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Wehmut

Herr Pelocorto am Samstag den 30. Oktober 2010

Objektiv betrachtet spricht alles für den Letzigrund. Die Eingangskontrollen laufen zügig ab, im Inneren ist alles sehr grosszügig, die Stützen-Wurst schmeckt erstklassig und auf der Toilette findet man eine unendlich lange Reihe Designer-Pissoirs. Die Architektur überzeugt; das beinahe frei schwebende Dach hat mir von Anfang an gut gefallen und die roten Sitze geben dem Rund eine warme Atmosphäre. Aber wer ist schon objektiv, wenn es um Fussball geht? Ich nicht.

Meistens bin ich bereits eine Stunde vor Anpfiff im Stadion. Ich schlendere ein wenig umher, werfe einen Blick auf das Angebot beim Fanartikel-Stand, esse eine Wurst, trinke etwas, schaue, ob der Match-Flyer in der Box schon bereitliegt und geniesse die Ruhe. Nur wenige Zuschauer sind auch schon hier. Mir gefällt diese Zeit, wo das Stadion noch nichts weiss von der Erregung und dem Geschrei, die bald herrschen werden.

Jedes Mal, wenn ich den Letzigrund betrete, mischt sich in die Vorfreude und die angespannte Erwartung auf das kommende Spiel auch ein wenig Melancholie. Im Letzigrund bin ich Besucher, vielleicht sogar Gast, aber sicher nicht zuhause. Der Letzigrund ist ein schönes Stadion, aber keine Heimat.

Mehr als drei Jahre ist es her seit dem allerletzten Spiel in unserem Heimstadion. Mit Wehmut denke ich an das alte, hässliche, baufällige Stadion zurück, dessen spröder Charme sich einem nicht beim ersten Besuch erschloss. Ja, ich vermisse den Hardturm.

Im Hardturm

Wann kommt der neue Hardturm? Der Stadtrat arbeite «mit Hochdruck» am Projekt, damit der Wettbewerb für das neue Stadion anfangs 2012 gestartet werden kann. 2013 folgt die Ausführungsplanung, ein Jahr später beginnt der Bau, der vermutlich zwei Jahre dauern wird. 2016 kann angepfiffen werden, vorausgesetzt, dass das Stadtparlament und das Zürcher Stimmvolk nicht vorher schon abpfeifen werden.

Bis wir wieder in einem eigenen Stadion, in unserem Stadion, spielen werden, vergeht noch viel Zeit. Viel Zeit für Wehmut.

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29 Kommentare zu “Wehmut”

  1. natischer sagt:

    ist das bild handgefötelet, herr pelocorto? diese perspektive kenn ich drum gar nicht.

  2. Rrr sagt:

    Guten Morgen, ich habe gute Nachrichten: Der FCSG wird nächste Woche gerettet.

    Zurück zum Thema: Wehmut!

    P1000847

  3. JimBobIII sagt:

    Wehmut kenne ich gut.

  4. Frau B sagt:

    Ach was, rote Sitze sind super!

  5. Pelocorto sagt:

    Zurück zum Thema: Wehmut!

    Schönes Bild, Herr Rrr! Es ist auf den Tag genau 5 Jahre alt.

  6. Rrr sagt:

    So ist es, Herr Pelocorto.

    P1000846

  7. newfield sagt:

    Voraussichtlich 10 Jahre ohne Heimstadion. Das tut weh und braucht Mut zur Lücke, indertat. Sehr schöne Vor-dem-Spiel-ist-vor-dem-Spiel-Beschreibung, Herr Pelocorto. Ich liebe diese Stimmung auch, allerdings vor dem Stadion, noch bevor die RLer einlaufen.

    Und möge Ihr Club ab Sonntag Abend 18.30 Uhr wieder möglichst erfolgreich sein!

  8. Svon Hetz sagt:

    Sehr schöne Herr Pelocorto. Ich vermisse den Hardturm auch – als Stadion für Auswärtsderbys. Ist nach wie vor seltsam, gegen GC immer am selben Ort zu sein. Ändern wird sich daran jedoch nur noch das Vorzeichen. Mal schauen, ob das Ihnen dann auch komisch vorkommt, wenns mal soweit ist.

