel haben die Friulianer allerdings noch nie gewonnen. Hier schoss Oliver Bierhoff mitte der 90er Jahre seine Tore, bevor er mit Milan italienischer Meister wurde. Weniger glücklich war in Udine Karsten Janker: ihn zog es bald wieder ins heimische Deutschland zu Kaiserslautern. Trainiert wird der Klub von Luciano Spalletti. Bekanntester Spieler war bisher der Däne Martin Jorgensen (seit 1997 in Udine), der nun zu Aufsteiger Fiorentina wechselte. Neu sind es der Chilene David Marcelo Cortes Pizarro, der Tscheche Marek Jnkulovski und der italienische U-21 Spieler Giampiero Pinzi. Prognose: sicherer Mittelfeldplatz.


Jungstar bei Udinese: Giampiero Pinizi.

Serie zur Serie A (15). Die Mitspieler: Siena

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 23. September 2004

Auf dem Platz sehen die Spieler der toskanischen Touristenstadt aus wie Juventus Turin – allerdings nur, was die Trikots anbelangt. Fussballerisch werden in Siena kleine Brötchen gebacken. Noch im Jahr 2000 kannte man die AC Siena nur als Serie C-Klub. Dass Siena zu den kleinen Klubs gehört, zeigt sich an den Verträgen mit den Fernsehstationen: von Sky erhält Siena diese Saison 5 Millionen Euro zugesichtert – weniger «wert» ist nur Brescia mit 1,9 Millionen (im Vergleich: Juve sahnt mit 65 Millionen ab). Das wirkte sich auf den Transfermarkt aus: die Ein- und Verkäufe von Spielern ergaben im Sommer ein Nullsummenspiel (im Vergleich: die Bilanz von Palermos schlägt mit 20 Millionen Mehrausgaben zu Buche). Prominente Abgänger sind der Brasilianische Weltmeister Roque Junior (zu Bayer Leverkusen) und der Stümer Ventola (zu Inter). Den Griechen Konstantinos Loumpoutis hat man zu Absteiger Perugia zurückgeschickt. Bekannteste Spieler von Siena sind «unser» Appenzeller Davide Chiumiento (Leihgabe von Juventus, dürfte auch das neue schwarz-weisse Dress kaum einmal tragen), der Norweger Tore Andre Flo und der Altstar Enrico Chiesa. Auch der neue Trainer ist eine Legende: der 65jährige Gigi Simoni, letzte Saison von Napoli entlassen, war in seiner langen Laufbahn unter anderem einer der vielen (entlassenen) Trainer von Massimo Morattis Inter Mailand (siehe Folge 17). Prognose: Abstiegsgefahr.


Wie lange darf er bleiben: Siena-Trainer Gigi Simoni.

Serie zur Serie A (14). Die Mitspieler: Sampdoria

Dr. Eichenberger am Dienstag den 21. September 2004

Seine Grosse Zeit hatte Sampdoria in den späten 80er und frühen 90er Jahren. 1989 standen die Genueser in Bern im Final des Cups der Cupsieger, verloren aber im Wankdorf gegen Barcellona 0.2. 1990 klappte es: Sampdoria gewann den Cup in Göteborg nach einem 2:0 gegen Anderlecht. Und 1991 wurde der Verein erstmals italienischer Meister. Zwei Spieler prägten die bisher erfolgreichste Ära Sampdorias: Roberto Mancini und Gianluca Vialli. Traineriert wird Sampdoria heute von Walter Novellino, der den Verein vor einem Jahr nach vier tristen B-Saisons wieder in die höchste Spielklasse führte. In diesem Jahr will er mit seiner Mannschaft leider spielen «wie die Griechen in Portugal». Teamstütze ist der Römer Christiano Doni, die wichtigsten Neuzuzüge sind Max Tonetto von Lecce und der Stürmer Vitali Kutuzov, eine Leihgabe von Milan. Ihn kaufte Milan-Vizepräsident Galliani vor drei Jahren in Weissrussland «ab Platz» unmittelbar nach dem Abpfiff des Spiels der Rossoneri gegen Bate Borisov, weil er von dessen Leistung sehr angetan war. Prognose (für Sampdoria): ein Mittelfeldplatz.


