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Pepe Reina, der heimliche König

Frau B am Samstag den 11. Dezember 2010

Als sich Jamie Carragher Ende November die Schulter ausrenkte, stellte sich für Liverpool-Coach Roy Hodgson die Frage, wen er nun zum Captain bestimmen sollte. Carragher ist ja selbst nur vice-skipper hinter dem ebenfalls verletzten Steven Gerrard. Die offizielle Club-Website stellte die Captain-Frage auch, und zwar den Fans. Das Resultat erstaunte nicht: 54% der Supporter stimmten für José Manuel Reina, den Torhüter. Dahinter folgten Fernando Torres und Dirk Kuyt mit je 17% der Stimmen.

Ob Roy Hodgson auf die Fans gehört hat, weiss ich nicht, auf jeden Fall hat er Pepe Reina für die beiden letzten Spiele zum Captain ernannt. In der Europa-League gegen Steaua Bukarest vor neun Tagen lief es nicht optimal: Reina rutschte ein harmloser Ball durch die Beine, und es stand 1:1. Beim Heimspiel gegen Aston Villa am 6. Dezember hingegen gab es nichts auszusetzen: Liverpool siegte problemlos 3:0. Nebenbei war das eine eiskalte Dusche für Ex-Coach Gérard Houllier, der mittlerweile in den Diensten von Villa steht und an der Anfield Road warm empfangen wurde. Für Pepe Reina wurde es aber ein besonders schöner Abend, denn er feierte sein 100. Liverpool-Spiel ohne Gegentor. Insgesamt war es sein 198. Einsatz im Trikot der ‹Reds›; so schnell wie er hat kein Liverpool-Torhüter zuvor diese Marke erreicht.

Für die Fans ist der Spanier, der 2005 von Rafa Benítez verpflichtet wurde, schon lange zu einem der beliebtesten Spieler geworden. Klar bewundert man Steven Gerrard, der mit seinen Weltklasseaktionen schon so manches Match zu unseren Gunsten entschieden hat. Aber ein richtiger Captain – so finden viele – ist Gerrard nicht: zu launisch und zu wenig lautstark agiert er auf dem Platz. Der heimliche Captain ist Carragher, der die Mitspieler hörbar aus der Abwehr dirigiert und angeblich auch in der Kabine das Sagen hat.

Carragher ist aber im Ansehen der Fans in den letzten Monaten gesunken. Einerseits ist man sich einig, dass er seinen Karrierehöhepunkt überschritten hat und immer mehr zum Risikofaktor auf dem Platz wird. Dass er nicht schneller geworden ist, streitet jedenfalls niemand ab. Ausserdem munkelt man, dass er eine der treibenden Kräfte hinter dem Hinauswurf von Benítez war, und viele Fans hätten den Spanier lieber heute als morgen zurück. Dass Carragher vor dem Spiel gegen Aston Villa in einem Interview Gérard Houllier höher eingeschätzt hat als Rafa Benítez, kam auch nicht überall gut an.

Auf Pepe Reina hingegen ist Verlass: Er spielt konstant auf hohem Niveau, bekennt sich stets uneingeschränkt zu Liverpool, liefert keine negativen Schlagzeilen, hat Führungsqualitäten und ist bei Spielern und Fans gleichermassen beliebt. Auf Englisch tönt die Bewunderung so: He’s a legend. As a leader and, well, just as a bloke really, he’s perfect captain material. I absolutely love the fella. Ja, die Fans lieben ihn, und ich liebe ihn auch. Der Fussball könnte durchaus mehr Pepe Reinas vertragen.

Three captains: Carragher – Gerrard – Reina (top bloke)

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40 Kommentare zu “Pepe Reina, der heimliche König”

  1. JimBobIII sagt:

    Auf Shearer hingegen ist Verlass: Er spielt konstant auf hohem Niveau, bekennt sich stets uneingeschränkt zu FC RL, liefert keine negativen Schlagzeilen, hat Führungsqualitäten und ist bei Spielern und Fans gleichermassen beliebt. Auf Englisch tönt die Bewunderung so: He’s a legend. As a leader and, well, just as a bloke really, he’s perfect captain material. I absolutely love the fella. Ja, die Fans lieben ihn, und ich liebe ihn auch. Der Fussball könnte durchaus mehr Shearers vertragen.

