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Fussball aus dem Archiv (II)

Briger am Mittwoch den 8. April 2020

Sie erinnern sich, früher war mal Fussball.

Und schon vor vielen Jahren standen beim Kampf ums Runde Leder Torhüter und Schiedsrichter unter besonderer Beobachtung.

Beispielsweise in der Ödenburger Zeitung vom 4. August 1908:


Quelle: Ödenburger Zeitung, 4. August 1908, via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

Fussballmatch: Im gestrigen Fussballkampf des hiesigen Footballclubs und des Pozsonner (Anmerkung: Pozsony ist der ungarische Name der Stadt, welche bis 1919 slowakisch Prešporok oder deutsch Pressburg hiess und seit 1919 den Namen Bratislava trägt) Footballklubs der Gymnasialjugend hatte das zahlreich erschienen Publikum bei herrlichem Wetter ein vorzügliches Spiel zu sehen bekommen. Unsere Spieler leisteten der auch tüchtig trainierten Pozsonner Truppe gegenüber etwas besonders Vortreffliches. Das Resultat war 8:0 zugunsten der Soproner (Anmerkung: die Stadt heisst auf Deutsch Ödenburg). Der Pozsonner Torwart erntete für seine schöne Arbeit lebhaften Beifall.

Der Autor dieses Beitrags fühlt sich an einen Auftritt Inter Bratislavas am Cup of the Alps in Naters erinnert, bei der der slowakische Torwart zwar oft und schön flog, nur leider meist weit am Ball vorbei.

Im nächsten Beitrag gibt’s einmal Tadel und einmal Lob für die Tormänner der “Makkabäer” (aus welcher Stadt auch immer: Pozsony? Budapest? Oder gar Bécs?) wie die “Ungarländische Jüdische Zeitung. Organ für die gesamten Interessen des Judentums” am 8. August 1914 über ein Spiel vom 3. August 1914 zu berichten wusste. Trotz eines toten Erzherzogs wurde im Habsburgerreich also weiter Fussball gespielt und auch der Schiedsrichter wurde vom Reporter beurteilt. Aber lesen Sie selbst:


Quelle: Ungarländische Jüdische Zeitung 8. August 1914, via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

Auch während des 2. Weltkrieges wurde Fussball gespielt. Am 12. September 1942, gut eineinhalb Jahre nach Ausrufung des faschistischen Nezavisna Država Hrvatska (Unabhängiger Staat Kroatien) und kurz bevor Jozsef Tiso im Oktober 1942 zum “Führer und Präsidenten” der Slowakei wurde (zuvor war er nur Präsident), berichtete die Karpatendeutsche Bauernzeitung aus Bratislava über ein Länderspiel zwischen Kroatien und der Slowakei in Agram (Zagreb). Die Slowaken waren chancenlos, was offenbar auch am Torwart lag.


Quelle: Karpatendeutsche Bauernzeitung, 12. September 1942, via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

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37 Kommentare zu “Fussball aus dem Archiv (II)”

  1. Bäne II sagt:

    Bravo. Mir gefallen vorallem die Recherche-Quellen.
    Bonjour tout le monde.

  2. dres sagt:

    Herr Briger, das ist ein ganz vorzüglicher Beitrag. Wir sind begeistert. Zudem gelesen direkt neben dem Stockhorn, Udo Jürgens in den Ohren. Besser geht ein Start in den Tag nicht.

  3. Briger sagt:

    Herr Bäne, Herr dres. Sie ernten lebhaften Beifall von mir.

  4. Alleswisser sagt:

    grossartig!! herzlichen Dank, Herr Briger.

    dieser Beitrag ist voll von wunderbaren Passagen und es ist eine wahre Freude für mich, vom

    -lebhaften Beifall für die schöne Arbeit des Torhüters
    -Schiedsrichter mit ausbaufähigen Studienleistungen
    aber eben auch (weil es zum Fussball dazugehört)
    – von einem Goalie, der an zwei Toren die Schuld trägt,
    zu lesen.
    Dazu freut mich natürlich auch noch die Erwähnung von Sopron (meine Schwiegereltern stammen von dort).

  5. spitzgagu sagt:

    Sehr schön, Herr Briger. Ich habe seit 05.59h auf den Beitrag gewartet. Es hat sich gelohnt.