Teamstütze: Christiano Doni.

Serie zur Serie A (13). Die Mitspieler: Reggina

Dr. Eichenberger am Montag den 20. September 2004

Reggina heisst der Club aus Reggio Calabria, der Stadt mit hoher Maffiadichte am Stiefel mit Blick über die Meeresenge nach Messina (siehe Folge 5). Reggina verbrachte sein Dasein vorwiegend in der Serie B. Jetzt erwartet man immerhin schon zum dritten Mal in Folge die Grossen der Serie A im heimischen Stadio Oreste Granillo. Mit dem neuen Trainer Walter Mazzarri – er schaffte letzte Saison mit Livorno den Aufstieg – und 19 neuen Spielern vorwiegend von B-Klubs soll erneut der Klassenerhalt erreicht werden. Prominentester Neuzuzug ist das 22jährige Stümertalent Marco Borriello, eine Leihgabe von Milan. Er soll zusammen mit Davide Dionigi (neu von Napoli) die Tore schiessen. Die Nummer 10 trägt bei Reggina kein Grieche, sonder der Japaner Shunsuke Nakamura. Der Spieler mit dem schönsten Namen bei Reggina ist aber einer, der seit dem Jahr 2000 beim Südklub unter Vertrag ist: der Brasilianer Mozart. Prognose: harter Kampf gegen den Abstieg.


Neu auf der Reggina-Bank: Walter Mazzarri (links) soll es richten.

Serie zur Serie A (12). Die Mitspieler: Parma

Dr. Eichenberger am Freitag den 17. September 2004

Der AC Parma war einst ein stolzer Klub, spielte einen schönen Fussball und gewann einiges: 1992, 1999 und 2002 den Italienischen Cup, 1993 den Cup der Cupsieger, 1995 und 1999 den Uefa-Cup, kurz: Der Verein machte beste Propaganda für seine Stadt. Finanziell am Leben erhalten wurde Parma vom Nahrungsmittelgiganten Parmalat und der Familie Tanzi. Von Parmalat und den Tanzis war in den letzen Monaten vor allem auf den Wirtschaftsseiten der Gazzetten zu lesen: Das Loch, das der weitverzweigte Parmalat-Konzern aufweist, hat so viele Nullen, dass einem schwindlig wird. Der Fall der AC Parma weist viele Parallelen zum Niedergang von Lazio Rom auf. Und tatsächlich waren die Präsidenten der beiden Klubs eng miteinander verbandelt. Die Tanzis und Lazio-Besitzer Sergio Cragnotti waren in den 90er Jahren mit einem regen Spielertausch beschäftigt. Angefangen hat alles mit dem Transfer von Giuseppe Signori, den Cragnotti im Sommer 1995 für 25 Milliarden Lire an die Tanzis nach Parma verkaufen wollte. Der Handel scheiterte aber am heftigen Protest der Lazio-Fans. Stattgefunden haben die Wechsel von Juan Sebastian Veron und Nestor Sensi von Parma nach Lazio (1999), letzterer im Tausch mit Dino Baggio. 2000 wechselte der argentinische Stürmer Hernan Crespo von Parma zu Lazio. Sein Transferwert betrug damals 110 Milliarden Lire, in den Bilanzen von Tanzi erschienen aber nur 35 Milliarden, dafür erhielt Parma die Lazio-Spieler Almeyda und Sergio Conceicao. Bereits 1998 wechselte Diego Fuser von Lazio nach Parma, der Portugiese Fernando Coute spielte in beiden Vereinen. Die Transfers zwischen den beiden Vereinen resp. deren bankrott gegangenen Besitzerfirmen sind mittlerweilen Gegenstand von richterlichen Untersuchungen.
Zur Gegenwart: Ende Saison hat Parma zahlreiche Abgänge zu verkraften. Geblieben ist Alberto Gilardino, der Shootingstar der letzten Saison, mit 23 Toren zweitbester Torschütze der Serie A. Er verdient jetzt bei Parma 1 Million Euro pro Jahr. Trappatoni nahm den Jungstürmer im Juni trotz bestechender Form nicht mit zur EM nach Portugal – das Ergebnis ist bekannt. Einen Wechsel gab es auf der Trainerbank: Silvio Baldini, von Palermo mitten in der letzten Saison entlassen, ersetzt Cesare Prandelli, der bei der AS Roma für wenige Tage Fabio Capello ersetzte. In letzter Minute ging Parma noch ein grosser Fisch ins Netz: Massimo Maccarone kehrt nach zwei Jahren bei Middlesbrough nach Bella Italia zurück. Woher das Geld für Gehälter und Transfers kommt? Behhh! Prognose: Zukunft ungewiss.

