Der Witz ist die Ordnung

Als Polizist hat er Autounfälle fotografiert, nach dem Feierabend den Alltag: Es gibt Neues aus dem Fundus von Arnold Odermatt.

Buochs, 1965. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Arnold Odermatt? Genau, das ist der Nidwaldner Kantonspolizist, der ein Berufsleben lang Autounfälle fotografierte, und zwar für die Akten. Bevor er dann, als er schon pensioniert war, verwundert bemerkte, dass er die ganze Zeit Kunst produziert hatte: 2001 stellte Harald Szeemann seine Unfallbilder an der Biennale von Venedig aus. Und seither ist Odermatt, heute 92, ein international gefeierter Fotograf.

Ennetbürgen, 1972. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

In den kommenden Tagen eröffnet die Zürcher Photobastei seine bisher grösste Werkschau in der Schweiz, zudem ist ein weiterer Band mit Bildern aus seinem Archiv erschienen. «Feierabend» umfasst Aufnahmen, die Odermatt oft nach dem Dienst gemacht hat: in eigenem oder in ehrenamtlichem Auftrag, als Lokalfotograf für Nachbarn und Freunde, und befreundet und benachbart war in diesem kleinen Kanton ja eigentlich jeder.

Stans, 1974. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Stans, 1973. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Kapelle Muff‐Glanzmann, Hergiswil, 1975. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Stans, 1958. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Seilbahn Oberrickenbach Post‐Schmidsboden. Wolfenschiessen, 1993. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Arnold Odermatt: Hergiswil, 1961. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Rathaus Stans, 1987 © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Hergiswil, 1982. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Kantonspolizei Nidwalden. Oberdorf, 1974. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Buochs, 1995. © Urs Odermatt, Windisch/Pro Litteris

Zu einer weiteren Sensation wie mit den Unfallfotos reicht es damit zwar nicht. Aber auch diese Bilder zeigen, dass Arnold Odermatt noch den alltäglichsten Gelegenheiten eine polizeilich geschulte Klarheit abgewann. Und gerade damit auch immer wieder einen eigenen Witz.Der Handstand des Ordnungshüters an einem autofreien Sonntag 1973 in Stans (oben), die Kapelle Muff-Glanzmann als Gruppenbild mit Abfallkübel (Hergiswil, 1975), der Akrobat im Wohnzimmer (Stans, 1958) oder auch er selbst im supponierten Dienst mitsamt Pendule (1974): Odermatt hat die Welt mit seiner Kamera aufgeräumt. Und das derart gründlich, dass jede Regung, jedes noch so unscheinbare Detail das Zeug dazu bekommt, in dieser stimmigen Aufgeräumtheit eine aufgeräumte Stimmung zu machen.

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Die Ausstellung: 20. Januar
bis 12. März, Photobastei, Zürich.
Der Bildband: Feierabend/Après
le boulot/After Work. Steidl-
Verlag, Göttingen 2016. 348 Seiten,
375 Fotos, etwa 100 Franken

1 Kommentar zu «Der Witz ist die Ordnung»

  • andreas witschi photopuralist sagt:

    Arnold Odermatt, begnadeter Photograph mit einem unglaublich talentierten Auge. Er verstand es, die ungezählten Gelegenheiten und Situationen in seinem Beruf fürs Festhalten, fürs Dokumentieren mit grossem Herzen zu nutzen. Mit Arnold Odermatt haben wir einen Künstler vor uns, der dem Leben mit reinem und wahrem Respekt seine Zuwendung gab, so wie es sich ihm rein und wahr offenbarte. Diese besondere Beziehung ist in jedem seiner epischen Bilder zu spüren. Und das ist es, was es ausmacht, einen Arnold Odermatt (ich spreche hier wie von einem Gemälde!) vor sich zum Betrachten und zum Staunen (oft auch zum Schmunzeln) zu haben. Das Leben gibt uns einen Wink! Für mich ist Arnold Odermat auch ein Verist, er huldigt dem Verismus, will heissen: Die Bilder transportieren, wie wahrhaftig sie sind.

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