  9. nadisna sagt:

    Sehr schön beschrieben, diese Stimmung vor dem Match, Herr Pelocorto. Genau so mag ich es auch. Und darum mag ich auch den Besuch von anderen Stadien in der ganzen Welt, um genau diese Stimmung vor einem Match zu erkunden – und zu vergleichen. Denn jedes hat seine ganz eigene Energie.

  10. imi sagt:

    Sehr schön. In jeder Stadt, die ich besuche, gehe ich zum Fussballstadion. Das war schon so, als ich noch klein war. Ich habe meine Eltern jeweils ziemlich genervt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich eines Tages bei einem Besuch mit meiner Mutter in Zürich vor dem Hardturm stand. Ich kannte das Stadion aus dem Fernsehen und wollte es UNBEDINGT sehen und meine Mutter hat ein grosses Herz. Leider konnte ich nicht in den Hardturm reingehen und musste durch einen Gitterzaun reinschauen. Für mich war es trotzdem was ganz besonderes. Zürich lag ja für mich als kleiner Junge GANZ GANZ weit weg. hihi

  11. imi sagt:

    Ich habe übrigens die schönen, weil durchaus textlastigen, Beiträge von Frau B. und Herrn Pelocorto zum Anlass genommen, im Archiblog am Samstagmorgen auch mal was textlastiges zu schreiben. Eventuell haben Sie Ergänzungen zu machen.

  12. Rrr sagt:

    Eventuell haben Sie Ergänzungen zu machen.

    Schöner Ausschnitt!

  13. Herr Shearer sagt:

    um genau diese Stimmung vor einem Match zu erkunden – und zu vergleichen.

    Und natürlich auch, um nette Gleichgesinnte kennenzulernen.

    Image and video hosting by TinyPic

    Sehr schön, Herr Pelocorto. Der Hardturm war ja immer mein Lieblingsauswärtsstadion, schon nur wegen der gemischten Bratwurst vom Angst.

  14. Pelocorto sagt:

    möge Ihr Club ab Sonntag Abend 18.30 Uhr wieder möglichst erfolgreich sein!

    Es ist noch nicht sicher, dass der GC ein komplettes Team stellen kann. Verletzt sind:
    – Cabanas
    – Callà
    – D’Angelo
    – Hajrovic
    – Rennella
    – Riedle
    – Silas (den habe ich erst einmal spielen sehen, der wäre noch gut)
    – Smiljanic
    – Toko
    – Voser

    Gesperrt sind
    – Abrashi
    – Menezes

    Nichtsdestotrotz wird es einen Auswärtssieg geben, denn einen Club im Zwischenreich muss man einfach schlagen.

  15. Rrr sagt:

    Ein Blogger meint, im Winter gebe es «sowieso eine neue Mannschaft. Und Gras.» Ein anderer meint, es benötige vielleicht
    «gröberes Zeug».

    Herr Newfield und Herr Shearer die-Lage-in-der-NZZ-analysier-Götter vom anderen Stern!

  16. zuffi sagt:

    Das war aber auch eine Top-Kommentar-Passage. Man muss sagen, die von der NZZ wissen schon, was sie machen.

  17. betico sagt:

    Sehr schöne, Herr Pelocorto.

    Apropos Stadion: Das Betisstadion heisst nicht mehr Manuel Ruiz de Lopera, sondern wieder Benito Villamarin. Am 14.Dezember wird zudem eine ausserordentliche Generalversammlung stattfinden. Dann werden die von der Richterin eingesetzten Administratoren Gordillo, Porrua und Huidobro das Ruder übernehmen. Olé!

  18. juek sagt:

    In den Hardturm hat mich vor Jahrzehnten manchmal mein Grossvater mitgenommen. Das hat natürlich an meiner Begeisterung für die Berühmten nichts geändert, schliesslich bin ich nur zwei Strassen neben dem Wankdorf aufgewachsen. Apropos Wehmut: Damals haben wir Knirpse jeweils vor dem Stadion gewartet, bis in der Pause die Gittertore geöffnet wurden und wir uns die zweite Halbzeit gratis anschauen konnten.