    Hopp FC RL!
    Und guten Morgen allerseits.

  2. newfield sagt:

    und Dirk Kuyt mit je 17% der Stimmen

    ______________________

    Ich würde dies meinen Freunden empfehle(n), allein mir fehlt ein Gesichtsbuchkonto.

  3. newfield sagt:

    denn er feierte sein 100. Liverpool-Spiel ohne Gegentor. Insgesamt war es sein 198. Einsatz im Trikot der ‹Reds›

    Zenzazionell.
    Da brauchst Du als Goalie aber auch eine Verteidigung, oder was meinen Sie, Herr Alleswisser? Was haben andere Torhüter diesbezüglich so für Werte?

  4. Rrr sagt:

    Was haben andere Torhüter diesbezüglich so für Werte?

    Langzeitwerte habe ich grad nicht gefunden, da müssten wohl Pelocortos 32 Inder ans Werk. Bis dahin können Sie sich die Zeit mit Alleswissers Hausseite oder so ähnlich verkürzen.

    mir fehlt ein Gesichtsbuchkonto.

    Ha ha ha, Herr Nüfü hat keine Identität. Hi hi hi!

  5. Pelocorto sagt:

    Die Werte früherer Liverpool-Goalies:
    Ray Clemence brauchte dazu 217 Spiele, Bruce Grobbelaar 225 Spiele und Elisha Scott 283.

    Andere sind noch besser:
    Petr Cech brauchte nur 180 Spiele.

  6. Herr Shearer sagt:

    Ich mag Sie sehr, Herr JimBob!

    denn er feierte sein 100. Liverpool-Spiel ohne Gegentor.

    Heute feiert er übrigens nicht sein 101.

  7. newfield sagt:

    Wölfli morgen vielleicht sein 5. in einem Ernstkampf – in dieser Saison. Wenn es seine Gesundheit und St. Gallen zulassen.

    Ohne Gewehr schnell durchgecklickt die Bilanz unserer Nr. 1 in diesem Ernstkampfherbst (Europa, Meisterschaft, Cup):

    24 Spiele (gemäss Teamstatistik YB), davon
    4 ohne Gegentor.

    Vergleichen Sie bzw. rechnen Sie hoch bzw. let’s face it.

  8. newfield sagt:

    OK OK, im Detail natürlich nicht seriöse Analyse (Wölfli und Bürki z.B. zusammen bereits 18 Meisterschaftsspiele, weil beide gegen GC die Null gehalten haben …).

    Aber die Tatsache bleibt: Wir spielen eher selten zu Null. Und 5:1.

  9. Pelocorto sagt:

    24 Spiele (gemäss Teamstatistik YB), davon
    4 ohne Gegentor.

    In der Meistersaison 2004-05 hat Peter Cech in der Premier League 25 Mal zu Null gespielt; das wird für Wölfli wohl sehr eng bis Ende Saison.

  10. bof sagt:

    Heute feiert er übrigens nicht sein 101.

    Voilà. Auch wenn mir dieser Herr Pardew noch nicht geheuer ist, der Herr Carroll schenkt ein, sage ich Ihnen.

