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Serie zur Serie A (2). Die Neuen: Cagliari

Dr. Eichenberger am Samstag den 4. September 2004

Die blau/roten Tenus von Cagliari Calcio ähneln jenen des FC Barcelona oder des FC Basel. Aber auf Sardinien ist alles ganz anders. Cagliari pendelt regelmässig nicht nur zwischen der Insel und dem Festland, sondern zwischen der Serie A und der Serie B. Die glorreiche Vergangenheit liegt weit zurück: 1970 wurde Cagliari mit dem grossen Gigi Riva Meister, was die ganze Insel in Ekstase versetzte.


An Cagliari haben wir Schweizer besonders gute Erinnerungen. Vor unserem Auge sehen wir, als wäre es gestern gewesen, wie am 14. Oktober 1992 im Stadion Sant’Elio der italienische Torhüter Marchegiani in der 22. Minute beschloss, unseren Stürmer Chapuisat zu umdribbeln. Das ging bekanntlich schief und die Schweiz führte 0:2, nachdem Ohrel schon zum 0:1 getroffen hatte. Roberto Baggio (83.) und Eranio (90.) retteten Italien kurz vor Schluss vor der Blamage. Das Rückspiel gewann die Schweiz im Wankdorf 1:0 (Tor durch Hottiger) und fuhr mit Trainer Roy Hodgson an die WM in die USA. Im gleichen Stadion schnupperte der GC-Spieler Ramon Vega in der Saison 1996/97 während 14 Spielen für Cagliari Serie-A-Luft, bevor er sein Zelt in Tottenham aufbaute. Bref, das denkwürdige Stadion Sant’Elia im sonnigen Cagliari wurde gänzlich ohne schattenspendendes Dach gebaut. Dafür war im Verein lange Feuer unter selbigem. Die Frage, die die Fans nach dem Wiederaufstieg, auf den sie vier Jahre gewartet haben, in Rage brachte, lautete: bleibt Gianfranco Zola oder nicht? Gegen den 38jährigen, der seine ersten Bälle 1984 beim sardischen Verein Nuorese in der C2 trat, bevor er zu einer glanzvollen Karriere aufbrach (Napoli an der Seite von Maradona, Parma, Chelsea, ein Stammplatz in der Nationalmannschaft) und wesentlich am Aufsteig von Cagliari beteiligt war (13 Tore in der letzten Saison) – gegen ihn stellte sich der Präsident Massimo Cellino, der dem Spieler vorwarf, ein zu hohes Gehalt zu fordern und verkündete, er plane die neue Saison ohne Zola. Cagliaria in der Serie A ohne Zola: das war zuviel für die Fans: sie streikten bei der ersten Zusammenkunft der neuen Mannschaft. Die Entwarnung kam Ende Juli, als sich die Parteien doch noch auf einen neuen Vertrag einigen konnten. Für Aufsehen sorgte der Präsident schon kurz nach dem Wiederaufsteig, als er seinen neuen Trainer vorstellte: den unbekannten Daniele Arrigoni, letzte Saison beim Serie C-Klub Frosinone und zuvor je ein Jahr in Sizilien in der Serie B bei Messina und Palermo beschäftigt. Star bei Cagliari ist der Stürmer David Suazo, der 1999 auf die Insel kam – 19 Tore letzte Saison. Treffsicher zeigte sich auch Mauro Esposito: 17 Tore. Spuren hinterlassen hat bei Cagliari die EM in Portugal. Neu soll der Grieche Katergiannakis bei den Sarden das Tor hüten. Ihnen, den Griechen, werden wir in dieser Serie noch einige Male begegnen. Prognose: Abstiegsgefährdet.

Gianfranco Zola bleibt ein Sarde

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