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Abgelegene Brötchen

Rrr am Dienstag den 17. März 2015

Johan Vonlanthens Grosseltern backen an der kolumbianischen Karibikküste die wahrscheinlich besten Schokoladenbrote der Welt.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr Etcheverry

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Dieser Gaumenschmaus will verdient sein. Nur zu Fuss oder auf dem Maultier ist sie erreichbar, die Panaderia am Strand Arrecifes im Parque National Natural Tayrona, an der Karibikküste Kolumbiens. Ist man auf den engen, von dichtem Tropenwald gesäumten Pfaden den rowdyhaft reitenden hiesigen Cowboys erfolgreich ausgewichen, wird man belohnt mit dem köstlichsten Schokoladebrot von, ich darf wohl sagen, ganz Lateinamerika – ofenwarm, in der Grösse eines Halbpfünderlis, zu einem Franken. Und dieses Ambiente! Ich setz mich vor die Bäckerei und sehe: rechts und links Palmen, vor einem eine Lagune, davor der Strand und dann das stürmische Meer. Besser aber: die Sicht nach hinten, zur wellblechbedachten Bäckerei, an deren abblätternder Fassade fachmännisch eine verblichene Flagge unseres BSC YB, eine Schweizerfahne und ein „Hopp-Schwiiz“-Schal angebracht worden sind.

Bäckt da ein Exil-Berner? Nein. Señor Don Wilson, der hier seit über 50 Jahren mit blankem Oberkörper in einem primitiven Holzofen Gourmetbrote aufgehen lässt, ist der Grossvater von Johan Vonlanthen. Und da ist nicht nur er. Da ist die Grossmutter Johans, eine Grosstante, da sind Cousinen, Tanten, Neffen und Grossnichten – kaum möglich, den Überblick zu behalten. So viele sind sie, das nachts nicht alle in die Bäckerei reinpassen und drum manche draussen in Zweierzelten übernachten.

Hier vor der Bäckerei habe sich Johan stets ausgetobt, erzählt die Grossmutter, die zu ihm schaute, als seine Mutter schon in der Schweiz war. Mit einem Ball an den Füssen sei er rumgerannt, jeden Tag, auch samstags. Über diesen leidigen Samstag, an dem Johan sich aus Glaubensgründen lange nicht mehr zu Arbeiten im Stand sah und deshalb seine Karriere schier in den Sand setzte, möchte seine Grossmutter nicht mehr reden. „Das ist zum Glück vorbei“, sagt sie. Sie freue sich immer, wenn sie höre, dass es ihm gut gehe in „Servette“, wenn er wieder einmal einer ihrer Grossnichten, die Smartphones besitzen, eine Whatsapp-Nachricht hat zukommen lassen.

Nicht ganz selbstverständlich ist übrigens, dass Johann nicht schon gefressen wurde, bevor er seine Karriere überhaupt starten konnte. Die Lagune, die direkt vor der rustikalen Bäckerei liegt und aus der er mit Gewissheit das eine oder andere Mal einen Ball klauben musste, wird nämlich von zwei Kaimanen bewohnt, die sich mittags gerne im Duft der Schokoladenbrötchen sonnen. Einmal, so höre ich, sei ein Junge in der Lagune schwimmen gegangen und nicht mehr zurückgekommen. Doch auch auf der anderen Seite gibt es Verluste. Bis vor kurzem haben noch drei Kaimane in der Südwasserlagune gelebt, erzählt mir eine Cousine Johanns. Doch dann ist eine der immensen Wellen, die tosend an den vor der Lagune gelegenen Strand von Arrecifes anschlagen und gemäss der örtlichen Beschilderung schon über hundert Südamerikareisen jäh beendet haben, solch eine Welle also ist über den Strand bis in die Lagune geschwappt und hat einen der drei Süsswasserkaimane mit sich rausgezogen. Jetzt sind sie nur noch zu zweit.

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16 Kommentare zu “Abgelegene Brötchen”

  1. Khathran sagt:

    * tränenausdenaugenwisch * und aber auch Johans zwei seiner Cousinen au lait chocolat!

  2. Problemfan sagt:

    Herr Kathran, das sind sicher auch so Stündeler wie der Johann.
    *denkt nach*

    Warum hat der Johann damals eigentlich für YB und nicht für Thun gespielt?

  3. Hängespitze sagt:

    Chocolat au paradis… Erst Dienstag und ich brauche schon wieder Ferien.

  4. Rrr sagt:

    Was machen die Cousinen eigentlich so beruflich, Herr Etcheverry?

  5. Frau Götti sagt:

    Grmbl…

    HERR RRR SIE HÖREN SOOO FORT AUF DIESEN BILDSCHIRM ANZUSTIEREN

  6. Frau Götti sagt:

    Und Sie, Herr Etcheverry, was mussten Sie überhaupt so weit weg. Hier gibts schliesslich auch schöne Frauen.

  7. Frau Götti sagt:

    Wenn nicht noch schönere.

  8. Frau Götti sagt:

    Ist doch wahr.

    *Hugorunterstürz*

  9. Max Power sagt:

    Ich stehe auf Männer, was empfehlen sie bei diesem Problem Anliegen Frau Götti?

  10. Frau Götti sagt:

    Da geht es Ihnen wie mir, Herr Power, das ist doch kein Problem.

  11. Max Power sagt:

    das ist doch kein Problem

    neinein, aber soll man sich da auch nach Inländischem richten oder nach Kolumbien?

  12. Hängespitze sagt:

    nach Inländischem richten oder nach Kolumbien

    Das ist doch Hans was Heiri.

  13. Max Power sagt:

    Das ist doch Hans was Heiri.

    Juan und Rico wären mir aber lieber.

  14. Lars: L sagt:

    Ein fantastischer und lehrreicher Beitrag!

  15. Shearer sagt:

    neinein, aber soll man sich da auch nach Inländischem richten oder nach Kolumbien?

    Auf der Redaktion schnupfen und rauchen wir sowohl als auch.

    Hervorragender Artikel, Herr Etcheverry! Für so etwas schönes wären hier alle viel zu faul.

  16. Daniserio sagt:

    Kann man sich da noch als Ballsponsor beliebt machen?