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Für den Fanbedarf

Dr. Rüdisühli am Samstag den 11. November 2017

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Hallo Natifan’s, wo bitte kann ich Rrrrrrrrrrrrricardo Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrodríguez als Klingelton kaufen? Frankie B., B.

Lieber Frankie, erstmal hallo. Cool, dass Du mal auf unserer Site vorbeischaust. Und wir können Dir verraten: Hier bist Du genau richtig. Im Rundes Leder Fanshop gibt es alles, was das Herz der Nati-Fan’s begehrt, zum Beispiel der trendige Mantel von Rainer Maria Salzgeber aus der letzten WM-Show in Belfast, das Original-Mikrofon vom Spielfeldrand mit Original-Speichel von Lukas Studer und selbstverständlich auch die trendigsten Klingeltöne. Für nur Fr. 5.- kannst Du Dir hier den gewünschten Torjubel herunterholen:

Okaay? Die fünf Franken schickst Du bitte in Briefmarken an Rundes Leder Redaktion, Nsame-Platz 18, 3000 Bern. Wie? Nein, unsere Redakteure haben andere Ruftöne. Herr der Ama zum Beispiel bevorzugt diesen da. Und die übrigen haben natürlich diesen Standard-Ton geladen.

Aber egal. Wenn Du mit dem Installieren des Rrrrrodriguez-Rrrrruftons fertig bist, kannst Du im “Bund” (gibts am Kiosk, ist eine Zeitung) nachlesen, warum die Nati gar keine richtigen Fan’s hat. Irgendwie wegen der Einwanderung. Gut, inwiefern die Abneigung gegen Alex Frei mit der Integrationspolitik zu tun hat, ist uns rätselhaft geblieben, aber egal. Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli

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10 Kommentare zu “Für den Fanbedarf”

  1. Briger sagt:

    Dieser Artikel, der ist in der Tat sehr verwirrend. Nach dieser Logik müsste ja beim E*****y jeweils eine fantastische Stimmung herrschen. Und in der Super League hätte es somit ausserhalb von Basel auch kaum Fans.

  2. Rrr sagt:

    Zum Glück ist der Artikel nur mit Abo-Plus lesbar, so bleibt er uns hier erspart.

  3. Abo Plusplus. sagt:

    Richtig, das will jetzt wirklich niemand lesen!

    90 Minuten allein
    Sie ist erfolgreich wie noch nie – und doch bleibt die grosse Euphorie um unsere Nati aus. Der Grund liegt neben dem Platz.

    Minute 54. Ricardo Rodriguez nimmt die Bewegung des Torhüters wahr, stoppt, schiesst in die andere Ecke. 1:0.

    Sascha Ruefer nimmt auch Anlauf. Der Fernsehkommentator vermeldet den Zwischenstand zwischen Nordirland und der Schweiz, stoppt dann wie Rodriguez beim Penalty und holt Luft.

    Rrrriiiiiiccarddooo Rrrrroddriguez!!!

    Und spätestens dann, spätestens als das letzte R herausgequetscht ist und Ruefers schlechte Imitation eines betrunkenen südamerikanischen Fussballbrüllers gnädigerweise ein Ende findet, sind sämtliche euphorische Aufwallungen, die einen Fussballfan normalerweise bei einem Tor durchschütteln, ihn brüllen und hüpfen lassen, tot, tot, tot.

    Ruefer macht das schon immer. Er imitiert Emotionen, wo keine Emotionen sind. Das ist ja das Verrückte: Da steht die Nationalmannschaft kurz vor dem Erreichen der Weltmeisterschaft, schon wieder!, und von Euphorie ist kaum etwas zu spüren. Da kribbelt wenig. Da passiert fast nichts. Ja, der St.-Jakob-Park in Basel war für das Rückspiel der Barrage innerhalb von zwei Stunden ausverkauft, doch allen Ticketbesitzern, die nun auf ein «rauschendes Fussballfest» hoffen, sei gesagt: Könnte auch trist werden.

    Minute 56. Fabian Schär schiesst weit über das Tor. Die nordirischen Fans unter­brechen ihren Gesang und johlen herzlich über den missglückten Versuch.

