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Saftiger Samstag

Briger am Montag den 8. Juni 2020

YB rief zur Blutspende – und die Mengen flossen dem amtierenden Meister nur so zu. Erleben Sie in dieser Reportage, wie es unserem Abonnenten Herr Durtschinho lief.

Samstag, 6. Juni, 11 Uhr; mit klopfendem Herzen stehe ich vor dem Wankdorfstadion. Tausend Gedanken jagen durch meinen Kopf: Wird mein Blut auch wirklich YB zugutekommen? Oder geht mein Lebenssaft zur Konkurrenz? Wird «man» mir versuchen, beim Einnadeln gleich den Bill-Gates-Chip zu implantieren? Als mündiger Bürger werde ich mir die Freiheit nehmen, mir meinen Teil zu denken, man hört und liest ja so Einiges!

Fröhlich knattert das Spendefähnlein im Wind – diese Treppen führen zur Nadel!

Nach einem steilen Aufstieg zum Sektor A melde ich mich bei der Dame in Schutzmaske an, indes – höchstens fünf Minuten vor Anstich sei es ihr gestattet, mich tiefer in das Stadion zu lassen, Corona, Sie ahnen es!
Also auf einen Prä-Spenden-Kaffee in das Coop-Restaurant, wo ich gleich hinter Nicolas Moumi Ngalameu, Christopher Martins Pereira und Ulisses Garcia anstehe, die sich vor dem Testspiel gegen Lausanne eine kleine Stärkung gönnen. Wenn die wüssten, was ich gleich für ihren Verein leisten werde! Aber ich «brauche es nicht» und lasse die drei Spieler in Ruhe ihre Mahlzeit einnehmen.

Jetzt geht es los – von Allmen dankt mir schon mal präventiv.

11.20 Uhr, die Treppe hinauf zum Empfang. Hände einreiben, nochmals eine Treppe bis zur Gstaad Lounge – wo sonst die Reichen und Schönen Häppchen schnabulieren und sich an Alkoholika laben, haben sich die Fachkräfte der Interregionalen Blutspende SRK breitgemacht. Ist es hier, wo sich Herr Rrr jeweils in der Kaviarwanne suhlt? Ob er an dieser Stätte mit Herrn Shearer den berühmten Wassersketch eingeübt hat? Gänsehaut pur!

Jetzt aber überstürzen sich die Ereignisse: Formular ausfüllen, Hämoglobinwert bestimmen, Blutdruck messen, Mini-Toblerone und Traubenzückerli in Empfang nehmen, und schon führt mich eine maskierte YB-Dame zu meiner Liegestätte. Wie ich später durch das Gespräch am Nachbarschragen erfahre, ist sie Physiotherapeutin für das Damenteam.

Von meinem Schragen habe ich einen wunderbaren Blick auf einen der zahlreichen Bildschirme, auf denen YB-Spieler in Endlosschleife Tore erzielen – schöner Spenden ward nie gesehen!

Wenn es läuft, dann läuft es.

Aber jetzt Auftritt Frau Küng vom Blutspendedienst. Frau Küng verwickelt mich in ein Gespräch, ich wickle zurück; wieviel Blut denn heute so zusammenflössen? Man rechne mit rund 200 Litern, sagt die Frau vom SRK nach kurzem Nachdenken. Und wieviel Lebenssaft mir denn, zusammen mit den Röhrlein, die für verschiedene Tests befüllt werden, abgenommen werde? Etwa einen halben Liter, erfahre ich. Ein halber Liter = 500cl – es ist sicher «nur ein Zufall» dass die 500 auch im Namen des neuen Hauptsponsors von YB vorkommt! Aber ich lasse mir nichts anmerken, fixiere den Bildschirm und aus dem Augenwinkel meinen Ellbogen.
Mit geschicktem Stellungsspiel nähert sich die Nadel mit Frau Küng meiner linken Armvene. Eiskalt abgeschlossen – da weiss eine, wo die Ader liegt!

Für einmal dominiert Rotblau im Wankdorf.

Das wippende Gerät unter meinem Schragen schaukelt die Spende problemlos nach Hause. Dramatische Szenen neben mir, wo ein Spender mit hochgelagerten Beinen und einem kalten Lappen auf der Stirn von seiner Partnerin und immer mehr Personal umringt wird. Aber jetzt gilt es, mich auf den Abschluss meiner Spende zu fokussieren!

Mit einem farblich ziemlich gelungenen Verband am Arm wechsle ich in den hinteren Bereich der Lounge.

Sitzt.

Dort werden Getränke sowie Sandwiches gereicht und Fotos mit allerhand Promis geknipst.

