Atmosphärisch unscharf

Der schwedische Fotograf Martin Bogren bannt mit viel Unschärfe maximal viel Atmosphäre auf seine Schwarzweissbilder.

Martin Bogren / Agence VU.

Diese Fotos sind in den Wäldern Schwedens entstanden, wo im Sommer zahlreiche Tanzveranstaltungen stattfinden, Partys, an denen sich Jung und Alt treffen und nahekommen. So nahe, wie man es während des befohlenen Social Distancing der letzten Monate nicht mehr für möglich gehalten hätte. Martin Bogren, ein aus Malmö stammender Fotograf mit Jahrgang 1967, hat sich in den vergangenen Jahren auf solchen Partys getummelt und dabei traumhaft schöne, beinahe unwirkliche Aufnahmen gemacht. Seine Fotoserie mit dem Titel «August Song» besteht aus Bildern, die so intim sein können wie jene von Brassaï. Die so spontan sein können wie jene von Robert Frank. Die gleichzeitig dokumentarischen Ansprüchen genügen und extrem subjektiv sind.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Martin Bogren / Agence VU.

Am besten lassen sich diese Bilder wohl mit einem Paradoxon beschreiben: Je stärker das Bild in die Unschärfe kippt, desto atmosphärischer wird es. Da ist ein Kuss und ein nachdenklicher Blick. Da ist eine Hand auf einem verschwitzten Hemd und eine lockere Umarmung. Da sind liebende, sehnsüchtige und einsame Menschen – emotionale Momente von einem Fotografen erhascht, dessen Blick nicht weniger emotional ist als der Zustand der Menschen, die er vor seine Kameralinse bekommt. Ja, vielleicht liegt ja gerade in dieser Unschärfe der Reiz einer Fotografie, die alles gibt, um den entscheidenden Moment zu erhaschen. Und die alles opfert, was den meisten Fotografen hoch und heilig ist: die Schärfe, die Tiefe, das kleine Korn oder die saubere Bildkomposition. Nein, hier werden die scheinbaren Fehler zu Tugenden, die dem Moment eine unübertroffene Lebendigkeit und Authentizität verleihen, sodass einem die Bilder vorkommen, als stammten sie aus einer anderen Welt. Aus jener Welt vor Corona und, wer weiss, vielleicht auch aus jener danach.

1 Kommentar zu «Atmosphärisch unscharf»

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