Archiv für die Kategorie ‘Serie A’

Vorteil Inter

Dr. Eichenberger am Freitag den 8. September 2006

Die krisengeschüttelten italienischen Vereine nehmen am Samstag den Meisterschaftsbetrieb auf. Favorit auf den Scudetto ist Inter Mailand. Das Team wurde erheblich verstärkt und die Konkurrenz geht mit Minuspunkten an den Start. Oder tritt gar nicht erst an.

Wenn am Samstag die Meisterschaft der Serie A angepfiffen wird, werden die Spieler von Inter mit dem Italien-Wappen auf der Brust aufs Feld laufen. Den Titel haben die Blau-Schwarzen nach dem Bestechungsskandal quasi in der Lotterie gewonnen. Jetzt will Inter-Besitzer Massimo Moratti nach 1989 endlich wieder auf dem grünen Rasen gewinnen. Der Padrone hat einmal mehr seine Schatulle grosszügig geöffnet und nicht zu knapp neue Spieler gekauft. Die Verteidigung wurde mit Weltmeister Grosso (Palermo) verstärkt, das Mittelfeld mit Vizeweltmeister Vieira (Juventus), der Sturm mit Ibrahimovic (Juventus) und Crespo (Chelsea). Neben den beiden letztgenannten stehen dem Trainer Mancini im Sturm noch Leute wie Adriano, Cruz und Recoba zur Verfügung.

Die Aktien Inters stehen gut. Mitkonkurrent Juventus Turin muss sich nach der Zwangsrelegation in den Niederungen der Serie B herumschlagen. Und der Stadtrivale Milan startet mit acht Minuspunkten in die Saison. Die Rot-Schwarzen müssen zudem den Abgang von Shevchenko (zu Chelsea) verkraften. Der Ukrainer wurde durch den Brasilianer Oliveira ersetzt, den Milan kurz vor Ladenschluss von Betis Sevilla übernommen hat. Alle Bemühungen, einen Klassestürmer zu verpflichten, verliefen im Sande – Ronaldo, Ronaldinho, Eto’o und Drogba wurden von ihren Clubs nicht freigegeben.

Wer bleibt sonst noch im Rennen um den Titel? Die AS Roma – vielleicht. Sie hat sich mit Pizarro (Inter) und Vucinic (Lecce) leicht verstärkt. Wohl kaum die Fiorentina. Die Toskaner haben zwar den Abgang ihres Stürmers Luca Toni (zu Inter!) – vorerst – verhindern können, starten aber mit 19 Verlustpunkten in die Saison.

Fazit: Es zeichnet sich ein Mailänder Duell ab. Mit klaren Vorteilen für Blau-Schwarz.

Mailänder Derby: Inter vs Milan (von links: Kaladze, Pirlo, Figo).

Auf los gehts los

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 31. August 2006

Jetzt haben auch die Italiener beschlossen, wieder Fussball zu spielen. Gestern wurde der Spielplan der Serie A für die Saison 2006/07 veröffentlicht.

Am 10. September gehts los, und zwar gleich mit dem Duell zweier bestrafter Mannschaften. Milan, mit 8 Verlustpunkten gebüsst, trifft im San Siro auf Lazio Rom, das mit 11 Minuspunkten in die Saison startet. Das erste Duell der Grossen gibt es bereits in der dritten Runde: am 20. September treffen in Rom die AS Roma und Inter aufeinander. Das Mailänder Derby ist auf den 29. Oktober angesetzt.
Die Partien des ersten Spieltags:
Torino-Parma
Atalanta-Ascoli
Sampdoria-Empoli
Roma-Livorno (bereits am 9. September)
Palermo-Reggina
Milan-Lazio
Messina-Udinese
Fiorentina-Inter (bereits am 9. September)
Chievo-Siena
Cagliari-Catania.
Viel Vergnügen!

Unser Bild: Kaka gegen Lazio.

Kommt es zum Traum-Duo?

Dr. Rüdisühli am Montag den 14. August 2006

Grosse Aufregung auf der Redaktion des Runden Leders: wechselt Ronaldo womöglich zu Milan?

Auf der Redaktion des Runden Leders ist Hektik ausgebrochen. Herr Noz hat bereits notfallmässig den Prosecco vorgekühlt und Tischbomben, Girlanden und Plastiknasen eingekauft. Italienkorrespondent Dr. (Pirlo) Eichenberger hängt nonstop an seinen drei serbischen Handys und tigert nervös die Redaktionsstuben auf und ab. Christian (Rrronaldo) Zingg, der gegenwärtig im Lande des Europameisters das Stadion des nächsten Champions League Finals inspiziert, rechnet stündlich damit, seine Ferien abzubrechen und in Bern vor die Medien zu treten.

