Logo

Kleine Poetik des Fussballs

Frau Götti am Montag den 29. Oktober 2018

Kürzlich hat mir mein geschätzter Kollega Claus-Theodor Waageprecht, ausgewiesener Sprachphilosoph mit Schwergebiet Ballistik, zur Lektüre dieses schöne Büchlein ans Herz gelegt. Da mich das kühne Wortspiel im Titel (springender Punkt/Ball) doch einigermaßen neugierig machte und da der kleine, in hübschem Grün gehaltene Einband im traditionsreichen Verlag Duden erschienen ist, machte ich mich flugs ans Studium desselben. Lassen Sie mich einige Worte dazu verlieren. Nach einer kurzen und wertvollen Einführung in die Geschichte der Fußballsprache kommt der Autor mit dem klingenden Namen Marx gleich in medias res mit den spezifischen Eigenschaften dieser besonderen Sprache. Vordringlich unterstreicht er deren reiche Bildhaftigkeit, so etwa mit deren vielen Ausflügen in die Tierwelt und Natur („Bananenflanke“, „sterbender Schwan“, „Schwalbe“, „Gurkenspiel“). Besonders interessant finde ich als Germanistin natürlich das Hyperbolische dieser Sprache mit Ausdrücken wie „mutterseelenallein im Strafraum“ (was für eine berührende Ästhetisierung!) oder „um Haarespitzenbreite am Tor vorbei“. Ganz im Gegensatz dazu weist diese hochpoetische Sprache auch unglaublich dichte und präzise Verkürzungen auf. Pharadebeispiel hierzu ist sicher der „Elfer“. Zur Klärung dieser für mich nicht gleich einsichtlichen Wendung musste ich Hilfsassistent Maldini beiziehen, der mir erläuterte, dass im Fußball gewisse illegitime Handlungen geächtet werden, indem eine Person aus der geprellten Mannschaft aus 11 (warum wohl gerade 11? Zahlenmystischer Hintergrund?) Metern Distanz auf das Tor schießen dürfe, um zu versuchen, den durch die illegitime Handlung entstandenen Nachteil wieder auszugleichen. Auf diesen Umstand weist also der Begriff gleichsam elliptisch hin.
Der zweite Teil des Bandes ist ganz sprechakttheoretisch den sprechenden Akteuren im Fussball gewidmet. Marx unterstreicht hier insbesondere die der Fussballsprache innewohnenden Alogismen. Lassen Sie mich hier für einmal jegliches Theoretisieren seitan stellen und stattdessen lediglich drei besonders bedeutsame Zitate herausgreifen, die, wie mich dünkt, exemplarisch die ganze komplexe Thematik umreißen:
Die Realität sieht anders aus als die Wirklichkeit.“ (Berti Vogts)
Und das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.“ (Mario Basler)
Vom Feeling her hab ich ein gutes Gefühl“ (Andy Möller)
Abschließend kann ich Ihnen diese gehaltvolle kleine Politik des Fussballs sehr empfehlen. Sie schließt eine bis anhin klaffende Lücke in der Theorie des runden Leders.

« Zur Übersicht

43 Kommentare zu “Kleine Poetik des Fussballs”

  1. Rrr sagt:

    Juhui, Intellektuellen-Tag im Runden Leder! Zuerst Dr. Almen-Lafti, und jetzt Frau Dr. Mueller-Fridnau. Hoffentlich schreckt das nicht die 3 Prozent Nichtakademiker in unserer Leserschaft ab.

  2. zuffi sagt:

    Ich warte noch auf die alte Seniorin mit Taktikdingsbums.

  3. Margrit Rüegsegger-Wüthrich sagt:

    Sie haben mich gerufen, junger Mann?

    „Alte Seniorin“ ist indessen ein Fall für die Germanistin.

  4. Newfield sagt:

    Gute Güte Frau Doktor, die Raumaufteilung … Ab und an ein Absatztrick kann kaum schaden. MM.

