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Schwierige Schwätzer

Val der Ama am Dienstag den 28. Juni 2016

Unser Kolumnist wird nicht traurig sein, wenn die EM vorbei ist.

„Nicht wegen der Euro an sich, ganz im Gegenteil. Ich bin mit der Qualität der bisherigen Spiele grösstenteils zufrieden. Vor allem die starken EM-Debütanten sorgten für frischen Wind: Gleich vier von fünf überstanden die Vorrunde. Die Gruppensiege von Wales und Kroatien (nicht England, nicht Spanien) sorgten dafür, dass es zwei komplett unterschiedlich starke Tableaus in der K.o.-Runde gibt: Das der Favoriten (der rechte Tableau-Baum) und das der vermeintlichen Aussenseiter (der linke Tableau-Baum) – das verspricht doch noch die eine oder andere erfreuliche Affiche!

Was ich jedoch kaum mehr ertrage, ist das Theater drum rum. Wetten, dass heute alle einen Expertenkommentar zu Island von sich geben? Mitarbeitende, die sich das ganze Jahr über dezidiert nicht für Fussball interessieren, diskutieren nun in den Pausen über Spiele und Spieler und langweilen mit Allgemeinplätzen, die Sie Alain Sutter (Schnittstellen!) oder Sascha Ruefer (Qualität!) oder dem Blick (Shaqiri!) nachplappern. Besonders mühsam auch diejenigen, die mit Verweis aufs firmeninterne Tippspiel damit kokettieren, dass ausgerechnet ich als grosser Fussballliebhaber in der hinteren Hälfte der Rangliste fungiere. Hätten Fussballkenner wirklich prophetische Fähigkeiten, wären die Karibikinseln voll mit ihnen.

Und dann dieses Public Viewing, zu welchem ich letzte Woche gezwungen worden bin! Was gibt es mühsameres, als eine überfüllte Beiz mit gut gelaunten und meist verkleideten Festhütten? Bereits eine Stunde vor Spielbeginn sind alle Plätze mit Blick auf den TV besetzt und also setzt man sich hinten an die Wand und unmittelbar nach dem Anpfiff steht dann immer wieder einer aus irgendeinem Grund vor dem Bild. Und der laute Nachbar hat zwar zu jeder Szene eine abschliessende Meinung, vermag aber vor lauter Mitteilungsbedürfnis oder Social Media kaum dem Spiel beizuwohnen.

Ich ziehe mich also zurück und geniesse einsam. Und freue mich auf den baldigen Meisterschaftsbeginn und damit auf den Fussballalltag, wenn die “ich interessiere mich nicht so für Fussball aber die EM oder WM schaue ich mir gerne an”-Leute endlich wieder die Klappe halten.

Hochachtungsvoll
Ihr Alexander Meier-Anderegg“

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47 Kommentare zu “Schwierige Schwätzer”

  1. 12er sagt:

    Schön gesagt Herr Kolumnist!
    Freue mich auch aufs Wankdorf, Mc Donalds und YB auf Platz 2.

  2. Rrr sagt:

    Ich freue mich, wenn der Lord nach Bern kommt. Guten Morgen.

  3. Rrr sagt:

    Besonders mühsam auch diejenigen, die mit Verweis aufs firmeninterne Tippspiel damit kokettieren, dass ausgerechnet ich als grosser Fussballliebhaber in der hinteren Hälfte der Rangliste fungiere.

    Das ist leider beim RL-Tippspiel auch so. Da liegt irgendein Formel-1- und Eishockey-Fan an der Spitze, es ist zum Heulen.

  4. Bäne II sagt:

    Ich freue mich ab Ihrer treffenden Analyse, Herr Meier-Anderegg. Danke.

  5. Alleswisser sagt:

    brillant, merci !

  6. dres sagt:

    Wetten, dass heute alle einen Expertenkommentar zu Island von sich geben?

    Was gibt’s da zu sagen? Dass der Brexitler putznüt ist verwundert hoffentlich niemanden. Zumindest nicht die Experten.

  7. Florian Bärtschi sagt:

    Meine Worte, Herr Meier-Anderegg. Schon vor sechs Jahren!

  8. Val der Ama sagt:

    So von wegen Tippspiel: Meine Bürokollegin hat mit der Taktik” Welches Land mag ich lieber” 7 von 8 Achtelfinals richtig getippt. Inkl. Volltreffer bei eben England-Island. Es ist nicht einfach…

  9. Rrr sagt:

    Ich sah alle 9 Achtelfinals richtig voraus, mache aber bei Tippspielen aus Prinzip nicht mit, da ich niemanden demoralisieren möchte.

  10. Val der Ama sagt:

    Gut, Sie sind ja auch Chef, da ist das ganz normal.