Ein Herz für Kinder.

Der Kreislaufkollaps vom Schragen nebenan ist mittlerweile auch hier, er sieht doch deutlich besser aus als vor einer Viertelstunde.
Zu guter Letzt werde ich noch mit einem formschönen Geschenktäschlein bedacht. Es enthält nebst einem Pin ein Duftbäumchen in Fussileibchenform und eine Tafel Schokolade.

Warum eigentlich nur heute?

Wie war es? Es war schön. Es war sinnvoll. Gerne wieder mal, auch anlässlich eines Fussispiels.

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23 Kommentare zu “Saftiger Samstag”

  1. Je sagt:

    Sehr schöner Bericht, in der Tat.

  2. dres sagt:

    Solche Spender braucht das Land. Guten Morgen.

  3. passiver attacker sagt:

    jetzt hab ich emotionen.

  4. Frau Götti sagt:

    Sehr schöne Herr Durtschinho, und vor allem so bedeutsam und wichtig für die Gesellschaft.

  5. Alleswisser sagt:

    schöner Bericht, heldenhafte Parade Tat

  6. Hermann sagt:

    Was für eine Reportage! Mit richtigen Blut und nicht nur wieder Herzblut! Dieser von Allmen da wo präventiv dankt, steht der in irgend einem Zusammenhang zu Herrn Dr. Abdi Almen-Lafti?

  7. Durtschinho sagt:

    Vielen Dank, aber sooo heldenhaft war das auch wieder nicht, ohne Frau Küng und YB und die Physio und überhaupt wäre das alles gar nicht möglich gewesen!

    Hören Sie nun ein paar Takte Musik:

  8. spitzgagu sagt:

    Ich hoffe sehr, Sie haben umgehend einen halben Liter “nachgefüllt”, Herr Durtschinho. Besser zwei halbe, zur Sicherheit.

  9. Durtschinho sagt:

    Sie meinen, wenn ich verantwortungsvoll auffülle, kann ich nächsten Samstag wieder gehen?

  10. dres sagt:

    Und das ist ja dann auch das Beste beim Blutspenden: Das Apero danach fährt umso besser ein.

  11. gavagai sagt:

    Es freut mich, Herr Durtschinho, dass sie diese aufwühlenden Erfahrungen so schnell verarbeiten konnten; ich vermute, dass das Verfassen dieses wunderbaren Textes dabei einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

  12. Natischer sagt:

    Prächtigstmöglicher Blutspendebericht, Herr Durtschinho!

    Im Blutspendezentrum Bern kann man übrigens ganzjährig sein Blut spenden. (Leider nur 4x/jährlich, weil das Catering dort wär ehrlich besser als die Kantine meines Arbeitgebers.)

  13. Durtschinho sagt:

    ich vermute, dass das Verfassen dieses wunderbaren Textes dabei einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

    Und ob. Ich zeige Ihnen sonst mal mein Album, das ich nach dem Abgang des Bibers angelegt habe,

    Beim Weyerli ist es auch schön zum Spenden, das stimmt.

    Von Bern nun nach Bernburg:

  14. Val der Ama sagt:

    Catering dort

    Neulich gabs Chirschichueche, das war super.

  15. Natischer sagt:

    Und ich übertreibe natürlich wieder komplett, weil ich war sicher min. 2.5 Jahre überhaupt nicht mehr in der Kantine meines Arbeitgebers.

  16. Rrr sagt:

    Beste Reportage ever!!! Herr Durtschinho for RL Chefreporter!!!

  17. Briger sagt:

    Genau das HeRrr, ich habe mir gestern noch überlegt, Herrn Durtschinhos Namen mit meinem zu ersetzen, weil neben ihm sehe ich jetzt ein bisschen aus wie Maldini ein Amateur.

  18. spitzgagu sagt:

    Neben Herrn Durtschinho sehen wir alle aus wie Anfänger oder Praktikanten, Herr Briger.

  19. Lars: L sagt:

    Herr Durtschinho geht dahin wo‘s weh tut. Bravo.

  20. Alleswisser sagt:

    Herr Briger

    ist der RL-Recherche-Gott-Jesus

    und somit schon längst auf der

    RL Chefreporter

    Hi­e­r­ar­chie­stu­fe angekommen.

    ***überleg***

    Hierarchien werden aber eh meist überschätzt

  21. Newfield sagt:

    Beitrag des Jahres, quasi ultimative Blutgrätsche. MM.

  22. Khanh sagt:

    Hahaha du bisch genau äuä genau nach mir ufe Schrage, wiu ig bi churz nach 11:15 gstande