  11. Alleswisser sagt:

    Guten Tag, sorry bin etwas spät dran (war mit Rennvelo unterwegs PBP 2011 benötigt intensives Training!)!

    schöner Beitrag und es freut mich, dass mittlerweile hier im RL so ca. 2-3 Leute mich als Goaliexperten anerkennen.
    Eine gute “zu Null Statistik” hat schon was mit einem guten Goalie zu tun. Nebst den Paraden auf dem Platz die die Null ermöglichen spielen aber viele weitere Punkte eine Rolle, bei der es mehr auf die Ausstrahlung des Goalies auf und neben dem Spielfeld ankommt. z.B.
    – Management muss sich bewusst sein, dass trotz einem sehr guten (und teuren) Goalie die Defensive noch mit weiteren erstklassigen Spieler besetzt werden muss
    – die Mitspieler müssen lieber 2:0 statt 4:1 gewinnen wollen (der Trainer will das sowieso), weil ihr Goalie sie sonst bis zum nächsten Spiel terrorisiert
    – auch die Fans und die lokale Presse muss bereit sein, mit einem 2:0 zufrieden nach Hause zu gehen und nicht das ultimative Spektakel zu fordern
    – je mehr Klasse und (auch Kultfaktor) der Goalie ausstrahlt, je mehr werden die gegnerischen Stürmer sich unter Druck fühlen und oft zu genau zielen. Mehr Pfostenschüsse oder Fehlschüsse ebnen dem Goalie auch bessere statistische Werte.

    YB bezogener Nachtrag: eigentlich schade, dass viele obiger Punkte bei den Gelb-Schwarzen keine Rolle spielt! Ok, zu Kultgoalie fehlt Wölfli doch noch einiges, aber er hat sich insgesamt gut entwickelt.

    Wünsche noch einen schönen Tag!

  12. JimBobIII sagt:

    Oder machs wie FC Basel: 3 Topstürmer und immer ein Tor mehr machen, hahaha.

  13. Pelocorto sagt:

    PBP kannte ich nicht. Mein Respekt, Herr Alleswisser!

  14. Je sagt:

    allein mir fehlt ein Gesichtsbuchkonto.
    ich habe selbstverständlich auch keins, aber mir fehlt’s nicht…

  15. JimBobIII sagt:

    Sie sind ja auch gegen Goalies zu Null und so, oder, Herr Je? Eins sollte man schon durchlassen für Sie.

  16. Alleswisser sagt:

    Danke Herr Pelocorto. Ist allerdings noch viel zu früh für Ihre Wertschätzung, zuerst muss ich es schaffen…
    Bin diesen Mai ein 600-er Brevet gefahren und leistungsmässig an meine Grenze gestossen. Die Vorstellung die gleiche Strecke nochmals zu fahren war keine erfreuliche Aussicht (und völlig unrealistisch). Habe von nun an bis im August noch viel zu tun:
    – 10’000km radeln
    – 8kg abnehmen
    – mentale Stärke à la FC Bayern aufbauen
    – Hr Fuentes aufsuchen (sofern er nicht länger im Knast bleibt, was ich ja grundsätzlich befürworte!)

    um den Bezug zum Fussball und zum Liverpool Goaliethema doch wieder herzustellen noch ein Nachtrag:
    Clemence hatte Klasse, Grobbellar war Kult!

  17. Pelocorto sagt:

    Ich stelle mir die Sache mit dem Schlafen am PBP am schwierigsten vor.

  18. Lars: L sagt:

    Dunkelgelb gegen Herrn Alleswisser wegen wiederholtem Ra(n)dsport!

  19. Alleswisser sagt:

    ok, Herr Lunde, wechsle mich daher nun wegen Rotgefahr selbst aus wechsle vor die Sportschau (und werde die Schlafproblematikfrage von Herrn Pelocorto später mal beantworten).

    Besten Dank übrigens, dass keine Bundesligaresultate oder -kommentare hier plaziert wurden. Hoffentlich war’s kein stinklangweilige Runde…

  20. JimBobIII sagt:

    Endlich dort angekommen wo wir schon gefühlte 10 Jahren sind: Veteranentag.
    Machs gut zäme, muss den Viergänger konsumieren gehen.

  21. JimBobIII sagt:

    Grande St. Pauli, Herr Alleswisser!

  22. Shearer sagt:

    Quod erst Demonstrandum.

  23. fatB sagt:

    Der Migros Sonntagsverkaufs-Banner zuoberst habe übrigens ich gemacht. Ich bitte um Applaus. Danke.