  6. Briger sagt:

    Entschuldigen Sie, Herr spitzgagu, der Beitrag hätte erst um 13 Uhr kommen sollen, aber unser Praktikant ist offenbar mit der Redaktionskasse und dem 6-Uhr-Beitrag untergetaucht.

  7. spitzgagu sagt:

    Redaktionskasse

    Ui, und wie weit kommt er, der arme? Bis in die Länggasse?

  8. Alleswisser sagt:

    aus welcher Stadt auch immer: Pozsony? Budapest? Oder gar Bécs?

    eine kleine allgemeinbildende Ergänzung für die nicht-magyarisch-verbundene Leserschaft:

    Bécs = Wien
    Pécs = Pécs
    (war vor 2 Jahren velomässig in Südungarn nach Pécs unterwegs, habe dann aber bei 38°C Tagestemperatur meine Route verkürzt)

  9. Briger sagt:

    Ui, und wie weit kommt er, der arme? Bis in die Länggasse?

    Ich denke, es kommt drauf an, wo er startet.

    Danke, Herr Alleswisser, Sie haben die Prüfung bestanden. Das war der Trick, ob das Zeug auch wirklich gelesen wird.

  10. dres sagt:

    für die nicht-magyarisch-verbundene Leserschaft:

  11. Max Power sagt:

    Naja es hat ja keine Spalunke offen in der er die Redaktionskasse versaufen könnte.

  12. Briger sagt:

    Im Coop gibt‘s sicher was.

  13. dres sagt:

    Da ist mir wieder mal einer zu früh ab. Herr Alleswisser, das halbe RL ist doch mit dem Magyaren verbandelt. Deshalb reagiert der Viktor auch so panisch.

  14. Alleswisser sagt:

    ob das Zeug auch wirklich gelesen wird.

    das ist kein Zeug, das ist ein Meisterwerk!

  15. Max Power sagt:

    Seit zwei Wochen lese ich keine Zeitung mehr. Da ich aber gerne Zeitung lese und Entzugscherscheinungen habe, hab ich im Archiv des e-papers einfach auf 2019 gestellt. YB steht kurz vor dem Meistertitel und die Randsportler haben grad den Seeländer gebodigt. Ich freue mich schon auf die Montagsausgabe 15.4.2019.

  16. Alleswisser sagt:

    das halbe RL ist doch mit dem Magyaren verbandelt.

    ich habe es für die andere Hälfte erwähnt, Herr dres. Wir streben ja hier ein hohes Allgemeinbildung-Niveau an.

    Ist wohl auch etwas, bei dem

    Viktor auch so panisch

    reagiert.

  17. Max Power sagt:

    Seit zwei Wochen lese ich keine Zeitung mehr. Da ich aber gerne Zeitung lese und Entzugscherscheinungen habe, hab ich im Archiv des e-papers einfach auf 2019 gestellt. YB steht kurz vor dem Meistertitel und die Randsportler haben grad den Seeländer gebodigt. Ich freue mich schon auf die Montagsausgabe 15.4.2019.

    das ist kein Zeug, das ist ein Meisterwerk!

    Wir werden es sehen.

  18. Alleswisser sagt:

    hih, Herr Power

    Wir werden es sehen.

    ich antizipiere sogar ein doppeltes Meisterwerk!

  19. Herr Lich sagt:

    Der Pozsonner Torwart erntete für seine schöne Arbeit lebhaften Beifall.

    Das ist wohl der schönste Satz, den ich je gelesen habe!

    Und danke Herr Power für den Tipp. Das Corona-Gebimsel nervt nämlich langsam ungemein.

  20. ManU97 sagt:

    Ich freue mich schon auf die Montagsausgabe 15.4.2019.

    Toll, Herr Power, und dann erst die Ausgabe vom Montag, 27. Mai 2019. Da werden Sie emotional nochmals so richtig durchgeschüttelt.

  21. Max Power sagt:

    Bin nun am Dienstag 23.4 angelangt. Wahrhaftig tolle Zeiten. Feste über feste in Bern. Grossartig.

  22. Briger sagt:

    Darum hier, Artikel aus einer Zeit als es höchstens so was wie Krieg oder eine Spanische Grippe gab.