    Ich werde Ihre Ausführungen, inklusive alle Links, heute Abend selbstverständlich trotzdem studieren.

  5. spitzgagu sagt:

    Danke, einfach nur Danke für diesen Beitrag, verehrte Frau Doktor.

    “(..) seitan stellen (..)” -Ich schmelze ob dieser lange nicht mehr gelesenen sprachlichen Eleganz.

  6. Durtschinho sagt:

    Herr Zuffi, Sie schulden mir noch eine Antwort. Wir wollen doch alle nicht, dass ein bislang unbescholtener Tierfreund zur Selbstjustiz greifen muss!

  7. dres sagt:

    Warum haben Germanistinnen und Germanisten und die meisten anderen Mitmenschen wo mehr als zwei Bücher gelesen haben immer so komische Namen? Voll hyperbolisch.

  8. zuffi sagt:

    Hallo Frau Rüegsegger-Wüthrich! Schön, dass Sie immer noch dabei sind hier. Ein Artikel über Seoanes Feintuning am hütterschen System wäre halt schon interessant. Und unter uns: Von den fixen Redakteuren kriegt das eh keiner hin.
    Hallo Herr Durtschinho! Ich muss jetzt leider ins Apéro, wir sehen uns!

  9. Briger sagt:

    Ich finde Herr Maldini und Herr Briger sind doch ganz normale Namen, Sie dres, Sie.

  10. Briger sagt:

    Nein, der Rest der Redaktion liest höchstens den Playboy.

  11. dres sagt:

    Es geht so.

  12. zürischnurre sagt:

    warum wohl gerade 11? Zahlenmystischer Hintergrund?

    Da kann ich nachhelfen Frau Dr. von Mueller-Fridnau:
    Wie bekannt, haben unsere angelsächsischen Freunde von der Insel diesen, ach so unübertroffenen Sport erfunden. Jedoch waren sie des meterischen Systems nicht kundig und haben alles mit “Yards” vermessen. Der Strafraum misst 18 Yard (16,5 Meter) und der Elfmeterpunkt entspricht einer Distanz von 2/3 des Strafraumes, also 12 Yards (10,9 Meter).

    Ansonsten ein vortrefflicher Artikel. MM und Messi! Werde das Buch gleich zuoberst auf meine Wunschliste setzen.

  13. Frau Götti sagt:

    Herr spitzgagu, schmelzen Sie mir bitte nicht davon. Die kocht doch auch nur mit Wasser.
    Aber eine Überlegung wert wäre es vielleicht, die beiden Damen einmal zusammenzuführen in einem Beitrag. So quasi, Frau Rüegsegger-Wüthrichs Fünferkette auf Frau Professor loslassen.

  14. Rrr sagt:

    Nein, der Rest der Redaktion liest höchstens den Playboy.

    Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung! Ich habe den Playboy noch NIE gelesen!

    Ich schaue bloss die Bilder an.

  15. spitzgagu sagt:

    Ich habe etwas übertrieben, Frau Götti. Verzeihen Sie bitte. Aber Frau Doktor löst das bei mir aus.

  16. Alleswisser sagt:

    wunderbar, vielen Dank !

    Ich werde Ihre Ausführungen, inklusive alle Links, heute Abend selbstverständlich trotzdem studieren.

    und ich werde wohl eine Ferienwoche dafür einsetzen, damit ich dann hoffentlich dem Inhalt folgen kann.

  17. RL-Kellner sagt:

    Wie wünschen Madame das Steak? Saignant, a point, bien cuit?

  18. dres sagt:

    Hat eigentlich der geplante Abgang von Mutti positive oder negative Auswirkungen auf die Poesie und den deutschen Fussball? Wie siehts mit der Wyss Ursle, der Uni Tobler und YB aus?

  19. Harvest sagt:

    „Schwalbe“

    Pffff

  20. Rrr sagt:

    Ja, Herr dres.

    Eine Lumme macht noch kein geflügeltes Wort, auch wenn sie fliegen kann, Herr Harvest.