Serie zur Serie A (11). Die Mitspieler: Lecce

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 16. September 2004

Der Verein US Lecce aus der schönen Barockstadt Apuliens gehörte immer wieder der Serie A an; letzte Saison belegte man den zehnten Rang. Dass sich die Rot-Gelben dem Abstieg entziehen konnten, verdankten sie insbesondere einem Mann: dem Stürmer Ernesto Javier Chevanton aus Uruguay und seinen 20 Toren. Das konnte nicht gut gehen: bereits in der laufenden Saison wurde Chevanton mit diversen Klubs in Verbindung gebracht. Zur Überraschung aller wechselte er nicht innerhalb Italiens, sondern ging nach Frankreich zu Monaco. Damit verlieren die Süditaliener ihr wichtigstes Argument im Kampf gegen den Abstieg. In die Lücke springen sollen Samuele Dalla Bona (Atalanta, Chelsea, Milan, Bologna seine bisherigen Stationen) und der Russe Alexei Eremenko von AJK Helsinki. Trainiert werden die Leccesen neu vom tschechischen Kettenraucher Zdenek Zeman, genannt «El Boemo», letztes Jahr in Avelino und zuvor bei Salernitana in der Serie B engagiert. In den 90er Jahren buk Zeman grössere Brötchen, als er Lazio und Roma trainierte und einen Abstecher in die Türkei zu Fenerbahce machte. Aber was interessiert uns dies alles? Wo doch 1998 «unser» David Sesa von Servette zu Lecce wechselte, dort zwei Spielzeiten blieb und jeweils 7 Tore erzielte. Im Jahr 2000 wechselte Sesa zu Napoli, was eine unkluge Entscheidung war. In Lecce war er ein Star, sein Leibchen hing prominent beim Kiosk an der Piazza Sant Oronzo – ein Exemplar ist heute im Besitz des Berner Fan-Lokals Halbzeit. Bei Napoli konnte sich Sesa nie einen Stammplatz erkämpfen, der Verein ging bankrott und versucht einen Neustart in der dritten Liga. Bitter! Und Lecce? Die Südländer müssen sich warm anziehen diese Saison.


Vor dem Anpfiff des Spiels Lecce-Inter 1997. Von den Fotografen umringt: Ronaldo (Foto: Pinarello)

Frisk in Rom

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 16. September 2004

Seit der EM leben Skandinavier in Italien gefährlich. Da nützte es gestern dem schwedischen Schiri in Rom nichts, sich als Young Boy zu verkleiden.