  23. Max Power sagt:

    Atonment würde ich grad so als Lektüre oder als Bewegtbildunterhaltung empfehlen.

    Der Film ist grossartig, wobei ja Lesen Kino im Kopf ist von dem her eigentlich Hans was Heiri. Wobei Kino im kopf differenzierter und individueller ist als die Bewegten Bilder.

  24. Durtschinho sagt:

    Herr dres – “Zauberer hilft Thun-Hediger mit Milch aus”! In einer nicht unbedeutenden Schweizer Tageszeitung!

  25. Zürschnurre sagt:

    Die “Makkabäer” ist so etwas wie eine jüdische Gemeinschaft, ein jüdischer Verein (so etwa wie die SATUS-Vereine oder die CEVI) und nicht ortsabhängig.Die hierzulande bekannteste diesbezügliche Vereinigung dürfte “Makkabi Tel Aviv” sei.

    Im Überigen ein hervorragender Beitrag und ideal zum langsamen Übergang Richtung Apéro.

  26. dres sagt:

    Danke, Herr Durtschinho. Müsste ich es lesen? Ich bin auch darauf gestossen, habe es aber relativ emotionslos weggeklickt. Hoffentlich habe ich nicht die grösste Sensation seit der spanischen Grippe verpasst.

  27. Durtschinho sagt:

    Es ist eben ein Film, Herr dres, und wie genau er verläuft, weiss ich eben auch nicht.

  28. Brauereiinnung Bern West sagt:

    Bécs = Wien
    Pécs = Pécs

    Nein, wahrscheinlich nicht.

  29. dres sagt:

    Her Hediger in Ehren, Herr Durtschinho, aber bei einem Film mit einem Zauberer und Milch im Kraftraum hört es bei mir auf.
    So, ab ins Marzili, das hoffentlich an einem normalen Werktag um diese Zeit noch nicht überfüllt ist.

  30. all white sagt:

    Herr Briger, mich nuhmte dann schon wunder, wo sie diese Perlen immer wieder ausgraben. Sind die deutschen Diasporen in Osteuropa ihr Spezialgebiet?

  31. Briger sagt:

    Ostmitteleuropa, Herr all white, gewisse Leute sind da heikel, zumal die geografische Mitte Europas je nach (neueren) Berechnung irgendwo in Ostungarn, Weissrussland, der Westukraine oder im Baltikum liegt.

    Hier war es ein Zufallsfund, ich war eigentlich auf der Suche nach aktuellen Zeitungen/Zeitschriften aus Ostmitteluropa in deutscher Sprache (generelles Interesse nicht nur für deutsche Diasporen, wobei ob man das damals als Diaspora bezeichnen konnte, wage ich nicht zu beurteilen. Da ich Deutsch nun mal besser verstehe als ungarisch, slowakisch, rumänisch etc. bleibt fast nichts anderes übrig als auf die Deutschsprachigen zurückzugreifen) und da bin dann auf diese historischen Dinger gestossen. Und die haben praktischerweise eine Volltextsuche, also nach Fussball suchen und da sind die Dinger.

  32. Herr Maldini (C) sagt:

    Herr Briger hat einen Auftrag, Herr all white.

  33. Briger sagt:

    Agenda, Herr Maldini, das heisst Agenda. Bezahlt werde ich von Herrn Soros oder haben Sie das Gefühl, das Gehalt bei Herrn Maldini reiche irgendwo hin?

  34. Alleswisser sagt:

    da sind die Dinger

    da freut sich nicht nur das RL, sondern auch Oli Kahn!

  35. Alois sagt:

    Poszonner? oder doch ev. Poszonyer? dass alte Ypsilon sieht für das ungeübte Auge wie ein n aus, rechts zieht sich der Strich vom “n” aber deutlich mit einem kleinen bogen nach links unter die Schreiblinie. Beim ersten y scheint diese Unterlänge etwas unsauber weggekratzt, wohl in der Meinung es sei ein Druckfehler. Sonst aber wie meistens ein formidabler Beitrag. Alois.

  36. alois sagt:

    Ups, natürlich Das anstelle von dass.

  37. Briger sagt:

    Sie haben recht, Herr Alois. Die Stadt heisst ja auch Pozsony. Danke der zuständige Schreiberling wird den Piranhas zum Fass vorgeworfen.