Erwies sich im Sommer das Gerücht, wonach der Weltmeister Pirlo von Milan zu Real Madrid wechseln werde, als dummes Geschwätz, hält sich neuerdings in den Gazzetten hartnäckig die Meldung, Milan wolle den dreifachen Weltfussballer und ewigen WM-Torschützenkönig Ronaldo verpflichten. Das wirft Fragen auf und löst Emotionen aus: Werden die beiden Redaktoren Eichenberger und Zingg am 23. Mai 2007 nicht als Gegner, sondern als Teamkollegen nach Athen reisen? Wir werden sehen, bleiben Sie dran!

Weltmeister und Weltfussballer: Pirlo und Ronaldo.

Wie Banditen

Dr. Eichenberger am Mittwoch den 26. Juli 2006

AKTUELL: Inter zum italienischen Meister 2006 ernannt


Hörbares Durchatmen in Italien am Tag nach der Urteilsverkündung der Berufungsinstanz. Der CEO von Milan griff gar zum Zweihänder.

Nach dem milden Urteil – Milan startet mit nur 8 Minuspunkten in die neue Saison und spielt in der Champions League – schwor der von Real Madrid heftig umworbene Mittelfeldstar Kakà den Rosso-Neri ewige Treue. Mehr noch: er liess verlauten, er wäre in jedem Fall bei Milan geblieben, auch wenn das erstinstanzliche Urteil bestätigt worden wäre.
Milan-Boss Adriano Galliani, der die gute Nachricht verkündete, nutzte die Gelegenheit, die neue Real-Führung frontal anzugreifen. «Calderon, Mijatovic und Baldini haben sich wie Banditen aufgeführt», schimpfte er. Galliani spielt darauf an, dass der neu gewählte Real-Präsident Calderon in seinem Wahlkampf versprochen hatte, Kakà nach Madrid zu holen und in den letzten Tagen alles daran gesetzt hat, sein Versprechen einzulösen. «Das Vorgehen von Real können wir nicht akzeptieren», ereiferte sich Galliani weiter, «nie wird einer unserer Funktionäre je mit diesem Real verhandeln.» Und, damit es allen klar ist: «Kakà wird nie für Madrid spielen.»

Keine Verhandlungen mit Madrid: Adriano Galliani.

Teilerfolg

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 25. Juli 2006

Der unermüdliche Einsatz unseres Dr. Eichenberger war nicht umsonst.
Die Berufungsinstanz im Maxiprocesso hat die Urteile gegen vier Serie A-Klubs erheblich entschärft.

Mit einer halben Stunde Verspätung verkündeten heute abend die Richter in Rom folgende Urteile: Juventus wird in die Serie B verdammt und startet mit 17 Minuspunkten in die neue Saison. Fiorentina und Lazio bleiben in der Serie A und starten mit 19 respektive 11 Minuspunkten in die neue Saison, Milan mit 8 Minuspunkten. Milan, Fiorentina und Lazio wurden in der abgelaufenen Saison je 30 Punkte abgezogen. Milan belegt im neuen Klassement neu den 3. Rang und wird die Champions League bestreiten dürfen.
In einer kurzen Stellungnahme erklärte Dr. Eichenberger dem Runden Leder exklusiv am Telefonino: «Die milden Urteile gegen Juve, Lazio und Fioretina erstaunen uns. Wir haben immer gesagt: die Schuldigen müssen bestraft werden …. si, si – vengo subito… die Schuldigen, hart und schonungslos, aber doch nicht die Opfer! Mit ihrem Entscheid, Milan die Champions League bestreiten zu lassen, haben die Richter es vermieden, ganz Europa zu bestrafen.»
An der Börse hat man die milden Urteile vorausgesehen: Noch vor der Veröffentlichung schossen die Aktien von Juventus und Lazio in die Höhe.

Unermüdlicher Einsatz: Dr. Eichenberger (zweiter von links) mit seinen Beratern auf dem Weg zum Tribunale.

Gerechte Urteile

Dr. Eichenberger am Freitag den 14. Juli 2006

SENSATION IN GRENCHEN: Shi Jun schiesst am Uhrencup zwei Tore für YB zum 3:0-Sieg gegen Köln


Unser Fachmann für Milan kommentiert die Urteile im Calciogate.

“Sehr geehrte Damen und Herren, die strengen Strafen gegen Juventus (Serie B, -30 Punkte) , Fiorentina (B/-12) und Lazio (B/-7) erfüllen mich mit Genugtuung. Es wurde gesündigt, die Fans wurden an der Nase herumgeführt, Strafe muss sein. Wir rufen die Verantwortlichen der Klubs auf, diese Urteile zu akzeptieren und Busse zu tun.

