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Neulich in Japan (I)

Natischer am Freitag den 2. Mai 2014

Während seines rund zweiwöchigen Japan-Aufenthalts hat sich unser treuer Leser Herr rubensch in verschiedenen Städten und Wettbewerben Fussball angeschaut.

Mit dem Bericht vom Spiel Sanfrecce Hiroshima vs. FC Tokyo (J-League 1) schildert er seine Eindrücke vom ersten Spiel auf japanischem Boden. Wer sich neben Fussball auch für weitere Informationen zu Land und Leuten interessiert, sei auf seinen Blog verwiesen, wo unter dem Tag Japan einige Artikel erscheinen.

Sanfrecce Hiroshima – FC Tokyo 1:0

Anreise
Auf dem Weg zum Stadion ist die grösste Hürde gleich zu Beginn zu meistern: Die Astram-Linie die direkt zum Stadion führt, startet an der Station „Hondori“. Auf den gleichen Namen hört eine Haltestelle der Strassenbahn, die den Hauptteil des öV im Stadtzentrum zu schlucken scheint. Wer davon ausgeht, dass es sich dementsprechend um die gleiche Haltestelle halten müsse, der wird umherirren. Wenn man aber mal erkannt hat, dass die gesuchte Haltestelle unter der Erde liegt, ist der Weg zum Stadion ein Klacks und dauert etwa 36 Minuten (das Wort „etwa“ scheint im japanischen öV nicht zu existieren). Bei der Station „Koiki-koen-mae“ angekommen, wäre das Stadion in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Der Verein stellt jedoch Shuttlebusse, an deren Benützung man kaum vorbeikommt, weil von so vielen in Vereinsfarben gekleideten Personen der Weg dorthin gezeigt wird. Eine englische Wegbeschreibung gibt’s hier.

Stadion
Sanfrecce Hiroshima trägt seine Heimspiele im Hiroshima Big Arch aus. Der Name lässt darauf schliessen, wie das Stadion aussieht. Ein grosser Bogen prägt die Haupttribüne, an welchem auch Teile der Beleuchtung angebracht sind. Warum das Stadion früher Hiroshima Park Main Stadium hiess, erschliesst sich dem Besucher – zumindest nachts – nicht. Warum es jetzt eigentlich Edion Stadium heisst hingegen schon, wenn man die Werbeplakate betrachtet. Beim Ticketkauf wählt man lediglich eine Kategorie aus, danach darf man sich seinen Platz selber aussuchen. In unserem Fall hiess das für um die 30 Franken auf der Gegentribüne Platz nehmen. Die beiden Fanlager befinden sich in den beiden Hintertorkurven, leider beide etwas mehr in Richtung Gegengerade, wodurch uns ein optimaler Blick auf die beiden Lager leider verwehrt blieb. Rund ums Feld verläuft eine der ungeliebten Laufbahnen.

Atmosphäre
Fussball ist auch in Japan beliebt. Oft steht es aber hinter Baseball nur an zweiter Stelle. So scheint es auch in Hiroshima zu sein. Während sich das lokale Baseball-Team hoher Beliebtheit erfreut, verirren sich zum Meister der letzten beiden Jahre gerade mal gut 12‘000 Zuschauer. Während ein beträchtlicher Teil davon vor allem damit beschäftigt ist, allerlei Speisen zu verzehren, befinden sich hinter den beiden Toren echte Stimmungsblöcke. Aus der Hauptstadt sind rund 200 Fans angereist, im Heimbereich machen rund 2‘000 Menschen ordentlich Lärm. Was auf den ersten Blick auffällt: Vieles ist kopiert. Es entsteht eine Mischung aus meist europäischen Melodien und einigen südamerikanischen Stilelementen. So hört man bekannte Melodien und sieht Zaunfahnen, die man so (oder zumindest so ähnlich) auch in anderen Ländern schon gesehen hat. Das Highlight hängt dabei auf der Seite von Hiroshima: Commando Viola Ultra‘ Curva Ovest. Den Gästen aus Tokyo hätten wir dank ihrer Melodien eigentlich etwas mehr Originalität attestiert, das vor der Partie gesungene „You’ll never walk alone“ lässt das aber leider nicht zu.

