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Achtung Aguardiente

Herr Winfried am Mittwoch den 17. Mai 2023

Schon wieder Fussballbesuch in ferner Welt! Wir schwenken von Kenia nach Kolumbien, in die berüchtigte Grossstadt Medellín…

… da steht das Estadio Atanasio Girardot, Heimstätte beider Stadtklubs von Medellín, mit 52’875 Plätzen. Nur ein kleiner Teil der Sitze ist überdacht. Auch auffallend: die Blumen am Spielfeldrand.

Atlético Nacional nennt sich ganz unbescheiden «der grösste und beliebteste Club Kolumbiens». Wobei sie auch nicht so schlecht sind: 17 Meistertitel, dazu hat Nacional zweimal die Copa Libertadores gewonnen. In dieser Saison läuft es bisher so mittelmässig. Gegen Junior de Barranquilla war Nacional aber klar Favorit.

Nun zu den Details dieses Spielbesuchs:

Besammlung drei Stunden vor dem Spiel beim Imbiss «Pollos Nachos». Dort wird gebödelet, weil nebenan gibt’s stabiles Dosenbier für zirka 60 Rappen, dazu tingelt Tourguide Nicolas durch die Tourist:innengruppe und verteilt Aguardiente-Shots.

Ärgernis des Tages: im Stadion ist Alkoholverkauf nicht erlaubt. Und mit reinnehmen darf man es auch nicht. Drinnen gibt’s nebst Süssgetränken alkoholfreies Bier, das ist aber ungeniessbar.

Freude des Tages: Als wir auf den Rängen stehen, raunt uns ein Verkäufer zu. Er habe Aguardiente im Tetra Pak dabei. Zuerst will er umgerechnet 20 Franken. Bei 6.- willigen wir dann ein.

Prominenz des Tages: Die meisten Spieler sind in Europa eher unbekannt. Bei Junior sticht Carlos Bacca heraus (36, ehemals Milan, Sevilla, Villarreal), bei Atlético Nacional Captain Cristian Zapata (36, früher Udinese, Milan und Villarreal).

Tor des Tages: Gästespieler Didier Moreno profitiert von einem Missverständnis in der Abwehr der «Verdolagos» und erzielt das 0:1. Dabei bleibt es, auch weil das Heimteam später noch einen Penalty verschiesst.

Besser als das Gebotene auf dem Rasen war die Stimmung, obwohl das Stadion nur etwa halb voll war. Im Singen und Hüpfen sind die Colombian@s gut und ausdauernd. Einmal zünden die Gästefans Rauchpetarden. Frage an den Sicherheitsaufpasser in gelber Weste: – «Ist das verboten?» – «Ja.» – «Und hat das nun Konsequenzen?» – (lacht) «Nein.»

Zum Abschluss können Sie nun noch einige Bilder dazu betrachten.

  • Die Heimkurve rollt ein Transparent aus.

  • Blick auf die Gästefans aus der Küstenstadt Barranquilla.

  • vor dem Spiel: hübsche Graffitis...

  • Die Polizei kommt auch hier hoch zu Ross.

  • Drinnen: Blick auf den Verpflegungsstand.

  • Bier gibt es leider nicht, dafür jede Menge Süssgetränke.

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25 Kommentare zu “Achtung Aguardiente”

  1. Durtschinho sagt:

    Ein interessanter Bericht, Herr Winfried. Aber nun zur Information, dass das Zünden von Pyros zwar verboten, aber folgenlos bleibt – mit Verlaub, das sind doch Drittweltzustände,. und wenn wir nicht aufpassen, sind wir hierzulande auch bald so weit!

  2. Renz sagt:

    «Pollos Nachos»

    Jetzt habe ich Pollos Hermanos gelesen. Ich brauche einen dritten Kaffee.

    Das Gender@ ist raffiniert. Sehe ich zum ersten Mal.

    Und ich liebe die Berichte aus fernen und nahen Ländern. Es lebe die RL-Reisekasse!

  3. El Tren sagt:

    Schon wieder ein toller Blick über den Tellerrand! Qualitätspresse aulait aulait! Ich vermute, das RL investiert dafür die Meisterprämie. Oder die Spesenkasse für Rothrist.