Aufgrund von Missverständnissen wurde auch die AC Milan bestraft; sie startet in die Serie A mit -15 Punkten und soll in der neuen Saison keine Champions League spielen dürfen. Aus Sorge um den europäischen Fussball, der ohne Milan nicht existieren kann, werden wir dieses skandalöse Urteil anfechten und sind zuversichtlich, auch im neuen Jahr in der Königsklasse mitfiebern zu können.

Ich danke Ihnen und wünsche Ihren einen schönen Abend.”

Hätte und wäre

Dr. Eichenberger am Montag den 15. Mai 2006

In Italien sind auf dem grünen Rasen die letzten Entscheidungen gefallen. Juventus Turin hat sich wie erwartet zum 29. Scudetto telefoniert. Die Ersten dürften diesmal allerdings die Letzten sein.

Die «Alte Dame» aus Turin galt in fast allen Prognosen als Titelanwärterin. Auch das Runde Leder lag nicht falsch, als es am 27. August voraussagte: «Milan kann es sich nicht mehr erlauben, bei den Kleinen wichtige Punkte zu verlieren. Juve wird die kleinen Gegner weiterhin hartnäckig mit 1:0 besiegen und bleibt Favorit Nr. 1. Die Wundertüte Inter muss sofort Erfolge aufweisen, sonst feiert der Trainer Weihnachten nicht im blau-schwarzen Familienkreis. Hinter den unheimlichen Drei werden Fiorentina, Roma und Udinese die Plätze unter sich ausmachen.»
So kam es auch. Fast: Über der monatelangen Erfolgsserie von Juventus liegt der Schatten der Schiedsrichterbestechung. Bereits ist die gesamte Vorstandscrew der Turiner zurückgetreten, inklusive Klub-CEO Antonio Giraudo und Manager Luciano Moggi (im Bild), der als Dauertelefonierer die Juve und den Fussball Italiens tief in den Schlamassel geritteten hat. Mehr erfährt man aus Turin nicht, die Klubverantwortlichen, der Trainer und die Spieler verschanzen sich seit Wochen hinter einem Medienboykott: niemand sagt etwas. Zu niemandem. In den Medien gilt der Zwangsabstieg von Juve bereits als beschlossene Sache. Der Italien-Spezialist der NZZ berichtete gestern von einem «Mafia-ähnlichen Netzwerk», das der Juve-Manager Moggi aufgezogen hat. In den Fernsehstationen wurde kurz nach Abpfiff der letzten Runde vom «Ende der Juve-Aera» gesprochen, und die «Gazzetta dello Sport» hat bereits ausgerechnet, dass Juventus in der Serie B auf Einnahmen von 300 Millionen Euro verzichten muss.
Gerechnet hat auch der Inter-Trainer Roberto Mancini, der überraschenderweise noch immer auf seinem blau-schwarzen Sessel sitzt – bereits diese Woche aber von … Juve-Trainer Fabio Capello abgelöst werden dürfte. Mancini wagte die Behauptung: «Ohne die skandalösen Absprachen hätte Inter sehr wahrscheinlich zwei Meisterschaftsspiele mehr gewonnen.» Demnach wäre Inter auf 82 Punkte gekommen, Juventus hätte sechs Punkte weniger erspielt, total also 85. Die wahre Rangliste sähe demnach so aus: 1. Milan 88 Punkte, 2. Juve, 3. Inter. Indes, wir wissen es: die Welt ist ungerecht. Auch in Italien.

juve

Tröstlich: Auch in der neuen Saison muss Juve nicht auf die traditionellen Streifen verzichten.

Absteiger Juve?

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 11. Mai 2006

Noch ein Unentschieden trennt Juventus Turin vor dem Meistertitel. Ungemach droht der Alten Dame weniger vom letzten Gegner Reggina, als vielmehr von den Gerichten.

Der Bestechungsskandal im italienischen Fussball zieht immer weitere Kreise: Neun Klubs sind gegenwärtig im Visier der Staatsanwaltschaft: Juventus, Fiorentina, Lazio, Udinese, Messina, Siena (alle Serie A) sowie die B-Vereine Arezzo, Crotone und Avellino. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Juve-Sportchef Luciano Moggi und seine Intrigen bei Transfers von Spielern und die Beeinflussung von Schiedsrichtern.
Drei der angeklagten Vereine riskieren laut Indiskretionen den Zwangsabstieg. Spekuliert wird nun im südlichen Nachbarland, ob sich darunter auch die Alte Dame aus Turin befindet. Diese muss am Sonntag in der letzten Runde gegen Reggina mindestens ein Unentschieden erreichen, um sich den Scudetto aus eigener Kraft vor der AC Milan zu sichern. Erstaunlich, dass die Justiz ausgerechnet in Turin und nicht in Mailand ermitteln muss. Sollte man doch meinen, dass, wer Richter besticht, eigentlich mit links (oder rechts?) auch Schieds-Richter kauft.

