Die Zeitung zu ihrer Anfangszeit

Diese Trouvaillen aus dem Tagi-Bildarchiv zeigen den Wandel des Zeitungsgeschäfts im letzten Jahrhundert.

Per Velo und per Töff: Die «Ausläufer» um 1930. Foto: TA-Archiv

Stolz stehen und sitzen die Kuriere auf und neben ihren Zweirädern. Über ihnen prangt ein Schriftzug auf dem Gebäude ihres Arbeitgebers, der einen Teil ihres Stolzes erklären dürfte: «Tages-Anzeiger – 80’000 Abonnenten».

Als der Tagi 1893 zum ersten Mal erscheint, müssen sich die Leser durch eine Bleiwüste kämpfen. Unbedrucktes Weiss gilt als Verschwendung, die Buchstaben, Worte und Sätze stehen auf 16 Seiten dicht an dicht. Als sogenannter General-Anzeiger soll die Zeitung politisch neutral über die wichtigsten globalen und lokalen Neuigkeiten informieren und Platz bieten für viele Inserate. Zu Beginn beschäftigt der Tagi dafür nur 15 Angestellte, vom Redaktor bis zur Verträgerin. Die Auflage steigt, und die Inserenten stehen bald Schlange. Bis das Bild der Ausläufer in den 1930er-Jahren entsteht, hat sich die Auflage der Zeitung verdoppelt.

Hand- und Fussarbeit: Die erste Linotype-Setzmaschine des «Tages-Anzeigers» um 1902. Foto: TA-Archiv

Das Redaktionsbüro 1902, im Vordergrund der erste Chefredaktor, Johann Jakob Kündig. Foto: TA-Archiv

Das Expeditionsbüro, zuständig für Inserate und Vertrieb. Foto: TA-Archiv

Die höchste Auflage Zürichs: Zwei 16-seitige Zwillingsrotationen bewältigen 1902 den Druck von Zehntausenden täglichen Ausgaben des «Tages-Anzeigers». Foto: TA-Archiv

Mit Pferdekutschen und Handwägeli: 1902 war das Zeitungsvertragen Frauen- und Kinderarbeit. Foto: TA-Archiv

Das «Tages-Anzeiger»-Gebäude am Stauffacherquai mit dem ersten Anbau von 1905. Foto: Tamedia Unternehmensarchiv

 

Höhere Auflage, grössere Maschinen: Die 64er-Rotation des «Tages-Anzeigers» war 1913 die erste ihrer Art in der Schweiz und war bis fast 50 Jahre im Einsatz. Das Bild wurde 1929 aufgenommen. Foto: TA-Archiv

Lettern im Bleisatz: Der Blick in den Inserate-Setzersaal (1929). Foto: TA-Archiv

Die Spedition: Hier werden die Zeitungen vor der Verteilung gebündelt (1929). Foto: TA-Archiv

Stolz präsentiert: Der Tagi-Fuhrpark in den 1930er-Jahren. Foto: TA-Archiv

Ausgekippt: Auch vor der motorisierten Zustellung kam es zu Pannen bei der Zustellung. Foto: TA-Archiv

Arbeitsschritt in der Imago-Tiefdruckanstalt an der Bellerivestrasse in den 1950er-Jahren. Foto: TA-Archiv

Arbeitsschritt in der Imago-Tiefdruckanstalt an der Bellerivestrasse in den 1950er-Jahren. Foto: TA-Archiv

Käfer vor dem neuen Erweiterungsbau an der Werdstrasse 21, der 1961 fertiggestellt wurde. Foto: Tamedia Unternehmensarchiv

Moderner Look: Die Schalterhalle des Neubaus von 1961 an der Werdstrasse. Foto: TA-Archiv

1970 erschien das erste «Tagi-Magi» – und sorgte mit einer provokanten Thematisierung des Themas Frauenrechte für Furore. Foto: TA-Archiv

Der Stellenanzeiger war über Jahrzehnte ein Einnahmegarant – hier laufen Exemplare über die Förderanlage im Druckzentrum an der Kohlengasse, das in den 1970er- und 1980er-Jahren immer weiter ausgebaut wurde. Foto: TA-Archiv

Türme aus Papier: Das Rohmaterial muss jeden Tag in grossen Mengen bereitstehen. Foto: TA-Archiv

Mal langsam und stetig, mal schnell und abrupt ändert sich die Welt im 20. Jahrhundert – und mit ihr die Zeitungswelt. Berufe verschwinden, wandeln sich und entstehen neu. Eindrücklich ist etwa das Beispiel des Setzers: War es lange Zeit Handarbeit, die Lettern für den Druck richtig anzuordnen, wird die Seitengestaltung heute von Layouterinnen und Layoutern am Computer gemacht. Im Gegensatz zur Gründungszeit gilt Weissraum als legitimes gestalterisches Element. Und manch ein Artikel findet den Weg auf das Papier gar nicht mehr, sondern wird allein für das Web produziert.

1 Kommentar zu «Die Zeitung zu ihrer Anfangszeit»

  • Bruno Vögele sagt:

    Danke für diesen historischen Rückblick! Dabei werde ich gerade ein wenig wehmütig: Meine 2012 verstorbene Mutter hat den „Tages-Anzeiger“ jahrzehntelang – bei jeder noch so misslichen Witterung – ab morgens um 04:00 Uhr in die Briefkästen der Gemeinden Altstetten und Höngg verteilt, bevor sie wieder nach Hause zurückkehrte und dafür besorgt war, dass wir drei Kinder rechtzeitig zur Schule kamen. Mit dem so verdienten Zustupf konnte sich die ganze Familie herrliche und erholsame Winterferien leisten. Dafür bin ich meiner lieben Mutter ewig dankbar.

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