  19. JimBobIII sagt:

    Damals haben wir Knirpse jeweils vor dem Stadion gewartet, bis in der Pause die Gittertore geöffnet wurden und wir uns die zweite Halbzeit gratis anschauen konnten.

    Das war im alten Letzigrund genau so, Herr juek. Jetzt leider nicht mehr.

  20. juek sagt:

    Petkovic sieht Affolter jetzt «in der zweiten Phase. Er muss seine Leaderposition bestätigen.»

    Hallo! 2. Phase – Leaderposition bestätigen. Was sucht KänSieg dann in der 3.? Das schafft nur Verwirrung, wenn jeder in seiner eigenen Phase rumkickt.

  21. Svon Hetz sagt:

    Phasenverschiebung, sozusagen.

  22. Svon Hetz sagt:

    Oh, Herr Betico, danke fürs Update. Sind die Neuen denn auch wirklich gut, oder ist das nur wieder so eine Regen-Traufe-Geschichte?

  23. betico sagt:

    Einerseits ist es gut, weil dadurch die vermeintlich neuen Besitzer um den berüchtigten Luis Oliver abtreten müssen, Horr Hetz. Andererseits ist es auch positiv, weil die Neuen als Administratoren von der zuständigen Richterin eingesetzt worden sind. Sie müssen daher für Transparenz sorgen und werden ziemlich sicher Spezialisten in ihr Team holen, um die schwierige Lage bei Betis zu verbessern. Sie werden wohl so lange bleiben bis der Fall Lopera abgeschlossen ist.

  24. newfield sagt:

    Die aktuelle Tabelle macht sich auch gut …

    1 Real Betis 9 7 1 1 22:8 14 22
    2 Celta Vigo 10 6 3 1 19:10 9 21
    3 Rayo Vallecano 9 6 2 1 16:7 9 20
    4 UD Salamanca 9 5 2 2 10:8 2 17

    …. Viva!

  25. betico sagt:

    Viva, Herr newbetico, sowohl beim Apero wie im richtigen Leben.

  26. Baresi sagt:

    Die Architektur überzeugt;

    Ihr Bericht war einmal mehr Anlass, der Frage nachzugehen, ob ein Fussballstadion architektonisch überzeugen muss oder eben gerade nicht, bez. ob an Stadien andere Dinge wichtiger sind als überzeugende Architektur. Zwischen einem Fussballspiel in der ausverkauften AllianzArena und dem ausverkauften SanSiro liegen trotz ähnlichem Fassungsvermögen Welten. Liegt es an meinem unterschiedlichen Bezug zu den verschiedenen Mannschaften, an den Menschen, an der Organisation oder eben doch auch an der unterschiedlichen Architektur? Das SanSiro überzeugt mich architektonisch überhaupt nicht, bot aber noch jedes Mal das bessere Fussballerlebnis als die AllianzArena.

    Nur wenige Zuschauer sind auch schon hier.

    Und diese Vorlage muss ich leider auch verwerten, Herr Pelocorto, ich kann nicht anders: Sind es am Schluss jeweils deutlich mehr? Haha

  27. Pelocorto sagt:

    ob ein Fussballstadion architektonisch überzeugen muss

    Nein, muss es nicht.

    ich kann nicht anders

    Jeder macht die Witze, die er kann.

  28. Val der Ama sagt:

    Architektur darf ruhig überzeugen von aussen, Herr Baresi. Innen solls aber ausschliesslich laut und nicht allzu zugig sein, wenn dann gespielt wird.

    Damals haben wir Knirpse jeweils vor dem Stadion gewartet, bis in der Pause die Gittertore geöffnet wurden und wir uns die zweite Halbzeit gratis anschauen konnten.

    Ich habe als Gymeler und später dann als doofer Student ganze YB-Saisons so verfolgt.

  29. JannieTyson sagt:

    It’s understandable that cash can make people independent. But what to do if somebody doesn’t have money? The only one way is to receive the mortgage loans or student loan.