  24. Pelocorto sagt:

    werde die Schlafproblematikfrage von Herrn Pelocorto später mal beantworten

    Sehr schön, bin gespannt! Vielleicht äussern Sie sich dann auch zu Ihrer allfälligen Teilnahme an LEL 2013?

  25. Je sagt:

    Zu-null-Goalies sind quasi meine natürlichen Feinde, Herr JimBobIII.

    Heute spiele ich beim geoutsourceten Geburifest von Jeninho den Anstandswauwau, nachdem offenbar einige Mädchen nur herkommen dürfen, wenn dauernd ein Erwachsener dabei ist. Das wirklich Schlimme dort ist allerdings die Musik auf den anwesenden iPods; ich bin mir jetzt schon fast reuig, dass ich am Nachmittag noch das DJ-Pult geflickt habe.
    Naja, Hauptsache, die Kiddies haben Freude…

  26. Pelocorto sagt:

    Sie Ärmster!

    Vielleicht heitert Sie meine allererste Schallplatte auf (das war wohl damals mp0 …)

  27. Moeff sagt:

    Was ich noch unbedingt loswerden möchte: Herr Pelocorto Buchverschenkgott von einem anderen Literaturstern olèolè! Pflichtlektüre für Phase 3 nur Hilfsausdruck. Vielen Dank! Mögen Ihre Teams immerwährenden Erfolg (mit kurzen Unterbrüchen wenn sie gegen YB antreten) haben. Besonders aber Morgen gegen Basel.

  28. Je sagt:

    Wunderbar, Herr Pelocorto. Sie setzten offenbar damals schon auf Qualität.
    Les Humphrie war leider eine eher tragische Figure im Pop-Business.
    Aber aus den Singers hat sich später der Eine oder die Andere durchaus interessant entwickelt…

    So, die Damen sind eingetroffen und die Herren fangen an, sich zu übertreffen, hahaha.

  29. Pelocorto sagt:

    Mögen Ihre Teams immerwährenden Erfolg … haben

    Besten Dank, Herr Moeff. Mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen!

  30. YBibliothekarin sagt:

    Was ist denn das für eine Pflichlektüre, Herr Moeff?

  31. Je sagt:

    2 zuwenig, Herr Shearer;-)

  32. newfield sagt:

    Vielleicht heitert Sie meine allererste Schallplatte auf (das war wohl damals mp0 …)

    Gute Güte, Herr Pelocorto. Eine LP dieser Singers war das wildeste, was in unserer Stube in Sachen Beschallung im Gestell stand. Nebst Udo Jürgens. So gesehen habe ich mich in dieser Hinsicht erstaunlich positiv entwickelt. IndemSinn: Schönen Abend allerseits, vor allem Herr Je(ninho)!

  33. Shearer sagt:

    Scheissegal, Herr Je!

  34. Je sagt:

    Uiuiui, einer hat beim “Breakdancen” den Daumen verstaucht. Das Mitleid der Damenwelt ist ihm sicher…

  35. Pelocorto sagt:

    Aber aus den Singers hat sich später der Eine oder die Andere durchaus interessant entwickelt…

    Ha, ha, Sie sprechen sicher von Jürgen Drews!

  36. Je sagt:

    Der Drews ist schon eher ein abschreckendes Beispiel, wobei er ja auch musikalisch durchaus ansprechendes gemacht hat – einfach mit eher wenig Erfolg…
    Liz Mitchel und John Lawton sind bessere Beispiele für nachhaltige musikalische Hinterlassenschaften…

  37. Je sagt:

    Die ersten werden von ihren Vätern abgeholt. Damit es nicht peinlich ist, haben sie an der nächsten Kreuzung abgemacht.

  38. Je sagt:

    Juhuu, erlöst – alle wurden abgeholt und es ist noch viel Cola übrig.
    Gute Nacht allerseits.

  39. JimBobIII sagt:

    Gute Nacht, meneer Je.