Traumbilder eines Trotzkopfs

 

Vom Skandal zum Klassiker: Zwei Ausstellungen zeigen das Frühwerk von René Groebli.

 

René Groebli, Zürich (Nr. 619), Quaibrücke, 1949

Zürich, Quaibrücke

Er war unbelehrbar, von Anfang an, und sein Lehrer hätte ihn fast von der Zürcher Kunstgewerbeschule geworfen. Der grosse Hans Finsler predigte dort die kühle, reine, gestochen scharfe Objektivität. Doch sein Schüler Groebli lieferte ihm verschwommene Szenen des Feierabendverkehrs auf der Quaibrücke: vor­über­wi­schende Passantenfetzen, ungreifbare Traumgestalten.

Das war 1946. Drei Jahre später legte René Groebli, erst 22-jährig, eine Arbeit hin, die zum Klassiker werden sollte, damals aber kaum verstanden wurde: «Magie der Schiene» – ein Film aus Fotos, eine assoziative Folge subjektiver Eindrücke vom Geschehen auf und neben den Gleisen, eingefangen in Paris und auf einer Fahrt nach Basel. Keine Technik- oder Reisereportage, sondern ein grosses Sinnbild des Unterwegsseins. Und wieder dieses grobe Korn, das viele Schwarz und die Unschärfe, die das Tempo und den Traum markieren. Damit wurde «Magie der Schiene» zum Meilenstein der Schweizer Fotogeschichte. Und zum Mittelpunkt der laufenden Wiederentdeckung Groeblis – eines Trotzkopfs, der demnächst 89 wird.

 

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«Magie der Schiene», 1949

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«Magie der Schiene», 1949

René Groebli, Beryl Chen (Nr. 1286), 1953

«Beryl Chen», 1953

René Groebli, Robert Frank (Nr. 290), 1949

Robert Frank, 1949

René Groebli, Zürich (Nr. 616), Zirkus Knie, 1948

Zirkus Knie, Zürich, 1948

René Groebli, Charles Chaplin (Nr. 606), 1952

Charles Chaplin, 1952

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«Auge der Liebe», 1952

RenéGroebli_AugederLiebe_No517_Paris 1953

«Auge der Liebe», 1952

René Groebli, London (Nr. 1226)_1949

«London», 1949

René Groebli, London (Nr. 1202), 1949

«London», 1949

 

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«Early Work», bis 14. Mai, Bildhalle, Kilchberg.

«Magie der Schiene», bis 17. April, Museum im Bellpark, Kriens.

Bildband: René Groebli: Early Work. Sturm & Drang, Zürich 2015. 153 Seiten, etwa 55 Franken.