Als die Hippies ihre Unschuld verloren

Prügelnde Hells Angels, zu viel LSD und 4 Tote: Der Summer of Love endete vor 50 Jahren im Desaster.

Noch ist die Stimmung friedlich: Fans pilgern zum Festivalgelände rund 75 Kilometer ausserhalb von San Francisco. (6. Dezember 1969)

Als grosse Abschlussshow ihrer Amerika-Tournee geplant, wird das Gratiskonzert der Rolling Stones auf dem Altamont Speedway am 6. Dezember 1969 zum desillusionierenden Schlüsselereignis der Love-&-Peace-Generation. «Wenn Woodstock der Traum war», sagt der britische Fotograf Eamonn McCabe, «dann war Altamont der Albtraum.» Statt der erwarteten 80’000 Besucher sind es fast eine halbe Million Menschen, die sich auf dem erst zwei Tage zuvor bestimmten Gelände in der Nähe von San Francisco einfinden. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit kann …

Zu viele Menschen: Rund eine halbe Million Rock-Fans wollten sich das Gratiskonzert nicht entgehen lassen. Gerechnet wurde mit lediglich 80’000 Besuchern. (6. Dezember 1969)

Ausgeträumt: Das Altamont-Festival gilt als der Tag, an dem die Hippiebewegung ihre Unschuld verlor. (6. Dezember 1969)

… nichts fertig gebaut werden. Die Bühne ist viel zu niedrig, es fehlt an Parkplätzen, Zäunen, Toiletten. Am verhängnisvollsten sollte sich aber das Engagement der Hells Angels als Sicherheitskräfte erweisen. Die über 300 mit Alkohol bezahlten Biker hocken auf der Bühne, schlucken Acid, zielen mit Bierdosen auf die Köpfe der Fans und traktieren sie mit Billardstöcken. Marty Balin, der Sänger der Vorgruppe Jefferson Airplane, wird gar auf der Bühne bewusstlos geschlagen.

Schlechte Wahl: Für die Sicherheit engagierte man die Hells Angels. (6. Dezember 1969, Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Autogrammstunde: Mick Jagger signiert Stunden vor dem verhängnisvollen Auftritt LPs. (6. Dezember 1969, Keystone)

Zunge raus: Ein Hells Angel versucht seine Begleitung zu küssen. (6. Dezember 1969, Shutterstock)

(6. Dezember 1969)

Ein Filmstill der Doku «Gimme Shelter» zeigt, wie Hells Angels mit Billardstöcken auf Fans einprügeln. (6. Dezember 1969, Owens/20th Century Fox/Hulton Archive/Getty Images)

Die in aller Eile gezimmerte Bühne war viel zu niedrig und nicht festivaltauglich.

Deeskalation war nicht ihre Sache: Zwei Hells Angels, einer davon bewaffnet mit einem Billardstock, bewachen die Bühne. (6. Dezember 1969, Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Wenig Platz: Eine Frau trägt ein Kind über das komplett überfüllte Festivalgelände. (6. Dezember 1969, William L. Rukeyser/Getty Images)

 

Ruhe vor dem Sturm: Hells Angels und Zuschauer vor dem Auftritt der Rolling Stones. (6. Dezember 1969, William L. Rukeyser/Getty Images)

Bad in der Menge: Mick Jagger wird von Polizisten durch die Fanmenge geschleust.

Das Unheil nimmt seinen Lauf: Immer wieder kommt es während des Stones-Konzerts zu Schlägereien. Die Show muss mehrmals unterbrochen werden. (6. Dezember 1969, Keystone)

(6. Dezember 1969, Keystone)

Verlieren die Kontrolle: Alle Versuche der Band, die Lage zu beruhigen, scheitern. Sie spielen die Show trotzdem weiter und können sich schlussendlich in einem massiv überladenen Helikopter in Sicherheit bringen. (6. Dezember 1969, Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Als nach langer Pause die Stones mit «Jumpin‘ Jack Flash» loslegen, ist die Stimmung längst gekippt. Immer wieder von Schlägereien und Tumulten unterbrochen, schleppen sie sich bei brennenden Müllbergen, die gegen die Kälte angezündet wurden, durch ihr Set, bis es schliesslich während «Under My Thumb» zur verhängnisvollen Messerattacke kommt, bei der der 18-jährige Teenager Meredith Hunter sein Leben verliert. Sonny Barger, Präsident der Oakland-Abteilung der Hells Angels, behauptet später, die Biker hätten die Stones lediglich vor einem bewaffneten Angreifer beschützt. Drei weitere Besucher überleben das Festival nicht. Zwei sterben bei einem Autounfall, ein weiterer ertrinkt im LSD-Rausch in einem Flussbett. Die Hippiezeit endet als Horrortrip.

Meredith Hunter (im grünen Anzug), wenige Minuten nur bevor er von einem Hells Angel erstochen wurde. Eine Jury in San Francisco sprach den des Mordes angeklagten Angel Alan Passaro später frei. (6. Dezember 1969)