Bella Napoli!

Dr. Eichenberger am Dienstag den 9. Mai 2006

Ein weiterer blau-weisser Klub hat Grund zum Feiern: der Traditionsverein Napoli ist am Wochenende in die Serie B aufgestiegen. Das Runde Leder schickt ein Ständchen in die Stadt der Pizza (jetzt alle mitsingen).

Ein 1:1 gegen Lanciano genügte dem Klub, bei dem Ende der 80er Jahre ein gewisser Diego Maradona zauberte, um die Niederungen der Serie C zu verlassen. Die Durststrecke der Süditaliener dauerte lange: 2001 stieg der SSC Napoli in die Serie B ab und konzentrierte sich fortan darauf, Schulden anzuhäufen, bis er im Sommer 2004 unter einer Last von 70 Millionen Euro zusammenbrach und Konkurs anmelden musste. Unter dem unschönen Namen Napoli Soccer wurde in der Serie C1 unverzüglich ein Neuanfang gestartet.
Ein ähnliches Schicksal ereilte schon die Fiorentina: Die Toscaner haben es nach ihrem Neustart innert kurzer Zeit geschafft, von der Serie C in die Serie A zurückzukehren. Am kommenden Wochenende kämpfen sie in der letzten Runde bereits wieder um den vierten Champions League-Platz.

B statt C: Napolis Kicker im Aufwind.

Nutzloser Besuch

Dr. Eichenberger am Freitag den 14. April 2006

Die Fans von Inter Mailand wollen heute streiken. Sie bleiben dem Derby gegen Milan frei.

Heute abend soll die Inter-Kurve im San Siro-Stadion leer bleiben. Das haben die Inter-Fanklubs beschlossen. Mit ihrem Fernbleiben protestieren sie gegen das blamable Champions-League-Aus ihres Teams im Viertelfinale gegen Villarreal. Gleichzeitig wollen die Fanklubs verhindern, dass sich Krawallmacher unter sie mischen und ihre Fanklubs in Verruf bringen. «Wir wollen nicht, dass Fremde die Möglichkeit bekommen, unter uns zu agieren, so dass nachher der Fankurve die Schuld dafür gegeben wird», sagte der Fanklubchef Franco Caravita. Caravita unterstrich die tiefe Enttäuschung der Fans über die Leistungen ihrer Mannschaft. «Wir haben genug von diesen nutzlosen Siegen wie in Ascoli oder dem Einzug ins italienische Cup-Finale. Wir fordern wichtige Erfolge.» Ein Sieg gegen Milan wird offenbar nicht als wichtig eingestuft – immerhin geht es um den zweiten Tabellenplatz.
Eine weitere gute Nachricht ereilt Milan aus Barcelona: der Jungstar Lionel Messi fällt nächste Woche im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales aus. Das Runde Leder wünscht ihm baldige Genesung.

Tiefe Enttäuschung: Randalierende Inter-Fans.

Basta!

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 13. April 2006

Die Mannschaft weiterhin erfolglos, die Fans nicht mehr zu kontrollieren: jetzt hat der Inter-Besitzer Massimo Moratti offenbar genug.

Wieder blickt Inter auf eine enttäuschende Saison zurück, wieder wird die Mannschaft keinen Blumenstrauss gewinnen – allenfalls den bedeutungslosen italienischen Cup. Die Inter-Fans sind ausser Rand und Band: sie fallen mit rassistischen Parolen auf und greifen die eigenen Spieler handgreiflich an.

Jetzt hat der Inter-Padrone Massimo Moratti offenbar genug: der steinreiche Unternehmer, der sein Geld im Ölgeschäft verdient, lässt verlauten, er denke über einen Verkauf seines Lieblingsspielzeuges nach. «Wenn jemand Inter übernehmen will: ich verkaufe», sagte er der «Gazzetta dello Sport»

Ausser Spesen nichts gewesen, wird er in seine Memoiren schreiben können: über 570 Millionen Euro hat er in den letzten 11 Jahren in neue Spieler investiert, Jahr für Jahr seine Mannschaft ausgewechselt, Trainer im Halbjahrestakt verschlissen. Alles umsonst. Nach dem Verkauf hätte Moratti nur noch ein Problem: was macht er bloss mit dem vielen Geld?

Die Mauer von Mailand

Rrr am Sonntag den 12. Februar 2006

Die Juve-Mauer sieht irgendwie bescheuert aus, aber an der Mannschaft gibts nichts auszusetzen: Mit einem 2:1-Sieg bei Inter Mailand führte Juventus heute abend die Vorentscheidung um die italienische Meisterschaft herbei.

Und das 13 Runden vor Schluss. Auguri, Juve!