  11. dres sagt:

    Ich habe nach dem Ausscheiden der Schweiz mit der blöden Tipperei aufgehört, sonst würde ich natürlich gewinnen. Lockerstens.

  12. Problemfan sagt:

    Ich machs wie alle: Ich hab es nachher vorher besser gewusst.

  13. Durtschinho sagt:

    Ich weiss sogar ziemlich genau, wer Europameister wird, dies nur unter uns.

  14. Durtschinho sagt:

    Ah, noch was: Weil jedes Turnier seinen «Liebling» braucht, seine «Überraschungsmannschaft», die – obwohl es auf diesem Niveau ja keine «Kleinen» mehr gibt – doch kaum jemand «auf dem Radar» hatte, wird die Qualitätspresse in den kommenden Tagen alles, was auch nur entfernt mit Island zu tun hat, verwursten. Deshalb wäre es angezeigt, schon heute damit zu beginnen:

  15. Problemfan sagt:

    Ja, Herr Durtschino. Sehe ich auch so. Es kann nur diese Mannschafft sein. Das habe ich ja schon lange gesagt. (Und alles andere auch. Nur so stellt man garantiert eine richtige Prognose.)

  16. dres sagt:

    Ach, jetzt fallen Sie nicht auf diese Propaganda ein. Vielmehr als Ponyreiten und in Geysiren baden kann der Isländer jetzt wirklich nicht.

  17. Durtschinho sagt:

    Meisterliche Analyse, Herr Problemfan. Aber wir Fachleute sind doch thematisch immer auch noch «breiter aufgestellt», und ich sage mal: Auch mit Frankreich ist noch zu rechnen; nicht zu vergessen die defensiv doch sehr starken Italiener, die im Angriff immer wieder Nadelstiche zu setzen vermögen; dann ist da noch Deutschland, eine veritable Turniermannschaft, die gerade rechtzeitig in Form zu geraten scheint, wie das Spiel gegen die Slowakei gezeigt hat. Desgleichen Portugal.

    Rhabarber, rhabarber.

  18. Rrr sagt:

    Hopp Portugal! CR7 ist the best, fuck the rest, ich danke Ihnen.

  19. Harvest sagt:

    Watch your language, Chef!

  20. Rrr sagt:

    I say what i want, you son of a lozärner.

  21. Geni Meier 2 sagt:

    Wen interessiert schon EM ausserhalb des Nordatlantiks. Mein Dank geht an Herrn Val der Ama resp. seine Kollegin. Ich tippe ab sofort auf meine Lieblingsmannschaft. Die spielt im Wankdorf und landet auf Platz 1.

  22. Newfield sagt:

    Schampar schöner Schnapschat, Herr Durtschinho …

    … eine Runde Deeskalierungsgetränk für alle!

    rhabarber-schnaps

  23. Val der Ama sagt:

    Wir sollten unbedingt von diesem Brennivín organisieren, MM.

  24. dres sagt:

    CR7 ist the best

    Beim Töibbelen ganz sicher. Bei “me, you, fuck fuck!” habe ich meine Zweifel.

  25. Rrr sagt:

    Nur die Ruhe, Herr dres. Nur noch zweimal schlafen, dann spielt Portugal gegen Polen, und sie dürfen wieder dem Volkssport der Spiesser frönen, wie die NZZ das Cronaldo-Bashing so passend umschrieb.

  26. dres sagt:

    Da brauche ich nicht noch bis Donnerstag zu warten, Herr Rrr, ich verspreche es Ihnen.

  27. Durtschinho sagt:

    Volkssport der Spiesser

    Neid. Es ist Neid, Herr Rrr. Sie und ich können das ja auch sonst immer wieder in unserem Umfeld beobachten.

  28. Rrr sagt:

    Yep, Durtsch.

  29. Leserschaft sagt:

    Das Runde Leder ist eigentlich eine wundervolle Lektüre, doch das arrogante Getue der Herren Durtschinho und Rrr geht schon gewaltig auf die Nerven.

  30. Durtschinho sagt:

    Was wosch. Wir sind es uns gewöhnt. Wir sehen es, wir hören es, wir – gerade wir als eben AUCH sensible Typen – spüren es. Aber was kannst du dagegen machen… Lass sie reden, die Neider. Let’s do our thing. Es ist that easy, Monn.

  31. Alleswisser sagt:

    doch das arrogante Getue der Herren Durtschinho und Rrr geht schon gewaltig auf die Nerven.

    ich muss unbedingt wieder mehr kommentieren. Ich bin nämlich etwas unglücklich, dass ich hier nicht erwähnt wurde.

  32. Rrr sagt:

    Herr Durtschinho schreibt die besten Kommentare, Herr Rrr die geilsten Beiträge, beide sehen sehr gut aus und sind super im Bett, so what?