Serie zur Serie A (10). Die Mitspieler: Lazio

Dr. Eichenberger am Dienstag den 14. September 2004

«Was bedeutet Lazio Rom?», fragte sich schon der kleine Klaus Theweleit, wie er im Buch «Tor zur Welt» verrät. Kurz gesagt: Lazio ist nicht Rom, sondern das bourgeoise Gegenteil der AS Roma und benennt sich nach dem italienischen «Kanton» Lazio. In der ewigen Stadt ist man entweder für die Roma oder für Lazio. Also eigentlich für die Roma. Dass Lazio überhaupt in die neue Saison starten darf, würde anderswo an ein Wunder grenzen – nicht so in Italien.
Der Verein in den hellblau-weissen Farben hing lange am Tropf des Unternehmers Sergio Cragnotti, der Lazio 1992 für 24 Milliarden Lire kaufte. Zwei Jahre später übernahm er das Cirio-Imperium und machte sich daran, Firma und Fussballclub in den Ruin zu treiben. Cragnotti richtete bei Lazio stets mit der grossen Kelle an und kaufte bekannte Spieler wie Boksic, Casiraghi, Gasgoine, Veron, Vieri, Signori und Crespo und engagierte illustre Trainer wie Zoff, Zeman, Eriksson, Zaccheroni und Mancini. Die investierten (Schwarz?)Gelder zahlten sich aus: Cup- und Supercup-Sieg Italiens 1998, Gewinn des Cups der Cupsieger und des Supercups Europas 1999, Cupsieger Italiens und zweiter italienischer Meistertitel 2000. Dann ging es bergab, die Cirio-Gruppe war mit 150 Millionen Euro in der Kreide, es folgten Gerichtsverfahren, die Spieler mussten monatelang auf ihre Gehälter warten. Weiter nördlich, in der Rohschinkenstadt Parma, las man von ähnlichen Skandalen, und tatsächlich fand zwischen den beiden Vereinen resp. deren Besitzern ein reger (Spieler)Handel statt – mehr darüber in Folge 12.
Lazio machte hierzulande 1993 auf sich aufmerksam, als der Schaffhauser Roberto Di Matteo überraschend zu Lazio wechselte. Der Zweitgeneratiönler italienischer Abstammung wusste schon damals, was er wollte: Nati-Spieler Italiens werden, und das schaffte er auch. Seine Karriere beendete er schmerzvoll bei Chelsea in London. Seit 1995 hält sich der ehemalige YB-Spieler Guerino Gottardi tapfer im Kader von Lazio. Er kam zwar in den letzten Jahren kaum mehr zum Einsatz (99/2000: 5 mal, 2000/01: 3 mal, 2001/02: 5 mal, 2002/03 und 2003/04: je 1 mal), soll aber gemäss gewöhnlich gut unterrichteten Quellen immer noch soviel verdienen, dass er sich einmal am Tag eine warme Mahlzeit und eine Ausfahrt in seinem Ferrari leisten kann. Tatsächlich verdankt Gottardi sein langfristiges Engagement einem einzigen Tor: Als er 1998 im Cupfinal gegen Milan traf, erhielt er am nächsten Tag von Cragnotti gleich einen neuen (besser dotierten) Vertrag unterbreitet. Wie es Gottardi, abgesehen vom Einkommen, so lange bei diesem Verein aushalten konnte, ist schleierhaft. Viele Lazio-Fans sind als üble Rassisten bekannt, vor deren Angriffen nicht einmal die eigenen Spieler gefeit sind: so wurde der dunkelhäutige holländische Spieler Aron Winter regelmässig mit rassistischen Schmierereien belästigt, als er noch bei Lazio spielte. Liebling dieser «Fans» war der serbische «Sympathieträger» Sinisa Mihajlovic, der seinem Trainer Manchini zu Inter folgte. Als «das Schlimmste, was ich je auf einem Fussballplatz erlebt habe», bezeichnete der schwarze Mittelfeldspieler Vieira nach dem Champions-League-Spiel zwischen Lazio und Arsenal die Hasstiraden seines Gegenspielers Mijajlovic.
Nebst Mihajlovic verkaufte Lazio im Sommer weitere Bestandteile seines Tafelsilbers: Stam zu Milan, Favalli zu Inter, Fiore und Corradi zu Valencia, Albertini zu Atalanta, Lopez zu America Mexiko. Neuerdings geht es beim Verein wieder sauber zu: Lazio ist im Besitz des 45jährigen Unternehmers Claudio Lotito. Der ist u.a. an einer Reinigungsfirma beteiligt. Prognose: Es wird schwer.