    Warum können das die anderen? Stimmung machen? 90 Minuten singen und schreien und toben? Warum hat eine Mannschaft, die so erfolgreich ist wie noch nie in ihrer Geschichte, nicht ein Publikum wie der Gegner? Wo bleibt das Wirgefühl, das sogar die Deutschen für einen Moment nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land zustande brachten? Warum können wir uns nicht auf diese Mannschaft einigen als etwas, was diesem Land gut ansteht? Wo ist das Gefühl von 1994, als zum letzten Mal eine Schweizer Nationalmannschaft so richtig aufregend war?¨

    Antworten auf diese Fragen findet man inner- und ausserhalb des Stadions. Mämä Sykora ist Chefredaktor des Fussballmagazins «Zwölf». Er besucht ab und an ein Spiel der Nati, doch wirklich Spass hat er dabei nur selten. «Da hört man Sprüche, die aus den Stadien der Clubs seit 20 Jahren verschwunden sind.» Es seien keine geübten Fans, die zu den Spielen fahren würden. «Die sitzen dann auf ihren Stühlen, schauen sich um und fragen sich: Wer macht jetzt eigentlich diese Stimmung?»

    Grummlig, missmutig, vom Erfolg verwöhnt. «Es sind Schönwetterfans», sagt Beni Huggel, ehemaliger Mittelfeldspieler beim FC Basel und Mitglied der Nationalmannschaft von 2003 bis 2010. Er hat die Zeit erlebt, als noch nicht die vielen Secondos (sprich: Ausländer) das bestimmende Thema beim Reden über die Nati waren, sondern die regionale Herkunft der Spieler.

    «Früher wurde etwa der Röstigraben innerhalb der Mannschaft heiss diskutiert», sagt Christian Koller, der Leiter des Sozialarchivs. Hier die kampfstarken (und technisch limitierten) Deutschschweizer, dort die spielfreudigen (und etwas faulen) Romands. Eine Geschichte voller Vorurteile und unausgesprochener Vorwürfe. Kantönligeist, der pure Freude für die Nationalmannschaft verhinderte. «Ich habe nie verstanden, warum ein Rekordtorschütze wie Alex Frei in den Schweizer Stadien ausgepfiffen wurde», sagt Beni Huggel.

    Minute 69. Die Kamera bleibt für einen Moment auf Xherdan Shaqiri, er hat einen Ball vertändelt, und Sascha Ruefer sagt: «Er wirkt einfach nicht glücklich.»

    Die Sache mit dem Kantönligeist und den – je nach Spielort – ausgebuhten Zürchern, Baslern oder Bernern hat sich in den vergangenen Jahren beruhigt. Heute, da die meisten Nati-Spieler ihr Geld im Ausland verdienen, geht es nicht mehr um den Club des einzelnen Spielers. Heute geht es darum, woher die Eltern eines Spielers stammen. Befördert wird die Diskussion um das richtige Schweizersein durch die Zusammensetzung des Publikums. «Es gibt kaum eine Schnittmenge zwischen Fans der Clubs und Fans der Nationalmannschaft. Wenn die Nati am Sonntag in Basel spielt, werden keine 100 Leute im Stadion sein, die sonst regelmässig zum FC Basel gehen», sagt Mämä Sykora.

    Glocken und Fahnen

    Seine These lässt sich nicht objektiv belegen, doch es gibt starke Indizien. Die Glocken im Stadion, die Trompeten, die Fahnen, die sonst selten da sind. Urner, Thurgauer, Schwyzer oder, wie am Donnerstag in Belfast, eine Doppelfahne aus Nidwalden. Um es ganz plakativ zu sagen: Der urbane Clubfan bleibt in seiner Stadt, zur Nationalmannschaft kommen die Leute vom Land, die keinen eigenen Club haben. Hier zeigt sich der gleiche Graben, der die Schweiz in vielen Fragen trennt. Die progressiven Städter, die konservativen «Ländler».

    Minute 77: Ein Pass ins Offside ist die letzte Aktion von Haris Severovic. Er wird ausgewechselt.

    Es ist die Geschichte eines Versagens – auf beiden Seiten. Jene, die sich so gerne «progressiv» nennen, bringen es nicht fertig, einen positiven Patriotismus zu schaffen, und höhnen stattdessen überheblich über die «Bauern aus der Innerschweiz». Dabei wäre die Ausgangslage nirgends einfacher. Dass es die Sozial­demokraten schwer haben, mit abstrakten Begriffen wie «Menschenrechte» oder «Bundesverfassung» Heimatliebe von links zu beschwören, ist einleuchtend. Dass es den Linken aber bei einer Nationalmannschaft nicht gelingt, die zu über 80 Prozent aus Secondos besteht, aus Zugewanderten!, und die dazu noch so erfolgreich spielt, ist erstaunlich.

