Als sei die Welt untergegangen

Leere Sitzreihen, dafür pure Architektur: Die Bieler Fotografin Valérie Chételat reist während der Corona-Krise von Australien in die Schweiz.

© Valerie Chetelat

Wo sind all die Menschen hin? Wir wissen es. Es ist Anfang Mai, die Bieler Fotografin Valérie Chételat reist von ihrem Zweitwohnsitz Australien zurück in die Schweiz. Zwischenstopp am Hamad International Airport in Doha, Qatar. «Ich hatte das Gefühl, als sei die Welt untergegangen und wir die letzten Menschen, die noch herumschleichen», erinnert sie sich.

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Und auch heute, wo die Flughäfen ihren Betrieb langsam wieder hochfahren, löst der Anblick dieser Bilder bei ihr immer noch dasselbe bedrückende Gefühl aus. Kein Parfüm in den Regalen der Duty Free Shops, kein Kampf um Armlehnen, ein hell beleuchteter Schmuckladen mit leeren Büsten. Alles leer hier. Was bleibt, ist pure Architektur.

© Valerie Chetelat

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© Valerie Chetelat

Chételat, die zwei Jahrzehnte für den «Bund» fotografierte und heute neben ihren Fotoprojekten Wanderungen und Trekkings organisiert und leitet, interessiert sich nicht erst seit der Corona-Krise für menschenleere Orte. In den letzten Jahren fotografierte sie ein verlassenes 5-Sterne-Hotel oder ausrangierte Züge im australischen Outback, blickte in eine Feuerwehrkaserne, in der keine Feuerwehr mehr war. Warum so viel Leere? «Wenn wir Menschen auf Bildern sehen, fangen wir sofort an, zu kategorisieren. Im Gegensatz dazu erzählen menschenleere Orte ihre ganz eigene Geschichte. Sie lassen viel mehr Interpretationsspielraum zu.»

© Valerie Chetelat

© Valerie Chetelat

© Valerie Chetelat

Was auf Chételats Bildern auffällt, ist nicht nur das völlige Fehlen von Gesichtsmasken, sondern auch dass sie es schafft, durch Licht und Perspektive diese seltsame Beklemmung einzufangen, die uns noch eine ganze Weile begleiten wird.

© Valerie Chetelat

© Valerie Chetelat

Valerie Chetelat © Alison Pouliot

Valerie Chetelat fotografiert oft urbane und industrielle Themen, insbesondere vergessene Räume, mit einem dokumentarischen Ansatz. Höhepunkte aus zwei Jahrzehnten als Fotografin sind der Gewinn des „Swiss Press Photo Award“ 2009 in der Kategorie „Sport“ und 2013 in der Kategorie „Kunst und Kultur“ sowie ein Anerkennungspreis der Berner Kulturkommission.

www.valeriechetelat.com

1 Kommentar zu «Als sei die Welt untergegangen»

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