Unangenehm aufgefallen: Der langjährige Lazio-Spieler Sinisa Mihajlovic.

Serie zur Serie A (9). Die Mitspieler: Chievo

Dr. Eichenberger am Montag den 13. September 2004

Vor noch nicht langer Zeit, so gegen Ende des letzten Jahrhunderts, geschah es, dass sich der Italienreisende beim Studium der Serie B-Partien fragte, wo denn Chievo liege. Ein solcher Ort liess sich partout auf keiner Landkarte finden. Heute sind wir gewitzt und ziehen längst den Hut vor den Leistungen des kleinen Quartiervereins aus Verona. Jener Stadt, die bisher durch den bekannteren Stadtklub Hellas Verona vor allem für negative Schlagzeilen sorgte. So im Jahr 2001, als der Hellas-Präsident Giambattista Pastorello öffentlich zugegeben hatte, dass er den dunkelhäutigen Stürmer Patrick Mboma aus Angst vor den als äusserst rassistisch bekannten Hellas-Fans nicht verpflichten könne. Bereits früher hatten Verona-Anhänger – mit Ku-Klux-Klan Mützen verkleidet – die Verpflichtung eines Schwarzen verhindert. Inzwischen hat Chievo dem Stadtclub (19. Platz in der Serie B) den Rang abgelaufen. Der Erfolg hat einen Namen: Trainer Luigi Del Neri. Er wurde in den letzten Jahren immer wieder ins Spiel gebracht, als bei einem Grossen der Serie A der Trainerposten frei wurde. Ende Saison packte Del Neri tatsächlich seine Koffer, allerdings mit anderer Destination: er wechselte zum Champions League Sieger FC Porto. Dort wurde er aber nach wenigen Trainings entlassen, noch bevor die Mannschaft 1 Spiel ausgetragen hatte. Der Mann, der das schwere Erbe auf der Trainerbank antritt, heisst Mario Beretta und ist ein Trainer ohne Serie A Erfahrung: Ternana (Serie B) und Varese (Serie C) waren seine letzten Stationen. Die Kohlen aus dem Feuer holen sollen auf dem Platz der Juve-Spieler Matteo Brighi und zwei Spieler, die vom B-Klub Torino kamen: der Stürmer Simone Tiribocchi und der Verteidiger Davide Mandelli. Der Nati-Spieler Simone Perrotta hingegen hat den Verein Richtung Roma verlassen. Prognose: hinteres Mittelfeld.

Blickt schweren Zeiten entgegen: Chievo-Präsident Luca Campedelli.

Serie zur Serie A (8). Die Mitspieler: Brescia

Dr. Eichenberger am Samstag den 11. September 2004

Brescia hat in seiner Vereinsgeschichte noch keine Geschichte geschrieben, das heisst: noch keinen Titel gewonnen, ausser dass der Klub einige Male Meister der Serie C wurde. Im September startet Brescia Calcio zur schwierigen Nach-Baggio-Ära: Il Codino hat die Fussballschuhe bekanntlich an den Nagel gehängt und der Brescia-Trainer Giovanni De Biasi sieht nur eine Möglichkeit, den Ausfall des Ausnahmekönners wett zu machen: mit «griechischem Geist», also hoffen auf ein zufälliges Freistoss- oder Eckballtor. Helfen soll ihm dabei der neue Stürmer Giuseppe Sculli von Chievo. Bei Brescia gelandet ist auch der Servettien Fabrizio Zambrella. Ein Stammplatz ist aber für den jungen Mann mit der Rückennummer 21 nicht in Sicht. Nicht mehr bei Brescia ist der österreichische Torwart Alexander Manninger, der von Bologna auf die neue Saison an die Blau-Weissen ausgeliehen werden sollte. «In Brescia hat schon nach dem zweiten Tag nichts gepasst, es war auch ein bisschen rassistisch», begründet Manninger seinen raschen Abgang. Er darf jetzt in Siena die Bälle fangen. Prognose: Abstiegsgefahr.