    Gleichzeitig hat die andere Seite, die der leidenschaftlichen Nati-Fans, ein ganz anderes Problem. Sie muss einer Mannschaft zujubeln, in der sie sich selber nicht erkennt. «Die Erwartungen an einen Secondo in der Nationalmannschaft sind darum viel ­höher als an einen Spieler mit einem schweizerischen Namen», sagt Mämä ­Sykora.

    Ein Spieler mit ausländischen Wurzeln muss mehr leisten, muss sich mehr mit dem Land identifizieren, sollte die Nationalhymne laut und deutlich mitsingen, sollte bescheiden und fleissig und angepasst sein. Man ist ja nicht grundsätzlich gegen Ausländer. Nur auffallen sollen sie bitte nicht. «Es ist kein Zufall, dass bei jeder nicht ganz so guten Phase der Nationalmannschaft das Secondo-Thema sofort wieder aufkommt», sagt Sykora. Der Firnis zwischen Begeisterung für ein Team und seiner totalen Ablehnung: dünn.

    Ein Missverständnis

    Historiker Damir Skenderovic fasst das Thema noch grösser. Die Kontroverse um den doppelten Pass von Bundesrat Ignazio Cassis, der Streit um Doppel­bürger in der Armee, die Aufregung um die Nennung der Nationalität von Straftätern diese Woche in Zürich – alles Symptome des gleichen mühseligen Themas: die Schwierigkeit der Schweiz mit der Zuwanderung. «Die Nationalmannschaft ist ein Spiegel dieser Debatten», sagt Skenderovic. «An ihr sieht man, was die Identitätspolitik im Zusammenhang mit Migration in den vergangenen 20 Jahren für Folgen hatte.»

    Das verknorzte Verhältnis von links und rechts. Die Grabenbildung. Das Nicht-verstehen-Wollen. Die gegenseitige Abneigung, die man an jedem Abstimmungssonntag wahrnimmt, an dem es um ein ausländerpolitisches Thema geht – all das lässt sich auch am Verhältnis der Schweizer zur Nati ablesen. «Da leben wir seit 100 Jahren in einem Zuwanderungsland», sagt Skenderovic. «Und haben uns immer noch nicht daran gewöhnt.»

    Minute 90. Abpfiff, der Jubel ist verhalten. Ab in die Werbung: An einem Tisch mitten in einem Feld sitzen drei Kinder in Schwingerhemdli und essen Teigwaren. Schwingerkönig Matthias Sempach legt ihnen die Hand auf die Schulter: Bschüssig-Teigwaren. Aus echten Schweizer Eiern. (Tages-Anzeiger)

  4. spitzgagu sagt:

    Zum Glück zahle ich diese BUND-Billag nicht.

  5. nadisna sagt:

    90. Abpfiff, der Jubel ist verhalten.

    Nun ja, ein gewisses Verständnis habe ich schon, dass die 17’000 Nordiren nur verhalten gejubelt haben.

  6. Rrr sagt:

    Gleichzeitig hat die andere Seite, die der leidenschaftlichen Nati-Fans, ein ganz anderes Problem. Sie muss einer Mannschaft zujubeln, in der sie sich selber nicht erkennt. Die Erwartungen an einen Secondo in der Nationalmannschaft sind darum viel ­höher als an einen Spieler mit einem schweizerischen Namen.

    Was der alles weiss.

    Ich erkenne mich selber in Nsame, Ngamaleu, Hoarau, Wüthrich, Nuhu, Lotomba, Sow, Sanogo, Assalé, Mbabu und allen anderen YB-Spielern, das reicht mir.

  7. Alleswisser sagt:

    … und ich erkenne mich im Runden Leder wieder, insbesondere in den Beiträgen voller Touch, von denen es in letzter Zeit hier sehr viele gibt.

  8. nadisna sagt:

    Das kann ich unterschreiben, Herr Rrr.

  9. xirah sagt:

    Dass es den Linken aber bei einer Nationalmannschaft nicht gelingt, die zu über 80 Prozent aus Secondos besteht, aus Zugewanderten!, und die dazu noch so erfolgreich spielt, ist erstaunlich.

    Dabei steht das in den Statuten jeder linken Partei: Förderung des Enthusiasmus für die Nati.

  10. Briger sagt:

    Wenn der Autor noch rausfindet, dass 2007 in Wien-Hütteldirf ein Transparent hing auf dem stand: “Judasschitz raus aus Hütteldorf”, dann muss er glaub in Therapie.

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