Spiel
Eigentlich sollte die Begegnung ganz anständigen Fussball bieten. Die Gäste aus Tokyo bewegen sich zwar nur im Mittelfeld der höchsten japanischen Liga, der Gastgeber aber konnte in den letzten beiden Jahren die Meisterschaft gewinnen. Man merkts der Einleitung an, so gut war der Fussball nicht. Hiroshimas Trainer Moriyasu liess nur einen nominellen Stürmer auflaufen. Zwei der sechs aufgestellten Mittelfeldspieler schienen zwar eine offensive Rolle einnehmen zu wollen, die Verteidiger passten sich aber meist lieber zuerst gefühlte hundert Mal gegenseitig den Ball zu, bevors einige Meter nach vorne ging. Tokyo versuchte zwar offensiver zu agieren, waren aber zu wenig im Ballbesitz um das wirklich in die Tat umzusetzen. Chancen blieben entsprechend Mangelware, obwohl der Schiedsrichterassistent tatkräftig mithalf und in der ersten halben Stunde die Anwendung der Abseitsregel konsequent verweigerte. Hiroshimas Coach schien sich mit dem Unentschieden anfreunden zu können: er wechselte gegen Ende des Spiels sogar seinen einzigen nominellen Stürmer aus. Die Mannschaft aber wollte dann doch noch etwas mehr zeigen. In der 80. Minute verwertete Chiba – ein Verteidiger – nach einem Eckball doch noch per Kopf. Der Meister übernahm damit wieder die Tabellenführung.

Fazit
Wenn dieses Spiel repräsentativ ist, braucht es in Japan nicht allzu viel, um zweimal hintereinander Meister werden zu können. Auf dem Platz wars kein Highlight, auf den Rängen dafür aber ganz ordentlich, wenn auch etwas zu wenig „Eigenheiten“ zu beobachten waren. In Erinnerung bleibt zudem, wenn auch auf spezielle Art und Weise, dass am Eingang jeder Zuschauer – ungeachtet von Alter und/oder Geschlecht – mit einem halben Starterkit begrüsst wird, um sein Büromaterial in die Klubfarben zu tauchen.

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16 Kommentare zu “Neulich in Japan (I)”

  1. Hängespitze sagt:

    Schöner Bericht von rubensch-San. Man sieht es deutlich, die Japaner sind Meister der erfolgreichen “Lean Production”. Aber es soll ja auch hiesige Clubs geben, die das durchaus meistern, nicht war.

  2. Lars: L sagt:

    Japan?

  3. Newfield sagt:

    wäre das Stadion in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Der Verein stellt jedoch Shuttlebusse, an deren Benützung man kaum vorbeikommt, weil von so vielen in Vereinsfarben gekleideten Personen der Weg dorthin gezeigt wird.

    Fänmärsche raus!

    mit einem halben Starterkit begrüsst wird, um sein Büromaterial in die Klubfarben zu tauchen

    Pyro rein?

    KUBO

    Der, wo uns noch zum Titel bombt?!

  4. Rrr sagt:

    Herr rubensch Japanreporter vom anderen Sushi olé olé!

    braucht es in Japan nicht allzu viel, um zweimal hintereinander Meister werden zu können.

    In der Schweiz braucht es nicht einmal viel, um viermal hintereinander Meister zu werden. In der Schweioz ist das ganz anders.

  5. Lars: L sagt:

    Der, wo uns noch zum Titel bombt?!

    Nein, irgendein Finne.

  6. Natischer sagt:

    Isst der Japaner Senf Wasabi zur Wurst, Herr rubensch?

  7. rubensch sagt:

    Obwohl der Japaner über ein reichhaltiges Angebot an verschiedensten Esswaren im Stadion verfügt, so gehört die Wurst nur sehr am Rande dazu. Wasabi liesse sich aber sicher organisieren, wie wohl jedwelche Zutat.

  8. Rrr sagt:

    Ah, es gibt Sushi und Sashimi zum Fussi? Das ist ja wie bei uns in der Wankdorf VIP Loge.

  9. Lars Sohn sagt:

    Auf dem Platz wars kein Highlight

    Also eher Reisbrettfussi?

  10. Natischer sagt:

    GELB GEGEN RADIO GÄUBSCHWARZ WEGEN RANDSPORTS!

  11. Rrr sagt:

    Diese Simu und Brian sind Grüsle, das ist nicht normal.

  12. Hängespitze sagt:

    Herr Natischer, sie wissen doch dass das mit dem Fremdgehen heute selbst vom Bundesrat nicht mehr so eng gesehen wird.

  13. flYBoy sagt:

    Sanfrecce Hiroshima hat ein cooles Trikot

    WORD, Herr Pelocorto. Frage: können Ihre Inder auch ein Trikot vom neuen indischen Meister (Hand-) importieren? Und wenn ich Sie schon an der Leitung an der Blog-Tastatur habe: ich würde Sie als Juror für englische offizielle WM-Songs vorschlagen, wenn ich denn dürfte. Ihr diesjähriger Vorschlag passt mir bestens, kommt aber nicht an denjenigen der letzten WM heran.

  14. Lars: L sagt:

    Maxword, die Herren Natischer und Rrr.

  15. Problemfan sagt:

    Uiii….. können die 2 einen Brienzer von einer Blutgrätsche unterscheiden?

  16. zuffi sagt:

    Stinkefinger mitten auf der Brust?
    Und das dunklere Violett scheint mir um einen Farbton daneben zu liegen.