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Keepers Kunst (I)

Dr. Rüdisühli am Samstag den 20. Januar 2018

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinée. Es ist mir eine Ehre in die grossen Fussstapfen von Herrn Pelocorto zu treten, respektive einen Versuch zu starten.

Von unserem Sonderkorrespondenten A. L. Leswisser

Wir begeben uns nun ins Jahr 2016. Breslau (polnisch Wroclaw) ist zusammen mit San Sebastian Kulturhauptstadt in Europa. Zusätzlich zum Kulturprogramm in Breslau findet, dies als eine Neuerung, erstmals auch ein Kultur-Export statt. Als Begleiter von Frau Alleswisserin besuche ich im September 2016 im Ludwig Museum of Contemporary Art in Budapest diese Wander-Sonderausstellung aus Breslau mit den Schwerpunkten Geschichte und Kunst. Eine alleswissende (und entsprechend ausführlich referierende) Kunsthistorikerin führt uns anlässlich einer Privatführung durch das moderne Gebäude am Donauufer.

Relativ schnell stellt sich bei mir ein resignativer Dämmerungszustand ein, bis ich auf das Werk des grossartigen Künstlers Zdzisław Sosnowski treffe, die ältere RL-Leserschaft erinnert sich an ihn. Mehrmals visualisiere ich die herausragende Video-Installation basierend auf Sosnowskis Film “Goalkeeper” aus dem Jahr 1975 (die Führung wird mittlerweile ohne mich fortgesetzt…). Schnell ist klar, dass ich die Höhepunkte daraus für den Fussballblog Zum Runden Leder aufarbeiten werde . Die nächsten 15 Monate wende ich für die Konzeption der Kunstmatinée auf und zudem muss ich mein einschlägiges Feuilleton-Vocabular erweitern. Anhand von vier Video-Sequenzen würdige ich nun heute das künstlerische Schaffen von Zdzisław Sosnowski und selbstverständlich fehlen auch Goalie-Analysen nicht (kursive Schrift), Herr Rrr hat mich ja mehrjährig dazu vertraglich verpflichtet.

Viel Vergnügen!

1: Goalietraining

In der ersten Sequenz führt uns Zdzisław Sosnowski vor, dass Soziale Mobilität jederzeit und überall möglich ist, sofern man bereit ist die Gegenstromanlage der Systeme zu durchschwimmen. Aber selbst der soziale Überläufer kann seine Abstammung nie ganz abstreifen. Die Vehemenz und der schier unermüdliche Einsatz beim Versuch des Einfangens des göttlichen Atemhauchs stellt einen ersten Glanzpunkt im Film “Goalkeeper” dar.

Es überrascht nicht wirklich, dass Zdzislaw Sosnowski nicht seinem Landsmann Jan Tomaszewski (einer meiner Lieblingsgoalies) oder dem grossen Lew Jaschin nacheifert. Seine Geschmeidigkeit, das Arm-Übergreifen und Abrollen bereits bei halbhohen Schüssen, sein Schalk und seine Begeisterung für die beste aller Positionen auf einem Fussballfeld lässt klar erkennen, dass Sosnowski sich die Freiheit nimmt, den damaligen Klassenfeind Sepp Maier zu imitieren und dies durchaus überzeugend und talentiert. Vergleichbare Torhüter hinsichtlich Ausstrahlung und Technik sind später Jean-Marie Pfaff und auch Joël Corminboeuf (Gruss an Herrn dres!). Mittlerweile setzt sich aber dieser Typ Goalie auf höchstem Niveau nicht mehr durch

2: Frauenfussball

Die Kamera fängt in dieser zweiten Sequenz unermüdlich Bilderwellen von Feierlichkeit und gleichzeitiger Traurigkeit ein. Die scheue Liebe führt zu einer gewissen keuschen Erotik, in der die Welt einem leicht abhanden kommt. Kein wirkliches Drama folgt, sondern die immerzu gleiche Predigt.

Meine mangelnde Begeisterung für den Frauenfussball ist leider geprägt, durch zu viel ungenügende Leistungen der Torhüterinnen (Ausnahme Hope Solo selbstverständlich) und meinen frühpubertären negativen Erstkontakten zu Fussballerinnen wie Marie-Theres Nadig (live im Wankdorf gesehen), deren Technik und Fussballer-Aura nicht einmal an die eines Ackergauls herankommt. Bei der wiederholten Visualisierung dieser zweiten Videosequenz wird mir mein Irrtum bewusst: Frauenfussball ist bereits in den 70-er Jahren toll! (Anmerkung der Redaktion: den Zusatz “und heute erst recht!” streicht der Autor beim “Gut zum Druck” nachträglich raus).

Die dritte und vierte Sequenz folgen im nächsten Beitrag.

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6 Kommentare zu “Keepers Kunst (I)”

  1. Durtschinho sagt:

    Ich lese das erst, wenn Herr Rrr mir die Erlaubnis erteilt hat.

  2. spitzgagu sagt:

    Was für ein Fortschritt! Mir fehlen die Worte, aber davon hat’s ja genug im Beitrag.

  3. sitting dino sagt:

    ich bin einfach nur glücklich!

  4. Moritz sagt:

    Best Beitrag ever!

  5. Rrr sagt:

    Ich muss sagen, das ist ein hervorragender Beitrag. So gut hätte ich mir RL 2.0 nicht vorgestellt!

    Und die anderen Redakteure fühlen sich glaubs auch wohl. Herr Briger macht das ausgezeichnet mit dem Schuhepolieren.

  6. Dienstbier sagt:

    Grossartiger Beitrag! Hat der Goali da einen Stumpen im Mund?