Seltenheit: Tor gegen Milan-Goali Dida. Giuseppe Sculli gelingt es.

Serie zur Serie A (7). Die Mitspieler: Bologna

Dr. Eichenberger am Freitag den 10. September 2004

Bologna ist nach den letzten Kommunalwahlen wieder in linker Hand, nachdem selbst die traditionell rote Stadt kurzzeitig vom Berlusconi-Virus befallen wurde. Fussballmässig zerreist der Bologna FC in letzter Zeit keine grossen Stricke. Uns bleibt in Erinnerung, dass hier Kubilay Turkilmaz zwischen 1989 und 1993 in 83 Partien 21 Tore schoss und im Jahr 2000 in Brescia nochmals auf Italiens Rasen stürmte (das wird in der Folge 8 dann nicht mehr erwähnt). In dieser Saison werden die Erwartungen in Bologna einmal mehr nicht sehr hoch geschraubt. Dem 67jährigen Trainervater Carlo Mazzone stehen mit dem 36jährigen Beppe Signori (verabschiedete sich aus Italien und geht nach Saloniki – sic!) und dem Japaner Nakata (wechselt zu Aufsteiger Fiorentina) zwei wichtige Kräfte nicht mehr zur Verfügung. Eingekauft wurden u.a. der Mittelfeldspieler Federico Giunti (früher Parma, Milan, Brescia und zuletzt mit Besiktas Istanbul in der Champions League engagiert) und der Grieche (!) Theodoros Zagorakis von AEK Athen. Mazzone erwartet eine schwierige Saison und liess verkünden: «Für Roberto Baggio habe ich die Nummer 10 schon bereit, falls er weitermachen will.» Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zu einem unteren Mittelfeldplatz sollte es wohl auch ohne Baggio reichen.

Wo ist Roberto? Bologna-Trainer Carlo Mazzone

Serie zur Serie A (6). Die Neuen: Palermo

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 9. September 2004

Ein frischer Südwind weht ab dem 12. September durch die Serie A. Neben Messina steigt mit Palermo ein zweiter Klub aus Sizilien in die höchste Klasse auf. Die beiden Vereine bilden mit den Apuliern aus Lecce, den Sarden aus Cagliari und den Kalabresen aus Reggio Calabria ein lange Zeit vermisstes Gegengewicht zu den dominierenden Clubs aus dem reichen Norden. Palermo verschwand 1973 aus der Serie A und galt seither als stabiler B-Klub mit gelegentlichen Abstechern in die Serie C. Letztmals sorgte 1979 der Einzug in den italienischen Cubfinal für Emotionen, der gegen Juve verloren ging. Gefeierter Spieler der Aufsteigermannschaft war Stürmer Luca Toni (2001 von Brescia nach Palermo gewechselt), der im ersten Jahr auf Sizilien 30 Tore schoss – und jetzt, mit 27, auch in der Nati für Furore sorgt. Nach dem ungefährdeten Aufsteig der Rosa-Schwarzen hat der Präsident Maurizio Zamparini tüchtig in seinen Geldbeutel gereckt und für 18 Mio € über 20 neue Spieler gekauft, darunter den 22jährigen brasilianischen Verteidiger Adriano Pereira da Silva von Gremio und den 23jährigen argentinischen Mittelfeldspieler Mariano Nicolas Gonzales von Racing Avellaneda. Trainiert wird Palermo weiter von Franceso Guidolin, einem Serie A erfahrender Trainer. Er ahnt schon, was in dieser Saison auf den Aufsteiger zukommt: «Es wird hart werden wie eine Bergetappe, wir müssen in die Pedale treten.» Der Aufstieg hat Palermo in Entzückung versetzt: der Verein hat über 30 000 Saisonabonnemente vekauft. Prognose: Sicherer Mittelfeldplatz.

So sieht ein glücklicher Fussballpräsident in Sizilien aus: Maurizio Zamparini, Presidente del Palermo