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Rohrkrepierer

Herr Pelocorto am Samstag den 5. November 2011

«Unglaubliche Provokation von GC-Goalie Bürki»

So titelte eine Schweizer Zeitung am 1. November. Diese unglaubliche Provokation entpuppte sich meiner Meinung nach als unglückliche Äusserung unseres Torhüters beim Interview mit dem Jugendsender Joiz Mitte Oktober. Ein Fussballer, der erklärt, dass “Schlegle” zum Fussball gehört und der nichts gegen Pyros hat? Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien!

Bürki wusste wohl nicht mehr, wie ihm geschah und musste zu Kreuze kriechen. Das Interview, das auch auf der GC-Website aufgeschaltet war, wurde sofort entfernt und der GC veröffentlichte eine Entschuldigung Bürkis.

Ich fand das Ganze eine sehr ärgerliche Geschichte, die vor allem eines zeigt: Beim Thema Fussball und Gewalt haben einige Medien das Augenmass verloren. Anstelle die sicher unüberlegten Äusserungen des 20-jährigen Bürkis richtig einzuordnen, wird er medial in den Senkel gestellt und in die Liste der Beispiele eingereiht, die zeigen sollen, dass es mit dem Fussball abwärts geht. So weit die mediale Realität – mit meiner Realität hat sie wenig zu tun.

Immer mehr Leute besuchen Fussballspiele, die Anzahl der Gewalttaten in Schweizer Stadien hingegen ist leicht rückläufig, wie der Beobachter zusammen mit dem Bundesamt für Statistik ermittelt hat. Eine Gewaltwelle sieht anders aus.

Wie uns diese mediale Realität prägt, habe ich diese Woche bei Verwandten erlebt, Frau B und ich waren bei einem gut 70-jährigen Paar zu einen Nachtessen eingeladen. Ein herrlich fussballfreier Abend, bis wir unvermittelt gefragt wurden, ob wir uns denn noch an Spiele getrauen, sie wüssten ja um unser Interesse für den Fussball, aber die Gewalt im Schweizer Fussball, das sei ja ziemlich schlimm. Wir haben unsere Eindrücke geschildert und für mehr Nüchternheit und Augenmass plädiert. Mein frommer Wunsch ist es, dass die Medien beim Thema Fussball und Gewalt generell etwas unaufgeregter zur Sache gehen, etwas mehr Fakten zusammentragen und etwas weniger mediale Rauchbomben zünden.

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13 Kommentare zu “Rohrkrepierer”

  1. Herr Noz sagt:

    FREE BÜRKI!

  2. tinel grantig sagt:

    word Herr Pelocorto. ab und zu ging es mir auch schon wie ihnen bei diesem 70-jährigen paar. eigentlich fast immer aber finde ich die meisten sog. ‘news’-medien zum auf den mond schiessen. ‘lieber ein scharfes vorurteil als gar keine meinung’ war aber eigentlich schon immer im trend. nur das thema wechselt bisweilen.
    guten morgen und einen schönen tag

  3. Natischer sagt:

    Völlig und gänzlich Ihrer Meinung, Herr Pelocorto.

    Manchmal muss man eben ein Problem konstruieren, um dessen Lösung endlich einführen zu können.

  4. Baresi sagt:

    unglückliche Äusserung

    Ah, das war alles, was er gesagt hat? Mehr oder weniger die Meinung der schweigenden Mehrheit der Fussballinteressierten. Wenn man die Eigenverantwortung nur ein bisschen wahrnimmt, ist der Besuch von Fussballspielen in der Schweiz kein grosses Problem.

  5. Natischer sagt:

    Wer genau hat sein Ziel erreicht, wenn Familie Göttibub lieber nicht ans Santiglöis-Spiel YB vs. Sitten reist wegen angeblicher Gefahr in und um Schweizer Stadien?

    JedeR, wo einen Polizeibericht copy/pasten kann, darf heute bei 20 Minuten “Journi” sein. Und die Schafe lesens und nehmens für bare Münze.

  6. Rrr sagt:

    Ah, die Medien sind schuld an allem. Gut, dass wir das mal kompetent diskutiert haben.

  7. Shearer sagt:

    die Medien sind schuld an allem

    Diese Medien sind sicher die Schwestern von Herrn Baresi.

  8. übersaxo sagt:

    fingeniou. mägenes paar finger und äs paarne hörgschädigtä sonäs gschrei go machä. mä würd ou meine. das ghört jtze eifach zurä lebändigä fänkultur u das söu jtz mau dä hingersch u letscht gfäuigscht begriffä. das cha doch so schwär nid si ihr herrä und damä volontäre?!

  9. Pelocorto sagt:

    Was sollte Ihrer Meinung nach im Schweizer Fussball geschehen, Herr Übersaxo?

  10. Val der Ama sagt:

    Was Böller und anderes Testosteronzeugs mit Fankultur zu tun haben, verstehe ich jetzt nicht unbedingt.

  11. Lars Sohn sagt:

    Word, Herr der Ama.

  12. Pelocorto sagt:

    Dieses Testosteronzeugs stört mich nicht gross beim Matchbesuch. Die Diskussion darüber ist allerdings müssig, denn die Rechtslage ist eigentlich klar:

    Das Abbrennen von Pyro, die nicht zu Vergnügungszwecken gedacht sind (z.B. Militärrauch, Seenotfackeln) stellen einen Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz dar. Folge: Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

    Das Abbrennen von Pyro zu Vergnügungszwecken (z.B. 1. August Feuerwerk) stellt keinen Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz dar, aber einen gegen die kommunale Polizeiverordnung. Folge: Busse in der Höhe von ca. 900.-, kein Eintrag ins Strafregister.

    Mir scheint einfach die mediale Aufregung deutlicher grösser als das Problem. Durch die Ereignisse im Rom steigt allerdings der Druck, gegen Pyros vorzugehen. Wohin diese Veränderungen in den Fankurven führen wird, ist offen. Ich jedenfalls möchte nicht, dass in Zukunft nur noch Nati- oder Event-Publikum an den Super-League-Spielen auftaucht.

  13. […] Runde Leder weiss: Als Erstes sollen die Hoppers gestoppt werden. Hier will der Zentralrat im Fall Roman Bürki (Sie erinnern sich: «Schlegle ghört dezu») ein Exempel statuieren und hat dazu uralte […]