  21. Baresi sagt:

    Poetik, dass ist dieser Holländer, der sich bei Basel nicht durchsetzen konnte und am Samstag für Mainz gegen Bayern getroffen hat?

  22. Nörgel sagt:

    Gute Güte Frau Doktor, die Raumaufteilung …

    Früher hiess das noch Bleiwüste. Ansonsten schöner Artikel, ich will Frau Götti ja nicht in die Pharade fahren.

  23. dres sagt:

    Ja, Herr dres.

    Himmelherrgottnochmal, Herr Rrr, das ist doch keine Antwort auf eine komplexe Frage. Jetzt legen Sie bitte mal Ihre Schmuddelheftli auf die Seite.

  24. Harvest sagt:

    Ich bleibe bei meiner Aussage, Herr Rrr, abgesehen von diesem Fopa allerdings ein formidabler Artikel.

  25. Rrr sagt:

    Nein, Herr dres.

    Bizius, Herr Baresi. Er hiess Bitzius.Wie Gotthelf.

  26. gavagai sagt:

    seitan

    Da hat auch Kevin seine wahre Freude, an diesem Artikel!

  27. Baresi sagt:

    Gotthelf war Holländer? Anyway, immerhin enthält sein Name das Wort elf (warum wohl gerade 11? Zahlenmystischer Hintergrund?).

  28. spitzgagu sagt:

    Lieber Herr Baresi, elf ist die Solothurner Zahl. Das erklärt alles. MM.

  29. Frau Götti sagt:

    Man soll das Buch zwar nicht vor der letzten Seite loben, und so, aber ich hätte im Falle eines Falles gerne saignant, Herr Kellner.

  30. dres sagt:

    Die elf Gebote. Deshalb. Oder für ältere Leser Elf Aquitaine.

  31. Je sagt:

    Ob Poetik oder Politik, was spielt das schon für eine Rolle in diesen Zeiten der zunehmenden Unberechenbarkeit der Systeme.
    Gut, es kann natürlich auch der Autokorrektur geschuldet sein…

  32. Alleswisser sagt:

    für ältere Leser Elf Aquitaine.

    und für die noch älteren Leser bitte 1x Renault Alpine Elf

  33. spitzgagu sagt:

    Merci beaucoup, Monsieur qui-sait-tout

  34. Rrr sagt:

    Dunkelgelb wegen übelst Randsport, Herr Alleswisser. Schämen Sie sich.

  35. RL-Kellner sagt:

    Bon app, Madame. Noch ein Gläschen Rotwein dazu?

  36. Newfield sagt:

    Habe nun, ach! den Beitrag durchaus mit heissem Bemühn studiert, aber da steh ich nun nichtsdestotrotz, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. Und doch wohlan, halt ein, jetzt erkenn ich immerhin, was der Weise spricht:

  37. Frau Götti sagt:

    Ich würde gerne anstoßen mit Ihnen, Herr Kellner, und gerne auch mit Herrn Newfield.

  38. Newfield sagt:

    Bisschen viel Grünzeugs, aber hopp Hugo and cheers!

  39. dres sagt:

    Danke, Herr Alleswisser! Sie haben meinen Pass in die Tiefe ganz elegant versenkt.

  40. Frau Götti sagt:

    *hauch*

    Dankeschön Herr Newfield!

  41. Alleswisser sagt:

    meinen Pass in die Tiefe

    war eher ein billiger Abstauber Herr dres (und wurde ja auch wohl zu Recht mit Gelb geahndet)

  42. R‘olé sagt:

    Kam gerade vorbei, extrem textlastig.
    Bin einfach gestrickt und kurzzeitig aufmerksam.
    Trotzdem, beim gemütlichen „Bachelor“-Abend fällt mir auf, dass Frau Ti.T.X sich 1312 tätowiert hat, und die schon zur 2. Folge.
    Wahrscheinlich hat sie am 13. Dezember Geburi. Zum Glück ist sie nicht Fussi-Fan, weil dann…
    Herr Rüedisüeli, übernehmen Sie bitte…