  33. Val der Ama sagt:

    Gefährlich, die Herren Rrr und Durtschinho. Das Betonen Ihrer unsympathisch konnotierten Überheblichkeit als einerseits Chef und andererseits Leser kommt einem eigentlichen Branding gleich. Ein Branding aber sollte im Rahmen eines strategisch geprägten Prozesses geführt werden, einem Prozess, der eng mit den Erwartungen des Managements und den Anliegen der holden Leserschaft verzahnt werden muss. Ich sag nur: Vorsicht.

  34. Herr Lich sagt:

    Herr Alleswisser, kurz vor Mittag Lust auf eine kleine Joe-Hart-Kontroverse? Ich vertrete entgegen der gängigen Meinung die These, dass Hart beim zweiten Gegentreffer nicht so schlecht war, wie er aussah. Klar kann er denn halten. Man muss allerdings auch sehen, dass die Unentschlossenheit der beiden Verteidiger ihm die Aufgabe sehr erschwert hat. Das Schlimmste für einen Torhüter ist die Unberechenbarkeit der Situation. Stehen zwei Verteidiger um den Angreifer herum, aber gehen nicht entschlossen zur Sache. Weiss der Goalie nicht: Was kommt? Schuss rechts, links, Ablenker, Block? Nehmen wir als Gegenbeispiel die Isländer oder Italiener: Hier macht der Vertediger das Loch auf der einen Seite zu, der Goalie weiss intuitiv, schon vor der Aktion, was er tun muss. Z.B. die hervorragende Aktion Buffons kurz vor Schluss, die Schnelligkeit und Entschlossenheit, der Touch Buffons ist grandios, aber er weiss bzw. spürt auch, dass der Ball dorthin kommt, dorthin kommen muss. Hingegen wäre es für Hart fast einfacher gewesen, wenn gar kein Verteidiger dort gestanden hätte bzw. wenn der Verteidiger den Stürmer resolut auf eine Seite abgedrängt hätte. War aber nicht der Fall und so ist es zu erklären, dass Hart den Schuss nicht richtig antizipiert, zu weit in die Ecke springt und der Touch dann nicht stimmt, weil der Ball näher zum Körper kommt als intuitiv erwartet.

  35. imi sagt:

    Guten Morgen. Das sehe ich auch so wie der Herr Experte. Dabei habe ich noch eine Ergänzung zu machen:

    Ich freue mich, wenn der Lord nach Bern kommt. Guten Morgen.

    Ich merke, dass mich diese Geschichte mit Doumbia emotional überhaupt nicht berührt. Und das finde ich eigentlich komisch. Ich habe eigentlich nur folgende Erklärung:

    Es ist einfach so, dass die Schweizer Liga über die letzten Jahre todlangweilig geworden ist und dieser Umstand halt auch die Emotionen nimmt. Ich fiebere zwar mit YB mit, freue mich über jeden Sieg und bin traurig, wenn sie verlieren. Aber die Tabelle schaue ich mir eher selten an. Es zählen einfach die einzelnen Spiele. Ich freue mich auch für meine Basler-Freunde, wenn der FC Basel die nächsten 20 Jahre Meister wird. Wünsche ihnen gleichzeitig aber, dass ihr Team auch ca. zwei emotionale Spiele in der Champions League pro Saison hat, für YB wünsche ich mir dasselbe in der Europa League. Und allen anderen Fans wünsche ich ein paar emotionale Spiele pro Saison in der Liga bspw. für den FCZ den Aufstieg, Sion-Fäns den Cupfinal, GC-Fäns der Klassiker gegen den FCB etc.

    Gleichzeitig sollen alle Spieler dort hingehen, wo sie am meisten Geld verdienen, egal ob sie spielen oder nicht. Ebenfalls völlig emotionslos. Als Fan kann man sich dann über die Ausnahmen von dieser Regel freuen und gleichzeitig für authentische Typen Partei ergreifen, die keine weichgespülten Interviews geben, eine eigene Meinung haben und auch mal was sagen, dass der FIFA, UEFA etc. nicht gefällt.

    So, ich gehe nun wieder völlig emotionslos BIPen. Hummel, hummel.

  36. Briger sagt:

    Sie liegen völlig richtig, Herr Durtschinho, aber und hier liegt das Problem bei Ihrer Analyse, Sie vergessen die sackstarken Belgier. Sackstarck sind die. Und aber auch vergessen Sie nicht Wales mit Gareth Bale, der ist auch sackstarch und das Kollektiv der Waliser, das ist eben noch eine Mannschaft, wie Island. Und erst die Polen! Ich sage Ihnen die Polen, die haben gegen die Turniermannschaft aus Deutschland 0:0 gewonnen und die können Penalty. Gerade in Ko-Spielen ein nicht zu unterschätzender Faktor.