  4. Znuk sagt:

    Dieses Aguardiente kam mir in Südamerika nicht in die Hände. Man erblindet. Teufelszeugs.

    Im Tetrapack? Clever.

  5. Natischer sagt:

    Auch mein Gedanke, Herr Durtschinho. Ich geh davon aus, dass Fürio-Zeugs aber auch in Südamerika in 1. Linie stinkt und stuhl ausschaut.

    Blumen am Spielfeldrand

    Interessanter Ansatz. An unseren Spielfeldrändern ist Gras verbreiteter.

  6. gavagai sagt:

    Was würde Herr Blatter wohl über Südamerika sagen? Vielleicht Samba, Drogen und Couverts?

  7. dres sagt:

    Nach diesem Tollen Bericht habe ich definitiv Lust auf ein Aguardiente. Das bedeutet doch sicher Rugenbräu auf Spanisch. Und das mit den Blumen ist sehr romantisch. Bei uns könnten wir Plastikblumen an den Spielfeldrand stellen.

  8. Shearer sagt:

    Toll, schon sieben Kommentare, und noch kein billiger Witz über weisses Pulver und so.

  9. PeriphErich sagt:

    Wo denken Sie hin, Herr Shearer. Weisses Pulver ist in COL Cash Crop und ausschliesslich für den Export bestimmt.

  10. PeriphErich sagt:

    Wobei dann ev. doch lieber weisses Pulver als aguardiente oder abgestandene Chicha.

  11. Fallrückzieher sagt:

    Erneut ein sehr wunderbarer Beitrag. Vielleicht ein wenig viel Senf grün und weiss, aber sonst wirklich wunderbar. Ich danke Ihnen.

  12. dres sagt:

    Was ich mich die ganze Zeit frage: Haben die das mit dem ohne Dach in Barcelona abgeschaut, oder regnet es in diesem Medellin nie, oder ist es ihnen wegen des weissen Pulvers komplett egal?

  13. Durtschinho sagt:

    noch kein billiger Witz über weisses Pulver und so

    Dabei soll es auch bleiben. Lieber ein Naturfilm:

  14. Alleswisser sagt:

    Guatapé-Wabern-Medellin

    Unglaublich was sich Herr Winfried für das Klima RL antut. Herzl Gratul Dank dafür.

  15. Natischer sagt:

    kein billiger Witz über weisses Pulver und so

    An unseren Spielfeldrändern ist Gras verbreiteter ging ja schon ebiz in diese Richtung, Herr Shearer.

  16. Winfried sagt:

    Weisses Pulver ist glaub aus der Mode. Ich nahm zumindest keines – Aguardiente war schon genug grenzwertig. Wie Herr znuk es sagt.

  17. Natischer sagt:

    aus der Mode

    Wenn ich alben die Toiletten und manche Besucher im Sektor D anschaue, komme ich zu einem anderen Schluss, fürchti.

  18. Shearer sagt:

    Also bitte, Herr Natischer: mit Juflipulver macht doch Pyro erst richtig Spass!

  19. Durtschinho sagt:

    Herr Shearer, es ist doch mit dem Puder wie mit den Pyros: Wichtig ist ein sorgfältiger Umgang!

  20. Natischer sagt:

    Und dann sieht das dann gar nicht mehr stuhl aus und stinkt auch nicht mehr … Hmm. *abwäg*

  21. Durtschinho sagt:

    Vielleicht gibt es Stinkfackeln, die gleichzeitig mit dem Stink auch Puder streuen?

  22. Winfried sagt:

    Ich meine drüben in Südamerika, Herr Natischer. Bei dem stetig wachsenden Bedarf hierzulande bleibt im Herstellungsland wohl kaum mehr was übrig.

  23. Renz sagt:

    Wenn ich alben … manche Besucher im Sektor D anschaue

    Herr Bombadil ist clean, ich schwör’s!

  24. Lars: L sagt:

    Ein herrvorragender Beitrag.

    Ist das nicht gefährlich in diesem Südamerika? Da sterben doch reihenweise Leute!

  25. Znuk sagt:

    Ich hatte es überlebt Herr :L