  37. Durtschinho sagt:

    Guten Tag, ich war kurz internetabwesend. Also:

    Herr Briger hat recht, unterschätzen wir NIE die Belgier, Waliser und Polen, das hat er sehr gut gesagt, und man merkt schon, der junge Mann versteht etwas von diesem schönen Sport.

    beide sehen sehr gut aus und sind super im Bett, so what?

    Herr Rrr hat das sehr schön zusammengefasst – what else?

  38. Durtschinho sagt:

    Ein Branding aber sollte im Rahmen eines strategisch geprägten Prozesses geführt werden, einem Prozess, der eng mit den Erwartungen des Managements und den Anliegen der holden Leserschaft verzahnt werden muss. Ich sag nur: Vorsicht.

    Und jetzt noch ein Wort zu Herr der Ama – das mag alles stimmen. Aber hey, müssen derart authentische Kerle wie Herr Rrr und meine, äh, Wenigkeit (das schreibe ich nur, um bescheiden rüberzukommen, zwinker) wirklich einen auf «Vorsicht» machen (das war eine rhetorische Frage, damit ich nicht zu dominant wirke, kleiner Scherz, ich habe das nicht nötig, weil): Hey, wir sind die Kerle, die wir sind! Love it or leave it, gäu!!!

  39. imi sagt:

    Ein Branding aber sollte im Rahmen eines strategisch geprägten Prozesses geführt werden, einem Prozess, der eng mit den Erwartungen des Managements und den Anliegen der holden Leserschaft verzahnt werden muss.

    Branding auf den Mond, Herr der Ama! Wir wollen Emotionen!

  40. dres sagt:

    Um etwas klarzustellen: An Xamax in den 80er und 90er Jahren kommt keine Mannschaft der Welt heran. Das heutige Gekicke ist dagegen geradezu Randsport geworden. Dasselbe gilt für die Kommentiererei. Früher waren sowohl Experten also auch Leser um einiges kompetenter, heutzutage ist das alles Gewäsch. Und die Stars von früher! Ich verstehe nicht, warum man dieses Wort in Bezug auf Fussballer überhaupt noch verwenden darf. Real-Star Ronaldo, Vaduz-Star Sadiku. Gut, Nuzzolo, die Schneuwlys und Hediger könnte man als Ausnahme gelten lassen. Und das Schlimmste ist noch die Leserschaft: Jeder hat das Gefühl, er müsse seitenlange Aufsätze schreiben. Hauptsache Italien wird vor Deutschland Weltmeister, der Portugiese kann von mir aus zeitgleich mit Island Dritter werden.

  41. Harvest sagt:

    Jeder hat das Gefühl, er müsse seitenlange Aufsätze schreiben

    Genau, Herr dres. Morgen gibts als Beitrag den längsten Kommentar von heute.

  42. dres sagt:

    Morgen gibts als Beitrag den längsten Kommentar von heute.

    Ha, wunderbar, Herr Harvest. Dann copy paste ich gleich hundert Mal das alte und das neue Testament in 34 Sprachen inklusive allen möglichen Überlieferungen zu den Wundern von Jesus. Bebildert wird das Ganze mit Auszügen aus dem Playboy und dem Klubheftli des FC Thun.

  43. Geni Meier 2 sagt:

    In der Kurz liegt aber die Wurz. Heute ist wohl eine RL-Sonderausgabe MMEE, für “Männer mit eckigen Eiern”.

  44. Val der Ama sagt:

    Da hat es ein paar wirklich schöne Gedanken in diesem Blog aber der Durtschinho tut weiter voll überheblich, das ist einfach nicht normal. Ich bin ja übrigens, das wissen Sie vielleicht noch, immer noch voll für Belgien und ich war das ja bereits vor zwei Jahren damals an der Weltmeisterschaft in Brasilien und bereits zu dieser Zeit war ich immer der Meinung, dass die Belgier sackstark sind. Also Achtung vor den Belgiern, weil viele von denen sind wirklich stark.

  45. Alleswisser sagt:

    kurz vor Mittag Lust auf eine kleine Joe-Hart-Kontroverse?

    auch nach dem Mittag sehr gerne! Nur BIP-mässig heute ganz schlecht.

    Daher nur ganz kurz: ich schätze Ihre Solidarität zu Ihrem GB-Goalie. Weist auf einen guten Charakterzug hin.
    Ihre Ausführungen sind in vielen Punkten zutreffend und doch gelingt es mir nicht, Joe Hart “freizusprechen”.
    Ein Nati-Goalie sollte diesen Schuss halten.

  46. Herr Lich sagt:

    In der Schlussfolgerung sind wir uns wieder einmal grundsätzlich einig, Herr Alleswisser.